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hersMer Urekblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnfchlutz Nr. 8 ’
Nr. 80. Donnerstag, den 10. Juli 1913.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 4. Juli 1913.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher deS Kreise-, welche meine Verfügung vom 29. Juni 1880 Nr. I. 7660, (KreiSblatt Nr. 52), betreffend Einreichung eine- Verzeichnisse- über die von Privathengsten abstammenden Füllen, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 18. d. MtS. erinnert.
I. 7920. Der Landrat.
3. «.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
Her-feld, den 4. Juli 1913.
Im Hinblick, auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglück- umso größer ist, je mehr Nahrung dem auS- gebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren OrtS- Vorstände deS Kreise- tunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach begonnener Ernte die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich, ein jeder feine Vorräte gegen Feuer-gefahr versichert, damit im Falle eine- Unglücks eine tunlichst erreichbare Ausgleichung deS erlittenen Schaden? stattfinden möge.
Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß deS Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. KreiSblatt Nr. 20) die Abhaltung von HauS- kollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand, ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk aus die sichere Ausbewahrung der Streichhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren OrtSvorstände wollen für tunlichste Be- kanntwerdung deS Gesagten Sorge tragen und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder einzuwirken.
I. 7921. Der Landrat.
3. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
HerSfeld, den 7. Juli 1913.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher erinnere ich an Einsendung der KreiShundesteuerzugangSliste oder aber Erstattung von Fehlanzeige für die Monate April, Mai und Juni 1913 bis spätestens zum 15. dS. MtS.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. No. 5091, von GruneliuS.
HerSfeld, den 7. Juli 1913.
Der Bürgermeister BudeSheim zu Friedewald ist für einen
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.
(Fortsetzung.)
Mit ehrerbietigem Neigen empfing er sie. Noch einmal hefteten sich die Blicke ineinander, noch einmal grüßten sich die jungen Augen, dann sprengten die Reiter im Galopp davon.
AlS Wilhelms und Saher auf dem Schloßhofe hielten, kamen eben Eugen und Lydia von der Bootfahrt zurück.
Eugen hielt die Hand über die Augen, um schärsrr zu sehen.
„Täusche ich mich? Georg v. Wilhelms und Friedrich v. Saher? Alle Wetter! Kommt ihr auS Berlin? Und waS bedeutet euer Kommen? Glück oder Unglück? Leben oder Tod?"
„DaS kommt auf die Auffassung an, Hirschfeld," entgegnete Saher munter.
Wilhelms bedeutete ihm zu schweigen und wandte sich zu Eugen: „Führe unS zu deinem Vater. Wir haben eine Meldung an den General."
AuS dem Ton entnahm Eugen sofort die Wichtigkeit der Nachricht, und sein Herz fing an schneller zu schlagen. WaS jür Botschaft brachten die Kameraden?
Er zog sie mit sich fort, die Freitreppe hinauf zu seines VaterS Arbeitszimmer.
Der General stand erwartungsvoll an feinem Schreibtisch. Er hatte die Reiter kommen sehen. Auch der Prediger lehnte in nicht geringer Spannung am Fenster,
Die Grenadiere grüßten militärisch.
„Wir kommen auS Berlin. Seine Majestät der König ist mit der Königin zur Armee abgereist. Der Krieg mit Frank- reich beginnt," sagte Georg v. Wilhelmi. „Hier ist die Marschorder für den Herrn General v. Hirschfeld."
Zuerst blieb alle- stumm. DaS Ereignis, inbrünstig ersehnt und nun wirklich eingrtreten, machte einen überwältigenden Eindruck.
am 7. August d. Jr. beginnenden weiteren Zeitraum von 8 Jahren wiedergewählt und bestätigt worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 5099. von Gruneliu -.
Bekanntmachung.
Bestehender Vorschrift gemäß wird hierdurch folgendes bekannt gemacht:
1. Die Dienststunden der hiesigen Kreis- und Forstkasse für den persönlichen Verkehr find Vormittag- von 8 bis
1 Uhr mit Ausschluß der Sonn- und Feiertage.
2. Zum Zwecke der Bücherabschlüsse und der Kassenrevifionen ist da- Kassenlokal an folgenden Tagen geschloffen:
a. am letzten Werktage eines jeden MonatS bis 11 Uhr Vormittags fällt der 1. auf einen Sonntag, dann am vorletzten Werktage bi- 11 Uhr,
b. am vorletzten Werktag der 3 ersten Vierteljahre,
c. an den 2 vorletzten Werktagen im Monat April. HerSfeld, den 2. Juli 1913.
Königliche Kreis- und Forstkaffe. gez. Schultheiß. * * HerSfeld, den 4. Juli 1913. Wird veröffentlicht.
I. 7825. Der Landrat.
I. A.
Trost, RegierungS-Supernumerar.
nichtamtlicher teil.
Das Ende eines jungen deutschen Fremdenlegionärs.
Ein empörender Vorgang, der nicht scharf genug gebrand- markt werden kann, wird dem „Schwäbischen Merkur" berichtet. Er wirft ein neues grelles Schlaglicht auf die französische Militärgerichtsbarkeit und die französischen Offiziere in der Fremdenlegion:
Eine Abteilung der Fremdenlegion befand sich aus dem Marsche im marokkanischen AusstandSgebiet. Ein blutjunger deutscher Fremdenlegionär, HanS M., erhielt den Auftrag, einen Patrouillengang auSzuführen. Auf diesem wurde er schwer verwundet. Er verlor die Besinnung, und als er sie wiedererlangte, war seine Kompagnie längst außer Sehweite. Erst nach mehreren Tagen, und nachdem er sich, der Not gehorchend, aller entbehrlichen Ausrüstungsstücke entledigt hatte, traf M. ganz erschöpft und mit hohem Fieber bei seiner Kompagnie wieder ein. Er wurde im Feldlazarett ausgenommen, aber schon nach wenigen Tagen auf Veranlassung deS AbteilungSführerS, Oberstleutnants P., dem Kriegsgericht X. vorgeführt und der Fahnenflucht und Preisgabe von
Dann brach Eugen zuerst daS Schweigen.
„Endlich!" rief er au- tiefster Seele. „Endlich die Er» lösungSstunde, die Stunde deS KampfeS gegen den Unterdrücker! Endlich! Mein Gott, wie haben wir nach dem Worte „Krieg" gedürstet. Mann, du hast mir da- Leben wiedergegeben."
„WaS ist der Grund zu diesem überraschendem Entschluß?" fragte der General.
„KnobelSdorff hat berichtet, daß Napoleon seine Armee in Süddeutschland verstärken wolle. Seine Majestät aber sind entschloffen, aus den Forderungen der Gründung deS Norddeutschen BundeS und deS Zurückziehen- der französischen Truppen auS Deutschland zu bestehen."
„Darauf geht Napoleon nicht ein," sagte der General.
„Nein. Darum wird der Krieg beginnen. DaS preußische Ultimatum ist mit einem Briefe deS KönigS nach Pari- ab- gegangen."
„Wir werden morgen früh marschieren," erklärte General v. Hirschfeld. „Wo ist daS Hauptquartier?"
„In Naumburg. Den Oberbefehl über daS ganze Heer hat der Herzog von Braunschweig."
„Gut. Wir werden dem Könige nach Naumburg folgen und da die weiteren Befehle entgegennehmen. Eugen, ich brauche dich. Auch Moritz kann Botschaften überbringen. Sie, meine Herren, werden der Ruhe bedürfen nach dem scharfem Ritt. In einer Stunde erwarte ich Sie zu Tische."
Er grüßte und wandle sich seinem Schreibtische zu, nun ganz der Kommandeur, bessert Gedanken sich einzig auf die Anforderungen deS Dienstes richteten.
Bald flogen die Botschasten nach allen Seiten. Die Offiziere aber wurden von dem Diener aus ihre Zimmer geleitet.
Die Schwestern waren nach dem wunderbaren ErlebnrS auf der Mauer deS ParkeS inS Haus geeilt. Hinter den Vorhängen deS Wohnzimmer- verborgen, beobachteten sie die Offiziere und sahen, wie sie in den Hof einritten, wie sie von den Pferden sprangen und Eugen zu seinem Vater folgten.
„Also wirklich, hierher ging ihr Ritt, und wir werden sie
Tienst- und Ausrüstung-gegenständen als dringend verdächtig angeklagt.
Zur Ueberraschung aller Anwesenden stellte daS Kriegsgericht in der Verhandlung zunächst fest, daß M. noch nicht einmal 17 Jahre alt war und daß folglich wegen Minderjährigkeit nach dem französischen Gesetz überhaupt kein Vertrag für die Legion mit ihm abgeschlossen werden konnte! Trotzdem verhandelte man weiter gegen ihn und benahm sich im Kriegsgericht ganz so, als säße man in fröhlichster Laune im WirtShause. Der Vorsitzende, Oberstleutnant P., witzelte über die in den Mienen deS Angeklagten erkennbare Angst, und die Beisitzer stimmten in die allgemeine Heiterkeit mit ein. In dieser Stimmung und ohne auf die Beweise und Beteuerungen des M. näher einzugehen, verurteilte man ihn aus Grund künstlich ausgebauter Verdacht-gründe zum Tod durch Erschießen l Ohnmächtig brach M. zusammen und wurde inS Untersuchung-» gesängniS zurückgebracht.
Auf seine flehentlichen Bitten benachrichtigte man schließlich seine Eltern, gutgestellte Leute in K., von dem Urteil-spruch. Sein Vater wandte sich sofort telegraphisch an den Präsidenten der Republik und erbat Ausschub deS Vollzugs. Dann machte er sich mit der verzweifelten Mutter aus und trat die Reise nach Asrika an, um seinen Sohn noch einmal zu sehen und zu umarmen. Oberstleutnant P. fand anscheinend ein besondere- Vergnügen daran, den Unglücklichen im Lazaret aufzusuchen. „Wie geht eS Dir? Bist Du bald geheilt?" M. bedankte sich. P. erwiderte: „Beeile Dich, daS Lazarett bald zu verlassen, draußen warten 12 Kugeln auf Dich!" Man versetze sich in die seelischen und körperlichen Qualen der M., um die Roheit deS P. richtig einzuschätzen!
Inzwischen waren die Eltern deS M. in Oran gelandet, und der Vater teilte seine bevorstehende Ankunft in Z. telegraphisch dem Kriegsgericht £ mit. Diese- hatte, wie durch Zeugen einwandSfrei festgestellt worden ist, bereit- eine Anweisung deS französischen Kriegsministers erhalten, wonach der Präsident der Republik M. begnadigt und seine Strafe umgewandelt habe. Ohne sich um diese Anweisung zu scheren, ließ Oberstleutnant P. auf die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft der Eltern M.S sofort 12 Mann antreten und den unglücklichen, halbtoten Menschen, der sich nicht einmal aus den Beinen halten konnte, wenige Minuten vor Ankunft deS ZugeS, der die Eltern brächte, erschießen. Als Vater und Mutter in den Hos deS UntersuchungSgesängnisseS traten, war ihr Sohn bereits beerdigt. Wohl hat sich auf Betreiben bet erbitterten Vater- die sranzösische Militärbehörde der Form wegen mit der Untersuchung der Angelegenheit befaßt. Sie endete nicht etwa mit einer Bestrafung deS Oberstleutnant- P.; dieser wurde vielmehr zum Obersten besördert.
Vor kurzem behaupteten sranzösische Blätter, daß der srühere Bürgermeister von Usedom Trömel nach seiner eigenen Aussage sich sür die sranzösische Fremdenlegion habe anwerben lassen, um den unerträglichen Zuständen in Deutschland zu entgehen! Man erinnert sich dessen unwillkürlich beim Lesen
Wiedersehen, Ermentrud," rief Hilda erfreut. „Sah er nicht auS wie ein Held mit seiner kräftigen Gestalt und den blitzenden Augen?"
„Welcher?" fragte Ermentrud lächelnd. „E- waren ihrer zwei."
„Hilda sah die Schwester verblüfft an. Dann lachte sie herzlich.
„Du hast recht, Schwester mein. Ich meine natürlich den einen, und zwar natürlich den, der meine Rose haben wollte."
„Du gabst sie ihm. Tatest du e- nicht?" neckte Ermentrud.
„Und du warsst dem andern deine Aster zu, die schwermütige Blume deS sterbenden SommerS."
,^Jch hatte keine Rose mehr," antwortete Ermentrud leise.
„Mache dir nur darum keine Sorge," ermunterte Hilda. „Blume ist Blume. Und nun komm zu den andern. Ich vergehe vor Neugier, zu erfahren, war die beiden Herren hersührt."
Arm in Arm begaben sich die Zwillingsschwestern zu der Tante, die sie mit Fräulein Luise v. Hirschfeld und Lydia im Eßsaale fanden. Sie warteten alle in unruhiger Spannung darauf, zu hören, war die Ankunft der Offiziere bedeutete.
Da kam Prediger Pfeiffer zu ihnen.
„Der Krieg ist da, meine Damen," sagte er in ernstem Ton, aber seine Augen leuchteten. „Der König ist mit der Königin zur Armee gegangen, und der General verläßt morgen in bet Frühe mit seinen Truppen Brandenburg."
„Gottlob, daß der König sich entschloffen hat," frohlockte Hilda. „Jetzt wird Preußen zeigen, waS eS leisten kann. Jauchzend wird daS Heer Friedrichs beS Großen in die Schlacht eilen, und Kampf und Sieg wird eins fein."
Frau V. Hi'schicld sah sorgenvoll auS. „Wenn du recht hättest, mein Kind! Aber ich sürchte, du täuschest dich über die Truppen."
„O Tante, sie brennen vor Begierde, sich zu schlagen und endlich vor dem Feinde zu stehen," rief Hilda.
„Guter Wille und sreudiger Mut sind da. Aber wir haben eben nicht mehr die Armee deS großen König?," sagte der Prediger.