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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8 '

Nr. 78. Lonnabend^en Z.Znli 1913.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Herrfeld, den 30. Juni 1913.

Mit Genehmigung der Königlichen Regierung zu Cassel habe ich auf Grund deS § 103 deS ZuständigkeftSglsttzeS vom 1. August 1883 dem Königlichen Förster Hufschmidt zu Friedewald die auShülsSweise Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in den Feldgemarkungen Friedewald, Lautenhausen, Herfa und Motzfeld übertragen. I. 7691. Der Landrat.

I. A.

Trost, RegierungS-Supernumerar.

HerSseld, den 30. Juni 1913.

Die Maul- und Klauenseuche in MittelSdors, Kreis Dermbach, ist erloschen.

L 7686. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

Herrfeld, den 2. Juli 1913.

Ich habe dem Schornsteinsegermeister Grau in Schenk« lengSseld vom 1. Juli d. I. ab die Verwaltung deS Kehr- bezirks Heimboldshausen übertragen und ihm widerruflich die Genehmigung zur Beibehaltung der Wohnsitzes in Schenk- lengSfeld erteilt.

Vom gleichen Zeitpunkte ab habe ich, den Schornsteinjeger- Meister Rienecker in Niederaula für den Kehrbezirk Niederaula mit dem Wohnsitze in Niederaula angestellt.

Die Abgrenzung der Kehrbezirke infolge der Neueinteilung, die am 1. Juli dS. JS. in Straft getreten ist, ist im SreiSblatt Nr. 45 veröffentlicht worden.

I, 7871. Der Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die unverkürzteAnnahme der Wehrvorlage in Verbindung mit der restlosen Bewilligung der Deckung-- vorlagen ist zweiselloS ein gesetzgeberisches Ereignis von größter Wichtigkeit. Denn hiermit hat daS deutsche Volk nicht zum mindesten auch vor den Augen der ganzen Auslandes durch seine Abgeordneten glatt bewiesen, daß er jederzeit bereit ist, dem Vaterlande aller zu bewilligen, waS zu dessen Ruhm und Ehre sowie zur Sicherung deS Frieden- notwendig ist. Besonders erfreulich an diesem Ergebnis ist, daß der Reichstag noch in letzter Stunde zwei unschöne Flecken be­seitigt hat, die im Laufe der Beratungen an die Vorlage gekommen waren. Erstens bekehrte er sich doch noch zu der Ansicht der Regierungsvorlage, daß bei der neuen HeereS- verstärkung nicht bloß drei, sondern die gesorderten sechs Kavallerieregimenter daS unumgängliche Maß des Notwendigen darstellen, und ferner hat er noch in dritter Lesung darauf verzichtet, eine Steuerpflicht der Fürsten gesetzlich festzulegen. Im großen und ganzen ist demnach die Vorlage ganz nach den Wünschen der verbündeten Regierungen genehmigt worden, eine Vorlage, wie sie gleich gewaltig und bedeutend noch keinem deutschen Reichstage zugegangen ist. Mit Beruhigung können wir nunmehr der Zukunft entgegensehen, denn Dank der Vorsorge der Regierung wird sie unS gerüstet finden, bringe fie waS sie wolle. Deutschland wünscht den Frieden, daS hat eS seit 42 Jahren unablässig bewiesen, aber grade darum muß eS so stark gerüstet sein, daß eS jedem Feinde von vornherein die Lust zum Angriffe benehmen kann. Denn immer noch gilt der alte Grundsatz: Wünschest du Frieden, so rüste dich wie für den Krieg!

Die Vertagung deS Reichstages schloß sich unmittelbar an die Genehmigung der HeereSvorlagen, und die Volksvertreter konnten in Ferien gehen, recht wie zur Beloh­nung für ihre prompt gelöste Hauptausgabe. Unleugbar hat dieser Reichstag nicht bloß durch die Erledigung der Wehr« und DeckungSvorlagen und durch Annahme deS Etats sich daS Verdienst der Pflichterfüllung erworben, er hat auch mit der Annahme anderer Entwürfe von verschiedener Wichtigkeit eine anerkennenswerte Summe gesetzgeberischer Arbeit geleistet. Der Gesamterfolg hätte freilich noch ganz erheblich größer fein können, wäre nicht so beklagenswert viel kostbare Zeit ver« geudet worden durch daS langatmige, inhaltslose Gerede nörgligerGenossen," die mit ermüdender Ausdauer immer wieder längst widerlegte Behauptungen vorbrachten. Noch mehr als diese sinnlose Weitschweifigkeit muß man aber den unerhört rüden Ton bedauern und mißbilligen, den die sozial- demokratischen Abgeordneten im Reichstage als Verkehr-ton einzuführen streben. Höhnische Zwischenrufe, wüster Toben und Schreien, beschimpfende Angriffe und ehrlose Beleidigungen

find die Waffen, die bei den Rednern jener Partri an die Stelle guter Gründe treten, und all dirs« Verunglimpfungen sind um so verächtlicher, als sie feige unter dem Schutze der Indemnität geschehen. Wer sich so außerhalb aller parla­mentarischen Formen stellt, dem sollte wahrlich bei nächster Gelegenheit daS Volk die Möglichkeit unterbinden, weiterhin ein Parlament als unwürdiges Mitglied zu schänden.

Ein neuer Krieg auf dem Balkan ist nun doch mit überraschender Heftigkeit auSgebrochen in dem Augenblicke, wo eigentlich die Hauptschwierigkeit beseitigt war und die Beschickung der Petersburger EinigungSkonserenz bereit- voll­zogen werden sollte. Ob Bulgarien oder Serbien oder Griechen­land nach einem wohlerwogenen Plane loSgeschlagen haben, oder ob tatsächlich nur der lange zurückgehaltene Haß der im Felde stehenden Truppen blindlings alle Hemmungen ver­nünftiger Ueberlegung eingerissen hat, wird die Zukunft lehren. Jedenfalls liefern sich die drei Gegner blutige Schlachten, die den bisherigen Verlusten neue Opfer hinzufügen. Für die Kulturwelt bieten die Staaten, die als ehemals Verbündete über der Beuteverteilung so in Streit geraten, daß sie sich nun gegenseitig zerfleischen, ein nicht gerade rühmliche- Schau­spiel. Gleichzeitig lehrt aber der wider alles Erwarten erfolgte Ausbruch dieses Kriege-, daß bei den Balkanstaaten kaum etwa- unmöglich ist, und daß die Beendigung des Türken« kriegeS den Großmächten noch keineswegs daS Recht gab, sich einzulullen in den bequemen Schlummergedanken:Europa hat Frieden, Europa hat Ruh!"

Der amtliche Antrittsbesuch PoincarsS in London hat, wie aus den zwischen König Georg und dem Präsidenten der französischen Republick gewechselten Trink- sprühen hervorgeht, zweifellos eine neue Festigung der Entente eordiale bewirkt. Wenn auch der diplomatische Erfolg diese- Höflichkeitsbesuches von gewissen Pariser Blättern stark über­trieben worden ist, so wird man doch nicht daS Bestreben Frankreichs verkennen können, sich allenthalben in Europa Freunde für den Fall der Not zu sichern. Gegen wen die Spitze dieser Bestrebungen gerichtet ist, weiß man aus Preffe- Hetze und nationalistischen Brandreden ja zur Genüge.

Der neue Ballantrieg.

Eine wesentliche Aenderung der Lage aus dem Balkan ist feit gestern nicht eingetreten. Die Bulgaren sind nach ihrem Offensivstoß aus da- linke Bregalnitza Ufer zurückgekehrt. Serben und Montenegriner drängen nach. Da die bulgarische Regierung der serbischen noch eine letzte Frist gegeben hat, von dem Nachdrängen abzustehen und hinter die Demarkations­linie zurückzugehen, bevor sie den KriegSzustand als unab­änderlich ansieht und die diplomatischen Beziehungen abbricht, ist noch immer die Zeit zum Verhandeln nicht verstrichen. Die stattgehabten Gefechte sollen für beide Seiten recht Verlust« reich gewesen sein. Rumänien schließt sich vorläufig noch der bulgarischen Auffassung an und betrachtet den KriegSzustand noch nicht alS endgültig gegeben, rechnet aber natürlich mit der Möglichkeit, daß auch der letzte Zweifel jeden Augenblick zerstört werden kann. Die griechische Armee beharrt in der Offensive gegen die Bulgaren, wobei daS Waffenglück ihr bisher günstig ist. Die internationale Diplomatie gibt die Hoffnung nicht aus, daß ein offener Kriegsausbruch sich doch noch verhindern lasten werde.

Bukarest, 3. Juli. Die Mobilisierung der rumänischen Armee, die gestern angeordnet wurde, ist in der Ausführung begriffen. Die Regierung fragte bei den Balkanregierungen an, ob sie sich als im KriegSzustand befindlich betrachteten. Serbien antwortete bejahend und kündigte dabei an, daß soeben Griechenland und Montenegro über eine Kriegserklärung ver­handelten. Ebenso äußert sich Griechenland, daS für heute eine große Schlacht mit Bulgarien erwartete. König Karl beriet mit MajoreSco und Take JoneSco, dann mit dem Kriegsminister General HZrjeu und dem Generalstabschef AvereSco über die Mobilisierung. Ein Commumquü der liberalen Partei, daS die sofortige Mobilisierung fordert, lehnt die Verantwortung für jegliche Zaghaftigkeit der Regierung ab.

PariS, 3. Juli. An der rumänisch-bulgarischen Grenze bereitet sich die Konzentrierung bulgarischer Truppenmassen vor, um gegen einen Vorstoß der rumänischen Armee bei Corovia gerüstet zu fein.

Belgrad, 3. Juli. DaS amtliche serbische Pressebureau veröffentlicht folgende Einzelheiten über den zweiten Kampstag, den 1. Juli: Die siebente bulgarische Division, die 24 Bataillone und etwa 70 Geschütze stark war, floh in wilder Unordnung und wurde über daS linke Ufer deS FlusseS Zletowo zurückgeworfen. Die serbischen Truppen versolgten die Fliehenden und zwangen sie, eine große Anzahl von Toten und Verwundeten zurückzulassen. AlS die Bulgaren begannen, sich wieder festzusetzen, ging die serbische Infanterie und später ihre Kavallerie mit einer solchen Schneidigkeit vor, baß der Rückzug der Bulgaren zu einer regellosen Flucht wurde. Die Bulgaren ließen ihre gesamten Batterien sowie Maschinen­gewehre im Stich und warsen Gewehre, Munition und Gepäck fort. Mit vereinten Kräften nahmen die serbische Kavallerie und Infanterie eine vollständige Schnellseuergeschützbatterie von 4 Kanonen und 11 Protzen mit den Bespannungen, Bedienungs­mannschaften und Offizieren weg. Außerdem erbeuteten dir

Serben neun Schnellfeuergeschütze, 13 Protzen, 7 GebirgS- schnellfeuergeschütze und eine ganze Maschinengewehrabteilung von 4 Stück, mit ihren Bespannungen, ihrer Ausrüstung und einer großen Anzahl von Gewehren und Munition. Gefangen wurden genommen der Kommandant des 13. bulgarischen Infanterieregiments, daS vollständig zersprengt wurde, zehn Offiziere und an 1000 Unteroffiziere und Soldaten. Die Verluste der Bulgaren sind sehr bedeutend. Nach ihren auf dem Schlachtselde zurückgelassenen Toten und Verwundeten dürsten sie etwa 800 Tote und 1800 Verwundete betragen. Die serbischen Verluste sind, obgleich hoch, weniger beträchtlich alS die der Bulgaren. Der blutigste Kampf spielte sich auf dem rechten serbischen Flügel ab, wo nach einer fürchterlichen Niederlage der Bulgaren die Serben 19 bulgarische Offiziere, 191 Unteroffiziere und mehr als 1500 Soldaten gefangen nahmen.

Belgrad, 2. Juli. Die blutige Schlacht, die beim Morgengrauen aus der ganzen Linie von RedkeBukwi ZletowoRetchaniJstip begonnen hat, dauerte den ganzen Tag an. Die Bulgaren machten einen energischen Vorstoß, der von den serbischen Truppen auf der ganzen Front durch einen sehr energischen Gegenangriff zurückgewiesen wurde. Die Bulgaren zogen sich, von den Serben stark bedrängt, auf Kotschana und Jstip zurück. ES kam zu mehrfachen Bajonett­angriffen, bei denen daS 19., 11. und 6. serbische Regiment besondere Tapferkeit an den Tag legten. Der Feind wurde durch die neue, großkalibrige Artillerie der tapferen Chumadia« Division dezimiert, in deren Reihen Kronprinz Alexander den ganzen Tag über weilte. Bei dem Bajonettangriff verlor der Feind 10 Feldgeschütze und verschiedene MunitionSwagen. Eine ganze Kompagnie wurde gefangen genommen. Bulgarische Gefangene erklären, daß vor den bulgarischen Truppen vorgestern eine Proklamation deS KönigS Ferdinand verlesen worden sei, in der der Krieg gegen Serbien und Griechenland alS erklärt bezeichnet worden sei.

Frankfurt a. M., 3. Juli. Nach einer Meldung der Franks. Ztg." aus Sofia wandte sich die bulgarische Regierung telegraphisch an Rußland mit dem Ersuchen, Serbien und Griechenland zur Einstellung der Feindseligkeiten innerhalb 24 Stunden auszusordern, anderenfalls würde Bulgarien heute mittag die Kriegserklärung erlassen.

S o s i a, 3. Juli. Nach einer Mitteilung von zuständiger Stelle ist die russische Gesandtschaft in Sofia verständigt worden, daß die Serben und Griechen sich weigern, die Operationen einzustellen, so daß der Krieg unausbleiblich sei.

Ahi 3h- und AHtlaHd.

Berlin, 3. Juli 1913.

AuS K i e l, 3. Juli wird gemeldet: Bei der Flaggen­parade um 8 Uhr morgens setzten sämtliche Kriegsschiffe im Hafen im Großtop die italienische und im Vorrop die deutsche Flagge. Gleichzeitig salutierten die Kriegsschiffe die an Bord der KönigSyacht wehende italienische KönigSflagge mit 21 Schuß. Kurz vor 10 Uhr begaben sich der K a i s e r und die Kaiserin (bet Kaiser in Admiralsuniform), begleitet vom Reichskanzler, dem Staatssekretär von Jagow und dem kleineren Gefolge mit dem VerkehrsbootHulda" auf die Trinacria", um den König und die Königin von Italien zu einer Fahrt nach dem Kaiser-Wilhelm-Kanal abzuholen. Nach kurzem Aufenthalt auf derTrinacria" fuhren dann die Kaiserlichen und Königlichen Majestäten, be­gleitet von ihren engeren Umgebungen (auf italienischer Seite auch Minister Marquis di San Giuliano) nach Holtenau zur Besichtigung der Kanalbauten, wo die Ankunft um 10V« Uhr erfolgte. Der Kaiser erläuterte an der Hand aufgehängter Pläne seinen hohen Gästen die Einzelheiten der Schleusen« bauwerkS. ES wurde sodann auf einem der von den Firmen Flender in Benrath und GutehoffnungShütte erbauten Schiebe- tore gegangen, wobei Erläuterungen über die Bauart und die Abmessungen der Tore gegeben wurden. Von den Toren ging man aus die Mittelmauer zurück, und nunmehr wurde auS einer über den Deich gelegten Heberleitung Wasser in die neuen Schleusen eingelassen, die mit ihrer Länge von 330 Meter, ihrer Breite von 45 Meter und ihrer Tiefe von 14 Meter die größten der Welt find, diese Schleusen werden inner­halb 3 Wochen völlig mit Wasser angefüllt sein. Um llVa Uhr war die Besichtigung zu Ende, und die Fürstlichkeiten verließen, nachdem sie sich unter Worten der Anerkennung von den Beamten der Kanalverwaltung verabschiedet hatten, in 2 Salonpinassen den Kanal. Nach der Besichtigung deS Kanals begaben sich die Kaiserin und die Königin auf derHertha" nach Kiel zurück. Die Kaiserin geleitete die Königin an Bord derTrinacria" und kehrte selbst um s/<12 Uhr aus die Hohenzollern" zurück. Der Kaiser und der König, begleitet vom Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg und dem Groß­admiral v. Tirpitz, begaben sich auf daS LinienschiffKaiser". Der Kaiser führte den König durch die Räume deS Schiffe-; der König besichtigte die Mannschaft deS Schiffe- und betrat einen Panzerturm, wo Geschützexerzieren stattfand, und wohnte auch einem Exerzieren am Torpedounterwasserbreitseitrohr bei. Die beiden Monarchen begaben sich sodann in die Offizier-- messe, und zuletzt zeigte der Kaiser dem König die für ihn (ben Kaiser) bestimmten Räume bei Schiffe-. Unter Salut