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herrfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8 >

Nr. 77.

Donnerstag, den 3. Juli

sesesHeesee

1913.

Amtlicher an.

HerSseld, den 1. Juli 1913.

Im Monat Juni d S. I -. find Diesseits den nachbe- nannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

a. entgeltliche:

am 3/6. dem Landwirt Jakob Schäfer in MengShausen;

3/6. Adam Kempf in Aua;

w 6/6. Bergassessor Woeste in Philipp-thal;

13/6. von Baumbach'schen Forstgehülfen Wilhelm Paul in WillingShain;

17/6. Amt-gericht-sekretär Otto Rottenbach in Friedewald;

24/6. Bäckermeister Ulrich Hermann Huth in HerSseld;

30/6. Wirt Hermann Seniler in Hagen i. W, b. unentgeltliche: Keine!

B, Tagesjagdscheine:

25/6. Feldwebel Gustav Wecke aus Halberstadt i. Zt. in HerSfeld.

Der Landrat von GruneliuS.

HerSseld, den 30. Juni 1913.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreise-, welche meine VersSgung vom 14. Mai dS. JS. No. 1251, (KreiSblatt 57), betr. Rückreichung der Gemeindesteuerlisten, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 8. k. MtS. hieran erinnert.

Der Vorsitzende der (Einkommensteuer* VeranlagungS'Kommission.

No. 1629. von GruneliuS.

HerSfeld, den 27. Juni 1913.

Die Herren Ort-vorsteher, die meine Verfügung vom 5. Juni dS. I-., I. No. 1375 (KreiSblatt No. 67), betreffend Mitteilungen der Steuerveranlagung der katholischen Ein­wohner an den hiesigen katholischen Kirchenvorstand, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist biS zum 10. k. MtS. hieran erinnert.

Auch find bis zum 10. k. MtS. die noch nicht erstatteten Fehlanzeigen an mich einzureichen.

Ich ersuche um pünktliche Jnnehaltung diese- TerminS.

Der Vorsitzende der (Einkommensteuer*

Veranlagungs-Kommission.

J. No. 1568. von GruneliuS.

HerSfeld, den 28. Juni 1913.

In Verfolg meiner Verfügung vom 8. März d. JS. I.

3160, KreiSblatt Nr. 32, erinnere ich daran, daß die Beiträge

Der Glückstag.

Von G. Wahl.

(Schluß.)

WaS? Und daS erfahre ich jetzt erst? Mein Mann und meine Tochter sind doch auch zurück!"

Nein, nur der fremde Herr alleine.

Sl-leine??"

Dir Frau Geheimrat schüttelte verständnislos den Kopf. Im Weitereilen entledigte sie sich hastig der HuteS und Um- hangeS und stand gleich daraus wie angewurzelt aus der Schwelle zum Wohnzimmer. DaS war ein eigener Anblick, der sich ihr botI

Evchen saß im Stuhl, ihr dicht zur Seite ein junger Mann, der ihre beiden Hände in der seinen hielt; sie waren so ineinander versunken, daß sie weder daS Klingeln noch das Gehen der Tür gehört hatten.

Frau Dreiburg erschrak nicht wenig, doch faßte sie sich schnell, dem Gaste entgegengehend.

Herr Meyer, oder vielmehr; mein lieber Felix! Bei meiner innigen Freundschaft mit Ihrer lieben Mutter bin ich wohl zu der vertrauten Anrede berechtigt. Willkommen in meinem Hause! Wie geht eS denn aber war ist Ihnen denn

Meyer war aufgesprungen, die HauSsrau zu begrüßen. Doch schon nach deren ersten Worten taumelte er zurück, totenblaß die ihn so freundlich begrüßende Dame anstarrend, als sähe er ein Gespenst.

VBBerzeihung iii--muß sofort nach HauS, ich--*

In seiner völligen Rat- und Sprachlosigkeit fühlte er plötzlich, wie sich eine kleine Hand in die seine schmiegte und sich eine zarte Gestalt wie zum Schutz ganz dicht an seine Seite stellte. Ihm selbst kaum bewußt, legte er feinen Arm um Evchen, die flehend zur Mutter aussah.

Du hast Herrn Meyer erschreckt, Mama, und und DaS verwirrt ihn so."

zur Landwirtschaft-kammer bei der Königlichen Krei-kaff« hier jetzt eingezahlt werden müssen.

l, 7605. Der Landrat.

I. A.

Trost, RegierungS-Supernumerar.

HerSseld, den 30. Juni 1913.

Der aus Donnerstag, den 10. Juli d. J- in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntge- gebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und daS Mustern von Vieh zwecks HandelnS im Stadtbezirks außerhalb der ViehmarktplatzeS vor und während der Dauer deS Markte- verboten.

Aus Grund deS § 47 der viehfeuchenpolizeilichen An­ordnung vom 1. Mai 1912 ist bestimmt worden, daß nach 9 Uhr vormittag- Tiere nicht mehr zum Markt gebracht werden dürfen.

Besonder- mache ich noch daraus aufmerksam, daß durch den 2. Zugang (vor der Lindenstraße) zum Viehmarktplatz nur voruntersuchtes Vieh aufgetrieben werden darf.

I. 7699. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

nichtamtlicher an.

hellenBlickes."

Noch niemals ist eine HeereSvnstärkung von solchem Um­fang mit so großer Mehrheit nur die Sozialdemokraten, die Polen und einige El^ässer schloffen sich auS vom Reichstage angenommen worden. Daß die Militärvorlage Gesetz werden würde, stand eigentlich von Anfang an fest, die Verzögerung der Entscheidung war lediglich durch die schwierigen Verhandlungen über die Deckung der Kosten ver­ursacht, und zwar waren eS nicht die einmaligen Ausgaben in der riesigen Höhe von nahezu einer Milliarde Mark, sondern die fortdauernden Ausgaben im Betrage von 180 Millionen Mark, über deren Deckung vor und hinter den Kulissen am längsten beraten wurde.

Wie der oberste Zweck, die verstärkte Schutzwehr durch Heranziehung aller waffenfähigen Mannschaften, sofort im Volke alS eine notwendige Tat erkannt wurde, so fand auch der Vorschlag, die hohen einmaligen Kosten im Gedenkjahre der Befreiungskriege von 1813 durch einen einmaligen Wehr­beitrag vom Vermögen zu decken, in den weitesten Kreisen opferfreudigen Beifall. Unter dem Drucke deS nationalen Gedankens war hier die Arbeit deS Reichstag- verhältnismäßig leicht. Ander- bei den dauernden Ausgaben, hier spielte der alte Streit um die Erbschaftssteuer hinein.

Der Frau Geheimrat wurde unheimlich.

Aber dabei ist doch nichts Erschreckende-, wenn ich nach Sans komme. Ich bin doch kein Wolf! Nun setzen Sie sich nur wieder, Felix, wir werden uns schon verstehen und bald gute Freunde werden."

Aber ihr Gast wich zurück.

Nnnein, bbitte morgen gnädige Frau."

Dann sich zu Evchen wendend, ergriff er die ihm willig überlassenen Hände der Kleinen, drückte sie wieder und wieder an seine Lippen und stammelte:

Leben Sie wohl, Evchen, und und denken Sie nicht schlecht von mir."

Und ehe die bestürzte HauSsrau noch ein Wort entgegnen konnte, war ihr Besuch zur Tür hinaus.

Na da hört aber einiges auf! I Bei dem Sohn meiner Frida scheint hier etwas nicht zu stimmen!" entrüstete sie sich, gegen ihre Stirn tippend.

Und du, dumme- Ding, scheinst ja meine Abwesenheit gut auSgenutzt zu haben. Ist da- eine Art, so dicht an einen jungen fremden Mann heronzurücken und sich obendrein die Hände drücken zu lassen??!! Schämst du dich nicht? Du weißt doch, daß die- Claras Bräutigam wird!"

Die arme Eva hätte beinahe ausgeschrieen vor Schmerz, war eS ihr doch bei der Mutter letzten Worten, als hätte ihr jemand ein spitze- Messer mitten inS Herz hinein gestoßen.

Clara- Bräutigam! Da- hatte sie ganz und gar vergessen!

Tief senkte sich ihr Gefichtchen, au- dem alle Farbe ge­wichen war. Sie verteidigte sich auch mit keinem Worte, er­schien sie sich doch selbst wie eine große Sünderin. Sie klagte über Kopfschmerzen und bat, sich zurückziehen zu dürsen.

In ihrem Zimmer angekommen, warf sie sich aus- Bett und weinte--weinte heruerbrechend, war sie sich doch bewußt, daS unglücklichste und verdammenSwerteste Geschöpf auf Gotte- weiter Welt zu sein.

Doch auch die Frau Geheimrat hatte ihr seelische- Gleich­gewicht verloren, stand sie doch einem säst unlösbaren Rätsel gegenüber. Und je mehr sie nachdachte, um so mehr wirbelten ihre Gedanken durcheinander. Heut morgen war doch ihr Gatte mit Clara fortgefahren, um den jungen Leuten un­

Der Präsident deS Reichstag- hat in seinem Schußwort davon gesprochen, daß der Reichstag eine Initiative wie noch nie entfaltet habe. Die- sollte sich hauptsächlich auf ba$ Kompromiß zwischen dem Zentrum, den Nationalliberalen und der Linken über die nunmehr beschlossene VermögenSzuwachS« steuer von ReichSwegen beziehen. Einzelne freisinnige Blätter haben sogar behauptet, der Reichstag habe hierbei die leitende Rolle gespielt. In Wahrheit hatte jedoch die Regierung die wichtigste Arbeit vorgetan, der Reichstag verwandelte nur die vorgeschlagene VermögenSzuwachSsteuer, die in den Einzel­staaten subsidär eingeführt werden sollte, wenn diese den erforderlichen Matrikularbeitrag nicht anderweitig durch Be­steuerung deS Besitze- ausbringen würden, in ein primäre- Gesetz mit allgemein gültiger direkter Erhebung der Steuer sür die Reich-kasse.

Da- Hauptbedenken hiergegen ist, daß damit in bal Finanzgebiet der Einzelstaaten eingegriffen und der Anfang zu einer direkten ReichSsteuer aus Einkommen und Vermögen ge­macht wird. Wir teilen dieses Bedenken durchaus, zumal da ja die demokratische Linke aus diesem Wege eine Verstärkung deS parlamentarischen Einflüsse- erhofft. Deshalb ist eS auch begreiflich, daß sich die konservative Partei diesem Kompromiß nicht angeschlossen hat. Gegen den Borwurf aber, daß eine zu laue Verteidigung der Regierungsvorlage jene Umwandlung der Zuwachssteuer in ein direkte- Reichsgesetz verschuldet habe, muß doch geltend gemacht werden, daß die konservativen Redner gerade in dem wesentlichen, finanziell unentbehrlichen Punkt der Regierungsvorlage, nämlich der Besteuerung der KindeSerbeS, durchaus nicht bereit zur Unterstützung waren.

Zur selben Stunde, als der Reichstag die entscheidenden Abstimmungen über da- Wehrgefetz und das Kostenkomprowiß vornahm, trafen die ersten Nachrichten über blutige Zusammen­stöße der bulgarischen Armee mit den serbischen und griechischen Heeren ein, denen aller Wahrscheinlichkeit nach ein allgemeines KriegSseuer aus dem Balkan folgen wird. Noch ist die diplo­matische Ausräumung-arbeit der Trümmer des TürkenkriegeS nicht vollendet, der neue Brand kann noch größere Gefahren für die Einigkeit der Großmächte, alS die überwundenen, weitere Verschiebungen der militärischen Lage in Europa als die schon eingetretenen bringen. Trotzdem dürfen wir nun nach der eindrucksvollen Betätigung deS vaterländischen deutschen Geistes mit dem Reichskanzler v. Bethmann-HollwegHellen Blicke-" in die Zukunft sehen.

Zum BaltanlonM.

Die neuesten Ereignisse an den NeutralitätSzonen auf dem Balkan bestätigen die Ungeduld der Armeesührer, bis, während die Regierungen noch nach Mitteln zur friedlichen AuStragung der Streitfragen suchen, die Entscheidung durch die Waffen erzwingen will. Ob nun die Autorität der Regierungen noch auSreichen wird, um ihren Befehlen den entfesselten Leiden-

bewußt mit Felix und dessen Vater zufällig zusammen- zutreffen. Beide Eltern waren nämlich darin übereingekommen, daß da- junge Paar sich an einem dritten Orte viel leichter und zwangloser kennen lernen würde, al- in enger Häuslich­keit. Und nun fand sie Felix allein hier vor! WaS sollte daS heißen? Und ihr Mann und ihre Tochter kamen nicht zurück, trotzdem sie doch McyerS nicht getroffen haben konnten! Unbegreiflich !! Und wie sich der junge Mann hier benommen hatte, einfach unglaublich I Ob eS wohl am Ende doch nicht ganz richtig bei ihm war? Aber dann wäre es ja un- erhört von ihrer Freundin, ihn hierher zur Brautschau zu schicken.

Soviel die atme Mutter auch sann und grübelte, sie konnte zu keinem Resultat kommen. Innerlich ganz zermürbt vom Denken, suchte sie endlich ihr Lager auf, ethoffenb, daß ihr der nächste Tage Aufklärung bringen würde.

Doch noch jemand war da, der völlig fassungslos war. Dieser Aermste raufte verzweiflungSvoll sein Haar und über­legte mehr als einmal, ob eS für ihn nicht daS Beste wäre, für immer auS einer Welt zu scheiden, in der er sich unbe­schreiblich lächerlich nein, einfach ganz unmöglich gemacht hatte!

Hüllen wir sein verzweiflungSvolle- Toben und Stöhnen in nächtliches Dunkel und begrüßen mit der Frau Geheimrat den neuen Morgen.

Sie saß allein am Kaffeetisch und tauchte tiefsinnig ihr« Semmel in daS dunkle Naß. Evchen ließ sich noch nicht blicken.

Da nahte Jette mit der Morgenpost.

Eine Ansichtskarte!

Erstaunt laS Frau Dreiburg einen Gruß der fernen Tochter und die Unterschriften: Felix und Clara. Die beiden Väter.

Sie griff sich an den Kopf. Hatte sie denn den Ver­stand verloren? Da- war ja der Gipfel deS Unbegreiflichen! Oder sollte etwa gar die vierte Dimension hier mitge­spielt haben? Bei diesem Gedanken rann ihr ein eisiger Schauer durch den Körper, und um baS Gefühl deS Unheim­lichen abzuschütteln, ergriff sie den Brief, den Jett« gleichfalls mit hereingebracht hatte. Sie durchblätterte bal mehrere