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bet Abgeordnete Bafsermann die in zweiter Lesung gestrichenen 3 Kavallerie-Regimenter wiederherzustellen, ein Antrag, der von dem konservativen Abgeordneten Puttlitz unterstützt wird. Der Kriegsminister v. Heeringen betont in längerer Rede, daß die Forderungen der Militärvorlage daS Mindestmaß dessen vorstellen, war zum Schutze Deutschlands erforderlich ist. Allen denen, die eine Verantwortung sür daS Wohl und Wehe des deutschen Reiches haben, müssen die 6 geforderten Kavallerie-Regimenter als daS Mindeste erscheinen, was zu verlangen ist/

Neue Schwierigkeiten haben sich der endgültigen Verab­schiedung der RüstungSvorlage im Reichstage entgegengestellt. Infolge des in der gestrigen Sitzung zitierten Erfurter kriegs­gerichtlichen Urteils, durch daS einige Reservisten zu hohen Strafen verurteilt wurden, haben die Sozialdemokraten einen Antrag auf Aenderung der besonders harten Bestimmungen deS MilitärstrasrechtS gestellt, und zwar im Rahmen der zur Beratung stehenden Militärvorlage; der BundeSrat soll also gezwungen werden, mit der HeereSverstärkung auch diese Resorm deS MilitärstrafgesctzbucheS zu „schlucken". Einen AuSweg bietet der vorliegende freisinnige Antrag, der materiell daS gleiche verlangt, aber unabhängig von der Militärvorlage als Novelle zum Militärstrasgesetzbuch. Die Sozialdemokraten wollen ihren Antrag zurückziehen und für den freisinnigen stimmen, wenn am Montag der Kriegsminister die bündige Erklärung abgibt, daß der BundeSrat in aller Kürze dem Reichstag tine entsprechende Vorlage machen wird. Bisher hat der Kriegsminister stets den Standpunkt vertreten, eine solche Reform sei verfrüht, man müsse erst daS neue ReichS- strafgesetzbuch abwarten. Sollte er weiterhin diese Haltung einnehmen, so kann eS leicht kommen, daß am Montag der sozialdemokratische Antrag Annahme findet.

Zum BalkanlonW.

Berlin, 29. Juni. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundschau:

Während der abgelaufenen Wpche hat der Präsident der französischen Republik, Herr Poinca!^, seinen amtlichen An­trittsbesuch in England gemacht. In den zwischen König Georg und dem französischen Staatsoberhaupt gewechselten Trinksprüchen wurde betont, daß die Entente Cordiale sich mit den übrigen Großmächten in den Dienst der europäischen Friedenspolitik stellt. Einen wesentlichen Teil der Londoner Unterredungen zwischen britischen und französischen Staats­männern wird die Erörterung der Balkanlage gebildet haben, an deren friedlicher Entwirrung die Mächte des Dreibundes mit Rußland, England und Frankreich geduldig weiterar­beiten. Nach den letzten hier vorliegenden Nachrichten scheint in Belgrad erfreulicherweise mehr Stimmung für vorbehaltlose Annahme der russischen Schiedsspruchs zum Durchbruch zu kommen. Ein Nachlassen der Spannung im Balkanbunde und eine Aussicht aus friedliche Begleichung der Streitpunkte hat auch im Wiener Herrcnhauje der österreichische Minister­präsident Graf Stürgkh sestgestellt. Sollten die Anzeichen einer entgegenkommenden Haltung Serbiens für die in St. Petersburg zu eröffnenden Besprechungen sich verstärken, so würde eine endgiltige Beschwörung der wiederholt ernst ge­wordenen Gefahr kriegerischer Verwicklungen zwischen den Balkanstaaten wohl in Aussicht stehen. Die nächsten Tage müssen Aufklärung über die Stellung Serbiens zur schieds­richterlichen Lösung deS Streites, wie auch darüber bringen, ob Bulgarien und Griechenland noch Vorbehalte zu machen wünschen.

Athen, 28. Juni. Die Agence d'ÄthöncS meldet von schweren Ausschreitungen bulgarischer Soldaten und Komitatschis in den Dörsern Raicovo, Amikeny, Vcndidje und Baloustra in Bezirk Manthi wurden die Lehrer und Priester ge­zwungen, nach Xanthi zu fliehen, die Bauern, daS Schisma anzunehmen. Die Einwohner werden bedrückt und die Häuser geplündert. Da- Dorf Baloustra ist vollständig verwüstet.

Belgrad, 28. Juni. DaS HandelSblatt TrgovinSki GlaSnik führt auS, daß in der Schiedsgerichtsfrage eine förm­liche Verwirrung herrsche, da die Oeffentlichkeit über die einzelnen Phasen deS schiedsgerichtlichen VersahrenS nicht im klaren sei. ES muß, sagt daS Blatt, zunächst sestgestellt werden, daß nach dem serbisch-bulgarischen Bündnisvertrag Mi schiedsgerichtliche Entscheidungen vorgesehen sind, und zwar jene deS russischen Kaisers über die definitive Grenzlinie und jene der russischen Regierung über alle sich ergebenden Streitfragen. Demnach hat daS Schiedsgericht der russischen Regierung den Charakter eines erstinstanzlichen Gerichtshofes, welchem beide Prozeß­parteien ihre Anlagen und Rechtfertigungen ohne Ein­schränkungen zu unterbreiten haben und deffen Urteil von keiner der beiden Parteien angenommen zu werden braucht, da dir Appellation an die höhere Instanz, den russischen Kaiser, aus­drücklich vorgesehen ist. Erst daS Urteil dieser höheren und gleichzeitig höchsten Instanz ist sür beide Parteien bindend. Es muß streng daran festgehalten werden, daß durch Meinungs­verschiedenheiten zwischen den verantwortlichen Ministern Ruß­lands und der Balkanstaaten die Person des russischen Kaisers in keiner Weise berührt wird. Sollte daS russische Schieds­gericht erfolglos bleiben, dann bleibt nur noch daS äußerste Rechtsmittel übrig: der Krieg, für welchen Serbien keine Ver­antwortung treffen kann.

Belgrad, 28. Juni. Einer Meldung aus UeSküb zusolge sind daselbst 12 OOO montenegrinische Soldaten ein­getroffen.

Um 3h- und Ausland.

Berlin, 29. Juni 1913.

aus Kiel, 29. Juni wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser hielt am vormittag Gottesdienst an Bord der Hohenzollern ab. Zur FrühstückStafel waren geladen der Fürst von Monaco mit Umgebung, nämlich Mons. JuleS Roche, Mademoiselle Roche, Fregattenkapitän d'ürodeS de Pcyrmgue, der Ches deS Zivilkabinetts Dr. Jaloustre, Leutnant zur See Bouröe, Privatsekretär Fuhrmeister, Leibarzt Dr. Louet und Rittmeister Frank. Am Vormittag um 11 Uhr 35 Minuten begann die Seewettfahrt und dar Handicap deS Norddeutschen RegattavereinS auf der Kieler Förde bei strömendem Regen und sehr schwachen westlichen Winden. ES wurde Flautenbahn gesegelt. Zahlreiche Begleitdampfer gingen trotz der schlechten Wetters hinaus. In der A I-Klasse starteten Meteor Hamburg II, Germania und Margherita. An Bord deS Mettor segelten aus Einladung der Kaiser-, welcher selber an Bord der Hohenzollern blieb, Prinz Heinrich von Preußen, Fürst Münster v. Derneburg, Staatssekretär Freiherr Zorn v. Bulach, Gesandter v. Eisendecher, Ober- Präsident v. Jagow, Lord Pirrie, Bankdirektor v. Gwinner, englischer Marineattachö in Berlin Captain Watson und Korvettenkapitän v. Müller, Marineattach4 in London. 26 Boote waren gemeldet.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung berichtet: An sreiwilligen Beiträgen zu den Kosten der Heeresverwaltung sind von der deutschen Kolonie in Antwerpen im ganzen 350811,31 Mk. bei der ReichShaupt- kasse eingegangen.

Zur Erhöhung der Beihilsen an Kriegs­teilnehmer hat der BundeSrat genehmigt, daß zur Ergänzung deS Etats zunächst weitere 4 Millionen Mark im Etat der allgemeinen Finanzverwaltung (Kap. 91) eingestellt werden. Diese Summe dürste zur Erhöhung der Beihilfen für unterstützungsbedürftige Kriegsteilnehmer vom 1. Oktober dieser JahreS ab um den Betrag von 150 Mark jährlich zu­nächst bis zum Schluß deS laufenden Rechnungsjahres auS- reichen. Sie ist bereits aus die einzelnen BundeSstaaten zur Verteilung gelangt.

DaS „Giornale d'Jtalia" schreibt über die bevorstehende Begegnung deS deutschen Kaisers und des KönigS von Italien in Kiel: Beide Monarchen werden von ihren Ministern deS Auswärtigen begleitet sein. Daher werden ihre Unterredungen sicher einen politischen Charakter tragen. In erster Linie werden in Kiel Orientsragen erörtert werden. Die Gesichtspunkte Italiens und Deutschlands hin­sichtlich deS Orients sind säst dieselben. Beide haben während deS BalkankriegeS übereinstimmend für den Sieg deS Grund­satzes : Den Balkan den Balkanvölkern 1 und für die Beilegung deS Konfliktes zwischen Oesterreich und Rußland gearbeitet. Jetzt müssen sie zusammenwirken mit Oesterreich-Ungarn, um die Organisation deS unabhängigen albanischen StaateS zu Ende zu führen, und alle Anstrengungen machen, um einen mörderischen Orientkrieg zu verhindern und besonder- an der Konsolidierung der asiatischen Türkei arbeiten.

Die Luftschiffahrt bei bet österreichischen Armee wird künftig eine kräftige Förderung erfahren. Sechs Zeppelin-Kreuzer sollen bei der Zeppelin-Bougesellschast vom Jahre 1915 an in Auftrag gegeben werden. Ein früherer LicserungStermin konnte nicht vereinbart werden, da die Zeppelin-Gesellschaft bis 1915 allzu stark in Anspruch ge­nommen ist. AlS Standorte für diese Militärluftschiffe sind Wien, Prag, Lemberg, Innsbruck, Pest und Sarajewo in Aussicht genommen worden. An all diesen Orten sollen ent­sprechende Ballonhallen errichtet werden.

In der Verstärkung der englischen Flotte keine Pause eintreten. zu lassen, ist die oberste Sorge beS Volks und der Regierung von Großbritannien. Der Unionist LeS fragte im Unterlaufe an, welche Schritte die britische Regierung zu unternehmen gedenke hinsichtlich der drei Schlacht­schiffe, die die kanadische Regierung für die Reichsflotte zu stellen beabsichtigt habe, die sie aber infolge unvorhergesehener Umstände nicht zu stellen in der Lage sei. Der Erste Lord der Admiralität Churchill antwortete, daß die durch die Ab­lehnung der kanadischen Flottenvorlage hervorgerufene Lage ein sofortiges Handeln verlange, um den Kräfteüberschuß der Flotte, der für den Schutz beS britischen Reiches in der ganzen Welt erforderlich fei, auch im Herbst und Winter 1915 und im Frühjahr 1916 auf der Höhe zu erhalten. Unter diesen Umständen habe die Regierung beschlossen, den Bau von drei Kontraktschiffen (Schiffen, die auf Privatwerften erbaut werden) innerhalb deS Programms dieses JahreS zu beschleunigen. ES seien schon von der Admiralität Anweisungen ergangen, die sicher stellten, daß mit ihrem Bau möglichst früh begonnen werde anstatt im März nächsten JahreS.

Wie in Spanien so herrscht auch in Amerika eine furchtbare Hitze, die bereits zahlreiche Menschenleben gesordert hat. Im Zentrum und im Westen der Bereinigten Staaten, in Ch'cago, Cincinnali, Cleveland und Toronto wurden 34 Personen vom Hitzschlag getötet. Hunderte liegen schwerkrank darnieder. ES ist vorderhand keine Abkühlung zu erwarten. Tie Ernte ist gefährdet.

Von Washington wird gemeldet, daß die Regierung sehr beunruhigt darüber ist, daß die Bewohner von Henri, einer kleinen Bergstadt in Kalifornien, eine Anzahl von koreanischen Aprikosenpflückern vertrieben haben, fürchtend, daß daS den Japanern weiteren Grund zur Klage geben werde. Der TimeS-Korrespondent bemerkt dazu, daß, waS auch die amerikanische Regierung in Tokio zur Erklärung der Lage Vorbringen möge, die Tatsache immer deutlicher zutage trete, daß daS ganze amerikanische Volk aus feiten der Kalisornier stehe. E? habe gerade genug an der „schwarzen Gefahr" und sei nicht geneigt, auch noch die „gelbe Gefahr" zu fördern. Im Gegenteil, es sei eine Bewegung im Gange, die darauf hinziele, jede Einwanderung von „nichtteutonischen" Ländern in Zukunft zu verbieten.

AuS T e t u a n wird gemeldet: Vier Kompagnien Infanterie und reguläre eingeborene Truppen machten gestern einen ErkondungSmarsch in der Richtung nach dem Ersahügel und gelangten bis zu dem Dorfe Benisalin. Dort stießen sie mit zahlreichen feindlichen Trupps zusammen, welche auf sie feuerten. Bei dem entschlossenen Vorgehen der spanischen Truppen zogen sich die Gegner zurück. Aus spanischer Seite wurde ein Leutnant getötet und ein Soldat verwundet. Die Truppen zerstörten mehrere DuarS und traten dann den Rück­marsch an.

AuS Laroche wird amtlich gemeldet: Eine Abteilung machte einen Erkundungsmarsch in der Richtung auf Telatza. Sie stieß auf starke feindliche Trupps, die sie nach einem fünfstündigen Kamps zerstreute. Auf Seiten der Spanier wurde ein Soldat getötet und fünf Soldaten und ein ASkari verwundet.

Aus Provinz h. Dachbargebiet.

* (Kirchliches.) DaS Kgl. Konsistorium hat den Pfarrer Seybert zu Schrecksbach (Kl. Neukirchen) zum Pfarrer zu WipperShain (Kl. Hersfeld) ernannt. Der Pfarrer Toden- Höser zu WipperShain wird zum Pfarrer in Lischeid (Kl. Treysa) ernannt.

* (Handwerker-Stiftung.) Die von der Voll­versammlung der Handwerkskammer zu Cassel am 3. März d. I. auS Anlaß der 25jährigen RegierungSjubiläumS Sr. Majestät deS Kaisers und KönigS beschlossene „Kaiser Wilhelm- JubiläumS-Stistung" ist durch Allerhöchsten Erlaß vom 13. Juni 1913 genehmigt worden. Diese Stiftung tritt also jetzt in Krast. Sie soll bekanntlich dazu dienen, erholungS- bedürstigen selbständigen Handwerkern auS dem Kammerbezirk zum Besuche von Luftkur- und Badeorten Beihilfen zu gewähren. Zu diesem Zweck stehen dem Vorstände alljährlich 1000 Mark zur Bersügung. Unbemittelte Handwerksmeister, welche die Wohltaten dieser Stiftung in Anspruch nehmen wollen, müssen begründete Gesuche bald an die Handwerks­kammer in Cassel, Jordanstraße 12, einsenden.

):( Hersfeld, 30. Juni. Am Sonnabend abend gegen 9 Uhr kam eS in der Badestube zu einer wüsten Schlägerei zwischen jungen Burschen. Hierbei wurde auch daS Messer gebraucht, so daß verschiedene blutige Ver­letzungen erhielten, welche ärztliche Behandlungen erforderten.

):( Hersfeld, 30. Juni. Vor einiger Zeit erschienen in einem Orte deS hiesigen Kreises zwei Reisende, welche von HauS zu Hau? gehend Bestellungen aus Vergrößerungen von Photographien für eine Berliner Firma suchten. Die Reisenden legten einen Prospekt mit anhängendem Bestell­schein und OuittungSsormular vor, wobei sie angaben, die Vergrößerung einer Bilder koste nur 1.15 Mk. Eine Skizze würde von einem nachkommenden Reisenden vorgelegt werden, diesem könnten dann die Leute da? Bild bestellen oder auch ablehnen. Während nun die Reisenden da- Formular auS- süllten, mußten die Besteller den Schein unterschreiben. AlS Grund sür den billigen Preis des Bilde- gaben die Reisenden an, daß in der Nähe ein Zweiggeschäft errichtet werben sollte, dem man Kundschaft erwerben möchte. In den meisten Fällen haben nun die Leute den Bestellschein unterschrieben, ohne den Inhalt durchzulesen, indem sie ein auch zwei Bilder bestellten. Einige Tage später erschien ein anderer Reisender, welcher die Skizzen der Bilder vorlegte und die Zahlung von ein drittel der Kosten für einen Bilderrahmen verlangte, indem er den Leuten sagte, sie hätten die Rahmen zu den Bildern, deren billigster 13.75 Mk. kostete, mitbestellt. Trotz anfänglicher Weigerung haben die Leute schließlich bezahlt, um gerichtlichen Auseinandersetzungen, für die da- Amtsgericht Berlin Mitte zuständig war, aus dem Wege zu gehen. Auf dem Schein, den der Besteller eines Bildes unterschrieben hatte, war auch gleichzeitig die Bestellung deS Rahmens vermerkt, doch haben die wenigsten Leute dies gelesen. Auch, haben die Reifenden einen Hinweis hieraus nicht gemacht, sondern sich so gestellt, alS ob man jederzeit die Bestellung wieder rückgängig machen könnte. — Möchte sich nun jedermann dies Vorkommnis alS Warnung dienen lassen und derartigen Reisenden einfach die Türe weisen. Mehrere der Geschädigten haben durch den Schwindel Beträge in Höhe von 7 bis 20 Mk. eingebüßt. ES muß sich doch jeder gleich sagen, daß man sür den PreiS von 1.15 Mk. keine Photographie in Größe von 35X45 cm erhalten kann, sondern daß eS nur darauf angelegt ist, leicht­gläubigen Leuten das Geld auS der Tasche zu stehlen.

Vacha, 28. Juni. Aus der Zeche Gewerkschast Butlar ereignete sich heute morgen ein schwerer Unglückstall. Durch den Bruch einer Schwebebühne, welcher durch Herabstürzen von TübingS erfolgte, wurden sechs Personen getötet, zwei erheblich und zwei kidst verletzt.

Wächtersbach, 26. Juni. Wie seinerzeit berichtet wurde, war bei einer Jugendwehrübung zu WSchterSbach am 21. April 1912 eine Frau Deuchert derart durch einen Schuß verletzt worden, daß sie kurze Zeit danach starb. AlS Täter kamen der 16jährige Bäckerlehrling Lohrcy und der 16jährige Schreiber Schier in Betracht, die beide bei der Uebung mit einem Flobert- gewehr geschossen hatten. Beide wurden deshalb von der Hanauer Straskammer wegen fahrlässiger Tötung zu je zwei Monaten Gesängni- verurteilt. Dieses Uiteil hob daS Reichs­gericht auf. In der erneuten Straskammerverhandlung in Hanau wurde der Beweis erbracht, daß Lohrey nur Platzpatronen zu der Uebung mitgebracht hatte und daß die scharfe Patrone deS letzten Schusses, den Lohrey abgab und der Frau D. traf, ohne dessen Wissen von Schier in den Gewehrlaus getan worden war. DaS Gericht sprach deshalb den Lohrey frei und verurteilte Schier wieder zu zwei Monaten GesängniS.

Eisenach, 26. Juni. Auf dem Exerzierplatz in Walbau bei Cassel ereignete sich gestern srüh bei einet GesechtSübung des Jnsanterie-Regiments Nr. 167 ein schwerer Unfall. Durch die Unv0ifichtigkeit eines Musketiers entlud sich dessen Gewehr und das Geschoß, eine Platzpatrone, drang dem Nebenmann,—- dem Musketier Albert Phicler, in die Lunge. Der Getroffene wurde sofort inS Garnisonlazarett gebracht und operiert: doch wird er kaum am Leben erhalten werden können. Phieler stammt auS Eisenach. Er hat vor Eintritt zum Militär gc- heiratet. Seine junge Frau wohnt gleichsalls in Eisenach.

Ohrdruf, 26. Juni. Einen eigenartigen Selbstmord­versuch verübte am Montag nachmittag im Nachbarorte Gräsenhain der etwa 45 Jahre alte Fabrikarbeiter Ed. N. von hier in seiner im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung. An einem nach dem Hose hin gelegenen Fenster befestigte der Lebensmüde eine Schlinge am Fensterkreuz und legte sich diese um den Hals, dann sprang er zum Fenster hinaus. Die Schlinge riß und der Bedauernswerte stürzte hinab auf den Hof, wobei er auf einen Wagen aufschlug und außer anderen Verletzungen eine schwere Rückgratverletzung davontrug. ES besteht wenig AuSsicht den Mann am Leben zu erhalten.

Hann. Münde«, 27. Juni. Ein schwerer Unfall er­litt gestern nachmittag der Sohn deS Ober-BahnmeisterS Haß auS Cassel. Im Begriff, nach Cassel zu sahren, stürzte er vor dem hiesigen Bahnhofsgebäude über einen Stein zur Erde. Bewußtlos wurde er nach dem Krankenhause gebracht; er hat sich scheinbar durch den Sturz eine Gehirnerschütterung zu­gezogen.

Göttingen, 25. Juni. Der KreiSauSschuß hat beschlossen, auS dem Vermögen deS Landkreises Göttingen 100 000 Mk. auSzusonbern und dieses Kapital alS eine besondere Stiftung unter dem Namen „Kaiser Wilhelm-JubiläumS-Stiftung" zu führen. Die Zinsen des Kapitals sollen zur Versorgung der Gemeinden deS Landkreises mit Krankenschwestern Verwendung finden.

Frankfurt a. M., 29. Juni. In der vergangenen Nacht versuchte der 28jährige Zigarettenarbeiter August Jansen, alS er von Eachsenhausen in angeheiterter Gesellschast nach Hause zurückkehren wollte, aus dem Eisernen Steg den Eisernen Trägern entlang zu laufen. Dabei stürzte er ab und blieb bewußtlos aus der Brücke liegen. Außer einem Schädelbruch hatte er schwere innere Verletzungen davongetragen. Er starb kurz nach seiner Einlieferung im Krankenhaus.

Wiensen, 29. Juni. Eine der noch hier und da als BedachungSmaterial verwendeten Sollinger Platten (dünne Sandsteinplatten, welche sich verhältnismäßig leicht zerfetzen) fiel dem zweijährigen Söhnchen deS ChauffeewärterS Diedrich so hart auf den Kopf, daß daS ganze Gehirn deS Kinde- blosgelegt wurde. Nach einigen qualvollen Stunden verstarb da- bedauernswerte Kind.

Bom Eichsfelde, 27. Juni. Aus dem Kalischacht Bernterode ist heute früh der Bergmann Christian Kohl auS Bernterode in den BremSschacht gestürzt. Er konnte nur als Leiche zu Tage gefördert werden. R. stand in den 40er Jahren und war verheiratet.

Heiligenftadt, 29. Juni. Vom UntereichSselde werden, gute ErnteauSsichten gemeldet, besonders der Körnerertrag dürfte bei einigermaßen günstigem Wetter vorzüglich werden. Die Futterernte ist in diesem Jahre noch weit besser als die schon ganz besriedigende deS Vorjahre-, sodaß viele Gemeinde- gräsereien nicht einmal einen Raufet finden. Da aber die Landwirte wegen deS reichlich vorhandenen Futter- ihr Schlacht­vieh nicht verkaufen, bleiben die Viehpreise unverändert hoch.

Bad Toden i. T., 26. Juni. In einem hiesigen Hotel war der 17jährige Knecht Arzt als HauSbursche be- schästigt. In der Nacht zum 25. d. M. legte er sich unter das Bett eine- dort logierenden Großkausmann», nachdem er