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herM-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8 1
Nr. 73
Dienstag, den 24. Juni
1913
Amtlicher teil.
Herrfeld, den 18. Juni 1913.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 17. Oktober 1900 I. A. Nr. 2646 — KreiSblatt Nr. 125 — und vom 3. Mai 1905 I. I. Nr. 3056 — Krei-- Hatt Nr. 63 — betreffend Einreichung der Nachweisung über den Bestand an Kühen und deckfähigen Rindern sowie sprung- sähigen Bullen noch nicht erledigt haben, werden hiermit erinnert.
Ich sehe der Borlage der Nachweisung bestimmt bis zum 3 0. dS. MtS. entgegen.
Der Vorfitzende des Kreisausschufies.
I. A. Nr. 4598. von GruneliuS.
In der Kaiserlichen Biologischen Anstalt werden von dem Vorsteher deS bakteriologischen Laboratoriums, Regierung-rat Dr. Maßen, in diesem Jahre wiederum zur Ausbildung von Sachverständigen sür Bienenkrankheiten 2 wöchige, gebührenfreie bakteriologische Lehrgänge über die Infektionskrankheiten der Bienen abgehalten, an denen Naturwissenschaftler (Mediziner, Tierärzte, Nahrungsmittelchemiker, Lehrer usw.) teil* nehmen können, die in der Bienenwirtschaft erfahren find.
Der erste Lehrgang findet vom 18. bis 30. August statt. Wenn nötig, wird noch ein zweiter vom 8. bis 20. September abgehalten.
Jeder Teilnehmer hat fich sein Mikroskop selbst zu stellen. Die Firmen @. Leitz und C. Zeiß in Berlin haben sich bereit erklärt, sür die Kurse geeignete Mikroskope gegen eine Leihgebühr von 5 Mk. abzugeben. Alle anderen Apparate, Instrumente, GlaSgesäße, Nährböden und Chemikalien werden von der Biologischen Anstalt unentgeltlich geliefert.
Die Anmeldungen sind möglichst frühzeitig an den Direktor der Kaiserlichen Biologischen Anstalt in Berlin-Dahlem, Königin Louisestraße 19, zu richten. (Zu A III 3383.) Der Direktor der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft, gez. Behren».
HerSseld, den 18. Juni 1913.
Wird veröffentlicht.
I 7149. . Der Landrat.
I. «.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
ES mußte wiederholt festgestellt werden, daß Briefe, Pakete und sonstige Sendungen gar nicht nach hier gelangt oder irrtümlich nach HecleShausen gegangen sind, wodurch ebenfalls eine Verzögerung in der Erledigung verursacht worden ist. In vielen Fällen war die Ursache eine undeutliche und ungena ue Adresse.
Ich bitte deshalb dringend, alle sür die Versuchsstation
Vorfrühling.
Erzählung von M. von W i t t e n.
(Fortsetzung.)
Auch jenem jungen Menschen, der die beiden Männer an Reffet gemahnt, liefen die brennenden Tränen über die eingefallenen Wangen. Festgekeilt stand er in der Menge. Keiner achtete mehr daraus, daß er nicht festtäglich gekleidet war. Nun wurde er von und mit der Menge weiter geschoben — weiter — weiter. Vor dem Schlöffe staute fich die Menschenbrandung. Aber der schlanke junge Mann vermochte über die Köpfe der anderen hinweg genug doch von dem bewegten und bewegenden Schauspiel zu erspähen.
Vor dem PalaiS hatte der Prinz Ferdinand, der Bruder Friedrich» de» Großen, Aufstellung genommen. Als der König ihn erblickte, sprengte er im Galopp auf ihn zu, schwang sich vom Pserd und umarmte ihn vor allem Volk. Der Kronprinz und Prinz Wilhelm verließen, vor dem PalaiS an- gekommen. ihre Züge, stürzten auf ihren Vetter, den Prinzen von Oranien, z», dessen sie ansichtig geworden, und fielen ihm um den HalS.
Und mit einem Male traten der König und die Königin auf den Balkon deS Schlöffe» hinaus. Der Jubel deS Volke- stieg aus» höchste — wie eine brandende See wogte und schwoll er zum Altar hinauf. _
Und dann — ganz urplötzlich — feierlich Stille. Die Königin sprach. Die stille, klare Dezemberluft trug ihre Silberstimme weit hinein in die auflauschende Menge.
Sie dankte in Herzergreisenden Worten ihrem Volke.
AlS sie geendet und mit dem König den Balkon verließ, brach von neuem ein Jubel loS, der kein Ende nehmen wollte.
Man weinte und schluchzte vor Wehmut und Rührung, vor Glück und Freude. Man sank einander in die Arme, man beteuerte einander, in Treue auSharren zu wollen bei dem heißgeliebten KönigSpaare, bis der Tag der Freiheit, der Tag der Vergeltung anbrechen werde.
bestimmten Bliese und sonstigen Sendungen jeder Art zu adressieren an:
Landwirtschaftliche Versuchsstation
in HarleShausen (Kr. Cassel) da nur dadurch eine Verzögerung in der Erledigung der Untersuchung. Anjrage v. f. w. ausgeschlossen werden kann.
HarleShausen (Kr. Caffel), den 1. Juni 1913.
Der Vorsteher der landw. Versuchsstation. Haselhoff.
* * »
Wird veröffentlicht. Her-feld, den 17. Juni 1913.
1. 7133. Der Landrat.
I. «.
Trost, RegierungS-Supernumerar.
nichtamtlicher teil.
Der Dank des Kaisers.
Unter sreudiger Anteilnahme deS ganzen Volkes sind die festlichen Tage deS RegierungSjubiläumS unsere- Kaisers vorbeigerauscht und bald wird von all dem Glanz und der Freude nur noch eine glückliche Erinnerung übrig sein. Bleibenden Wert behalten auS diesen Tagen unter anderem ein im „ReichS- anzeiger" veröffentlichter Erlaß, in dem der Kaiser seinem treuen Volke Dank sagt für alle ihm dargebrachte Liebe und Verehrung. In dem Erlaß sagt Kaiser Wilhelm II. etwa folgendes:
Ich danke Gott, daß ich mit Befriedigung zurückblicken dars aus die vergangenen 25 Jahre ernsten Schaffens, auf die großen Errungenschaften, welche sie dem Vaterlande auf allen Gebieten deS geistigen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens gebracht haben, auf die beispiellose Zunahme von VolkSkrast und Nationalvermögen. DaS auf dem Fundament der Einigkeit der deutschen Stämme und ihrer Fürsten von Kaiser Wilhelm dem Großen errichtete deutsche HauS ist nach innen und außen weiter auSgebaut zu einem geschützten und freundlichen Aufenthalt für seine Bewohner. Daß die- unter den besruchtenden Strahlen der FriedenSsonne geschehen ist, deren Kraft jede- am Horizont austauchende Gewölk siegreich zerstreute, macht Mich besonder- glücklich. Ein Herzenswunsch ist Mir damit in Erfüllung gegangen. In reicher Fülle ist Mir an Meinem Ehrentage Liebe und treue Anhänglichkeit von allen Seiten entgegengebracht worden. Die erlauchten deutschen Fürsten und die freien Städte haben eS sich nicht nehmen lassen, ihre Mich beglückende Freundschaft und die Festigkeit de- Lande- deutscher Einheit durch persönliche Ueberbringung freundlicher Glückwünsche von neuem zu betätigen. DaS deutsche Volk hat Mir durch Abordnungen und taufende von Zuschriften. Telegrammen und künstlerischen Adressen auS allen Gauen deS Vaterlandes, auS den Kolonien und auS allen Teilen deS Erdball- treue Glückwünsche kundgegeben. In Stadt und Land ist der Tag mit freudiger Anteilnahme
Der schlanke junge Mann stahl sich auS dem Trubel davon. ES schien nicht seine Art, äußerlich zu zeigen, waS in ihm vorging. Denn wie bewegt auch er im tiefsten Herzen war, da» verriet der Ausdruck seiner blauen Augen, den er nicht meistern konnte oder wollte.
Auf einer Bank im Lustgarten unsern deS Schlosse- ließ er sich tief aussrufzend nieder. Da war eS still um ihn her. Nur wie fernes MeereSbrausen klang der verhallende Jubel herüber.
In sich versunken saß er dort. Er merkte eS nicht, daß allmählich von der Menge, die sich vor dem Schlöffe löste, ein Menschenstrom auch durch die Anlagen zurückflutete — auch an der Bank, auf der er saß, vorbei. Jemand ließ sich neben ihm nieder. Ein Invalide war'-. Der zog sein Pseifchen auS der Tasche, steckte eS an und fauchte und schmauchte. Dabei schielte er immer und immer wieder zu dem einsamen Träumer hinüber.
„Hm! hm!" begann er endlich, sich räuspernd.
Aber der andere schwieg und schaute noch immer unentwegt in sich hinein.
„Hm! Hm!" äußerte der Invalide sich lauter, indem er, seinen Stelzsuß saffend, schwerfällig näher rückte. Doch alS noch immer keine Antwort folgte, fügte er aufmunternd und mit einem sondierenden, Einverständnis heischenden Blick hinzu: „Wie sagt doch der Kleist?
Wir litten menschlich seit dem Tage,
Da BaruS bei unS ein gerückt,
Wir rächten nicht die erste Plage,
Mit Hohn auf unS herabgeschickl;
Wir übten in der Götterlehre
UnS durch viel Jahre im Verzeihn,
Doch endlich drückt de» Joche» Schwere,
Und abgeschüttelt will e» sein!"
Da hatte der Fremde doch mit sragender Verwunderung den Blick erhoben.
„Woher kennt Ihr daS? Ist denn die „Hermannsschlacht" schon gedruckt?"
„Nicht doch! Aber so wo» geht einem doch in Fleisch und Blut über, wenn man'» nur einmal gehört. Zumal
begangen worden. Wenn FesteSsreude mit dem Herzen empsunden wird, drängt sie zur Betätigung durch Dankopfer. Provinzen, Kreise, Städte, Gemeinden und Vereine haben trotz hoher Anforderungen an ihre Opferwilligkeit sich gedrungen gesuhlt, zahlreiche mit Meinem Namen verbundene, wohltätige und gemeinnützige Stiftungen zu errichten. So ist Mein RegierungSjubiläum zur Quelle eine- Segen-strome» für die deutschen Lande noch für kommende Geschlechter geworden. Beglückt und bewegt durch die Begeisterung, mit der Mein Ehrentag alS nationaler Festtag gefeiert worden ist, spreche Ich jedem einzelnen auf diesem Wege Meinen wärmsten Dank auS. Ich werde auch serner sür daS Wohlergehen de» deutschen Volke- gern Meine volle Kraft einsetzen, so lange Gott der Herr sie Mir erhält. Er aber wolle Mein Wirken und Streben mit seinem Segen begleiten und daS teure Vaterland allezeit in seine gnädige Obhut nehmen.
Im deutschen Volke wird dieser schlichte warmherzige Dankerlaß unser- Kaiser» mit großer Freude ausgenommen werden und ein neue- Band zwischen Herrscherthron und Volk bilden.
Neue Kämpfe in Marokko.
London, 21. Juni. Die „Daily Mail" meldet aul Gibraltar, daß schwere Geschützfeuer in der Nähe von Tanger gehört worden sind. Eine Kompagnie deS in Gibraltar stationierten englischen Lincolnshire-Regimente- hat Befehl erhalten, sich sofort bereit zu halten, um nach Tanger abzugehen. Allen Offizieren der englischen Besatzung von Gibraltar wurde der Urlaub aufgehoben. Weiter meldet die „Daily Mail" auS Tanger, daß über 1000 Mauren sich im Kampfe mit den Spaniern befinden und bereit» unzählige Dörser zerstört wurden. Die Stammeshäuptlinge der Küstendistrikte unterstützen diese Kämpfe gegen die Spanier. Diejenigen Aufständischen, die seinerzeit von den spanischen Kriegsschiffen bombardiert wurden, haben allerdings um Frieden gebeten, weigern sich aber, ihre Waffen abzugeben. Da» spanische Kriegsschiff „Reina Regenta" ist, nachdem eS in Tanger Proviant eingenommen hat, wieder an die Küste von Anghera abgesahren. Die Kämpfe dauern fort, besonder» in der Nähe von Arzila, Zeuta, Tetuan und Mellila. Der „Daily Chronicle" hat ein Telegramm au» Gibraltar erhalten, wonach eS heißt, daß der Angriff der Mauren aus die spanischen Abteilungen sehr stark war. Auf beiden Seiten feien die Verluste sehr bedeutend gewesen. Die Spanier verloren 7 Offiziere. Verschiedene Mauren, die von Laroche an der spanischen Küste angekommen sind, wollen gesehen haben, wie Hundert« von verwundeten spanischen Soldaten in die Spitäler eingeschafft wurden.
Madrid, 21. Juni. Die von Lorient auS auf einem ErkundigungSritt in das Gebiet der Uad Raß und der Beni Sider befindlichen spanischen Truppen stießen, amtlichen Berichten auS Tetuan zufolge, vorgestern mittag aus gegnerischen Widerstand und wurden von dem Gro- deS Feinde» angegriffen.
wenn man . . ." Der Invalide brach ab. „Hm! Hm!" machte er dann wieder, indem er den jungen Mann mit diskretem Seitenblick einer neuen Prüfung unterwarf. „'S war doch ein herzerquickendes Schauspiel eben 1 ES war Euch wohl nicht- vom Einzüge deS KönigSpaare- bekannt?"
Die Augen deS Fremden glitten, von einem in» Herz schneidendem Lächeln begleitet, an seinem dürftigen Anzüge hinab.
„Ihr meint, ich sehe nicht festtäglich genug au» ? — Für Zivilkleider bleibt nicht viel übrig, wenn man mit der schwarzen Schar de» HerzogS von Braunschweig in der sreiwilligen Verbannung lebt!"
„WaS der Tausend! Zur schwarzen Schar gehörtet Ihr?' Die Augen deS Invaliden waren rund und blank geworden. Dabei war'- aber doch, als ob eine Enttäuschung über seine Züge huschte, „Da könntet Ihr aber doch Euch nicht be» klagen! Der Herzog hat ein Heidenglück gehabt! So unversehrt mit seiner Freischar nach England zu gelangen! Wenn ich da an den armen Schill denke!" Tränen schössen dem Mann in die Augen. „Und an seine Offiziere---"
„Die unglücklichen Glücklichen, die in Wesel, wie Schlachttiere aneinandergekoppelt, erschossen wurden!“ murmelte der Fremde. Ein unergründlicher Ausdruck stand in seinen harm- vollen Zügen.
„Na, und die andern, die fitzen nun in Kolberg ihre FeftungSstrase ab."
„Die andern? Welche andern?" Mit hastiger Bewegung wandte sich der Unbekannte zu dem Invaliden herum.
„Nun, der Brünnow und der Bärsch und der Blankenburg — kurz jene alle, die sich au» dem Stralsunder Blutbad in» preußische Vaterland zurückgerettet! Ist Euch denn davon nicht- bekannt? Sie unterwarsen sich doch dem Kriegsgericht. Der General Blücher führte den Vorsitz. ES hat sehr wohlwollend abgeurteilt I"
Die blauen Augen de» Unbekannten erweiterten fich, wie die reichbeschenkter Kinder unterm Weihnacht-baum.
„Der König hat sie in seiner Gnade nicht verstoßen brächte er endlich stockend hervor.