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tragen. Die jüngsten Ereignisse, insonderheit die Verlobung deS Prinzen mit der Prinzessin Viktoria Luise, hätten die den Beschlüssen deS BundeSrateS zugrunde liegende Sach- und Rechtslage geändert. Mit Zustimmung seines Vaters habe er seine Anstellung als Offizier im preußischen Heere nachge­sucht und dem Kaiser und König Treue und Gehorsam eidlich gelobt. Darin liege daS Versprechen, daß er nichts tun und nichts unterstützen werde, waS daraus gerichtet sei, den der­zeitigen Besitzstand Preußens zu verringern. Diese Sach- und Rechtslage werde in Verbindung mit dem Verzicht seines Vaters aus den braunschweigischen Thron nach seiner Ueber­zeugung die Aufhebung der früheren Beschlüsse deS BundeS­rateS rechtfertigen. Er dürfte sich vorbehalten, eine Verzicht» erklärung seines VaterS auf den braunschweigischen Thron seinerzeit zu überreichen.

Der Gesetzentwurf über die K o n k u r r e n z k l a u s e l kann alS gescheitert angesehen werden. Nachdem in der gestrigen Sitzung der Kommission die Sozialdemokraten erklärten, nicht auf den Boden der von der Regierung neuerdings vorge­schlagenen Bestimmungen zu treten, erklärten auch die liberalen Parteien, an dem Zustandekommen deS Gesetzes kein Interesse mehr zu haben.

Ueber die endgültige Gestaltung deS Wehrbei­trag e S finden im RcichSamt fortwährend vertrauliche Be­sprechungen statt, zu denen nunmehr auch die Regierung Stellung genommen hat. Wie der „8. A." hört, hat sie folgende Forderung aufgestellt: 1. Hinaussttzung der Höchst­grenze der Einkommenbesteuerung auf 10 000 Mark, 2. keine Kapitalisierung deS Einkommens durch die beschlossene Multi­plikation, 3. Ermäßigung deS Höchstsatzes der Steuer aus 1 Prozent, allenfalls auf lVi Prozent, 4. bei den Strafen Beseitigung der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte, überhaupt eine Milderung der Strasen.

Die gestrigen Verhandlungen der Budgetkommission deS Reichstags brachten insofern eine Ucberraschung, als der An­trag der Nationalliberalen, mit Rücksicht auf die geplante Einführung einer allgemeinen VermögenSzuwachSsteuer die schon bestehende Wertzuwachssteuer auszuheben, von der Mehrheit a b g e l e h n t wurde. Sie begnügte sich mit der Zusage deS SchatzsekretärS, daß die Härten und Unbillig» keiten dieser Sondersteuer durch eine Novelle beseitigt und zugleich dann auch die notwendige Anpassung an die neue Zuwachssteuer besorgt werden solle.

In der ReichS-Post- und Telegraphenver­waltung ist mit der Wirkung vom 1. April eine Lauf­bahn für mittlere bautechnische Beamte eingerichtet, für die die Grundsätze nunmehr amtlich veröffentlicht werden. Die An­wärter müssen ein Bauhandwerk erlernt, eine deutsche Bau­gewerkschule absolviert und vier Jahre bei Hochbauten, davon mindestens zwei Jahre bei der Reichspostverwaltung abgeleistet haben und gesunde Sinne besitzen. Nach zweijährigem Vor­bereitungsdienst ist die Prüfung zum Postbausekretär abzulegen. Nach bestandenem Examen wird er bautechnischer Diätar mit 1600 biS 2200 Mk. jährlichen Bezügen. Nach etwa fünf Jahren können sie als Postbaufekretäre etatSmäßig aus Lebenszeit angestellt werden. Im Amtsblatt deS ReichSpostamtS sind die weiteren Bestimmungen und AuSführungSvorschriften abgedruckt.

Kill Brief tint§ Mfiti^Mtiinift

Die deutsche ~ „ ' über daS Wesen der fran» zösischen Fremdenlegion hat noch immer nicht den wünschens­werten Erfolg. ES würde unverständlich sein, daß junge Deutsche, wenn sie schon ihr Vaterland auS dem oder jenem Grunde verlassen, gerade für Frankreich auf afrikanischem Boden ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, wenn man nicht die Arbeit der französischen Werber in Rechnung ziehen müßte. So und so oft ist von französischer Seite versucht worden, den Eintrit junger Deutscher als „freiwillig geschehen" hinzustellen, die Berichte und Erzählungen der Opfer aber klären auf über diesen „freiwilligen Entschluß". Sie waren alle über daS Schicksal, daS ihrer in Afrika harrte, getäufcht worden. Zu spät kommt dann die Reue, wenn sie die Wirklichkeit erleben mußten. Der nachstehende Brief eine- deutschen Fremdenlegionärs, der den „Leipziger Neuesten Nachrichten" zur Verfügung gestellt worden ist, gibt eine Schilderung deS bitteren Schicksals, daS den Fremdenlegionären meistens beschieden ist. AuS Ain Scsra datiert, berichtet er von der diesjährigen Osterseier deutscher Fremdenlegionäre und lautet:

Wir waren an der Grenze von Marokko-Meritjcha am Abend deS 20. März angekommen. Vom blauen Himmel flimmerten die Sterne in südlicher Pracht, und vom Meere tönte daS leise Rauschen der Wogen. Zeltwände leuchteten unter den Palmen, die Fremdenlegion hatte ihr Lager auf­geschlagen, und wir lagen ermüdet im hohen Grase. Kakteen­blüten erschlossen ihre purpurnen Kelche zu unseren Füßen, wir zertraten sie achtlos. Für unS hatte die wundervolle Natur keinen Reiz, unsere Sinne sind abgestumpft, unsere Herzen verbittert durch hoffnungsloser Leid. Heute aber beschäftigte unS ein anderer Gedanke. Ein deutscher Jüngling Walter Richter, fast noch ein Knabe, hatte unS vor Wochen daran erinnert, daß eS bald Ostern werde, und dabei den Wunsch ausgesprochen, daß wir Deutschen Ostern feiern wollten, wie in unserem lieben Deutschland. Er war der Liebling der Kompagnie, selbst unser Kommandant ging nie übermäßig streng mit ihm um. Eine traurige LebenSgeschichte lag hinter ihm. Er war der Sohn eines wohlhabenden Kaus- mannS und hatte aus Wunsch seines VaterS dar Studium begonnen. Ein grobe? Vergehen, da? er sich zuschulden kommen ließ, bewog ihn zu dem verzweifelten Entschluß, heimlich zu entfliehen. Der Kummer seiner Eltern muß sehr groß gewesen sein, nach dem, wa? er au? dem Vaterhause erzählte. Er rührte nie Karten, Wein oder Branntwein an, ihn auch seine Kameraden dazu drängten. Sein Kummer erweckte nach und nach in unseren Herzen daS Echo der Reue über ein verlorene? Leben.

Die besser Gesinnten unter un? schloffen sich allmählich ™ Jn °"^ b-^" die Deutschen, mochten er Rheinlände? Elsässer, Oesterrelcher oder Schweizer sein. Wir hatten um srmetwrllen den festen Entschluß gefaßt, Ostern zu feiern wie m unserem Vaterlande. Emsig wurde da? Geld zu Eiern und Zwiebeln von dem mageren Solde au,gespart, unser Freund lebte durch die allgemeine Freude neu auf. Nun war das Osterfest gekommen. Todmüde von einem langen, anstrengenden Marsche bei spärlicher Kost, rafften wir unsere ganze Kraft zusammen, um noch wach zu bleiben. Unsere Kameraden, Engländer, Franzosen, Spanier, au? allen Herrn Ländern zusammengewürfelt, lagen längst in ihren Zelten und schliefen. WaS kümmerte sie Ostern I — Sie hatten keine Jugenderinnerungen, wie wir Deutschen. Wir mußten un- sehr knapp einrichten, da wir nur wenige Eier erhalten konnten, weil die Marokkaner nicht unsere Freunde sind. (Wir schlafen nachts mit am Handgelenk angebundenem Gewehr, die Marokkaner kommen geschlichen wie Katzen und schneiden dem

Schlafenden den Hals durch.) Die erstandenen Eier wurden in Zwiebelwasser gekocht und dann verteilt. Die Freude war sehr groß. Erst jetzt merkten wir, daß unser Freund fehlte — er hatte sich auS dem Zelte geschlichen und weinte unter einer Palme; er dachte an seine verlassenen Eltern. Nie werde ich den Anblick vergeffen, wie er mit seinen Händen seine Haare raufte und seine Stirn aus den heißen Sand drückte. In jener Nacht haben wir alle heiße Tränen vergossen.

Walter Richter hat seine Eltern nicht wieder gesehen; wir haben ihn hier im Sande verscharrt. Er wurde zwei Tage nach Ostern vom Fieber befallen und starb am dritten Tage nach Ostern. „Meine guten Eltern," — bar waren seine letzten Worte. ES läßt sich nicht beschreiben, wie weh unS dies tat.

Es ist furchtbar, wenn man nachdenkt, wie eS jetzt in Marokko auSsieht. Eine Sektion ist schon seit 14 Tagen spurlos verschwunden; wir missen nicht, wo sie geblieben ist, sie sollte auSkundschasten. Wir selbst haben Gefechte gehabt, — 20 Tote und 25 Verwundete, unter den Toten ein Offizier. In einem anderen. Gefecht haben wir 15 Verwundere gehabt, mußten sie aber liegen lassen, da wir flüchten mußten. AlS wir nach dem Kampfplätze zurückkehrten, waren den Unglück­lichen vom Feinde die Köpfe abgeschnitten worden. ES ist eine Schmach wenn man sieht, wieviel Deutsche in einer Kompagnie sind: von 150 Mann mindestens 901 Und dann der Zuwachs, der jede Woche nach Oran geht, in den letzten Wochen sollen 80 bis 90 Deutsche verzeichnet worden sein, worüber sich selbst eine französische Zeitung äußerte. Ich weiß nicht, ob eS Ihnen recht sein wird, aber um eins bitte ich: Wenn Sie irgend eine Gelegenheit haben, warnen Sie jeden Menschen vor der Fremdenlegion, eS wird Ihnen Gott lohnen I

Zum BullanlonM.

Die bulgarische Regierung zeigt noch immer keine Neigung zum Entgegenkommen gegenüber dem Standpunkt SerbienS, und ihre Sprache wird mit jedem Tage abweisender. Die Südslawische Korrespondenz meldet auS Sofia: DaS Organ deS Ministerpräsidenten Bulgaria erklärt an leitender Stelle, der DemobilisierungSvorschlag SerbienS sei ein gewöhnlicher Bluff. „Wir wissen, daß Serbien gar nicht daran denkt, ab» zurüsten. Wir sind genau darüber unterrichtet, daß die Serben bereits Verbündete gegen unS haben, daß sie unS angreifen und zwingen wollen, daß wir ihnen unsere Brüder zum Opfer bringen. Wir wollen aber nur, daß der Vertrag in An­wendung kommt, und wenn das geschieht, braucht unS kein Fremder zur Demobilisierung einzuladen. Wenn aber Serbien die? doch getan hat, so erwarten wir die Räumung der un­streitig bulgarischen Gebiete, gemeinsame Verwaltung in den strittigen Zonen, und dann kann abgerüstet werden. Die Ein- Haltung deS Vertrages ist die einzige Möglichkeit, den Streit friedlich zu schlichten." — Wie in der Umgebung DanewS verlautet, würde sich die bulgarische Regierung unter Umständen veranlaßt sehen, den Inhalt deS Bündnisvertrages ohne weitere Rücksicht aus Serbien zu veröffentlichen. Dies würde in dem Moment unweigerlich geschehen, in dem die Haltung SerbienS die Hoffnung auf eine friedliche Schlichtung der Krise auS- schalten sollte.

Die bulgarische Antwort auf die serbische Forderung nach Revision deS Bündnisvertrages wird heute überreicht werden. Sie widerlegt Punkt für Punkt alle von der serbischen Regie­rung zugunsten ihres Verlangens angeführten Argumente und stellt peremtorifch fest, daß Bulgarien keine feiner vertrags­mäßigen Verpflichtungen vernachlässigt habe. Die Antwort lehnt jede Aenderung deS Bündnisvertrages ab. Die ganze serbische Argumentation sei von dem bereits vor dem Kriege gehegten geheimen Wunsche inspiriert, die von Serbien zu erwerbenden Gebiete aus Kosten Bulgarien? auSzudehnen. — Da? bulgarische Hauptquartier wurde nach Sofia verlegt. Die Soldaten der vom Erdbeben heimgesuchten Gegenden haben zehn Tage Urlaub erhalten. — Der frühere Ministerpräsident Geschow ist in Wien eingetroffen, wie eS heißt, um wegen eine? OhrenleidenS einige Aerzte zu konsultieren.

flut Provinz n. Nacdbargebiel.

* Die Zeit vordem Siebenschläfer ist für den Landmann fast ebenso bedeutsam wie dieser gefürchtete Tag selbst. Die Erfahrung lehrt, daß die Weiterbildung für den ganzen Sommer tatsächlich mit der gegen Mitte Juni herrschenden Witterung im Zusammenhang steht. Vermutlich ist die? aus die Luftströmungen zurückzusühren, die gerade um diese Zeit eine besondere Stetigkeit und Unveränderlichkeit zeigen. Passatwinde, d. h. Winde auS südlicher Richtung und ebenso solche au? Westen bringen fast stet? längere Zeit anhaltendes Regenwetter. Hier macht sich teils daS Mittelmeer, teils der atlantische Ozan als Bildner von Regenwolken bemerkbar. Nördliche, östliche und südöstliche Winde bringen dagegen Trockenheit und — mit Ausnahme der nördlichen — auch starke Hitze. Der Landwirt pflegt deshalb mit der Heuernte stets etwas srüher zu beginnen, wenn westliche oder auch nur wechselnde Luftströmungen sich zeigen, während bei östlichen Winden die Heuernte unbedenklich um einige Tage verschoben werden und daS gemähte Heu auf den Wiesen bester und ausgiebiger trocknen kann.

* (Vom Truppenübungsplatz d eS 11. ArmeekorpSbeiOhrdruf.) Am Mittwoch fand durch den kommandierenden General deS 4. Armeekorps die Be­sichtigung der kriegsstarken Reserve-RegimentS deS 4. Armee­korps, daS am 6. Juni auf dem Ohrdruser Truppenplatz ge­bildet worden war, statt. An der großen Felddienstübung nahmen auch Kavallerie- und Artillerie-Abteilungen deS 11. Armeekorps teil. Am Donnerstag wurden die entlaffenen Reservisten und Landwehrleute wieder in mehreren Militärzügen in die Heimat zurückbefördert. Am 21. Juni wird auf dem Ohrdruser Truppenübungsplatz daS kriegsstarke Reserve-Regiment deS 18. Armeekorps gebildet, dessen Uebungen bis zum 4. Juli dauern. Die Artillerie- Regimenter 47 lFulda) und 11 (Süffel) nehmen an den folgenden Tagen auch große Nachtfcharfjchießübungen vor.

p. Hersfeld, 20. Juni. (Die Tage der Rosen.) Der Juni ist die Rosenzeit. Ringsum in den Gärten stehen sie in voller Pracht, die herrlichen, duftenden Blüten der Rosen. Sie erinnern daran, daß der Sommer seinem Höhe­punkte nahe ist. Sie ist zwar ein Fremdling aus deutschem Boden, die Königin der Blumen, aber wer wollte sie misten? Schon die Völker der Altertums wußten sie zu schätzen, schon sie schwelgten in Rosendüsten. Von alterS her war die Rose die Blume der Freundschaft und Liebe, sie wurde schon bei den ersten Völkern der Geschichte zum hochzeitlichen Schmucke gewählt. Manche Legende weiß von der Rose zu berichten. Allerliebst ist eine poetische Legende über den Ursprung der Rose. Die Lotosblume, die Königin war, erfüllte nur mangel­haft ihre Herrscherpflichten. Da traten vor den Wrltenschöpser

die Abgesandten sämtlicher Blumen und baten um eine neue Regentin. Der Schöpfer erfüllte ihren Wunsch und schuf eine weiße Rose. Bewundernd blickten alle Blumen zu ihrer neuen Herrscherin empor, und die Nachtigall war so von ihren Reizen bestrickt, daß sie herbeiflog und die weiße Rose an ihr liebendes Herz drückte. Diese aber rächte sich in ihrem Stolze für die ihr angetane Schmach und bohrte ihre Dornen in das Fleich deS liederreichen Vogels. DaS Blut, daS der Wunde entströmte, färbte die weiße Rose rot, und seitdem erblühten neben den weißen die roten Rosen. Eine Patronin gab man ihr in der christlichen Kirche in der Jungfrau Maria, und wie einst die Heiden ihre Götterbilder mit Blumen schmückten, so schmückten die Christen ihre Gotteshäuser mit den Blüten der Rose. Zu allen Zeiten ist die Rose die LieblingSblume aller Liebenden geblieben. Rose und Liebe waren von jeher zwei kaum zu trennende Begriffe, und Tannhäuser sagt: „WeS Herz vor Liebe brennt, der soll einen Kranz von Rosen trogen." Aber auch die Rosen mahnen an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Heute prangen sie noch in unvergleichlicher Schönheit, in der Nacht entblättert sie ein tobender Wind.

Philippsthal, 19. Juni. Die vor einigen Tagen ftatt- gefundene Generalversammlung der Aktiengesellschaft Kaliwerke Hattorf, erledigte ohne jede Erörterung die Tagesordnung nach den Anträgen der Verwaltung. Es gelangt somit für 1912 eine Dividende von 8 Prozent sofort zur Auszahlung. Wie der Vorstand berichtete, ist daS Er­gebnis des abgelaufenen Jahres durch die Verbesserungen und Ergänzungen im Betriebe unter Tage ungünstig beeinflußt worden. Man erwartet aber von ihnen in Zukunft eine Herabminderung der Selbstkosten, und damit eine Erhöhung der Betriebsüberschüsse. Der im neuen Jahre bis jetzt erzielte Gewinn stellt sich aus 400 000 Mark gegen 435 000 Mark im Vorjahr bei ungefähr gleichen Abladungen. Auch dieser Rückgang ist in der Hauptsache daraus zurückzusühren, daß die in Aussicht genommenen BetriebSverbesierungen noch nicht vollendet waren. DaS Abteusen der Schächte RanSbach und Heimboldshausen hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Bei HeimboldShausen sind beide Kalilager in normaler Beschaffenheit aufgeschlossen und die Aufschlüsse werden demnächst der Ver» teilungSstelle bekannt gegeben werden, so daß man noch mit Wirkung vom 1. Juli ab für diesen Schacht eine provisorische Quote erhalten wird. Der Schacht RanSbach hat eine Teuse von 700 Meter und wird Ende dS. MtS. das erste Kalilager erreichen. Im nächsten Monat werden hier die beiden Kali» lager aufgeschlossen werden, so daß man für diesen Schacht die provisorische Quote mit Wirkung vom 1. August ab wird erhalten können.

■e- Heringen (Werra), 19. Juni. Aus der Strecke Vacha-Gerstungen ereignete sich gestern bei dem ersten Ueber- gange von hier noch HeimboldShausen zu ein schwerer Eisenbahn­unfall. Ein mit Baumaterialien beladener Wagen wurde an dem Uebergange von einem Zuge ersaßt und vollständig zertrümmert. Der Kutscher wurde lebensgefährlich verletzt und die beiden Pferde auf der Stelle getötet. Wen die Schuld an dem Unfall trifft, ist noch nicht aufgeklärt.

Bebra, 18. Juni. Ein 20jähriger Bahnarbeiter ist gestern abend um 11 Uhr beim Baden in der Fulda vor den Augen feiner fünf Kameraden versunken und ertrunken. Die Leiche ist noch nicht geborgen worden.

Treysa, 15. Juni. Von einem Lastauto über fahren wurde gestern früh der Schuhmacher J. Lipfert hier, als er sich zu feiner Arbeitsstätte in Hephata begeben wollte. Er war auf der Stelle tot. Er hinterläßt eine Witwe mit mehreren Kindern. .

Marburg, 19. Juni. Einem ziemlich umfangreichen Schwindel scheint die hiesige Polizei aus die Spur gekommen zu sein. Kürzlich wurde von einer hinzugezogenen Familie die Herrn Professor Brauer gehörige, neben dessen Privatklinik in der DeutschhauSstraße telegene Villa angekaust. Die Käufer, die bis jetzt noch keine Anzahlung geleistet haben, beabsichtigten angeblich, in dem Hause ein Sanatorium einzurichten. Durch ihr nobles Austreten wußten sie ferner einen hiesigen Möbel- fabrikanten zu veranlassen, ihnen für etwa 13 000 Mark Möbel zu kreditieren. Ferner erhielten sie von anderen Geschäftsleuten Lieserungm gegen daS Versprechen demnächstiger Zahlung. In den letzten Tagen ging nun daS Gerücht, daß eS sich um Schwindler handle, für dessen Begründung sich nunmehr auch schwerwiegende Momente ergeben haben. So wurde denn vorgestern abcnd der Mann, seine Frau und eine Tochter verhaftet. Während Vater und Tochter inzwischen wieder aus freien Fuß gesetzt sind, wird die Frau in Haft behalten. Auf daS Ergebnis der Untersuchung darf man gespannt sein.

Hess. Lichtenau, 19. Juni. Vorgestern wurde der bejahrte, allgemein geachtete Schloffermeister Heinrich RaSbieler l. von hier beim Holzfahren von dem beladenen Wagen in einem Hohlwege arg gequetscht oder überfahren. Die Art der Verletzungen ließen sich nicht genügend feststellen, doch müssen innere Organe erheblich verl-tzt worden sein, denn heute morgen ist R. gestorben.

Arolsen, 19. Juni. Bei der heutigen Stichwahl im Wahlkreise Waldeck-Pyrmont wurden insgesamt 12 920 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf D. Naumann (Fortsch. Volksp.) 6593 und aus Vietmeyer (Wirtsch. Verein.) 6327 Stimmen. Naumann ist somit gewählt.

Meimbrefsen, 19. Juni. Vor einigen Tagen machten sich an einer Futtermaschine mehrere Jungen zu schaffen. Dabei geriet ein vierjähriger Knabe in daS Getriebe und 2 Finger wurden ihm abgequetscht. Nach Anlegung eines Ver- bandeS wurde der Bedauernswerte in daS Krankenhaus nach Caffel gebracht.

Babenhause«, 19. Juni. Beim Abbruch der soge­nannten Altdörser Hofes wurde beim Niederreißen eines Back­ofens ein schauriger Fund gemacht. Unter dem Mauerwerk entdeckte man verschiedene Menschenknochen, darunter auch solche von Armen, Beinen und auch einen Schädel, dessen Decke ein Loch hat, so daß ein Verbrechen anzunehmen ist, von dem der Schleier wegen der darüber hingegangenen Zeit so leicht nicht gelüftet werden wird. Außerdem fand man eine BajonettiermaSke sowie einen Säbelkorb. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet.

Göttingen, 18. Juni. Heute morgen 5 Uhr wurde am WaldeSrande zwischen dem Roringer und Herbe-Häuser Stiege ein junges Liebespaar erschossen aufgefunden. Der junge Mann gab noch Lebenszeichen von sich; er wurde noch lebend der Klinik zugeführt. Die Tote ist die erst 17 Jahre alte Frieda Reinebe von hier. Der junge Mann ist der 21jährige Lackierer Kolle; er ist verheiratet und bereit- Vater von zwei Kindern. DaS junge Mädchen war in die linke, der Mann in die rechte Schläfe geschossen. Da- Mädchen hat einen rührenden Brief an seine Eltern hinterlassen, worin e- schreibt, „sie könne nicht ohne ihren Willy leben."

Fra«kf«rt a. M., 18. Juni. In der Untersuchung gegen den Giftmörder Karl Hops ist der Verdacht ausgetaucht, daß er auch feinen Vater vergiftet habe, der im Alter von 72 Jahren, aber noch sehr rüstig, nach zweitägiger Krankheit