DasRefllerungsjubiläum des Kaisers.
Der zweite Tag deS KaiserjubiläumS am Dienstag gestaltete sich für Berlin zu einem fast noch lebhafteren und bedeutsameren Ereignis als der erste. Die Hauptereignisse der Feier am Dienstag waren der Festzug der Innungen und die Huldigung der deutschen BundeSsürsten.
Die Feier war wieder vom herrlichsten Wetter begünstigt. Der Kaiser unternahm morgens 7 Uhr einen längeren Spazierritt und nahm nachher mit der Kaiserin daS Frühstück im kleinen, nach der Spree zu liegenden Gärtchen des KönigS- schlosie- ein. Um 103/* Uhr nahm der Kaiser das Ehrengeschenk der Offiziere entgegen, die vor 25 Jahren bei den Leibgardehusaren gestanden haben. Die Deputation wurde gebildet auS dem Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, dem Fürsten von Reuß, dem Herzog von SchleSwig-Holstein und dem General & la suite von CheliuS.
Mittags nach 12 Uhr fand der feierliche Ewpsang der deutschen BundeSsürsten und der Präsidenten der Senate der freien Städte beim Kaiser im Königlichen Schlosse statt. Prinz Ludwig, deS Königreichs Bayern Verweser, hielt eine Ansprache an den Kaiser, auf welche der Kaiser mit herzlichen DankeSworten erwiderte.
DaS bei dem Empfang im Königlichen Schlosse überreichte Geschenk der BundeSfürsten an den Kaiser ist daS Modell eines vom Prof. Fritz v. Miller in München hochkünstlerisch entworfenen Prunkaufsatzes. DaS Original, ein Symbol der engen Zusammengehörigkeit der deutschen BundeSstaaten und deS ReichSgedankenS, kann, da noch nicht ganz vollendet, erst in einigen Monaten übergeben werden.
Der Huldigungszug der Innungen.
Ueber dem Schloßplatz und dem Lustgarten liegt glühender Sonnenschein. Bunte Sommertoilc/ten geben dem Platz ein festliches Gewand. Tapfer hält man den sengenden Strahlen der Sonne stand, und erwartungsvoll blickt alles nach der Schloßbrücke. Drüben im altersgrauen Schloß werden allmählich alle Fenster im ersten und zweiten Stock geöffnet. Kurz vor dem Eintreffen der ZugeS marschieren die Pfadfinderinnen an der Brücke auf und grüßen den Kronprinzen, der in seiner schmucken Husarenuniform zum Schlosse fährt.
Bald erklingt vom Denkmal Friedrichs der Großen her Trommelwirbel, und der Zug naht. Der Kaiser tritt mit den Prinzen OSkar, Joachim und August Wilhelm sowie mit dem Prinzen Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und Gemahlin aus den Balkon im zweiten Stock, erwidert die Hurrarufe der Menge und wendet sich dann den mit der Kapelle der Gardepioniere heranmarschierenden Innungen zu. Der Zug wird durch einen Herold in mittelalterlicher Tracht hoch zu Roß eröffnet. Die erste Gruppe bilden die Bäcker, 1200 Mann, die Lehrlinge und Gesellen in weißen Kleidern, mit weißen Mützen, die Meister im schwarzen Rock und Zylinder und mit gezogenem Degen. Ein Wagen trägt eine ungeheure Brezel, ein zweiter an einem blumenumkränzten Gestell eine riesige Stolle mit der Ausschrift »Ersatz Zeppelin," ein Einfall, über den der Kaiser herzlich lachte. ES folgten Barbiere, Friseure, Heilgehilsen, Bauhandwerker, Bildhauer, Stuckateure, Böttcher, Buchbinder, Bürstenmacher, Dachdecker und Drechsler, diese mit einem wunderbar gearbeiteten Riesenschachbrett, die Gelb-, Kunst- und Metallgießer, Schneider, Schmiede, Perücken- macher, Nadler, Siebmacher, giftet mit Netzen und Booten und allerlei Fanggerät. Mit der Kapelle deS 2. Garde- regimentS zu Fuß kamen die Gastwirte, die ihr gewaltiger Banner im Wagen mit sich führten. Sehr gut wirkte der Zug der Glafer und Goldschmiede, die einen herrlichen Prunkwagen mit sich führten, von dessen Höhe die Idealfigur einer purpurgekleideten Dame grüßte. ES folgten die Klempner, Konditoren, Kupferschmiede und Lackierer. Den Zug eröffneten hoch zu Roß zwei Klempner alS geharnischte Ritter. Altersgraue Fahnen belebten den Eindruck dieser wohlgelungenen Gruppe. Nach einer Pfadfindergruppe schloffen sich an die Kürschner, Töpser, Schornsteinfeger, Seiler, Steinsetzer und Tapezierer. Diese erregten mit vier im Biedermeierkostüm auf einem Biedermeiersosa sitzenden Figuren die Heiterkeit deS Kaisers, an dessen Seite beim Vorbeimarsch jedesmal auch der Prinz grüßte, der das betreffende Gewerbe erlernt hatte. Brausender Jubel erhob sich, als der Kaiser beim Vorbeimarsch der Schloff« den 101 Jahre alten, im Wagen sitzenden Obermeister der Innung Fritsch freundlich grüßte. Die Schuhmacher führten eine Verbildlichung der Entwickelung der Schuh- und Etieselgewerke vor, die von Adam und Eva bis in die
„Meiner Weibes? Freund — waS auS meinem Weibe geworden — ob sie noch in diesem Leben, ob sie schon im Jenseits weilt, das weiß Gott allein!"
„Du Aermstcr!"
„Ich sah daS HauS, daS sie zuletzt bewohnt, in Flammen ausgehen und in Trümmer stürzen —--bei Aspern war'S---*
Und hast seitdem nichts mehr von ihr gehört?"
„Nichts! Nichts! — Umsonst war alles Suchen und Forschen während der Wochen, die ich mit dem österreichischen Heer im Marchselde verbrachte — umsonst, daß der Erzherzog Karl selbst sich an ihren Vater, den Grafen Neumal ck, wandte, um über den Verbleib seiner Tochter und seines Bruders, mit dem sie zuletzt zusammen gewesen, etwa? zu erfahren, — ihre Spur war und blieb verloren!"
„Und dennoch darfst du nicht die Flügel hängen lassen, Ernst," rief Albert von Wedell. „Darfst dich nicht feige dem Schicksal fügen: Du bist noch nicht wie wir unrettbar dem Tode verfallen! Du sagst er selbst: sie kennen dich nicht. Wir sollen dich rekognoszieren! Ernst! — wenn sie mich fragen — rch kenne dich nicht".
„Albert!" schrie Kessel aus.
„Nein ich kenne dich nicht —"
„Freund — hältst du mich nicht euer wert? Willst du mir neidisch den Lorbeer der Unsterblichkeit vorenthalten, der sich um eure Stirnen flechten wird?!"
„Ernst — nie warst du ehrgeizig!"
„Und waS ist der Ruhm?" entgegnete nun auch Karl. „Nur aus unS kommt eS an im Leben: auf daS Bewußtsein, seine Pflicht bis zum äußersten erfüllt zu haben. Erhalte du dich dem Vaterlande, da du eS noch kannst! Es kommt die Zeit, wo er einer jeden Mannes Arm mit Gold aufwägen wird!"
„Freunde, waS verlangt Ihr von mir? Leugnen soll ich — verleugnen unseren Schill?!"
„Nicht verleugnen I Sollst ihn nur schweigend im tiefsten Herzen tragen," drängte Albert beschwörend, „bis der Tag der Freiheit anbricht!"
„Mir ist ein ehrlicher Tod willkommen. Warum weist
neueste Zeit reichte. Von ganz besonderer Pracht war die Gruppe der Tischler, drei große Festwagen, der erste mit zarten Frauengestalten in den Gewändern der Minnesängerzeit, der zweite mit Meisterstücken und Meistern der HanS-SochS- Periode und der dritte mit Handwerksburschen und Meistern aus der Biedermeierzeit. Auch die Schneider und Sattler, die Wagenbauer und Stellmacher, Korbmacher und Handschuhmacher, Bandagisten und Hutmacher erregten mit ihren Abzeichen und JnnungSgeräten großen Beifall. Die Damen- schneiderinnen-Meisterinnen kamen mit ihrer nagelneuen JnnungS- jahne. Die Fuhrherren hatten einen großen Prunkwagen mit einer stolzen, im Purpurmantel gehüllten Germania gestellt, deren Gruß mit der gesenkten Friedenspalme der Kaiser freundlichst erwiderte. Die Fuhrherren, daS Personenlohn- fuhrwerk und die Droschkenbesitzer kamen in Equipagen. Schließlich nahte die Kapelle der Berliner OmnibuSgesellschaft in einem großen GesellschaftSauto und zwei großen bekränzten Automobilen, auf deren Decksitzen in Reih und Glied Kontrolleure und OmnibuSschoffner Platz genommen hatten, die vor dem Kaiser vorbeisahrend in ein donnerndes Hurra auSbrachen. Als die lctzte Gruppe nahte, war eine volle Stunde vergangen. Brausender Jubel deS Publikums ertönte, alS der Kaiser, der bis zuletzt mit den Seinen ausgehalten und mit dem Beifall nicht gekargt hatte, grüßend die Hand an den Helm legte und sich mit einer Verneigung vom Publikum verabschiedete, während der Zug sich aus dem Neuen Markt auflöste.
Der Fackelzug der Studenten.
Der von 9000 Studenten der Berliner Universität und der Charlottenburger technischen Hochschule dargebrachte Fackelzug langte gegen 10 Uhr abends vor dem Schlosse an. Der Kaiser empfing eine Deputation von 8 Chargierten, die den Glückwunsch der deutschen Studentenschaft auSsprachen. Mit dem Fackelzug haben die herrlich verlaufenen Jubiläumsfeiern ihr prächtiger Ende gefunden.
Zum BallanlonM.
Noch ist die Haltung, die Bulgarien einnehmen wird, nicht ganz in klaren Umrissen hervorgetreten. Auch die Antwort aus die serbischen und griechischen Vorschläge zur teilweisen Demobilisierung ist in ihrer Fassung nicht geeignet, die Ungewißheit der Lage zu beseitigen. Nach Mitteilungen von zuständiger Seite ist diese Antwort am Montag bereis überreicht worden. Die Antwortnote erklärt, die Demobilisierung nur für den Fall anzunehmen, daß die Verbündeten einem Kon- dominium in den strittigen Gebieten zustimmen.
Die serbische MinisterklisiS ist beendet. Ministerpräsident Pasitsch hat dem König die Demission deS Kabinetts eingereicht, die jedoch nicht angenommen wurde. Pasitsch wird in der in seinem letzten Exposs gekennzeichneten Politik sortsahren.
Eine Sonderausgabe der „Wetschera Posta" meldet, daß eine starke bulgarische Bande nach zehnstündigem Kampfe die serbische Besatzung auS der Stadt Dibra vertrieben habe, wobei die Serben 3 Kanonen und ihren ganzen Train im Stiche gelassen hätten. Die Bulgaren hätten außerdem die serbischen Truppen auS GradSco südlich von Köprülü zurückgedrängt.
Sofia, 17. Juni. Man sieht hier die Situation sehr pessimistisch an. Am beunruhigsten ist die Haltung der Armee. Die Mannschaften befinden sich in dem Zustande der allergrößten Unwillens, da die Ernte infolge der großen Hitze bereits im ganzen Lande begonnen hat. Sie verlangen, in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen. Die serbische Armee soll sich in genau derselben Verfassung befinden. Man fürchtet daher, daß die Offiziere sich durch die Ereigniffe zur Ueber- stürzung veranlassen werden, um die Erregung deS Volkes in andere Bahnen zu lenken. Dazu kommt noch, daß man in den weitesten Kreisen der Petersburger Konserenz großer Mißtrauen entgegenbringt, besonders die sozialistischen Blätter sprechen von der Petersburger Konferenz sehr ironisch.
Sofia, 17. Juni. Einer Privat-Meldung zufolge sollen 7 griechische Bataillone im Golf von Orsano zu landen versucht haben. Die Griechen sollen aber von den Bulgaren unter schweren Verlusten zurückgeschlagen worden sein.
Wien, 17. Juni. AuS Galatz in Silistrien wird gemeldet: Einer hier eingelaufinen Meldung zufolge hat die bulgarische Regierung die Dispositionen getroffen, den Warenverkehr zwischen den bulgarischen und ausländischen Häsen infolge der ernsten Lage bis aus weiteres einzustellen.
Saloniki, 17. Juni. AuS Kumanowo wird gemeldet, daß dort, sowie im Gebiet von Palanka eine große Anzahl bulgarischer Freischärler eingetroffen ist. Man spricht von mehreren Tausend Mann. Die Cholera fordert auch unter
ihr mich von seiner Schwelle? Furchtbar ist jetzt daS Leben! Alle Hoffnungen unseres Volkes neu zertrümmert!"
„Die Gewißheit einer besseren Zukunst unserer Volkes, einer Zukunft, an der du Mitwirken sollst, die muß dich aufrecht halten, Ernst," warf Schmidt ein.
Kessel antwortete nichts mehr. In seinem Innern rangen und gärten Gefühle und Gedanken, — ein Widerstreiten herrschte in seiner sonst so harmonischen Seele, wie er eS noch nie an sich erlebt.
ES erschien ihm so viel ehrenvoller, mutig für seine Ideale den Tod zu erleiden, alS sich schiffbrüchig in? Leben hinein- zuretten, in dies Leben der Knechtschaft unter dem verhaßten Tyrannen, in dies Leben, dem alles fehlte, war ihm daS Leben lebenSwert gemacht.
Er konnte nicht so schnell mit sich inS klare kommen. So verstummte er. Und von den anderen sprach keiner mehr ein Wort. Ein jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Und erst langsam senkte sich der Schlummer aus die bewegten Gemüter.--
AlS der erste Sonnenstrahl durch? Kerkersenster glomm, lagen die Jünglinge noch alle von süßen Träumen umfangen. An dem Lächeln sah man'?, daß auf allen den bleichen jugendlichen Gesichtern spielte: wa? da? Leben ihnen versagte, daS schenkte ihnen der Traum.
Nur Kessel hatte keinen Schlummer gesunden. Schon lange hatte er an dem einzigen Fenster in den grauenden Morgen hinausgestarrt. Nun glitt fein Auge von einem Freunde zum andern. So zermürbt sie dar Leben auch hatte, der Gedanke der Freiheit, der ihr ganze? Wesen beseelte, adelte einer jeden Züge. Einen jeden prägte er sich noch einmal mit besonderer Innigkeit ein. So überhörte er dar Raffeln der Schlüssel, die schweren Fußtritte aus dem Korridor. Erst als die Kerkerpsorte sich öffnete, wurde er aufmerksam. Der Wärter, ein ausgedienter Unteroffizier, trat herein. Mit plumpen Schritten kam er aus den ersten der schlummernden Offiziere zu. Albert von Wedell war e?. Er legte ihm die Hand aus die Schulter.
„Aufstehen, meine Herren!" rief er mit einer Stimme, in ’ der heimliche? Mitleid klang. „Aufstehen!"
den in der Gegend von Strumnitza befindlichen bulgarischen Truppen zahlreiche Opfer. 15 Albaner, von der aus dem Krieg bekannten Bande BekiramaS wurden unter starker Eskorte hier eingeliefert.
Paris, 17. Juni. Der „New-Imk Herold" meldet auS dem Suezkanal, daß der türkische Kreuzer „Hamidie" jetzt dort von neuem wieder gesehen worden ist. ES heißt, daß sich an Bord deS Schiffes 4 griechische Gesangenen bejunden haben sollen, die man vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen habe. Der „Hamidie" soll sich jetzt in Modena aushalten, doch verlautet, daß daS türkische Kriegsschiff bereit- ein besseres Versteck in der Nähe der Camaron-Jnsel ausgesunden hat, wohin eS sich demnächst zurückziehen wird, um eine Kesselreparatur vorzunehmen. In Modena sollen sich an Bord der „Hamidie" 6 griechische Gefangene befinden.
H« ]n- und Ausland.
Berlin, 17. Juni 1913.
Die „Kölnische Zeitung" schreibt zu dem augenblicklichen 61 a n b der Verhandlungen in der Budgetkommission deSReichStageS: Am Dienstag werden die Beratungen aus Grund gewisser Einigungen deS Besitz- steuergesetze? beginnen und hoffentlich zum Ziele führen. Gelingt die Einigkeit nicht, dann bleibt den liberalen Fraktionen nichts anderes übrig, alS ihre Anträge wegen der ErbschaftS- besteuerung einzubringen. In der nationalliberalen Fraktion ist darüber vollständige Einigkeit vorhanden, eS steht indessen zu erwarten, daß eine Einigung in der Kommission zwischen dem Zentrum und den beiden liberalen Fraktionen erfolgt, sodaß sich die Sozialdemokratie und, wenn man nicht übel unterrichtet ist, auch die deutsch-konservative Partei, anschließen werden. Daß einer völligen Einigung gegenüber sich die verbündeten Regierungen ablehnend verhalten können, müssen wir al? ausgeschlossen erachten, da sich für die Regierungsvorlage keinesfalls eine Mehrheit finden wird. Da? ist die gegenwärtige Lage. Die nächsten Tage werden in der Budgetkommission die Aufklärungen bringen.
Der Staatssekretär deS ReichS-KoloniamtS Dr. Golf wird in diesem Jahr mit nur sehr kleiner amtlicher Begleitung, eine Informationsreise nach den Schutzgebieten Kamerun und Togo unternehmen. Die Ausreise erfolgt am 9. August aus einem Dampfer der Woermann- Linie. Der erste Besuch gilt Kamerun. Während der aus fast vier Wochen berechneten Aufenthalts soll unter Führung deS Gouverneurs Ebermaier neben der Besichtigung der Küsten- Plätze Viktoria, Duala und Kribi auch da? Hinterland, soweit eS die vorhandenen Verkehrsmittel in der kurzen Zeit gestatten, bereist werden. Im Süden wird eS möglich fein, mit Automobil bis Jaunde und Ebolowa vorzudringen. Von Neu- Kamerun wird der Staatssekretär daS Muni-Gebiet zu sehen bekommen. Im mittleren Teil der Kolonie erleichtern die Eisenbahnen eine rasche Orientierung. Der Ausbau deS BahnnetzeS, insbesondere die Fortsührung der Nordbahn und der Ausbau der Mittellandbahn, wird Gegenstand besonders eingehender Prüfung sein. Von Kamerun gedenkt sich der Staatssekretär nach dem englischen LagoS, dem wichtigsten Hafen- und Handelsplatz der Westküste, zu begeben und sich dort während der Vereisung der von LagoS bis Kano auS- gebauten Eisenbahn mit den von den Engländern in tigerten unter ähnlichen Verhältnissen wie in Kamerun und Togo befolgten Verwaltung-grundsätzen und den damit erzielten Erfolgen vertraut zu machen. Daran wird sich der Besuch des Schutzgebiets Togo schließen, für den etwa 14 Tage vorgesehen sind. Der Gouverneur, Herzog Adols Friedrich zu Mecklenburg, wird den Staatssekretär in Lome empfangen. Von Lome auS kann man mit den drei vorhandenen Eisenbahnen und über ihre Endpunkte hinaus mit Automobil in kurzer Zeit große Teile der Kolonie kennen lernen. Von diesen Möglichkeiten wird der Staatssekretär Gebrauch machen. Der Woermann-Dampser wird ihn Ende Oktober dann in die Heimat zurückführen.
Die Synode der Provinz Hessen-Nassau hat den Berliner Domprediger Ohly alS Kandidaten für den Generalsuperintendenten vorgeschlagen. Die gesamte nassauische liberale Geistlichkeit hat gegen diese Kandidatur Protest eingelegt. Die sechs evangelischen LandtagSabgeordmten wurden beim preußischen Kultusminister vorstellig, die Kandidatur zu verhindern.
In der am Montag sortgefetzten Beratung der Vorlage, betr. die dreijährige Dienstzeit, seitens der sran- zöfischen Deputiertenkammer ergriff Ministerpräsident Barthou daS Wort, um zu erklären, daß sich der
Wedell taumelte auS dem Echlas auf. „Ich kenne ihn nicht!" murmelte er schlaftrunken.
„Wen meinen Sie?" brummte der Wärter.
„Den — den —" Der Offizier rieb sich die Augen, starrte umher — „den Neuen! Den Sie gestern zu unS gesteckt I"
„Na, das geht mich nicht- an! DaS sollen Sie ja dem Herrn Auditeur sagen, ob er einer von Ihnen ist! Der Herr DivifionSauditeur folgt mir auf dem Fuße! Ausstehen, die Herren! Ich höre ihn schon den Korridor entlang kommen. — Aufstehen I Ausfiehen!"
Die jungen Herren fuhren empor, räkelten sich noch einmal, blickten dann verdutzt in dem Gewölbe umher, deffen kahle Wände der Sonnenstrahl mit rosig goldenem Schimmer überhauchte, und sprangen auf die Füße.
Da trat auch der Auditeur mit dem Protokollführer schon über die Schwelle. Im Augenblick war der einzige hölzerne Tisch deS Kerkers zurechtgerückt, zwei Stühle auS dem Korridor herbeigeschafft und davorgestellt, aus denen die beiden Herren Platz nahmen.
„Voici — da ist noch so ein Brigant, so ein Straßen- räuber eingeliefert worden," begann der Kapitän, während er mit graziöser verächtlicher Bewegung aus Kessel wies, der noch immer nahe dem Fenster stand. „Seine personnage stimmt mit der eines mehrmals entsprungenen Leutnant Kessel über- ein, — les yeux bleus, les cheveux blonds. Ick frage Sie, meine' e'rren, 'at cet homme-te mit Ihnen gefochten in Stralsund? — 'at er jemals gewesen Ihr Kamerad?" Er suchte in dem ihm vorliegenden Papier. „Albert Wedell — treten Sie vor! Beantwotten Sie meine Frage!"
sFortsetzung folgt.)
— ^Verhängnisvoller Absturz eineSSeil- t ä n z e r S.) In Pohlitz (Thüringen) zerriß bei der Vorstellung einer Eeiltänzertruppe aus dem Schützenplatz daS 15 Meter hohe Turnseil. Der Seiltänzer stürzte herab und fiel auf den siebenjährigen Sohn deS Bäckermeisters Hempel, der tödlich verletzt wurde. Der Artist trug lebensgefährliche Verletzungen am Rückgrat davon.