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herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8 1

Nr. 71 Donnerstag, den 19. Juni 1913.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 17. Juni 1913.

Die Geschäftszimmer derKgl.Einkommensteuer-Veranlagungs- Kommiffion und des Steuerausschusses der Gewerbefteuerklassen III und lV, der Kgl Militär-Ersatz-Kommission, des Kgl. Versicherungsamtes befinden sich von Donner-tag den 19. b. MtS. ab im Hause Johanne-stratze 6/8 (Neubau des Metzgermeister- Christian Otto) tm S. Stock.

Daselbst werden bi- auf weitere- auch die Baupolizei- sachen bearbeitet.

Diese Geschäftszimmer haben Fernsprechuebenanschluß an den Fernsprecher deS Landrat-amt- Nr. 33.

I. I. Nr. 7139. Der Landrat

von GruneliuS.

Bekanntmachung.

Wahl zur Zahnärztekammer.

Auf Grund der endgültig sestgestellten Listen der Wahl­berechtigten bestimme ich, daß für die nach der Allerhöchsten Verordnung vom 16. Dezember 1912 (Gesetzsamml. E. 233 ff.) errichtete Zahnärztekammer zu wählen sind: im Wahlbezirk Ostpreußen 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter, im Wahlbezirk Westpreußen 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter, im Wahlbezirk Brandenburg 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter, im Wahlbezirk Berlin (Landespolizeibezirk) 5 Mitglieder und 5 Stellvertreter, im Wahlbezirk Pommern 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter, im Wahlbezirk Posen 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter, im Wahlbezirk Schlesien 3 Mitglieder und 3 Stellvertreter, im Wahlbezirk Sachsen 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter, im Wahlbezirk SchleSwig-Holstein 2 Mitglieder und 2 Stellver­treter, im Wahlbezirk Hannover 2 Mitglieder und 2 Stellver­treter, im Wahlbezirk Westfalen 2 Mitglieder und 2 Stell­vertreter, im Wahlbezirk Hessen-Nassau 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter, im Wahlbezirk Rheinprovinz (mit Hohenzollern) 3 Mitglieder und 3 Stellvertreter.

Die Zahnärztekammer wird sich danach au- 31 Mitgliedern und ebensovielen Stellvertretern zusammensetzen.

Die Wahl ist in der Zeit vom 22. bi- einschließlich 28. Juni d. Jr. vorzunehmen; die Wahlperiode setze ich auf die Zeit vom 1. Juli d. Jr. bi- Ende Dezember 1915 sest. ES wird durch Stimmzettel gewählt, die an den zuständigen Ober- präsidenten zu senden sind. Jeder Stimmzettel muß Namen, Stand und Wohnort deS Wählenden, der von ihm gewählten Mitglieder und Stellvertreter enthalten und rechtzeitig bis zum Ende der Wahlfrist eingereicht sein.

Uorfriiblinfl.

Erzählung von M. von Mitten.

(Fortsetzung.)

Der Zug deS Herzen-, Bruder," versuchte Keffel einen leichteren Ton anzuschlagen. Aber el wollte ihm nicht ge- lingen. Tief ausatmend fuhr er sehr ernst fort:Der Generalissimus hat sich nach Znaim zurückgezogen. Napoleon sandte ihm zunächst Marmont und Massena nach. Marmont, der Herzog von Ragusa, konnte eS nicht erwarten. Er griff an. SS kam zu hartnäckigen, sür beide Teile erfolglosen Gefechten. Am folgenden Tage langte Napoleon selber an der Spitze der Reiterei vor Znaim an. Abermals kam eS südlich deS Ortes zu harten Kämpfen. Legrand hatte sich bereits der Brücken über die Thaya bemächtigt. Da sührte Massen« in wilder Kampfbegierde die Division Legrand zum Angriffe gegen daS Eüdtor von Znaim heran. Als sich die Kolonnen dem Eingänge näherten, brach ein heftiger Wolken» bruch loS. Unser Grenadierbataillon Leiningen stürmte in mächtigem Anlauf auS der Stadt hervor und warf, gefolgt von den nächsten Truppen deS 5. KorpS, die überraschten Franzosen und Badenser bi- an die Thaya zurück. Schon waren viele abgeschnitten und gefangen, Massena selbst in höchster Gefahr, da warf sich eine französische Kürassier­brigade, eine Fuhrt benutzend, auf die durcheinandergekommenen österreichischen Infanteristen, befreite die Gefangenen und nahm statt dessen einen großen Teil Oesterreich« gefangen. Ich gehörte dazu. Mit dem Strome der Flüchtenden drangen die feindlichen Reiter biS dicht an die Mauern der Stadt, wo die Wiener Freiwilligen deS 5. Bataillons sie mit heldenmütiger Tapferkeit zum Rückzüge zwangen."

Keffel brach ab. Wieder herrfchte eine Weile GrabeS- schweigen in der Runde.

Na und das Ende?"

DaS Ende?" nahm Keffel noch einmal da- Wort. Napoleon sah wohl ein, daß er dem GeneraliffimuS in seiner festen Stellung nicht viel anhaben konnte, daß ein längere-

Ungültig find:

1. Stimmmzettel, die die Person der Wählenden nicht er­kennen lassen oder die von einer nicht wahlberechtigten Person ausgestellt sind;

2. Stimmzettel, die keinen oder keinen lesbaren Namen enthalten;

3. Stimmzettel, auf denen mehr Namen al- zu wählende Personen verzeichnet sind;

4. Stimmzettel, die einen Vorbehalt oder Einspruch ent­halten ;

5. Stimmzettel, soweit sie die Person deS Gewählten nicht unzweifelhaft erkennen lassen oder den Namen einer nicht wählbaren Person bezeichnen oder der Angabe entbehren, ob der Benannte alS Mitglied oder al- Stellvertreter gewählt wert eii ist.

Gewählt sind diejenigen, die die meisten Stimmen aus sich vereinigen. Bei Stimmengleichheit entscheidet da- Lo-.

Dar Ergebnis der Wahl wird seinerzeit bekannt gemacht werden.

Die näheren Anordnungen über die Wahl in den ein­zelnen Wahlbezirken werden durch die zuständigen Ober­präsidenten ergehen.

Berlin, den 30. Mai 1913.

Der Minister der Innern. I. V: gez. H o l tz.

* *

*

Vorstehendes wird hierdurch mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß die Stimmzettel für die in dem Wahlbezirk der Provinz Hessen-Nassau zu wählenden beiden Mitglieder und Stellvertreter der Zahnärztekammer innerhalb der Zeit vom 22. bis einschließlich 28. Juni d. Jr. in verschlossenem Brief­umschlag an mich einzusenden sind. Jeder Stimmzettel muß ersehen lassen, ob die darin genannten Zahnärzte als Mit­glieder oder als Stellvertreter in Betracht kommen sollen.

Cassel, den 5. Juni 1913.

Der Oberpräsident. Hengstenberg. * *

Her-feld, den 12. Juni 1913.

Wird veröffentlicht.

I. 6986. Der Landrat.

I. A.

Trost, RegierungS-Supernumerar.

Bekanntmachung, die Beschädigung der ReichS-Telegraphenanlagen betreffend.

Zum Schutze der ReichS-Telegraphenanlagen sind durch da- Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänderung von Bestimmungen deS Strafgesetzbuches für daS Deutsche Reich, nachstehende Bestimmungen erlassen:

§ 317. Wer vorsätzlich oder rechtswidrig den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegrophenanlage dadurch verhindert oder gefährdet, daß er Teile oder Zubehörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Gefängnis von einem Monat bis zu 3 Jahren bestraft.

HinauSjPinnen deS KampfeS ihn eher um die fchwercrrungenen Siegeslorbeeren von Wagram betrügen könnte, er nahm die angebotene Waffenruhe an."

DaS weiß ich! Ich meinte daS Ende deiner persönlichen Erlebnisse!"

Ja so!---AlS Napoleon die Reihe der Ge­fangenen abritt, musterte sein scharseS Auge jeden einzelnen. Er erkannte mich wieder . . ."

Er erkannte dich wieder?" kam eS mit verwunderter Frage aus dem Dunkel zurück.

Ja!" erklärte Keffel.Schon bei Aspern war ich, wie gesagt, jn sranzösische Gefangenschaft geraten und durch einen Zusall mit dem Korsen in nähere Beziehung getreten. Ein andermal davon.--Also er befahl, da ich al- Schillscher Offizier, alS »Mitkomplize diese- Bliganten*, wie er sich auS» drückte, keinen Anspruch aus eine ehrliche Gesangenschast habe, und da ich mir selbst die Gnade, mein Leben aus den Galeeren zu fristen, verwirkt hätte, daß man mich nach Westfalen transportiere. Hier sollte wir mit »ein paar anderen Räubern dieser Bande* zusammen der Prozeß gemacht werden!"

Mit ein paar anderen Räubern dieser Bande . . .1"

Dieser Dämon!"

Und, Iahn, von dem willst du erhoffen, daß er unS daS Leben läßt?"

Ich kann nicht glauben, daß die PappenheimS mich und euch verlassen. Sie werden alles daransetzen, um . . ."

So wurdest du direkt von Znaim nach Westfalen ge» bracht, Kessel?" ftagte Schmidt, indem er die Einwürse deS Kameraden überging.

Die Absicht war'- wohl. Aber reine OdysseuSfahrten habe ich durchgemacht," entgegnete Keffel.In Sachsen trafen wir aus sranzösijch»sächfische Truppen, denen sich der kleine Zug, in dem ich mich besand, anschloß. Ein paar Tage später kam eS bei Halberstadt zu einem verlustreichen Gesechte mit der schwarzen Schar deS vertriebenen HerzogS von Braun­schweig, der nach der Schlacht bei Wagram mit seinem Frei­korps Böhmen verlassen und sich mitten durch die feindlichen Truppen hindurch seinen Weg nach England bahnte. Bei diesem Gefecht gelang eS mir, meinen Peinigern zu ent»

§ 318. Wer fahrlässiger Weise durch eine der vorbe­zeichneten Handlungen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage verhindert oder gefährdet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bi-zu neunhundert Mark bestraft.

Unter Telegraphenanlagen im Sinne der §§ 317 und 318 sind Fernfprechanlagen mitbegriffen.

Da die ReichS-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig teils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Stein- würfe rc.), teils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntnis ge­bracht. Zugleich wird demjenigen, welcher vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigungen der ReichS-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Täter mit Erfolg ringt* schritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung biS zur Höhe von 15 Mark hiermit zugesichert.

Cassel, den 21. Mai 1913.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. *

HerSfeld, den 3. Juni 1913.

Wird veröffentlicht.

I. 6569. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

nichtamtlicher Nil.

Reichstag.

Im Reichstage übermittelte heute der Präsident Dr. Kaempf dem Hause den Dank deS Kaiser- für die Glückwünsche zu seinem Regierung-jubiläum. Er gedachte bann deS gestern verstorbenen Zentrum-abgeordneten Freihrrrn von Malfen- Waldkirch, dessen Andenken daS HauS in üblicher Weise ehrte. Darauf wurde daS Gesetz über den Unterstützung-wohnsitz in Bayern ohne Debatte in dritter Lesung angenommen und dann die zweite Beratung der Wehrvorlagen fortgesetzt. Abg. Graf Praschma (Zentr.) bekämpfte den sozialdemokratischen Antrag betreffend Einsührung der einjährigen Dienstzeit und Beseitigung deS Einjährig-Freiwilligen-PrivilegS. Dieses habe sich durchaus bewährt. In demselben Sinne äußerte sich Abg. Nehbel (kons.), der sich zugleich sür die freisinnige Resolution erklärt, nach der auch körperlich besonders gut ausgebildete Leute zum einjährigen Dienst zugelaffen werden sollen. Der Kriegsminister von Heeringen wendete sich sowohl gegen den sozialdemokratischen Antrag wie gegen die freisinnige Resolution. Die Frage sei noch nicht spruchreif. Natürlich ist er auch gegen die frei­sinnige [Resolution betreffend die Verkürzung der Dienstzeit, die der Äbg. Liesching (Bp.) befürwortet.

kommen. Ich vermochte aber nicht, wie ich beabsichtigte, mich zum Herzog zu flüchten, sondern kam ab. In einem Gast- hau-, in dem ich zu Tode erschöpft Unterkunst suchen mußte, hörte ich, wie ein paar sranzösische Sergeanten am Neben- tische von der Einnahme StralsundS von dem tragischen Geschick unsere- Majors erzählten. ES erschütterte mich der­maßen, daß ich alle Vorsicht vergaß und schließlich alS ver­dächtig, zum Schillschen Regiment gehört zu haben, abermalS in Gefangenschaft geriet." Wieder schwieg Keffel, in sich verloren.

Nun und weiter?" regte Schmidt von neuem an.

Ich verweigerte Auskunft über meine Person, nun, da unser Schill nicht mehr am Leben, von Empörung über sein entsetzliches Ende gepackt," fuhr Kessel mit bebender Summe fort.Der Tod ist mir heilig ich wäre ihn mit Freuden, mit Begeisterung gestorben an seiner Seite, wie an der Seite deS Erzherzog- Karl; aber daß ich von diesen Mördern wie ein hülflose- Tier hingeschlachtet werden sollte, da- ersüllte meine Seele mit grenzenlosem Grimm."

Wieder trat eine Totenstille ein.

Die schweren, stöhnenden Atemzüge au- dieser und jener jungen Brust zitterten unheimlich von den kahlen Wänden wider.

Ich wurde nach Caffrl gebracht," erzählte dann Kessel nach einer Pause weiter,dort in ein dunkle- Gefängnis gc* worsen. Ich habe die Tage und Nächte nicht gezählt. Dann brächte man mich hierher zu euch. Ich hörte, ihr solltet mich rekognoszieren. Freunde!" brach es jetzt auS seiner Brust hervor,daß ich euch noch einmal die Hand drücken durfte, daS ist für mich ein Gnadengeschenk bei Himmels!"

Ein Danaergeschenk ist'S, Ernst!" rief Wedell.

Glaub mir, mein Herz betrügt mich nicht! Du sollst Geselle unserer Tode- sein!"

Albert ich habe mit dem Leben abgeschlossen! Nur nicht hingemordet wollte ich werden! Aber in eurer Gemein­schaft, in der Gemeinschaft von edlen Gleichgesinnten, da stirbt sich'- gut!"

Und denkst du nicht deine- Weibe- ?" fragte Schmidt.