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hersWer Kreisblatt
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Fernsprech-Knfchlutz Nr. 8
Nr. 70.
Dienstag, den 17. Juni
1918.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 11. Juni 1913.
In der KreiStagSsitzung am 12. März d. JS. ist die Erhebung einer allgemeinen Kreissteuer in Höhe von 49% der sämtlichen direkten Staatssteuern für daS Rechnungsjahr 1913 beschlossen worden.
Neben dieser allgemeinen Kreissteuer sind wie bisher von den Landgemeinden und Gut-bezirken deS Kreises mit Ausnahme der früher mit Landwegebauaufgaben nicht belasteten Gemeinden Frielingen, HedderSdorf, HerSfeld, KalkobeS und Niederjoffa noch 7200 Mk. als Vorausleistung zur Unterhaltung der Landwege aufzubringen.
Dieser Betrag stellt weitere 3,7% der sämtlichen direkten Steuern bar.
Bus die Stadt HerSfeld und die vorgenannten 4 Landgemeinden sowie den ForstfiskuS entfallen hiernach für daS EtatSjahr 1913 49% der sämtlichen direkten StaatSsteuern als Kreissteuer, während alle übrigen Gemeinden und GutS- bezirke 49% und 3,7% ----- 52,7% zu entrichten haben.
DaS Veranlagung-schreiben wird den Herren Ort-vorständen in Kürze übersandt werden. ES ist darin von einem Teile der im Interessengebiet der Bahn HerSseld-HeimboldShausen gelegenen Gemeinden auch die auf sie entfallende Vorausleistung zu den Kosten des Grunderwerbs dieser Bahn angefordert worden.
Ich ersuche alsbald nach Empfang deS Veranlagung-- schreiben- die Gemeindekasie mit Zahlungsanweisung zu versehen.
Die KreiSsteuer ist wie bisher einschließlich der Vorausleistung in vierteljährlichen Raten und zwar die 1. Rate sofort, 2. Rate 1. August dS. JS., 3. Rate 1. November dS. JS. und 4. Rate 1. Februar 1914 an die KreiSkommunal- kasie hier einzuzahlen. Bei jeder Zahlung ist daS VeranlagungS- schreiben zur Erteilung der Quittung hierauf mitvorzulegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. No. 2777. von GruneliuS.
HerSfeld, den 13. Juni 1913.
Unter Bezugnahme aus meine Bekanntmachung vom 3. d. MtS. I. I. Nr. 6542, im Kreisblatt Nr. 68, gebe ich hierdurch bekannt, daß nachträglich auch noch die Gemeinde Gethsemane den Betrag mit 18 Mk. alS Nationalspende zum Kaiser-Jubiläum hier abgeliesert hat.
Zu I, 6542. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 10. Juni 1913.
Aus Grund deS § 149 der ReichS-BersicherungS-Ordnung hat daS Königliche Ober-VersicherungSamt in Easiel mit Verfügung vom 16. Mai dS. JS., Q. V. A. I. Nr. 70, den
Vorfrühling.
Erzählung von M. von Mitten.
(Fortsetzung.)
XXVI.
Tiefblaue, mondlose Augustnacht. Der Himmel mit leuchtender Sternensaat übersät. Raketen gleich durchschossen Sternschnuppen die blaue Lust. Jetzt leuchtete eine besonders prächtig im HimmelSraum auf, schoß im hohen Bogen am Firmament entlang und erstarb.
„Gott! Tröste mein Weib!" murmelte eine männliche Stimme. Vor einem Zitadellentoce hielt ein kleiner Zug Soldaten. Einen Gefangenen führten sie. DaS Tor öffnete sich. Er wurde durch daS massige Gemäuer hindurchgezerrt. Wieder Schlüsselklappern, Türenkreischen. Durch einen langen, stockdunklen Gang führte der Weg. Noch einmal daS Raffeln von Schlüsseln, daS Aechzen einer Türe. In ein finsteres Gewölbe fühlte der Gefangene sich gestoßen. Er hörte die schwere Türe hinter sich zuschlagen, den Schlüssel im Schlosse sich umdrehen, schwere Schritte sich entfernen. Weiter und weiter. Nun war eS ganz still. Er war allein.
Oder war er doch nicht allein?
Kam da aus einer Ecke nicht ein menschlicher Atem? — Und dort aus der anderen ein zweiter?
SS schauderte ihn. Hatte man ihn etwa gemeinen Verbrechern zugesellt?
»Wer ist da?" Hohl hallt« seine Stimme von den GefängniSwänden wieder.
„Elf Schlillsche Offiziere!"
Diese Stimme! Welch bekannter Klang! Tief atmete der neue Ankömmling auf.
»So gehöre ich zu euch! Ich bin der zwölfte!'
„Wer?" „Unglücklicher!" „Wer?" »Keffel ist'S!"
»Der Kessel?" »Wie kommst du hierher! Wir wähnten dich tot bei Todendorf," raunte und flüsterte e- durcheinander.
»Ja, ich bin'-, der Keffel!"
ortsüblichen Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter für den Umfang deS KreiseS HerSfeld wie folgt neu festgesetzt.
Die Sätze treten mit dem 1. Januar 1914 an Stelle der mit Verfügung vom 4. Januar 1911 I. 13768 — Kreis - blatt Nr. 6 — bekannt gegebenen seitherigen ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter.
Für Versicherte:
1) von über 21 Jahren männlich 2,50 Mark, weiblich 1,70 Mk., 2) von 16—21 Jahren männlich 2,00 Mark, weiblich 1,40 Mk., 3) von 14 und 15 Jahren männlich 1,50 Mark, weiblich 1,20 Mark,
4) unter 14 Jahren männlich 90 Pfg., weiblich 90 Pfg.
Dersicherungs-Amt.
V. 833. I. V.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
nichtamtlicher teil.
Die Feier des Regierungs- Fubiläums des Kaisers.
Aus PotSdam, 15. Juni, wird gemeldet: Der Kaiser und die Kaiserin nahmen heute, am TodeStage Kaiser Friedrichs, an dem Gottesdienst in der hiesigen Garnisonkirche teil. Die Stadt PotSdam hatte reichen Festschmuck angelegt. DaS Wetter ist sehr schön. Die Majestäten trafen um 10 Uhr mittels Automobils von Berlin aus ein, mit ihnen in demselben Wagen Prinz und Prinzessin Ernst August, Herzog und Herzogin von Braunschweig und Lüneburg. Mit den Majestäten trafen ferner ein olle Kinder der Majestäten mit Ausnahme deS Kronprinzen, welcher erst morgen eintreffen kann, und die Geschwister deS Kaisers, mit Ausnahme der Königin von Griechenland, ebenso die anderen in Berlin und PotSdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen. Die Festpredigt hielt Hosprediger Richter. Der Text, Römer 5, BerS 3—5, war vom Kaiser selbst bestimmt worden. Der Geistliche jührte auS, waS Fürst und Volk in unzertrennbarer Einheit verbinde, sei der stille Gast in den KönigSschlössern wie in den Hütten der Armen: daS Leid. Der königliche Dulder habe im tiessten Leid mehr Größe bewiesen alS der Sieger von Koniggrätz und Wörth: Heldenmut, Geduld, Standhastigkeit, die Kraft, auSzuharren auch auf dem schwersten Posten. DaS Schwerste müsse allein getragen werden. Der Geistliche schloß: Mit Hoffnung-blick habe der verstorbene Kaiser aus seinen Sohn geschaut, und mit HoffnungSblick schaue dieser heute aus seine Kinder und Enkel, schaue hinaus in sein Land und über die Welt mit dem HoffnungSblick: Du, Gott, bist meine Zuversicht und meine Hoffnung.
Nach dem Gottesdienst begaben sich die Majestäten nach dem Mausoleum bei der FriedenSkirche, um am Sarge Kaiser
„Armer Kerl r »Wo haben sie dich erwischt?"
„WaS nennt ihr ihn armer Kerl? Ich gebe die Hoffnung nicht auf."
»Iahn, du alter Optimist!"
„Erst komm! Setz dich her! Du bist gewiß erschöpft. Hier auf meinem Strohlager ist noch Platz."
ES bereitete Ernst von Kessel eine seltsame Empfindung, wie all die Stimmen auS dem tiefen Dunkel hervor an sein Ohr klangen. Alle mit wohlbekanntem, lieben Klang. Und während er tastend der Richtung folgte, auS der die letzte Aufforderung gekommen, suchte er sich nach dem Klänge der Stimme klarzumachen, wer alle- in dem Gefängnisse weile. Nun tappte er auf einem aufrecht sitzenden Körper herum. Eine Hand erfaßte ihn und zog ihn auf ein Strohlager.
„Hier! hier! Du lieber, lieber Kamerad!"
„Wedell, bist du'S?"
Ja! Ich bin'S, der Albert," kam die Stimme zurück. Keffel fühlte sich innig umarmt. »Der Karl ist auch hier. WaS aber auS dem dritten von uns Brüdern, war aus Heinrich geworden, bai mag Gott im Himmel missen."
»Wo steckst du denn, du alter Junge? Gib mir doch auch mal die Hand!" scholl ei flüsternd au- dem Dunkel. Jemand polterte heran.
„Auch du, Daniel Schmidt?"
Ja, der schwarze Daniel! — Und da ist auch noch der Keller, der Flemming, der Keffenbringk, der Trachenberg, der Galle und unser Artillerist, der Felgentreu! Und schließlich noch unser Iahn, der unS unsere Gefangenschaft mit rosiger Hoffnung versüßt!"
Sie waren alle herangestolpert und umarmten Kessel aus- innigste, indes Schmidt mit einem Anfluge von Humor die Namen aufzählte. Denn zu erkennen war in der Finsternis nichts.
SS wurde Keffel weh und warm umS Herz.
»Freunde, welch ein Wiederfinden!" rief er schmerzlich auS.
„Wie ist daS alle- gekommen?!"
„Ganz einfach," erwiderte einer bitter. „Bon der Einnahme Stralsund- hast du gehört . . . ?'
Friedrichs Kränze niederzulegen. Um llVa Uhr trafen die Majestäten im neuen Palais ein. Hier hatten auf der Gartenseite Aufstellung genommen eine Abordnung ehemaliger Angehöriger der 2. Kompagnie deS 1. GarderegimentS zu Fuß auS den Jahrgängen 1877 bis 1880, an ihrer Spitze Generalleutnant z. D. Graf Kanitz, Generalleutnant z D. Freiherr von Willisen, General k Ia suite von Kleist und Oberst von EckartSberg, ferner eine Abordnung der früheren Kameraden der 2. Kompagnie deS ersten GarderegimentS zu Fuß vom Jahre 1888. Der Kaiser reichte jedem der alten Unteroffiziere und alten Leute die Hand und sprach lange mit ihnen. Auch die Kaiserin begrüßte die Abordnung.
Um 12% Uhr empfing der Kaiser im Muschelsaale bei Neuen PalaiS die Herren bei Kaiserlichen Hauptquartier-, die ein Geschenk bei Hauptquartier- überreichten, und später den Kapitän z. S. von Trotha vom Marinekabinett.
Um 1 Uhr war Familientasel bei den Majestäten, an welcher die Kinder der Majestäten und die Geschwister bei Kaiser- teilnahmen. Für die Gefolge war Marschalltasel.
Berlin, 15. Juni. Alle Morgenblätter widmen an erster Stelle Seiner Majestät dem Kaiser Jubiläum-artikel. Die erste Seite fast aller Zeitungen ist mit reichem Bildschmuck versehen. Eine Anzahl Blätter legen künstlerisch auSgestattete Sonderbeilagen bei, in denen da- LebenSwerk bei Kaiser- von berufenen Federn gewürdigt wird. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung widmet, von einem Kranz auS Eichenblättern umrahmt, dem Kaiser einen Festgruß, in dem darauf hingewiesen wird, daß der Kaiser, gleich weit entsernt von tatenlosem Geschehen- lassen und der Versolgung traumhafter WeltherrschastSpläne ebenso aus bewährter Grundlage weitergebaut wie sein Volk neuen Zielen entgegengeführt hat. Der Kaiser hat die Weltgeltung bei Reiche- ausgedehnt, und dennoch ist daS Vorurteil deS AuSlandeS, er werde in der Befriedigung kriegerischen Ehrgeizes Ruhm und Ehre suchen, durch die Wirklichkeit widerlegt worden. Gleichwohl galt bei Kaisers volle Auf- meikiamkeit dem unablässigen Ausbau deutscher Wehrmacht. Er hat daS Heerwesen in den Grundsätzen Wilhelm- bei Großen gefördert, und für die Wehrmacht zur See brach unter ihm eine neue Epoche an. Die auswärtige Politik hat sich unter Wilhelm II. in den Bahnen bewegt, die sich in den ersten Jahrzehnten nach der ReichSgründung bewährt hatten. An den Bündnissen, die Deutschland mit Oesterreich- Ungarn und Italien verbinden, hat der Kaiser in unverbrüchlicher Treue festgehalten. Ein Gegenstand steter Fürsorge war auch die Pflege eine- Verhältnisse- zu Rußland, wie ei den Ueberlieferungen und den Interessen beider Reiche entspricht. Nicht minder sorgfältig wurden die Beziehungen zu den anderen Mächten und Staaten behandelt. Für unsere Beziehungen zu England ist die Verehrung, welche die Person unferS Herrscherin Großbritannien geni-ßt, dauernd wichtig gewesen. Für die Weltmacht jenseit- bei Atlantischen OzeanS hat der Kaiser stetein offenes Auge gehabt. Mehr und mehr findet sich bai
„Selbstverständlich!"
» ... wir elf wurden gefangen genommen, zusammen mit einer Anzahl von Unteroffizieren und Gemeinen, und in eine Kirche gesperrt. AlS Gratlen von Stralsund abzog —"
„— Am 9. Juni war'- — "
„— da schleppte er sämtliche Gefangene mit sich auf Wagen fort . . ."
„ ... Na, daS war eine Fahrt!"
«... Mitte Juli kamen wir in Braunschweig an und wurden in da- GesSngniS am Augusttor geworfen. Dann, ohne daß uns jemand bai Wie oder Warum mitteilte, wieder weiter transportiert, zuerst nach Kassel, bis wir schließlich hier in Wesel landeten."
„Sag besser: strandeten."
„Wetter noch einmal, läßt da schon wieder einer die Ohren hängen?! — Wir haben die längste Zeit im Kerker geschmachtet, sage ich euch. Bald müssen sich die Türen unseres Gefängnisses auftun."
„O, Iahn! Du gläubiger Iahn!" rief Daniel Schmidt. „Wären wir deinem Drängen nicht gefolgt! Wie oft hatten wir aus dem Transport Gelegenheit zu entfliehen."
„Ja, wie oft!" stimmte ein anderer bei. „Selbst die Behörden boten sie unS!"
„Aber weil deine Frau eine Gräfin Pappenheim ist, wähnst du, daß Napoleon dies reichSständige Geschlecht nicht durch unsere Hinrichtung beleidigen werde. Ich kann nur immer wieder betonen, daß der Wärter mir neulich zuge- flüstert, Bonoparte habe befohlen, unS zu süsilieren avec eclat I“
„Bah! Spukgeschichten, um kleine Kinder zu schrecken!" rief Iahn. „Ernst machen wird der Korse mit dem Gedanken nie!"
„Und wenn er ei täte, so sollt' ei mich auch nicht grämen I" riet Albert von Wedell.
„Du hast nicht Weib und Kind!" wars Schmidt dagegen düster ein.
»Aber eine Braut!" erwiderte Wedell von heißer Innigkeit. „Und doch, Daniel, nehme ich daS Gesagte nicht zurück! Sterben wir, so sterben wir einen ehrlichen Tod für unser Vaterland!"