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herrsel-er AmMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 66.

Sonnabend, den 7. Juni

1913

Erstes Blatt.

Hmflkber teil.

Cassel, den 28. Mai 1913.

Anläßlich eine- mir vorgetragenen ZweifelSfalleS mache ich darauf aufmerksam, daß von solchen Bauabnahmeterminen, die vom Vorstände eines HochbauamtS oder seinem Vertreter wahrgenommen werden, die zuständige Baupolizeibehörde, der Bürgermeister, stets Nachricht erhalten muß.

Die Baupolizeibehörde muß in der Lage sein, an solchen Verhandlungen selbst oder durch Vertreter teilzunehmen. Auf Ersuchen deS HochbauamtS oder in besonders wichtigen Fällen ha t die Baupolizeibehörde an dem Termin teilzunehmen.

Zur Vermeidung unnötigen Schreibwerks genügt eS, wenn abgesehen von dem Falle, in dem daS Erscheinen deS Bürgermeisters vom Hochbauamt besonders gewünscht wird der Bürgermeister in der Weise vom Hochbauamt benachrichtigt wird, daß die Benachrichtigung deS Bauherrn durch die Hand deS Bürgermeisters geht.

Dieser hat dann dafür zu sorgen, daß die Nachricht sofort an den Bauherrn gelangt.

Hiernach ersuche ich in Zukunft zu verfahren.

Die Bürgermeister find mit entsprechender Anweisung zu versehen. (A. III. 2721 a.)

Der RegierungS-Präfident. I. V.: (Unterschrift).

An die Herren Landräte und die Herren Vorstände der Hochbauämter deS Bezirks.

*

Herold, den 3. Juni 1913.

Wird veröffentlicht.

I. B. Nr. 2722. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

HerSseld, den 31. Mai 1913.

Am Sonntag den 15. Juni dS. JS. nachmittags Va2 Uhr findet beim Gastwirt Nuhn in Niederaula die diesjährige Abgeordneten-Verjammlung deS Feuerwehr-KreiS-VereinS statt.

Jede Feuerwehr hat mindestens einen Abgeordneten in Uniform zu entsenden. Die Reisekosten einer Abgeordneten Hot die Gemeindekasse zu übernehmen.

Die Herrn Bürgermeister deS Kreises ersuche ich dafür zu sorgen, daß ein Vertreter der Feuerwehr zum Abgeordnetentage erscheint.

I. 6536. Der Landrat

von GruneliuS.

Die UnterseebootS-Abteilung Kiel - Wik stellt zum 1. Juli, 1. Oktober und bei Bedarf auch am 15. August dS. JS. noch Freiwillige als Maschinistenanwärter und Heizer ein.

Allgemeine Bedingungen: Eine mindestens dreijährige Lehr­zeit in einem technischen Beruf, kräftiger Körperbau, Mindest- alter 17 Jahre.

Besondere Bedingungen können jederzeit von der Unter- feebootS-Abteilung eingefordert werden.

Dem EintrittSgesuch sind solgende Scheine beizusügen:

1. Ein vom Zivilvorsitzenden deS AuShebungSbezirkeS der Erfotzkommisfion ausgestellter Meldeschein zum frei­willigen Eintritt aus 3 Jahre lautend.

2. Lehrzeugnisse und Arbeit-zeugnisse."

*

HerSseld, den 3. Juni 1913.

Die Herren OrtSvorstände deS Kreises werden angewiesen, Vorstehende- in geeigneter Weise zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.

I. M. Nr. 1387. Der Landrat.

3. «.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

Her-feld, den 19. Mai 1913.

DaS Ober-Ersatz-Geschäft im Kreise Her-feld findet am

Mittwoch, den 11. Juni und

Donnerstag, den 12. Juni ds. Is., jedesmal von morgens V28 Uhr ab in der neuen Turnhalle (August-GottNebstrahe) hierselbst statt.

Die Herren OrtSvorstände der Kreises haben die ihnen demnächst zugehenden Vorladungen den betreffenden Militär- Pflichtigen alsbald auSzuhändigen. Den Militärpflichtigen ist dabei zu eröffnen, daß fie zu den bestimmten Terminen Pünktlich erscheinen müssen, und daß diejenigen, welche bei Aufruf ihrer Namen im MusterungSraum nicht anwesend sind, neben einer Geldstrafe bi- zu 30 Mark oder Haft bis zu drei Tagen die im § 26 bezw. 66 der Wehrordnung be- zeichneten Nachteile sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung al- unsichere HeereSpflichtigr zu gewärtigen haben.

Etwa nicht vorgeladene Militärpflichtige sind mir sofort namhaft zu machen.

Die Herren OrtSvorstände haben zu den Terminen per­sönlich zu erscheinen und solange im jMusterungslokale anwesend zu sein, bis sämtliche JWilitärpflichtige ihrer Gemeinde gemustert sind. In BehinderungSsällen ist stets für die Anwesenheit eine- Stellvertreter- zu sorgen. Nichtbeachtung dieser Anordnung wird in allen Fällen bestraft werden.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden sämtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatzkommission zur Ent­scheidung vorgelegt. Hlle familienmitglieder, auf deren Hrbeits- oder J^ichtarbeitsfähigheit es bei der Be­urteilung der Reklamationen ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamierten) haben deshalb im Termin mitzuer- scheinen, widrigenfalls eine Berücksichtigung der be­treffenden Reklamation nicht stattfinden kann.

Wer an Epilepsie zu leiden behauptet, hat den Nachweis hierfür durch drei glaubhafte, persönlich anwesende Zeugen zu sühren, oder ein Zeugnis eines beamteten ArzteS beizu- bringen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vor- gekommenen Anfälle beziehen, eberso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Zeugnisse sich vorzugs­weise über neuere fälle aussprechen. Im übrigen sind Krankheiten, welche sich im Termin nur mit Schwierigkeit feststellen lassen (z. B. geistige Be­schränktheit, Bluthusten, Herzleiden usw.) durch Vor­lage von ärztlichen Htteften nachzuweisen.

Befinden sich Reklamanten, welche ihre Unge­hörigen durch Geldsendungen unterstützt haben, ausserhalb, so ist der fiachweis über die erfolgte Unterstützung durch die Vorlage der diesbezüglichen postscheine zu führen.

Die Herren OrtSvorstände haben da- Vorstehende in ihren Gemeinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntnis der betreffenden Militärpflichtigen und deren Ange­hörigen bringen zu lassen. Die Militärpflichtigen sind noch besonders anzuweisen, dass sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben. Die Cosungsscheine find mit zur Stelle zu bringen, da anderenfalls der Betrag von 50 Pfennig für Ausstellung eine- DuplikatscheineS gezahlt werden muß.

Ebenso find diejenigen Militärpflichtigen, welche Augen­gläser (Brillen) tragen, anzuweisen, diese ebenfalls zum Ober- Ersatz-Geschäfte mitzubringen.

Ich mache noch besonders darauf ausmerksam, daß sämt­liche zum Geschäfte erschienene Militärpflichtigen im Musterung-- lokale der AuShebungSkommistion vorzustellen sind. ES ist also den Herren OrtSvorständen nicht gestattet, Militärpflichtige ohne weitere- abzuweisen, wenn sie nicht verlesen wurden, oder wenn dieselben eine Vorladung nicht erhalten haben.

I. M. Nr. 1262. Der Landrat

von GruneliuS.

nkbtamtlkber teil.

Politischer Wochenbericht.

DieAbgeordnetenwahlen zum preußischen Landtage haben für die künftige Zusammensetzung deS Hause- im allgemeinen ganz daS Bild ergeben, war man sich nach dem Ergebnis der Urwahlen bereits machen konnte. Ver­schiebungen im einzelnen sind natürlicherweise eingetreten, aber fie haben sich zum allergrößten Teile untereinander ausgeglichen und keinerlei wesentliche Veränderung in dem EtärkeverhältniS der Parteien herbeigesührt. Jedenfalls hat die bisherige Mehrheit ihr entschiedenes Übergewicht über die linksstehenden Parteien unanfechtbar behauptet und den mit so viel Sieges­gewißheit angedrohten, mit so viel Erbitterung durchgeführten Ansturm der Linken glänzend abgeschlagen. Bedauerlich im höchsten Grade bleibt eS trotz alledem, daß eS der Sozial- demokratie gelungen ist, zu ihren sechs alten vier neue Sitze im Landtage zu gewinnen. Möglich geworden ist dieser MandatSzuwachS durch den Verrat der Fortschrittlichen VolkS- partci, die sich zu einem freisinnig-sozialdemokratischen Stich- wahlbündniS hat mißbrauchen lasten, statt gemeinsam mit den andern bürgerlichen Parteien die vaterlandSseindliche Sozial- demokratie ausS entschiedenste zu bekämpfen. Zum Glück vermögen die roten Genosten mit ihren rosaroten Helfershelfern nicht den geringsten Einfluß aus die Landtagsbeschlüsse auS- zuüben, da trotz aller Verhetzung die staatSerhaltenden Parteien durch daS Vertrauen der Wähler genügend zahlreich in daS Hau- einziehen, um auch weiterhin das selbständig beschließen zu können, waS dem Volke frommt und nottut.

Die elsaß-lothringischen BundeSratS- anträge auf Einschränkung deS VereinS» und PreßgesetzeS in unserm ReichSlande haben zu einer sozialdemokratischen Interpellation im Reichstage geführt, deren Besprechung recht bemerkenswerte Streiflichter aus die heutigen Zustände in Elsaß-Lothringen warf. ES steht fest, daß die nationalistische

Richtung namentlich im Mittelstände während der letzten Jahre überhand genommen hat, und daß gerade dieser Teil der Bürgerschaft heutzutage in Presseäußerungen und BereinS- tätigkeit nach Frankreich hin mit einer Würdelosigkeit liebäugelt, deren sich jeder Deutsche im innersten Herzen schämen sollte. Die reichSländische Regierung tat daher nur ihre Pflicht, alS sie eine Vorlage aus schärfere Handhabung deS VereinS- und PreßgesetzeS einbrachte, aber beide Kammern Elsaß-LothringenS erklärten ihre Ablehnung dieser Vorlage. Und nun entrüsteten sich auch die Sozialdemokraten deS Reichstages über die geplanten Ausnahmegesetze. In dem Reichskanzler fand die eljaß-lothringische Regierung einen ebenso besonnenen wie entschiedenen Verteidiger ihrer Absichten. Seine bedingungs­lose Zurückweisung der nationalistischen Strömungen machte sich auch der ganze Reichstag zu eigen, so weit er nicht wie die Sozialdemokraten international, d. h. vaterlandsseindlich gesinnt ist. Aber in der Frage der grundsätzlichen Berechtigung solcher Ausnahmegesetze gingen die Ansichten weit auseinander. JedensallS wird über kurz oder lang doch etwas gegen die nationalistischen Umtriebe geschehen müssen, und eS wäre nur dankenswert von der reichSländischen Regierung, wenn fie wie der Unterstaatssekretär im Ministerium für Asaß-Loth- ringen Mandel auch erklärte, ihre Vorlage unter allen Um­ständen unverdrossen im Auge behielte.

Die Unterzeichnung deS VorfriedenS in London hat endlich den formellen Abschluß deS KriegeS der Balkanstaaten gegen die Türkei gebracht. Daß damit aber nun der europäische Friede oder auch nur der Friede auf dem Balkan gesichert wäre, kann füglich nicht behauptet werden. Denn zwischen den Parteien sind noch so viele Punkte strittig, und teilweise herrscht gerade unter den Siegern eine solche Verstimmung und Verbitterung, daß der Friede mit der Türkei säst nur geschlossen zu ^ U- -b um die Möglichkeit zu einem Kriege der Sieger um die Beute zu schaffen. Ein- aber ist schon jetzt klar: die Türkei hat ihre Rolle als euro­päischer Staat, als Großmacht auSgespielt, ihre Zukunft liegt in Kleinasien, und dem in den letzten Jahren so schwer geprüften Staat ist der Frieden sehr zu gönnen, damit er alle notwendigen Reformen in Ruhe durchsühren und seinen asiatischen Besitz in bester Weise entwickeln kann.

Eine Besserung der deutsch-englischenBe- ziehungen ist eisceulicherweise seit längerer Zeit unver­kennbar und wird durch immer neue Tatsachen kräftig ge­fördert. Ueber diese glückliche Entwicklung sind letzthin auf einem Bankett englischer und deutscher Journalisten in London besonder- gewichtige und sreundliche Worte gesprochen worden. Der deutsche Botschafter Fütst LichnowSky knüpfte an ein Ereignis der allerjüngsten Vergangenheit, den englischen KönigS- besuch in Berlin an. Er sprach von dem großartigen Erfolge dieses Besuche-, der sich ganz natürlich von einem hohen Familienseste zu einem Ereignisse entwickelt habe, an dem die ganze Nation ein lebhafte- und sympathische- Interesse nahm, und nannte diesen Besuch ein neues Zeichen der bestehenden Sympathien und deS friedlichen Zusammenschlusses. Auch der Vorsitzende deS Londoner Presteverein-, Mr. Spencer, erwähnte den Berliner Besuch deS englischen KönigSpaareS und sprach die Hoffnung aus, daß da- bisherige erfolgreiche Zusammenarbeiten Fortgang und Verbreitung finden werde zum Nutzen Englands und Deutschland- und Europas.

Der Rücktritt des spanischen Kabinett- RomanoneS wird voraussichtlich keine besonderen politi­schen Folgen haben, sondern lediglich die Einholung eines Vertrauensvotum- für daS bisherige liberale Kabinett be­deuten. DaS Zusammenwirken der beiden verfassungstreuen Parteien, der Liberalen und Konservativen, hatte bereits seit längerer Zeit eine Lähmung erfahren. Schließlich entsagten der Führer der Konservativen Maura und mit ihm viele konservative Deputierte und Senatoren einsach ihren parla­mentarischen Rechten und Pflichten. Und daS Bedenkliche war, daß die Ausübung eines verfassungsmäßigen Rechtes der Krone Veranlassung dazu gegeben hatte. In einer der letzten Kamme,sitzungen nahm aber Mama Gelegenheit, in aller Form den Liberalen jede konstitutionelle Unterstützung durch die Konservativen zu versagen. Graf RomanoneS hielt eS an­gesichts dieser Lage für ratsam, den Rücktritt seines Ministeriums zu bewirken.

Schwere Gewitter und Wollenbrüche.

Ein Leser deSF»ft. G. A." schreibt auS Tann (Rhön) über daS dort niedergegangene Gewitter. Der Bericht gibt ein anschaulicher Bild der entsetzlichen Katastrophe. Er lautet:

Der Abend deS 3. Juni brächte unserer an landschaftlichen Reizen so reichen, an materiellen Gütern aber so armen Rhön eine Katastrophe, wie sie seit Urväter Zeiten nicht erlebt wurde und wie sie in ihrer Allgewalt zum Glück selten ist. Bet untergehender Sonne ballten sich drohende Gewitterwolken zu­sammen und mit einbrechender Dunkelheit begann ein Tanz, ein Ausruhr der Elemente, wie ihn die meisten Menschen wohl nie erlebt haben. Von allen Seiten Blitz und Donner, so daß man nicht wußte, wieviel Gewitter überhaupt in der Luft