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herrfeloer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-^tnschlutz Nr. 8

Sir. «4. Dienstag, de!H. Juni ISIS.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 28. Mai 1913.

In MittllSdorf, Bezirk Dermbach, Sachsen-Weimar, ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen.

Den Sperrbezirk bildet die Flur Mittel-dorf. DaS Be- obachtungSgebiet bilden die Fluren Kaltenwestheim, Kalten- fundheim und Kaltennordheim.

I. 6450. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Eupernumerar.

HerSfeld, den 29. Mai 1913.

Die ungeordnete Sperre der Landweges nach Unter- Weisenborn und Conrode wird wieder aufgehoben.

I. 6470. Der Landrat.

3. A.

Trost, RegierungS-Supernumerar.

Bekanntmachung.

DaS diesjährige Jnvaliden-PrüfungSgeschäft für die im Kreise HerSfeld wohnenden Militärinvaliden, Rentenempfänger und Unterstützungsempfänger findet am 5., 7. und 8. Juli d. 3. in Hersfeld im Dienstgebäude AS Bezirkskommandos, Lutherstraße 2, statt. Die Beteiligten erhalten hierzu noch einen besonderen GestellungSbesehl.

HerSfeld, den 27. Mai 1913.

Königliches BezirkSkommando.

nichtamtlicher teil.

3«r llckrztichmg des Perfrikdens.

Berlin, 1. Juni. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Die Tatsache, daß am 30. Mai der Vorsriede zur Beendigung deS BalkankriegeS im Et. James-Palast zu London unterzeichnet worden ist, wird, mit gebührender Anerkennung für die Leitung der mühevollen Verhandlungen durch Sir Edward Grey, überall willkommen geheißen. Die Großmächte können in dem nun vollzogenen geschichtlichen Vorgang einen Beweis dafür erblicken, daß ihr unter vielfachen Schwierig­keiten bewährtes Zusammenhalten zu einem erwünschten vor­läufigen Abschluß geführt hat, und fie dürfen hieraus Er­mutigungen zu gemeinsamen Weiterarbeiten schöpfen.

Den Staatsmännern des BalkanbundeS wird dar Vertrauen entgegengebracht, daß sie kein Mittel zu einer gütlichen Lösung der schwebenden Streitigkeiten unversucht lassen werden. Soweit eine Gesährdung deS FriedenS droht, läßt eS die europäische Diplomatie an vermittelnden Einwirkungen nicht sehlen. Alle vernünftigen Erwägungen sprechen gegen den

Vorfrühling.

Erzählung von M. von Mitten.

(Fortsetzung.)

Und an mich an mich denkst du nicht?" Die ganze grenzenlose Liebe, die der Mann für dieser Kind im Herzen trug, brach sich zitternd in seinen Worten Bahn. DaS Mädchen fühlte eS. Ein schmerzliches Lächeln glitt über ihr weißer Gesicht.Ich stehe am Abend meines Lebens, wenn du mich verläßt"

Vater," liebreich trat die Tochter aus ihn zu und legte ihm die Hand auf die Schulterhalte mich nicht für undankbar! Aber was gilt jetzt ein einzelner, waS gelten du oder ich?! Wenn ein Mann wie Ferdinand von feinem Volke, von feinem König in seiner höchsten Not verlassen und verdammt wird, dann, meine ich, müssen wir am Ende aller Dinge stehen."

Sie richtete sich auf. Alle Wehmut war verflogen, edelste Begeisterung leuchtete aus ihren dunklen Augen.Laß unS vergehen für unser Vaterland, für unsere Freiheit, aus daß Deutschlands Enkel einst ein freies Land bewohnen!"

Tränen traten in RüchelS Auge. Sie liefen ihm die ge­furchten Wangen hinab.

Kind, fo tue denn, was du für deine Pflicht hältst," sagte er voll edler Fassung, indem er ihr Haupt in beide Hände nahm und sie auf die Stirn küßte,ich begleite dich."

Vater du--

Lisa, soll ich alter Soldat weniger tapfer empfinden, als du junges Blut?"

Du bist noch leidend, nicht völlig gesund"

Gesund genug, um Ferdinand vielleicht noch mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können, Lisa, verzage nicht!" quoll eS nun, da er ihr inS leidverklärte Antlitz sah, voll inniger Ueberzeugung von seinen Lippeneinmal kommt unserem Vaterlande die Erlösung, wenn auch wir sie nicht erleben sollten. Der Tyrann ist doch zu klein, um ein Volk zu bezwingen, daS solche Seelen wie SchillS und die deine

AuSbruch eines neuen KriegeS. Zwischen den Großmächten scheint jede Gesahr einer Zusammenstoßes beseitigt und die letzten Wolken im nahen Osten werden sich hoffentlich bald zerstreuen.

E o s i a, 1. Juni. Zu dem Friedensschluß schreibt daS Blatt Mir: ES war für niemand ein Geheimnis, daß die Türkei und Bulgarien den Frieden wünschten. Die beiden benachbarten Länder haben keinen Grund mehr, miteinander zu hadern. Im Gegenteil, die wohlverstandenen Interessen gebieten ihnen ein gegenseitiges Einvernehmen und die besten freundnachbarlichen Beziehungen. Bulgarien zählt innerhalb seiner neuen Grenzen unter seiner Bevölkerung zahlreiche Musel­manen, die sich voller religiöser, politischer und persönlicher Freiheit erfreuen werden, wie sie bisher die Muselmanen in dem alten Bulgarien genossen haben, waS aus ihnen die er­gebensten bulgarischen Bürger gemacht hat. Von nun an haben wir keine nationalen Bestrebungen mehr in der Türkei und daher auch gar keine EroberungSabsichten. Unsere wirt- schastlichen Interessen, die einzigen, die wir nunmehr in der Türkei haben, erlegen unS in Zukunst aus, die eisrigsten und aufrichtigsten Schützer der Integrität deS türkischen Reiches zu sein. Aller deutet darauf hin, daß die Türken die- voll­kommen begreifen. Eine Aera der besten türkisch-bulgarischen Beziehungen kündigt sich an.

London, 31. Mai. Wie daS Reutersche Bureau er­fährt, berieten in ihrer heutigen Zusammenkunft die vier Balkanmissionen über die Einleitung von Verhandlungen über besondere Abmachungen mit der Türkei wegen verschiedener Fragen, die auS dem Kriege hervorgegangen und nicht durch den FriedenSvertrag geregelt sind. Die gefaßten Beschlüsse werden den türkischen Delegierten vorgelegt werden, um zu einem gemeinsamen Plan für die nächste Zusammenkunft am Montag zu gelangen. Am Montag werden die Delegierten ihre Entscheidung über den Ort der Verhandlungen und über die Fragen, die noch ihrer Lösung harren, treffen.

Konstantin opel, 31. Mai. Nach Informationen auS militärischen Kreisen ist noch keine Entscheidung über die Beurlaubung der Tschataldschatruppen getroffen worden. In Kreisen der Pforte erklärt man, daß darüber ein Ueberein- kommen mit Bulgarien abgeschlossen werden solle. Die Ent­lassung könnte demnächst beginnen. Aus jeden Fall, heißt eS offiziell, teilt die Regierung nicht die von gewissen Preß- organen unterstützte Idee, daß die Psorte die Armee auf dem KriegSstande erhalten sollte, um auS einem Kriege zwischen den Verbündeten Nutzen zu ziehen; denn die Türkei habe vor allem Ruhe nötig, um sich der inneren Sammlung zu widmen. Gerüchtweise verlautet, daß die Ankunft des griechischen MinisterS RhalliS, der stets Anhänger eines türkisch-griechischen Einvernehmens war, in Konstantinopel erwartet wird.

Die Rüstungen zum Kriege.

Am Freitag haben große bulgarische Truppenvnschiebungen begonnen, die alle Bahnlinien vollständig mit Beschlag belegen. Wie verlautet, handelt eS sich um den Abtransport der

sein eigen nennt. Die Will erlebt seinen Untergang, keine Offenbarung ist mir gewisser. Komm! Uebermorgen sind wir in Stralsund!"

XXI.

Um eben dieselbe Zeit besichtigte Schill, wie in den letzten Tagen häufig, von ein Paar Offizieren begleitet, die Be- sestigung-werke StralsundS. Neue Hoffnung schien seine Seele zu beleben. Stralsund war ja erreicht, Stralsund, da- Wallen- stein einst Trotz geboten Stralsund, au- dem er ein zweiter Saragossa machen wollte. Der Herr der Welten hatte ihn diese schützende Mauer erreichen lassen diesen Platz, von dem er kraft seine- Rechte- als Eroberer Besitz für den König von Schweden ergriffen, in dem er sich und die Seinen bergen und dem Korsen bis zum letzten Atemzüge Widerstand entgegensetzen wollte. Vielleicht, daß noch von England her die heißerbetene Hülse kam, und daß der Erzherzog Karl über Napoleon einen glänzenden Sieg erringen würde, der Preußen zum heiligen Kriege mit sortriß. Wohl war die Festung, die noch vor wenigen Jahren zu den uneinnehmbaren gezählt, von Napoleon geschleift. Die Wälle waren eingestürzt, die Gräben verschüttet, die Teiche abgelasfen, die Zugbrücken zer­stört gewesen, als Schill e- war am 25. Mai mit den Seinen eingerückt. Aber war war seitdem geschehen! Wahrhaftig I Peterson, ein einstiger schwedischer Artillerie­offizier, der als Zeichenlehrer in Stralsund gelebt und nun in Schill- Dienste getreten war, hatte da- menschenmögliche geleistet. Wohl blieb noch immer genügend zu schaffen, um die einstige Feste in einen noch immer einigermaßen ver- teidigungSfähigen Zustand zu setzen, aber noch stand der Feind nicht vor den Mauern. Und jeder Tag, jede Stunde wurde au-genutzt in fieberhafter Tätigkeit.

Mit scharfem Auge um sich blickend, hier anordnend und befehlend, dort tadelnd und lobend, schritt Schill durch die Werke, vom nördlichen Knicpertor zum südwestlich gelegenen Triebseertor. Ueberall waren die Leute emsig an der Arbeit. Alle Maurer- und Zimmerleute, die die Stadt besaß, Hunderte von Baunn auS der Umgegend hatte er zu den Schanz­arbeiten aufgeboten, alte schwedische Soldaten zum Artillerie

£i tippen von der Tschataldschalinie und Bulair gegen die griechische und vorwiegend gegen die serbische Grenze. Er werden 170 000 Mann dorthin auSmarschieren. Etwa 180 000 Mann stehen noch zum AuSmarsch bereit gegen diese beiden Fronten. Die militärischen Beziehungen find voll­ständig verschleiert. Sofia wird in aller Eile besestigt.

Der am Freitag in Belgrad angekommene serbische Gesandte in Sofia, Epalaikowitsch, hat seine Regierung dahin ver­ständigt, daß der bulgarische Ministerpräsident Geschow zwar bereit sei, in Unterhandlungen mit Serbien einzutreten, daß aber General Saflow und die Etambulowisten sür den Krieg sind. Zar Ferdinand halte sich reserviert. Rußland übt einen starken Druck auf Bulgarien auS. Die Entscheidung wird Anfang nächster Woche erwartet. Falls bis dahin keine Antwort Bulgariens erfolgt, wird die serbische Regierung sich gezwungen sehen, ein Ultimatum zu stellen.

Ami ]n- und Ausland.

Berlin, 1. Juni 1913.

Die Reisedispositionen deS Kaisers sind solgende: Am 20. Juni vormittags wird der Kaiser in Hannover eintreffen. Dort wird er zwei Tage verweilen und sich dann mit der Kaiserin nach Hamburg begeben. Dort findet bekanntlich daS Hörner Rennen statt. Die Nordlandreise dauert vom 7. Juli biS zum 6. August. Später wird der Kaiser, voraussichtlich am 7. August, dem Jubiläum deS Rostocker Füsilier-RegimentS Nr. 90 beiwohnen. Am 13. August findet eine Parade auf dem Großen Sande in Mainz statt. Am 16. August wird der Kaiser entweder nach WilhelmShöhe oder, nach Homburg v. d. H. abreifen. Am 24. August begibt er sich nach Kehlheim zur Jubiläumsfeier in der Ruhmeshalle und darauf zu den Manövern in Schlesien.

Eine bemerkenswerte Aeußerung deSPrinzenHeinrich enthält ein Telegramm, das er an den englischen Königlichen Automobil-Club gerichtet hat. Dieser hatte dem Prinzen zur Feier seiner silbernen Hochzeit ein Glückwunschtelegramm ge­schickt. Prinz Heinrich sprach in einem Antworttelegramm an den Vorsitzenden de- Clubs in herzlichen Worten feinen Dank für die Glückwünsche auS. DaS Telegramm schließt:Laßt unS zusammen für Frieden und Freundschaft wirken."

Gestern vormittag unternahm derBerbanbDeutfcher Beamtenvereine eine Dampferfahrt nach RüdeSheim. Nach einer genußreichen Fahrt wurde der Berg zum Nieder­wald-Denkmal bestiegen, wo ein Festakt stattfand. Am Fuße deS Denkmals wandte sich Ministerialdirektor a. D. Just mit einer Ansprache an die Versammlung, in der er u. a. sagte: Sie alle werden eS mit mir als eine glückliche Fügung be­trachten, daß der Verband Deutscher Beamtenvereine heute hier zu Füßen unseres herrlichen Niederwalddenkmal- die Jahrhundertseier deS großen BefreiungSkampse- und da- 25- jährige RegierungSjubiläum unsere- Kaiser- begehen dars. Ich

Handlangerdienste herangezogen. Hier wurden Geschützstände errichtet, dort Geschütze ausgestellt, dort der Wall neu aus­geschüttet. Ueberall, überall wurde geklopft, gehämmert, ge­fügt, geschaufelt, eS war eine Lust, der unermüdlichen Bienenarbeit zuzuschauen.

Und doch breitete sich aus SchillS liesgebräuntem Reiter- antlitz mehr und mehr ein düsterer Schatten au-, während er da aus dem Hauptwall neben Brünnow und Blankenburg dahinschritt. Leo von Lützow folgte ihm mit anderen Offizieren. Sinnend drehte der Major an seinem schwarzen Schnurrbart, sein Auge suchte den Boden immer und immer wieder. Und plötzlich vor einer Kanone, die wie so viele andere ohne Bedienungsmannschaft aus dem Walle postiert war, blieb er stehen. Er hob die Lider. Wie Blitze aus nachtschwarzen Wolken schoflen seine Blicke au- den dunklen Augen hervor.

Kameraden, eine grandiose Idee! Der Korse hat die Geschütze dem Dänenkönig geschenkt; ich mache hundert der besten dem Könige von Preußen zum Präsent." Zustimmung heischend glitten seine Augen über die Offiziere.

Die aber schwiegen.

Ties holte Schill Atem uud sagte mühsam beherrscht: Ihr seht doch, wir haben nicht im entferntesten genug Be­dienungsmannschaften. Mehrere Hunderte von Kanonen und nur ein Hand voll Leute. WaS nützen uns die Geschütze?"

Wie nun," fügte er mit einer Stimme hinzu, die heiser war vor innerer Erregung,wenn wir Stralsund nicht halten können, wenn eS doch dem Feind in die Hände fällt? Sollten wir die preußischen Kanonen dem Korsen noch einmal über­lassen ?! Dabei war sein Blick so abgrunddüster, daß die Männer betroffen und beschämt die Augen senkten.

Schweigend setzten sie ihren Weg weiter fort hinter Schill her, der, in sich verloren, voranschritt.

Wa- mochte in ihm Vorgehen?

Wie er dahineilte mit hastigen, fast unsteten Bewegungen, mit flammenden Augen und Wangen, bald einen Fluch, bald abgerissene Sätze herausstoßend, glich er einem Fieberkranken oder einem Manne, der schwer mit sich und seinem Gott ringt. Nicht- nahm seine Auge mehr gewahr von dem, war um