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die Hand reichen, — ein heiliger Krieg wird entstehen, der den fremden Eroberer und seine Scharen sür alle Ewigkeit wegfegt wie leere Spreu von unserer teuren Heimaterde!" Mit Wangen, die ausglühten wie dunkelleuchtende Purpurrosen, mit Augen, strahlend wie die Sonne, stand sie vor dem Vater.

Der verfärbte sich. Er senkte den Blick und preßte wie in körperlichem Schmerze die schmalen Lippen auscinanaer.

„Vater — was ist' ?" schrie Elisabeth auf, jählings toten­bleich werdend. Die heiße Todesangst, die ihr ahnendes Herz doch heimlich und unablässig erzittern gemacht, trotz der SiegeSnachricht von Aspern, diese heimliche Todesangst, die sie nicht mehr hatte fühlen, nicht mehr empfinden wollen, — sie brach sich in diesem Aufschrei gewaltsam Bahn.

Der Vater hätte aufschluchzen mögen vor Weh. Aber mit einem gewaltsamen Ruck riß er sich förmlich innerlich und äußerlich zusammen. Er legte, zurückgreisend, seine Hände auf die seiner Tochter, um sie von dem Nacken zu lösen. Fest blickte er ihr inS Auge.

„Elisabeth, du bist deines VaterS echte Tochter, bist ein Soldatenkind —“

„Vater, was fragst du da- erst," entgegnete sie gequält.

„Da gilr'S oft hart sein, hart gegen sich selbst. Zähne zusammengebissen! Nicht gemuckst!"

„Vater — hast du etwa- an mir zu tadeln?!" entgegnete sie, daS Haupt zurückbiegend, in edlem Stolze. „So sage mir's ohne Umfchlcise!"

„Ich an dir etwas tadeln?! An dir?!" Blick und Ton des Vaters sagten mehr als alle Worte. Er hatte ihre Hände von seinem Halse gelöst und hielt sie nun fest in den seinen. „Vergib deinem alten Vater, mein stolzes Kind, daß ich dich an deine Pflicht zu erinnern wagte, — an deine Pflicht, die du stets so tapfer erfüllst," sagte er mit kaum verhaltener Rührung. „Meine Sorge um dich ist daran schuld. Du warst allezeit der Sonnenschein meiner Lebens. Und — Elisabeth — Schwere- steht uns — steht dir bevor!"

„So mach er kurz!"

„Da — lies den Brief!"' Er nahm da- Schreiben vom Tisch auf. „Von Gneifenau. Aber — nimm dein Heiz in beide Hände."

Ohne zu zittern, ergriff sie den Brief, trat mit festen Schritten vom Vater sort, zum Verandasenster und laS still für sich:

„Königsberg... Auf einen Krieg von unserer Seite warten Sie nicht ferner. Unsere Gegner — ich meine die in unserem Lande — sind zu zahlreich und erheben ihr Haupt und umgarnen unseren unglücklichen König zu sehr, als daß von dieser Seite noch etwa- zu hoffen wäre. Als ich im Monat März König-berg verließ, war meine Ansicht der Dinge sehr trübe. Aber um wieviel schlechter ist eS seitdem geworden!

Indem ich unterwegs durch Estafette den Befehl erhielt, hierher zurückzukehren, konnte ich wohl nicht anders glauben, als daß der König sich endlich entschlossen habe, gegen Frank­reich den Schild zu erheben. Ich eilte Tag und Nacht, um hierher zu kommen. Aber wie fand ich den Zustand der Dinge! Der General von Scharnhorst verfolgt, verleumdet, denunziert, noch krank von einem Gallenfieber, war im Begriff, von seinem Posten abzutreten. Die Finanzen in grausamer Verwirrung, so daß man schon seit geraumer Zeit die stipu- lierten Zahlungen an Frankreich nicht mehr leisten konnte. Alle Geschäftsleute mutlos und kein kräftiger Entschluß von oben. Man sieht daS Verderben hereinbrechen, ohne etwas zu tun, um ihm einen Damm entgegenzusetzen. Die Gutgesinnten geben den Kamps aus; und diejenigen, die auS Bequemlich- keitSliebe, Genußsucht oder Feigherzigkeit immer gegen den Krieg sprachen, triumphieren.

Aller, waS nur den geringsten Anschein einer Rüstung hat, ist hoch verpönt, und ich muß Sie daher mahnen, hierin behutsam zu sein.

Der Sieg der Oesterreicher hat diese FriedenSstimmung nicht ändern können. Einer der Herren Minister äußerte gegen mich: Wenn die Oesterreicher einen zweiten, dritten und vierten Sieg erfochten, und man sich dann von der Redlichkeit ihrer Gesinnungen überzeugen könnte, dann wäre eS für Preußen immer noch Zeit, hinzutreten, und Oesterreich würde eS immer noch mit hohem Dank erkennen müssen. So sprach ein Mann, dessen Redlichkeit wenigsten- im guten Ruse steht. WaS kann man von den anderen erwarten?!"

Elisabeth ließ die Hand, die den Brief hielt, sinken. Sie lehnte die Stirn gegen die Scheibe — ein heimliche- Zittern ging durch ihren Körper.

„Elisabeth, Mut! Mut! Schill muß sich nach England flüchten!"

Da wandte sich da- Mädchen herum. Geisterbleich war ihr Antlitz, wie versteinert. Nur ihre Augen brannten.

„Zu spät!--Und wär'- auch nicht zu spät, Ferdinand wird sich nicht feige in- Leben retten. Er siegt oder stirbt für seine Ueberzeugung."

Rüchel fühlte nur zu gut, wie sehr seine Tochter recht hatte. Er erfüllte ihn mit heißem Schmerz und doch auch wieder mit stolzer Freude.

„Elisabeth," rief er au-, „wolltest du ihn ander-haben?" „Vater! Wär'- möglich? Könntest du an mir zweifeln?

— Mag die ganze Welt aus Schill mit Fingern weisen und ihn als Aufrührer, als Deferteur verdammen, — ich halte zu ihm! Er ist ein Held! Vater —" schwerflüssig, wie Bluts­tropfen kam da- Bekenntnis von ihren Lippen — „er ist die erste — die einzige Liebe meine- Leben-. Ich gehe zu ihm. Mit ihm — an seiner Seite will ich sterben!"

(Fortsetzung folgt.)

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Unsere- Prinzeßchen- Hochzeit — interessierte jedermann — wohl in der vergang'nen Woche — wie man sich'- auch denken kann. — In der ReichShauptstadt besonder- — war der Trubel rießengroß, — alle- ist dort aus den Beinen — wenn „mal wieder etwa- loS." — Der gelad'nen Gäste Zahl — weiß die Zeitung zu verkünden — und daß wir in dieser Liste — auch die größten Herrscher finden. — England- König, Rußland- Zar — vieler deutscher Fürsten Schar — mit Gefolge, bunt und prächtig, — waren täglich da zu sehen — und man sah die Straßen immer — dicht gedrängt voll Menschen stehen.--Nunmehr ist die Hochzeit au?, — eS begaben sich nach Hau- — der gelad'nen Gäste Schar — und als erster hat der Zar — Deutschlands Boden schon verlassen, — England-,König folgte ihm, — auch Prinzeßchen und ihr Gatte — weilen fern jetzt von Berlin. — Mag sie Glück und Segen finden, — diesen Wunsch laßt un- ver­künden; — denn bei jedermann beliebt — war Prinzeßchen, und e- gibt keinen, der die holde Braut — nicht mit Rührung angeschaut. —--Der Franzose unterdessen, — hat es Deutschland nicht vergessen, — daß wir krästig j'tzt am Werke — uns're Wehrmacht zu verstärken — und man hat zum Au-gleich jetzt — drei Jahr Dienstpflicht angesetzt. — Drei Jahr muß der Franzmann künftig — stehen in deS Heere- Front, — hoffentlich bleibt'- trotzdem ruhig — am politischen Horizont. Walter-Walter.

Hut Provinz w. Dachbargebiet.

* (Eine Bahnsteigkarte genügt für zwei Kinder.) Sie Bestimmung, daß zwei Kinder im Alter bis zu 10 Jahren auf eine Bahnsteigkarte Zutritt zu den Bahn­steigen haben, scheint noch nicht allgemein bekannt zu sein. Deshalb sei daran erinnert, daß die Kinder bis zur Vollendung deS vierten Lebensjahre- in Begleitung Erwachsener die Bahn­steigsperre frei passieren dürfen und für zwei Kinder im Alter biS zu 10 Jahren nur eine Bahnsteigkarte erforderlich ist. Für ein Kind muß natürlich auch eine Karte gelöst werden, da halbe Bahnsteigkarten nicht auSgegeben werden.

Sebbeterode, 27. Mai. Einen recht betrübenden Unfall erlitt da- 5jährige Mädchen deS Sattler- R. von hier. ES machte sich mit seinem Schwesterchen an der Häckselmaschine zu schaffen, wobei ihm eine zwischen die Messer gekommene Hand fast ganz abgeschnitten wurde.

Alsfeld, 26. Mai. Für LoS 7 der Bahnstrecke Al-seld- Niederaula waren 17 Angebote eingegangen, die am Freitag geöffnet wurden. Die höchste Forderung betrug 695 870,50 Mark, die geringste 464 834,10 Mk.

Cassel, 30. Mai. Am Dienstag abend wurde der Streckenwärter Koch auS Witzenhausen zwischen Gertenbach und Witzenhausen von dem 7 Uhr 32 Min. in Cassel ein- lausenden Personenzug Nr. 568 überfahren und getötet. ES ist möglich, daß er während deS Gewitter- auf daS falsche Gleis geraten ist, oder er hat einer um diese Zeit in Gerten­bach einfahrenden Maschine ausweichen wollen und ist dabei von dem Personenzug ersaßt worden. Nach einer anderen Mit­teilung wurde er aus dem Gleise vom Blitz getroffen und betäubt und dann vom Zuge zermalmt. Der Führer eine- kurz darauf die Strecke passierenden PersonenzugeS sah die Leiche liegen, brächte den Zug zum Stehen und sorgte sür Bergung deS Leichnam-. Koch war der Kopf vollständig vom Rumpt getrennt.

Frankfurt a. M., 27. Mai. In der unteren Mainzer Landstraße wurde heute vormittag eine Frau in den mittleren Jahren von einem Automobil überfahren und so schwer verletzt, daß der Tod nach wenigen Minuten eintrat.

Mainz, 27. Mai. Heute morgen ereignete sich in Kaste! ein schwerer Unglücksfall. Der 18jährige Heizer August Griffel hatte beim Durchsahren einer Dampsstraßenwalze in einer Straße in angemessener Entfernung vor der Walze herzugehen, um daS Publikum zu warnen. Hierbei geriet er anscheinend zu nahe an die Walze, wurde erfaßt und zu Boden gedrückt, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat.

Darmstadt, 27. Mai. Der 21jährige russische Student Wilhelm Finjaver au- Odessa hat sich gestern abend in seiner Wohnung in der Lichtenbergerstraße durch einen Schuß in den Kops getötet. Nach Durchsicht eine- au- der Heimat erhaltenen Briefe- rief er: Da- Leben hat ja doch keinen Zweck! und erschoß sich.

Crfurt, 28. Mai. Bei einer Schlägerei, die zwischen heimkehrenden Bauernburschen im benachbarten DielSdorf auS- brach, wurde der 18 Jahre alte Sohn des Gastwirt- Georgie so schwer verwundet, daß er bald daraus starb. Der der Tat verdächtige Sohn eine- Schmiedemeisters wurde verhaftet.

Aus dem Seunelager, 28. Mai. Bei einer größeren Uebung und Angriffs-Attacke der Artillerie-Abteilung aus dem hiesigen Truppenübungsplatz hat sich gestern ein schwerer Un- glückssall zugetragen. Ein schwere- Geschütz schlug nämlich beim Uebersetzen über einen Graben um und begrub vier Kanoniere der Bedienungsmannschaft unter sich. Davon wurde ein Kanonier sehr schwer verletzt und mußte bewußtlos vom Platze getragen werden, die drei anderen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Der vorerwähnte, am schwersten verletzte Artillerist ist ein Reservist au- der Gegend von Fulda, einige 30 Jahre alt und Vater von 3 Kindern. Er wurde mittelst Krankenwagen inS Garnisonlazarett in Paderborn gesahren.

Uerniiscbtes.

— Eine großeFreude hatte Prinzessin Viktoria Luise, die junge Gemahlin deS Prinzen Ernst August von Braun­schweig und Lüneburg, dem Berliner Damenpublikum bereitet, indem sie die Ausstellung ihrer Brautrobe und der Hochzeits­geschenke um einen Tag verlängern ließ. Auch an diesem dritten Tage stauten sich Hunderte vor dem Kunstgewerbe­museum, und die Schutzleute hatten Arbeit genug, die Massen in Ordnung zu halten. Der Tag war glühend heiß, eS gab außerordentlich viel OhnmachtSfälle. Man hatte eine SanitätS- kolonne stationiert, die den Ohnmächtigen Hilfe angedeihen ließ. Die armen Damen mußten dann den Versuch, die Ge­schenke bewundern zu können, als aussichtslos aufgeben.

— (Opfer deS Blitzes.) AuS Salzwedel wird ge­meldet: Bei dem hiesigen Gewitter am Dienstag würde bei Seggerde ein auf dem Felde arbeitende- Mädchen vom Blitz erschlagen und ein andere- betäubt. Bei Westum erschlug der Blitz zwei Kinder, die auf dem Felde beschäftigt waren. In der Nähe von Garching bei München wurde am Dienstag ein Knecht mit zwei Pferden vom Blitz erschlagen.

— (Fahrt des Marinelustschiffe- nach Helgoland.) DaS Marinelvftschiff „L 1" kam auf seiner Fahrt von Hamburg gegen 8Vs Uhr früh über Altenbruch in Sicht, flog dann westlich nach Nordholz, dem zukünftigen Flugplatz der Marine-Luftschiffstation Cuxhaven, dann wieder nordwestlich über See, passierte um 98A Uhr da- Feuerschiff „Elbe" mit dem Kur- nach Helgoland, wo da- Luftschiff etwa nach 10 Uhr vormittag-, über dem Hasen eintraf. Ueber dem Krieg-Hafen und der Signalstalion sührte daS Luftschiff einige Manöver au- und nahm dann den KurS wieder aus Cuxhaven. In Cuxhaven traf „L. 1" wieder gegen 11 Uhr ein und suhr nach Hamburg weiter.

— Heidelberg, 28. Mai. Ein surchtbareS Hagel­wetter verwüstete den durch seine Kirschenplantagen berühmten Odenwaldort Gaiberg bei Heidelberg. Fast an allen Häusern wurden die Fensterscheiben eingeschlagen, die Gärten verwüstet, die Kirschenernte zum größten Teil vernichtet. Von Sach­verständigen der Hagelversicherungen wird der Schaden auf mindestens 100,000 M. geschätzt.

— (Durch Unvorsichtigkeit bei der Nagel- pslege in den Tod.) Von einem schrecklichen Falle der Blutvergiftung wird au- Budapest geschrieben: Ein junge- Mädchen benutzte den Sonntagvormittag dazu, um sich die Nägel zu Pflegen. In dem Wunsche, die Form deS Nagel- zu verlängern, schob sie da- Nagelhäutchen zurück, damit der „Mond" sichtbar wurde, und schnitt diese Haut ab. Sie muß dabei wohl etwa- unvorsichtig zu Werke gegangen sein, bentu der Finger begann zu bluten, eine kleine Wunde ließ sich sehen. Anstatt diese Wunde nun auSzuwaschen, beachtete da- junge Mädchen sie gar nicht, sondern pflegte die Hände weiter und schminkte die Nägel, um sie rosensarben zu machen, mit einer Nageljchminke. Nach einigen Tagen begann der Finger zu eitern und fürchterlich zu schmerzen, doch wurde der unbe­deutenden Verletzung noch immer kein Wert beigelegt. Da- junge Mädchen dachte wohl nicht daran, die Wunde zu be­handeln, ein Arzt wurde aber nicht zugezogen. Da der Finger auch scheinbar nicht schlimmer wurde, machte sich kein Mensch irgend welche Gedanken darüber. Die Eiterung ging jedoch nicht zurück, und nach etwa vier Tagen fühlte die junge Dame heftige Schmerzen im ganzen Körper. Beim Atmen, beim Gehen, bei jeder Bewegung, die sie machte, stellten sich rasende Schmerzen ein. Nun endlich wurde ein Arzt zugezogen, und der konstatierte eine Blutvergiftung, die von dem Finger auSging und sich durch den ganzen Körper zog. Eine Rettung der Kranken war ausgeschlossen, da die Vergiftung schon zu weit fortgeschritten war. Nach einem TodeSkampfe, der etwa drei Tage dauerte, starb daS junge Mädchen. Der Tod bedeutete in diesem Falle eine Erlösung von unendlichen Qualen.

— (Schierling statt Petersilie.) In Rux- weiler (Lothringen) ist eine fünfköpfige Familie durch den Genuß von Schierling erkrankt. Da- Dienstmädchen ist bereit- gestorben. E- hatte Petersilie mit Schierling verwechselt und in die Speisen gemischt.

— Hannover, 28, Mai. Heute vormittag ist der Pilot Horn mit einem Jatho-Eindecker bei einem Ueberland- fluge bei Burgwedel aus bisher unbekannter Ursache aus einer Höhe von 150 Metern abgestürzt. Er war sofort tot.