großen modernen Perserteppich auS TäbriS, der preußische Städtetag einen reich in Eichenholz geschnitzten altniederlän- dischen Schränk auS dem Anfang deS 17. Jahrhunderts, die ostfriesifche Ritterschaft einen antiken ostfriesischen Prachtschrank, die ostfriesifche Landschaft eine sehr alte friesische Standuhr im Barockstil aus Eichenholz mit Altmahagonifurnier und Hellen Intarsien. Ein Spielwerk spielt alte friesische Melodien. Endlich sei noch die von der Bevölkerung deS OberharzeS geschenkte Nachbildung der Oberharzer Bergkanne, deren Original aus dem Jahre 1652 stammt, erwähnt.
Reichstag.
Im Reichstage sprach gestern der Präsident Dr. Kaempf, nachdem er die Abgeordneten freundlich willkommen geheißen hatte, der Budgetkommission Dank dafür auS, daß sie die Beratung der Wehrvorlage auch während der Ferien eifrig gefördert habe. Der Seniorenkonvent werde morgen darüber beraten, wie der Budgetkommission auch in Zukunft die nötige Zeit für ihre Arbeiten zur Verfügung gestellt werden könne. Der Präsident teilte dann mit, daß er dem Kaiserpaar wie dem Brautpaar zur Vermählung der Prinzessin Viktoria Luise, dem Kronprinzen zu seinem Geburtstage und Großherzog Friedrich von Baden, weil er bei dem Angriff in Mannheim heil davongekommen sei, namenS deS Reichstag- gratuliert und in allen Fällen den Auftrag erhalten habe, dem Hause den Dank sür feine Glückwünsche zu übermitteln. Dr. Kaemps gedachte weiter deS TodeS deS Abgeordneten Freiherrn von Thüneseld, dessen Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Daraus trat daS HauS in die Tagesordnung ein, deren erster Gegenstand eine Anfrage des Polen SosinSki wegen angeblicher gesetzwidriger Parteinahme der Polizeibehörden gegen die Bergarbeiter beim Streik in Oberschlesien bildete. Ministerialdirektor Dr. Lewald antwortete, daß für die ReichS- leitung ein Anlaß zum Eingreifen nur gegeben sei, wenn reichSgesetzliche Bestimmungen verletzt worden wären und die Landesregierung nicht Remedur geschaffen hätte. Dieser Fall liege aber nicht vor. Der Redner führte eine Reihe von Zahlen zum Beweise an, daß,von einem grundsätzlichen Verbot oder grundsätzlicher Auflösung der Bergarbeiterversammlungen gar keine Rede sein könne. ES folgten Petitionen.
Die Budgetkommission deS Reichstags beriet in ganz kurzer Sitzung die zur Wehrvorlage eingegangenen Petitionen. Diese Petitionen betrafen teils Wünsche persönlicher Natur, teils Reformen im Heere sowie im diplomatischen Dienste, Prüfung von Neuerfindungen, daS AnstellungSwesen usw. Die Mehr- zahl der Petitionen wurde als durch die Beschlüsse zur Wehrvorlage erledigt erklärt.
Nach Schluß der gestrigen Plenarsitzung deS Reichstage- sind sämtliche Fraktionen zu Besprechungen zusammengetreten, die sich zum Teil bis in die späten Abendstunden auSdehnten. Die Nationalliberalen saßtcn einen Beschluß, der dahin geht, die alSbaldige endgültige Verabschiedung der Wehrvorlage in den Kommissionen und im Plenum zu sortiern, und fortfährt: »Die Deckung-vorlage ist in der Budgetkommission sofort, nachdem diese die Wehrvorlage erledigt hat, in Angriff zu nehmen und in der Budgetkommission wie im Plenum in diesem Sommer zu erledigen." Der Zweck dieses Beschlusse- ist offenbar der, dem Zentrum den Vorwurs aus der Hand zu nehmen, als ob die Liberalen lediglich eine Verschleppung der Deckung bi- in den Herbst beabsichtigten. Durch diese klare Stellungnahme der Nationalliberalen ist einem solchen Vorwurs der Boden entzogen, und man darf vielleicht annehmen, daß unter diesen Umständen auch daS Zentrum seine Haltung ändert und der zweiten Lesung der HeereSvorlage in der Budgetkommission keinen Widerstand mehr entgegensetzt. Nimmt da- Zentrum diese Haltung ein, so würde daS den besonderen Vorzug haben, daß dadurch der Sozialdemokratie die ausschlaggebende Stellung genommen wird, in die sie glaubte, sich hineinmanövriert zu haben.
Sechzig deutsche Unterseeboote.
ES ist bekannt, daß die Verwaltung der deutschen Kriegsmarine nur zögernd an die Anschaffung der Unterseeboote herangegangen' ist. Der Grund dafür war berechtigt. Der Bau der Unterseeboote befand sich im Stadium deS Anfanges, er zeigte eine Menge Mängel und man baute Jahrelang nur Probeunterseeboote. AuS diesem Stadium ist man aber jetzt heraus, und die deutsche Kriegsflotte wird in absehbarer Zeit 60 Unterseeboote besitzen und dadurch eine ebenso große alS unheimliche Verstärkung ihrer Streitkräfte erlangen. Mit der Hälfte der Anzahl dieser Unterseeboote ließe sich der westliche Teil der Ostsee von Jütland bis Bornholm beherrschen, so
Hut und Handschuhe drinnen ablege." Leichtfüßig wie eine Gazelle eilte sie davon.
Rüchel ließ sich indes wieder am Tische nieder. „Gustav," sagte er dabei, „rasch, sieh einmal nach, ob die Post schon dagewesen. Vielleicht, daß heute der Major —"
Gustav machte sich spornstreichs davon.
Indem kam Elisabeth zurück.
„Vater," rief sie eintretend, „weißt du, vom Erzherzog finde ich'- einfach großartig, sofort Boten an unsern König und an Blücher zu senden. Und Blücher! Daß der bei seiner Unzahl von Geschästen gleich an unS gedacht!"
„Ja! Der Blücher--!"
„Wart' einmal!" sagte sie, sich niederlassend, „Heut ist schon der 29. Mai. Eigentlich könnte von König-berg heute schon eine Nachricht bei Blücher eintreffen, wie der König über den Krieg denkt. Blücher ließ doch sagen, daß er an Gneisenau deshalb einen Boten gesandt."
„Könnte schon, könnte schon," erwog Rüche! schmunzelnd. „Aber nur Geduld! Einen Tag später oder früher! Ich habe letzt wuklich Hunger. Und der Kaffee wird kalt." Er reichte ihr Weißbrot und Butter. „Komm! Bediene dich! Heute tust du hoffentlich dem Morgenimbiß mal wieder mehr Ehre an!"
Wirklich sprach Elisabeth dem Frühstück tapser zu. Der alte General aber tat eS ihr noch zuvor. Licht und behaglich war er in der durchsonnten Veranda. Die Nachricht von der Erzherzog- Sieg bei Aspern, die gestern ein von Blücher ge- sandte: Meldereiter gebracht, bildete daS ebenso freudige wie unerschöpfliche Gesprächsthema.
Nur der eine Name, der in Elisabeth- Herzen klang, von dem »hr ganze- Wesen durchdrungen war, der eine Name kam nicht über beider Lippen, als fürchteten Vater und Tochter instinktiv, damit die fleißig gespürte Hoffnung einer glücklichen Wendung der Dings zu zerstören.
Jetzt hörte man Gustav eiligst über den Kies der ParkeS zurückkehren.
Die beiden lauschten aus. Mit angstvoller Spannung blickten sie ihm entgegen. Ja, die Post war dagewesen. Da lag die große Brieftasche in seinem Arme, die der Postillion
daß keine feindliche Flotte daran denken könnte, dort mit Linienschiffen und Kreuzern ihre Seemacht zu entfalten. Gleichzeitig ließe sich eine Blockadeflotte von den Flußmündungen der Nordsee mit diesen 30 Booten fernhalten. Hierzu würden Boote mit geringerem Deplacement auSreichen. Die übrigen 30 Boote, die größer sein müssen, müßten bereit stehen, um zum direkten Angriff auf eine feindliche Flotte verwendet zu werden. Wenn auch der Weg bis zu dem Augenblick, in dem die deutsche Flotte über 60 Unterseeboote verfügen wird, noch weit ist, so besteht doch die erfreuliche Tendenz, diesen Zustand nach Kräften bald zu erreichen. Die deutsche UnterseebootSflotte besteht zurzeit aus 18 Booten. Bald kann damit gerechnet werben, daß der Bestand 26 Boote erreichen wird. Als Grenze deS Ausbaues der UnterseebootSflotte ist die Zahl 72 festgesetzt worden, daS würde bedeuten, daß bei einer zwölf- jährigen Lebensdauer jedes Bootes jährlich 6 Unterseeboote gebaut werden müssen. ES werden aber viel mehr gebaut werden. Dikse Zahl wird, nach den obigen Angaben, jetzt nahezu erreicht, sie ist naturgemäß, wenn nötig, auch mit Leichtigkeit einzuhalten. Er sind also immerhin im deutschen Unterseebootwesen in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht worden, wenn auch die gegenwärtig vorhandenen Boote bei weitem noch nicht dem Bedürfnis entsprechen. Die deutsche UnterseebootSflotte wird im Laufe dieses JahreS, soweit sich der Ausbau auf Grund der verfügbaren Mittel übersehen läßt, um 5 neue Unterseeboote vermehrt werden. ES ist allerdings nicht sicher, daß diese Zahl nicht Überschritten werden wird, denn nach dem gegenwärtigen Stand deS Unterseeboots- auSbaueS läßt sich genaueres nicht Voraussagen. DaS Jahr 1912 vermehrte unsere UnterseebootSflotte um gleichfalls 5 Boote, und zwar um die Boote „U 13. 14, 15, 17 und 18". Außer diesen 5 Booten wurde im vorigen Jahre noch ein 6. in Dienst gestellt, nämlich da- Boot „U 2", daS am 8. November wieder unter die Flagge trat, nachdem eS feit dem 25. Januar 1911 pausiert hatte. DaS Boot war inzwischen auf der Danziger Werft nach den aus der Katastrophe deS Boote- „U 3" gewonnenen Lehren umgebaut und verbessert worden. DaS Unterseeboot „U 16", da- der Zahl nach unter die im vorigen Jahre in Dienst gestellten Boote gehört, war bereits am 28. Dezember 1911 in Dienst getreten.
Die Spaltung im Ballanbnn-.
Wie der L. A. von unterrichteter Seite erfährt, find die letzten Gefechte zwischen Bulgaren und Griechen am Anghista- Flusse doch ernster gewesen, alS man nach den sonst häufig an Uebertreibungen leidenden Meldungen auS Saloniki anzu- nehmen geneigt war. Wie auch aus Petersburg bestätigt wird, herrscht daher in dortigen maßgebenden Kreisen von neuem eine gewisse Besorgnis darüber, ob eS gelingm werde, diese lokalen Scharmützel aus ihren Herd zu beschränken, zumal auch auf serbischer Seite einigermaßen verdächtige Truppenbewegungen stattgefunden haben und noch stattfinden. AlS beruhigendes Element wird aus berusener Stelle hervorgehoben, daß die Haltung Bulgariens in diesem ganzen Streitsall noch immer eine durchaus korrekte und versöhnliche ist. Aber gerade Bulgarien drängt, um weitere Konflikte zu verhindern, in Petersburg auf sofortige Einsitzung eines Schiedsgerichte-, ein Ausweg, zu dem allem Anscheine nach Serbien noch nicht entschlossen ist.
Belgrad, 27. Mai. Gestern abend und in der Nacht wurden in Belgrad an die schon beurlaubten Reservisten deS zweiten Aufgebot- Einberufungsbefehle übermittelt, waS große Aufregung und Beunruhigung verursachte. Die ganze Nacht hindurch sind mit der Bahn Truppen auS Belgrad nach der Grenze abgegangen.
Wie in Athen amtlich bekanntgegeben wird, betrugen die Verluste der Griechen in den Kämpfen mit den Bulgaren am PangäuSgebirge an Toten drei Offiziere und 56 Soldaten und an Verwundeten 3 Offiziere und 134 Soldaten.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, 27. Mai 1913.
AuS PotSdam, 27. Mai wird gemeldet: Heute vormittag 10 Uhr begann im Lustgarten die Parade über die Potsdamer Garnison in Gegenwart deS Kaisers und der Kaiserin, der Prinzen und Prinzessinnen, deS KönigS und der Königin van England. Ferner waren anwesend der englische Botschafter Sir Edward Goschen, der deutsche Botschafter in London, Fürst Lichnowrly, der Reichskanzler, Staatssekretär von Jagow. Unter den geladenen Gästen bemerkte man zahlreiche Mitglieder der englischen
aus dem nächsten Postamt für den Gutsherrn von Haselei auSgeliefert erhalten. Nun legte sie Gustav neben seinem Herrn aus den Tisch.
Elisabeth zitterte heimlich vor innerer Erwartung. Alle Farbe war wieder au- ihrem schmalen Antlitz gewichen.
Dem Vater, der nur zu gut in der Seele feiner Tochter zu lesen wußte, erging eS nicht beffer. Er zog den Schlüssel aus der Westentasche und steckte ihn in- Briestaschenschloß. Dabei klirrte daS Echlüffelchen heimlich gegen die kostbaren Ringe an seiner Hand.
„Da, Elisa, dir bricht'S doch sonst da- Herz ab —" versuchte er zu scherzen — „da ist ein Brief von deinem Major."
Elisabeth griff totenbleich, aber völlig beherrscht, nach dem Schreiben, daS der Vater ihr hinreichte, auf dem SchillS große, kühne Schriftzeichen ihr entgegenleuchteten. Schweigend erhob sie sich und suchte ihr Zimmer aus.
Rüchel kramte weiter in der Tasche.
„Alles für die GutSangehörigen! Hier, Gustav, geh, teile die Briefe auS! Halt — da ist auch noch ein Brief für mich! Sapperlot! DaS ist ja GneisenauS Hand!"
Gustav stampfte mit den Briefen von bannen.
Der General griff zum Krückstock, erhob sich, schritt durch das Eßzimmer in einen anstoßenden kleinen Raum — sein Arbeitszimmer —, wo auf dem Schreibtisch ein in Silber getriebener Brieföffner lag, öffnete daS Schreiben sorgfältig und kehrte wieder zum Kaffeetische zurück.
Da nahm er noch einmal auS dem goldenen DSSchen umständlich eine Prise, swa- bei ihm stets das Zeichen innerer Erregung war, strich noch einmal über feine tadellose Zopffrisur hin — lehnte stch in den Lehnstuhl zurück und las — und laS.
Oder laS er nicht?
Minuten verrannen — immer größer wurden seine Augen — sie starrten aus daS Blatt, alS könnten sie den Inhalt nicht fassen. Und nun, alS müsse da- Ohr mithelfen, seinem Geiste das Verständnis zu vermitteln, murmelte er ein paar Zeilen vor sich hin. Mit einem Mal, sprang er auf und schleuderte das Schreiben aus den Tisch.
Kolonie. Der Kaiser trug die Uniform der Garde- du CorpS mit dem Bande deS englischen Hosenbandorden- und dem schwarzen Küraß. Der König von England trug die Uniform seines 1. Garde-Dragoner-RegimentS mit dem Bande des schwarzen Adlerordens, beide mit dem Generalfeldmarschallstab. ES fand nur ein Vorbeimarsch statt. Beim 1. Garderegiment waren Prinz Eitel Friedrich und die jüngeren Prinzen ein- getreten. Der Kaiser führte dem König das Regiment GardeS du Corps vor und grüßte dabei die Kaiserin und die Königin, welche von dem Fenster des EtadtschloffeS aus dem militärischen Schauspiel zusahen. Zum Schluß der Parade ritten die beiden Monarchen bi- zum Fahnenportal der Schlöffe- durch daS Publikum hindurch, welche- ihnen begeistert zujubelte. Um 11 Uhr war FrühstückStasel bei den Majestäten im Marmorsaal deS StadtschloffeS. Nach derselben kehrten die Majestäten mit ihren Ehrengästen nach Berlin zurück.
AuS PortSmouth wird dem „Daily Telegraph" telegraphiert, daß in dortigen Marinekreisen bekannt geworden ist, daß der deutsche Kaiser die Absicht habe, England im August zu besuchen. Er werde von den besten Schiffen der deutschen Flotte begleitet nach Spithead kommen, wohin ihm der König von England mit den besten Schlachtschiffen und Kreuzern der britischen Flotte entgegenkommen werde. Dann wird eine Parade der beiden Flotten abgehaltcn werden. Die beiden Monarchen werden hieraus von PortSmouth nach London fahren. ES wird hinzugefügt, daß eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht bisher nicht zu erhalten war, daß man sie aber in Marinekreisen für richtig halte.
Zum Rittmeister bei den Zietenhusaren hat der Kaiser den Prinzen Ernst August zu Braunschweig ernannt. In der soeben herausgegebenen Rangliste steht der Oberleutnant Ernst August Christian Georg zu Braunschweig und Lüneburg bei den Zietenhusaren alS vierter seiner Charge verzeichnet.
Die Soldatenmeutereien in Frankreich wegen der dreijährigen Dienstzeit sind noch immer nicht gänzlich unterdrückt; neue Vorgänge dieser Art werden auS Briver und Narbonne gemeldet. Inzwischen gehen die Militärbehörden auch gegen die Mitschuldigen der revoltierenden Soldaten in der Bevölkerung vor. In PariS und Umgebung, ferner in verschiedenen Provinzialorten wurden am Montag Haussuchungen bei bekannten Antimilitarifien und Schriftsührern von Syndikaten abgehalten, wobei zahlreiche Dokumente auf» gesunden worden sein sollen, auS denen angeblich die Mitschuld verschiedener Arbeitersyndikate an den militärischen Demonstrationen hervorgeht. Besondere polizeiliche Untersuchungen fanden ferner in fast allen Garnisonstädten statt, hauptsächlich zum Zwecke der Feststellung der Wühlerei deS „Eou du Soldat" bei den Kundgebungen der Soldaten.
Auf der Suche nach finanziellen DeckungS- Mitteln für die neuen militärischen Ausgaben ist man jetzt auch in Frankreich aus einen Ausweg verfallen, der mit dem deutschen Wehrbeitrag eine verzweifelte Aehnlichkeit besitzt. Der französische Ministerrat beschäftigte sich unter Vorsitz Poincar^S mit dem von den Radikalen und Radikal- sozialisten in der gestrigen Kammersitzung einzubringenden Antrag, wonach unbekümmert um den im Senat ruhenden Einkommensteuerentwurs jede- Einkommen, da- im Jahre 1912 mindestens 5000 Frank betrug, zur Deckung der besonderen MilitärauSlagen sofort einer einmaligen Besteuerung unterzogen werden soll. Die Progression der Steuer soll bis 25 Prozent gehen. Die Regierung ist entschieden gegen diesen Antrag und dürfte die Kabinett-frage stellen.
Die Verluste der italienischen ExpeditionStruppen nach dem unglücklichen Gefecht bei D e r n a am 16. d. M. scheinen doch größer zu sein, alS man in Italien zuerst glaubte. Die bisher angegebene Verlustziffer — 500 Mann — hat sich nach den lebten Meldungen verdoppelt. In Neapel wurden 550 verwundete und kranke Soldaten, die mit dem Hospitalschiff „Regina Elena" angekommen waren, ausgeschifft. Nach ihren Erzählungen scheinen die Verluste der Italiener vor Derna 1000 Mann zu erreichen. 3 Offiziere, 1 Major, 1 Hauptmann und 1 Oberleutnant wurden vom Feinde gefangen genommen. Außerdem werden säst 100 Soldaten vermißt.
Die Besorgnisse, die ansänglich durch die plötzliche schwere Erkrankung deS Kaiser- Uoschihito hervorgerufen wurden, sind mehr und mehr im Schwinden begriffen. Nach den letzten, wenn auch spärlichen Nachrichten auS Japan- Hauptstadt scheint im Befinden deS kranken Monarchen eine anhaltende Besserung zu verzeichnen sein. Folgende Einzelheiten meldet ein Telegramm der Deutschen Kabelgramm- gcsellschast auS Tokio: Im Befinden deS Kaisers ist eine stetige Besserung zu verzeichnen; die Temperatur stieg nie
„Himmelkreuzdonnerwetterbombenele . . .!" brüllte er geradezu heraus, im nächsten Augenblick abbrechend und sich mit beiden Händen die Brust haltend.
„Hurra, eS geht wieder, Exzellenz!" rief eine Stimme hinter ihm. Gustav war wieder eingetreten.
„Nichts da!" keuchte Rüchel. Es geht eben nicht!"
„Wie?" Der alte Diener trat rasch und ganz besorgt heran. „Will sie'- Kommandieren noch immer nicht leiden, daS verdammte Biest, die Kugel, die dem Herrn General die Stimme bei Jena geraubt?!"
Rüchel fuhr wütend herum.
„Das siehst du doch, alter SchasSkopf, die Kugel will'- nicht leiden, und der König will'S auch nicht leiden."
„WaaaaS?"
„Krieg mit dem Ungeheuer gibt'- nicht! Verstanden?!" „Aber--"
„Aber? Da gibt'- kein Aber! — WaS stehst du und gaffst mich an, wie die Kuh daS neue Tor?! Bin ich etwa Minister? — RechtSum kehrt! Marsch! marsch!"
„Aber---"
Gustav folgte gehorsam dem Befehl und führte ihn mit einer Gewiffenhostigkeit auS, als ob er auf dem Exerzierplatz stände. Dabei summte eS ihm in den Ohren: „ES gibt keinen Krieg! ES gibt keinen Krieg!" wie eine Melodie, die fein alte- Herz todtraurig macht. Und doch war ihm auch wieder so freudig, so warm zu Mut, alS hätte ihm der Herr General von seinem besten Kirsch präsentiert. Schockschwerenot! DaS kam eben daher, weil die alte Exzellenz heute endlich wieder einmal geflucht und gewettert hatte. Herrgott noch einmal! Wie war er immer so ruhig und still an sich haltend gewesen, seit ihm da- Unglück da auf dem Kapellenberge passiert! Wer weiß, wenn ihm die Kugel damals nicht die Sprache geraubt, — die Sache wäre ganz ander- ge- kommen! Aber nun! Nun konnte er ja wieder donnern, Gott sei Lob und Dank! Denn war so'n rechter Soldatengeneral auS der guten, alten Zeit deS seligen Fritz war, der mußte doch ein bißchen wettern können. ES gehörte doch nun mal dazu.
(Fortsetzung folgt.)