Die Annahme des KopernikuS mag wahr oder falsch fein: die christliche Lehre von der Himmelfahrt Christi und seinem Thronen zur Rechten des VaterS verträgt sich mit der Lehre deS KopernikuS ebenso gut wie mit der deS PtolemäuS oder mit irgend einer andern, die jene ablösen möchte. Oder richtiger: sie hat mit alledem gar nichts zu schaffen. Vielmehr gerade daran sollte unS die Himmelfahrt Christi ge- wöhnen, daß wir das Sinnliche selber, sei eS die äußere Welt oder deS Menschen Leib oder gar der AuferstehungSleib unsers Herrn, nicht gar so grobsinnlich und äußerlich auffassen lernen, alS wäre das Sinnlich-körperliche etwas Endgültiges und Abschließendes, was für sich bestände, sondern daß wir die Geisteswirkung darin zu ersassen und zu würdigen vermögen. Und dann sind wir allerdings von Wundern umgeben, mitten in einer Welt der Wunder, und können auch diejenigen Wunder nicht blos äußerlich anerkennen, sondern auch zu verstehen suchen, die dereinst geschehen sind.
Alles, was mit unserm Herrn geschehen ist, von feiner Geburt an bis zu seiner Auferstehung und Himmelfahrt, eS ist alles ein großes, göttliches Wunder, in dar ahnungsvoll hineinzuschauen deS Geistes Freude und Seligkeit ist. Wenn der Unglaube sich anklammert an das, waS mit Händen zu greifen und mit Augen zu schauen ist, an die materiellen äußern Dinge, wenn er die Gesetzlichkeit ihrer Bewegungen so sehr für den letzten Grund aller Vorgänge und Erscheinungen hält, daß er alle selbständige Macht des Geistes leugnet: so ist im geraden Gegensatze dazu für den Glauben der gott- menschliche Heiland und daS, was er getan und gelitten, und waS er vollbracht, erlangt hat, daS Erste und Gewisseste.
Von da auS sucht der Christ auch die Welt mit aller Fülle ihrer Erscheinung zu verstehen. Die sinnliche Welt ist nicht die wahre Welt. Die wahre Welt aber muß so beschaffen sein, daß Christus der Auferstandene zum Himmel aufgehoben werden konnte und sein Thronen zur Rechten deS VaterS verständlich wird. DaS ist deS Glaubens erste und nächste Gewißheit. Wir müssen in Menschenworten davon reden, waS über alle Menschenworte hinaus liegt. Ist der Herr in wahrhaftiger, wirklicher, räumlicher Bewegung nach Gottes freiem HeilSplan den 'Augen der Jünger entrückt worden, so ist er eben damit in daS Reich deS Unräumlichen und Uebersinnlichen hinübergetreten und mit seiner menschlichen Natur der Herrlichkeit teilhastig geworden, wo er in allmächtiger Gegenwärtigkeit mit dem Vater herrscht und gebietet.
DaS ist nicht der sichtbare Sternenhimmel, sondern eS ist daS geistige Reich, wo ihn die Seligen von Angesicht zu Angesicht schauen, von dem eS heißt: „In meiner VaterS Hause sind viele Wohnungen," und von dem die selige Verheißung an den durch den Glauben gerechtsertigter Sünder gilt: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein." Wir haben einen Hohenpriester, der höher ist alS der Himmel, weil ihn kein Raum faßt.
Reichstag.
Da man am Sonnabendabend im Reichstage mit der EtatSlesung doch nicht fertig geworden war, wurde gestern der Rest erledigt. Die Mehrheit befand sich trotz der Aussicht aus die Ferien keineswegs in Gebelaune. Wiederum wurden die Ostmarkenzulagen für die Beamten der Ressorts deS KriegeS, der Post und deS ReichSschatzamteS mit beträchtlicher Mehrheit abgelehnt. Zentrum, Polen und Sozial- demokratie gingen zusammen gegen Rechte, Nationalliberale und Fortschrittspartei. Auch beim Marineetat, der dann folgte, blieb eS mit derselben Parteikonstrllatiön bei der Streichung eines DepartementSdirektorS im Reichsmarineamt. Die Kaiser- jacht Hohenzollern wurde debatteloS bewilligt. Sonst hielt man sich hierbei nicht lange aus. Beim Etat deS ReichSjustiz- amteS fragte der Abg. Lentzsch (Soz.) an, wie eS denn mit der vom Reichskanzler angekündigten Klage gegen die Leipziger Volkszeitung wegen der angeblichen Gotteslästerung stände. Der Redner hat ein begreifliche? Interesse hieran, denn er ist leitender Redakteur dieses BlatteS. Der Unterstaatssekretär Wahnschaffe bemerkte, die Worte deS Reichskanzler? hätten auf einer Verwechselung beruht. Trotz dieser Erklärung gab eS hierüber noch eine längere Polemik, worauf schließlich der Etat erledigt wurde. Der Etat deS ReichSschatzamteS wird gleichsallS genehmigt. Auch der Etat deS ReichSeifenbahnamteS wird nach kurzer Debatte bewilligt, ebenso der Etat der Reichsschuld und deS Rechnungshofes. Verschiedene weitere Etats wurden nach kurzen Bemerkungen von Abgeordneten aller Parteirichtungen erledigt. Darauf wurde der Gesamtetat mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen angenommen. Nach neun Uhr ist man endlich mit allem durch und der Präsident entläßt daS HauS mit den besten Pfingstwünschen.
vorwärts! Unfern Idealen getreu laßt unS für die Freiheit siegen oder sterben!"
„Ja! Siegen oder sterben!" rief Schill, hingerissen von dem Opfermut der Seinen. „Ich schwöre es euch! So wahr ein Gott im Himmel lebt! Mit euch, ihr Edlen, will ich siegen oder sterben!"
Er streckte die Hände aus —, die Offiziere drängten herzu —
„Und wir mit dir, Major!"
Jedem reichte er mit bekräftigendem Drucke die Rechte. Selbst Bärfch und Blankenburg traten, wenn auch mit zögernden Schritten, heran.
„Und nun, Major, entscheide, was geschehen soll!" rief Adols von Lützow.
„Ich halte er für daS beste, elbabwärtS nach Mecklenburg und Pommern zu gehen. Dort hat mein Name eine starke Anziehungskraft und — wir bleiben dem Herzen deS Vaterlandes, seiner Hauptstadt, nahe. Dazu, Freunde, — Gott, welchen Gedanken gibst du mir ein! — in einer Festung, in Stralsund, daS einst dem Schrecken der Völker, dem Wallen- stein, Trotz geboten, können wir den ersehnten Stützpunkt finden," nef er aufstrahlenden Augen aus. „Freunde! Aus Stralsund null ich ein zweites Saragossa machen!"
„Herr Major! Herr Major!"
„War ist ?"
Schill blickte forschend um sich. Am Eingänge deS SaaleS stand in militärischer Haltung einer seiner Husaren. Die Uniform beschmutzt, mit Staub und Schweiß bedeckt und keuchender Brust. Schill hatte seinen Eintritt überhört.
„Heraus! Was bringst Du?" fragte er nun noch einmal mit dem alten foldatischen Mut.
„Herr Major! Der Feind ist mit einem Teile der magde- burgischen Besatzung aus Bernburg im Anzug!"
„Der Feind auf Bernburg im Anzug'?!" rief Schill. „Freunde! DaS gilt uns. Auf denn, dem Feinde mit kühner Stirn entgegen!" Seine schwarzen Augen blitzten im alten leuchtenden Glänze. „Das Grübeln und Spintisieren, das verstehen wir schlecht, aber eine lustige Reiterschlacht — daS ist unser Metier. Mit Gott für König und Vaterland!"
Der"
Oesterreich macht Ernst.
Die Vertagung der Botschafterkonserenz biS zum Donnerstag will Oesterreich-Ungarn nicht mehr, mitmachen. Seine Geduld, die schier endlos zu sein schien, ist nun doch erschöpft, und eS soll entschlossen sein, die Lösung der Skutari-Frage, in der sich noch zuletzt ganz neue seltsame Einflüsse geltend zu machen juchten, in die eigene Hand zu nehmen.
DaS Wiener Kabinett ist mit dem Verlauf der gestrigen Botschofterreunion in London nicht zufrieden. Oesterreich- Ungarn hatte bekanntlich erklärt, daß eS sich freie Hand Vorbehalte, falls die Botschafter keine wirksamen ZwangSmaßregeln gegen Montenegro beschließen. Dieser Fall ist nach dem Verlaus der gestrigen Sitzung in London eingetreten. Oesterreich-Ungarn wird jetzt sofort selbständig gegen Montenegro vorgehen. Alle Vorbereitungen zu einer militärischen Expedition sind bereits vollkommen durchgeführt. Ihr Beginn stehe unmittelbar bevor. Gegenwärtig findet noch ein sehr lebhafter Meinungsaustausch zwischen Wien und Rom statt.
Positive Meldungen über den Beginn der Aktion liegen biS zum Augenblick noch nicht vor. Am Vormittag hieß eS noch in Wien, daß man weiter abwarten wolle, und die dortigen Morgenblätter begnügten sich damit, die bekannten Redewendungen der letzten Tage zu wiederholen. Inzwischen mögen nähere Berichte auS London eingelaufen fein, denen zu entnehmen war, daß die Aussichten, am Donnerstag zu einer definitiven Entschließung der Mächte zu gelangen, nicht groß fein mochten. So will denn Orsterreich-Ungarn zu Taten übergehen. Daß indessen wirklich schon daS allerletzte Wort gesprochen ist, wird man auch jetzt noch nicht zu behaupten wagen — eS kann immer noch ein unvorhergesehenes Ereignis eintreten, daS vielleicht einen weiteren, wenn auch minimalen Aufschub der Entscheidung statthaft erscheinen läßt. An Berliner unterrichteter Stelle war eine Bestätigung der Nachricht, daß Oesterreich von der Londoner Botschafterkonserenz nunmehr genug hat, nicht mehr zu erhalten.
Kämpfe zwischen den Verbündeten.
Der „Daily Telegraph" meldet auS Bukarest:
Am 10. April griff eine bulgarische Division eine serbische Jnfanteriebrigade an, die in zwei Dörfern nordöstlich von Monastir lagerte. Die Serben räumten nach zweistündigem Kampfe ein Dorf, erhielten aber Artillerieverstälkung und eroberten am nächsten Tage daS Dorf zurück. Auf beiden Seiten gab eS schwere Verluste. Zwischen Griechen und Bulgaren fanden während der ganzen letzten Wochen kleinere Gefechte bei Nigrita und SerreS statt. In Saloniki griffen am 15, April zwei bulgarische Divisionen die zweite griechische Division an, die von General Calarie befehligt wurde. Mehrere Hundert Tote wurden vom Roten Kreuz aufgelesen. Die kriegerischen Vorgänge werden streng geheim gehalten, doch sickert durch, daß die Bulgaren 150 000 Mann bei SerreS und Kavalla zusammenziehen. Die Griechen konzentrieren sich aus der Linie zwischen Saloniki und SerreS. Griechenland berief vier weitere Reserveklassen ein. DaS von Griechenland in Frankreich gekaufte Pserdematerial ist unterwegs nach Saloniki. Die Serben nehmen mit 200 000 Mann eine Verteidigungsstellung bei Vclestino nordöstlich von Monastir ein und rüsten sich gegen einen Angriff der ersten bulgarischen Armee, die gegen Monastir marschiert.
London, 29. April. Die soeben hier eingetroffene Nachricht, daß Oesterreich beschlossen habe, Montenegro zur Räumung SkutariS gewaltsam zu zwingen, erregt hier daS größte Aussehen. Von Rom wird gleichzeitig gemeldet, Italien werde gemeinschaftliche Sache mit Oesterreich machen. In hiesigen diplomatischen Kreisen befriedigt letzterer Umstand, weil Italiens Beteiligung der Triple-Entente alS Garantie gilt, daß Oesterreich nicht eigennützige Vorteile erringt. Während noch vor kurzer Zeit Oesterreichs Vorgehen höchste Besorgnis hervorgerufen hätte, glaubt man jetzt nicht mehr an eine Verwicklung mit Rußland, weil Montenegro die Petersburger Warnungen geradezu verächtlich ignoriert hat. Auch SerbienS Drohung, daß die Verbündeten Oesterreichs Einmischung bekämpfen würden, macht keinen Eindruck. Nach hier vorliegenden Meldungen haben bereit? drei blutige Schlachten zwischen Bulgaren und Serben und Bulgaren und Griechen stattge- funden, die verheimlicht wurden. ES scheint, daß Oesterreich besser alS andere Staaten über die Feindseligkeiten unter den Verbündeten unterrichtet ist und die günstige Gelegenheit nicht verlieren darf, seine Autorität geltend zu machen. Bulgarien dürste zum Krieg gegen Serbien schreiten, sollte letzteres
„Mit Gott für König und Vaterland!" klang eS begeistert von den Lippen der jungen kühnen Männer zurück.
XL
ES war ein köstlicher Frühlingstag — der 5. Mai. Die Sonne blinkte und blitzte über daS hügelige Gelände dahin, über daS daS tiefe Grün der Saaten sich wie ein herrlicher Teppich zog. Hier und dort tauchten saubere Dörfchen im Schmucke blütenübersäter Obstbäume aus, Vögel zwitscherten und jubilierten, Landleute gingen aus den Feldern hoffnungS- sroh ihrer Arbeit nach — überall ein frisches, freudiges Werden, wohin man blickte in der auferstandenen Natur.
Und durch dieses Keimen und Blühen bewegte sich, als ging'S zum heiteren Tanze, EchillS schöne, jugendliche, tod- bereite Schar. Dodendorf, zwischen Bernburg und Magdeburg gelegen, war ihr Ziel.
In diesem Dörfchen hatte der westfälische General v. USlar, den der DivisionSgeneral Michaud mit einer gemischten Abteilung gegen Schill auSgesandt, Stellung genommen. AlS die Vorhut der Echilljchen eben in Sülldors, einem Flecken südwestlich von Dodendorf, einrückte, sprengte ein Reiter spornstreichs die Dorfstraße herab, auf die Schillschen zu.
Er parierte sein Pferd vor Schill — Kessel war eS. „Major," keuchte er, „der General von USlar hat dar Kommando abgegeben — Oberst Vautier ist an feine Stelle getreten — er gibt die feste Position nördlich DodendorfS auf — er zieht feine Truppen westlich deS OrteS. Noch ist alles in Heller Bewegung — Major — außerhalb Sülldors kannst du eS selber sehen."
Wenige Augenblicke später machte die Schillsche Vorhut, der Major an ihrer Spitze, außerhalb der Dörfchens auf einer Anhöhe Halt.
Im Glänze der Mittagssonne breitete sich die hügelige Landschaft vor den spähenden Blicken der Offiziere auS.
„Dort im Nordosten Dodendorf, Major," rief Kessel lebhaft, in die bezeichnete Richtung weifend, „westlich davon die Dodendorser Mühle, dann — in der Höhe von Sülldors Mafch-Mühl« und schließlich noch weiterhin westlich der Flecken Oster-Weddigen. Auf dieser ganzen Linie, die ein Bach, die
Montenegro helfen, war jedoch säst unmöglich ist, weil ei 200 000 Mann um Monastir konzentriert hat.
Wien, 29. April. Die feste Sekundantentreue Deutsch- landS wird hier mit größter Genugtuung konstatiert. Die „Reichspost" schreibt: Mit großer Befriedigung wird in Wien daraus verwiesen, daß daS diplomatische Vorgehen Oestcrreich-UngarnS, namentlich durch seinen deutschen Bundesgenossen eine warme und energische Unterstützung erfährt, ein Beweis von Solidarität, der gewiß in der ganzen Welt einen großen Eindruck hervorrusen wird. DaS „Extrablatt" schreibt: DaS Moment ist ernst und die Lage hat sich gefährlicher gestaltet alS je im Verlauf der Krisis; aber man darf hoffen, daß die feste Entschlossenheit Oesterreich-UngarnS, dem seine Bundesgenossen treu zur Seite stehen, den Sieg errringen wird, ohne daß es notwendig ist, zum Schwerte zu greifen, und ohne daß ein Weltkrieg entbrennt. Die „Neue Freie Presse" meint, noch immer fei die Krisis in der Botschafter-Vereinigung nicht gemildert, aber ein Abbruch habe nicht stattgefunden, und das fei ein wichtiger Ereignis.
London, 29. April. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen alarmierende Gerüchte und Meldungen über den drohenden neuen Balkankrieg. So bringt die „Daily Mail" ein Telegramm auS Graz, daS berichtet, daß Oesterreich- Ungarn den Vormarsch gegen Montenegro heute beginnen werde. Aber die militärische Aktion der habSburgischen Monarchie werde sich nicht nur gegen Montenegro richten, sondern eS werden gleichzeitig auch Truppen auf TranSport- jchiffcn nach den Häfen von Südalbanien geschickt werden. In den österreichischen Alpen wurde eine Masse von Truppen zusammengezogen, vor allem GebirgStruppen. AuS Trieft wird der „Daily Mail" berichtet, daß Oesterreich-Ungarn 80 000 Mann an der montenegrinischen Grenze bereit stehen habe.
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Berlin, 29. April 1913.
Zu den W c h r v o r l a g e n hat daS Zentrum eine Reihe von Abänderung-anträgen eingebracht, nachdem zahlreiche Abänderungen schon von fortschrittlicher und sozialdemokratischer Seite beantragt worden waren. Nach den Wünschen deS Zentrums sollen die Mannschaften deS Beurlaubtenstandes nur in den Wintermonaten zu Uebungen einberufen werden. Die Mannschaften sollen jährlich mindestens vier Wochen Urlaub erhalten, die berittenen Waffen noch mehr. Die Ur- laubSzeitcn sollen möglichst in die Ernte verlegt werden. Die Dienstprämien für Unteroffiziere, die auS dem Heere auS- scheiden, oder in Offiziers- oder Militärbeamtenstelleneintreten, sollen nach neunjähriger aktiver Dienstzeit 1000, nach 12jähriger 1500 Mk. betragen. Die Zahl der Offiziersburschen soll verringert, der strenge Arrest als Disziplinarstrafe beseitigt werden. Familien, von denen mehr alS drei Söhne ihrer Wehrpflicht genügt haben, erhalten während der Dienstzeit eines jeden weiteren Soldaten im Jahre 240 Mk. Aufwandsentschädigung. Für freie Urlaubsreifen der Soldaten in die Heimat werden 1,6 Mill. Mk, eingestellt. Davon erhält jeder Soldat einmal im Jahre freie Hin- und Rückfahrt in die Heimat. Bei Verabschiedung deS GefetzeS soll der Reichstag die Heeresverwaltung zur größten Sparsamkeit auffordern. Unter Ausschluß alles Parademäßigen und deS Luxus foll nur die KriegS- tüchtigkeit deS HeereS gefördert werden. Bei Lieferungen und Arbeiten infolge der neuen Borlage soll daS ortsansässige Gewerbe bevorzugt werden. Aufträge sollen nur solche Arbeitgeber erhalten, die den Arbeitern daS ungeschmälerte KoalitionSrecht belassen, bei der Einreichung ihrer Offerten die Höhe der Löhne mit angeben und keine geringeren Löhne zahlen, noch schlechtere Arbeitsbedingungen stellen, als die staatlichen Betriebe. Eine EinigungS- und SchiedSinstanz soll bei allen auSbrechenden Differenzen vermitteln.
Die Budgetkommission des Reichstages bewilligte gestern unverkürzt die MannschaftS- etatSerhöhungen der Infanterie, Kavallerie, Feld- artillerie, Pioniere, VerkehrStruppen und deS TrainS, und zwar mit den Stimmen der Rechten, deS ZentrumS, der Nationalliberolen und der Fortschrittlichen Volkspartei. Gemäß dem § 2 deS Gesetzentwurfes zur Ergänzung deS GefetzeS über die FriedenSpräsenzstärke wurde daraus die dort beantragte Vermehrung der Zahl der Jnfanteriebataillone von 651 aus 669 angenommen. Bei der Kavallerie wird eine Vermehrung von 516 aus 669 Eskadron- gefordert. Die Forderung wurde beanstandet und der Kriegsminister begründete in strengvertraulichen Ausführungen die Notwendigkeit der Mehr- forderung.
DaS Abgeordnetenhaus beriet gestern die Sekundär«
Sülze, begleitet, siehst du den Feind sich entwickeln!"
Schill war im Augenblick Feuer und Flamme.
„Diezelky," gebot er, „du schwenkst mit deiner Schwadron rechts ein und attackierst die Schützen zwischen der Höhe südwestlich Dodendorf und der Dodendorser Mühle. Du, Brünnow, umgehst den Feind rechts und dringst vom Süden aus der Straße von Bernburg her gegen daS ChausseehauS südlich von Dodendors vor, indes ich mir Vorbehalte, mit euch und euren beiden Schwadronen, Lützow und Kettenburg, im gegebenen Moment jene Höhe —" er wie- nach Oster- Weddigen — „zu stürmen. Vorwärts, Freunde! Zur Attacke!"
DiezelSky und Brünnow galoppierten mit ihren Schwadronen in der angegebenen Richtung davon.
Schill aber folgte ihnen mit seinem adlerscharfen Blick.
Er setzte sein GlaS wieder an und schaute — schaute. Wie aus Erz gegossen, hielt er da auf seinem Vollbluthengst, in der schönen, dunkelblauen, pelzverbrämten Uniform, die ein roter Kragen und rote Aufschläge zierten, den Dolman flott über die Schultern geworfen.
„Major! Siehst du es nicht?" rief Lützow in leiden- schaftlicher Erregung neben ihm, sich höher im Sattel hebend.
„Hurra!" jubelte Schill, „DiezelSky stürmt die Höhe. DeS FeindeS Reihen wanken."
„Sie wenden sich in wilder Flucht —"
„Hurra! DiezelSky!"
(Fortsetzung folgt.)
— L e i t m c r i tz (Böhmen), 28. April. In einem einsam gelegenen Hause in Gablischka bei Leitmeritz wurden die Oekonomieeheleute Löbel, deren achtjährige Tochtsr und der Tagarbeiter Borde, der bei Löbel beschäftigt war, mit starken Schußwunden aufgefunden. Die Frau gab noch Lebenszeichen von sich, starb alsbald; die übrigen waren bereits tot. Obwohl sofort Gendarmerie mit einem Polizeihund zur Stelle war, ließ sich keine Spur ermitteln. Die Tat, welche jedenfalls von mehreren Personen gemeinsam verübt worden ist, muß in der VormittagSzeit zwischen 8 und 9 Uhr auSgeführt worden fein. ES handelt sich um Raubmord.