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herssel-er KreisWatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 50
Dienstag, den 39. April
1913
Amtlicher Ctil.
Her-feld, den 24. April 1913.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher sowie die Schulvorstände und Schuldeputationen weise ich wiederholt daraus hin, daß auf allen an die Königliche Regierung in Caffel gerichteten Schriftstücken der Ortsangabe die Worte „Kreis Her-feld" hinzugefügt werden müssen, da Schreiben ohne Angabe der KreiSzugehörigkeit wegen der erst erforderlichen Feststellungen eine langsamere Erledigung finden.
I. 5038. Der Landrat.
I. B.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
Her-feld, den 16. April 1913.
Der Rentner Jakob Grau zu HedderSdors ist zum Bürger- meister der Gemeinde HedderSdors gewählt worden.
Ich habe diese Wahl bestätigt und den p. Grau heute verpflichtet.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 2374. J. B.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
Her-feld, den 25. April 1913.
Anstelle deS durch meine Verfügung vom 3. April d. JS. (veröffentlicht im KreiSblatt Nr. 40) für den 10. Wahlbezirk (bestehend auS den Gemeinden Holzheim, Hilperhaufen, Roß- bach, KruSpiS, StärkloS und Kohlhausen) bekanntgegebenen Wahllokals wird der Saal im Haufe des stellvertretenden Schöffen Friedrich Wille in Ho lz- heim als Wahllokal bestimmt«
I. 5145. Der Landrat.
I. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
HerSfeld, den 22. April 1913.
Die Schafräude in Mecklar ist erloschen.
Die angeordneten Sperrmaßregeln find wieder ausgehoben worden.
I. 4687. Der Landrat.
I. B.
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Berlin, den 26. April.
Die heutige Sitzung begann um 10 Uhr. Man wollte durch rasches Arbeiten eine weitere Sitzung am Montag verhindern. Auch war die FeriensehnsuchtSstimmung merklich im
Uortrlibllng.
Erzählung von M. von Witten.
(Fortsetzung.)
„Hurra! Hurra!" „DaS lob ich mir!" „Da» war ein Reiterstückchen!" „Da» nenn ich Treue! «es eS von allen Seiten durcheinander.
„So etwa- Sehnliches dachte die Torwache auch, PW< der Invalide schmunzelnd bei. „Ihr stürmische» Bravo folgte den Schillschen."
„Mit diesen meinen Augen hab' ich'- gesehen, triumphierte der Invalide. , „ . „ . ...
„Mein Herr — verzeihen Sie! Haben Sie eine Nachrrcht von den Schillschen?" fragte eine zarte Frauenstimme, und ein feine- Figürchen drängte sich ganz schüchtern an den KreiS und an Reimer heran. _ , .,
Die Männer wandten sich. Verwundert blieben ihre Augen an dem holden jungen Weibe hasten, aus dessen marmorblassem Gefichtchen sich eine seine Schwermut au-» prägte. Die- zarte, scheue Bild sprach zu deutlich für sich selbst, um nicht in aller Herzen tieseS Mitleid zu erregen.
„Gnädige Frau haben gewiß einen Bruder oder vielleicht gar den Gatten beim Regiment?" brach der Kaushen mit einem Anfluge von Neugier da- Schweigen.
Sie neigte nur stumm da» feine Köpschen mit dem großen Schutenhute.
Von Schill und den Seinen find bestimmte Nachrichten noch nicht eingetroffen," sagte Reimer in gütig liebevollem Tonfälle, wie man zu einem kranken Kinde spricht.
„Man will aber bestimmt wissen, daß die Truppe über Brandenburg nach Zietzow gezogen, um den Aufstand in Reffen und Westfalen zu unterstützen."
.Und wie — wie — denkt der König über den — Aur- zug de» Regiment»?" rang e» sich stockend von den blaffen Lippen.
Hause vorhanden. So wurde ohne Debatte nach kurzer Begründung durch den Nationalliberalen Beck-Heidelberg ein Gesetzentwurf in erster, zweiter und dritter Lesung angenommen, der den Postunterbeamten ein Gehalt von 1200, steigend bis 1800 Mark, und den Bureaubeamten 2. Klaffe und den Assistenten der Post ein Gehalt von 1800, steigend bis 3600 gewähren will. ReichSschatzsekretär Kühn konnte die erfreuliche Erklärung abgeben, daß sich dieser Antrag sormell wie inhaltlich mit dem Standpunkt der verbündeten Regierungen deckt. Auch der Gesetzentwurf, der eine Erhöhung der jährlichen Veteranenbeihilse von 120 aus 150 Mark vorsieht, wurde in allen drei Lesungen verabschiedet, ebenso daS Echutztruppen- gesetz, und die Uebereinkunst zwischen Deutschland und Rußland zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst. Hieraus konnte man in die dritte Lesung deS MilitäretatS eintreten. Bei der allgemeinen Besprechung meldeten sich nur die Abgeordneten Keil (Soz.) und GieSbertS (Ztr.) zum Wort. Keil gab noch einen Rückblick auf die Weltlage und meinte schließlich, eS würde ein Auf atmen durch daS Volk gehen, wenn die Regierung ihre Rüstung-vortage so rasch alS möglich zurückzöge. Abg. GieSbertS verwahrte sich in einer kurzen Bemerkung dagegen, daß er, wie in der Presse an gedeutet worden sei, einen Auftrag habe, die Kruppschen Interessen im Reichstag zu vertreten. Hierauf erledigte man debatteloS den Etat deS Reichstags, deS Reichskanzlers und der Reichskanzlei und unter lebhastem Beifall deS Hauses konnte bei der dritten Lesung deS EtatS deS Auswärtigen AmtS Staatssekretär von Jagow den Standpunkt der deutschen Regierung zur auswärtigen Lage darlegen, der durch den Fall von Skutari unverändert aus dem Boden der ersten Beschlüsse der Londoner Botschafter- konferenz beruhe, nach denen Ekutari albanisch bleiben solle. Er teilte jerner mit, daß die Botschaslerkonserenz beschlossen habe, den König von Montenegro auszuiordern, die Stadt zu räumen. Weitere Maßnahmen für den Fall, daß die Räumung nicht erfolgen solle, würden unter den Mächten noch beraten. Beim Reich-amt deS Innern entstand eine längere Debatte über daS -Polizeiwesen, worauf man in vorgerückter Stunde, nachdem ein VertagungSaNtrag der Sozialdemokratin abgelehnt worden war, zum Militäretat übergehen konnte. Jetzt kam eS wieder zu erregten Szenen. Liebknecht von der Sozialdemo- kratie hielt wieder eine scharse Anklagerede gegen den RüstungS- konzern, gegen die deutschen Waffen- und Munitionsfabriken und Krupp. Seine Rede sührte zu äußerst stürmischen Austritten. Der K'iegSminister entgegnete sofort im wesentlichen mit dem schon gemachten Hinweis auf die Uebelweisung der Affäre an die bürgerlichen Gerichte und damit sei die Sache vorläufig für den Kriegsminister erledigt. DeS weiteren besprach er den MißhandlungSsall bei den Gardeulanen und die Grundstücksumtauschangelegenheit in der Wilhelmstraße. Daran schloß sich eine lange Debatte, die jedoch nichts wesentlich neues zu Tage sördern konnte, und so kam man in die Abendstunden hinein, ohne mit der dritten Lesung deS Etats fertig zu werden. Man mußte sich schließlich aus Montag mittag zur Weiterberatung vertagen.
„Wie soll er darüber denken?" rief der Invalide feurig. „Er wird Napoleon den Krieg erklären!"
„Natürlich!" „Selbstverständlich!" „DaS steht doch außer jedem Zweijel!"
Ein tieseS, erlösende» Aufatmen rang sich auS der zarten Brust der jungen Frau.
„Also — also — nicht fahnenflüchtig."
„Fahnenflüchtig? Der Schill?" ries'S wie auS einem Munde. Voll Entsetzen starrten die Männer plötzlich einander an, als habe ein greller Blitz jäh eine dunkle Maiennacht zerrissen.
WaS war daS für ein ungeheurer Gedanke! Wie ein Grauen kroch eS an jeden einzelnen heran. Wenn der König, der oberste Kriegsherr, nun wirklich so denken könnte? — Reimer faßte sich zuerst.
„Beruhigen Sie sich, gnädige Frau. Unser Schill hat daS treueste, ehrlichste Soldatenherz der Welt. Der König kann ihn nicht mißverstehen. Die Zeit ist reis. Oesterreich siegt. Schill ist die Stimme seine? Volkes. Und unser König wird ihrer Allgewalt nicht länger widerstehen."
„So ist'- so ist'-!" riefen alle wie erlöst. Viktoria aber dankte mit stummem Kopsneigen. In ihren blaffen Augen war ein Leuchten. Eilig schlüpfte sie auS dem Tumult, der sich um sie her im Austausche der Meinungen entspann.
IX.
Indessen war Schill wirklich mit seinem Regiment über PotSdam und Brandenburg gen Westfalen gerückt. AuS allen Windrichtungen waren verabschiedete Offiziere Schill zugeeilt, um sich in sein Regiment einstellen zu lassen; Beamte boten ihre Dienste an, und unruhige Köpfe aus dem einfachen Volke, denen ein allzu heißes Herz in der Brust schlug, drängten sich täglich mit der Bitte um Aufnahme in die Reihen der Freiheitskämpfer heran.
Dennoch ward daS Herz deS tapferen Mannes im geheimen von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde schwerer. Die Hoffnung aus eine allgemeine Erhebung de- gesamten deutschen Volker — sie wollte sich nicht erfüllen.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, den 26. April 1913.
DaS große Aufräumen ging heute im Preußischen Abgeordnetenhause weiter. Zunächst wurden debatteloS daS RuhrreinhaltungSgesrtz und daS Ruhrtalsperrengesetz in dritter Lesung angenommen. Die Denkschrift über die staatliche HilsS- tätigkeit aus Anlaß deS Hagelwetters im Kreise Kreuznach gab nur den Abgg. Heckenroth (kons.), EngelSmann (natl.) und Wallenborn (Ztr.) Anlaß zu kurzen AuSsührungcn. Dann galt sie alS erledigt. Auch die Gartenfrage deS Abgeordnetenhauses wurde überraschend schnell bewältigt. Der Antrag Strosser (kons.), die Regierung möge sich daS Vorkaufsrecht für daS Grundstück sichern, fand allgemeine Zustimmung. Gegen den Widerspruch deS EifenbahnministerS v. Breitenbach wurden zu dem Gesetz über Eisenbahnunternehmungen vom 3. November 1838 Aenderungen beschlossen, die sich auf die landeSpolizeiliche Prüfung der Pläne für Neuanlageu beziehen. DaS HauS war sich einig, und die Regierung konnte dagegen nicht durchdringen. Die Uebersicht über die Ausbildung von Jugendpflegern im Jahr 1912 wurde zur Kenntnis genommen. Dann folgte eine Auseinandersetzung über Aenderungen deS KommunalabgabengesetzeS. Eine Reihe von Anträgen alldem Hause und von Petitionen wünscht die Besteuerung deS BodcnS nach dem Ertrag statt nach dem gemeinen Wert. Man unterhielt sich über daS Für und Wider, sprach über Bodenresorm und die Lasten deS Grundbesitzes; aber die Regierung ließ sich nicht erweichen, denn nur der gemeine Wert (also der VerkaufSwert) gäbe den richtigen Maßstab für die steuerliche LeistungSsähigkeit. Nur die Sozialdemokratie stand diesmal als Stütze der Regierung da. Die diesbezüglichen Anträge wurden angenommen und die Petitionen der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Dann folgte wieder die übliche Abstoßung von Petitionen, zu denen keine Wortmeldungen vorlagen, und die Annahme von Anträgen zur Unterstützung deS BezirkShebeammenwesenS, aus Erhöhung der Zuschüsse an Schulverbände und Reform deS JrrenrechtS. Da ein Antrag, am Montag die Befreiung der Deffidenten- kinder vom Religionsunterricht zu beraten, nicht durchdrang, beginnt also in der nächsten Woche eine dreitägige Eisenbahndebatte.
Tit 8*0 des „3.4" bei Liineville.
Die deutsche Regierung veröffentlicht, durch die fortgesetzten Erörterungen durch die Zeppelin-Affäre veranlaßt, die folgende neue Klarstellung der Sachlage:
Nachdem die französische Regierung von der Landung deS Zeppelinschen Luftschiffe- Kenntnis erhalten hatte, hat sie alsbald die erforderlichen Anordnungen zur Regelung der Angelegenheit getroffen. General Hirschauer ist zur Untersuchung deS Tatbestandes an Ort und Stelle gesandt, und da- Luftschiff, wie bekannt, innerhalb 24 Stunden freigegeben worden. Der französischen Regierung hätte sehr wohl daS Recht
WaS nutzte dieser schwache Zulaus Vereinzelter, wenn die Tausende und aber Tausende auSblieben? —
Aber keinen, keinen seiner Freunde ließ er die Qual der furchtbaren Enttäuschung sehen, die an seinem Herzen nagte, die von Tag zu Tag. von Stunde zu Stunde wuchs. Froh und heiter und zuversichtlich erschien er allen, wollte er allen erscheinen. ES war ja nicht möglich! Oder — oder war er zu vermessen gewesen, alS er sich sür den AuSerwählten hielt? War seine Krast zu schwach? Die Zeit doch noch nicht gekommen?"
ES war am Nachmittage deS 4. Mai, als daS schöne stattliche Regiment, die Elbe passierend, in Bernburg einritt. Man saß ab; Offiziere und Mannschaften suchten ihre Quartiere. Vor dem Hause, in dem der Major Ausenthalt nehmen wollte, warteten vier Estafetten mit Briefen auf ihn. Schill beschied sie auf sein Zimmer, ehe er sich noch gesäubert hatte, geschweige denn sich einen Augenblick der Ruhe gegönnt.
Stunde auf Stunde verrann, die Stafetten hatten Schill- Quartier längst verlassen; nichts war von ihm zu sehen, noch zu hören.
Endlich, endlich, wie eine Erlösung war'-, durchliesen Ordonnanzen die Stadt, um die Offiziere zu einer schleunigen Beratung zusammenzubitten.
WaS lag da vor? War war geschehen?
Mit bangem, beklommenem Herzen harrten die Herren in dem kleinen Saale, in den ihr Major sie hatte bescheiden lassen, bis endlich die Türe sich auftat, und Schill hereintrat.
Aber war daS wirklich Schill? Schill, die kühne Heldenseele? Bleich, mit fahlen Wangen, mit einer Haltung wie in sich gebrochen, die flammenden Augen erloschen — so stand er vor den Seinen.
„Um Gottes willen, Major, war ist geschehen?" rief Adolf von Lützow, aus ihn zueilend, in dem er Miene machte, den Unglücklichen zu stützen.
„Verloren! Alle- ist verloren!" hauchten Schill- tob* blaffe Lippen.
„Ma;or, nur der ist verloren, der sich selbst verloren gibt!" rief Kessel ermutigend.