der Handwerker vertrat und in Abrede stellte, daß der Bund Schmiergelder für Wohlverhalten erhalten habe und überhaupt ein konservativer Verein sei. Der Staat hat nicht nur daS Recht, sondern auch die Pflicht, nur solche Leute in seinen Dienst zu nehmen, die ihn selbst anerkennen. Wetnhausen von der Fortschrittlichen Volkspartei, der alSdann in der Rednerliste folgte, versuchte nachzuweisen, daß die meisten Vorstandsmitglieder deS Bundes konservative Parteimitglieder seien und der Vorsitzende deS VereinS zugleich den GeschäftS- sührerposten deS konservativen Verein- bekleidet. In seinen weiteren Ausführungen besprach der Redner eingehend die Lage der Militärarbeiter und deS technischen Personals. Nachdem noch BehrenS von der wirtschaftlichen Vereinigung und Böhle von den Sozialdemokraten lange und ausführlich über verschiedene Militärwünsche raisonniert hatten, und nach einer weiteren unwesentlichen Debatte, vertagte sich daS HauS zu vorgerückter Abendstunde auf morgen.
MoüiilfMiit zum Kuisttjutillium.
Zum bevorstehenden 25jährigen Regierungsjubiläum unseres Kaisers rüstet man sich in den verschiedensten Kreisen und an allen Orten, um den unserem Kaiser schuldigen Dank durch Stiftungen zu edlen oder gemeinnützigen Zwecken zum Ausdruck zu bringen. Ueber allen diesen Stiftungen stehend, die engeren und örtlich begrenzten Zwecken dienen, will daS deutsche Volk in seiner Gesamtheit aber eine von Angehörigen aller BundeSstaaten deS Deutschen Reiches, ohne Unterschied der Konfession oder der bürgerlichen Partei, ausgehende Nationalspende zum Kaiserjubiläum widmen. Eine solche Nationalspende kann nur einem allgemeinen ReichSzweck zugute kommen. Da in den 25 Jahren der Regierung unseres Kaisers der Zug am augensälligsten Hervorgetreten ist, unser Volk auS der festländischen Enge in die Weite einer Weltmacht zu führen, und da unsere Kolonien neben der Flotte LieblingSkinder unseres Kaiser- sind, so richtet sich der Zweck der Nationalspende natürlich, da für die Flotte der Reichssäckel hinreichend sorgt, auf solche Förderung der Kolonien, die der unmittelbaren Einwirkung der ReichSorgane entzogen sind. Deshalb soll die Nationalspende besonder- der kulturellen Entwickelung unserer Kolonien dienen, deren wirksamste Pioniere die ch r i st - lichen Miss ionen sind. Für eine diesem Ziel gewidmete Jubiläumsspende hat sich in Berlin ein ZentralauSschuß f ü r eine N atio n a lsp en d e zum K a iserjub ilSum für die christlichen Missionen in unseren Kolonien undSchutzgebieten gebildet, dessen Aufruf von den Präsidenten der drei großen parlamentarischen Körperschaften deS Reichstage-, deS Herrenhauses und deS Abgeordnetenhauses auSgegangen und von Männern aller Partei- richtungen unterzeichnet ist. Für die einzelnen LandeSstellen sind wieder ProvinzialauSschüffe tätig.
Die Sammlungen erstrecken sich auf Angehörige aller Konfessionen. Die Bestimmung, welcher Teil der Sammlungen den evangelischen und welcher den katholischen Missionen zufallen soll, ist der Entscheidung Seiner Majestät deS Kaisers überlassen, wobei darauf Rücksicht genommen werden wird, daß die auS katholischen Kreisen stammenden Gelder den katholischen, die auS evangelischen Kreisen stammenden Gelder den evangelischen Missionen zugewendet werden, wogegen Seine Majestät über die Verteilung der von Angehörigen anderer Konfessionen herrührenden Gelder aus die beiden christlichen Missionen in billiger Weise Entscheidung treffen wird.
Für die Sammlung in den evangelischen Kreisen deS Regierungsbezirks Casiel hat sich ein kurhefsi scher LandeSauSschußfür dieNationalspendezum Kaiserjubiläum unter dem Vorsitz deS HerrnKonsistorial- Präsidenten Freiherrn Schenk zu SchweinSberg, M. d. A., gebildet, der seine Tätigkeit begonnen und in allen Kreisen des Regierungsbezirks die Errichtungen von Kreis- auSschüssen angeregt hat. Die von den ProvinzialauSschüssen vorbereiteten Aufrufe für die Nationalspende werden demnächst zur Veröffentlichung gelangen.
Sobald die Vorbereitungen vorgeschritten find, werden wir sowohl über die Bedeutung der Ziele, die mit der Kaiser- Jubiläumsspende erreicht werden sollen, als auch über den Fortschritt der Veranstaltung weiteres berichten.
Deutsche Lssizieksflieger in Frankreich gelandet.
Paris, 22. April. DaS Ministerium deS Inneren gibt heute nachmittag 3 Uhr folgende Note bekannt:
„Heute morgen 7Va Uhr landete unweit Arrocourt, fünf
Schweigen für ihn etwas Bedrückende-, — Unheimliches.
„Viktoria!«
Sie wandte sich langsam zu ihm herum.
„Du?"
Der fremde Klang in ihrer Stimme machte ihn erbeben. Er näherte sich ihr. Sie stand auf. Des Mondes Licht fiel voll aus ihr Gesicht. Geisterbleich war eS und ein fremder Zug darin.
„Liebling, waS ist dir?« Er suchte ihre Hand zu fassen.
„Nichts!« entgegnete sie, ihm die Hand entziehend. Achtlos fiel das Stückchen Linnen, daS auf ihrem Schoße gelegen, an dem sie wohl genäht, zur Erde nieder. Sie ging tiefer in die Stube hinein, wo auf dem Tische vor dem Sofa eine Lampe stand. Diese entzündete sie schweigend. Immer beklommener,
schw^" wurde Kessel umS Herz. Um alles in der m T. w^ wie sollte er eS ihr nur mitteilen? Wie ihr VerständmS dafür wecken — für daS Große, Herrliche?
Der Lampendocht brannte auf.
„Gute Nacht!« klang ihre Stimme kalt und fremd an fein Ohr.
„Wie — du wolltest schon —?"
. "®$ ^ spät!« sagte sie dumpf. „Morgen wirst du wieder früh heraus müssen.«
„Morgen? Nicht doch I Morgen — erst um 4 Uhr nachmittag.« er wurde tief dunkelrot, „zur Felddienstübung.«
Da wandte sie sich zu ihm zurück und sah ihn an — groß und voll und lange. Er konnte ihren Blick nicht auS. halten. Er senkte die Augen zu Boden.
„Zur Felddienstübung?!« wiederholte sie mit schwerer Zunge. Wie ein gebrochenes Schluchzen war er in ihrer Kehle. Da war daS Eis gebrochen. Im Augenblick stand er neben ihr und umschlang ihre zarten Schultern mit seinen nervigen Armen.
„Viktoria, waS ist dir? Rede! Sprich! Schilt auf mich! Aber, um GotteS willen, nicht dieses seltsame Wesen gegen mich! DaS ertrage ich nicht.«
„Du wirst eS schon ertragen müssen,« entgegnete sie eisig, „wie ich dein Wesen ertragen muß.« Sie schüttelte seine Arme von sich ab und eilte davon — zur Stube hinaus, Sr
Kilometer von der Grenze entkernt, ein deutscher Zweidecker. Der Apparat, ein Heller-Modell mit einem Motor von 70 PS war mit 2 Offizieren in Uniform bemannt, einem Fliegerhauptmann und einem Jnsanterieleutnant. Er hat dar französische Gebiet 6 Kilometer weit überflogen."
Die Offiziere haben erklärt, von Darmstadt gegen 5 Uhr morgens aufgestiegen zu sein, um nach Metz zu fliegen. Sie hätten im Nebel bei Dieuze die Richtung verloren, und erst erkannt, daß sie sich auf französischem Gebiete befanden, als sie gelandet waren und die herzueilenden Landleute befragten. Der Unterpräfekt von Luneville hat die Angaben über die Reise deS deutschen Flugapparate- nachgeprüft und die beiden Offiziere verhört. Drei Fliegeroffiziere auS Toul, Epinal und Verdun sowie ein Fliegerhauptmann find hierzu von den Militärbehörden nach dem Landungsplatz geschickt worden. Die Z vil- und Militärbehörden stimmen dahin überein, daß die Landung auf höhere Gewalt zurückzuführen ist. DaS Ergebnis der Untersuchung dürfte sein, daß der Zweidecker noch im Laufe deS Nachmittag- seinen Rückflug antreten kann.
Pari-, 22. April. Der französische Botschafter JuleS Cambon in Berlin ist vom Ministerium deS Aeußeren telegraphisch angewiesen worden, die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung aus die wiederholten Landungen deutscher Ballon- und Flugmaschinen auf französischem Gebiete unweit der Grenze zu lenken, und aus die unangenehmen Folgen hinzuweisen, die auS derartigen Zwischenfällen entstehen können. Cambon ist ferner beauftragt, die deutsche Regierung zu ersuchen, geeignete Schritte zu ergreifen, um künftighin derartige Vorkommnisse zu vermeiden. Weiterhin sollen Verhandlungen zwischen beiden Regierungen eingeleitet werden, um möglichst bald in einem Vertrage diejenigen Regeln festzulegen, nach denen derartige, durch Ballon- und Flugmaschinen hervor- gerufene Zwischenfälle beigelegt werden können.
Pari-, 22. April. Die am Nachmittag bekanntwerdende Landung eines deutschen MilitärzweideckerS bei Arrocourt, wo vor einigen Monaten die fälschliche Probemobilisierung der Grenztruppen stattfand, hat große Aufregung verursacht. Man reißt sich um die Extrablätter. Auch im Grenzgebiete ist nach den hier vorliegenden Meldungen die Erregung groß. Außer dem Unterpräfekten von Luneville ist der Piäfekt Reboul von Nancy, der erst gestern seinen dortigen Posten übernahm, den sein Vorgänger wegen deS Navcyer ZwischenfalleS verlassen mußte, an die LandungSstelle geeilt. Kriegsminister Elienne, der sich augenblicklich auf einer Inspektionsreise an der östlichen Grenze befindet, hat heute morgen um 7 Uhr Nancy im Automobil verlassen, allerdings ohne von der Landung der deutschen Offiziere Kenntnis zu haben. Er wird gleichfalls auf dem Flugplatz erwartet.
Darmstadt, 22. April. Zin^er Landung zweier deutscher Offiziere bei Arrocourt erfährt der „Deutsche Tele- graj" : ES handelt sich um die beiden Offiziere Leutnant von Mirbach und Leiter der Darmstädter Fliegerstation, Hauptmann v. Dewall, die wie noch andere Militärflieger heute morgen zu einem UebungSfluge nach Metz ausgestiegen sind. Sie haben heute morgen um 5,20 Uhr Darmstadt verlassen. — Außer ihnen nahmen an dem UebungSfluge noch teil: Leutnant Reinhardt, der in Zweibrücken gelandet ist, Leutnant Koch, der in Forbach niederging und Leutnant Sommer, der bei Saaralben eine Landung vornahm.
DT. Arrocourt, 22. April. Die bei Arrocourt gelandeten beiden deutschen Fliegeroffiziere, Hauptmann V. Dewall und Leutnant v. Mirbach, erhielten um 5 Uhr 45 durch den Unterpräfekten die von Paris eingetroffene Erlaubnis zur Abreise mitgeteilt. Um 6 Uhr 30 Minuten stiegen sie auf mit dem Ziel Fres cati bei Metz.
Der Balkankrieg.
Sofia, 21. April. Die Antwortnote der Verbündeten, die heute nachmittag überreicht worden ist, spricht den Großmächten den lebhaften Dank für ihre Bermittelung auS, deren vier Punkte angeführt werden, und erklärt: Die verbündeten Balkanstaaten stellen fest, daß die oft^genannten Bedingungen, unter welchen die Mächte zustimmen, als Vermittler behufs Abschluß deS Friedens mit der Türkei zu intervenieren, ein wenig von denen abweichen, welche sie in ihrer Antwort vom 5. April formuliert haben. Von dem aufrichtigen Wunsche biseelt, die angebotene Vermittlung zu erleichtern, und ihrem Ziele zuzusührcn, erklären die verbündeten Staaten, indem sie die Großmächte neuerlich bitten, den Grundsatz der Kriegsentschädigung zu,»lassen, daß sie diese Vermittelung annehmen, indem sie sich Vorbehalten, im Laufe der Verhandlungen mit
starrt« auf die geschlossene Tür, al- wäre die Pforte deS Paradieses vor ihm zugefallen. Mit zuckendem Herzen harrte er, daß Viktoria wiederkommen würde. Aber sie kehrte nicht zurück. Er blieb allein. —
Die ganze Nacht saß er auf dem Kanapee mit wachen Augen und kämpste einen schweren Kampf.
Der Mond stieg höher und füllte die ganze trauliche Stube mit feinem zauberischen Schimmer. Ernst von Reffel bemerkte eS nicht. In feinem Herzen wogte und brandete eine Hölle. Der Mond rückte weiter. Sein silberne- Licht erlosch, — Dunkelheit war im Gemach —, deS jungen Leutnant- Antlitz war naß von bitteren Tränen. Doch als der Morgen graute, da wußte er, waS er tun mußte, woran er in den Tiefen feinet Seele nie gezweifelt, und er fiel in einen ruhigen Schlaf. Da träumte ihm, Viktoria träte an sein Lager — sie neigte sich über ihn — er riß die Augen aus —
Nein, nein! Kein Traum war'-. In der grauvioletten Dämmerung de- anbrechenden Tage- stand sie wirklich vor ihm, die süße, rührende Gestalt. DaS weite, weiße Gewand, daS sie noch wie gestern abend trug, fiel in graziösen Falten an ihr nieder. Der harte, fremde Ausdruck war auS ihrem Gefichtchen gewichen; lieblicher war eS denn je. Nur schwarze, breite Ringe zeichneten sich unter den großen blauen Augen. Und nun klang auch schon ihre liebe Stimme an sein Ohr.
„Ernst, ich hörte dich heut nacht so bitter stöhnen und schluchzen. — Ich habe mit mir gerungen — ich kann eS nicht ertragen, dich leiden zu sehen.«
„Viktoria! Du wolltest--?« Jubelnd sprang er auf.
„Ernst! Wir waren so glücklich. Zwischen unS beide gehört kein Dritter hinein," schmeichelte sie, ausweichend, feine Hand erfassend und ihn neben sich auf daS Kanapee ziehend. „Komm um deine Versetzung in ein andere- Regiment ein. Laß ab von Schill. Er ist ein Dömon, der unser Glück zerstört."
„Viktoria!« Er starrte sie an — seine Hand wollte sich auS der ihrigen lösen, sie aber hielt sie mit angstvollem Drucke fest.
„Nein! Höre mich I Von Vater und Mutter behütet, bin ich weltsremd, wie eine Blume, auf unserem Schloß auf«
den Großmächten jene Fragen zu erörtern, die sich auf die Inseln und die endgültige Festsetzung der Grenzen Thraziens und des gesamten Albaniens beziehen.
Belgrad, 21. April. Die Antwort der serbischen Regierung auf die MediationSvorschlSge ist heute den Vertretern der Großmächte überreicht worden.
L 0 n d 0 n, 21. April. Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat die griechische Regierung die Mächte benachrichtigt, daß sie bereit ist, die Neutralisierung der ganzen Küstengebiete- zuzu- laffen, daS jetzt von Griechen besetzt ist und sich von Korfu biS zur Gramalabucht erstreckt, wo die für Albanien vorgesehene Grenze hindurchgehen soll. Die griechische Regierung schlägt vor, daß die von ihr für die Bevölkerung deS von den Griechen besetzten Gebiete- beantragte Volksabstimmung unter der Aufsicht von Delegierten stattfinden solle, welche die Mächte zu ernennen hätten. Die griechische Regierung erinnert daran, daß in dem Vertrag über die Abtretung der Ionischen Inseln durch Großbritannien bestimmt sei, daß Korfu neutrale- Gebiet bleiben soll, und daß auf daS Verlangen Oesterreich- Ungarn-, die aus der Insel Vido gegenüber Korfu errichteten Fort- geschleift worden seien. Infolgedessen könne Korfu niemals als FlottenbasiS dienen, wie Italien eS befürchtet. Augenblicklich befinde sich auf Korfu kein einziges moderne- Fort. Die griechische Regierung macht auch noch geltend, daß Frankreich die Inseln an der Meerenge, obgleich sie befestigt seien, nicht al- Drohung auffafle, und daß auch Italien niemals in den letzten 50 Jahren den Besitz Korfu- durch Griechenland als eine Drohung betrachtet habe. Die Regierung hofft, daß die Mächte und die Verbündeten die Frage der Grenzen SüdalbanienS und diejenigen der ägärschen Inseln von neuem prüfen würden.
DT. Konstantinopel, 22. April. Die Pforte hat dem deutschen Botschafter mitgeteilt, daß sie die von Griechenland gestellten Bedingungen für die Rücksendung griechischer KliegSgefangener annimmt.
DT. Wien, 22. April. Die „Albanische Korrespondenz« meldet aus Valona, daß Djavid Pascha sich mit den Ueber- resten der türkischen Wardar-Armee zwischen Valona und Grad befinde. Offiziere und Mannschaften find krank, halbverhungert und schlecht gekleidet. Viele sterben ohne ärztliche Hilfe.
Jini 3n- und JInsland.
Berlin, 22. April 1913.
DerKaiser hörte, wie au- Homburg v. d. H. gemeldet wird, heute vormittag die Vorträge deS Vertreters der Auswärtigen Amt- Gesandten von Treutler und deS Chef- deS Militärkabinetts Generaladjutanten General- der Infanterie Frhr. von Lyncker.
DaS in PotSdam stationierte Luftschiff „Hansa« machte am Dienstagvormittag unter Führung deS Kapitän- seinen eine interessante Fahrt, an der auch die in Jüterbog stationierten Flugzeuge beteiligt waren. Der Ballon verließ PotSdam um 6,50 Uhr und überflog die Stadt in 1000 Meter Höhe. Nach kaum einstündiger Fahrt langte er in Kummer-dorf an, wo er in 1800 Meter Höhe über dem Uekungifeld kreuzte, während die unten ausgestellten Ballon- abwehrgeschütze Zielübungen aus die „Hansa" veranstalteten. Der Ballon wechselte dabei unausgesetzt die Höhenlage, um daS Zielen zu erschweren, und zog dabei enge Kreise und Schleifen. Bon Jüterbog kamen zwei dort stationierte Eindecker herüber, die die „Hansa" umkreuzten und Signale mit dem Luftschiff auStauschten. Nach fast zweistündigen Uebungen kehrte die „Hansa" in 1500 Meter Höhe über Berlin nach PotSdam zurück, wo sie um 11.10 Uhr landete.
Zur braunschweigischenFrage hat die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung« erklärt, wie die Verbindung der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen mit dem Prinzen Ernst August Herzog zu Braunschweig und Lüneburg auf der verbürgten Gewähr vollster Aussöhnung beruhe, so werde auch eine anderweitig« Regelung der braunschweigischen Thronfolge, die nur durch einen erneuten Beschluß deS BundeSratS erfolgen könne die Herstellung desjenigen friedlichen Verhältnisses zwischen dem Hause Cumberland und dem BundeS- staate Preußen zur selbstverständlichen Grundlage haben, danach den Prinzipien der Bündnisverträge und der ReichS- versaffung die Beziehungen unter den BundeSstaaten ordnet und sichert. Eine andere Lösung würde weder mit dem hohen Sinne beider fürstlicher Häuser, noch auch mit dem Ver- antwortungSgesühl deS BundeSrateS vereinbar sein. — Diese Erklärung ist, wie die „Kreuzzeitung" zutreffend auSsührt, hocherfreulich und einer Mißdeutung kaum fähig. Sie gibt deutlich genug zu verstehen, daß von Ansprüchen deS welfischen
gewachsen. Noch war ich nicht in die Gesellschaft eingeführt, da lernte ich dich, Ernst, kennen — kennen und lieben. Du weißt, wie schwer eS meinen Eltern wurde, unserem HerzenS- bunde den Segen zu erteilen —"
„Ich weiß," murmelte er bitter. „Ich, ein simpler Leutnant! Und du — eine Gräfin, eine General-tochter —« er wandte sich ab.
„Wehtun wollte ich dir nicht. Nur verstehen sollst du mich," flüsterte sie innig, indem sie ihre Hand unter sein Kinn legte und sein Gesicht wieder sanft zu sich herumbog. „Harmlos, wie ein spielendes Kind, ohne ei mir klarzumachen, daß ich dich, deS preußischen KönigS Offizier, einst mit deinem Vater- ande teilen müßte, bin ich dein Weib geworden und dir in die Fremde gefolgt. Ich wußte nur von der Liebe, wie der Frühling von nicht- anderem al- vom Keimen und Blühen weiß. In diesen letzten Wochen aber ist mir eine Ahnung von der ehernen Pflicht deS Lebens aufgegangen.« Sie holte tief Atem und sah ihn mit einem rührenden Blick an. „Ernst, ich verspreche eS dir, nie mehr werde ich mit einem Worte, mit einem Blicke dir deine Pflicht gegen deinen König erschweren, waS er auch von dir verlangen möge. Ich will stark sein und versuchen, dir deinen Dienst zu erleichtern, so schwer mein Herz oft auch darunter leiden mag. Aber," nun kam in ihr lieblich Gefichtchen ein strenger, herber Zug, „dagegen mußt du mir versprechen, von Schill zu lassen.«
„Nimmermehr!" Er schnellte empor.
(Fortsetzung folgt.)
— DreSden, 21. April. Der Bauernsohn Saalfrank in Heidengrün kündigte dieser Tage Bekannten an, er werde seinen Vater erschlagen. Der Vater hörte davon, fragte seinen Sohn nach der Bedeutung der Worte, und dieser wiederholte ihm, daß er ihn ermorden werde. Der Vater legte den Redrn keinerlei Bedeutung bei, aber der Sohn machte feine Worte wahr und schlug mit einer Haue auf den Vater so lange ein, biS dieser, bi- zur Unkenntlichkeit verstümmelt, tot niedersank. Dann teilte er den Leuten daS Geschehene mit und wurde verhaftet. Der Sohn ist offenbar geisteskrank, er war berettS früher in einer Heilanstalt.