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herzMer Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 48.
Donnerstag, den 34. April
1913.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 21. April 1913.
Mit Einzahlung der Beiträge zur landwirtschaftlichen Un. sallverficherung für daS Kalenderjahr 1912, ist noch eine große Anzahl von Gemeinden rc. im Rückstand«.
Die Herren Bürgermeister rc. dieser Gemeinden rc. ersuche ich deshalb, dafür zu sorgen, daß die Einzahlung der Beträge nunmehr biS spätesten- zum 28. d. MtS. bei der KreiSkommunalkasse hier erfolgt.
Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes:
I. 8. Nr. 398. I. B.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
HerSfeld, den 17. April 1913.
In der Zeit vom 18. bis ei nschl ießlich 28. April wird im Zuge der Bebra-Herifelder Straße innerhalb der Etat. Nr. 10,0 bis 11,6, daS ist daS zwischen Friedlos und Waldschenke, eine neue 1600 Meter lange Basaltkleinschlag» decke eingebaut und mit der Dampswalze befestigt, — ferner wird in der Zeit vom 29. April bis einschließlich 6. Mai im Zuge der Caffel-HerSselder Straße von Stat. Nr. 51,1 bis 52,1, daS ist zwischen den Orten Ober- und Üntergei-, eine 1000 Meter lange Basaltkleinjchlagdecke eingebaut und mit der Dampswalze befestigt werden.
Diese Wegestrecken werden sür die angegebenen Zeiten sür den Verkehr mit Lastfuhrwerken und Automobilen gesperrt. I. 4847. Der Landrat.
I. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
HerSfeld, den 17. April 1913.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises, welche gemäß meiner Verfügung vom 8. März dS. JS. 1.3160 KreiSblatt Nr. 32 er., die Hebelisten über die Beiträge zur LandwirtschaftSkammer noch nicht eingrsandt haben, werden an die Einsendung erinnert.
I. 3160. Der Landrat.
I. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
HerSseld, den 17. April 1913.
Der Herr Ober Präsident hat die Abhaltung einer HauS- kollekte sür die Jdiotenanstalt St. AntoniuSheim und für die Niederlassung der Barmherzigen Brüder zu Fulda bei den katholischen Einwohnern im RegierungS-Bezirk Cassel sür daS Jahr 1913 genehmigt.
Nach Mitteilung deS Bischöflichen General- BikariatS in Fulda wird die Abhaltung der Kollekte erfolgen:
1. sür die Jdiotenanstalt St. AntoniuSheim sür die Zeit vom 31. August biS 6. September und
Vorfrühling.
Erzählung von M. von Bitten.
(Fortsetzung.)
„Hier gibt «S nur eine Rettung," sagte Bärsch laut, indem er ganz nahe an Schill herantrat. „Herr Major, Sie müssen gerettet werden I Meine Hand hat die Briese geschrieben. Ich werde öffentlich erklären, daß ich Ihre Unterschrift gefälscht habe."
Schill prallte zurück.
„Bärsch!" rief er entsetzt. „Für wen halten Sie mich?" Und Elisabeth starrte den Mann, der ihr mit seiner bc- rechnenden, verstandeSmäßigen Kühle niemals ganz sympathisch gewesen war, mit großen, verwirrten Augen an.
„Herr Major," entgegnete Bärsch mit ruhiger Würde, „war will in diesem Fall ein einzelner Mensch besagen! Um daS Vaterland handelt eS sich. Ob ich — ein gänzlich Unbekannter — mich an der Organisation der AufstandeS beteiligt oder nicht, kompromittiert den König nicht. Und ob er mich begnadet, ob er mich verdammt, daS schadet unsrer großen Sache wenig. Zu unmeßbarer Bedeutung aber wächst die Angelegenheit sich au-, wenn sie wirklich jenen Aufruf, jene Briefe als die Ihrigen anerkennen. Allzuviel bedeutet Ihre Name sür Preußen, für unser ganze- Volk sowohl wie sür unseren König. DaS Volk glaubt an Sie wie an einen Gott. Und unser König hat Ihnen vertraut und Sie mit ©nahen überschüttet."
„Herr Premierleutnant! Ferdinand kann Ihr Opfer nicht annehmen." Elisabeth streckte Bäisch mit leuchtenden Augen die Hand entgegen. „Aber nimmer, nimmer soll Ihre Großherzigkeit in meinem Herzen vergessen sein!"
„Ja, Bärsch! Au- ganzer Seele sei dir Dank! Aber dieser AuSweg ist unmöglich. Lieber, bei Gott im Himmel," er blickte umher, Reffet hat mit seiner jungen Frau die Stube verlosten —, „lieber folge ich TempSky» Ruf und breche mit meinem Regiment loS, um mich mit Dörnberg zu vereinigen."
„SchUl, da, ist ein Wort", rief Lützow ausatmend. „So
2. sür die Niederlassung der Barmherzigen Brüder für die Zeit vom 2. biS 8. November dS. JS.
Die OrtSpolizeibehörden weise ich an, dafür zu sorgen, daß den mit Einsammeln betrauten Personen keine Hindernisse bereitet werden.
I. 4900. Der Landrat.
I. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Reserendar.
HerSfeld, den 17. April 1913.
Die Schafräude in Ho^zheim ist erloschen. Die ange- ordneten Sperrmaßregeln sind wieder ausgehoben worden. I. 4795. Der Landrat.
I. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
nichtamtlicher teil.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, den 22. April 1913.
Eine ungewöhnliche Fülle belebte heute zu Beginn der Sitzung daS Preußische Abgeordnetenhaus. Die Volksboten hatten sich zur namentlichen Abstimmung über die Elektri- fizierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen sehr zahlreich eingesunden, und aus den Tribünen war zahlreiches Publikum versammelt, daS dem Namensaufruf mit gespannter Ausmerksamkeit folgte, und sich nach Verkündigung deS Rcsul- tatS — ebenso wie die Abgeordneten — größtenteils wieder verflüchtigte. DaS Ergebnis der Abstimmung war: 192 Stimmen für und 143 gegen den Kommission-antrag. Die Regierung erhält also nur 25 Millionen Mark statt 50 Millionen bewilligt und darf einen Teil der Vorortbahnen noch nicht elektrificieren. Ein Antrag Gerhard»-, den Zweckverband Groß-Berlin zur Deckung der Kosten mit heranzuziehen, wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt, jedoch eine Resolution angenommen, in der da- HauS die Erwartung auSspricht, die geplante Tariserhöhung werde eine angemessene Verzinsung deS früheren Anlagekapitals und der jetzt neu investierten Summen bringen.
Daraus wurde in 2. Lesung die Neuforderung der Regierung von 230 Millionen zur Stärkung deS Deutschtums in Westpreußen und Posen bewilligt. Die Debatte hierüber war zwar in Einzelheiten etwa- bewegt, brächte aber nichts neues: die bekannten Gründe sür und wieder die Polenpolitik wurden vorgetragen. Herr Winkler war sür unentwegte- Fest- Halten, Dr. Zimmer (Ztr.) für eine Aenderung deS KurseS, worin ihn die bisherigen Mißerfolge bestückt haben. Glatzel (natl.) stimmte wieder zu. noch entschiedener v. Karborff, der sich lebhaft gegen den Ton der polnischen Presse und den KleruS wandte. Kindler (f. Vp.) erklärte sich gegen den AuS- Nahmecharakter der Maßnahmen und besürwortete einen fort
liebe ich dich, so wirst du Deutschland- Retter werden."
„ES gibt für mich jetzt keine Wahl; zu weit bin ich gegangen, zu tief habe ich mich verstrickt. Oesterreich schreitet von Sieg zu Sieg. Preußen dars nicht zurückbleiben. Ueber- all in deutschen Landen harren die deutschen Brüder nur deS Zeichen, zum heiligen Kampfe, — unser König zögert — — unser König, der doch in tiefster Brust deS gleichen Sinne- mit uns ist. Fortreißen müssen wir ihn, den Garnen dieser schmählichen Friedensschleicher entreißen. „Sinken erst die Flammen heiligsten Freiheitsdranges in unserm Volke wieder in sich zusammen, dann ist alle- und vielleicht für immer verloren. Schreite ich zur Tat, so wird ganz Preußen sich um unsere Fahnen scharen, und der König, unser König, wird unS nicht verdammen. Er wird unS danken. O Gott' segne mich! — Segne mich, Elisabeth!" In höchster Eckstase beugte Schill daS Knie vor seiner «raut, und sie bog sich zu ihm hinab, segnend die feine Hand auf sein nachtschwarzeS Haar legend.
„Gottes reiche Gnade für dich, Ferdinand," flüsterte sie bebend. „Rette dein Vaterland!" Mit zitternden Lippen drückte sie einen Kuß auf seine Stirn.
„Elisabeth, du siehst mich entweder al- Preußens Besreier oder — niemals wieder!" rief er, die Hand wie zum Schwur erhebend, und sprang auf.
„Ich gehe mit dir", brach eS fast jubelnd auS LützowS Munde. „Der erste Offizier will ich fein, der in die Reihen deines Regiment- tritt!"
„Auch meine Dienste verschmähen Sie nicht, Major!" bat der Reserendar mit edlem Anstande. „Nach Westsalen ist mir der Rückweg versperrt —, Sie wissen, nur gezwungen trat ich in diese- KönigS „Lustik" Dienste."
„Seid mir willkommen, tausendmal willkommen, Freunde!" jubelte Schill, beiden Männern die Hände reichend. „Und Bärsch, darf ich hoffen, daß Sie den Fahnen deS Regiments treu bleiben?"
„Herr Major, mich dünkt, Sie wagen einen schicksalsschwereren Schritt alS Eäsar, da er den Rubikon überschritt", entgegnete Bärsch wägend, zögernd.
fd)ältlichen Antrag, die geforderten Summen zur inneren Kolonisation innerhalb deS ganzen Lande- zu verwenden. Jetzt sprang der Landwirtschaft-minister v. Schorlemer-Lieser noch einmal für die Vorlage ein und nach einer lebhaften Protestrede deS Polen v. TrampczinSky auch noch der Finanz- minister Dr. Lentze. Schließlich polemisierte der Abg. Borchardt im allgemeinen und besonderen gegen die preußische Polenpolitik. Dann ermöglichte ein Schlußantrag die Erledigung: Fortschrittler, Sozialdemokraten und Zentrum stimmten gegen die Vorlage, die Meh.heit aber war bei den Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen.
Morgen will man die dritte Lesung vornehmen und über innere Kolonisation beraten.
Reichstag.
Berlin, den 22. April 1913.
Nach einer langen Zwischenpause gab eS heute wieder einmal einen Dienstag, der seine Einleitung in Form einer kleinen Anfrage fand. Der Fortschrittler Heckscher fragte an, ob der ReichSregierung Nachrichten über die Ermordung deS deutschen Reich-angehörigen HanS Arp in Santa Gruz zu» gegangen feien, und ob die ReichSregierung bereits Schritte unternommen habe, um die Bestrafung der Schuldigen und eine entsprechende Sühne herbeizusühren. Im Auftrag der Regierung erteilte OberlegationSrat Lenz die Antwort, daß die Gesandtschaft ohne Verzug daS Ersorverliche zur Feststellung und Ergreifung deS Schuldigen bei der mexikanischen Regierung angelegt und sich Entschädigungsansprüche Vorbehalten habe. Nach einem Telegramm auS den letzten Tagen ist der Name deS flüchtigen Täter- bereit- ermittelt. Hieraus suhr man in der Einzelberatung deS Etat- des Heeresverwaltung fort und zwar beim Kapitel „Artillerie und Woffenwesen." Der Fortschrittleriührcr Dr. Müller-Meiningen hirisierte scharf einen Erlaß der Militärverwaltung, in dem die Bewilligung eines Zuschusses an eine Handwerkervereinigung von dem politischen Wohlverhalten der betreffenden Korporation abhängig gemacht wird. Die Gewährung eine- solchen politischen Schmiergeldes sei die denkbar stärkste Provokation deS deutschen Parlament-, die geeignet sei, da- Vertrauen zur politischen Objektivität der Militärverwaltung im höchsten Maße zu erschüttern. Dieser heftige Angriff ließ Generalleutnant Wandel sofort nach dem Redner da- Wort ergreifen, der zwar zugeben mußte, daß diese Beiträge bewilligt worden seien. Von einem Mißbrauch von StaatSgeldern aber könne absolut keine Rede sein. Die Erklärung deS Regierung-vertreter- rief auf der Rechten lebhaften Beifall, auf der linken Seite deS HauscS aber starke Unruhe hervor. Auch der Abg. Jckler von den Nationalliberalen erklärte sich mit den AuSsührungen deS Fortschrittler- identisch und meinte auch, eS fei nicht Sache der Militärverwaltung, für Wohlverhalten von BerusSvereinen Unterstützungen zu gewähren. Der konservative Abg. Gräse trat der Regierung bei, indem er die Wünsche deS Bunde-
„Wie? Sie sühnten zaudern?" entsuhr eS Elisabeth, „Sie den wir eben so groß gesehen?"
„Ich verlasse den Herrn Major nicht", sagte Bärsch gepreßt. „Er ist der Kommandant, ich der Adjutant. Ich habe zu gehorchen. Den AuSgang kann keiner von unS vor- auSsehen. Er steht bei einem Höheren, — er steht bei Gott."
„Ja er steht bei Gott", kam eS seicrlich von Elisabeth- Lippen. „Und Gott wird un- gnädig sein."
VII.
AlS Kessel an Viktoria- Erbleichen bemerkt, daß ihr Ohr viel mehr von dem Gespräch in Schill- Zimmer aufgefangen, al- ihrem zarten Gemüte gut war, hatte er sie unter einem schicklichen Vorwande bestimmt, sich von ihm nach Hause zurücksühren zu lassen. Stumm war sie an seiner Seite dahin» gegangen, nicht einmal einen Blick hatte sie ihm gegönnt. Ihm aber war eS gewesen, alS brenne der Boden unter seinen Füßen. Gott weiß, waS hätte er darum gegeben, wenn er ein erlösende- Wort hätte finden können, — aber er bracht« keinen Laut über die spröden Lippen. Dann hatte er sie vor der Hau-türe verlassen und war,' ohne sich noch einmal nach ihr umzusehen, spornstreichs, wie auf der Flucht, davongeeilt. Kurierpferde hatte er bestellt und alles Nötige geordnet. Hierauf war er zum Major von Schill zurückgekehrt, und dort erfuhr er, waS inzwischen vorgefallen, und daß seine Reise zu Blücher überflüssig geworden sei.
Nun, spät am Abend, betrat er wieder sein Heim, mit brennendem Kopf, und wildschlagendem Herzen. Ein namenlose-, nie gekannte- Glück durchwogte seine Brust und zu. gleich ein unbändiger Schmerz. Viktoria — würde Viktoria ihn verstehen? O Gott, daß sie ein Weib wäre, so freudig und groß wie diese Elisabeth!
Und der Schmerz machte seinen Gang zaghaft und sein Austreten zögernd und leise. Er öffnete die Türe. Da saß Viktoria ohne Lampe vor ihrem Nähtisch am Fenster, vom Mondlicht beschienen, daS hell durch die Scheiben fiel, und starrte hinaus in die Nacht.
Ihre zarte, lichtumriffene Gestalt hatt« in ihrem reglosen