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»Daily Expreß" behauptet außerdem, daß eS noch immer möglich sei, daß auch der Kaiser von Rußland zu der Hochzeit nach Berlin reisen werde.

Zu einer sehr vernünftigen Maßnahme hat die fran- z ö s i s ch e R e g i e r u n g sich angesichts der letzten Erfahrungen entschlossen: Sie ist gegen gewisse überpatriotische L i e d e r u n d S t ü ck e eingeschritten, die lediglich dazu be­stimmt sind, mit mehr al- billigen Mitteln die nationalen Leidenschaften der Waffen auszustacheln. Wie daS Theaterblatt Comödia meldet, haben die Behörden beschlossen, daS in Nancyer Tingeltangeln gesungene Spottlied aus den Zeppelin in sämtlichen Tingeltangeln an der Ostgrenze zu verbieten, ferner sei auf Anordnung de- Ministerium- des Innern die Aufführung deS Schauspiel-Coeur de Francaise in ßundviUe, Verdun und Nancy untersagt worden, da während der gestrigen Aufführung dieses Stücks im Nancyer Theater das Publikum beim Erscheinen der deutsche Uniform tragenden Schauspieler lärmend demonstrierte. Zu ähnlichen Kund­gebungen war eS kürzlich auch im Theater zu Grenoble ge­kommen. ES verdient rückhaltlose Anerkennung, daß die französische Regierung den Anlaß zu solchen unerquicklichen Szenen nunmehr durch einen Machtspruch beseitigt hat.

Der französische Flieger Daucourt führte am Mittwoch einen PreiSflug von Pari- nach I o h a n n i S t h a l bei Berlin aus. Er landete am genannten Tage nachmittag- 6 Uhr 45 Min. aus dem Flugplätze JohanniSthal, von dem anwesenden zahlreichen Publikum leb­haft begrüßt. Daucourt hat zu seinem Fluge im ganzen 13 Stunden 15 Min., die wiederholten UnterwegSlandungen mitgerechnet, gebraucht.

Auch die neueren offiziösen Nachrichten auS dem Vatikan über den abermaligen Krankheit-rückfall d e S Papstes lauten verhältnismäßig günstig. In privaten Berichten aus Rom wird dagegen das Befinden deS Papste- als höchst kritisch, ja, geradezu als hoffnungslos bezeichnet.

flut Provinz n. fiachbargebkt.

* Die Herrschaft deS Frühlings dürfte nunmehr gesichert sein. DaS Berliner Wetterbureau gewährt nach feinen wissenschaftlichen Beobachtungen diese Zuversicht. Den Kälterückfall hatten die barometerischen Minima in Ver­bindung mit einem vom Atlantischen Ozean herübergekommenen Maximum gebracht. Diese Konstellation erscheint für den größeren Teil Deutschland- jetzt endgültig beseitigt; denn von J-land ist seit gestern morgen ein sehr tiefe- Minimum süd­östlich vorgedrungen und hat bereit- in West-, Süd- und Mitteldeutschland eine mildere, südliche Strömung der Winde herbeigeführt, unter deren Einfluß sich gestern da- Thermometer an der Nordseeküste und im Rheinland um zehn Grad Celsius und darüber erhob. Zwar haben sich noch hier und da die Nachtfröste wiederholt, und nordöstlich der Oder herrschen noch ziemlich frische nördliche Winde, doch deutet der rasche Barometersall daraus hin, daß die atlantische Depression mit ihren wärmeren südlichen und feuchteren Winden überall die Oberhand gewinnen und damit der Lenz sein Regiment be­gründen wird.

* Rabattverbot durch Innungen unbe­rechtigt (Verstoß gegen § 100 q der ReichSgewerbc-Ordnung). Die BreSlauer Fleischer- und Wurstmacher-Innung hatte kürzlich beschlossen, ihren Mitgliedern bei Meidung einer Ordnungsstrafe von 20 Mark zu verbieten, ihren Kunden Rabatt zu geben, sowohl durch Rabattmarken alS auch in jeder anderen Form. Fünf Fleischermeister, die sich diesem Beschluß nicht fügten, hatten gegen ihre Bestrafung Beschwerde an den Magistrat eingelegt, der die Ordnungsstrafe aushob. Die Behörde erachtete den Beschluß gemäß § 100 q der Gewerbe-Ordnung für ungültig. Die Rabattgewähiung könne nur dann einen Verstoß gegen Gemeingeist und StandeS- ehre darstellen, wenn der gebotene Rabatt unverhältnir- mäßig hoch sei. In dieser Richtung sei aber gegen die Beschwerdeführer nicht- vorgebracht. Wenn in anderen Ent­scheidungen die Behörden das Verbot der Veröffentlichung von Schleuderpreisen aufrecht erhalten hätten, so sei die- zu billigen, aber daS Gebot der Gewährung eines gesunden Rabatt- enthalte direkt eine Beschränkung der Preisfestsetzung und sei unzulässig. Aehnlich hat jetzt auch Die Regierung in Düsseldorf gegen die BäckerzwangSinnung in Duisburg- Weiderich entschieden. Diese Entscheidungen haben besonder- Interesse für diejenigen Innung-mitglieder, welche Mitglieder von gemeinützigen Rabattsparvereinen sind.

):( Hersfeld, 18. April. Auch die gestern abend statt- gefundene zweite Aufführung deS FestspielSTheodor Körner" im Turnverein fand bei den zahlreichen Zuhörern eine begeisterte Ausnahme. Alle- stimmte darüber überein, daß man wohl noch nie ein so gut einstudierte- Stück von so packender Wirkung gesehen hat. Einem vielseitigen Wunsche

entsprechend, hat der Turnverein beschlosien, am kommenden Sonntag abend noch eine dritte Aussüh rung deS FestspielS folgen zu lassen. Diese Vorstellung beginnt abend- Punkt 8 Uhr und dürste sich für AuSwärtige sehr zum Besuche eignen, da nach Schluß der Vorstellung noch Züge nach jeder Richtung gehen. Infolge Einführung der Sonn­tag-karten auf der Her-selder Kreisbahn ist eS gerade den Bewohnern dieser Gegend ein leichte-, sich den Genuß deS prächtigen FestspielS zu verschaffen. Die Musik in den Zwischenpausen sowie bei dem dann folgenden Tänzchen wird von der Kapelle deS Infanterie-Regiment- Nr. 167 au- Gaffel gestellt.

§ Hersfeld, 18. April. (ZirkuS Blumenseld in Sicht.) Man schreibt unS: Welch' eine Erwartung, wenn eS heißt, dieser alte bekannte ZirkuS kommt, denn eS weiß doch jeder, daß dann mal wieder etwa- Außergewöhnliches geboten wird. So auch in diesem Jahr ist wieder eine Fülle ganz auserlesener Spezialitäten gewonnen worden, welche jeder- wann in große- Staunen setzen werden. Der herrliche Mar- stall ist zur Genüge bekannt und sind wieder einige wunderbare Tiere angetauft worden, ferner in dieser Saison ohne Konkurrenz, kein ZeltzirkuS hat diese Sensation, Die herrlichen Wasser- schauspiele, genannt:Die Indische Wunderinsel". Dies ist eine Spezialität deS ZirkuS Blumenseld. Ein große- Ballet- korpS mit Soloeinlage der Prima Ballerina leitet die Szene ein, dann folgt der Hauptschlager: Hunderte Wasserstrahlen spritzen pyramidenartig bi- zu 10 Meter Höhe empor mit allerlei Lichteffekten; herum um da- Wasser stehen eine Anzahl Wassernixen, welche Neptun, dem Wasiergolt, ihre Huldigung barbringen. Diese- Bild zieht an unseren Augen vorüber gerade als ein traumumwobenes Paradies oder als ein Märchen auS 1001 Nacht. Hieraus ersieht man, daß die Leitung deS ZirkuS Blumenseld bemüht ist, stet- etwa- Neues zu schaffen und zu bringen, und somit kann daS Publikum mit der Hoffnung, wirklich etwas Hervorragendes zu sehen, den ZrkuS besuchen und wird eS nachher nur eine Parole sein: Wer wirklich etwa- Großartige- sehen will, besuche den ZirkuS Blumenseld." (Der Billet-Vorverkauf im Zig.-HauS Bächstädt zu ermäßigten Preisen ist eröffnet.)

):( Schenklengsfeld, 18. April. Herrn Hauptlehrer und Kantor D i e b e n e r dahier ist Allerhöchst der Adler der Inhaber deS HauSordenS von Hohenzollern verliehen worden. Die Auszeichnung wurde dem Genannten am vorigen Sonn­abend durch Herrn Landrat von GruneliuS überbracht.

-8- Mengshaufen, 16. April. Nachdem auch unsere Gemeinde den Bau einer Wasserleitung beschlossen hatte, wurden gestern die dazu eingegangenen Angebote geöffnet. Folgende Firmen gaben die nachstehenden Offerten ab: Heinrich Gesing HerSseld für LoS 1 4931,52 Mk., für LoS 2 15538,95 Mk., W. K. Rosenberg, HerSfeld 4634,76 und 16603,45 Mk., Schäfer und feuert Contra 4589,27 und 16719,50 Mk., Phil-ppi Gaffel 5163,72 und 16633 25 Mk., Bolender und Schüßler HerSfeld 5299,56 und 17252,50 Mk., Gochenbach Arnstadt 5780,22 und 19139,10 Mk., ferner noch Heinrich Schulz, HerSfeld für LoS 1 4842.60 Mk. und Hrch. Groffenbach, MengShaujen für LoS 1 5425.00 Mk. Den Zuschlag erhielt die Firma W. K. Rosenberg, HerSfeld. Mit den Arbeiten wird sofort begonnen werden.

Ronshausen, 17. April. DaS etwa 5jährige Kind der Witwe Paul dahier machte sich in Abwesenheit der Mutter, die auf Arbeit gegangen war, am Herde zu schaffen. Plötzlich fingen die Kleider Feuer und daS arme Kind stand über und über in Flammen. ES stürzte schreiend auf die Straße, wo die cntsctzten NachbarSleute ihm die brennenden Kleider vom Leibe rissen. Doch hatte daS bedauernswerte Wksen so schreck­liche Brandwunden davongetragen, daß eS unter den Händen M schnell herbeigerufenen ArzteS starb. DaS Mitleid mit der unglücklichen Mutter ist hier um so größer, als dieselbe im vorigen Jahre erst ihren Mann durch den Tod Ver­loren hat.

Caffel, 17. April. Der Kreistierarzt Ohlmann in Witzenhausen überfuhr heute nachmittag mit seinem Automobil die 89jährige Witwe Poehl, die, da sie seit mehreren Jahren schwerhörig ist, daS Hupensignal nicht gehört hat und recht- in daS Automobil hineingelaufen war. Die Frau wurde schwer verletzt.

Caffel, 17. April. Der Flieger Karl Abelmann, Inhaber der Casieler Fliegerschule, Waldau-Casiel, flog am 16. d. M von 5.45 bis 7.47 abend- gleich 2 Stunden 2 Minuten und erlangte dadurch die Stundenprämie der Nationalflug- spende mit 2000 Mk.

Hünfeld, 17. April. Zu Ehren deS Regierung-- Jubiläum- S. M. deS Kaiser- hat der Kreistag deS Kreise- Hünfeld beschlossen, einen Fond- von 10 000 Mark alS Kaiser Wilhelm-Jubiläum-sondS zur besonderen Unterstützung von KriegS-Veteranen und Lungenkranken im Kreise Hünfeld zu stiften.

Fulba, 16. April. Ein schwerer Unglück-fall ereignete sich gestern in der Nähe der Station Wächter-bach. Dort geriet der Streckenarbeiter Johann Hohmann auS Aufenau unter einen Rollwagen. Er erlitt einen rechten Beinbruch und der linke Unterschenkel wurde ihm fast vollständig abgequetscht. Er wurde sofort in daS Landkrankenhaus zu Hanau über- gesübit.

Neuhof b. Fulda, 16. April. Am hiesigen Bahnhos war vor einigen Tagen der 24jährige Bahnarbriter Blum au* Dorfborn mit dem Anstecken der Gasolinlampen beschäftigt. Hierbei explodierte eine Lampe und verbrannte den Blum so schwer, daß er feinen Verletzungen erlegen ist.

Letzte Nachrichten.

PariS, 18. April. AlS der MilitärballonZodioque" über Fontanay schwebte, versuchten Zuaven, daS Leitseil zu ergreifen, waS ihnen aber nicht gelang. Da- in der Gondel vorgefundene Bordbuch erwähnt, daß die Luftschiffer in 800 Meter Höhe über Pari- Hinwegsuhren. Dann fiel der Ballon, um sich von neuem über die Wolken zu erheben. An dieser Stelle bricht der Bericht ab. Der Kriegsminister begab sich an die Unfallstelle und besuchte den nach dem MilitärhoSpital gebrachten Leutnant, der am Abend seinen schweren Ver­letzungen erlegen ist, sodaß daS Unglück allen 5 Insassen ba* Leben gekostet hat.

London, 17. April. Wie daS Reutersche Bureau erfährt, hätten die Mächte im Prinzip beschlosien, Montenegro eine durch die 6 Mächte garantierte Anleihe von 30 Milli­onen Franks anzubieten, deren Modalitäten noch nicht fest­gesetzt seien.

Wien, 18. April. Die Neue Freie Presse meldet au* Belgrad: In den Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien ist eine ernste Krise eingetreten, die stetig zunimmt. DaS von der serbischen Regierung auSgegebene LosungswortRevision drS Bündnisvertrages" hat die günstigste Ausnahme gefunden. In serbischen Kreisen wird erklärt, daß ein Ronflitt mit Bul­garien unausweichlich würde, wenn eS der Revision nicht zustrmmen sollte.

Konstantinopel, 18. April. Offiziell wird mit­geteilt, daß infolge eine- mündlichen Abkommens die Ein­stellung der Feindseligkeiten zwischen der türkischen und der bulgarischen Armee unter folgenden Bedingungen geschloffen worden ist: Bei Tschataldjcha und bei Bulair werden Die Feindseligkeiten bi* zum 23. April eingestellt. Wenn die Frieden-verhandlungen in diesem Zeitraume nicht zum Ziele führen, kann die Frist durch Vereinbarung verlängert werden.

Im Falle der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten müssen beide Teile dies 48 Stunden vorher mitteilen. Während der Dauer der Einstellung der Feindseligkeiten wird sich die ottomanische Flotte der Verproviantierung deS bulgarischen HeereS zwischen dem Golf von Saro- und der Küste deS Schwarzen MeereS nicht widersetzen.

Wetteraussichten für Sonnabend den 19. April.

Wechselnd bewölkt, einzelne Regenschauer, Temperatur wenig geändert, westliche Winde.

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