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Rußland unumwunden auf die Seite der übrigen Großmächte, tritt für eine Einverleibung SkutariS in Albanien ein und läßt seinem bisherigen Schützling, dem eroberungSlustigen König Nikita eine scharfe Zurechtweisung und Nbschüttelung zuteil werden. Ebenso wichtig und bemerkenswert aber sind die Ausführungen des Schriftstückes, die sich aus die grund­sätzliche Stellung der russischen Regierung zum PanslawiSmuS beziehen. ES heißt hier unter anderem:Die Verschiedenheit der Rassen braucht durchaus nicht zu einem Gegensatz unter den Rassen zu sühren, und schwerlich wird die Sache deS Frieden? dadurch gewinnen, daß eine Rasse der anderen gegenübergestellt wird. DaS ist genau dasselbe, was unser Reichskanzler bezüglich deS Verhältnisse- von Germanentum und Slawentum jüngst im Reichstage auSgeführt hat. So­wohl im Interesse deS WeltsriedenS, als der gesunden inneren Entwicklung unseres gewaltigen NachbarreicheS im Osten ist diese weittragende Kundgebung der russischen Regierung lebhaft zu begrüßen, und eS steht zu erhoffen, daß sie der internatio­nalen Spannung ein Ende bereiten und die Bahn zum Frieden aus dem Balkan sreimachen wird.

In N a n c y, also aus französischem Boden, sind mehrere Deutsche, Damen sowohl wie Herren, Gegenstand von Be- schimpfungen und Mißhandlungen seitens einer zahlreichen französischen Volksmenge geworden, ohne daß sie selbst irgend welche Schuld an den beklagenswerten Vorkommnisien trügen. Von unserer Regierung ist mit Sicherheit zu erwarten, daß sie die Forderung einer ausgleichenden Sühneleistung mit Nachdruck betreiben und durchzufttzen wissen wird. Dieser brutale AuSbruch törichten Deutschenhasses jenseits der Vogesen aber ist der beste Beweis sür die Richtigkeit deS Hinweises unseres Reichskanzlers aus daS starke Anwachsen deS franzö­sischen ChauviniSmuS und damit zugleich -bie glänzende Recht­fertigung für die Verstärkung und Vervollständigung unserer Rüstung.

In Belgien ist, während wir diese Zeilen schreiben, ein Generalstreik im Gange. Dieser Streik stellt sich alS eine rein politische Machtprobe der Sozialdemokratie zur Erringung eines radikalen Wahlrechts dar. Sollte eS gelingen, so würde damit der Größenwahn und die Angriffslust der roten Internationale inS Ungeheure wachsen und die revo­lutionäre Gesahr sür ganz Europa ganz außerordentlich steigern. Die Sache der belgischen Regierung ist daher die Sache jeder geordneten Staatsgewalt, und man muß von Herzen wünschen, daß die sozialdemokratischen Ausrührer denn hinter jedem Generalstreik steckt die Revolution ausS gründlichste unter­liegen möchten.

Reichstag.

DT. Berlin, 17. April 1913.

Die heutige Sitzung deS Reichstages mußte zu Beginn infolge der gestrigen Beschlußunfähigkeit deS Hauses die Ab­stimmung über den ProportionalwahlrechtSantrog der Sozial- demokratie vornehmen. DaS HauS war sehr gut besucht und die Bänke aller Parteien gleichmäßig stark besetzt. Die Ab­stimmung über den sozialdemokratischen Antrag machte Hammelsprung erforderlich, der die Ablehnung deS AntrageS mit 141 zu 139 Stimmen ergab. Dann nahm man mit großer Mehrheit die Anträge der Fortschrittlichen Volkspartei auf Errichtung von AngestelltenauSschüssen und auf Ein- sührung deS Wiederaufnahmeverfahrens im BeamtendiSziplinar» recht gegen die Stimmen der Konservativen und der ReichS- Partei an. Hierauf kam man zu dem immer alle Gemüter erregenden Thema: Wahlprüfungen! Heute hatte man über Beschlüsse der Wahlprüfungskommission deS Reichstages zu entscheiden, die beantragt hatte, die Wahl der Abgeordneten Vietmeyer (W. Vgg.) Waldeck-Pyrmont und deS Konser­vativen von Kröcher-Ealzwedel-Gardelegen für ungültig zu erklären. Nach einer langen Debatte entschied man sich für die Anträge der Kommission und damit werden nunmehr in Bälde in den Wahlkreisen der beiden Abgeordneten Neuwahlen vorzunehmen sein. Damit verließ man dieS heikle Kapitel, um zu dem Etat deS ReichSheereS Überzugehen. Von der Sozialdemokratie sprach zuerst der Abgeordnete Schöpflin, der sich über die Zurücksetzung der Juden im Heer beschwerte und sonst noch eine ganze Reihe von Wünschen und Beschwerden auS dem Gebiete deS Heerwesen- vorbrachte. Insbesondere wandte er sich gegen die Eoldatenmißhandlungen. DaS gleiche tat nach ihm der Fortschrittler Dr. Ablaß, der von der Militärverwaltung unter anderem eine Statistik über die zur Kenntnis gekommenen Fälle forderte, um schließlich der Militär­verwaltung daS Recht der Kritik gegenüber den bürgerlichen Berufen der Reserveoffiziere überhaupt abzusprechen. Kriegs­minister von Heeringen wandte sich gegen diese Ausführungen,

auf sie zukam, auf leicht schwankenden Füßen, mit blassem Gesicht, in dem eS oft seltsam zuckte, der war ihr vielbe- wunderter Dichter? Aber eS war ja kleinlich von ihr, sich durch etwas so AeußerlicheS erschrecken zu lassen. Daß er litt und trotz deS Leidens so Wundervolle- zu schaffen vermochte, war ja doppelt groß und herrlich. Und heiß errötend, sprach sie ihm ihre Anerkennung, ihren Dank auS.

Ihre MondnachtSlieder auf den Lippen, begebe ich mich zur Ruhe, mit Ihren hellstrahlenden Morgengedichten begrüße ich den jungen Tag," sagte sie warm.Wie glücklich müssen Sie fein, so tief zu empfinden und Ihre Empfindungen in so vollendete Form zu gießen I"

»Nie war ich glücklicher, alS in diesem Augenblick," er­widerte er mit einer Stimme, die nicht melodisch war, wie sie in ihren wachen Träumen erklungen, und die doch ihr Herz schneller schlagen ließ,DaS Lob meiner Poesien von so schönen Lippen ist köstlicher, alS sie."

Aber sie wollte keine Schmeichelei, in die geheime Werkstatt deS DrchterS wünschte sie zu blicken, zu erfahren, ob eine Idee wie ein Blitz in feine Seele fiel und Flammen daraus ent­stünden, oder ob sie wie ein Keim im Erdreiche langsam wachse und reife.

(Schluß folgt.)

SLMes k" /"Hut *1

DT. PariS, 17. April. Ein mit 4 Offizieren und einem Unteroffizier bemannter sranzösischer Freiballon ist bei VillierS-sur-Marne explodiert. Zwei Offiziere und der Unter­offizier find tot, ein dritter Offizier liegt im Sterben; der vierte Offizier ist schwer verwundet. Der Ballon ist vernichtet.

DT. PariS, 17. April. Der in VillerS-surMarne ver­unglückte Militärballon ist kein Lenkballon, sondern ein heute mittag im Aeropark von St. Cloud aufgestiegener Freiballon. Die Führung hatte Hauptmann Aumont-Thieville. Außerdem befanden sich in der Gondel Hauptmann Denoux, Hauptmann Clavenar, Leutnant de Baffelot und der Sergeant Richy.

indem er die jeweiligen Bestimmungen deS Militärreglements zur Verlesung brächte. Er gab dem Hause kund und zu wissen, daß die Soldatenmißhandlungen im Abnehmen be­griffen seien, waS auch der bayrische und sächsische BundeSratS- bevollmächtigte bestätigten. Licentiat Mumm von der wirt- schastlichen Vereinigung wandte sich noch gegen die Verhöh­nung deS christlichen Glaubens und der deutschen Treue in sozialdemokratischen Spottliedern, worauf sich daS HauS auf morgen zur Writerberatung vertagte.

Abgeordnetenhaus.

Berlin, den 17. April 1913.

Nach dem großen Aufräumen der letzten Tage ging eS heute etwas langsamer her im Preußischen Abgeordnetenhause. Nm drei Etats, die Etats der geistlichen und Unterrichts- angelegenheiten, der Eisenbahnverwaltung und der Bauver­waltung konnten in dritter Lesung ganz erledigt werden, während die Beratung deS Etats deS Ministeriums deS Innern mitten in der Debatte abgebrochen wurde. AuS der Be­sprechung deS ersten Etat-, deS KultuSetatS, verdient besonder- hervorgehoben zu werden: der Streit um die katholischen Ober­lehrer. In der zweiten Lesung hatte Dr. Heß (Zentr.) vor­gerechnet, eS gäbe im Verhältnis zur Zahl der katholischen Schüler zu wenig katholische Oberlehrer. Der Kultusminister hat daraufhin auSgeführt, die Voraussetzung dieser Berechnung sei falsch, da nicht die Schülerzahl, sondern die Zahl der Anstalten in Betracht gezogen werden müsse. Aus diese Debatte griff Dr. Maurer (natl.) zurück, alS er für die vielen über- zähligen Lehramtskandidaten daS Zentrum und die ihm nahe­stehenden Parteien verantwortlich machte, da von jener Seite besonders auf die Ergreifung dieses Berufe- gedrängt werde. Dr. Heß hielt freilich demgegenüber ausdrücklich seine Meinung ausrecht, daß die katholischen Anwärter zurückgesetzt würden. Beim Eisenbahnetat und beim Bauetat gab eS die üblichen Einzelwünsche; dann wurden auch sie bewilligt. Für den Etat deS Ministeriums deS Innern lagen ungefähr 20 Wort­meldungen vor. Für heute blieb eS in der Hauptsache bei einer Rede deS Abg. v. Wenden (kons.), der sich besonder- mit Angriffen der Sozialdemokratie auf den ReichSverband zur Bekänpsung der Sozialdemokratie beschäftigte. Dann vertagte sich daS HauS, trotz deS Widerspruchs der Sozialdemokraten. Schon vorher hatte Hoffmann (sozd.) die Ansehung einer Abendsitzung vorgeschlagen. Mit eben so wenig Ersolg versuchten die Sozialdemokraten den Beginn der morgigen Sitzung auf eine Stunde früher scstzusetzen, da sich vormittag- die Fraktionen mit den neuen Wasservorlagen beschäftigen wollen, beginnt die Sitzung erst um 12 Uhr.

Der Balkankrieg.

Griechenland für den Frieden.

Athen, 17. April. Wie Ne halbamtliche Agence d'AthöneS auS guter Quelle erfährt, ist die griechische Regie­rung der Meinung, die Verbündeten sollten, wenn auch ihre Bedingungen nicht erfüllt worden seien, keine Einwendungen gegen die Mediation der Mächte machen. Die griechische Regierung sei geneigt, die Mediation anzunehmen, und behalte sich vor, die Einzelheiten über den Frieden zu erörtern.

Sofia, 17. April. Griechenland hat hier bereit- seine Zustimmung zu den letzten Vorschlägen der Mächte wissen lassen. Man kennt noch nicht den Standpunkt SerbienS, da die telephonische Verbindung unterbrochen ist.

Die Waffenruhe an der Tschalaldscha-Linie.

Sofia, 17. April. Die halbamtliche Agence Bulgare meldet: Zu den Nachrichten über den Abschluß einer Waffen­stillstandes zwischen Bulgarien und der Türkei sind wir ermächtigt, zu erklären, daß eS sich hierbei nicht um einen schriftlich abgeschlossenen Waffenstillstand handelt, sondern um eine für einige Tage mündlich vereinbarte Waffenruhe, die beiden Teilen ermöglichen soll, ihre Toten zu beerdigen.

Der Streit um den Besitz Salonikis.

Wien, 17. April. Die Südslawische Korrespondenz meldet auS Sofia: Der bereit- wieder eröffnete Eisenbahn- berühr aus der Strecke Saloniki-Dedcagatsch wurde wieder eingestellt. Die Sistierung deS BahnverkehrS ist auf Differenzen zwischen den bulgarischen und griechischen Militärbehörden zurückzuführen, da die Griechen unter Berufung auf die Sicherheit SalonikiS die Ueberwachung für sich verlangen, waS von den Bulgaren abgelehnt wird. Die Sofioter Blätter enthalten Berichte über die außerordentlichen militärischen Maß­

Der Ballon war nebst zwei anderen Ballons ausgestiegen in der Erwartung, daß der seit zwei Tagen ununterbrochen strömende Regen aushören und daS Wetter sich ausklären werde. Der Regen fing jedoch von neuem an, begleitet von Sturm. In der Nähe von Fontenay-souS-Boi- versuchten die Lustschiffer gegen 2Va Uhr zu landen. Man zog die Reißleine; Schlepptau und Anker wurden auSgeworsen. Die Gondel stieß jedoch gegen einen Schornstein und der Ballon flog weiter. Ein Offizierkäppi flog heraus. Der Anker riß vom Tau. Die Luftschiffer warfen daraus Ballast auS, um wieder hoch zu kommen und einen neuen Anprall zu ver­meiden. Regen und Sturm drückten jedoch den Ballon zu Boden. Ueber dem Fort Nogent-fur-Marne wurde die von dem Sturm hin- und hergeworfene Gondel von neuem gegen ein HauS der Rue Nationale geschleudert. Die entsetzt herbei- eilenden Bewohner und Soldaten sahen, wie die Insassen der Gondel bluteten. Darauf jagte der Ballon nur wenige Meter über dem Boden auf BillierS-sur-Marne zu, indem er an Telegrafendrähte, Bäume und Häuser stieß. Die Gondel berührte mehreremale den Boden. Die Insassen schienen be­reit- besinnungslos. Plötzlich vernahm man in BillierS den Knall einer Explosion; ein Feuerball wurde in der Luft sichtbar und ein schwarzer Körper stürzte zu Boden. Der Ballon war explodiert und die Gondel 2 km von BillierS entfernt zu Boden gestürzt. ES war mittag- 3 Uhr. AlS einige Offiziere im Automobil alS die Ersten auf der Un­glücksstelle erschienen, fanden fie 5 mit Schmutz und Blut bedeckte Körper. Drei waren bereit- tot. Die beiden anderen, an der Uniform kenntlich alS ein Leutnant der 2. Dragoner und alS ein Pionieroffizier auS Versailles, atmeten noch. Sie wurden nach dem nahen BahnhosSrestaurant gebracht; ihr Zustand ist hoffnungslos. Die drei Leichen werden vorläufig von Gendarmerie bewacht, bis Anweisungen der Militärbe­hörde eingetroffen sind. Die Ursache der Katastrophe ist in der schlechten WitterungSlage zu suchen. Einzelheiten festzu- stellen, fällt vorläufig schwer, da die beiden Verletzten nicht vernehmungsfähig find und man auf die Erzählung von Augenzeugen angewiesen ist.

nahmen Griechenlands in Saloniki, denen zufolge die Griechen bisher 120 000 Mann in und um Saloniki konzentriert hätten, während sie die Stadt auf der Landseite fieberhaft befestigen. Alles deutet daraus hin, daß man in Griechenland auf einen Zusammenstoß rechnet. Die Blätter sagen, er entstehe jetzt ein zweite- Adrianopel für Bulgarien, eine Frage, die man schleunigst lösen müsse. Der Ruf nach Saloniki werde in Bulgarien nicht mehr verstummen.

flut 3h- und Ausland.

Berlin, 17. April 1913.

Der Kaiser unternahm auch am Mittwoch wieder den gewohnten Ausflug von Schloß Homburg v. d. H. nach der Saalburg. Er traf daselbst mit verschiedenen Gelehrten und Gesolge nachmittag- im Automobil ein und besichtigte wieder­um die im Gange befindlichen Arbeiten der Mainzer Pioniere zur Herstellung einer altrömischen Schanze; über diese Arbeiten hielt ihm General Hildcmann einen Vortrag. Später begab sich der Monarch zum Kastel, inzwischen wurden die auf feine Veranlassung erschienenen Schulen HomburgS zur Besichtigung der Schanzarbeiten herangelassen. Nachdem der Kaiser mit den ihn begleitenden Herren den Tee in den oberen Räumen deS Saalburg-RestaurantS eingenommen hatte, kehrte er dann mit der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise, die unter­dessen ebenfalls aus der Saalburg angekommen waren, nach Homburg zurück. Der Kaiser trifft nach Beendigung seines Hamburger Aufenthaltes am 24. April in Metz und am nächsten Tage in Straßburg ein.

Für den Prinz H e i n r i ch - F l u g hat die Preußische Heeresverwaltung bereits die Teilnahme von neun Offizieren in AuSsicht gestellt. Auch die Bayerische Militärverwaltung will 3 Offiziere zur Teilnahme am Fluge beordern. Die Konkurrenzen werden noch besonders interessant durch die Teil­nahme von Zeppelin-Luftschiffen. An der AufklärungSübung am 16. Mai nimmt daS LuftschiffSachsen" teil. Gelegentlich deS taktischen AusklärungSflugeS am 17. Mai wird dieSachsen" mit den Ehrengästen deS Prinz Heinrich-Fluge- an Bord die Ausklärung der Flugzeuge begleiten.

In der Budgetkommission deS Reichstags gab General­leutnant StoabS Auskunft über den Stand der B e - kleidungSfrage mit feldgrauem Tuch. Für die HeereSverstärkungen müßten, um die neuen Formationen gleichmäßig in der Bekleidung auSzurüsten, noch geringe Be­schaffungen an blauem Tuch gemacht werden. Nachdem ein ZentiumSredner sich mit diesen Ausführungen nicht zu- srieden erklärt hatte, erwiderte der Kriegsminister, ein zu schnelles Vorgehen mit der Beschaffung von seldgrauem Tuch sei nicht zweckmäßig, damit die Frage der Brauchbarkeit deS seldgrauen TuchcS weiter geklärt werde. Die sechs neuen Kavallerie­regimenter sollten alS Jäger zu Pferde formiert werden, die die feldgraue Uniform schon im Frieden tragen würden. Der Kriegsminister erklärte weiter, daß die seldgrauen Uniformen soweit gelangt seien, daß die KriegSgarnituren überall fertig­gestellt wurden und eine FriedenSgarnitur für die Infanterie und die Jäger noch in diesem Jahre fertig werden würde, bei der Kavallerie 1914, bei der Artillerie und den Pionieren, sowie den Verkehrstruppen 1915. Man werde in Zukunft die beiden Garnituren nebeneinander tragen.

Bei Beratung der Militärkommission im Reichstag, speziell beim Titel Pserdegelder betonte der Kriegsminister, daß eine Streichung der Zulagen unmöglich sei, weil ]onff diese Stellen nur wohlhabenden Offizieren zugänglich seien, waS doch nicht der Wunsch deS Reichstags sein könnte.

In der Kommission zur Beratung deS SubmissionS- wesenS wurde die obere Grenze für Lieferung durch hand­werksmäßige Betriebe auf 500 Mark festgesetzt und ein ZentrumSantrog besprochen, nach dem auch Handwerkerorgani­sationen zum Wettbewerb zugelassen werden sollen.

DerDaily Expreß" behauptet, daß Sir Edward Grey den König aus seiner Reise nach Berlin zu der Hochzeit der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen bestimmt begleiten werde. DaS Blatt macht darauf aufmerksam, daß eS etwas ganz Außerordentliche- sei, daß der Minister deS Aeußern den König von England auf seiner Reise begleiten werde. Solange nämlich Sir Edward Grey Minister deS Aeußern ist, hat er England noch niemals zum Zwecke einer offiziellen Besuche- verlassen. AlS König Edward VII. seine berühmten Besuche in PariS und Peters­burg abstattete, da war er niemals von dem Minister deS Aeußern begleitet, sondern stets von dem damaligen ständigen Untersekretär deS Auswärtigen AmtS, von Sir Charles Hardinge, der die Foreign Office vertrat. Der

(2 MilliardenJahreSumsatz in Wetter.) Ein bekannter Rennstallbesitzer in Berlin-WilmerSdorf, Willy Lindenstaedt, verbreitet eine Flugschrift, in der er volschlägt, die in- und ausländischen Rennwetten zu besteuern und zu konzessionieren. Dabei macht er sehr interessante Mitteilungen über die Summen, die bei den Rennwetten umgesetzt werden. Nach seiner Schätzung gehen jährlich 800 Millionen Ma>k durch diese Wetten inS AuSland. Da per Soldo etwa 60 Prozent aller Wetten ohne Gewinn blieben, so gingen dem deutschen Nationalvermögen auf diese Weise ganz enorme S im- wen verloren. Weiter erfährt man hier, daß der Buchmacher an seine Kommissionäre, Wettannahmestellen, Schlepper usw. 6 bi' 8 Prozent bezahlt und mit mindestens 23 Prozent SchweigegUdern rechnet. Nach einer Zusammenstellung Linden- staedS gibt eS in Deutschland etwa 130 000 Geschäfte oder Gelegenheiten, in denen Wetten vermittelt oder abgeschlossen werden. Die 6000 Buchmacher, Kommissionäre und Sport- bureaux haben, wie sich auS wenigen durch die Presse bekannt gewordenen Prozessen ergeben hat, nach der Meinung Lmden- staedtS TageSumiätze von 2000 biS 10 000 Mk. DaS ergibt einen Jahresumsatz in Wetten von annähernd 2 Milliarden Mark.

Cherbourg, 17. April. In einem hiesigen Spital schläft ein 22jähriger Mensch seit zwei Monaten ohne Unter­brechung. Er hat jede Empfindung verloren und wird künstlich ernährt, bewegt sich auch nur, wenn er laut gerufen wird. Ein Krästeversall ist noch nicht eingetreten.

FrankreichSersteSEtarrlustschisf, dessen Erprobung man schon vor Monaten ankündigte, konnte nach demLok.-Anz." am Donnerstag seinen Schuppen zu Saint Cyr verlassen. In Anwesenheit deS Kriegsminister Etienne wurde der große Ballon auf einem Schienenwagen aus der Halle gezogen, dann nach Versuchen mit seinen Motoren und Schrauben an Seilen gehalten und einigen Proben auf seine Lenkbarkeit unterzogen. Kriegsminister Etienne sprach sich dem Vernehmen nach über die Manöveriersähigkeit des mächtigen Luftschiffs sehr befriedigt auS.