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Konstantinopel, 15. April. Zwischen den Krieg- jährenden ist ein 10tSgiger Waffenstillstand abgeschloffen worden, der ab gestern mittag läuft.

Sofia, 15. April. Da die Brücke über den Wardar- fluß wieder instand gesetzt ist, find die direkten Verbindungen mit Adrianopel wiederhergestellt.

Sonstantinopel, 15. April. Wie amtlich gemeldet wird, hat die Psorte, nachdem die serbische Regierung aus Verlangen der Mächte daraus verzichtete, die Belagerung SkutariS fortzufetzen, dem Kommandanten der Festung den Befehl erteilt, nach Meinungsaustausch mit dem serbischen Kommandanten daS Feuer gegen die belagernden Truppen einzustellen, und sie nicht zu verfolgen, selbst wenn sie den Rückzug antreten.

Mus ]*• und Ausland.

Berlin, 15. April 1913.

DaS Kaiserpaar und Prinzessin Viktoria fuhren heute morgen 9 Uhr mit Gesolge in Automobilen nach der Saalburg, wo gegenwärtig auf der sog. DrujuS- kippel, etwa 10 Minuten vom Römerkastell entfernt, aus Ver. anlasiung deS Kaiser- und unter sachmännischer Aufsicht Arbeiten stattfinden, die die weitestgehende Beachtung nicht nur in wissenschastlichen Kreisen verdienen. Seit einigen Tagen sind etwa 160 Mainzer Pioniere mit einer interessanten Uebung beschäftigt; eS handelt sich darum, ein römische- Lager nach dem Muster der kleinen auSgegrabenen Saalburgschanzen möglichst nach dem römischen Versahren Herzustellen. Ein solcher Versuch, der in wissenschastlichen Kreisen schon lange gewünscht wurde, wird Aufklärung über viele umstrittene technische Fragen der antiken Lagerbefestigung geben können. Der Kaiser folgt den Uebungen mit regstem Interesse und unterläßt eS nicht, selbst mit an Hand zu gehen. Der Kaiser besuchte auch die in der Nähe deS UebungSplatzeS befindliche Feldküche. Während der Kaiser bis kurz nach 12 Uhr auf dem UebungSplatz blieb, kehrten die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise schon nach einstündigem Aufenthalt in- Schloß zurück. Nachmittag- 2 Uhr fuhren der Kaiser, die Kaiserin und da- junge Brautpaar in Begleitung des Direktors der Saalburg mit großem Gefolge nach dem Römerkastell Zug- mantel im Taunus, wo in Gegenwart der hohen Fürstlich­keiten Gräber und Keller freigelegt wurden. Abends folgte die Rückkehr nach Homburg. Die kaiserliche Familie wird am 24. 0. M. Homburg verlassen.

Um dem Kaiser eine Ehrengabe d eS deutschen OfsizierkorpS aus Anlaß deS RegierungS- jubiläumS zu überreichen, hat sich unter dem Vorsitze des General-FeldmarschallS Grasen von Haeseler ein Komitee gebildet, daS im Austrage aller Lffiziere und höheren Beamten deS deutschen HeereS einen kostbar auSgeführten Feldmarschall- stab alS Geschenk für den Kaiser herstellen läßt.

Bereits mehrsach ist die Nachricht ausgetaucht, der K a i s e r von Rußland werde der im Mai in Berlin stattfindenden Vermählung-feier der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August beiwohnen. Von sranzösischen Blättern war der Meldung noch hinzugesügt worden, der Zar werde weder von der Zarin noch von der Zarinmutter begleitet sein. Der „B. Lok.-Anz.", der in Hof- angelegenheiten meist gut unterrichtet ist, schreibt heute: Wir haben un- an der Verbreitung dieser Nachricht nicht beteiligt, weil bisher eine Bestätigung für sie nicht zu erlangen war. Wie wir inzwischen auS Kreisen, die darüber unterrichtet sen müssen, ersahren, gilt eS jetzt in der Tat als durchaus nicht unwahrscheinlich, daß Kaiser Nikolaus gleich dem König von England alS naher Verwandter zur HochzeitSseier am deutschen Hose eintrifft. Der Zar und der König von England sind bekanntlich Vettern deS prinzlichen Bräutigam-.

Wie gemeldet wird, wird daS L u f t s ch i s s „Z. IV", nachdem die Reparaturen an ihm beendet find, die noch auS- stehenden, militärischen Prüfung-fahrten, eine Höhenfahrt und eine Geschwindigkeit-fahrt, im Laufe dieser Woche von Baden- OoS aus absolvieren. Um einem Ucberfliegen der Grenz- vorzubeugen, sollen künftige militärische Abnahmesahrten der Zeppelinlustschiffe von dem Lustschiffhasen PotSdam auS unter­nommen werden.

Die amtliche französische Meldung deS Z w i i ch e n f a l l S von Nancy besagt: Botschaftssekretär v. Wedel sprach gestern vormittag in PariS im Auftrage deS deutschen Botschafters im Auswärtigen Amte vor und fragte an, ob die französische Regierung noch keinen amtlichen Bericht über den Zwischenfall in Nancy besitze. v. Wedel wurde vom KabinettSchef PichonS empfangen. ES wurde ihm erwidert, daß der im Ministerium deS Inneren auS Nancy erwartete Bericht nach seinem Ein­te ffen unverzüglich Herrn v. Schön zugestellt würde. Dieser offizielle Bericht der Polizeipräsektur von Nancy ist am Nach­mittag eingetroffen. Er lautet folgendermaßen: „Drei Deutsche besuchten am Sonnabend abend gegen 107a Uhr in Beglei­tung zweier Damen eine Vorstellung deS Kasinotheater-. Einige Studenten richteten hämische Bemerkungen an sie, und von der Galerie wurde gepfiffen. Der Zwischenfall blieb jedoch von der großen Menge der Zuschauer unbemerkt. Kurz vor 11 Uhr verließen die 5 Ausländer daS Kasinotheater und begaben sich in die Brafferie Lorraine. Fünf oder sechs Studenten folgten ihnen dorthin. Der Zwischenfall in dem Kasinotheater erneuerte sich hier. Der Wirt ersuchte daraus die Studenten zu schweigen, waS diese auch ohne Widerstand taten. Beim Verlassen deS Lokals begleiteten dieselben Stu­denten und eine etwa 50 Personen zählende Menge die 5 Ausländer biS zum Bahnhof und begannen sie zu beschimpfen. ES war inzwischen gegen IV2 Uhr morgen- geworden. Ein Dutzend der Manifestanten drang weiterhin in den Bahnsteig und setzte die Demonstrationen biS zur Abfahrt deS Metzer Zuge- fort. Die drei Deutschen sind keine Offiziere. Die von der Polizei eingeleitete Unter suchung geht weiter. Bereits jetzt ist aber festgestellt, daß der Vorfall sehr übertrieben worden «st. Er scheint die Tat junger, angetrunkener Leute zu fein, die sich über den schlechten Eindruck ihre- Vorgehen- keine Rechenschast abgelegt haben."

Wie auS Chihuahua gemeldet wird, drang am Sonntag der Führer der mexikanischen Ausständischen Biciovio Herrera in da- Lager von Arbeitern, die den Fluß ConchoS eindeichen, ein und verlangte 25 000 Dollar unter der Drohung, die englischen Aufseher der Arbeiter töten zu lasten, wenn ihm da- Geld verweigert würde. AlS die Arbeiter sich trotzdem weigerten, ließ Herrera einen Ausseher binden und erklärte, er werde ihn von einem Berge hinab» werfen lasten. Daraus boten die Kameraden 5000 Dollar. AlS Herrera aber auf 10000 Dollar bestand, wurden ihm diese gezahlt, woraus der Aufseher freigelasten wurde. Die Räuber plünderten dann die Häuser der Fremden.

Die » ä m p s e der Italiener mit den unbotmäßigen Eingeborenen-Stämmen in ihren neuen nordasrikanischen Be­sitzungen gehen weiter. Eine italienische Truppenkolonne

unter General Dolessandro griff die in der weiteren Umgegend von Benghasi aufgetauchten feindlichen Araberscharen an, und eroberte ihr Lager bei der Oase Gioh; daS Lager wurde in Brand gesteckt. Ein weiterer Kamps fand zwischen einer italienischen Truppenabteilung unter General Stasu und feindlichen Streitkrästen beim FortS Naicucci im Hinterland« von Tobruk statt. Die Feinde wurden geschlagen und erlitten angeblich große Verluste; die Italiener wollen bei letzterer Affäre nur acht Verwundete gehabt haben.

Aus Provinz u. Naeddargediet.

* (Detailhandel undPetroleummonopol.)

Die Verhandlungen in der Leuchtölkommistion deS Reichstags — so schreibt unS der Verband der Rabattsparvereine Deutsch­lands E. V. in Bremen (70 000 Detailkaufleute) — lasten erkennen, daß die LebenSinteresten deS Detailhandels in dieser für ihn so wichtigen Frage von den Abgeordneten ganz un- genügend geachtet werden. Er handelt sich um einen JahreS- Umsatz von ca. 200 Millionen Mark, den bislang vorwiegend der Kleinhandel in Petroleum vermittelte. ES kann deshalb der Antrag, ihm nur zwei Sitze in dem 21 gliedrigen Auf- sichtSrat der BertriebSgesellschast neben zweien für die Konsum­vereine zu geben, nicht ernst genommen werden. Angesichts der Opferwilligkeit, mit der sich der Detailhandel an der Aus­bringung der Aktienkapitalien beteiligt — von einer Kapital­beteiligung ftitenS der Konsumvereine hat man nicht- gehört — ist eine solch geringe Bewertung deS Stande- nicht zu verstehen. Die Detaillistenverbände werden zu überlegen haben, ob eS sich für die Detailisten empfiehlt, sich weiter in der Sache zu engagieren.

);( Hersfeld, 16. April. Der Vorstand des Turnvereins hat sich entschlossen, daS am Sonntag abend mit so großem Beifall ausgenommene F e st s p i e l „Theodor Körner" morgen Donnerstag abend nochmals zur Aufführung zu bringen. Da der Andrang gleich wie daS erste mal wieder ein sehr großer sein wird, so wird man gut tun, sich bei zelten einen Platz zu sichern. Ein Besuch diese- prächtigen FestspielS, welches durch die Mitwirkenden eine vorzügliche Wiedergabe erfährt, kann nur empfohlen werden. Der Anfang ist auf 874 Uhr festgesetzt, damit eS auswärtigen Besuchern ermöglicht wird, noch die Abendzüge zur Heimat benutzen zu können.

):( Hersfeld, 16. April. Am gestrigen Tage waren 2 5 Jahre verflossen, seitdem Herr Hauptmann d. L. Auel als Ober-Brandmeister an der Spitze unserer Feuerwehr stand. Durch unermüdlichen Eifer hat er es verstanden die hiesige Feuerwehr zu einer der ersten im- Regierungsbezirk Cassel zu machen. Da Herr Auel durch seine Tätigkeit als erster Beigeordneter unserer Stadt sehr in Anspruch genommen ist, hatte er sich ent­schlossen, mit dem gestrigen Tage fein Führeramt der Hersfelder Feuerwehr abzugeben. Aus diesem Anlässe hatte die gesamte Mannschaft gestern abend aus dem Marktplatze Aufstellung genommen. Zu dem feierlichen Akte hatte sich Herr Bürgermeister Strauß nebst einer Anzahl Mitglieder der städtischen Behörden, die Ober- Brandmeister des Kreises Hersseld sowie Herr Boppenhausen-Cassel, der Vorsitzende des Ver­bandes der Feuerwehren im Regierungsbezirk Cassel, eingefunden. In längerer Ansprache richtete Herr Bürgermeister Strauß Worte der höchsten Aner­kennung für die langjährige uneigennützige und pflichttreue Führung der hiesigen Feuerwehr an Herrn Auel, dankte ihm dafür namens der städtischen Behörden und machte ihm als äußeres Zeichen der Dankbarkeit eine prachtvolle Standuhr zum Geschenk. Auch den ferner auf Wunsch ausscheidenden Brand­meistern Herrn Fritz Stuckhardt und Herrn Philipp Deller dankte der Herr Bürgermeister herzlich für die geleisteten Dienste. Die Ansprache schloß mit einem Hoch auf die drei ausscheidenden Herren. Tiefbewegt dankte Herr Auel für die ihm dargebrachte Ehrung, verabschiedete sich mit warmen Dankesworten für die ihm stets gewährte Unterstützung von den Feuer­wehrleuten und gab bekannt, daß zu seinem Nachfolger- Herr I e r 0 m e S ch ü ß l e r als Führer der Feuerwehr ausersehen sei. Nachdem Herr Bürgermeister Strauß noch die Herren Alfred Wölbing und Karl Nächst ädt zu neuen Brandmeistern bestellt hatte, führte Herr Auel seine Feuerwehr zu einem letzten Vorbeimarsch an den Ehrengästen vorüber. Hierauf übernahm Herr Jerome Schüßler mit einer kurzen An­sprache die Führung und brächte ein Hoch auf Herrn Auel aus. Hiermit waren die Löschzüge entlassen, um sich um Vs9 Uhr in der neuen Turnhalle wieder zu einem Festkommers zu vereinigen. Hier hieß der neue Führer der Feuerwehr, Herr S ch ü ß l e r, die Erschienenen herzlich willkommen und dankte den zahlreichen Ehren­gästen für ihr Erscheinen. Mit kurzen Worten gedachte Herr Schüßler dann der großen Verdienste des Herrn Auel, welche sich derselbe um die hiesige Feuerwehr erworben hätte. Als Zeichen der Liebe und Anhänglichkeit hätten die gesamten Feuerwehrleute diesen Kommers veranstaltet, dem er besten Verlauf wünschte. Herr Bürgermeister Strauß widmete dann den drei ausscheidenden Herrn warme Worte der Anerkennung für ihre treue Pflicht­erfüllung und feierte mit begeisterten Worten die deutsche Treue. Die Ansprache klang in einem donnernd aufge­nommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus. Im Namen des Verbandes der Feuerwehren für den Re­gierungsbezirk Cassel überbringt Herr B 0 ppen - hause n-Cassel die herzlichsten Glückwünsche zu dem Jubiläum. Herr Auel sei Mitbegründer und lang­jähriges Vorstandsmitglied des Verbandes. Sein Hoch galt dem Jubilar und der gesamten Hersfelder Feuer­wehr. Namens des Feuerwehrkreisvereins Hersfeld überbrachte Herr Ober-Brandmeister B ä tz die herzlichsten Glückwünsche und brächte ein Hoch auf das gesamte Feuerlöschwesen in Stadt und Kreis Hersfeld aus. Im Namen des Feuerwehrkommandos überreicht Herr Schüßler dann als Zeichen dankbarer Erinnerung Herrn Auel ein Bild des Kommandos. Herzliche Worte des Dankes waren es, die Herr Auel an alle, die ihn so reich geehrt hatten, richtete. — In fröhlichster Stimmung blieben die Teilnehmer des Festkommerses noch manches Stündchen beisammen und manches Glas edlen Gerstensaftes, das in liebenswürdigster Weise von der Kasse der Feuerwehr gespendet wurde, konnte ge­leert werden. ,

):( Hersfeld, 16. April. Dem gesterigen B i e h m a r k t e waren 90 Rinder und 306 Schweine ausgebracht. Der Handel auf Rindvieh war flau, dagegen der auf Schweine lebhaft mit hohen Preisen. — Der nächste Viehmarkt findet am 21. Mai statt.

Marburg, 13. April. Der Privatdozent an der hiesigen Universität, Pros. Dr. Fritsch, machte gestern abend im Walde bei der Knutzbach seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Der Lebensmüde, der unverheiratet war, litt an GemütSkrankheit.

Wiesbaden, 14. April. In einem hiesigen Hotel ersten Ranges wurde der seit einigen Tagen hier zur Kur weilenden Baronin Diergart au- Schlebusch bei Cöln, alS sie einen Augenblick daS Hotelzimmer verlassen hatte, Brillanten und Echmucksachen im Werte von 12 000 Mk. von einem inter­nationalen Hoteldieb gestohlen. Von dem Täter fehlt jede Spur.

Frankfurt a. M, 14. April. Der Händler Georg Dannreiter machte gestern abend einen Mordversuch auf seine Geliebte, eine geschiedene Frau in der Mainquaistraße, indem er ihr mit einem Messer schwere Verletzungen beibrachte. AlS HauSbewohner herbeieiltcn, brächte er sich selbst einen Stich in die Lunge bei. Heute morgen ist der Täter au- dem städtischen Krankenhause, in daS er schwer verletzt eingeliefert war, in einem unbewachten Augenblick trotz seiner gesährlichen Ver­wundung entwichen.

Frankfurt a. M., 15. April. Die hiesige Polizei ist einer aufsehenerregenden Giftmordaffäre auf die Spur ge­kommen, deren Held ein gewisser Karl Hops ist, der in Fechter- kreisen sehr bekannt ist, und der sich vor Jahren auch den Weltmeisterschaft-titel errungen hatte. Hopf gilt als Abenteurer. Er ließ sich nach großen Reisen inS Ausland in der Umgebung von Frankfurt nieder, heiratete, und versicherte daS Leben seiner Frau mit einer großen Summe. Nach kurzer Zeit veischied die Frau unter BergiftungSerscheinungen. Gegen Leute, die Hopf damals deS Giftmordes bezichtigten, strengt« er Prozesse an, und blieb, da der Beweis der Wahrheit nicht erbracht werden konnte, jedesmal Sieger. Kurz nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete Hopf von neuem und kaufte auch daS Leben seiner zweiten Frau in eine Versicherung ein. Auch diese Frau starb bald unter VergistungSerfcheinungen. Im letzten Jahre siedelte Hops nach hier über und heiratete ein Fräulein Sievre auS DreSden. Diese dritte Frau, die H. mit 80,000 Mark bei einer Gesellichalt versichert hatte, erkrankte vor einigen Wochen unter Symptomen der Vergiftung und mußte inS Krankenhaus gebracht werden. Dort äußerte die Frau Nachbarn gegenüber ihren Argwohn, daß ihr Gatte sie ver­giftet habe. Die Polizei nahm daraus bei H. eine Haus­suchung vor, bei der größere Mengen fcharjer Giste wie Zyankali, Arsenik und Reinkulturen von Cholera- und Typh"-- bazillen gesunden wurden, die nach Ansicht der Polizei genügt hätten, bei unsachgemäßer Behandlung eine Seuche über ganz Frankfurt zu bringen. Daraus schritt die Polizei zur Ver- Haftung, die in dem Augenblick vorgenommen wurde, alS H. eben seiner Frau, die noch im K'ankenhaufe weilt, einen Be­such abgestattet hatte. Hopf ist ein sehr kräftiger und ent­schlossener Mensch, und die Polizei nahm deshalb die Verhaftung auf offener Straße vor. Man fand bei dem Verhafteten ein Fläschchen Zyankali. Hops hat bereits eingestanden, daß er seine Frau vergiften wollte, um sich in den Besitz der Ver­sicherungssumme von 80 000 Mark zu setzen. ES ist demnach sehr wahrscheinlich, daß auch die beiden ersten Frauen keines natürlichen Tode- gestorben sind. Hopf wird alS Psychopath geschildert. Während einer Haussuchung, die bei ihm vor­genommen wurde, sand man eine große Anzahl von alchymistischen Instrumenten und Büchern medizinischen und myst'sch- philosoph'schen Inhalt-.

Hanau, 13. April. DaS 6jährige Söhnchen eines Sergcantcn tam der Feuerung zu nahe. Seine Kleider fingen Feuer, daS ihm schwere Brandwunden am ganzen Körper zu- fügte, denen eS kurze Zeit daraus erlegen ist.

Oftheim, 12. April. Gestern abend versuchte der Führer eines LohnautoS mit vier Insassen aus der Straße zwischen Ostheim und Mellrichstadt ein vorauSsahrende- Meininger Automobil zu überholen. An einer Straßenbiegung überschlug sich daS dahinrasende Auto und wurde vollständig zertrümmert. Während der Chauffeur und drei Insassen aus frisch geackerte- Feld geschleudert wurden und mit leichteren Verletzungen davon kamen, kam einer der Mitfahrer Bücher­revisor Keller auS Meiningen, unter die Trümmer deS AutoS zu liegen und wurde mit Mühe hervorgezogen; er trug er- hebliche, jedoch voraussichtlich nicht lebensgefährliche Verletzungen am Kopse davon.

Oöttingen, 14. April. Der 22 Jahre alte Arbeiter G. im nahegelegenen Vahle brächte sich beim Holzfällen durch Abrutschen der Axt eine schwere Fußverletzung bei. DaS Beil ging tief inS Bein hinein. AlS ihm feine Arbeitskollegen den Schuh vom Fuße zogen, fiel der Fuß förmlich in zwei Hälften. Der junge Mann wurde sofort der Klinik zugeführt.

Göttingen, 13. April. Mit einem in der Geschichte unserer Armee nur sehr selten vorkommenden Fall hatte sich daS Kriegsgericht der 22. Division zu befassen. Ein Musketier der 11/Kompagnie deS JnjanterieregimentS Nr. 82 zu Göttingen war, während er auf den Schießständen Posten stand, in die Kantine deS SchießstandeS eingebrochen und hatte drei Kisten Zigarren, sieben Schachteln Zigaretten und ein Stück Butter entwendet. Er war geständig und wurde wegen militärischen schweren DiebstahlS und WachtvergehenS zu fünf Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse deS Soldatenstandes verurteilt.

Gauerftadt bei Coburg, 14. April. Beim Pflügen wurden im benachbarten CarlShan die Pferde deS dortigen DomänenguteS scheu und gingen durch. Der 18jährige Guts- arbeitet Weiß, gebürtig au« Schleufingen (Thür.), wurde so schwer verletzt, daß er bald batauf verstarb.

Gera, 14. April. In der Färberei von Schütze u. Laube stürzten der mit Reparaturarbeiten beschäftigte Kupferschmied Hiller und sein Gehilfe von einem sechs Meter hohen Gerüste ab, wobei ersterer, außer schweren Knochenbrüchen, einen Schädelbruch erlitt, so daß der Tod sofort eintrat. Der Ge­hilfe erlitt ebenfalls schwere Verletzungen.

— (Unsichere Zustände in Südwest.) Wie dringend notwendig eine starke Schutztruppe in Deulsch-Süd- westasrika ist, wird durchsolgenden Fall illustriert. Aus der Farm Otjiwarongo drangen Feldkaffern — ohne jede Kontrolle im „Busch" herumstreisendeS Gesinde! — in Abwesenheit be« Farmers in die Wohnung, fesselten die Frau und plünderten dann Wohnung und Warenlager vollständig auS. Zwei Täter wurden in den Parestsbergen gesoßt, eine größere Polizei- patrouille ist sofort aufgebrochen, um auch der übrigen habhaft zu werden. Allenthalben wird in der ganzen Gegend über die Frechheit der Eingeborenen geklagt. Der einsam wohnende Farmer kann kaum wagen, wegen eine- RitteS zum nächsten Nachbar die Farm zu verlassen und Frau und Kinder schutz­los zurückzulaffen. _ u ,

— Innsbruck, 15. April. In Fiave in SüdUrol brach ein verheerender Brand auS, der, begünstigt durch einen starken Sturm, einen großen Teil deS DoiftS einäscherte. 20 Häuser sind vollständig abg-.brannt. Der Schaden beträgt gegen 70 000 Kronen. Ungefähr 80 Familien sind obdachlos.