Etienn« ersinnen, in der dunkle Andeutungen über Jntrigen gemacht und bewegliche Klagen über die „Wehrlosigkeit" Frankreich- geführt werden. Warum die Ruhe und die Existenz Frankreich- aus dem Spiele stehen soll, daS sagen noch deutlicher die nationalistischen Blätter, sür sie ist eS ausgemacht, daß, wenn jetzt endlich Deutschland den Ueberschuß an militärtauglichen Kräften kriegsbereit machen will, nichts andere- als ein Ueberfall auf Frankreich beabsichtigt sein kann.
Dabei erinnern wir uns, welche Sprache die französische Presse, namentlich auch militärische Fachblätter, während der letzten Marokkoverhandlungen und dann während des Balkan- kriege- bis zu dem Augenblick geführt hat, als die deutsche Regierung die bevorstehende Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht ankündigen ließ. Im Vertrauen aus englische HilfStruppen zu Wasser und zu Lande erschien die französische Ueberlegenheit unzweiselhast, der Tag der Wiedervergeltung nahe; der Besiegte von Kirkkiliffe war nicht die Türkei, sondern Deutschland, da- Emporkommen der Balkanjlawen bedeutete den Beginn der großen planslawistischen Flut, die daS zwischen Rußland und Frankreich eingeklemmte Land deS ErzseindeS überschwemmen werde. Tatsächlich hat ja auch der Balkankrieg eine beträchtliche Verschiebung der militärpolitischen Lage gebracht, sie, nicht aber ein aggressiver Gelüst gegen daS aus einmal „wehrlos" gewordene Frankreich, ist der wahre Grund für die deutsche Militärvorlage. Wenn eS den Franzosen einfiele, ihre Ostgrenze nur mit Zollwächtern zu besetzen, wärS auch noch so: die Bürger von Nancy könnten ruhig schlafen. Wenn aber Herr Etienne trotzdem die dreijährige Dienstzeit feinem Lande ausnötigen wird, follS unS auch recht sein.
Der Balkankrieg.
Der letzte Appell an Montenegro.
Pari-, 1. April. Der Minister deS Auswärtigen Pichon teilte dem Ministerrat den Inhalt der Aufforderung mit, die durch die Kollektivnote der Großmächte heute der Regierung von Cetinje übermittelt wird. Die Note lautete im wesentlichen: „Zum letzten Male wird Montenegro ausgefordert, die Belagerung von Skutari unverzüglich auszuheben. Die Mächte lassen sich von der Erwägung leiten, daß daS heldenmütige Montenegro für die von ihm bisher gebrachten Opfer auf eine Kompen- sation Anspruch hat. Die Londoner Botschasterunion wird eS sich angelegen sein lassen, eine solche Kompensation in kurzer Frist zu finden. Sollte aber trotz dieser bindenden Zusage der Großmächte Montenegro darauf beharren, dieser letzten Aufforderung zuwider zu handeln, so würden die Großmächte ohne Ausnahme durch alle ihnen geeignet erscheinenden Mittel Montenegro zu zwingen wissen, und von einer Kompensation, sei eS in einer Gebietserweiterung, fei eS in Geld, könne weiter keine Rede mehr fein.
Die Antwort Montenegros.
Cetinje, 1. April. Die montenegrinische Regierung erwiderte den Vertretern der Großmächte, sie bedauere, nicht in der Lage zu sein, dem von ihnen bezüglich der wiederholt gestellten Forderung nach Entlassung der Nichtkombattanten auS Skutari geäußerten Wunsche zu entsprechen, da da- Armeeoberkommando die Übermittelung der chiffrierten Depesche an den Kommandanten von Skutari ablehne. Die Regierung erklärt sich aber bereit, eine offen abgesaßte, von der ottomanischen Regierung gezeichnete Mitteilung betr. den Abzug der Nichtkombattanten dem Oberkommandie- renden der Armee zur Berücksichtigung zu unterbreiten.
Die Türkei nimmt die Friedensbedingnngen der Mächte an.
Während die österreichischen Schiffe vor Antivari erscheinen müssen, um Montenegro zur Staffln zu bringen, ist die allgemeine FriedenSaktion der Mächte einen erheblichen Schritt vorwärtSgekommen. Die Note der Mächte, die in Konstantinopel überreicht worden ist, hat folgenden Wortlaut:
Die unterzeichneten Botschafter haben die Ehre, der kaiserlich ottomanischen Regierung zur Kenntnis zu bringen, daß die Mächte, deren Vermittlung die Türkei angenommen hat, sich geeinigt haben, den kriegführenden Staaten folgende Grundlage für die Friedenspräliminarien vorzuschlagen:
1. Die Grenze der ottomanischen Reiches in Europa wird einer geraden Linie solgen, die zwischen EnoS und Midi« gezogen wird. Alle westlich dieser Linie liegenden Gebiete werden von der Türkei an die Verbündeten abgetreten, mit Ausnahme von Albanien, dessen Abgrenzung und VerfassungS- system der Bestimmung durch die Mächte Vorbehalten bleibt.
2. Die Regelung der Frage der Inseln deS Aegäischen MeereS wird der Entscheidung der Mächte überlassen.
Aber die Liebe ist die Mte
Novelle von C. Gerhard.
(Schluß.)
Irene dünkt eS unerträglich, ihn in diesem niedrigen Zimmer, in dieser Gesellschaft am Spieltisch zu sehen. Ohne zu zögern, drückt sie leise die Klinke nieder, betritt den düsteren Raum. ES ist, alS gehe alles Licht von ihrem weißen Gewände, ihrem weißen Antlitz aus, und doch trägt eS einen todeStraurigen Ausdruck.
Alle starren sie an wie eine Erscheinung, Alexander ist aufgesprungen, er taumelt fast. Irene hier, in dieser Umgebung, dieser Lust, die sie töten muß! Heiße Bitten, brennen auf seinen Lippen, daß sie gehen, diese Stätte fliehen möge, aber er bringt nur einen heisern Laut hervor. Sie jedoch neigt mit unbeschreiblicher Anmut und Würde den Kopf gegen die Fremden und nimmt wie selbstverständlich den Platz neben Alexander ein.
Ein Zittern ergreift ihn, auch sie könnte spielen — um seinetwrllen. Doch nein, ihre edel-schönen Hände ruhen lässig rm Schoße.
Er setzt mechanisch, doch es ist ihm, als brenne dar Gold in feinen Fingern; Scham rötet feine Stirne, als eS ver- doppelt wiederkehrt. Die Rufe deS Croupier- tun feinen Ohren weh, die Gesichter der Spieler erscheinen ihm so niedrig neben dem hoheitsvollen Frauenantlitz neben ihm; der Ausdruck der Leidenschaft aus den Zügen Carlotta BardiS ge- m«n neben der opferbereiten, selbstlosen Liebe in Irenen- Augen.
Ein Ekel ergreift ihn vor den Spielern, dem Spiel; un- saßlich erscheint ihm der Zauber, den e- so lange auf ihn au-geübt; hastig steht er auf, verabschiedet sich kurz, bietet Irene den Arm und führt sie hinaus.
Schweigend schreiten sie durch den leuchtenden Abend, sonnenglanz. Mit jedem Schritte wird Alexander- Haltung freier, höher hebt er den Kopf. Er ist ihm, als fielen fesseln von ihm ab, als habe die Reinheit der Frau, die an feinet
3. Die Türkei spricht ihr vollständige- De-intereffiment an Kreta auS.
4. Die Mächte können sich dem Verlangen einer Kriegsentschädigung nicht geneigt zeigen, räumen aber den kriegführenden Staaten daS Recht ein, an den Beratungen der in PariS zusammentretenden internationalen Kommission teilzu- nehmen, welche eine gerechte Beteiligung der verbündeten Staaten an der ottomanischen Staatsschuld und an den finanziellen Lasten der Gebiete zu regeln hätte, die ihnen zu- fallen. Mit der Annahme dieser Grundlage sür die Friedenspräliminarien werden die Feindseligkeiten ein Ende zu finden haben.
Diese Vorschläge der Mächte haben — nach dem Falle von Adrianopel — in Konstantinopel eine außerordentlich günstige Ausnahme gefunden; stellen sie doch auch daS dar, was als eine Mittellinie zwischen den Ansprüchen beider Parteien sehr wohl die Grundlage der endgültigen Frieden-- Verhandlungen bieten kann. Die Antwort der Psorte ist daraus sehr rasch sertiggestellt worden und hat ein sehr erfreuliches Ergebnis. AuS Konstantinopel wird nämlich vom Dienstag berichtet:
Die Antwortnote der Pforte ist heute dem österreichischungarischen Botschafter, Markgrafen Pallavicini überreicht worden. Die Pforte nimmt die Vorschläge der Mächte an.
Damit sind wir allerdings einen sehr großen Schritt weiter gekommen. Der einzige wirkliche Streitpunkt zwischen den Balkanstaaten und der Türkei betrifft nur noch die Kriegsentschädigung, und dieser dürfte auf dem angegebenen Wege eines Entgegenkommens auf finanziellem Gebiete bei der Verteilung der' türkischen Staatsschuld bei einigermaßen gutem Willen auf beiden Seiten doch wohl au- der Welt geschafft werden können.
Die schwere Niederlage der Vulgären.
London, 1. April. Die Blätter beschäftigen sich fortgesetzt mit der schweren Niederlage, die die Bulgaren an der Tschataldschalinie erlitten haben, und heute veröffentlicht der „Daily Telegraph" ein langes Telegramm seines KriegS- berichterstatterS auS Hademköj, daS vom Sonntag datiert ist. In diesem wird bestätigt, daß die Bulgaren eine derartige Niederlage erlitten, daß sie in wilder Verwirrung nach allen Seiten davon flüchteten und ihre Gewehre sowie ihr Gepäck im Fliehen wegwarsen. Am Freitag versuchte der bulgarische Kommandant einen Flankenangriff aus die türkischen Stellungen zu unternehmen. Zu diesem Zwecke mußte er aber seine ganze Infanterie in Front vor den türkischen Stellungen vorbei führen, waS natürlich ein gefährliches Unternehmen war. Er glaubte eS jedoch wagen zu können, da dichter Nebel fiel und zudem Regen die Fernsicht verschleierte. Aber während die bulgarische Infanterie an den türkischen Stellungen vorbeizog, hob sich plötzlich der Nebel und nun entdeckten sofort die Türken den Feind. Unverzüglich richteten sie ihre Geschütze gegen ihn und überschütteten ihn mit einem Hagel von Schrapnells und Granaten, welches Feuer surchtbare Wirkung unter den Bulgaren anrichtete, so daß die überraschten Bulgaren nach allen Himmelsgegenden auseinander stoben. Nun bot sich den Türken die Gelegenheit zu einem Gegenangriff, der auch sofort ausgeführt wurde. Mit glänzender Bravour warsen sich die türkischen Truppen mit dem blanken Bajonett auf die fliehenden Bulgaren und aus die bulgarischen Reserven, die man herangezogen hatte, um die Flüchtenden aufzuhalten uud schlugen den Feind vollständig. Kurdische Kavallerie nahm die Versolgung auf und vollendete daS Werk der Infanterie. Ueber 4(100 Gewehre, die die Bulgaren auf ihrer Flucht weggeworfin hatten, wurdcn auf- gelesen, ferner eine Unmasse von Grpäck, viel Munition und über 1000 Leichen bulgarischer Krieger wurden gezählt und bestattet. Die Zahl der verwundeten Bulgaren beträgt über 4000.
Die Kämpfe an der Tschataldschalinie dauern noch fort: nach türkischen Berichten mit einem Erfolge für die Türken, nach bulgarischen Meldungen vom DienStag hat sich die Sache folgendermaßen abgespielt:
Vorgestern nachmittag rückte der Feind in einer Stärke von ungefähr drei Divisionen von Büjück-Tfchekmedsche bei FanasakriS und KumburaS entlang gegen den rechten Flügel der vor Tschataldscha stehenden bulgarischen Armee vor. Der Vormarsch wurde durch das Geschützfeuer von acht feindlichen Kriegsschiffen, die vor KumbaraS und KsasteroS lagen, unterstützt. DaS Geschützfeuer der Kriegsschiffe wurde durch das wirksame Feuer unserer Artillerie rasch zum Schweigen gebracht. Sodann ging unsere J> fanterie zum Angriff über und zwang die Türken im Bajonettkamps, sich in Unordnung zurückzu- ziehen, wobei sie eine beträchtliche Anzahl von Toten und
Seite in jenem vergifteten Hause saß, den Dämon aus seiner Seele verjagt, den bösen Hang in ihm getötet.
„Vergib mir, daß ich dir folgte," bittet sie, als sie ihr Heim betreten haben.
„Ich möchte niederknien, um dir zu danken," erwidert er erschüttert. „Dein Kommen zerriß den letzten Schleier, der mir daS Häßliche bisher verhüllte. Ich glaube, nein, ich weiß es nun, deine Liebe, die größer ist als alle Mächte der Welt, sie ließ mich genesen. Der Bann, der mich knechtete, ist gebrochen. Irene, nie sollst du wehr um mich weinen! Ich verlange nicht, daß du meinen Worten vertraust. Aber prüfe mich, und du wirst erkennen, daß ich die Krankheit überwand."
Sie schwankt unter dem blendenden Licht der Hoffnung; mit starken Armen hält er sie an seinem Herzen.
Wie ein vom Tode Auserstandener beginnt nun Alexander ein neuer Leben. Er ist unermüdlich tätig; unter seiner Aufsicht wird ein kleiner Krankenhaus gebaut, aus seine Kosten werden die Wege gebessert, Obstplantagen angelegt, die Hütten der Armen wohnbar gemacht. Die Villa am Meere schenken er und Irene der Stadt; sie soll ein Aufenthaltsort werden für solche, die gebrochen von Leid oder Schuld feiner bedürfen, in edlen Zerstreuungen und Beschäftigungen dort Genuß finden.
Ohne jede Pein lehnt Alexander alle Aufforderungen seiner bisherigen Spielgenosten ab, langsam löst er sich von dem Verkehr mit ihnen.
Alle Abend läßt er seine Geige singen, und sie tönt immer beseelter. War sein Spiel einst für Irene ein Genuß, so ist eS ihr jetzt Offenbarung. Alle Kämpfe, alle Qual, fein endlicher Sieg über sich selbst und seine verehrende Liebe für sie klingen auS seinen Tönen wider.
Danach sitzen sie oft auf der Veranda unter dem sternen- funkelnden Himmel, und Alexander läßt sich mit immer größerem Interesse von feinen Gütern und seinem Knaben erzählen.
„Du sollst dich nicht länger nach ihm sehnen," sagte er eines Abends. „Wir reifen über Monte Carlo, wo ich mich einer letzten Prüsung unterwerfen will, nach Hause. Ich fühle mich stark genug, meint Pflichten wieder zu übernehmen,
Verwundeten aus dem Platze ließen. Gestern früh rückte ein feindliche- Bataillon gegen daS Dors Arnautköj vor, wurde jedoch von der bulgarischen Artillerie unter Feuer genommen und zu einem fluchtartigen Rückzug gezwungen. Zur selben Zeit marschierten acht andere seindliche Bataillone mit Mitrailleusen von KumburaS auf JaloS zu, mußten aber infolge deS Angriffs der bulgarischen Truppen in großer Unordnung die Flucht ergreifen, nachdem sie überall- große Verluste erlitten hatten. Auch diese Vormarschbewegungen deS FeindeS wurden durch Geschützfeuer von sechs Kriegsschiffen unterstützt.
Zins 3fr und Ausland.
Berlin, 1. April 1913.
Der Somme raufenthalt der Kaiserlichen Familie in Schloß Wilhelmshöhe soll in diesem Jahre am 5. Juli beginnen. Man rechnet damit, daß diesmal auch der Kaiser früher alS sonst, wahrscheinlich gleichzeitig mit der Kaiserin in Wilhelm-höhe eintr fft.
DaS Kaiserpaar und die Prinzessin Viktoria Luise unternahmen, wie auS Homburg v. d. H. gemeldet wird heute morgen gegen 8 Uhr einen zweistündigen AuSritt in die Berge. Zur FrühstückStafel war der Prinzgemahl Heinrich der Niederlande geladen. Die Kaiserin und die Prinzessin-Tochter werden am 5. Juli d. I. zum gewohnten Sommeraufenthalt im WilhelmShöher Schloß Eintreffen. In dieser Woche schon trifft au- Berlin der HauS- und Hosmarschall Frhr. von Lyncker in WilhelmShöhe ein, um die nötigen Vorbereitungen für die Uebersiedlung zu treffen.
Für daS abgelaufene EtatSjahr haben auS dem im Etat der Eisenbahnverwaltung zur Prämiierung nützlicher Ersindungen vorgesehenen Mitteln 58 Beamten und Arbeitern der Staat-eisenbahnverwaltung Belohnungen im Gesamtbeträge von 20 000 Mark für Erfindungen und Ver- befserungen, die zur Erhöhung der Betriebssicherheit oder Wirtschaftlichkeit beitragen, bewilligt werden können.
Die neue österreichische HeereSvorlage soll, wie die Wiener „Zeit" meldet, noch vor den Sommerserien cingebracht werden. Die FriedenSpräsenzstärke soll um 50 000 Mann erhöht werden, daS gestattet eine Mehreinstellung von 25 000 Rekruten daS Jahr, die 100 Millionen an einmaliger Kostendeckung ersordern. Diese Summe soll auf mehrere Jahre verteilt werden. — Auch die kürzliche Audienz deS ungarischen Ministerpräsidenten beim Kaiser steht mit dieser Angelegenheit in Zusammenhang.
Admiral Pohl wurde mit dem 1. April zum Chef deS Admiralstabes der Marine ernannt. Admiral von H e e r i n g e n, der bisherige Chef deS Admiralstabes, wurde mit diesem Zeitpunkt unter Enthebung von dieser Stellung zur Allerhöchsten Verfügung gestellt.
DaS anfangs aus zwei Jadre berechnete Kommando deS Kronprinzen an daS Leib-Hufaren-Regiment in Danzig-Langfuhr wird laut „Tägl.Rundfch." verlängert werden. Die gesamten Gebäude, die dem Kronprinzenpaare, dem Hofstaate und der Dienerschaft zur Unterkunft dienen, sind noch für ein weiteres Jahr gemietet worden. ES sind hierfür dienstliche und private Gründe maßgebend gewesen. Der Kronprinz ist mehr und mehr mit feinem Regiment verwachsen und die Bedingungen für den Aufenthalt deS Kronprinzen- paareS in Danzig-Langsuhr haben sich im Laufe der Zeit derart angenehm gestaltet, daß sie günstiger kaum noch gewünscht werden können. Am Donnerstag wohnt der Kronprinz einem Festessen in dem alten historischen ArtuShose bei, wo auch Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich alS Kronprinz ihrer Zeit geweilt haben.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
§ Hersfeld, 2. April. ES kommt häufig vor, daß brasilianische Familien von Deutschland aus Dienstboten, Gouvernanten und dergl. mit nach Brasilien nehmen. Ist über daS Dienstverhältnis ein schriftlicher Vertrag gemacht worden, so hat er in Brasilien nur dann Gültigkeit, wenn er von einem in Deutschland amtierenden brasilianischen Konsul legalisiert worden ist. Eine solche Legalifation unterbleibt jedoch fast immer und zwar wegen durchaus entschuldbarer Unkenntnis aus Seiten deS Dienstboten. Wenn eS dann später in Brasilien zu Differenzen zwischen Herrschaft und Dienstboten kommt, so ist letzteren der geschriebene Vertrag völlig nutzlos. Da eS zudem eine Dienstbotenordnung, Gesinderecht oder dergl. dort nicht gibt, und jeder Dienstbote jeden Tag ohne Anspruch auf Entschädigung sofort enikffir werden kann, — allerdings steht ihm selbst da
mit dir gemeinsam unseren Sohn zu erziehen, du mein geliebte? Weib."
Hand in Hand stehen sie am Fenster ihre- Abteil- im Eisenbahnzuge, der sie dem Orte ihrer Leiden und ihrer wieder« erstandenen Hoffnung entsührt.
Noch einmal erbebt Irenens Herz in banger Sorge, als sie in Monte Carlo eintreffen. Alexander sordert sie auf, ihn zum Casino zu begleiten, aber sie schüttelt den Kopf, und er versteht sie. Auch ohne sie muß er fest bleiben.
Und merkwürdig ist eS ihm: ohne die leiseste Lockung zu verspüren, steht er an den Spieltischen, hört er da- Klirren deS Goldes, die vertrauten Stufe, beobachtet er die Spieler, steht sie große Summen verlieren und gewinnen. Das ganze Treiben stößt ihn ab. Der Zauber ist gebrochen.
„Frei, frei! jubelt eine triumphierende Stimme in ihm.
Innig küßt er Irene nach seiner Rückkehr in daS Hotel, und unter seinem Kuffe wird ihr Antlitz wieder jung und rosig.
Dann wandeln sie auf der herrlichen Promenade dahin, auf der sie sich einst Treue gelobten, über ihnen der blaue Himmel, tief unter ihnen da- blaue Meer, in ihrem Herzen die köstliche Gewißheit, daß kein Schatten mehr auf ihren Weg fallen kann, daß Alexander durch die Macht der größten Empfindung, der hingehenden Liebe, gerettet ist und zurück- kehren darf in- Leben zu neuer Tätigkeit, neuem Schaffen, neuem Glück.
— (Vom lustigen Onkel Sam.) Ein modernes SenfationSdrama. „Er hat ein ganz originelles sensationelle-Drama geschrieben." „So? Wovon handelt er denn ?" „Die Heldin ist eine verheiratete Frau . . ." „Nun, und sie verliebt sich in einen anderen Mann, wie?" »Aber nein. DaS Originelle ist ja gerade, daß daS Stück eine Ehe zeigt, die beide ernst nehmen und in der beide glücklich werden." — Der pietätvolle Gatte. MrS. Aoungwedd (stolz): „Die-, liebe- Männchen, ist mein erster Kuchen." Er: „Oh: denkst Du nicht, mein Kind, eS wäre bester, wir würden ihn unl lieber alS Andenken aufheben und nicht essen?"