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Da geht sie in fein AlbeitSzimme»', schmiegt sich in seinen Stuhl und heftet die Augen aus sein Bild.

Ach, warum sprach sie nun damals nicht? Aber er, der gereifte Mann, hatte ihr gestanden, daß sie seine erste Liebe sei und daß er glücklich wäre, alS Erster und Einziger ihr Herz zu besitzen. Da hätte sie eS nicht über sich gewonnen, ihn zu enttäuschen, ihm von ihrer Jugendtorheit zu sprechen. Und später hat er, wenn er von zurückgegangenen Verlob- ungen und neuen Bündnissen gehört, es eine Sünde gegen den heiligen Geist der Liebe genannt, sich ohne tiefeS Em- Pfinden, ohne ernste Prüfung zu binden und bald enttäuscht das Band zu zerreißen. Da hatte sie ihr Schweigen gc- priesen.

Und nun steht eS als Feind gegen sie aus, denn jener wird reden! Sie muß ihm zuvorkommen, und doch ist'S ihr unmöglich, dem müden, verarbeiteten Manne, als er endlich bei ihr eintritt und sie sanft über ihr Aufbleiben schilt, ein erregendes, betrübendes Geständnis zu machen.

Am nächsten Morgen hält sie in den bebenden Händen einen Briefumschlag mit bekannten Echriftzügen. Darin eine Karte. Sie enthält nur die Worte: „Tausend Dank für Ihr Kommen! ES beweist mir, daß ich nicht vergessen ward1"

Sie wirst die Karte in daS Kaminseuer, und nun horcht sie zitternd aus jeden Anschlag der Glocke, aus jede Meldung deS Dieners. Gottlob, vergebens.

Sie wagt sich nicht auf die Straße um ihn nicht zu treffen.

Die Zeitungen bringen ausführliche Referate seines Vor- trageS, kündigen den zweiten an.

O, dieses Mal soll er sie nicht in den Reihen sehen, wenn auch ihr Gatte hingehen und sie einen einsamen Abend ver­leben wird.

Aber der Vortrag wird aufgeschoben, der berühmte Forscher sei erkrankt.

Asta schämt sich fast, daß sie erleichtert aufatmet.

An einem der nächsten Tage sagt ihr Gatte in sroher Erregung: „Weißt du, Herzlieb, wen ich in der Klinik habe? Wolf SchmibtbornI Gestern,wurde ich zu ihm in daS Hotel gerufen, eine sofortige Operation war notwendig. Da ließ ich ihn zu mir bringen und hoffe, ihm heute daS Leben gerettet, der Wissenschaft einen wertvollen Kämpfer erhalten zu haben."

„DaS ist ja eine große Freude für dich!" sagt sie un­deutlich. Erschreckt bemerkt er, wie bleich sie ist.

„Aber dieser Patient beraubt mich der Möglichkeit, bald mit dir sortzugehen, mein armer Lieb! Und ich möchte dich doch so gerne wieder frisch und rosig sehen. Tu mir die Liebe, häufig inS Freie zu gehen und danach lange zu ruhen!"

Ja, jetzt kann sie sich wieder Bewegung machen, da sie nicht fürchten darf, Wolf hier oder dort zu treffen. Aber die Angst ist nur noch größer geworden. Wenn der Kranke in seinen Fieberphantasien ihren Namen nennt I Wenn er seinen Retter aller erzählt! Aber nichts von alledem ereignet sich; Detlev berichtet ihr nur von den guten Fortschritten seines Patienten und etwas später von seiner Ungeduld, inS Krankenzimmer gebannt zu sein.

Und wieder nach einigen Tagen sagt er lächelnd: „Schmidt- born langweilt sich, zumal ich ihm daß Lesen und Schreiben noch verboten habe. Du könntest ihm ein wenig beistehen, ihm dann und wann ein halbe- Stündchen schenken, mit ihm in deiner lieben, heitern Weise plaudern."

„Ich? Wie käme ich dazu?" fährt sie aus.

„Nun, alS meine treue Kameradin und Helferin, wie du eS ja schon zuweilen getan. Bei Schmidtborn tätest bu'birett ein guter Werk, unterstütztest seine Genesung. Also ich hole dich in einer Stunde ab."

Sie nickt mechanisch. Dar Schicksal geht seinen Weg. Nur durch einen Nebel sieht sie beim Eintritt in daS freund­liche Krankenzimmer die aus der Chaiselongue ruhende Gestalt, da- schmale, bleiche Gesicht Wolf Schmidtborns, sie fühlt die Berührung seiner kalten Hand. Wie von weither scheint ihr ihre eigene Stimme bei einigen Begrüßung-- und Trostworten zu tönen. Ihr Gatte schiebt ihr einen Sessel hin und geht dann. Sie sind allein. Ein lähmende-, drückende- Still­schweigen herrscht in dem lichten Raum.

„Ich kam nicht freiwillig," stößt sie endlich heraus.

„Und warum nicht?"

„Weil jene Episode meine- Leben-, in der Sie — eine Rolle spielten, von mir vergessen war und unangerührt bleiben soll."

„So, so!" höhnt er. „Nun, freilich, du gewannst da­durch, daß du mich au- deiner Bahn stießest, ein ungleich höhere- Glück. Mich aber machtest du einsam, heimatlos."

„Dem Herzen läßt sich nicht gebieten. Ich liebte dich wohl niemals mit jener Liebe, die alle- trägt und duldet."

„Du bist grausam!" ruft er bitter. „Ich vergoß dich nie, dein Bild begleitete mich auf allen Wegen —"

„Solche Worte darf und will ich nicht hören!" zürnt sie und erhebt sich.

Beschwörend hebt er den Arm. „Nein, bleibe, ich will schweigen von allem, waS dich quälen könnte. Nur gönne mir diese Stunde!"

Eine mühsame Unterhaltung entspinnt sich. Trotzdem kehrt Asta jeden Tag wieder auf den dringenden Wunsch ihres Mannes.

Stets bringt sie da- Gespräch aus Wolf- Reisen; er gehorcht ihr wohl und erwärmt sich allmählich bei feinen Schilderungen, doch er kann eS nicht lassen, immer wieder auf die Jugend zurückzugreifen, auf seine damalige Liebe zu ihr.

Daß dieses Gefühl zu neuem Leben erwacht ist, liest sie auS feinen Augen.

O, wenn er doch erst gesund, sie nicht mehr gezwungen wäre, zu ihm zu gehen!

Mit wachsender Sorge bemerkt der Professor ihre Erregt­heit, ihre Ruhelosigkeit; er hatte gehofft, der Veikehr mit Schmidtborn würde ihr gut tun, und sieht sich getäuscht.

Doch sie leugnet e?, leidend zu sein. Eine seltsame Scheu scheint sie oft von ihm seine zu halten; waS hat sie nur?--

Zum ersten Male sucht Wolf Asta in ihren eigenen

Räumen auf; Detlev hat ihn hinübergeführt, feine Pflicht ruft ihn dann ab.

AlS er nach einer Stunde wiederkehrt, hört er im Neben­zimmer Schmidtborn in so leidenschaftlich erregtem Tone sprechen, daß er unwillkürlich stehen bleibt.

„Dein Treubruch tötete damals auch den Dichter in mir, Asta; aber er ist wiedererstanden. Diese Blätter legen Zeug­nis davon ab, daß meine Liebe feuriger noch emporgrlodert ist —"

Der Boden schwankt unter deS Prosessor- Füßen. Diese wenigen Worte erzählen ihm eine ganze Geschichte, sie ver­nichten sein Glück.

Er möchte Hineinstürzen, den der eS wagt, seinem Weibe von seiner Liebe zu sprechen, zur Rede zu stellen, und doch geht er still in sein Zimmer.

Wenn Asta jenen liebt — wie könnte er sie denn halten? Er ringt mit seinem namenlosen Schmerz, seiner großen Liebe und ahnt eS nicht, daß Asta zornbebend aufgesprungen ist, Wolf in seinen Schranken zurückweist, ihn anfleht, nbzu- reisen um ihrer Ruhe, ihre- Glücke- willen, und daß sie

endlich, endlich den Sieg davonträgt.

AlS er gegangen sinkt sie ohnmächtig zu Boden. Di« Erregung der letzten Wochen, die Pein dieser Stunde war zu groß. So findet sie ihr Gatte. In tiefem Schreck kniet er neben ihr nieder, wendet alle ärztlichen Mittel an, biS sie zu sich kommt.

Heiße Tränen überströmen ihr Gesicht. „Vergib mir!" murmelt sie und küßt seine Hand.

„Arme- Kind, du sollst nicht mehr unruhig, nicht mehr traurig fein, ich gebe dich frei."

Sie springt auf, sie preßt die Hand auf- Herz. Mit schreckerfüllten Augen starrt sie ihn an.

„Frei! Du willst mich verstoßen?"

„Nicht solch ein Wort, mein Kind! So hart eS mit ankommt, ich will dich dem geben, den du einst liebtest und wieder lieben lerntest."

„Großer Gott, du irrst, Detlev! Dich nur liebe ich, jenen hieß ich gehen. Meine Schuld nur war, daß ich dir verschwieg, waS er einst mir war. Vergib eS mir!"

In fliegenden Worten erzählt sie ihm von ihrer Jugend, von der Qual dieser Tage.

„Durch sie büßtest du dein Schweigen. Wie könnt' ich dir noch zürnen? Mein Lieb, mein Weib, mir wiedergeschenkt. daS ich schon verloren wähnte! Au- Schmerzen erblüht un8 neue- Glück; doch vergiß eS nie: Höchste- Vertrauen erfordert die Liebe und ist der Liebe Lohn!"

Da schmiegt sie sich in seine Arme, und er küßt die Tränen von ihrem Antlitz.

— Reich enberg (Böhmen), 25. März. Zwei Teil­nehmer am Fünizigkilometer-Rennen Tschechischer Hkrsahrer im Riesengebirge wurden heute bei heftigem Echneesturm bei der KeSzelkoppe und auf der Pantschwiese erfroren aufgesunden; ein dritter Fahrer wurde fast erstarrt in die Elbsallbaude gebracht.

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