mindestens 200 Personen in Omaha durch den Orkan umS Leben gekommen. 40 Straßen OmahaS wurden zum größten Teil zerstört. 3m Residenzviertel wurden 160 Wohnhäuser zum Teil gänzlich zerstört, ebenso 15 Kirchen und Schulen. In verschiedenen Teilen der Stadt brach Feuer aus. Auch drei Vororte Omaha- sind vollständig zerstört worden. Der Orkan richtete in Illinois, Missouri, KansaS, Süd-Dakota und Montana ebensalls großen Schaden an. Um Mitternacht erreichte der Orkan Chicago, wo 100 Personen verletzt wurden und zahlreiche Brände auSbrachen.
London, 25. März. Nach hierher gelangten New- Yorker Kabeldepeschen haben, soviel bisher feststeht, in den Stürmen, die am ersten Osterseiertag die Staaten NebraSka, Jndiana, Iowa, Missouri, JllenoiS, Alabama und Florida sowie Süddokotah und Montana heimsuchten, nicht weniger alS 600 Menschen ihr Leben eingebüßt, während 5000 zum Teil sehr schwere körperliche Schäden erlitten. In NebraSka wurden ganze Ortschaften von den Stürmen zerstört. In diesem Staate kamen 400 Menschen um und 1200 wurden verletzt. In der Hauptstadt Omaha stürzten 150 Wohnhäuser, 11 Kirchen und 8 Schulhäuser ein. 250 andere Häuser wurden schwer beschädigt. Die Straßen der Stadt waren voll von schreienden Kindern und Frauen, die in ihren Nachtkleidern auS den zusammenbrechenden Häusern geflüchtet waren. Der Blitz schlug in verschiedenen Gebäuden ein, und die Feuer wüteten die ganze Nacht, obwohl ein Wolkenbruch über die Stadt niederging. Die Obdachlosen hatten unter diesen Umständen schwer zu leiden. Alle Drahtleitungen mit einer einzigen Ausnahme sind zerstört, und man befürchtet, daß das Unheil an manchen Stellen noch viel größer ist, als die vorliegenden spärlichen Nachrichten vermuten lassen. Die StaatSmilizen find nach vielen Ortschasten auSgerückt, um die Ruinen gegen Diebe und Räuber zu schützen. Die Soldaten haben Befehl, alle Plünderer, wenn sie bei der Tat ertappt werden, zu erschießen. DaS Telephonamt war eins der ersten Gebäude, da- einstürzte, und eS begrub 20 junge Mädchen, die zur kritischen Zeit Dienst taten. Am meisten Schaden richtete daS Unwetter in den besten Stadtteilen OmahaS an. Der materielle Verlust wird aus 40 Millionen Mark geschätzt. Prairietown in Jndiana ist dem Erdboden gleich gemacht; kein HauS hat den Sturm überstanden. Die Zahl der Toten und Verwundeten konnte noch nicht festgestellt werden. Aehn- liche Nachrichten kommen von vielen anderen Städten in den Vereinigten Staaten. Auch Chicago hat unter dem Sturm schwer gelitten; vier Personen wurden getötet, 20 schwer verletzt, und der Schaden wird aus 10 Millionen Mark geschätzt. Zu Flat Spring (Missouri) blieb kein HauS verschont. Man weiß noch nicht, wie viele Personen dort getötet wurden. Verletzt sind etwa 200. Dasselbe Schicksal befiel Bonefey in Florida, da- zum größten Teil von der Bildfläche verschwunden ist. Der effektive Verlust ist noch nicht mit Sicherheit zu übersehen.
Mt 3» und Ausland,
Berlin, 25. März 1913.
Prinz Heinrich von Preußen ist, begleitet vom Hosmarschall Vizeadmiral Freiherrn von Seckendorff und vom persönlichen Adjutanten Kapitänleutnant von Hugo, am Dienstag früh von Frankfurt am Main nach Brindisi abgereist, um von dort ^t H M. S. „Bre-lau" nach dem PiräuS in See zu gehen und als Vertreter deS Kaisers den BeisetzungSfeierlichkeiten in Athen beizuwohnen. Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg hat sich dem Prinzen Heinrich aus der Reise nach Athen angeschlossen.
Der BundeSrat dürfte am kommenden Freitag über die neuen Steuervorlagen endgültig Beschluß sassen. Inzwischen läßt sich schon die Kölnische Zeitung melden: „Für die Ausbringung der dauernden Kosten der HeereSverstärkung dürfte, wie man hört, da- Erbrecht deS Reiche- sowie die Besitzsteuer gesichert sein, die von den Einzelstaaten aus Grund der Veranlagung des Vermögen- für die einmalige Abgabe verteilt aufzubringen wäre." — Danach hätte also einmal der alte Vorschlag deS bekannten JustizratS Bamberger (AfcherS- leben) ein Erbrecht der Reiche- gesetzlich festzulegen, nunmehr Aussicht aus Verwirklichung. Auch der andere Gedanke, eine Besitzsteuer aus dem Umwege über die Einzelstaaten einziehen zu lassen, der daraus hinauSgeht, die Matrikularbeiträge nicht nach der Kopszahl, sondern nach dem VermögenSstatuS aus die Einzelstaaten zu verteilen, ist nicht neu, er hat sogar bereit- im März 1909 bei den Kommission-verhandlungen über die Bülowsche Finanzresorm die gesetzgebenden Körperfchasten be- schästigt. Ueber die sormellen Schwierigkeiten kam man
mich schon lange in Wort und Tat. Ich kann dir nicht mehr glauben."
„O Irene, sei nicht so hart, so grausam! Willst du denn unser Kind der Vater- berauben?"
„Soll dein Sohn — die Augen einst niederschlagen vor seinem Vater?"
Er stöhnt markerschütternd aus. „Du verstehst e-, zu treffen, Irene. Gut, der Sünder wird verschwinden au- deiner Nähe, du Makellose. Kehre heim und schalte nach deinem Gefallen in Rheinau und AlcxiShos."
Dort ist dein Platz. Ich gehe mit dem Knaben zu meiner Mutter."
„Nein. Bin ich deS Zusammenleben- mit dir und unserm Sohne nicht würdig, so dars ich auch nicht mehr den Heimat- ltchen Boden betreten. Leb' wohl!"
Da flackert jähe Angst in ihr aus.
„Wohin gehst du, Alexander?"
„DaS Recht zu dieser Frage steht dir nicht zu."
Ohne einen Blick rückwärts zu werfen, verläßt er den Saal, das HauS. Ohnmächtig sinkt Irene zu Boden.
., viem^te fi"d vergangen. Der Sommer ist
über das blühende Rheinland geschritten und hat e-Ln Farbe, Glanz und Dust getaucht Die weißen Kerzen der Kastanien find schon abgeblüht, aber die Linden haben ihre zartgrünen Blüten aufgetan. Fast betäubend weht ihr Wohlgeruch. Rosen und wieder Rosen erschließen ihre königlichen Häupter dem Licht, an den Hängen färbt sich die Traube rot, blau und gelb unter dem brünstigen Kuß der Sonne.
Und überall au- den Gärten, von den Bergen, von dem mächtigen Strom tönt zu jeder Zeit der Sang fröhlicher Stimmen, der Hall jubelnden Lachens.
Nur im Herrenhause zu Rheinau herrscht lastende Stille, an Schwermut grenzender Ernst. Dort waltet Irene von Truchseß al- unumschränkte, immer tätige, doch auch stet- strenge, unnachsichtige Herrin. Ihre Untergebenen wie die Bewohner deS Dorfes schätzen sie hoch, sie danken ihr un» zählige Wohltaten, aber sie lieben sie nicht; und Ihr herbe»
damals nicht hinweg, so daß man den Plan bald aufgab. Im BundeSrat scheint man jetzt aber einen gangbaren Weg gefunden zu haben.
Eine Vorlage über die Gewährung von Diäten an Schössen und Geschworene wird zurzeit in dem zuständigen BundeSrat-auSschuß beraten und in nächster Zeit dem Plenum zur Beschlußfassung vorgelegt werden, so daß der Entwurs voraussichtlich demnächst dem Reichstage zugehen kann. Bei der Gewährung der Diäten sür Schöffen und Geschworene dürfte eS sich um TageSfätze in der Höhe von 3 bezw. 5 Mark handeln, und außerdem würden gegebenen- fallS auch noch Diäten für daS Nachtquartier zu berechnen sein. Die anfänglichen Bedenken finanzieller Natur, die seitens Preußens gegen die Vorlage geltend gemacht wurden, find verschwunden. Die Kosten, die dem preußischen Staate nach Annahme der vorliegenden Vorschläge entstehen würden, find auf ca. 1 Million Mark pro Jahr zu berechnen. Die Gewährung der Reisekosten für Schöffen und Geschworene kommt nicht in Betracht, da hierfür bereits Mittel in den StaatS- hauShaltSetat eingestellt find, au- denen die Reisekosten der Schöffen und Geschworenen sowie auch der Vertrauen-männer gedeckt werden. Im letzten Entwurs find insgesamt 288 000 Mail hierfür vorgesehen.
Die Auslösung d e - preußischen Abgeord- n e t e n h a u s e S, die infolge der Anberaumung der Neuwahlen vor dem Schluß der Legislaturperiode auS formellen Gründen notwendig werden tond, wird kurz vor Pfingsten erfolgen. Der Schluß der Landtagssession dürfte spätesten- am 3. Mai vorgenommen werden. In der Schlußsitzung wird, wie üblich, die königliche Order nur den Schluß de- Landtag- verkünden, und die Auflösung in der folgenden Woche durch eine zweite Order vorgenommen werden. Da die letzten Wahlen zum Landtag noch am 9. Juni vorgenommen werden können, so dürfte der neugewählte Landtag erst am 17. Juni zusan mentreten können. Die kurze Tagung der Landtag- im Juni wird nur mit geschäftlichen Sitzungen auSgefüllt. ES ist nicht beabsichtigt, dem Landtag für diese Tagung gesetzgeberischer Material zugehen zu lassen.
DaS neue Mi litärluftsch i ff „Z 4" wird nicht, wie zuerst bestimmt war, nach Königsberg kommen, sondern alS Ersatz sür daS zerstörte Luftschiff „Z 1," da- für Metz bestimmt war, dorthin gebracht werden. Da- zerstörte Lustschiff „Ersatz Z 1" dürste mit verhältnismäßig nicht bedeutenden Kosten in wenigen Wochen hergestellt sein, da Gondel, Motoren und Instrumente gebrauchsfähig geblieben sind.
Die Vorlage über Wahlurnen, durch die einheitliche Wahlurnen für da - ganzeReich eingesührt werden sollen, ist bereits im BundeSrat fertiggestellt worden und wird demnächst dem Reich-tage zugehen. Die Einführung von Wahlurnen bedingt eine Ergänzung deS jetzigen Wahlreglement-, die nur mit Zustimmung deS Reichstags erfolgen kann. Sie dürfte sich darauf beschränken, gewisse Mindestmaße für die Wahlurne vorzuschreiben, die auf Grund eingehender Erprobungen so bemessen sein werden, daß ein Schichten der Wahlzettel nicht stattfinden kann. In dem Wahlgesetz sür Elsaß,Lothringen find alS Mindestgrenze eine Höhe von 80 Zentimeter und eine Breite von 35 Zentimeter vorgeschrieben. Nur sür kleinere Gemeinden ist eine Höhe von mindesten- 40 Zentimeter zugelassen.
Die Italiener find noch immer nicht unbestritten die Herren in ihren neuen nordafrikanifchen Besitzungen. Eine starke italienische Streitmacht unter General Lequio unternahm am 23. März einen Vorstoß nach dem Gebiete von Charian, um diese- von aufständischen Araberscharen zu reinigen. ES kam hierbei zu einem heftigen Kampfe mit den Aufständischen, welche mehrere Höhenzüge besetzt hatten. Schließlich wurden sie geschlagen und zersprengt, ihre Verluste an Toten und Verwundeten sollen große gewesen sein. Die Italiener beziffern die in diesem Kampfe erlittenen Verluste aus 24 Tote und 133 Verwundete.
Im englischen Unterhause versicherte der Premierminister ASquith in Beantwortung mehrerer bezüglicher Anfragen erneut, daß En glan d durch keinerleiAbmachungen verpflichtet sei, an einem kontinentalen Kriege teilzunehmen. ASquith schloß mit der Erklärung, daß über den Gebrauch, welcher von England- Armee und Flotte im Falle einer Teilnahme England- an einem europäischen Kriege gemacht werden würde, vorher keine öffentliche Erklärung abgegeben werden könnte.
AuS Paris wird eine schwere Niederlage der Franzosen in Mauretanien gemeldet. Leutnant Martin, vier europäische Soldaten, vierzig eingeborene Schützen und fünfzehn GoimerS sind gefallen. Einige dreißig ringe-
Antlitz, das selten ein Lächeln erhellt, verrät keine Siebe zur Menschheit.
Alle Rheinauer und Alexi-Höfer sehnen Alexander zurück, den gütigen Herrn, der ihr Leid, ihre Freude verstand, dessen lebendige Teilnahme sie alle» Schwere leichter ertragen ließ, -essen sonnige- Lachen sie elektrisierte, sie bereit machte, für ihn zu schaffen, ohne Unterlaß.
Er sei krank und werde lange ferne bleiben, hat die Herrin gesagt, alS sie völlig verändert auS dem Süden heim« kehrte. Alle ahnen ein dunkle- Geheimnis; niemand kann sich Alexander Truchseß, diese Bejahung blühendsten Lebens, krank denken. Anfang- hat hin und wieder einer der Leute Irene nach dem Befinden de- Herrn Baron- gefragt; ihre Antworten waren aber kurz und abweisend gewesen. Da verstummten die Fragen.
Aber heimlich spricht man umsomehr von dem Fernen in den Spinnstuben, auf den Weinbergen, in den Weinstuben, und so nachhaltig ist der Eindruck seiner Persönlichkeit, daß Irene selten auf Schwierigkeiten stößt. AuS Liebe zu dem, der doch einmal zurückkehren und sich seines Besitze-, seiner Leute freuen muß, tun sie alle ihre Pflicht und mehr alS dar.
Die Bekannten aus den Steifen deS Veschollenen kommen mit ihren Vermutungen der Wahrheit sehr nahe; sein spur# loseS Verschwinden hat ungeheures Aufsehen gemacht, ebenso seine lange Trennung von der Frau, die er abgöttisch geliebt. Man ahnt, daß Prinz Jsingen eine Rolle in dem seltsamen Drama gespielt; er ist aber nicht mehr in die Garnison zurück» gekehrt, und traf er einmal einen früheren Kameraden, so verweigerte er jede Auskunft in feiner hochmütigen Weise.
Schloß Rheinau ist allen ehemaligen Freunden verfchloffen. Im ersten Jahre wurden alle abgewiesen; seitdem kommt niemand mehr, und Irene ist eS recht so. In ihr tiese- Leid soll kein fremde- Auge blicken.
Sie lebt nur der Verwaltung de- Gute- und der Erziehung bei Knaben. Auch zu ihm ist sie unnachsichtlich streng; kein kleine- Versehen läßt sie ungerügt, und doch liebt der Knabe seine schöne, ernste Mutter und zeigt eS ihr voll kindlichen Ungestüms.
Zuweilen kommt el dann wohl vor, daß heiße ZSrtlichkiit
borene Schützen, ein weißer Sergeant find verwundet in FeindeShand geraten und maffakriert worden. Der Rest bei DetachementS zog sich eilend- zurück. Die Strafexpedition mußte au- Mangel an verfügbaren Kräften verschoben werden.
Frankreich hat innerhalb 8 Tagen die zweite MinisterkrisiS zu erwarten! Kaum zusammengetreten, stößt daS Ministerium Barthou aus derartige Schwierigkeiten, daß sein sofortiger Rücktritt sicher ist. Bei der Abstimmung in der Rammet nach Schluß der Interpellationen sprachen sich 217 Stimmen sür und 151 gegen da- Regierung-programm deS Ministerium- auS: 221 Stimmen enthielten sich der Abstimmung. DaS Ministerium Barthou hat damit kein direkte- Mißtrauensvotum erhalten, da jedoch den 217 Stimmen, die seine Politik unterstützen, 372 Gegner oder Indifferente gegenüberstehen, verfügt eS nicht über die notwendige parlamentarische Mehrheit, zumal der Senat von vornherein gegen Barthou ist. Ihm wird daher nicht- anders übrig bleiben, al- zu demissionieren.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
• (Holzverkäufe an Handwerker.) Der Reichstag-abgeordnete Werner (HerSfeld) hat unterm 11. Febr. eine Eingabe an den Herrn Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten betr. die Holzverkäuse an Handwerker, gerichtet. Am 19. März ging Werner folgende Antwort auS dem Ministerium zu: „Aus die von Eurer Hochwohlgeboren mitgeteilten Wünsche erwidere ich ergebenst, daß eS nicht möglich ist, den Handwerkern Holz zu besonders niedrigen Preisen zu verlausen. Die Oberförster sind jedoch angewiesen, die Befriedigung deS örtlichen Bedarf- besonder- im Auge zu behalten. So sollen z. B. gegebenenfalls Termine mit beschränkter Zulassung von Kaufliebhabern abgehalten werden, um den Handwerkern die Beschaffung deS nötigen WerkholzeS zu erleichtern. Auch wird zur Erreichung diese- Zwecke- in geeigneten Fällen von dem sog. AbgebotSverfahren Gebrauch gemacht, daS die örtlichen Holzverbraucher von dem grundsätzlichen Ueberbotenwerden durch die Händler schützt."
* (Von den Volksschulen in Hessen- Nassau.) Von 5206 im Jahre 1911 an den Volk-schulen in Hessen-Nassau angeftellten VolkSschullehrern stammten 4417 auS der Provinz H'ssen-Nasiau, 609 auS anderen preußischen Provinzen und 180 auS den übrigen deutschen Staaten. WaS die Lehrerinnen, deren Zahl sich auf 978 stellte, anbelangt, so stammten 648 auS Hessen-Nassau, 205 auS den übrigen Provinzen und 125 aus sonstigen deutschen Staaten. Hinzu gefügt sei, daß von den Lehrern 1006 und von den Lehrerinnen 302 in ihren Heimat-kreisen Anstellung fanden.
§ Hersfeld, 25. März. (Vivat-Bänder zur Jahrhundertfeier.) Zur Verwendung bei der Jahrhundertfeier der Erhebung Preußen- ist durch den Regierung-rat Winkel in Königsberg i. Pr. zum Besten der Veteranenspende ein mit Versen und mit bildlichen Darstellungen bedruckte- Seidenband herausgegeben worden, wie man eS unter dem Namen „Vivat-Band" von der Zeit bei siebenjährigen KriegeS an bis in die Zeit von 1813 ganz oll- gemein anläßlich von Sieges- und Frieden-feiern als Fest- schmuck an der linken Brust oder an der linsen Schulter trug. Die damaligen Bänder zeigten neben den Regenten die Heerführer der Zeit, Fahnen und Waffen, Siegesgöttinnen und Blumengewinde, sonstige Embleme und Verse, die auf dazu feiernde Ereignis Bezug hatten. Sie wurden von-hoch und gering, von Männern und Frauen, von alt und jung, von allen Vereinen und allen Schulkindern bei Festzügen, beim Festgottesdienst, bei den Festseiern und Festbällen getragen, mit einer Nadel angesteckt, genau so, wie man heute Festschleisen und Festmedaillen trägt. Diese Sitte ist in Ostpreußen mit außerordentlich großem Ersolge neu belebt worden, und eS sollten auch in unserer Provinz wieder Vivat-Bänder zum Ausdruck der freudigen Stimmung an allen patriotischen Festtagen auf der Straße und bei den Festlichkeiten in ge- schlossenen Räumen allgemein alS Festschmuck getragen werden. ES handelt sich dabei ebenso wohl um die vielen kleineren patriotischen Feste deS ganzen JahreS, wie in-besondere um die Feiern deS Regierung-jubiläum- Seiner Majestät deS Kaiser- und König- und der Gedenktage- der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober. Die Bänder sind von hellsarbiger Seide und kosten 50 und 75 Psg. Um die Verwendung bei den Schulkindern und Kriegerverein-sesten ganz allgemein zu ermöglichen, werden auch billige Ausgaben aus Atlas berge« stellt und zwar: 1. Ein Schulband für Volksschulen 10 Psg. 2. Ein ebensolche- für höhere Schulen für 15 Psg. 3. Ein Verein-band für 25 Pf. Da- neue Vivatband trägt die Bilder de- regierenden Kaiser- und deS KönigS Friedrich
plötzlich den streng geschlossenen Reiter ihre- Innern sprengt' daß sie deS SohneS Antlitz, da- so sehr dem Alexander- gleicht, mit Küssen bedeckt, während Tränen ihren Augen entströmen. Bald aber faßt sie sich und ist wieder streng, ernst, unnahbar.
Nie spricht sie von Alexander, und doch gibt el feine Stunde am Tage, in der sie nicht seiner gedenkt, keine Nacht, in der sie nicht von ihm träumte! Oft sieht sie ihn hohläugig, „zerrissen und bleich", wie ei im Siebe heißt, voller Vorwurs sie anschauend, so daß sie mit jähem Schrei empor- fährt, oft unter geschminkten Weibern am Spieltisch, der Zügellosesten einer. Dann kommt'-, daß sie beim Erwachen ihr Kiffen seucht von Tränen findet.
Wo mochte er weilen, wohin trieb ihn seine Leidenschaft? So hatte fie sich oft und oft gefragt. Ein Jahr nach ihrer Trennung gab er selbst ihr daraus die Antwort. AuS einem französischen Seebade erhielt sie einen von Zähren halb verlöschten Brief.
„Irene, du hattest recht, mich zu verachten. Damals schalt ich dich hart und grausam. Jetzt — verachte ich mich selbst. Ich watete im Schlamm, und von mit zu dir, zu unserm Kinde führte keine Brücke mehr. Vergib, daß ich dich an mich fesselte, und leb' für ewig wohl!"
Stundenlang hatte fie sich an jenem Tage eingeschloffen, und alS sie wieder erschien, erschraken alle. Sie sah wie eine Sterbende auS. (Fortsetzung folgt.)
— Eine rätselhafte Bergistung-aff äre ereignete sich am Sonnabend in der bei Driesen in der Mark gelegenen Kolonie Langscheerofen. Dort erkrankte die ganze Familie deS Arbeiter- Sommerseld plötzlich unter VergistungS- erscheinungen. Zwei Kinder, Mädchen im Alter von zwei und fünf Jahren, sind im Laufe deS Tage- gestorben, während die Eltern und die übrigen drei Kinder in bedenklichem Zustand in da- Driesener Krankenhaus gebracht werden mußten. Bon dem Mageninhalt bet Erkrankten wurden Proben dem NahrungSmitteluntersuchungSamt in Berlin eingesandt, von deffen Befund es abhängt, ob die beiden Leichen seziert werden.