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herrsel-er Armblatt
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Fernfprech-Knfchlutz Nr. 8 ,
Nr. 36. Donnerstag, den 27. März 1913.
Amtlicher teil.
Her-seld, ben 18. Mär, 1913.
Unter Bezugnahme aus die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 ( lreiSblatt Nr. 12) betreffend die Vertilgung der Raupennester, werden hierdurch die Herren Ort-vorstände deS Streifes ausgesordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den OrtSpolizeiverwaltungen zu- stehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrasung nach dem § 368,2 deS Straf- gcsetzbucheS zur Anzeige zu bringen.
Die Königliche Gendarmerie wird tun, waS ihre Pflicht ist.
Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für tunlichste Verbreitung der hierunter abgedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.
I, 3458. Der Landrat.
A. • Wessel, Klei-sekretär. ♦ * ♦
Die Vertilgung der Kohlweteelinge.
Jeder Landwirt und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen und Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast ausnahmslos gerade diejenige des Kohlweißlings. DaS Geschäft der Raupenvertilgung bleibt deshalb vorzugsweise der menschlichen Tätigkeit überlassen. Dies« vermag daS Uebel auch zu bezwingen wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter Anwendung der richtigen Mittel eingreifen wollte.
Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großen Mengen an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.
Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt daS Eierlegen an der unteren Seite kreuzblütiger Gewächse (Raps, Meerretig rc.). Nach 10—14 Tagen schlüpfen die Räupchen auS und beginnen an den sie beherbergenden Gewächsen ihre zerstörende Tätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb vier Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.
Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und er beginnt nun eine zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auskriegenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppen. Die Raupen dieser zweiten Generation sind eS, welche in warmen, mehr trockenen als feuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.
Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vor. genommen werden, so muß sich diese erstrecken:
. 1. auf das wiederholte Aufsuchen und Zerdrücken der Gier, welche sich wie gesagt, auf der unteren Seite kohlartiger Gewächse und stets in größerer Zahl aus einer kleinen Fläche vorsinden,
2. auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen wahrend
M die Liebe iß die größte...
Novelle von C. Gerhard.
(Fortsetzung.)
Doch ein Gefühl von etwas Drohendem überkommt sie, als er ihr eines Tages erzählt, er wäre dem Prinzen Jfingen begegnet, der nach einer heftigen Influenza feinen Urlaub an der Riviera zubringe.
„Er bittet, dir seine Verehrung auSsprechen zu dürfen, fügt Alexander hinzu.
„Nein, Liebster, ich mag ihn nicht sehen, sein Antlitz gehört nicht in den harmonischen Frieden dieser Landschast, sein oberflächliche- Geplauder nicht in meine Stimmung."
„Gut, gut, ich will ihm sagen, du seist noch nicht erholt aenua. Und nun leb’ wohl I“
Tag für Tag verläßt Alexander die Seinen von nun an; bald kehrt er heiter, ongeregt, bald verstimmt zurück, zuweilen bleibt er auch in den Abendstunden fort. Nie hält ihn Irene zurück, obwohl es ihr schmerzlich ist, daß sie ihre ersten Spaziergänge, die sie täglich weiter ausdehnt, allein oder mit dem Bübchen an der Hand machen muß.
EineS Tage- wartet sie länger aus ihren Gatten alS sonst; sie hat sich zur Ruhe begeben, ober sie kann nicht fchlasen. Sie erhebt sich wieder und hüllt sich in daS lose, weiße Morgenkleid, tritt auf die Terrasse und schaut hernieder auf daS leise brandende Meer und hinauf zum sternenfunkelnden Himmel. Blumendüfte steigen aus dem Garten empor und umschmeicheln ihre Sinne.
Wie wunderschön ist Gottes Welt! Und wie dankbar ist sie, daß er sie gefunden ließ. Täglich fühlt sie sich kräftiger. Bald können sie heimkehren, und dann wird im Rhein- lande gerade der Frühling erwachen. Heute noch will sie ei Alexander sagen, daß sie Vielleicht in acht Tagen reisen könnten. wie glücklich wird er über die Besserung in ihrem Befinden fein, wie froh, zu seiner Tätigkeit zurückkehren zu können!
der Wintermonate, besonders während des Januars und Februars und ganz besonders
3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.
Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.
Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird daS Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.
Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Dem Männchen fehlen dieselben.
DaS Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühjahr nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftigung für die Jugend. Schaffe nur leb er Landwirt und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien aus. ES würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu betrauen.
Stadt- und Landgemeinden und die landwirtschaftlichen Vereine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl ange- meffen prämiieren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.
nichtamtlicher CeiL
Der Balkankrieg.
Montenegros Protest.
Auf die letzte österreichisch-ungarische Note hat Montenegro zwar daS Zugeständnis gemacht, die frembe Zivilbevölkerung aus Skutari abziehen zu lassen, hat sich aber nicht darüber geäußert, ob eS daS Bombardement einstellen wolle, sondern hat bei den Mächten einen Protest gegen dieses Vorgehen Oesterreichs eingereicht.
C e t i n j e, 25. März. Nach einer Meldung deS Reuter- schen Bureaus beklagt sich Montenegro in einer an alle Großmächte gerichteten Zirkularnote über die Aktion Oesterreich- Ungarn-, durch welche die Einstellung des Bombardements von Skutari biS zum Abzüge der Zivilbevölkerung gesordert und im Falle der Ablehnung Gewaltmaßnahmen angedroht werden. Die Regierung betrachte die Aktion Oesterreich- UngarnS alS eine Bresche in die Neutralität und teile mit, daß sie die zum Abzüge der Zivilbevölkerung auS Skutari notwendigen Maßnahmen treffen werde. Zu gleicher Zeit mit dieser Zirkularnote hat die Regierung aus der Österreich sch- ungarischen Gesandtschaft eine Note überreicht, in der sie von ihrem Entschluß und von ihrem Protest gegen die Haltung Oesterreich-UngarnS bei den Mächten Mitteilung macht.
Generalsturm auf Adrianopel.
Sosia, 25. März. Heute früh hat vor Adrianopel der
Sie läßt sich in einen Sessel sinken und träumt mit wachen Augen.
Plötzlich zerreißen die sriedliche Stille der Frühling-nacht laute, weinselige Stimmen, von denen die eine Irene bekannt klingt. Ist eS nicht JsingenS scharse- Organ?
„Trösten Sie sich über ihren heutigen Verlust, Truchseß," lacht er unangenehm aus. „Er ist erklärlich,- da Sie mit Ihrer schönen Gattin hier find. Glück in der Liebe schließt bekanntlich daS im Spiele auS. Daheim haben Sie un- ja weidlich gerupft, alS Sie, ein trübseliger Strohwitwer, zum einzigen Trostmittel griffen."
Irene sitzt wie erstarrt da, alles Leben scheint in ihr erloschen.
Wird Alexander nicht den Frechen, wahrscheinlich Berauschten Lügen strafen ?
Aber er lacht nur mißtönend aus und Jfingen fragt: „Morgen fahren wir wieder nach dem anziehenden BaalS- tempel. nicht wahr?“
„Natürlich, ich muß daS Verlorene wiedergewinnen, baS Gold klirren hören."
Irene ist'-, als griffe eine eiskalte Hand nach ihrem Herzen, als müsse sie sterben.
Sie bringt eS nicht über sich, ihren Gatten ins Antlitz zu sehen, ihn zu sprechen; mit müden, automatenhaften Bewegungen begibt sie sich in ihr Schlafzimmer, verriegelt die Türe und liegt stundenlang schlaflos, tränenloS da. Nur der eine Gedanke kreist in ihrem Hirn, daß ihr Glück in Scherben liegt, zerschmettert ist. Erst gegen Morgen fintt sie in dumpfen Schlaf. AlS sie erwacht, steht die Sonne schon hoch am Himmel. Die Jungfer berichtet ihr, daß der Herr Baron verboten, Frau Baronin zu stören; er müsse einer Verabredung zusolge nach Kap Martin fahren.
„Wirklich nach Kap Martin?" denkt sie. „Jst'S nicht nach jenem andern Ort? Belügt, betrügt er, den ich für die Wahrheit selbst hielt, mich nicht vielleicht seit langem mit jedem Wort?"
O, wie diese Erkenntnis schmerzt!
Die strahlende Sonne tut ihr heut« weh, sie flieht den
Generalsturm aus olle Sektoren begonnen. Der Ostsektor wurde im Sturme genommen.
London, 25. März. AuS Sofia wird gemeldet, daß die Bulgaren die erste türkische Verteidigung-linie von Adria- nopel genommen haben.
Sofia, 25. März. Heute früh um 1 Uhr unternahmen die Bulgaren gleichzeitig den Generalsturm aus allen Sektoren gegen die vorgeschobenen Positionen der Festung Adrianopel. Gegen Va4 Uhr gingen die bulgarischen Truppen trotz deS erbitterten Widerstände- der Türken mit dem Bajonett vor und eS gelang ihnen, alle Positionen deS OstsektorS zu besetzen. Die Festungswerke von MaSlak mit dem Fort gleichen Namens und alle unmittelbar im Lstkn der Festung-linie gelegenen befestigten Punkte fielen in die Hände der Bulgaren, welche zwölf Geschütze mit allen dazu gehörigem Material und vier Maschinengewehre erbeuteten und ein Bataillon von etwa dreihundert Mann gefangen nahmen. Tu v. lqmNchen Vorposten besetzten dann SenvonberS, daS ungeiähr einen Kilometer von der Festung-linie entfernt liegt. Aus dem östlichen und südlichen Sektor warfen die Bulgaren den Feind aus seinen vorgeschobenen Positionen und rückten auf Der ganzen Linie vor. Bei Tschataldscha warfen die Bulgaren den Feind aus der ganzen Linie zurück. Sie halten jetzt die Linie Ormanli-EpivatoS besitzt.
Die Reste der mazedonischen Armee gefangen.
C e t i n j e, 25. März. Amtlich wird gemeldet, daß Dschavid Pascha sich mit 15000 Mann am Flusse Skumbi den Serben ergeben hat.
Diese 15 000 Mann sind die letzten Ueberreste der großen mazedonischen Armee. die .fttf^Br^M He- Kriege» die ein» sollenden Serben vor sich hertrieben. Nach der großen Schlacht von Kumanowo ging der Rückzug der Türken über UeSküb nach Monastir und Wodena, wo sie von den Griechen angegriffen wurden. Von dort wandten sich die Trümmer bet Armee nach Janina, bei dessen Fall sie wieder in Albanien nordwärts gingen, wo sie sich jetzt endgültig den Serben übergeben mußten. Damit schließt ein wenig ruhmvolles Kapitel diese- FeldzugeS.
Sosia, 25. März. Nach Privatmeldungen wird Adria- nopcl seit zwei Tagen von allen Seiten hestig beschossen. Bereits zwei türkische Werke, Ajwastepe und Taschtepe, sollen in die Hände der Bulgaren gefallen sein. Bei Tschataldscha seien die Türken auf der ganzen Linie vorgestoßen, jedoch von Bulgaren mit großen Verlusten zurückg worfen worden. Die Bul iaren hätten dabei Drei Kilometer aufgegebeneS Terrain zurückerobert.
Die vrlanoemWungen in Amerika.
New - Aork, 24. März. Wie der Gouverneur von NebraSka und der Bürgermeister von Omaha erklären, find
Anblick deS leuchtenden MeereS, veischließt sich selbst vor dem jauchzenden Knaben.
Früher, alS am Tag« zuvor, kehrt Truchseß heim.
Bleich, mit düsteren Augen, wieder in baS Trauer kleid gehüllt, daS sie in zwingendem Impulse gewählt, empfängt ihn Irene. Nicht wie sonst reicht sie ihm die Lippen zum Kuß, nicht wie sonst schmiegt sie sich an seine Brust. Mit einer Stimme, die bar alle- Wohllaute-, wie eine gesprungene Glocke klingt, fragt sie:
„Wo warst du? Sag mit die Wahrheit, Alexander!"
„Ich war — warum soll ich'- verhehlen, zumal du eS zu wissen scheinst — im Kasino von Monte Carlo."
„Und spieltest?"
„Und spielte."
„Und spieltest schon daheim, entweihtest den Boden, den dein unschuldige- Kind betritt? Weißt du eS nicht, waS du mir versprachst aus der Terrasse jene- fluchwürdigen Orte- ?"
Er steht gequält vor ihrem Richterblick.
„Die Leidenschast hat mich überwältigt. Ich spielte, wie «S Unzähliche tun. Ist denn die Sünde so groß?"
„Ob sie groß oder klein ist, kann ich nicht ermessen; nur daß ich dich nicht mehr zu achten vermag," sagte sie tonloS.
„Irene!" schreit er auf. „Besinne dich, wa- du sprichst!"
„Und daß wir unS trennen müssen," sährt sie achtlos seines EinwandeS fort.
Wie ein Blitzstrahl ist da- Wort in ihn gesahren. Er springt auf sie zu, umklammert ihre bebende Hand mit seinen kalten Händen, seine Augen lodern wie Flammen auS dem entfärbten Gesicht.
„Sag'- noch einmal, daß du dich von mir trennen willst, daß du, deinen Schwur, vor dem Altare geleistet und tausendmal in deinem Herzen wiederholt, blichst, die Treue nicht hältst, weil ich strauchelte."
„Die eine Sünde zieht viele andere nach sich. Voll beseligenden Vertrauen- lebte ich neben dir, und du täuschtest