der OrtS- oder Polizeibehörde, welche spätesten- auf dem Kontrollplatze abzugeben find, bescheinigt werden.
In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontrollversammlung gehindert ist, ohne Angabe deS Grunde-, sind ungültig und werden nicht angenommen.
HerSfeld, den 7. März 1913.
Königliche- Bezirk-kommando. * *
HerSfeld, den 14. März 1913.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS Kreise- haben die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinde- bezirken alsbald wiederholt zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und namentlich den betreffenden Mannschaften noch besonders mitzuteilen.
Der Gendarmeriewachtmeister, zu dessen Bezirk der Kontrollort gehört, hat zweck- Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontroll-Versammlungen zugegen zu sein. I. M. Nr. 615. Der Landrat
I. A.:
W e s s e l, KcciSsekretär.
nichtamtlicher Ceil.
Die Rede der Kaisers an die LandwehroWere.
Bei dem Festmahl, daS aus Anlaß der Jahrhundertseier im LandwehroffizierS-Kasino stattfand, hielt der Kaiser eine Ansprache, in der er in begeisterungweckender Weise auf die Ereignisse deS JahreS 1813 zurückgriff. Die Rede der Monarchen hatte folgenden Wortlaut:
„Der heutige Geburtstag der unvergeßlichen Königin Luise ist der Erinnerung an die weltbewegenden Ereignisse vor 100 Jahren gewidmet, der Erinnerung an die ruhmvolle Erhebung deS Volkes in Waffen zur Befreiung unsere- Vaterlandes von jahrelanger Fremdenherrfchaft. Gott dem Herrn, der an Preußen so Großes getan, und den Helden der Befreiungskriege ist heute von unserem Heer und Volk an geweihten Stätten Dank und Verehrung dargebracht. In patriotischer Begeisterung wird bei den heutigen Festlichkeiten mit besonderen Stolz der Ruhmestaten der preußischen Landwehr gedacht, deren Bildung vor hundert Jahren dem Heere neue Kräfte zuführte. Eine besondere Freude ist eS mir, am Abend dieses Gedenktages im Kreise der Kameraden der Landwehrinspektion Berlin weilen und an der Feier der stärksten Vereinigung von Offizieren deS BeurlaubtenstandeS teilnchmen zu können. Ich danke Ihnen herzlich für ihre Einladung und die freundliche Begrüßung durch den Mund Ihres Inspekteurs. Die feierliche Erneuerung Ihres TreuschwurS und daS Gelöbnis, Ihrer Landwehrdevise „Mit Gott sür König und Vaterland!- allezeit eingedenk zu bleiben und ihr nachzuleben, habe ich gehobenen Herzens entgegengenommen. ES ist mir eine Bürgschaft dafür, daß der Geist treuer Pflichterfüllung, der unserem Volke vor hundert Jahren mit GotteS Hilfe den Sieg verlieh, auch heute noch in den Offizierkorps deS BeurlaubtenstandeS wie der aktiven Armee lebendig ist. In unserer ernsten Zeit aber gilt eS, diesen Geist der Hingabe an daS Vaterland auch in unserem Volke und in seiner Jugend wachzuhalten, die sittlichen Kräfte zu heben und zu stärken und nicht durch Selbstsucht, Genußsucht und Abfall von dem Glauben unserer Väter verkümmern zu lassen. Und dazu mitzuwirken, sind Sie, Kameraden von der Reserve und Landwehr, ganz besonders berufen und auSersehen. Sie stehen in Ihrem Berufsleben in dauernder Fühlung mit allen Schichten der Bevölkerung. Ihr Beispiel, Ihre Leben-anschauung im Kampfe gegen die finsteren Mächte und Ihre Pflichterfüllung gegen Gott, König und Vaterland sind von außerordentlicher Bedeutung deS Unglaubens und der VaterlandSIosigkeit, die in unseren Tagen an dem gesunden Marke unseres Volkes zehren und feine Ruhe und seine Zukunft zu stören drohen. DaS Vaterland erwartet von Ihnen in erster Linie nicht kriegerische Lorbeeren, sondern ein verdienstvolle- Wirken als Staatsbürger. ES rechnet darauf, daß sie dem deutschen Volke und besonders der deutschen Jugend mit Rat und Tat und einem charaktervollen Vorbilde treu zur Seite stehen. Ein solcher Eintreten für die idealen LebenS- werte wird Sie um so tüchtiger machen zur Ersüllung Ihrer militärischen Aufgaben alS Führer der Söhne unseres Volkes, auch auf dem Schlachtfelde, wenn die Not des Vaterlandes
legte sie zart den Arm um feinen Nacken und küßte feine Stirne.
„Ich will dein sein, Alexander, denn mein ganze- Herz gehört dir. Aber ich bitte dich, laß nie jener Furchtbare zwischen uns treten 1 Ich ertrüge eS nicht, dich klein zu sehen."
Da schloß er sie fest an seine Brust und küßte die Tränen von ihren Wimpern.
Nicht in jauchzendem Ueberschwang hatte er sein Glück gewonnen, aber er hielt eS doch im Arm und gelobte sich, eS zu hüten.
Still gingen die beiden dann den Eltern entgegen, welche die schwere Erschütterungen deS Brautpaare- nicht zu deuten wußten.
®in leuchtender Herbsttag am Rhein ging zur Rüste. Wie flüsiigeS Gold schimmerten die Wellen deS mächtigen Strom- im glutenden Strahle der Abendsonne. Sein Rauschen klang durch den düfteschweren Garten über die Terrasse durch die weugeöffneten Flügeltüren in dem herrlichen Speisefaal deS Truchseßschen Schlosses.
Um dielange, mit köstlichem Linnen gedeckte, silbersunkelnde, m>t roten Rosen geschmückte Tafel hatte sich eine frohe Ge- fellschast versammelt, anmutige Frauen und Mädchen in lichten Gewändern, Herren im Frack und in Uniform: die GutS- besitzer der Umgegend, die Offiziere der nahen Garnison, die höheren Beamten der Kreisstadt.
In der Mitte der Tafel saß die HauSfrau, in mattweiße Seide gekleidet. Irene von Truchseß trug keinen Schmuck, und dennoch war sir die Schönste der anwesenden Frauen, Die drei Jahre ihrer Ehe hatten ihrem Antlitz alle- Herbe genommen, den unsäglichen Reiz ihrer Erscheinung noch erhöht.
Ihre tiefblauen, leuchtenden Augen hefteten sich voll Liebe aus ihren mit seiner Nachbarin lebhaft plaudernden Gatten, und trotzdem er über ein ihn interessierende- Thema sprach, fühlte er den Blick und erwiderte ihn mit Wärme. Die beiden waren ein- geworden im Miteinanderleben, und der Einklang ihrer Seelen beglückte sie aus- tiefste.
Irene war ihrem Gatten geworden, was sie so heiß ersehnt,
Sie zwingen sollte, Ihren friedlichen Beruf mit dem Schwert zu «vertauschen. DaS ist der Weg, auf dem Sie sich al- würdige Nachfolger jener ersten Landwehroffiziere vor hundert Jahren erweisen sollen, die nicht nur auf deS KönigS Ruf selbst freiwillig zu den Fahnen geeilt waren, sondern schon vorher, alS sie noch aus dem Katheder, im Bureau, in der Fabrik oder aus eigenem Hose schafften, durch Wort, Lied oder Beispiel die gute Saat in da- Herz deS Volke- gestreut, und eS zur freudigen Hingabe von Gut und Blut für Ehre und Freiheit deS Vaterlande- begeistert hatten. Eingedenk deS verheißungsvollen und zugleich mahnenden Worte- deS Feldmarschalls Blücher in seinem Armeebefehl nach der Schlacht bei Belle-Alliance: „Nie wird Preußen untergehen, wenn eure Söhne und Enkel euch gleichen" und im festen Vertrauen auf die Treue meiner Triarier trinke ich auf da- Wohl des Landwehroffizierkorps Berlin. Vivant Regis triarii! Drei Hurra- unserer Landwehr I"
Der Balkankrieg.
Zur allgemeinen Lage.
Berlin, 16. März, Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundjchau: Die Forderungen deS Balkanbundes sind zum Teil recht weitgehend; sie greifen außerdem in mehr als einem Punkt aus Fragen über, die mit europäischen Interessen verknüpft sind und deshalb nicht ohne Mitwirkung Europas gelöst werden können. AlS Beispiele nennen wir die Entscheidung über die Zukunft Skutari? und der ägäischen Inseln und daS Verlangen nach einer Krieg-entschädigung. Unter diesen Umständen sind die Vorschläge der Verbündeten einer eingehenden Nachprüfung durch die Mächte zu unterziehen. Damit wird leider dem allgemein gehegten Frieden-wunsch eine neue Geduldsprobe auferlegt. Wir halten indessen an der Hoffnung fest, daß die schwierige Arbeit der europäischen Vermittelung trotz der noch entgegenstehenden Hindernisse glücklich durchgesührt werden kann. Seit der Einnahme von Janina macht Montenegro erhöhte Anstrengungen, um Skutari in seine Gewalt zu bringen. Man muß eS beklagen, daß in diesen Rümpfen dar Leben vieler tapferer Männer geopfert wird, ohne daß daraus für Montenegro ein Vorteil erwächst. NaL dem einmütigen Willen Europas soll Skutari, welches auch fein Schicksal in diesem Feldzug sein mag, mit dem künftigen Albanien vereinigt werden. Man möchte glauben, die Klugheit des KönigS Nikolaus werde feinem Volke neue schwere Opfer ersparen, die nach Lage der Dinge nutzlos bleiben müssen.
Betreffs der Verhandlungen der Botschafter in St. Petersburg zur Lösung der rumänisch-bulgarischen Frage spricht die Norddeutsche Allgemeine Zeitung die Erwartung auS, daß die Botschafter in St. Petersburg ihre Arbeit in demselben versöhnlichen Geiste beginnen und durchführen werden wie die Botschafter in London.
Zu den Aeußerungen deS britischen Premierminister? ASquith im Unterhause über die Bemühungen der Mächte zur Lösung der OrientkrisiS bemerkt die Norddeutsche Allgemeine Zeitung: Wenn Herr B-quith hierbei besonderen Nachdruck auf die Feststellung legte, daß daS einmütige Zusammenarbeiten Deutschland- und Großbritannien- bei Behandlung der jüngsten OrientkrisiS gegenseitige- Vertrauen zwischen den beiden großen Nationen hervorgerufen habe, so wird man sich bei unS dieser Erklärung gern anschließen.
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Kanstantinopel, 15. März. Wie verlautet, hat heute in der Tschataldichalinie nach einem Angriff der Bulgaren ein größere- Gefecht begonnen. Nach amtlich veröffentlichten Meldungen Hot bei Leastopköj ein Kampf stattgefunden, bei dem die Bulgaren zurückgeschlagen wurden. Gestern wurde gegen Adrianopel ein leichte- Bombardement unterhalten.
Sofia, 15. März. Von zuständiger Seite wird erklärt, seit vorgestern seien 14 neue Position-geschütze vor Adrionopel aufgestellt, die größere (Ergebnisse als bisher erwarten ließen' Daraus erkläre sich auch der neuerliche Optimismus politischer Kreise, daß die Festung innerhalb weniger Tage fallen könne.
P o d g o r i tz a, 16. März. Am Freitag begann ein furchtbares Bombardement aller Belagerungsgeschütze gegen die Befestigungen von Skutari und die Stadt frldst. Ein Stadtviertel wurde in Brand geschossen.
Konstantinopel, 16. März. Die gesamte türkische Presse nimmt die FriedenSbedingungen der Balkanstaaten mit
die geliebte Frau, die Gefährtin, Teilnehmerin an seinem Schaffen, und kein noch so leichter Schatten trübte den klaren Horizont ihre- Lebens.
Zu Beginn deS Frühling- war ihr Glück durch die Geburt eines SöhnchenS gekrönt worden. Irenen- Blick fchweijte nach dem nebenan gelegenen Rundgemach, und ihr Herz klopfte froh. Vor einer Stunde war dort daS Kindlein getauft worden, der Erbe des Namens von Truchseß, da- Ebenbild ihre- Gatten. Möchte HanS°Eqon werden, wie er, ein echter Mann mit einem Herzen voll Güte.
Vor kurzem war fein Wohl ausgebracht worden. Alexander hatte mit ebenso geist- wie gemütvollen Worten die Gäste hochleben lasten. Nun stieß der greife Landrat von Wend- Hufen an sein GlaS und feierte die Eltern des jungen Erden- bürgers.
AlS er in feiner und warmer Weife schilderte, wie die Gatten eins seien —
zwei Seelen und ein Gedanke, zwei Herzen und ein Schlag" — da trafen sich wieder Alexanders und Irenen- Blicke, und wie alle kamen, um mit ihnen anzustoßen, schlang Truchseß seinen Arm um die geliebte Frau und küßte sie trotz der zahlreichen Zuschauer.
„Ich danke dir!" sagte er und drückte ihre Hand.
Sie wußte, eS war nicht nur der Dank wegen deS KindeS, daS sie ihm geschenkt, nicht nur sür ihr treue- Wandern mit ihm, nein, noch für mehr. Und in stolzem Glücke hob sich ihre Brust
„Gnädigste Frau Baronin, darf ich endlich eine alte Bekanntschaft erneuern? Beim Empfang und der nachfolgenden Tauffeierlichkeit waren Frau Baronin so in Anspruch genommen, daß ich nicht wagte, mich in Erinnerung zu bringen."
„Prinz Jfingen I" sagte sie überrascht, und eS bedurfte ihrer ganzen gesellschaftlichen Gewandtheit, um ihre unangenehme Ueberraschung nicht zu zeigen. „Durchlaucht find in da- hiesige Dragonerregiment versetzt?"
„Ganz recht, und ich erlaubte mir, die für sämtliche Offiziere deS Regiments eingrlanfrne ehrende Einladung von
Entrüstung auf. Sie zeigt sich besonder- erbittert über die Forderung nach Kapitulationen sür die Angehörigen der Balkanstaaten und nach Garantiern sür die Privilegien der orthodoxen Kirche in der ganzen Türkei. Tanin sagt, eS wäre bester, die Annexion der ganzen Türkei zu verlangen. Selbst wenn die gesamte Armee vor Tschataldscha und vor Bulair vernichtet, die letzte Patrone verschossen und der letzte Centime auSgegeben wäre, würde die Türkei niemals solche Bedingungen annehmen. DaS Frieden-kapitel müsse endlich geschlossen werden, und man müsse den Frühling benutzen, um mit allen nationalen Kräften bis zum Tode zu kämpfen. Sabah erklärt, die Türkei bedürfe in Europa einer hinlänglich großen Gebiete-, damit sie gegen jede äußere Gefahr geschützt und damit die Sicherheit von Konstantinopel gewährleistet sei.
Wie die Blätter melden, besaßte sich der gestrige Minist rrat auch mit den Frieden-bedingungen der Verbün« beten und übermittelte den türkischen Vertretern im Au-lande Instruktionen.
Athen, 16. März. Der Kronprinz meldet: Die achte Division, welche in der Gegend von Delvino und Argiro- kastro kämpft, hat bei Arinista die Nachhut deS Feindes geschlagen. 1600 Türken sind gefangen genommen worden.
-I» Jn- und Ausland.
Berlin, 16. März 1913.
Der Kaiser folgte heute mittag einer Einladung deS JustizmimsterS Dr. Beseler zum Frühstück und hörte vorher bei dem Justizminister einen Vortrag deS Geheimen Ober- justizratS Cormann über „Frauenbewegung und Rechtspflege". — Gestern abend sand beim Kaiser im Königlichen Schloß ein Diner statt, zu welchem geladen waren: der Chef deS Generalstabes General v. Moltke, die Oberquartiermeister und der Chef der Zentralabteilung deS Großen GeneralstabeS.
Anläßlich deS RegierungSjubiläumS deS Kaiser- ist in der Befreiung-Halle bei Kelheim eine große Huldigung-feier aller deutschen Fürsten geplant. Sie soll dem Auslande wie auch dem Zulande aufs neue beweisen, daß die Einigkeit im Deutschen Reiche ungeschwächt dasteht. — Wie die „Kölnische Zeitung" mitteilt, findet die Beglückwünfchung deS Kaiser- anläßlich seine- Jubiläum- durch die deutschen BundcSsürstcn und Freien Städte am 14. Juni in Berlin statt.
Wie verlautet, sollen in Köln noch vor Ostern größere Uebungen bet Luftschiffe stattfinden, an denen auch Flugzeuge teilnchmen. Die in Köln, Metz und OoS bei Baden-Baden stationierten Luftschiffe werden die Manöver gemeinsam ausführen. Hierzu sind die in Metz, Stroßburg und Darmstadt stotionrerten Fliegeroffiziere nach Köln kommandiert. Bei diesen Manövern soll da- Zusammenwirken von Luftschiffen und Flugmaschinen erprobt werden.
Die drohende Riesenaussperrung in der niederrheinischen Seidenindustrie ist zur Tatsache geworden. Infolge Scheitern- der Vermittlung-tätigkeit dc- Oberbürgermeister- wurden nunmehr weitere 15 000 Kreseldcr Weber, Seidenarbeiter und Arbeiterinnen auSgesperrt, denen im Laufe der kommenden Woche noch rund 5000 Arbeiter folgen dürften. Infolge StilliegenS zahlreicher großer Betriebe wird für die Kreselder Seidenindustrie großer Schaden befürchtet.
Mit jedem neuen Fahrzeug weisen unsere Militär- Zeppeline Verbesserungen auf, die sie zu den höchsten Leistungen geeignet machen. Der jetzt auf der Friedrich-Hasener Luftschiffwerft fertig gestellte neue Luftkreuzer Zeppelin 4 übertrifft alle anderen dadurch, daß er zum Feuern mit Maschinengewehren eingerichtet ist. Die am Sonnabend damit eingestellten Versuche haben einen vollen Ei folg grzritigt. ES wird darüber auS Friedrich-Hafen vom 15. März gemeldet: DaS Zeppelin-Luftschiff 16, der neue Militär- Zeppelin, mochte heute vormittag feine dritte Probefahrt bei lebhastem Westwind, der 18 Sekundenmeter betrug. Die Fahrt war insofern bemerkenswert, alS zum ersten Male vom Oberdeck deS Schiffe- auS mit einem Maschinengewehr gc- schoffen wurde. ES wurden im ganzen hundert Schuß abgegeben, wobei sich zeigte, daß die getroffene Einrichtung vortrefflich ihrem Zweck genügte und ein sicheres Arbeiten mit Maschinengewehren ermöglichte. Der heutigen Fahrt kommt somit eine epochemachende Bedeutung zu, — Zeppelin 4 soll, wie gemeldet, an der Ostgrenze stationiert werden.
AuS Rom wird daS Attentat eines Admiral- auf den italienifchenMarineminister gemeldet.
Baron Truchseß auch auf mich auSzudehnen, wußte ich doch, wer die schöne, vielbewunderte Herrin von Rheinau ist. Gnädigste Baronin denken noch zuweilen deS Winters in Berlin?"
„Offen gestanden, Durchlaucht, nein; eS waren allzu flüchtige Eindrücke, die von den nachfolgenden an der Riviera, wo ich meinen Mann kennen lernte, verwischt wurden."
„Begreiflich, sehr begreiflich I" murmelte der Prinz, aber eine ärgerliche Erregung beherrschte ihn. Er hatte sie nicht vergessen, die schöne Irene Waldheim, und Neid lodert in ihm empor, als er sie noch schöner geworden, ohne den herben Zug um die feinen Lippen in anscheinend vollkommenem Glück wiedersah.
Dieser Truchseß hatte sich die köstliche Blume erworben, nach der er, Prinz Jfingen, Durchlaucht, die Hand gereckt. Natürlich hatten die Humanität-bestrebungen deS Braven, allzu Braven sie angezogen wahrscheinlich sah sie in ihm einen Heiland, einen Wohltäter der Menschheit, einen Halbgott.
„Wird aber auch feine schwache Seite haben, der schöne Mann! Werde schon feine Achillesferse herausbekommen und ihn daran soffen. Sie soll ihn minder schätzen, sie soll ihn verachten, nicht mehr lieben — mir ihre Neigung schenken. Ha, ha!"
DeS Prinzen Hand umspannte bei diesem hämischen Gedanken den feinen Strel der Kelchglases ja fest, daß er zerbrach. Er lachte mißtönend auf.
„Scherben! In Scherben soll eS gehen, daS Glück von Rheinau, wie einst daS Glück von Edenhall I"
Mit diesem löblichen Vorsätze mischte er sich, alS die Tafel aufgehoben war, im Rauchzimmer unter die Alteingesessenen deS Kreises, hier- und dorthin horchend, was man von Truchseß erzählte. Aber er vernahm nur uneingeschränktes Lob.
Mißgestimmt wandte er sich den Kameraden zu, obwohl er sich für sehr erhaben ihnen gegenüber fühlte, unbeschadet feiner Strafversetzung in diese- Provinzregiment; aber die Herren waren sehr reserviert; erst der Wein löste die Zungen. Doch auch jetzt hörte Jfingen nicht- Ungünstige- über Truchseß.
(Fortsetzung folgt.)