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dsch bc« Baron deS Vergnügens nicht berauben wollen. Also en avant, meine Herrschaften!"

Sie traten in die goldfunkelnden, mit Gemälden von Meisterhand geschmückten, von einem Gemisch undefinierbarer Gerüche erfüllten Säle. Um die Spieltische hatte sich ein drei, vierfacher Gürtel von Menschen gezogen, die allen zivilisierten Nationen, allen Ständen angehörten. Neben dem vornehmen Greise saß der junge Kaufmann, neben dem deutschen Baron die französische Kokotte, an sie reihten sich der spanische Abenteurer, die hochmütige Lady, der kleine Leutnant in Zivil mit dem bescheidenen Portemonnaie, die überelegante Dollar- prinzessin. Man sah anscheinend ruhige, unentwegte Mienen und von Leidenschaften verzerrte Gesichter. Aller Augen waren aus die kleine Kugel im Rade gerichtet. DaS Gold klirrte, rollte, ward mit dem Rechen den glücklichen Ge­winnern zugeichoben, und wieder ertönte die monotone Aus- forderung deS CrupierS: „Messieurs, faites votre jeu!"

„Nun, Komtesse, wollen Sie eS versuchen, auch emmal zu fetzen?" fragte Alexander Truchjeß daS schöne blasse Mädchen an seiner Seite.

„Nein, nein!" Sie schauerte zusammen, als erfülle sie ein unüberwindlicher Ekel.

Wie beruhigend ergriff er ihre Hände und drückte sie warm. „Sie sollen eS auch nicht, Komtesse. Diese edlen Hände sollen sich mit nichts Unreinem besassen."

Dankbar sah sie zu ihm aus.

(Fortsetzung folgt.)

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Wieder war der Balkankrieg — daS Gespräch der letzten Tage. — AlS die Türken bei Janina — eine schwere Nieder­lage — gegen Griechenland erlitten, — ging die Kunde durch die Welt, — daß man 30 000 Türken — jetzo dort gefangen hält, — immerhin hat biS zum Schlüsse — sich Janina brav gewehrt, — sodaß seinen braven Truppen — trotzdem Sym­pathie gehört, — wenn sie auch, des Hungers wegen, — schließlich dennoch unterlegen.;— — Oesterreich und Rußland finden — langsam jetzt den rechten Ton, — um sich wieder zu vertragen, — eine Zeitlang schien eS schon, — daß sich beide auf die Dauer — gleichfalls noch zum Krieg gehetzt, — diese AuSsicht ist im Schwinden — wenigstens seit kurzem jetzt — und man braucht nicht zu befürchten, — daß sich durch die Balkanwirren — auch Europas große Mächte — noch in einen Krieg verirren, — welcher fast Vermeffenheit — wäre in der hcut'gen Zeit.--Reich?» und Landtag haben tüchtig — sich gesputet bis zuletzt, — weil der Landtag in die Ferien — geht in diesen Tagen jetzt, — und weil man in wen'gen Wochen — wieder neu zum Landtag wählt, — hat ein jeder sich noch möglichst — mal um sein Mandat gequält. — Gönnen wir eS darum allen, — daß sie bei der nächsten Wahl — nicht von ihrem Platze fallen. — und in ungeschwächter Zahl — in den Landtag wiederkehren, wo an Preußens Politik — sie fünf Jahre mitgeholfen — mit Ver­ständnis und Geschick. Walter-Walter.

vermischter.

— Köln, 12. März. Heute mittag gegen 2 Uhr haben hier die Luftschiffmanöver wieder begonnen. Sie haben gleich am ersten Tage ein Opfer gefordert. Beim Landen vor der Halle geriet ein Soldat unter daS Schiff wurde so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat. Der Verunglückte ist ein Kölner Rekrut. Wie sich herausgestellt hat, war er an einem Seile hängen geblieben und dann von einem Schrauben­flügel getroffen worden. Ein Schraubenflügel war verbogen und zeigte Blutspuren.

— Eine furchtbare Familientragödie ereignete sich am Sonntag in Kattowitz. Der italienische Arbeiter Calewesi war mit seiner Frau in Streit geraten und beide Eheleute bearbeiteten sich gegenseitig mit Messern. Schließlich ergriff der Mann ein Plätteisen und zertrümmerte damit seiner Frau den Schädel. Der Tod trat sofort ein. Auch der Mann hat durch Messerstiche erhebliche Verletzungen erlitten, sodaß er im Krankenhause ausgenommen werden mußte.

— (Man muß s i ch z u h e l f e n wissen.) Der englische Schauspieler Alsred Lester erzählt eine hübsche Ge­schichte, wie er sich einmal aus einer prekären Situation geholfen hat. Bei einem Epaziergange überfällt ihn ein Regenschauer, und er fürchtet sehr für feine elegante Kleidung. Er winkt ein Auto herbei und läßt sich nach einem Restaurant fahren. Während der Fahrt entdeckt er zu seinem Schrecken, daß er sein Portemonnaie vergessen hat. WaS ist zu machen? Nach einigen Minuten kommt die „Erleuchtung". AlS der Wagen vor dem Restaurant hält, steigt der Schauspieler auS und sagt zu dem Chauffeur: „Ach, geben Sie mir doch bitte ein Streichholz. Ich habe im Wagen ein Zehnmarkstück ver» loten." Der Kutscher aber begreift die Situation, und im Nu ist er um die nächste Ecke gesaust.

— (Ein Unfall in der französischen Marine.) Wie auS Cherbourg gemeldet wird, hat sich aus dem Unterseeboot „Foucault" eine Explosion deS Motors ereignet, nachdem zwei Stunden lang alles gut funktioniert hatte. Sieben Leute sind verletzt worden, darunter zwei schwer. DaS Unterseeboot kehrte nach Cherbourg zurück.

— Berlin, 13. März. Einen unerwarteten Verlaus nahm gestern die Obduktion deS am 7. d. M. erschossen auf« gefundenen Hausdieners Reimach, der nach den Bekundungen seiner Braut, der Kontoristin Müller, sich durch zwei Schüsse in den Kops getötet haben sollte, nachdem er seine Braut mit ihrem Einverständnis vergeblich zu erfchi ßen versuchte. Die Leichenöffnung ergab einwandfrei, daß dem Reimach die tödlichen Verletzungen von dritter Hand beigebracht worden sind. Die Braut wurde noch gestern unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft verhaftet.

— (Ein selbstloser Junge.) Der kleine Ralph war kürzlich auf dem Fricdhofe. Ein paar Tage später kommt er vom Spielplätze heim und bringt der Mutter strahlend fünf Steine: „Schau her, Muttchen, da hab ich für uns alle Grabsteine mitgebracht. Hier ist einer für Popo, der ist für dich, der für John, der für daS Baby, und der lrtzte für mich." Die Mutter lächelt, dann aber sagt sie: „Ja, aber

sieh mal, ein« fehlt doch, du hast doch Delia unser Dienst­mädchen, ganz vergessen !• Der kleine Ralph schlägt sich an die Stirn, zählt die Steine noch einmal und ist ratlos. Dann plötzlich sagt er seufzend: „Nun schön, dann werde ich ihr eben meinen geben und weiterleben . . ."

— (Dynamitexplosion in den schottischen Nobelwerken.) AuS GlaSgow wird gemeldet, daß in der Nobel Dynamit-Fabrik zu Ardeer in der Grasschast Ayrshire in Schottland eine verheerende Explosion stattfand. Die Fabrik besteht auS Hunderten getrennt stehender Schuppen. Der zum Trocknen der Schießbaumwolle bestimmte Schuppen flog in die Lust, drei benachbarte Schuppen folgten ihm, da das Dynamit infolge der Erschütterung explodierte. Die Wirkung war surchtbar: Sämtliche Städte im Umkreis von 30 Kilometern wurden in ihren Grundsesten erschüttert. Un­zählige Fensterscheiben und Schornsteine gingen in Trümmer. Die Bewohner stürzten entsetzt aus die ©trogen, da sie ein Erdbeben vermuteten. Viele Fußgänger wurden zu Boden geschleudert und verletzt. Große Menschenmengen eilten nach der Fabrik, da man eine schwere Katastrophe befürchtete. ES stellte sich heraus, daß sechs Arbeiter in den betroffenen Schuppen in Atome zerrissen waren. Sieben in der Nähe befindliche Arbeiter wurden schwer verletzt und mußten mit Extrazug nach GlaSgow transportiert werden. Die Ursache deS Unfalls steht noch nicht fest.

— (Die verlorene Juwelentasche.) Einige Stunden höchster Ausregung verbrachte kürzlich auf dem Bahn- Hose in Mailand der Juwelenreisende Gottfried Bücher auS Pforzheim. Er wollte mit dem Gotthardzug nach Deutschland zurückfahren. Unmittelbar vor Abgang drS Zuges vermißte er seine Juwelentasche, die für 160000 Mark Edelsteine enthielt. Er hatte sie auf daS Polster seines Abteils 1. Klaffe gestellt. Während der Zug sich schon in Bewegung gesetzt hatte, sprang Bücher in höchster Aufregung wieder ab. Die Nachforschungen in Mailand Verliesen sruchtloS. Die Polizei telegraphiert, aber zur Grenzstation Chiasso. Hier wurde die Tasche mit dem wertvollen Inhalt unversehrt im Abteil gesunden. Bücher hatte den Zug vor der Abfahrt einen Augenblick verlassen und war dann beim Einsteigen in ein salscheS Abteil geraten.

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