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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage” Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8 eMMHHBHHeseeeHBeeBeBSMe^BHBHeeaeBHHHi^^BHseHMeHseeflggHSBeMHHgBBHgHeessH—eflgsH«s#e»seeeeesH8HBSBBSHHBBBeeHBHMHSHH>eeBBeMHBeBssMMBSBHe»seeeeHHei^—*es^***He™
Nr. 32. Sonnabend, den 15. März 1913.
Erstes Blatt.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 8. März 1913.
An die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher der Kreises.
Die 19. Vollversammlung der Landwirtschaft-kammer für den Regierungsbezirk Kassel hat mit Genehmigung deS Herrn Minister- für Landwirtschaft. Domänen und Forsten beschlossen, für das EtatSjahr 1913 2/b (zwei Drittel) vom Hundert deS Grundsteuer-Reinerträge- alS Beitrag zu den Unkosten der Landwirtschaft-kammer zu erheben.
Den Herren Bürgermeistern und Gut-vorstehern des KceiseS werden in »den nächsten Tagen die geprüften Hebelisten zugehen. Ueber die bei der Prüfung gefundenen Anstände sind besondere Verzeichnisse angefertigt worden, welche den Listen bei» gefügt sind. Die Anstände müssen bei Erhebung der Beiträ-e für 1913 erledigt werden.
Ich ersuche, in die Listen die Beiträge sür 1913 einzu- tragen und wegen Erhebung der Beitiäge daS Weitere zu veranlassen. Für die Erhebung der Beiträge von den ein» Deinen Beitragspflichtigen sind besondere Listen anzu- fertigen. Die Beiträge müssen bis zum 1. Juni dS. JS. bei der Königlichen KreiSkafle hier eingezahlt werden. Die aus- gefüllten Hebelisten find mir bis zum 15. April dS. JS. zurückzureichen.
I. 3160. Der Landrat.
Wessel, KreiSsekcetär.
HerSseld, den 13. März 1913.
In Folge teilweise» PflasterauSführung an dem Landweg Niederaula-MengShausen ist diese Strecke von Stat. Nr. 0,0 bis 0,24-50 innerhalb d er Ort»- läge N i e d e r a u l a für Den Verkehr bis zum 21. dS. MtS. gesperrt. Der Durchgangsverkehr ist durch die sogenannte Mittelstraße zu führen.
I. 3410. Der Landrat.
3 A.:
Wessel, Kreissekretär.
HerSseld, den 11. März 1913.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des Kreises, welche mit Einreichung der Zu- und Abgang-listen für daS 2. Halbjahr 1912 noch rückständig sind, (Setfüg. vom 1. d. M. Nr. 645., KrSbl. Nr. 27) werden mit Frist längstens biS 18. d. MtS. hieran erinnert.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer» Veranlagungs.kommisfion.
3. N. 772. I. B.:
Fenner, Steuerftkretär.
Ballzauber.
Skizze von K. E. Gerth.
(Schluß.)
Da durchfuhr ein elektrischer Schlag ihren Körper-- — sie rührte sich nicht mehr--ihre Umgebung versank vor ihr, — fie sah nur einen--den einen ?
Dort drüben stand Franz Brückner, dem sie die Einladung zu diesem Fest zu danken hatte.
Er sah sie nicht. Er sprach mit einigen Herren, begrüßte ein paar Damen, aber stellte sich, ruhig wartend, wieder an die Tür.
Ellen» Augen hasteten aus ihm — geradezu fassungslos. So wie er da stand, hatte sie ihn ja noch niemals gesehen! War denn jener so sicher austretende, weltgewandte Mann dieser selbe, schüchterne Mensch, der sich so ungeschickt, linkisch vor ihr bewegte?--er, für den sie immer ein so mitleidige- Lächeln hatte?
Ja, daß sie er sich nur eingestand, sie hatte gewähnt, ihn hier — bemuttern tu müssen.
Heiße Röte flammte bei diesem Gedanken über ihr Gesicht. Sie — und ihn bemuttern — fie, — die sich vorkam hier, wie ein verirrte- Bögelchen!
Sie staunte ihn an wie ein Wunder. Wie stattlich und schön er war! Schöu? Ach, dar wollte sie ja gar nicht mal behaupten, aber stolz, groß, männlich! Sie sah er ihm an, er war ein Mann, der da» Leben zwingt, — dem man vertrauen konnte!
O,--ihre Lippen öffneten sich ein klein wenig, von ihm beschützt, gestützt durch» Leben zu gehen, daS — muß herrlich fein I Da» Mädchen, da» er sich einmal auSerwählen würde, konnte sich ihm mit geschlossenen Augen anvertrauen, er würde er beschirmen, alle Unebenheiten, Rauhigkeiten von ihm abzuwehren missen I
O wie mußte eS köstlich sein, also behütet zu werden!
Der Tanz war beendet, doch Ellen blieb stehen. Sie dachte gar nicht daran, sich einen Platz zu suchen; die- wäre ihr überaus keck erschienen.
Sie kam fich hier wir vrrloren vor; da» Fleckchen Diele,
Hersfeld, den 11. März 1913.
Nachstehend veröffentliche ich den Sommer-Fahrplan für die Hersfelder Kreisbahn, gültig vom 1. April bis 30. September d. Js.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
A. 1667.
von G r u n e l i u s.
Richtung Hersfeld-Heimboldshausen
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HerSseld, den 12. März 1913.
An die sämtlichen Schulvorstände deS Kreise».
Nach § 17 deS VolkSschulunterhaltungSgesetzeS vom 28. Juli 1906 erstattet der Staat den Schulverbänden mit nicht mehr als sieben Schulstellen ein Drittel desjenigen Teilbetrages der durch notwendige Bauten für Volksschul- z w e cke, ausschließlich deS Grunderwerb», entstandenen Kosten, welcher im Rechnungsjahre 5 00 Mark für d i r Schul» stelle überstiegen hat.
Die Schulverbände der Kreise» werden aufgefordert, etwaige Ansprüche auf Gewährung eineS staatlichen Baude i tr a geS für das Rechnungsjahr 1912, soweit noch nicht geschehen, alsbald bei mir geltend zu machen.
Ich betone nochmals, daß die Baukosten den Betrag von 500 Mark übersteigen müssen; bei geringeren Baukosten wird ein staatlicher Baubeitrag nicht gewährt.
I. 2978. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
In einmütiger Begeisterung hat ganz Deutschland den Tag d e r E r i n n e r u n g an die große Zeit vor hundert Jahren festlich begangen. Wir die Eihebung Preußens in den BesreiungSkriegen eine echte und rechte Volkserhebung war, so war auch daS ElinnerungSfest, das wir kürzlich ge- feiert haben, ein Volksscst im eigentlichen Sinne deS Worte», getragen von dem einheitlichen Fühlen und Empfinden der großen Masse deS deutschen Volkes. In zahlreichen beredten
aus dem sie stand, erschien ihr wie zu ihr gehörig — eS aufgeben. hieß für sie, in einem endlosen Meer versinken.
Nur ihre Augen wanderten! Wanderten? Ach nein, auch sie waren jestgebannt. Ganz hingerissen hingen ihre Blicke an seiner Gestalt.
Da — war eS die Macht ihrer Augen? Er drehte sich um — blickte zu ihr hinüber — hob den Fuß — langsam, mit fragendem Blick schritt er quer durch den Saal, geradeswegs auf sie zu.
AlS er sie beinahe erreicht hatte, leuchteten seine Augen aus; ein paar große, hastige Schritte, und er stand vor ihr. Strahlend gingen seine Blicke über sie hin, tief neigte er sich vor ihr.
„Fräulein Berg! Endlich l"
In freudiger Erregung streckte er ihr beide Hände ent- gegen.
„Ich suchte Sie schon eine Zeitlang im ganzen Saal vergebens! Dann hatte ich in der Tür Posten gefaßt, um Sie zu empfangen. Und nun stehen Sie schon hier — im äußersten Winkel. Haben Sie sich bereits ein Plätzchen gesucht?"
Ganz hilflos schaute sie zu ihm aus.
„Ach nein, Herr Brückner, — die vielen Menschen--" Ueber sein Gesicht geht ein Lachen. Ohne weitere Umstände legt er ihren Arm in den seinen. Er hatte ganz vergessen, daß er seine Lehrerin vor sich hat, daß daS Mädchen an seiner Seite schreitet, zu dem er in übergroßem Respekt bisher kaum auszusehen wagte. Er sieht nur ein holde», liebreizendes, in seiner hilflosen Angst und Unsicherheit so über» auS anziehender Geschöpf und drückt tröstend, ermutigend den bebenden Mädchenarm an sich.
Bald hat er eine reizende, blumenumstandene Nische entdeckt, — dort, an daS kleine verborgen stehende Tischchen, auf dem die elektrische mit rotem Schirm überhangene Lampe so magischer Licht verbreitet, dorthin sührt er sie. Er muß sie erst noch besonders auffordern, zum Niederfitzen. Befangen, mit niedergeschlagenen Augen weiß fie nicht, waS sie tun soll.
Brückner staunt nur immer wieder von neuem. Wie reizend sie ist in ihrer Unbehilflichkeit! Ganz unbezwinglich steigt daS Verlangen in ihm aus, fie zu stützen und zu schützm.
Kundgebungen sind unS die leuchtenden Beispiele der unübertrefflichen Opserwilligkeit unserer Ahnen vor die Seele gestellt und die mannigfachen Lehren jener Tage inS Gewissen gerufen worden. Nichts hat den Niedergang unseres Volke-, der eS in die nopoleonische Knechtschaft führte, mehr verschuldet alS die Hingabe an den Geist deS Materialismus und einer eitlen Genußsucht, der seinen ergiebigsten Nährboden in der damals weitverbreiteten ReligionSverachtung und Freidenkerei fand, und nichts hat den nachfolgenden Befreiungskampf wirkungsvoller gefördert, alS daß Preußens Volk wieder die lWkkehr fand zu einer idealistischen Gesinnung und sich von neuem in demutivoller Frömmigkeit zu dem alten Gatte der Väter bekannte. Dessen wollen wir gerade heute, wo eine starke materialistische Zeitströmung unS wiederum die alten Schätze und Güter deS Glaubens zu rauben droht, besonderS gedenken. Wohl sind äußere Wehr und Waffen notwendig, aber am letzten Ende ist eS doch der Geist, der sich den Körper baut, und auch ein Staat kann nur so lange lebendig erhalten bleiben, solange der Geist, der die Nation beherrscht, ein gesunder ist. Darum wollen wir auS den Festakkorden, die unS soeben umrauscht haben, und die unS in diesem Jahre noch öjterS umrauschen werden, vor allem daS Gelübde sest- halten, den Geist unserer Ahnen von 1813 und unserer Väter von 1870/71 zu pflegen, den Geist der Frömmigkeit und Ehrsurcht, der Einsachheit und Tapferkeit, der KönigStreue und Vaterlandsliebe. Angetan mit solcher Rüstung können wir getrosten MuteS der Zukunft entgegenblicken.
Kurz vor der allgemeinen Jahrhundertseier hat der P r i n z - rezent Ludwig von Bayern und seine Ge» mahlin einen Besuch am deutschen Kaiserhose abgestattet. Bei dieser Gelegenheit trat die Herzlichkeit der Beziehungen, die daS Oberhaupt deS deutschen Reiches mit dem Regenten deS zweitgrößten deutschen BundeSstaateS sowie
Und — nun weiß er auch auf einmal feine eifrigen Mal' stvdirn zu deuten. Angetan hatte eS ihm dies liebe, rein« Antlitz, angetan vom ersten Tage an 1
DaS, waS er für Verehrung gehalten, ist Liebe, ganze, große, innige Liebe. Eine Liebe, die sich vielleicht niemals hervorgewagt, hätte er Ellen nicht hierher gelockt in den Trubel deS TanzsaalS.
Nun jubelt fein Herz! Nun ficht er sie, ein Mädchen, daS, trotz seines KünstlertumS, schließlich auch nur ein liebe-, törichte», banges Mädel ist, wie alle andern auch.
Er atmet auf! Wohl ihm, daß eS so istI Nun kann er glücklich werden. Nun harrt feiner ein großes, ein unsäglich schöne» Glück.
Denn Ellen kennt die Schwere deS Alltags, Ellen weiß bei ihrer großen Veranlagung den Wert eines MenschenherzenS zu schätzen.
Ellen weiß, waS eS bedeutet, einsam zu sein. Tändeln, flirten, spielen mit Menschenherzen, daS hat fie nicht gelernt.
Aber — lieben — >a I DaS kann sie! Lieben — wie nur ein Weib lieben kann, mit großem, ganzem Herzen! —
Seine Hand ruht auf ihren bebenden Fingern; sein Herz geht schwer — und wieder wird die Lust ungefüllt von wogenden, schwellenden Tönen.
„Ellen, ein Walzer!"
Sie steht auf, schwebt in seinem Arm durch den Saal — sie fühlt gar nicht, daß sie die Füße hebt, bewegt — sie fliegt dahin, von seinen Armen gehalten — alleS ist Rhythmus — Melodie — schwingendes Tönen, DaS in den Himmel trägt!
O — wie schön — wie göttlich schön kann doch da- Leben sein!
Berauscht, ganz benommen von der Schönheit deS Augenblicks sitzt sie wieder neben ihm. Er deckt sie mit seinem breiten Rücken vor fremden, neugierigen Augen. E» fällt ihm nicht ein, sie auch nur einem seiner Bekannten vorzustellen. Ganz und gar will er sie für sich haben. Keinen ihrer Blicke gönnt er einem andern.
Hohe, spitze Kelchgläser stehen zwischen ihnen mit schäumendem perlenden Wein.
Sie nippt nur, und doch ist fie trunken, berauscht, schlürft