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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Änschlutz Nr. 8

Nr. 31. Donnerstag, den 13. März 1913.

Amtlicher Lei!

HerSfeld, den 6. März 1913.

Diejenigen Herren Bürgermeister deS Kreise-, welche meine Bersügung vom 20. März 1911 I. A. Nr. 2050 Kreis- blatt Nr. 44 betreffend Mitteilung der zur Körung und Nachschau vorhandenen Ziegenböcke noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 18. dS. Mts. erinnert.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:

I. A. Nr. 1489. von GruneliuS.

nichtamtlicher Ceit

Aus großer Zeit.

Im März deS Jahres 1813 reihten sich die entscheidenden Ereigniffe schnell aneinander.Um der herzerhebenden all­gemeinen Aeußerung treuer Vaterlandsliebe ein äußeres Kenn­zeichen- zu geben, ordnete König Friedrich Wilhelm III. daS Tragen der Nationalkokarde für alle unter den Waffen stehenden kämpser an. Am 10. März, dem Geburtstage der verewigten Königin Luise, schus er daS urpreußische Ehrenzeichen deS Eisernen SreuzeS.Er wählte daS Zeichen deS KreuzeS, denn der Blick aus daS Kreuz sordert zugleich zu kühnem Heldenmut und zu christlicher Demut aus." In der vom General von Scharnhorst entworsenen StiftungSurkunde heißt eS:In der jetzigen großen Katastrophe, von welcher für da- Vater­land alle- abhängt, verdient der! -ästige Sinn, der die Nation so hervorhebt, durch ganz eigentümliche Monumente geehrt und verewigt zu werden. Daß die Standhastigkeit, mit welcher da- Volk die unwiderstehlichen Uebel einer eisernen Zeit ertrug, nicht zur Kleinmütigkeit herabsank, bewährt der hohe Mut, welcher jetzt jede Brust belebt und welcher nur aus Religion und auf treue Anhänglichkeit an König und Vater­land fich stützend auSharren konnte." ES wurde bestimmt, daß diese schöne Auszeichnung nur für Verdienste während deS bevorstehenden KriegeS verliehen und nach diesem nicht weiter verausgabt werden sollte.

Ein besonders denkwürdiger Tag in jener erhebenden Zeit ist der 17. März geworden. An diesem Tage vollzog der König den berühmten AusrufAn mein Volk", ferner den ArmeebefehlAn mein Kriegeheer" und dieVerordnung über die Bildung der Landwehr und deS Landsturms". Diese drei einen Werkstein in der Geschichte Preußen- bildenden Erlasse gab die Regierung gleichzeitig mit der Nachricht über daS mit Rußland abgeschloffene Bündnis dem Volke am 20. März bekannt. Für die Fortführung der Rüstungen wurde daS Land in vier Militärbezirke geteilt, von denen einer die Provinz Schlesien umfaßte, während die Flußlinien der Elbe,

WiieSieieiftMearölte^

Novelle von C. Gerhard.

Fast lautloS glitt der LuxuSzug durch Südfrankreich. Die Abteile waren sämtlich gefüllt; die Märzstürme sowie daS Verlangen nach Sonne, warmer Lust, Meeresrauschen und Blütendust trieben zahlreiche Angehörige der Oberen Zehn­tausend auS dem rauhen Norden nach der Riviera.

Auf einem Sessel am Fenster eine- behaglichen KuppecS saß die Komtrffe Irene Waldkeim. Die Sonne umwob mit feueriger Glorie ihren sein geschnittenen Kopf, ließ ihr reiche-, braungoldenrS Haar aufleuchten wie Edelmetall.

Ungeblendet schaute die Komteffe auf die wie in einem Kaleidoskop, schnell vorübergleitenden verschiedenen, doch stet- reizvollen Landschaft-bilder. Schon machte sich der südliche Charakter bemerkbar: Olivenhaine wechselten mit Myrten- und Lorbeerwäldern, Palmen erhoben ihre königlichen Häupter über hochstämmigen Kamelien und zartsarbigen Magnolien, und überall sah man Rosen: Rosen in stillen, seierlichen Gärten, Rosen an den Gittern, den Balkönen, sich an den weißen Mauern der Villen emporrankend, sie mit rosigem Schimmer umglühend. Rosen, den starren FelS umklammernd, sich wie in zärtlichem Erbarmen an ihn schmiegend. Und in der Ferne die malerische Kette der Berge, in blauen Duft gehüllt.

Hin und wieder rastete der Train an einer altertümliche», noch auS der Römerzeit stammenden Stadt, deren mächtige Mauern an Belagerung, Kampf und Blut erinnerten; dann flog er weiter, vorüber an zierlichen Schlößchen, modernen Landhäusern, freundlichen Weilern.

Träumerische- Sinnen umspann daS schöne Mädchen am Fenster, ein weicher Zug lag um ihren ein wenig streng ge­schnittenen Mund.

Mit offenbarem Wohlgefallen betrachtete sie ihr Vater, der behaglich in den Polstern deS Sofa- ruhte und eine Zigarette rauchte. Er hatte seine Tochter immer für recht hübsch gehalten und sich an ihrem Wesen gefreut; ja, sie stand seinem Herzen säst näher all der Sohn, der flotte

Oder und Weichsel die Abgrenzung sür die übrigen Bezirke bildeten. Alle wehrhaften Männer vom 17. biS zum 40. Lebens­jahre, die nicht im Heere standen, wurden zum Dienst in der Landwehr verpflichtet, die als Nachschub für die Linientruppen verwendet werden sollte. Die Ausstellung war außerordentlich schwierig. Die Bekleidung und Ausrüstung hatten die Provinzen zu liefern. Eine dunkelblaue Tuchlitewka mit farbigen Kragen und Ausschlägen je nach der HeimatSprovinz, leinene Hosen und eine Tuchmütze bildeten die insolge deS Mangels an Mitteln so einsach wie möglich gewählte Uniform. AlS Zier der Kopfbedeckung diente ein Kreuz von weißem Blech mit der vom König selbst angeordneten InschriftMit Gott, sür König und Vaterland", die seitdem der Wahlspruch der preußischen Armee geworden ist und noch heute von ihr getragen wird.

Am 17. März zog Aorck in Berlin ein, nachdem er vorher die Nachricht erhalten hatte, daß der König sein Verhalten bei Tauroggen billige. Der Einzug gestaltete sich zu einem nationalen Festtage.Vom frühen Morgen ab," so berichtet ein Augenzeuge,war Berlin in sreudiger Bewegung; unzäh- licheS Volk versammelte sich aus den Straßen, die vom Neuen KönigStor bis zum Schloßführen. Ein paar Hundert frei­williger Jäger empfingen in Paradeaufstellung die Truppen vor dem KönigStor. Prinz Heinrich von Preußen ritt, vom Grasen Wittgenstein und vielen preußischen und russischen Generalen begleitet, dem KoipS entgegen. Unter dem lauten Jubel deS Volkes zog düfe- ein, an der Spitze Iorck, der eiserne Mann, unbewegt, ohne daS Haupt rechts und links zu wenden, ohne aus die jubelnde Menge zu achten. Seine stolze, strenge Miene sprach:Ich tat meine Pflicht gegen daS Vaterland!" Ebenso feierlich gestaltete sich der Abmarsch aus Berlin am 27. Mürz. ^v.J hiUt eine feurige Ansprache an die Truppen, die in die Worte auSklang:Soldaten! Jetzt geht'- in den Kampf; Ihr sollt mich an Eurer Spitze sehen; tut Eure Pflicht. Ich schwöre Euch, mich sieht ein unglückliches Vaterland nicht wieder!" Der Kommandeur deS LeibregimentS, Oberst Horn, durch diese Worte tief er­griffen, umarmte den General und rief:DaS geloben auch wir!" Da fiel auS den Reihen der Mannschaften der Aus­ruf:DaS soll ein Wort sein!" und begeistert stimmten alle ein:Ja, daS soll ein Wort sein!"

Inzwischen hatte Blücher seine Streitkräste in der Stärke von 28 000 Mann mit 100 Geschützen bei Neiße und BreSlau gesammelt. Er erhielt als vorläufige! Ziel seines Vormarsches DreSden angewiesen, wohin er über Bunzlau vorrückte. Am 30. März traf er in der sächsischen Hauptstadt ein. Eine russische Abteilung unter dem General Wintzingerode in der Stärke von 13 000 Mann mit 70 Geschützen war ihm unter­stellt worden, so daß er über rund 40 000 Mann gebot. Im äußersten Norden Deutschlands hatte der von Wittgenstein abgesandte russische General Tettenborn am 18. März Hamburg besetzt. Seine Kosaken streiften weit über die Elbe hinaus und vertrieben die dort vorhandenen französischen Truppen

Garde-Ulan, aber daß sie eine Schönheit ersten Range- war, hatte man ihm erst in Berlin gesagt. Majestät hatte sogar die Gnade gehabt, ihm gegenüber etwas Schmeichelhaftes über feine anmutige und kluge Tochter zu äußern. Ja! Irene hatte famoS auSgesehen auf den Hofbällen und großen Festen bei den befreundeten Familien, so gar nicht nach einem Land- pommeränzchtn gleich den WerkenchienS und der Grete May- bach. Er selbst hatte sie angestaunt, wenn sie in ihrem weißen Kleide keine andere Farbe trug sie schlank wie eine Lilie mit stolz getragenem Köpfchen dastand und die schönen dunkelblauen Augen so ruhig über all da- glänzende Getriebe gleiten ließ, während die anderen MädelS fast fieberten vor Angst, ob sie auch genug Tänzer finden würden.

Diese Sorge brauchte Irene freilich nicht zu haben. Sie hätte ihre Tanzkarte doppelt und dreifach besetzen können, und eS waren die vornehmsten Namen, die aus ihr standen. Und mit welcher Bewunderung wurde sie von den Herren ange­schaut, wie sehr beeiserten sie sich, ihr kleine Dienste zu leisten, ihr zu huldigen.

Da war namentlich dieser Prinz Jfingen gewesen. Dem hatte die leidenschaftliche Liebe hell auS den Augen gestrahlt. Wenn Irene gewollt, wäre sie jetzt seine Braut, in einem halben Jahre Prinzessin, später Fürstin. Sie mochte aber nicht, der Prinz wäre ihr gleichgültig, beinahe unsympathisch, sie wolle bei den Eltern bleiben, hatte sie gesagt.

Ihm war'- recht so, aber wenn sie so weiter fortfuhr im Erteilen von Körben, kam sie am Ende in den Rui, hoch­mütig zu sein. Sie hatte schon eine so eigene Art, wenn ihr jemand nicht paßte, kühl über ihn fortzusehen, Reden, die ihr nicht gefielen, zu überhören, die feinen Lippen streng zu schließen, wenn der Verehrer freudige Zustimmung erwartete.

Irene!" rief seine in der andern Sosaecke ruhende Ge­mahlin.Ich lese soeben in der neuesten Kreuzzeitung den Bericht über den letzten Hosball. Höre, wie er schließt: Die Perle unter den jungen Damen diese- WinterS war ohne Zweisel die schöne Komtesse Irene Waldheim. Man spricht bereit- von ihrer bevorstehenden Verlobung mit dem Prinzen Jfingen."

Irene lachte leise und melodisch auf.Daß auch der

bi- nach Bremen. Diesen leichten Scharmützeln sollten nun bald ernstere Ereigniffe folgen. Die Zeit der Vorbereitung nahte ihrem Ende, der Krieg selbst trat in seine Rechte. Mit atemloser Spannung sah da- Volk den kommenden Errig- niflen entgegen.

Abgeordnetenhaus.

Berlin, 11. Mär, 1913.

Die heutige Sitzung deS preußischen AbgeordnetenhauseS begann mit einer ernsten und würdigen Ansprache deS Präsi­denten. Er wies aus die gestrige Jahrhundertfeier hin und gedachte mit Wärme derer, die für die Freiheit, di« Ehre und Unabhängigkeit deS Vaterlandes alle- dahingegeben haben. Die Ansprache schloß mit einem lebhaft ausgenommenen Hoch auf den Kaiser und König. Während die übrigen Abgeord­neten die Worte der Redner- stehend hörten, blieben die Sozialdemokraten sitzen und als sie auch bei dem Hoch im Schweigen verharrten ^schallte eS ihnen von den Bänken der Konservativen entgegen:Heraus mit EuchI" Nach diesem Zwischenfall erledigte -o- HauS ohne Debatte in zweiter und dritter Lesung die U' ^emeinbung zweier Orte nach Schönebeck bei Magedeburg und beriet bann den Etat der AnsiedlungS- tommiffion und die neue Ostmmkmvoilaqe. Der Landwirt- schaftSminister Dr. Schottemer gab der Vorlage das Geleit­wort mit, daS von den Polen mit Zischen begrüßt wurde. Stillstand würde Rückschritt bedeuten, führte er auS, worin ihm der nächste Redner, v. KrieS, Kons., beipflichtete. Wenig Begeisterung erweckt die Vorlage jedoch beim Zentrum. Der Abg. Herold führte auS, man führe hier mit den Mitteln der Steuerzahler einen Kampf gegen die Steuerzahler. Der Boden deS V.WU^.V sei gelassen worden, da könne daS Zentrum nicht mittun. Der Finanzminister Dr. Lentze wandle sich sehr energisch gegen diese Auffassung und er fand die Unter­stützung von Dr. Bredt (Freikons.) und Glatze! (Natl.). NamenS der Fortschrittlichen VolkSpartei gab Dr. Paasche die Erklärung ab, daß feine Fraktion für innere Kolonisation stetS und gern zu haben fit, aber nicht für ein Ausnahme- gesitz. Dann gab der Vertreter deS am meisten interessierten Volksteiles, der Polen, Abg. v. TrampczynLki, seine Erklä­rungen. Er wies die Tendenz der Vorlage scharf zurück. Die polnische Bevölkerung werde dadurch immer mehr und mehr in Erbitterung und Opposition getrieben. Ihm schloß sich der Däne Kloppenborg an, der sich durch den Ausdruck Schandfleck auf dem preußischen Namen" einen Ordnungs­ruf seitens deS V cepräsidcntcn Dr. Krause zuzog. Ebenso erging eS dem letzten Redner, Abg. Ströbel, als er von dem Denkmal der Schande" sprach. Die Vorlage ging an die Budgetkommission, und der Etat der AnsiedlungSkommiffion wurde in der zweiten Lesung bewilligt.

Klatsch in der Großstadt blüht! Ich glaubte bisher, er wäre nur in kleinen Nestern heimisch."

Nun, Klatsch kannst du dieser Gerücht doch nicht nennen," erwiderte die Gräfin Pikiert;eS lag nur an Dir, daß eS nicht Wahrheit wurde."

Grämst Du Dich darüber, Mama? Behältst Du mich nicht noch lieber bei Dir?"

Die ungewöhnliche Weichheit ihrer schönen Tochter ent­waffnete die Gräfin.

Nun ja, gewiß, aber eine so gute Partie wird sich Dir vielleicht nicht ein zweiter Mal bieten."

O, Mama, kommt eS denn auf die Partie und nicht auf mein Glück an?" rief Irene fast schmerzlich.Keine Saite meiner Innern ward berührt von deS Prinzen Wesen, sein Sinn schien mir nur auf Arußerlichkeit gerichtet. Ich könnte nur einen Mann lieben, den ich aufS Höchste zu achten vermag."

Du wirst natürlich übertriebene Ansprüche an den Charakter deines zukünftigen Gatten stellen, Ansprüche, die keiner ersüllt."

Laß mir daS Kind zufrieden, Melanie. ES hat auch daS Recht, wählerisch zu sein. Komm Renerl, mein Husten meldet sich, ich will die Mama damit verschonen. Laß unS aus den Korridor ein bisse! promenieren."

Gerne Papa."

Die Komtesse setzte daS schottische Seidenmützchen auf daS schimmernde Haar und folgte dem sich räuspernden und hustenden Vater auf den Seitengang. Wegen deS hart­näckigen Rachenkatarrhs, der den Grasen seit einer Fahrt über Land im Schneesturm plagte, suchte die kleine Familie den Süden auf.

Aneinandergelehnt standen Vater und Tochter am geöff­neten Fenster, die Komteffe war blaß.

Die Mama kann'S mir nicht v.rgeben, daß ich ihre liebste Hoffnung zerstörte," sagte sie gepreßt.

Ach, gräme dich nicht. Schotzl. Ihre Eitelkeit iffl, die darunter leidet, weiter nicht-. Außerdem wäre sie gerne noch in Berlin geblieben. Da- ehemalige Hoffräulein sühlte sich