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Herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 28.
Donnerstag, den 6. März
1918.
Amtlicher teil.
Hess.-Nass. landw. Verufs- genossenschaft
Sektion Hersseld.
3. 8. Nr. 101II.
HerSseld, den 26. Februar 1913.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gut-vorstrher deS Kreises, welche meine Verjügung vom 18. Januar 1913, I. 8. Nr. 101, Arei-blatt Nr. 11, betrrffend Unfallverfichcrung der Gärtnereibetriebe noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis spätesten- jum 9. März d. JS. nochmals erinnert.
von Gruneliu -.
HerSseld, den 26. Februar 1913.
Die Gesellenprüfung für da- Wagnerhandwerk findet hier am 2 5. März d S. I -. statt.
Anmeldungen find an Wagnermeister Valentin Schade hier zu richten.
Den Anmeldungen find beizusügen: ein Leben-laus, Schulzeugnisse und ein Zeugnis des L hrmeisters.
Zugelaffen find alle Lehrlinge, welche biS zum 1. Juli d. JS. ihre Lehrzeit beendet haben.
I. 2715. Der Landral.
Wessel, KreiSsekirtSr.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Kleine Anfragen leiteten die gestrige Sitzung ein. Der Zentrum-führer Gröber b'fchwerte sich erneut über eine ver. schärfte Handhabung deS Jesuitengejetze- in Württemberg. Die Beantwortung durch den Ministerialrat war kurz und lehnte im Auftrage deS Reichskanzler- eine positive Amwort ab mit dem Hinweis auf den noch nicht erschöpften Instanzenweg deS EinzelstaatS Württemberg. Auf eine Anfrage von nationalliberaler Seite konnte LegationSrat Lehmann die erfreuliche Antwort erteilen, daß auf Grund eines Eingreifender deutschen Regierung die Gewährung einer AuSbeutungS- konzeflion an eine englische Firma von dem afrikanischen Freistaat« Liberia versagt worden sei. Nachdem man hierauf ohne Aussprache den Notetat angenommen hatte, kam man zur ReichSmarine zurück. Nach der allgemeinen Aussprache der letzten Tage versenkte man sich heute in die Einzelsragen, und diese gaben wie immer und bei jedem Etat den Abgeordneten Gelegenheit zum Vortrag von Wünschen teil- lokaler, teils politiicher Natur. Die Arbeiterwünsche dominirten un
Auf gefährlicher Bahn.
Erzählung nach dem Englischen von S.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung)
Ueber ein Jahr war vergangen seitdem Hermann und Lady Jonthe von ihrer Reise zurückgekehrt waren. Alleging wieder seinen gewohnten Gang, so daß man sich nur schwer voistcllen konnte, welch schwerer Schlag Lord Carre bedroht hatte. Der einzige sichtbare Unterschied war die Anwesenheit Hermanns und der große Luxus, der im Schlöffe entfaltet wurde. Um diese Zeit wußte man in der ganzen Krasschost, in welchen Beziehungen Lady Janthe mit ihrem Gattin lebte. Die allgemeine Ansicht war, Lady Janthe habe nach Geld und Hermann um der aristokratischen Verbindung willen geheiratet.
Mit Beginn der Saison begab sich Hermann mit seiner jungen Gattin nach London und Lady Janthe galt bald als die tonangebende Schönheit des Tage-; ihr HauS war daS besuchteste in der großen Cy-y. Für Hermann war eS ein kleiner Trost zu bemerken, daß Janthe, obschon sie ihn nicht liebte, doch gegen alle Anderen ebenso gleichgültig war. Ihre stolze Ruhe schien nicht gestört werden zu können.
Hermann wurde einige Zeit darauf auch zum Parlamentsmitglied gewählt und e- frappierte ihn, daß seine Gattin über feinen Erfolg erfreut war. — Mit ganzer Seele widmete er sich seinen neuen Pflichten — er suchte sein Leben damit auSzufüllen. Aber er hatte stet- daS gleiche Gelühl von Vereinsamung, daS gleiche Herzweh und da- gleiche Verlangen nach Liebe. AlS die Saison beendet war, kehrten sie nach Crombe zurück. Jetzt fing er an, die Hoffnung aufzugeben. Die vornehme Gleichgültigkeit seiner Gattin wurde ihm uner» träglich.
Lady Janthe verbrachte viele Zeit bei ihrem Vater oder sie unterhielt sich mit Büchern, Musik und der Pflege ihrer Blumen. In gewiffer Weise war sie stet- freundlich gegen ihren Gatten, dessen Autorität sie überall zur Geltung
die Arbelteifikletäre wechselten sich gegenseitig auf der Rednertribüne ab. Auf die christlichen Gewerkfchaftiührer folgte der sozialdemokratische Arbeiterführer Legion, beff.n Aeußerung, daß „jeder intelligente Arbeiter Sozialdemokrat sei,“ Widerspruch gleich bei zwei Zentrumtrednern hervorrief und zu einer längeren, mehr persönlichen Debatte Veranlassung gab. Doch befleißigte man sich einiger Kürze und eilte zur Schluß- abstimmung. Man bewilligte glatt den ganzen Etat einschließlich der von der Budgetkommission beantragten Aenderungen und Resolutionen. Dabei st mmte daS HauS auch dem Elsatzbau des KaiserfchiffS „Hohenzollern" zu, worauf die blau-goldenen Marineunisormen den chiken und kleidsamen feldgrauen Tropenuniformen Platz machten und Staatssekretär v. Tirpitz hoch befriedigt über seine rasche und wohlgetane Arbeit feinen Sitz am Bunde-rat-t sch dem Staatssekretär Dr. Solf vom RcichSkolonialamt einräumen konnte. Der erste Redner, der Sozialdemokrat Henke, sprach ausführlich und nicht ohne Sachlichkeit über die Befiedelung unserer Kolonieen mit Kleinbauern. Selbst auf dem Berichte deS Gouverneur- für Deutsch-Ostafrika geht hervor, daß die Anlage von Kleinsiedelungen unrentabel sei und insbesondere an Arbeitermangel zugrunde gehe. Viel Heiterkeit erweckte der Redner im Hauie und besonder- bei der Zentrum-fraktion, als er sein Eintreten für die schwarzen Arbeiter damit begründete: „daß ihm die fchwarzen Biüdrr in Afrika lieber seien als die schwarzen Brüder in Deutschland/
Abgeordnetenhaus.
DaS Abgeordnetenhaus verabschiedete gestern den schon vom Herrenhauje norberatenen Entwurf einer Hinterlegung-» ordnung und setzte dann die allgemeine Betprechung des ErsenbahnetatS fort. Von den Freikonservativen trat Krause (Balbenburg) für Tarifermäßigungen zugunsten von Nieder- schlefien ein, um die dortige Kohle konkurrenzfähig zu erhalten. Der VolkSparteiler Dr. EhlerS beklagte die ehrfürchtige Behandlung deS Betrieb-koeffizienten, die zu übertriebener Sparsamkeit am Personal sühre. Goebel (Zentr.) verlangte Tarif- ermäßigungen für Oberjchlefien spätestens bei Inbetriebnahme deS Großschiffahrtswege- Berlin—Stettin, der d e oberschlefische Montanindustrie herabdrücke. Dieser Forderung trat der Minister v. Breitenbrch entgegen. Nach dem Sinne deS WofferstraßengefetzeS dürfe ein solcher AuSgleich erst erfolgen, wenn eine zuverlässige Abschätzung der durch den Großschiffahrtsweg herbeigesührten wirtschastlichen Aenderungen möglich sei. Ebenso wideisprach er einem vom Abgeordneten Schifferer (natl.) begründeten Antrag der Budgetkommission, der die Regierung um Borsorge ersucht, daß die durch den Ausbau deS Kaiser-Wilhelmkanal- bedingte Verlängerung einiger Eisenbahnverkehr-wege zu keiner Veiteuerung der Frachtsätze und Fahrkarten führe. Er sei Grundsatz der Verwaltung, jede Aenderung der Wegelängen auch im Taus zum Ausdruck zu bringen.
kommen ließ. Auf Lord Carres ausdrücklichen Wunich wurde Hermann als Herr deS HaufeS behandelt. Seine Stellung war eine beneidenswerte, aber fein Herz sehnte sich noch der Liebe, die nicht kommen wollte. Die Frau, die er so leidenschaftlich verehrte, würde ihn niemals lieben lernen. Sie hatte kein Herz; sie war zu stolz, zu hochmütig, um etwa- andere- zu lieben, als ihr eigenes Selbst und ihren alten Namen. Diese schmerzliche Gewißheit drängte sich ihm endlich auf. Er bedauerte nicht, was er getan, um ihretwillen wäre ihm kein Opfer zu groß gewesen, aber sein ManneSstolz empörte sich gegen die Behandlung, die ihm zuteil wurde. Er konnte nicht mehr länger an ihrer Seite leben, er hatte genug gelitten. Alle-, wo- er in der Welt besaß, wollte er ihr zu Füßen legen, aber die Qual und Marter ihrer Gegenwart konnte er nicht mehr ertragen. Sein Entschluß war gefaßt; er mußte gehen. Sie brauchte ihn nicht; feine Abwesenheit würde ihr vollkommen gleichgültig fein oder sie vielleicht glücklicher machen.
Man konnte jede Erklärung, jeden Skandal vermeiden — kein menschliche- Wesen b auchte den wahren Grund sines Weggehen- zu erfahren. Er wollte sich nach Amerika be« geben. Er hatte Geld dorten angelegt und konnte sagen, Geschäfte riefen ihn dahin. Das Beste, was er hoffen und wünschen konnte, war, daß der Himmel in feiner Barm- Herzigkeit ihn dorten sterben lasse. Eine- Morgen- sandte er nach Jrnthe — er war in seinem Liebling-zimmer.
Sie lächelte, alS sie ihn hier erblickte.
„Sie lieben dieses Zimmer besonder-, Hermann," sagte sie.
,3a, hier leuchtete mir der erste Hoffnungsschimmer, war die Erwiderung. „Janthe, ich habe Sie zu mir bitten lassen, um mit Ihnen zu sprechen — hier, wo Sie ein- willigten, wenn auch ohne Liebe, meine Gattin zu werden — hier, wo ich im Vertrauen aus die Macht meiner eigenen Liebe, eine übermenschliche Ausgabe übernahm."
Der tiefe Ernst seiner Stimme machte Eindruck auf sie. Sie feste sich nieder und blickte nachdenklich zu ihm auf. WaS mochte er wollen? SS ging doch entschieden alleS feinen ruhigen Gang.
Der Balkankrieg.
ES ist anzunehmen, daß sich die Besprechung der Botschafter, die am Montag in London stattgefunden hat, mit dem Gesuch der türkischen Regierung an die Mächte, die FriedenSvermittlung zu übernehmen, beschäftigt hat. DaS Resultat dieser Besprechung ist in folgender Londoner Meldung zu erkennen;
Wie daS Reutersche Bureau erfährt, wird in der türkischen Note nur die Bermittlung der Mächte nachgesucht: von Bedingungen ist nicht die Rede. In diplomatischen Kreisen wird betont, daß der Rat, der in der Kollektivnote der Mächte in einem früheren Stadium der Türkei gegeben worden ist, noch jetzt für gut gehalten wird und die einzige Grundlage ist, auf der eine Vermittlung seitens der europäischen Mächte stattfinden könnte. DaS Reutersche Bureau erhärt weiter, daß der Boischlag, den die Türkei Sir Edward Gr«y alS dem Präsidenten der Botschasterkonserenz gemacht hat, zu gleicher Zeit in den anderen europäischen Hauptstädten durch die Vertreter der Türkei bekannt gep ben worden ist. Diese Tatsache war in diplomatischen Kreisen bereits am Freitag abend bekannt, ist aber aller Wahischrinlichkeit noch formell «ist bei der Botschafte>konferenz am Montag von Sir Edward Grey mitgeteilt worden. ES ist beschlossen worden, daß die Mächte nunmehr die Balkanstaaten von dem Ersuchen der Türkei in Kenntnis setzen, und bei ihnen anfragen sollen, ob ihre Regierungen ebenfalls gewillt seien, die Herbeiführung einer Einigung der Vermittlung zu überlasten. Ueber die Frage, ob die Balkanstaaten voraussichtlich ihre Sache ohne Vorbehalt den Händen Europa- cw^rrtrauen werden oder nicht, ist für den Augenblick keine ^^ uimütivn zu erhalten. Der allgemeine Eindruck scheint indessen zu sein, daß die Verbündeten gewillt feien, eine Vermittlung anzunehmen, daß sie aber vorerst die Bedingungen den Großmächten vorlegm wollen, unter denen sie zum Frieden-jchluß bereit find. Nachdem sich die Großmächte über den Standpunkt der Balkanstaaten vergewistert haben, werden sie, wie man erwartet, den Entwurs eine- Vertrage- auficfen, der bann von beiden Parteien genehmigt und unterschrieben werden soll.
Ganz überraschend kommt die Meldung, daß daS neue türkliche Regime, da- doch gerade, um Adrianopel zu erhalten, daS frühere Ministerium gestürzt hat, selber jetzt auf Adrianopel verzichten will. AuS Konstantinipel wird nämlich berichtet: AuS authentischer Quelle wird bestätigt, daß der Großwesir durch Vermittelung deS rustischen Botschafter- Bulgarien neue FliedenSvoischläge gemacht habe, nach denen die neue Grenze von der Bar bei dem an der Mündung deS Flufie- ReSjawa am Schwarzen Meere gelegenen Orte San Stefano auSgchen und dann dem Laufe der Flüste RoSwaja und Maritza folgen soll. Adrianopel würde hierbei unter gewissen Garantien Bulgarien zufallen. Hiernach würde also die Küste bei Marmarameere« der Türke« verbleiben, die dafür Adrianopel
„Janthe/ fuhr die ernste leiben|chufilichc Stimme fort, „habe ich nicht alles getan, waS ein Mann tun konnte, um mir Ihre Liebe zu erwerben?"
„Ja/ erwiderte sie, „dies muß ich zugestehen/
„Und doch lieben Sie mich nicht mehr, Janthe, als an jenem Tage unserer ersten Unterredung in diesem Gemach?" fragte Hermann.
„Zwischen unS beiden kann doch wohl von Liebe nicht die Rede sein,“ bemerkte Janthe hochmütig. „Warum begnügen Sie fich nicht mit Ihrem seitherigen Leben neben mir ?*
„Warum ich mich nicht damit begnüge?" rief er leiden- schasllich auS, „weil ich nicht von Stein ober Marmor bin — weil ich ein menschliches Herz habe, daS nach Liebe verlangt, eine Seele, die aulfehrtit gegen mein trostlose- Leben, meine grausame Einsamkeit — weil ich mein Leben nicht länger so ertragen kann!"
„Ist etwas Besonderes vorgefallen?' fragte sie überrascht durch diesen leidenschastlichen Gefühl-au-bruch Hermann-.
„Etwas Besondere- vorgefallen? Welch' überflüssige Frage! Ich liebe Sie so innig, so unaussprechlich, Janthe, daß ich auf diese Weise nicht länger hier bleiben kann. Wollen Sie Ihre Hand in die meine legen und sagen: Ich will versuchen, Dich zu lieben, Hermann! Selbst dies wird mich zufrieden stellen."
Ihr schönes Antlitz war merkwürdig bleich geworden. Sie trat zurück.
„Nein," erwiderte sie mit leiser Stimme, „dies kann und will ich nicht versuchen, denn der Versuch ist gegen unsern Vertrag. Sie kennen doch unser Abkommen!*! —
Er lachte laut aus, und sie eeichrat vor dem unheimlichen Klang seiner Stimme, mit der Heimann sitzt logte:
„Nein, Sie können und muQin mcti; diese plebejische Hand dars nicht die zicilichen Finge, uei Lady Carre berühren!"
„Hermann," rief Janthe, „Sie flößen mit Furcht ein. Ich verstehe Sie nicht in bufer Stimmung."
„Ich bitte um Verzeihung," verfitzte er etwa- ruhiger werdend. „E- gibt Zeiten, wo ich mich vor mir selbst