Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ra
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herchl-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 27. Dienstag, den 4. März 1913.
Amtlicher Lei!
HerSseld, den 1. März 1913.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, die Zu- und Abgang-listen für daS II. Halbjahr 1912 big zum 8. d. M t S. e i n , u r e i ch e n. (Art. 88 der AuSs. Anw. zum Sinkst. Gesetz.)
Die Begründungen der Zu. und Abgänge sind genau nach ihrem Wortlaut in den KontrollauSzügen einzutragen.
Wegen der JahreSabschlusseS der Kassen ist der Termin pünktlich innezuholten.
KontrollauSzüge über eingetretene Zu- und Abgänge, die ich noch nicht festgestellt habe, sind sofort einzurelchen.
Erst später feststellbare Zu« und Abgänge sind durch Nachtrag-listen oder Listen au- Vm jähren nachzuweisen.
EineTerminüberschreitungdarshierdurch nicht ein treten.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer» DeranlagungS'Eommisiion.
I. Nr. 645. von Grun«lluS.
HerSfeld, den 1. März 1913.
Im Monat Februar d. Js. sind diesseits den nach- benannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden: A* Jahresjagdscheine r
1. entgeltliche:
am 17/2. dem LandwirtschastS-Eleven Georg Poppenhusen in Kleinensee.
2. unentgeltliche: Seine!
B. Tagesjagdscheine: Keine I
Der Landrat
von GruneliuS.
HerSseld, den 26. Februar 1913.
Die Gesellenprüfung sür daS Wagnerhandwerk findet hier am 2 5. M ä r z d S. I S. statt.
Anmeldungen sind an Wagnermeister Valentin Schade hier zu richten.
Den Anmeldungen sind beizusügen: ein LebenSlaus, Schulzeugnisse und ein Zeugnis des Lehrmeisters.
Zugelaffen sind alle Lehrlinge, welche biS zum 1. Juli d. Js. ihre Lehrzeit beendet haben.
I. 2715. Der Landrat.
I. «.:
W e s s e l, KreiSsekietär,
Ml
Bahn.
Erzählung nach dem Englischen von S.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung)
Der alte Lord Carre befand sich in der großen Eingangshalle und Lady Janthe erblickte ihn mit unglaublichem Entzücken. Seine Augen strahlten, der müde, abgehärmte Ausdruck war au- seinen Zügen verschwunden, seine Haltung war stramm wie die eine- Jüngling-. Seit Jahren hatte sie ihn nicht so wohlauSsehend gefunden. Mit einem Freudenschrei schlang sie ihre Arme um seinen HalS.
„Papa," rief sie, „e- tut meinem Herzen wohl, Dich so gesund wiederzufehen."
Der Lord blickte seine Tochter an und fand mit Tut» zücken, daß ihre Schönheit noch vollkommener geworden sei; er konnte kaum die Augen abwenden von dem bezaubernden Antlitz. Plötzlich erinnerte er sich Hermann-, der auf sein Willkommen wartete.
„Meine Tochter," sagte er mit anmutiger Höflichkeit, „wir dürsen den nicht vergessen, brm wir all unser Glück verdanken. Hermann, mein Sohn, seien Sie tausendmal willkommen und nehmen Sie meinen tausendfältigen Dank entgegen!"
Dann begleitete er Lady Janthe, welche daS HauS in Augenschein zu nehmen wünschte. Die Verbesserungen, welche man während ihrer Abwesenheit an dem schönen Gebäude vorgenommen, waren sämtlich von ihrem Gatten vorgeschlagen und unter Leitung deS alten Lord au-geführt worden.
Lord Carre hatte nur wenig an Crombe verwenden können; Hermann dagegen hatte neue Stallungen errichten und dieselben mit den prachtvollsten Pferden anfüllen lassen. Ein neuer Flügel war an dem Schlöffe angebaut und auf ba8 Modernste und Eleganteste auSgestattet worden.
In der Gemäldegalerie sah Lady Janthe die Gemälde und Statuen, die sie in anderen Ländern bewundert hatte. Wie durch Zauber war alle-, waS ihr Entzücken erregt hatte, r'trhe» gebracht worden. Alle-, alle- verdankte sie der uner
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Marineoffiziere waren an den Regierung-tischen — Marine» offiziere mit ihren Damen in den Regierung-logen anwesend. Aus der Jouinalistentribüne waren die ausländischen ZeitungS- korrespondenten, insbesondere die sranzösifchen und englischen, die meist nur an solchen Marine- und HeereStagen an den Arbeitstischen der Picsse erscheinen, anwesend. Nach der Budgetkommission hatte man einen Vorstoß deS ZentrumS in der Tafelgelderfrage erwartet, aber er blieb auS. Herr Erz- berger, der den Zentrumsstandpunkt in dieser an und für sich nebensächlichen Marinesrage in der Budgetkommission und heute nochmals vor dem Plenum verteidigte, ließ keine Kampf- töne vernehmen, wie auch seine sonstigen AuSlührungen ziemlich müde und friedliebend klangen. Im wesentlichen kritisierte der Redner die hohen Preise für die Kanonen und Panzerplatten und drohte, wenn die Preise nicht billiger würden, mit der Errichtung von ReichS-Panzciplutten- und ReichS.Kanonen- Fabriken. Seine Rede klang in die versöhnliche Versicherung auS, daß die Zentrum-Partei bei der Schaffung einer großen achtunggebietenden Flotte zum Schutze des Vaterlandes stets witgewrrkt habe und auch für die Zukunft sördernd mitarbeiten werde. Mit dieser Rede waren die Brücken zwischen dem Staatssekretär und dem Zentrum wieder geschlagen und der Staatssekretär bestätigte denn auch sosort Herrn Erzberger gern, daß daS Zentrum an der Ausgestaltung der Flotte stets mit- gewirkt habe. Vorher hatte der Sozialdemokrat Vogtherr lang und ausführlich den sozialdem^rowchen Standpunkt zum Marineetat begründet. Ihrer Tradition gemäß sind sie gegen ein große- Wettrüsten, und entsprechend dem sozialdemokratischen Antrag in der Budgetkommission wird die Sozialdemokratie die 5 Millionen versagen, die für den Bau deS HchiffeS „Ersatz Hohenzollern" im Elar vorgesehen sind. Für die Nationalliberalen sprach der Vizepräsident deS Hause?, Geheimrat Dr. Paasche, der mchilach den Gedanken unterstrich, daß Deutschland keine Eroberungspolitik treibe, und auch nie daran gedacht habe, eine Angriffsflotte zu bauen. Der Volks- parteiler Dr. Wiemer kam zu wiederholtenmalen auf die Tajelgelderfrage zu sprechen. Dann sprach noch Schulz- Bromberg von der ReichSpartei, Hoff und Struve, beide von der VolkSpartei, und von der Wirtschaftlichen Vereinigung Herzog, und Staatssekretär v. Tirpitz gab allen Rednern gern eingehend Auskunft. Um die fünfte Nachmittagsstunde vertagte sich daS HauS, um am nächsten Montag in der Generaldebatte deS MarineetatS jortzufahrcn.
Regierung, und Militärvorlage.
In Verteidigung gegen Voiwüise, die wegen der Art der Behandlung der Militärvorlage verschiedentlich gegen die Re
müdlichen Liebe, der fü'stlichen Großmut des Gatten, dem sie verboten, auch nur ein zärtliche- Wort an sie zu richten. Auch jetzt war er nicht an ihrer Seite; eS widerstrebte feinem Gefühl, sie auf dieser Rundschau zu begleiten, alS wolle er gleich ihren Dank in Empfang nehmen.
Janthe liebte ihren Gatten nicht; sie blickte von ihrer stolzen Höhe zu ihm herab, aber sie machte sich keines Undank- schuldig.
Sie verließ den Vater, um ihren Gatten auszusuchen, und fand ihn allein in dem hübschen Morgenzimmer, in welchem sie damals ihre verächtliche Zustimmung, seine Gattin zu werden, gegeben hatte.
Dachte er jetzt daran — an ihre zornigen, bittern Worte — an ihre unaussprechliche Verachtung? Sie errötete, als sie sich jener Szene erinnerte.
AlS sie eintrat, stand Hermann an die offene Gla-türe angelehnt, und sie sagte sich mit plötzlichem Schmerz, daß er sich gar so einsam inmitten all dieser Pracht und Herrlichkeit fühlen müsse; ein wehmütiger, kummervoller Ausdruck prägte sich in seinen edlen Zügen auS.
Aber jetzt leuchtete ein Hoffnungsstrahl in f inen Augen aus. Janthe hatte ihn sichtlich g< sucht und kam mit einem lieblichen Lächeln auf ihn zu. Sollte sich sein Traum verwirklichen? War sie gekommen, um ihm zu sagen: „Ich liebe Dich, mein Gatte — ich liebe Dich endlich?"
Janthe war an seiner Seite.
„Hermann," sagte sie, „ich komme, um Ihnen zu danken Sie sind sehr gut, sehr großmütig. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Güte; Sie haben unS sehr glücklich gemocht."
Er war ihr eifrig entgegengetreten, sein Her, aus seinen Lippen, seine Seele in seinen Augen, seine Hände au-gestreckt; aber als er hörte, waS sie zu sagen hatte, veränderte sich sein ganze- Aussehen.
„Ich freue mich," sagte er dann mit bebenden Lippen, „daß Sie dem, waS ich getan, Ihren Beifall spenden."
verwundert blickte sie zu ihm auf, seine Stimme war
gierung erhoben worden sind, wird jetzt halbamtlich folgende- au-gesührt:
„In der O-ffentlichkeit und der Presse zerbricht man sich die Köpfe darüber, warum die Regierung mit der Einbringung der HeereSvorlage zögert. Von einem Zögern kann aber gar nicht die Rede sein, die Vorlage ist eben noch nicht so weit, daß sie bereit- eingebracht werden konnte. Auch von einem „Verpassen der Gelegenheit" darf man nicht sprechen; denn der Entschluß, unsere Wehrkraft erneut zu verstärken, ist, wie bereits Mitte Dezember angedeutet wurde, alsbald nach dem Umschwung der Verhältnisse im Südosten Europa- gefaßt worden. Wie daS zu geschehn, habe, bedurfte gründlichster Erwägung, und zwar um fo mehr, alS eS für uns nicht auf einen Bluff des Auslandes »»kommen, sondern nach dem Ernst der Lage sich nu« um d u wohlübeilegte , großzügigen Ausbau unserer W b"'»a r unt I AuSnutz । g M gesamten bisher brachliegenden T ike deS unlnMn g . V^keS Handeln konnte. Uebereilung mä e, wenn irurndwv, gerade hier schädlich gewesen. Die für die Durchfüh,ung Dufer wie aller Maßnahmen aus dem Gebiete deS Heerwesen- grundlegende Entscheidung deS KoiierS fiel im Januar. Seit diesem Zeitpunkt sind die beteiligten Stellen der ReichSregierung mit Uebertragung der gefaßten Einschlüsse in die nun einmal notwendige EtatS- und GesetzeSform mit Anspannung aller Kräfte beschäftigt, und wenn er gelingt, die Vorlage um die Mitte dieses Monat- an den BundeSrat zu bringen, so ist daS eine anzucrkcnuende Leistung, die allerdings nur derjenige einzuschätzen in der Lage ist, der sie selbst einmal zu leisten gehabt hat. Wenn dann der Reichstag die Vorlage noch vor Pfingsten unter Dach bringt, so ist auch keine Zeit verloren ; denn die gejorderten HeereSverstärkungen können sämtlich frühesten- am 1. Oktober 1913 durchg, führt werden. Nach Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist ein anderer Zeitpunkt alS der Herbst für die Durchführung größerer OrganisationS- änderungen nicht möglich ohne eine bedenkliche E.schütterung deS GesamtorganiSmuS deS Heere- und ohne Schädigung der sorgfältigen Ausbildung der bestehenden Truppenteile. Um die nötigen Vorbereitungen zu liessen, ist eS allerdings erforderlich, daß die Heeresverwaltung spätesten- um Pfingsten die Vorlage zum Gesetz erhoben steht. Wenn man aber befürchtet, daß die einer großen HeereSvorlage günstige Stimmung im Volk und Pailoment abflauen könnte, so schützen wir beide höher ein. Nicht augenblickliche Stimmungen, sondern die tiefkingewurzelte Ueberzeugung von der Notwendigkeit, unsere Rüstung nachhaltig zu verstärken, wenn wir unS in der Welt fernerhin durchsetzen wollen, haben der nun in oller Kürze kommenden Vorlage den Boden im deutschen Volke bereitet, wie daS seit langer Zeit bei keiner HeereSvorlage der Fall gewesen ist. Daher ist die Ungeduld und die Erwartung im Volke auch erklärlich. Diese wird nicht enttäuicht werden.
Auch die DeckungSfrage wird überall lebhait erörtert. Wie der L. A. erfährt, besteht bei der R ichSleitung die Absicht, die wegen ihrer Höhe ganz b sonders inS Gewicht
voll Schmerz, voll Enttäufchung, der Ausdruck femcS Gesicht ein mitlciderregcnder.
WaS hatte er erwartet! Welche Bedeutung hatte er ihrem Kommen zug, schrieben? Heiß er,ölend hat sie zurück und versuchte ihie Beklemmung weg zu lachen.
„Ich habe Papa im Stich gelassen, um Sie aufzi suchen. Sie haben in allem genau meinen Geschmack getroffen. Ich bin Ihnen unendlich dankbar dafür."
„DaS freut mich," erwiderte er ernst, und eine unbehagliche Pause trat ein.
„Ich will zu Papa zurückkehren," begann Lady Janthe endlich. „Wollen Sie mich begleiten? Papa geigt mir mit solch großem Vergnügen all die wunderbaren Veränderungen."
„Ich denke, Sie werden sich in meiner Abwesenhtit angenehmer unterhalten," erwiderte Hermann.
„Wir dinieren um acht," jagte Lady Janthe, nnd ent- fernte sich langsam.
Hermann hatte sich ganz an den Wortlaut ihre- Vertrage- gehalten; er hatte nicht ein zärtliche- Wort ihr zuge- flusteit. Hätte er eS gewagt, so wäre sie sicher böte geworden. Aber sie wünschte, er hätte nicht so einsam und verlassen auSgesehen, Nicht mit so schmerzlich bewegter Stimme ge'prochen; denn schließlich verdankte sie ihm doch so viel — er war so gut und freundlich.
Beim Diner sahen sie sich wieder. Lady Janthe hatte dem Lord viel von ihrer Reise zu erzähl n; sie war lebhaft angelegt und sprach mit Begeisterung von der genußreichen Tour. Nach dem Diaer sagte ihr Gatte:
„Ich habe mit Entzücken Ihrer Unterhaltung gelauscht, Janthe, denn >ch habe nun die Ueberzeugung gewonnen, daß unsere fÄcife Ihnen Vergnügen machte."
„Wußten Sie dieS nicht?" fragte sie.
„Nein," erwiderte Hermann. „Sie vergessen, daß Sie mit mir nie darüber sprachen — tatsächlich von nicht-, wa- Jhre Peison betraf."
„Dann will ich eS jetzt nachholen," sagte sie lächelnd. ,34 amüsierte mich ganz ausgezeichnet auf unserer Tour."