Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark ra
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein» gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewäfjrt.waNawawa
herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 26
Sonnabend, den 1. März
1913
Erstes Blatt.
Amtlicher teil.
Her-feld, den 24. Februar 1913.
An die OrtSpolizeibehörden deS Kreises.
Bei den durch § 11 der Maß» und Gewicht-ordnung vom 30. Mai 1908 vorgeschriebenen regelmäßigen Nach- eichungen durch die staatlichen Eichbeamten erwachsen auch den OrtSpolizeibehörden Ausgaben, die durch die ministerielle Anweisung vom 11. Dezember 1912 — Sonderbeilage zum RegierungS-AmtSblatt Nr. 3 pro 1913 — im Einzelnen näher sestgelegt worden sind.
Ich mache aus jene Vorschriften besonders ausmerksam und erwarte, daß sich die OrtSpolizeibehörden mit den ihnen hier» nach übertragenen Obliegenheiten alsbald vertraut machen. Insbesondere weise ich auf die Führung der nach § 3 der eingangs erwähnten Anweisung vorgeschriebenen Eichlisten und auf die Erhebung der Eichgebühren hin. WaS die Erhebung der Eichgebühren betrifft, empfehle ich das im § 7a a. a. O. bezeichnete Verfahren, die Gebühren sogleich beim Eichgeschäft tinzuziehen.
Die Formulare zu Eichlisten Muster II. (§ 3 Ziffer 3) und zu Zahlung-listen (§ 8 Ziffer 2) Muster III. sind in der WailenhauSbuchdruckerei in Caffel erhältlich. Die Kosten der Anschaffung der Formulare fallen der Gemeinde zur Last.
I. 14967. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 24. Februar 1913.
Die Herren OrtS- und Gut-vorstände erinnere ich daran, daß dem Herrn Ersten Staat-anwalt in Caffel bis zum 1. k. MtS. gemäß meiner Versügung vom 6. Januar 1904 I. 69 ikreiSblatt Nr. 4) Bericht über die in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1912 gestorbenen, b e» straften Personen zu erstatten ist. Es ist auch Fehl» an zeige notwendig.
I. 2511. Der Landrat.
3. «.:
Nessel, Klei-sekretär.
Hersseld, den 27. Februar 1913.
Die Liste über die wahlberechtigten Zahnärzte sür die nach der Verordnung vom 16. Dezember 1912 zu bilden» den Zahnärztekommern liegt im LandratSamlSqebäude — Zimmer Nr. 9 — in der Zeit vom 1. bis 14 März d. JS während der Dienststunden öffentlich aus.
Einwendungen gegen die Liste können binnen 14 Tagen nach beendigter Au-legung unter Beifügung der erforderlichen Bescheinigungen bei dem Herrn Ober-Präsidenten in Caffel angebracht werden.
I. N. 2748. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Hersfeld, den 24. Februar 1913.
Die OrtSpolizeibehörden deS Kreise- mache ich aus die im Amtsblatt der Königlichen Regierung Nr. 48 vom Jahre 1912 abgedruckte Aenderung der Polizeiverordnung, betreffend die Regelung deS Verkehr- mit Arzneimitteln außerhalb der Apotheken, vom 25. November 1912 besonders aufmerksam. I. 14519 a. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Her-seld, den 25. Februar 1913.
An sämtliche Schulvorstände deS Kreises.
In den Einzelverfügungen über die SchulvermögenSver- zeichniffe habe ich jede-mal deren sorgfältige Ausbewahrung angeordnet.
SS dürste sich empfehlen, die Vermögen-Verzeichnisse in einen festen Aktendeckel einbinden zu lassen, damit sie vor dem Vergriffenwerden bewahrt bleiben.
I. 2651. Der Landrat.
I. «.:
Nessel, KreiSsekretär.
nkbtomtlkber teil.
Politischer Wochenbericht.
Der König und die Königin von Dänemark haben dem deutschen Kaiserpaar in Berlin einen mehrtägigen Besuch abgestattet. Bei der Galatafel wechselten die Monarchen herzliche Trinksprüche. Wie sein Großvater Christian IX. und sein Vater Friedrich VIII. ist auch König Christian X. von dem Wunsche erfüllt, gute Beziehungen Dänemark- zum Deutschen Reich« zu unterhalten, und diese Gesinnung wird
von deutscher Seite aufrichtig erwiedert. DaS deutsche Volk ist sich bewußt, daß eS neben den sreund schriftlichen Bezie» hungcn der beiden Herrscherhäuser gleichzeitig auch die Bande der gleichen germanischen Abstammung und einer vierhundert- jährigen Geistes- und Kulturgemeinschost verknüpfen. In der freudigen und begeisterten Aufnahme, die dem dänischen KönigSpaar aus dem Boden der deutschen Reich-Hauptstadt von allen Kreisen und Schichten der Bevölkerung zuteil geworden ist, hat dieses Bewußtsein einen beredten Ausdruck gesunden.
Welche abgrundtiefe, unüberbrückbare Kluft die Sozial- d e m o k r a t i e von dem Fühlen und Denken der übrigen deutschen Volksgenossen trennt, hat sie erst neuerdings wieder mit ihrer Stellungnahme gegen die EiinnerungSseier unserer großen nationalen Erhebung vor hundert Jahren bewiesen. So hat in der Berliner Stadtverordnetenversammlung ein Redner der Umsturzpartei erfläit, die „Übergröße Mehrheit deS preußischen Volkes und der Berliner Bürger habe keine Veranlaffung, jener Zeit feierlich zu gedenken." DaS geht doch selbst den Freisinnigen zu weit, und die Vertreter dieser Partei haben sowohl in der Berliner Stadtverordnetenversammlung wie im preußischen Abgeordnetenhause, den Herrn „Genossen" eine derbe, aber wohlverdiente Abfertigung zuteil werden lassen. EinS der am weitesten links stehenden Blätter der bürgerlichen Demokratie nennt die Erklärung, die von der Sozialdemokratie im Berliner Stadtparlamente gegen unsere nationale ErinnerungSfeier abgegeben wurde, „eine empörende und törichte GeschichtSfälschung". In der Tat hat die Sozial- demokratie hiermit von neuem den Beweis geliefert, daß sie nicht nur eine republikanische, sondern auch antinationale und vaterlandSseindliche Partei ist. Mit einer solchen Partei aber kann und darf eS kein Bündnis Eu, und wer ihr durch Rede oder Handlung irgendwelche Förderung angederhen läßt, der erniedrigt sich selber und schließt sich freiwillig auS der Reihe der nationalgesinnten Parteien und Männer auS.
Die Lage auf dem Balkan sieht zurzeit, trotzdem der Krieg zwischen der Türkei und dem Balkanbunde noch immer seinen Fortgang nimmt, wieder wesentlich günstiger und hoffnungsvoller aus. Bulgarien und Rumänien haben sich bereit erklärt, den Großmächten die Vermittelung in denjenigen Punkten zu übertragen, die durch unmittelbare Verhandlungen zwischen Bukarest und Sofia nicht zu erledigen sein sollen. Der rumänrsch-bulgarische Streit dürste damit einer gütlichen Lösung bedeutend näher gerückt sein. Ferner läßt sich in der albanischen Grenzsrage eine Lösung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland mit Zuversicht erwarten. So ist ein Anlaß zu besonderer Beunruhigung gegenwärtig kaum vorhanden.
In Italien hat der Minister deS Auswärtigen S a n G i u l i a n o eine bemerkenswerte Rede gehalten, die sich durch den warmen dreibundfreundlichen Ton sowie durch die Schärse auSzeichnete, mit der hier der Anspruch Frankreichs, die alleinige und ausschlaggebende Mittelmeermacht sein zu wollen, $urücf gewissen wurde. Mit herzersnschender Mannhaftigkeit hat MarquiS di San Gruliano betont, daß Italien nicht gesonnen fei, die Herrschaft im Mittelmeer einer anderen Macht allein zu überlasten, sondern daß eS vielmehr beabsichtige, in allen MUtelmeerangelegenheiten ein rutsch. idendeS Wort mitzusprechen. Vom deutschen Standpunkte aus kann man Ton und Inhalt der Kundgebung deS LeiterS der auswärtigen Poluik Italien- nur mit aufrichtiger Freude bc- grüßen.
In Frankreich hat sich der neuerwählte Piäsident P o i n c a r 4 mit einer Botschaft eingrführt. Diese Botschaft, in der auch die Erinnerung an die „grausame Prüfung von 1870" nicht fehlt, ist in Frankreich mit großem Beifall ausgenommen worden, weil Pomcmä eS vc> standen hat, darin Töne anzvschlagen, wie daS französische Volk sie zu hören liebt. In der gleichen Richtung bewegte sich auch die erste Amtshandlung PoincarsS, feine Ernennung Delcafsss zum Botschafter in Petersburg, auch sie kommt ohne Zweifel den nationalistischen Hoffnungen der Franzosen entgegen. Delcaffs galt und gilt als Vertreter einer besonder- deutschfrindlichen Politik und alS eifrigster Förderer deS rustisch-französtschen Bündnisse-, da- er gern zu einem An- giiffsbunde ausgestalten möchte. UnS Deutschen aber flößt die Ernennung DelcastöS keine Furcht ein. Wir werden der Tätigkeit deS neuen jranzöfilchen Botschafter- in Petersburg eingehende Ausmerksamkeit widmen, im übrigen aber nach dem Grundsätze handeln: Bereit sein ist alle-. Eine entschiedene Betätigung wird dieser Grundsatz hoffentlich demnächst durch die einmütige Annahme der in AuSsicht stehenden Heeres» vorlage finden.
In Mexiko hat die Revolution mit der Ermordung deS früheren Präsidenten Madero noch ein blutige- Nachspiel gezeitigt. So verschlingt die Resolution häufig ihre eigenen Kinder, indem sie denjenigen, die ihr den Aufstieg zur Macht und Herrschaft verdanken, auch wiederum Tod und Verderben bringt.
Am die Militäroorlage.
Je länger eS dauert bi- zur Veröffentlichung der neuen MilitS,vorlage, um so höher wachsen di« Summen an, die
in den Blättern zur jährlichen Deckung der Kosten genannt werden. Jetzt ist man schon bei einer 200 Millionen über» steigenden Zahl angekommen. Diese Angaben sind sicher zu hoch, und viel Wert hat da- Raten überhaupt nicht, zumal da eS bei der Veranschlagung doch daraus ankommt, aus wieviel Jahre sie sich erstreckt und wie sich die einmaligen zu den sortdauernden MehrauSgaben verhalten werden. Immerhin wird der Bedarf so groß sein, daß er auS einer sortlaufenden Besitzsteuer, sei eS aus einer VermögenSzuwachS-, fei eS eine Erbanfallsteuer, nicht gebest werden kann.
Bedenklicher als der Mißbrauch der Druckerschwärze, den manche Blätter in ihrem UeberbietungSeifer treiben, bis schießlich „uferlose Forderungen" herauskommen, ist die fortgesetzte Drängelei nach Veröffentlichung der Militärvorlage. E- liegt doch aus der Hand, daß die Regierung selbst da- größte Interesse daran hat, der Ungewißheit ein Ende zu machen und nicht unnötiger Weise zu warten, bi» etwa die für Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht, Verjüngung der Feldarmee, überhaupt größtmögliche Erhöhung der nationalen Sicherheit sehr günstige Stimmung weiter Volk-kreis« wieder abflaut. Liberale Blätter haben schon dem Gedanken Raum gegeben, die maßgebenden Kreise schienen über daS Maß der militärischen Forderungen noch nicht einig zu sein; denn sonst könnte die Ausarbeitung der Vorlage doch nicht so lange dauern. Tatsächlich ist daS Einvernehmen zwischen dem Reichskanzler und den militärischen Autoritäten nicht einen Augenblick getrübt gewesen. Längst steht schon sest, um wieviel Köpfe die FriedenSpräsenz erhöht werden soll und wa- an Bewaffnung und neuen Organisationen nötig ist. Die Ausarbeitung der Einzelheiten läßt sich aber nicht über- Kni« brechen. Mehr Mannschasten hecht mehr Kasernenräume, mehr Material verschiedener Art, mehr Offiziere und Unteroffiziere__ genaue Verrechnung bei 'unaizuUen jotgen für vir ntr)a<«ebenen T'uppenteile usw. Dabei müssen vielfach örtliche Verhältnisse berücksichtigt und geprüft werden. Da- läßt sich nicht in ein paar Wochen machen.
Nur hieraus erklärt eS sich, daß die Vorlage noch nicht vollständig durchgearbeitet ist und erst im nächsten Monat an den BundeSrat gehen kann. Wer meint, daß die Vorarbeiten viel früher als im Dezember ober Januar hätten begonnen werden müssen, Übersicht ganz, daß erst durch den Balkankrieg eine Verschiebung der allgemeinen militärischen Lage in Europa eingetreten ist, die uns nötigt, für die Zu- surft auch die bisher noch nicht auSgenutzten Kräfte stieg*« tüchtig zu machen. der Balkankrieg.
Die Demobilisierung an der galizischen Grenze.
Wien, 27. Februar. Die Blätter besprechen säst durchweg an leitender Stelle die Frage der Zurückziehung der R'servisten von der russisch-österreichischen Grenze. Au- informierter Quelle verlautet, daß der Beginn der Rückziehungen auf den 1. März festgesetzt wurde; eS sollen umfangreiche R scivistenemloffungen an der Nordgrenze verfügt werden. Die Bereitschaft an der Südwestgrenze der Monarchie bleibt vorläufig im großen und ganzen unverändert. Die ReichSpost veröffentlicht heute einen „Wien und Petersburg" überschrirbenrn Artikel, der einen offiziöien Ton anschlägt. ES heißt dort: „Die offizielle Verlautbarung der V rständigung zwilchen Oesterreich-Ungarn und Rußland über die Rückgängigmachung der bisonderen militärischen Vorkehrungen an der russisch- österreichischen Grenze dürfte bereits Ende dieser Woche erfolgen. Die prinzipielle Entscheidung in dieser Angelegenheit ist in der gestrigen Audienz deS russischen Minister- deS Aeußeren Ssasonow beim Zaren gefallen. Auch die Audienzen deS Ministerpräsidenten Kokowzew, des Kriegsministers Suchomlinow, deS Generalstabschefs Schiltnsk« und deS General- Danilow beim Zaren stehen damit im Zusammenhang. Dem Zaren lag, wie bereits gemeldet, die konkrete Aeußerung Oesterreich-UngmnS vor, nach der dieses zufolge der russischen Anregung bereit ist, einen Teil der in Gal'zien unter den Fahnen stehenden Reservisten zu entlassen, wenn Rußland gleichzeitig mit der Demobilisierung beginne. Die außerordentlichen militärischen Maßnahmen im Südwesten der Monarchie sollen nicht tangiert werden, sie bleiben biS aus weiteres bestehen. Die ReichSpost fährt dann fort, daß dies« Maßregel durch die Mission deS Prinzen Hohenlohe vorbe« reitet worden sei, daß der Zar in feinem Antwortschreiben auf die Rücknahme der militärischen Grenzvorkehrungen alS eine glückliche Einleitung zu einer weiteren Annäherung Hin- gewiesen habe, worauf von österreichischer Seite der erwähnte konkrete Borschlag erfolgt sei. Die österreichisch-ungarische Diplomatie habe den vom Monarchen gewiesenen Weg der Verständigung erneut sortgesrtzt und hierbei Ergebnisse erreicht, die nur noch der Schlußsanktion durch die Gesetzgeber harren „DaS bedeutet," sährt daS Blatt fort, „noch keine Austragung der meritorischen diplomatischen Angelegenheiten, die noch in der Schwebe sind. Indem bethe Staaten den Küraß ab« schnallen, wollen beide bekunden, daß sie die friedliche Verständigung sür wöqlich und gut halten."
Heldentod eines Fliegers.
Petersburg, 26. Februar, Der in die bulgarische