aukhebungskommission (§ 15 der Pferdeaushebungs- vorschrift vom 1./5.1902) für Oberamtmann Sunt- Heim in Hersseld.
21, Wahl von 3 Mitgliedern und 3 Stellvertretern der Einkommensteuer-Veranlagungskommission an Stelle der ausscheidenden Mitglieder etc. (§ 33 des Ein- kommensteuer-Gesetzes vom 19. Juni 1906) für die Jahre 1913 bis einschließlich 1918.
22. Wahl einer Kommission für die Prüfung der Kreis- kommunalkafsenrechnung für das Rechnungsjahr 1912.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
I. A. 1222. von Grunelius.
j)sliz«iv<rsrdnung
Auf Grund der §§ 5, 6 und 7 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Landesteilen wird mit Zustimmung der Gemeindevertretung für den Gemeindebezirk Hattenbach folgende Polizei- verordnung erlassen.
§ 1.
DaS Hemmen ohne Hemmschraube an Fuhrwerken ist auf sämtlichen Fahrwegen einschließlich der Wendewege (jedoch ausschließlich der ganz steilen Wendewege) in der hiesigen Gemarkung verboten.
8 2.
DaS Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschaften ist verboten.
8 3.
DaS Verunreinigen der Gräben und daS Besahren derselben an den Wegen außerhalb der vorgesehenen Ueberfahrten ist verboten.
8 4.
DaS Befahren der WirtschofiSwege in hiesiger Gemarkung mit Lastfuhrwerken, sowie zum Zwecke der Bewirtichastung von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist nur denjenigen gestattet, die zur Benutzung der WirtschaftSwege berechtigt find. *
8 5.
Diejenigen Wege, die in dem Rezesse über daS Zusammen- legungSve,fuhren der hiesigen Gemarkung nicht ausdrücklich alS Holzabfuhrwege bestimmt sind, dürfen als solche nicht benutzt werden.
8 6.
DaS Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.
8 7.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tag der Bekanntmachung in Straft tritt, werden mit einer Geldstrase von 1 biS 9 Mk. oder entsprechender Haft bestraft.
Hattenbach, den 5. Februar 1913.
Die ortspolizeibehörde H o f m a n n.
nichtamtlicher teil.
Wir und Frankreich.
Der neue Piäsident der französischen Rrpudlik hat in seiner Botschaft die patriotische Note kräftig betont. Er hat nicht unterlassen, an die „grausamen Prüfungen deS JohieS 1870“ zu erinnern. Er hat das Parlament aufgefordert, vor keinem Opfer und keiner Anstrengung für Heer und Marine zurückzuschrecken. DaS ist die männliche Sprache eine- pflichtbewußten Staatsoberhaupts. Niemand in Deutschland wird eS Herrn Poincarö verdenken, wenn er gleich bei frinem ersten rednerischen Auftreten die brennendste Frage mit fester Hand angepackt hat. AuS der französischen Presse waren wir schon zuvor über die weitgehenden RüstungSpläne der französiichen Regierung unterrichtet. Sie künden den Entschluß deS fran- zösiichen Volke- an, alle Kraft an die Erhaltung seiner Machtstellung zu fetzen.
Für uns in Deutschland enthalten die Vorgänge bei unsern Nachbarn so deutliche Lehren, daß sie sich jedem aufdrängen müssen. ES gibt in der Wehrhosierhaltung deS Reiches kein Stillestehen. Selbst wenn wir in der Ausnutzung unserer VolkSkrast zur Verteidigung deS Landes nachlassen wollten, so würde die stete Regsamkeit jenseit- der Grenze unS immer wieder zu neuen Anstrengungen arspornen müssen. DaS Be-
sein Talent, durch seinen unermüdlichen Fleiß ein große- Ver- mögen erwaib, wie der sehnlichste Wunsch feine-Leben- war, der Gründer einer Familie zu werden."
„Ein armseliger Ehrgeiz," schaltete sie ein.
„In Ihren Augen vielleicht, Lady Janthe, nicht so in den feinigen," fuhr Hermann fort. „Er sprach zu mir von nicht- anderem. Er hoffte und betete, daß der Name Culioß einst ein mächtiger im Lande werden würde, und erzog mich in dieser Hoffnung. AlS Ihr Vater mir von seinen Verlegenheiten sprach, begrub ich diese Hoffnung. Ich sagte ihm, daß ich seinen Wunsch erfüllen wolle, wenn eS mir gelänge, Are Liebe »u erwerben, und daß ich mir da- Recht ver. n l ^hten Namen zu tragen, damit er nicht auS- sterbe. Glauben Sie mir, Lady Janthe, ich bringe ein eben-
Opfer, indem ich darauf verzichte, meine- Vater- LiebllngSidee auSzuführen, wie Sie selbst, indem Sie ein Vorurteil Ihre- Leben- ausgeben. Aber ich bringe eS freudig wie ich auch mein Leben hingeben wollte, wenn ich Ihnen damit dienen könnte."
^.."^_.^be deshalb nicht mehr Achtung für Sie," er» kalt. „Ein Mann, der Ursache hätte, auf aufgeben^^^ * ^ C’n' ^^'^ denselben nicht so leicht
„ES geschähe um Ihretwillen, Lady Janthe. O hören Sre mich an! Mit der Zeit müssen Sie meine große Liebe Wen lernen - müssen sie verstehen - sie erwidern. Ich will mich gerne gedulden."
„Und trotz Ihrer großen Liebe wollen Sie meinen Vater nicht retten, ohne mich zu opfern ?*
^lnt^tnn ^ ^6 täte, würde ich die einzige AuSficht, d,e ich habe, mir Ihre Liebe zu gewinnen, verlieren. Senden Sie mich nicht weg! Wenn Sie nicht um meinet- Willen gütig gegen mich sein wollen, seien Sie eS um Ihre- BaterS willen. O, wenn sie gesehen hätten, wie sein Antlitz sich erhellte, M ich ihm meine Pläne da,legte! Lady
n e nur um die Erlaubnis, meinen Reichtum in Shrem Dienste verwenden zu dürfen. Ich will Ihre- Vaters H«, rifreuen, indem ich alle feine Schulden tilgt. Ich will diesem großen alten Besitztum wieder zu seinem früheren
wußtsein der zahlenmäßigen Ueberlegenheit unserer Volkes, daS Pochen auf sein natürliche- Wachstum tun eS nicht, eS gilt die vorhandene, immer neu zuwachsende Kraft zu organisieren, damit uns nicht einmal ein kleiner Gegner dank feiner sorgfältigeren Rüstung überlegen entgegenzutreten vermag. Wir können eS zufrieden sein, daß die Franzosen unS diese Lehren mit dem bei ihnen üblichen Geräusch begreiflich machen. Ein stillerer Gegner würde gefährlicher sein.
Vielleicht hätte ein solcher eS auch vermieden, gerade in diesem Zeitpunkt durch die Ernennung deS Herrn Delcasss zum Botschafter in Petersburg daran zu erinnern, wieviel trotz mancherlei gemeinsamer Diplomatenarbeit zwischen unS und Frankreich steht. Nicht, daß wir dem Wirken deS Herrn DelcaffS in Petersburg mit besonderer Sorge entgegensehen müßten. Auch er hat, wie in Pariser Berichten betont wird, viel Wasser in seinen Wein getan und wird sich vermutlich in den kühleren Petersburger Kreisen vor Illusionen bewahren können, wie sie ihn einst als Minister am Kai d'O-say genarrt baben. Immerhin gilt sein Auftreten noch heute alS ein Warnung-zeichen und alS ein Gradmesser für die chauvinistische Stimmung in Frankreich. Diese Stimmung wächst jede- Mal, wenn man in Frankteich an daS Schwinden unserer militärischen Ueberlegenheit zu glauben beginnt. Für die Behandlung der kommenden Militärvorlage können wir daraus die praktischen Folgerungen ziehen.
Der Balkankrieg.
Die allgemeine Lage.
Wien, 23. Februar. In Besprechung der Lage sagt daS Neue Wiener Tagblatt: In Momenten, in welchen Oesterreich-Ungarn daS Ziel ungerechtester Angriffe war, sahen wir unseren deutschen Sinterten treu an unserer Seite. Nicht einen einzigen Augenblick hat unS Deutschland in diesen schweren Tagen eine Superiorität fühlen lassen, sondern immer nur daS Bild eines mächtigen und starken Freunde- geboten, aus den man mit Sicherheit rechnen kann. AuS diesem Gefühl heraus kann man nicht anders, als jenen seindseligen Elementen in ganz Europa entgegentreten, die alle-, waS nur irgendwo in einem Staate geschieht, als gegen Deutschland gerichtet auSgeben möchten. Zum Glück für die Welt ist aber Deutsch, land so stark, daß alle Feindseligkeiten an dem deutschen Kraft- bewußtsein scheitern müssen, und daß also Deutschland seine Ruhe und Wü>de in Ehren bewahren kann. Die europäischen Unruhestifter u erden vielleicht noch erkennen, wie nutzlos eS ist, sich das Deutsche Reich zur Ziclfcheibe aller möglichen Machinationen zu wählen, und eS ist ganz vergeblich, Deutsch- land so hinstellen zu wollen, alS ob eS immer nur die ganze Welt bedrohen wollte, während eS unzweifelhaft erwiesen ist, daß Deutschland seit 42 Jahren selbst dort, wo seine Interessen sehr stark in Milleidenschaft gezogen worden waren, den Weg deS Friedens gewählt hat, solange eS mit feiner Würde und mit seiner Ehre nur zu vereinen war. Und gewiß ist auch jtzt, daß die große Ruhe, welche Deutschland bewahrt, ihren Ursprung nicht in einem Gefühl irgend einer Besorgnis hat, sondern einzig im Gefühl seiner reellen Kraft, welche jeder an sich zu spüren bekäme, der eS wagen würde, vom Spiele mit spitzen Worten zur Tat überzugehen. DaS wissen wir hier in Oesterreich-Ungarn, und darum trägt dieS auch zur Stärkung unseres Kraft- und SecherheitSgefühleS bei, weil eS unS bekannt ist, daß man mit papierenen Hieben und rednerischen AuSsällen dort nicht aufkommt, wo daS Wort gilt: Wir wünschen den Frieden und gehen gegen niemand los; wenn sich aber jemand an unS vergreisen wollte, dann wird er schon sehen, wohin er kommt.
Zu dem Balkankorflikt bemerkt die N. Allg. Ztg.: Die Entspannung in den Balkaufrogen hat während der letzten Woche unverkennbare Fortschritte gemacht. ES ist gelungen, den rumänisch-bulgarischen Streit einer gütlichen Lösung näher zu bringen, indem die Parteien den 6 Großmächten die Ver- mittlung in solchen Punkten übertragen wollen, die durch unmittelbare Verhandlungen zwischen Bukarest und Sofia nicht zu erledigen sein sollten. Zwischen der Türkei und dem Balkanbund dauert der KriegSzustond noch fort; Vorgänge von militärischer oder politischer Wichtigkeit sind aber nicht eingetreten. Dagegen zeigen sich auf diplomatischem Gebiet AnhaltSpunkte dojür, daß die Türkei gewillt ist, die Vermittlung der Mächte für einen annehmbaren Frieden eintreten zu lasten. Auch im Kreise der Balkanstaaten scheinen friedliche Erwägungen an Boden zu gewinnen. Die Großmächte, die daS Ziel einer baldigen Beendigung deS KampfeS nicht aus dem Auge verlieren und in diesem Bestreben nach wie vor einig vorgehen,
Glänze verhelfen. Ich will Ihnen und Ihrem Vater mein ganzes Leben widmen. Ich will arbeiten und ringen für den Ruhm der Carre- von Crombe. Wollen Sie mir ein Wort der Ermutigung sagen, Lady Janthe?"
Sie dachte über feine Worte nach, sie wußte, daß eine Heirat mit Hermann Culroß daS einzige Mittel sei, daS Leben ihre- VaterS, die Ehre ihre- alten NamenS zu retten — und doch «füllte sie diese Idee mit Abscheu. Sie hestete jetzt ihren Blick unverwandt auf Hermann und fragte in eisigem Tone:
„Fühlen Sie auch noch den Wunsch, mich zu heiraten, wenn Sie wissen, daß ich mit Verachtung auf Sie blicke — daß ich Sie nie alS meinesgleichen betrachte, nie vergessen werde, daß Sie ein Emporkömmling sind?"
„Lady Janthe," erwibeite er, „ich werde mir Ihre Liebe zu erwerben missen, nun ich weiß, daß dieselbe keinem andern gehört."
„Niemals," tief sie, „denken Sie niemals daran!"
„Ich werde mich gedulden," sagte er ruhig.
Sie schwieg einige Augenblicke, sichtlich ihren Aerger hinunterkämpfend, und dann sagte sie langsam:
„Ich wiederhole, daß eS unmännlich von Ihnen ist, mir diesen Zwang auszuerlegen. Sie zwingen mich, Ihre Gattin zu werden, weil Sie mir keine Wahl lassen; ich muß meinen Vater vernichten oder Sie heiraten. Ich liebe meinen Vater mehr alS die ganze Welt, und um ihn zu retten, sehe ich mich dazu getrieben, einen Mann zu heiraten, den ich weder liebe noch achte."
„ES wird noch ganz anders kommen," sagte er. „Ich liebe Sie so innig, daß ich auf alle Bedingungen eingehen werde."
Ein heiße Röte breitete sich über Lady Janthe- schöne- Antlitz.
„Wirklich?" entgegnete sie. „Nun, dann werde ich diese Bedingungen so schwer als möglich für Sie machen. Ich will Ihre Gattin werden — d. h. Sie sollen meinen Namen tragen —, aber Sie dürfen niemals auch nur meine Hand berühren; Sie werden mich an sich gefesselt haben — die- scheint Ihr Wunsch zu sein —., abn kein Wort d« giebt
werden, sobald sie eS mit Nutzen können, den Kriegführenden ihre guten Dienste für den Friedensschluß gern zur Verfügung stellen.
In der albanischen Grenzsrage läßt sich eine Lösung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland mit Zuversicht erwarten.
K o n st a n t i n o p e l, 22. Februar. Der gestrige amtliche Kriegsbericht besagt: DaS Artillerie-Duell vor Adrianopel dauerte 20 Stunden. Ein von dem russischen Leutnant NikolaS gelenkter bulgarischer Aeroplan fiel gestern innerhalb der Verteidigungslinie von Adrianopel nieder. Der Leutnant wurde mitsamt dem Flugzeug gefangen genommen. — Bei Bulair ist in der militärischen Lage keine Veränderung eingetreten. Vor Tschatalbscha wurde um 3 Uhr nachmittags eine starke feindliche Kolonne, die auS Infanterie, Artillerie und Kavallerie bestand, in der Umgebung von Kadiköi wahrgenommen. Die Kolonne rückte gegen die Anhöhe Sivritepe bei der Ortschaft Sürgünköi vor und begann ein Gesecht mit unserm dort befindlichen Detachement. Der Kampf dauerte biS 5V2 Uhr nachmittags. Der Feind mußte sich gegen Kadiköi zurückziehen. Gleichzeitig rückte eine andere seindlrche, aus Infanterie und Artillerie zusammengesetzte Kolonne gegen Aliflu vor und besetzte die Anhöhen, die IV2 Kilometer westlich von dieser Stellung liegen. Ein Bataillon freiwilliger Kurden unternahm jedoch nachtS einen Angriff, durch den diese Höhen zurückgewonnen wurden.
K 0 n st a n t i n 0 p e l, 23. Februar. Der offizielle Kriegsbericht besagt: Gestern hat der Feind daS Bombardement von Adrianopel fortgesetzt. An der Ostfront fand ein Artilleriekampf statt. Vor Bulair sind keine Veränderungen eingetreten. An der Tschataldschalinie ist der Feind damit beschäftigt, die im Westen von Tfchiftlilöj gelegenen Anhöhen zu befestigen. Unsere RekognoSzierungskolonnen sind in Tätigkeit.
Konstantinopel 22. Februar. DaS Preßbureau teilt mit: Bei den Angriffen auf den Bardagnol am 7. und 8. d. MtS. verloren die Montenegriner 6000, die Serben 4000 Tote und Verwundete. Die ottomanischen Truppen nahmen den Bardagnol wieder ein.
Konstantinopel, 23. Februar. Nach türkischen Angaben übersteigen die türkischen Verluste in den bisherigen Kämpfen seit Wiederausnahme der Feindseligkeiten kaum 1500 Mann. Die Zahl der in Konstantinopel in Pflege befindlichen Verwundeten übersteigt nicht 500. Die anderen Verwundeten befinden sich in Gallipoli und in den Dardanellen in Pflege, wo die Schulen in Ambulanzen umgewandelt worden sind. Der türkische Rote Halbmond beschloß, 50 000 Pfund für die Pflege der Verwundeten und weitere 50 000 Pfund für die Unterstützung der mohammedanischen Flüchtlinge auSzusttzen.
Der rumänisch-bulgarische Streit.
E 0 s i 0, 23. Februar. Die Vertreter der Großmächte unternahmen heute nachmittag einzeln die Demarche bcim Ministerpräsidenten und Minister deS Aeußern Gefchow, dem sie den dringenden Rat erteilten, die Lösung der bulgarisch- rumänischen Streitfiage der Entscheidung der sechs Großmächte zu unterwerfen. Ministerpiäsident Geschow erwiderte, er werde darüber dem Ministerrate berichten und sodann die Antwort mittiilen. — Die Regierung hat den Vertretern der Mächte zur Kenntnis gebracht, daß sie dem türkischen Beschlusse, eine neutrale Zone in Karagatsch für die Fremdenkolonien von Adrianopel zu schaffen, Nicht zustimmen, könne und in dieser. Frage nach wie vor an der von der Pforte selbst vor- geschlagenen msp-ünglichen Lösung festhalte, wonach die Fremden die Bewilligung erhalten sollten, die türkischen Linien zu verlassen. Diese Lösung sei im übrigen menschlicher, da sie alle Gefahren ausschließe, die auS Epidemien, Hungersnot und den Unbilden der Jahreszeit entstehen könnten.
König Nikita will nicht aus Skutari verzichten.
DT. PariS, 23. Februar. König Nckua von Montenegro erklärt in einem Telegramm an den „Tewps", daß der Besitz SkutariS für Montenegro eine Lebensfrage fei, und daß er he ffe, Europa werde die gerechten Anspiüche Montenegros darauf nicht zurückweisen. Die Entwickelung Montenegro- veilange den Besitz SkutariS. Die bisherige Trennung habe den politischen und wirlschafllichen Fortschritt schon genug gehemmt. Die großen montenegrinischen Verluste vor der Festung, die schwerer wiegen als die Opfer der anderen Verbündeten, könnten nicht umsonst vom Lande gebracht werden.
flut Jn- und Ausland.
Berlin, 23. Februar 1913.
Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria
soll jemals über meine Lippen kommen — wir werden zusammen, und einander doch ferner sein, alS Fremde. Sie haben nun zu entscheiden, ob Sie diese Bedingungen annehmen wollen?"
Hermann blickte sie an; sie schien ihm so wunderbar schön in ihrem Zorn, ihrem Trotz, er hatte entschieden.
,Jch nehme diese schweren Bedingungen an," sagte er. „Ich werde mir Ihre Liebe erringen."
„Wenn Sie also unter tiefen Bedingungen einwilligen, Ihre Freiheit zu verlieren und Ihr Leben den CarreS von Crombe zu widmen," sagte sie mit königlicher Gebende, „so nehme ich Ihre Dienste an und unsere Unterredung ist beendet."
Sie sprach mit schlecht verhehlter Verachtung; aber Hermann Culroß freute sich doch seines seltsamen SiegeS.
7. Kapitel.
Nachdem Lady Janthe daS Zimmer verlassen, stand Hermann in tiefen Gedanken versunken. Für ihn, den Sohn deS Volkes, den tiefen Denker, den großherzigen, hochsinnigen Philosophen, lag etwaS Unnatürliches in Lady JantheS großem Familienstolz. Er konnte ihn nicht verstehen, und er sann auf Mittel, diesen in seinen Augen ganz unnatürlichen Stolz der Lady Janthe, die nun seine Gemahlin werden wollte, zu brechen.
Anfänglich war er geneigt gewesen, ihre Bedingungen, alS seiner unwürdig, mit Verachtung zurückzuweisen. Aber dann kam ihm der Gedanke, er könne ihr eine Lektion geben, in waS der wahre Adel bestehe. Er wollte ihr sein ganze- Leben weihen; er wollte sie mit einer Zärtlichkeit behandeln, daß sie gezwungen wäre, ihn zu bewundern, gezwungen, zu- zugestehcn, daß auch ein Plebejer die Tugenden besitzen könne, die nach ihrer Meinung nur den Aristokraten zu gehören schienen. Wie stolz sie war, wie hochmütig, aber auch wie schön, wie bezaubernd!
(Fortsetzung folgt.)