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zustimmen. Wir glauben vielmehr, daß die politische Fühlung­nahme zwischen den Kaisern Franz Joseph und Nikolaus auf die Lösung von Einzelheiten der Balkansragen erleichternd nachwirken wird.

Neue Kämpfe.

Konstantinopel, 16. Februar. DaS Pressebureau teilt mit: Am 14. Februar griffen die Montenegriner mit 16 000 Mann und zahlreichen Kanonen die türkische Stellung auf dem Tarabosch und bei Berlitz« an. Die Türken leisteten energischen Widerstand. Die Montenegriner mußten sich unter Zur'ücklassung von sechs Kanonen und 3000 Verwundeten zurückziehen.

Die Bulgaren scheinen sich aus der Linie Midia—Sinekl»— Rodosto zurückgezogen zu haben. Die Bahn ist frei bis zum Kilometer 66, vier Kilometer vor Tschataldjcha. — Wie ver­lautet, hat die Pforte Hakki Pascha neue Instruktionen erteilt.

K o n st a n t i n o p e l, 16. Februar. Die Vortruppcn der Türken bei Tschataldscha griffen die feindlichen Linien an. Die Bulgaren haben die Höhen nordöstlich von Akolau stark mit Artillerie besetzt, um den Vormarsch der türkischen Truppen zu verhindern. Die am linken Flügel gegen Surgünköj vorgehende tückische Kolonne hat den Feind gestern früh aus Harabdjchi Tschiftil zuiückgctrieben. Auf dem rechten Flügel haben die türkischen Truppen daS Dorf Ormali besetzt und besestigt.

Wien, 16. Februar. Die Neue Freie Presse meldet auS Belgrad: An maßgebender Stelle wird mit größtem Nachdruck den in der Stadt verbreiteten Gerüchten entgegengetreten, daß drei serbische Truppendivisionen über Saloniki nach dem throzischen Kriegsschauplätze abgegangen seien. Nach amtlicher Angabe wurden nur die verfügbaren Belagerungsgeschütze nach Adrianopel transportiert und Truppenverschiebungen in größerem Maßstabe werden nur innerhalb der serbischen Grenze bezw. deS von Serbien besetzten Gebietes vorgenommen werden. Erst wenn seitens Bulgariens ein positives Ansuchen unter entsprechenden Gegenkonzessionen gestellt wird, sollen die bereit- gestellten serbischen Truppen dem bulgarischen Armeekommando zur Verfügung gestellt werden.

Sofia, 16. Febr. Der türkische Panzerkreuzer Asfar-i- Tewfik, unter dessen Schutz der Versuch einer Landung tück scher Truppen bei Podima an der Küste deS Schwarzen Meeres gemacht worden ist, stieß vorgestern aus eine von den Bulgaren gelegte Mine; er erlitt ernsthaste Havarien und scheiterte. Eine Minenlegerabteilung und eine Küstenbatterie zerstörten daS türkische Kriegsschiff vollständig und brachten eS zum Sinken. Eines der türkischen Transportschiffe, die an der Landung bei Scharköj beteiligt waren, wurde samt der Be­mannung von bulgarischer Artillerie zwei Kilometer südlich dieser Ortschaft in den Grund gebohrt.

Oesterreich-Ungarn und Rußland.

London, 15. Februar. Wie daS Reutersche Bureau auS diplomatischen Kreisen erfährt, haben die Besprechungen der Botschafter hinsichtlich der auSeinandergchenden Ansichten, die Oesterreich-Ungarn und Rußland über die Grenzen Albaniens hegen, keine Fortschritte gezeitigt. Außerhalb der beiden genannten Mächte sind jedoch andere mächtige Einflüsse am Werk, und eS besteht die Hoffnung, daß eS gelingen wird, einen Weg zu finden, der für Wien und auch für Petersburg annehmbar ist. Deshalb glaubt man auch, daß für die Lage, die jetzt alS schwierig und ernst bezeichnet wird, eine feiedliche Lösung schließlich gefunden werden wird. Für den Augenblick jedoch bleibt die Frage in der Schwebe. Da einer der Bot­schafter London verläßt, wird wahrscheinlich für einige Tage keine Zusammenkunft statifinden. Im Gegensatz zu Meldungen, die in London eintrasen, wird erklärt, daß die Haltung Oesterreich-UngarnS sich nicht geändert hat. Seine Ansichten hinsichtlich der Grenzen Albaniens sind noch dieselben. Nach dem österreichischen Plan soll Albanien Skutari, Jpek, Priz- rend, Djakova, Dibra, Konitza und Janina erhalten. Wenn auch zugegeben wird, daß in der Umgegend von Jpek und Prizrend einige Modifikationen gemacht werden können, so steht Oesterreich-Ungarn doch auf dem Standpunkt, daß die angegebenen Grenzen nicht zu weit gehen. Zum Beweise dasür wird darauf hingewiesen, daß von den 1 200 000 Alba- nesen ein Drittel außerhalb der angegebenen Grenzen lebt. Innerhalb dieser Grenzen sind^ wie behauptet wird, keine Slawen zu finden, vielmehr ist die gesamte Bevölkerung albanestsch. Bei Jpek und Prizrend war die Bevölkerung allerdings vor sechzig Jahren slawisch, und aus diesem Grunde mag Oesterreich-Ungarn vielleicht zugeben, daß diese Orte nicht Albanien einverleibt werden, obwohl heute die Bewohner zum größten Teil Albanesen sind. Die aus diese Weise sestgefttzten Grenzen sind, wie erklärt wird, nicht aus politischen Beweg­

anstelle der alten FamilienporträtS moderne Gemälde aufhängen. Dann fiel ihr ein. daß sie jetzt hinabgehen und höflich gegen ihn sein müsse, gegen ihn, den Repräsentanten deS von ihr verabscheuten Geschlechts. Sie begrüßte Hermann Culroß mit einem „Guten Morgen", ohne ihm die Hand zu bieten und nahm dann Platz, um am Frühstückstisch zu präsidieren. Aber schon ihre bloße Gegenwart machte Hermann glücklich; seine Verehrung sür sie war grenzenlos.

Nach dem Frühstück ließ Lord Carre seine Tochter zu sich bescheiden. ES schien ihr, alS ob ihr Vater etwa- heiterer au-sehe.

„Janthe," sagte er, „ich habe Dich rusen lassen, weil ich gerne allein mit Dir sprechen wollte. Nachdem Du unS gestern Abend verlosten, hatten wir eine lange Unterhaltung über mein — mein Mißgeschick. Er war so gütig gegen mich — dieser junge Hermann Culroß — mein eigener Sohn hätte nicht gütiger sein können."

„DaS freut mich," bemerkte sie kühl. Die Idee, daß dieser Mann „gütig" war gegen ihren Vater, Lord Carre, gefiel ihr

M ,wK Gönnerschaft, und so etwa- war natürlich absurd für einen Emporkömmling einem alten Lord gegenüber.

t t nahm so großes Interesse an allem, war ich sagte," suhr Lord Carre sort, „daß ich ihm mein ganzer Vertrauen fchenkte. Ich erzählte ihm aller — von den 100 000 Pfund, Die ich ihm schulde — von den 5000, die ich Windham ersetzen muß — und von den 200 000, die ich für diese elende Srlbermine borgte."

„Dies aller sagtest Du ihm? Du mußt ihm sehr ver­trauen I" rief Janthe erstaunt.

„DaS tue ich auch, Janthe. Ich fühle mich so zu ihm hingezogen. Er ist so ernst, offen und aufrichtig. Er gefällt mir sehr, Janthe," entgegnete Lord Carre.

„Ich bin froh, daß Du einen Freund in Herrn Culroß gefunden hast," sagte sie. „Sehen sie — diese Herren — keinen Ausweg aus Deiner Verlegenheit?"

„Nein: sie mußten beide zugeben, daß es bitterer, unver- meidlicher Ruin fei; aber sie versprachen mir, ihr Bestes zu tun. Herr Grantley muß heute abend nach London zurück.

gründen gewählt worden. Der Standpunkt Oesterreich-UngarnS ist lediglich, daß Albanien Grenzen erhalten muß, welche eS in den Stand setzen, als autonomer Staat zu existieren, und daß dies unmöglich ist, falls feine wichtigsten Glieder von ihm abgetrennt werden.

„Hamidie" in der Falle?

Malta, 16. Februar. Auf Antrag deS Kapitäns Raufbey hat die britische Hafenbehörde dem tückischen Kreuzer „Hamidie" gestattet, zur Vornahme einer dringenden Kessel- reparatur die Frist von 24 Stunden, die er als Schiffsführer einer Krieg führenden Macht in einem neutralen Hasen weilen darf, zu überschreiten und bis Montag früh vor Malta liegen zu bleiben. Auf der Höhe von Malta kreuzen trotz stürmischem WetterS vier griechische Torpedoboote und erwarten die Ausfahrt deS „Hamidie", um ihn anzugreifen und zu kapern.

Serbische Verluste.

Saloniki, 16. Febr. Den Beweis, daß die serbischen Truppen in Albanien schwere Verluste erlitten haben, brächte daS italienische Hospitalschiff „Regina Margherita," das mit 760 serbischen Verwundeten hier eingetroffen. Sie werden auS- geschifft und in daS Lazarett in Saloniki gebracht worden.

Die Brautausstattung der Prinzessin.

Die Verlobung deS jüngsten KaiserkindeS lenkt natürlich das Interesse auf die Ausstattung, die die Prinzessin in die Ehe mitbringt. Die Kaiserin beschäftigte sich schon seit einiger Zeit mit der Ausstattung ihrer Tochter. Man kann sich wohl vorstellen, daß die Prinzessin bereit- einen Teil der Dinge, die sie sür ihre Aussteuer nötig hat, besitzt. Der Geschmack der Prinzessin, ebenso, wie der der Kaiserin geht dahin, daS Schöne mit dem Praktischen zu verbinde»:. Die Wäsche, die die Prinzessin Viktoria Luise für ihre Aussteuer mitbekommt, ist durchweg deutsches Fabrikat. Deutsche Leinwand und deutsche Spitzen wurden dazu verwendet, nur an einigen be­sonderen Prunkstücken befinden sich altcrerbte Brüsseler Ein­sätze und 6 pitzen. Die Prinzessin selbst hat auch den Wunsch geäußert, daß alle-, waS für ihre Ausstattung noch er­forderlich ist, auS deutschen Fabrikaten hergestellt werden soll. Sie hat sür die Tischwäsche und für einzelne Prunkstücke schon seit langer Zeit die Muster bestimmt, und zwar hat sie einen Teil der Webemuster selbst entworfen. Eine Tischdecke auS dem wundervollsten Leinen dürste mehr in das Gebiet der Kunst, alS in da- der Industrie gehören. Im Webemuster befinden sich zierliche und elegante Biederweiergestalten, Männlein und Weiblcin; bis inS feinste Detail ist im Webe- muster alles berücksichtig», jedes Gesicht der einzelnen Figuren trägt einen anderen Ausdruck, man erkennt in den Augen das Lochen, den Schalk und den Junior. Und um die Figuren winden sich Rosenkränze, bei denen jede Rose sogar ihren eigenen Ausdruck besitzt. JcdeS Blatt ist von dem anderen unterschieden. Die dazugehörigen Servietten tragen daS gleiche Muster in derselben Ausführung.

Die Prinzessin, die alS gute Haustochter von ihrer kaiser­lichen Mutter erzogen worden ist, hat von jeher ein lebhaftes Interesse für ihre Wäsche und die Ausstattung gezeigt. Ganz wie andere junge Mädchen richtete sie sich eines TageS einen „Hamsterkasten" ein und verwahrte darin alle die Dinge, die ihren besonderen Gefallen erregt hatten, und die sie sich für die Zeit angeschafft hatte, da sie einmal ihre eigene Wirtschaft haben würde. Eo mancher Stück ist von ihrem Taschengelde erstanden, so manches Bild, daS ihr Wohlgefallen erregte, be­findet sich darunter. Denn "wenn der Kaiser seiner Tochter auch am liebsten jeden Wunsch, den sie ausgesprochen, ersüllt hätte, die Kaiserin legte oft ein Veto dagegen ein, und die Prinzessin mußte wie andere junge Mädchen auf die Erfüllung deS einen oder deS anderen Wunsches so lange warten, bis sie selbst ihn sich auS eigenen L itteln leisten konnte. Unter ihren Ausstattungsstücken wird sich daher gar manches be­finden, waS seit Jahren in ihrem Besitze ist. So sah sie aus ihrer Reise nach England eine prachtvolle Decke, die sie gern besessen hätte. Die Prinzessin ließ sich nach dem Preise und der Herkunft dieser Decke erkundigen, und es wurde ihr ein ziemlich hoher PreiS mit dem Bemerken genannt, daß diese Decke echt schlesische Klöppelarbeit sei, die mit Häkelspitzen kunstvoll verziert war. Nun zögerte die Prinzessen nicht länger, sie erstand im AuSlande die deutsche Decke, die jetzt ihren Schatz ziert.

gutidttr her Kämst in Mexiko.

New Aork, 15. Febr. Der Rebellensührer Dioz ant­wortete aus die FriedenSvorschläge: „Kein Waffenstillstand früher, bis Madero mit seinem ganzen Kabinett zurück.etretcn

kehren; aber ich habe Herrn Culroß gebeten, wenigsten- die nächsten vierzehn Tage bei unS zu bleiben. Er willigte auch ein. Du wirst höflich gegen ihn fein, Janthe?"

„Höflich!" wiederholte sie ungeduldig — „ich bin stets höflich gegen ihn, Papa."

„Du wirst ihn zu unterhalten, ihm die Zeit angenehm zu vertreiben versuchen?"

„Gewiß; ich hoffe, Papa, daß Du immer mit meinem Betragen gegen Deine Gäste zusrieden bist."

„Freilich," erwiderte er nachdenkend; „aber in Deinem Benehmen gegen Herrn Culroß ist etwas — nicht Greifbares — ein Schotten — doch ich kann eS fühlen. ES ist, als ob Du nie für eine Minute den Unterschied in Eurer Lebens­stellung vergäßest."

„ES besteht also ein Unterschied, Papa," sagte sie — „Du gibst daS zu?"

„Gewiß, Janthe. Er ist der Sohn eines Fabrikanten, der klein anfing und sich durch seinen Fleiß erst emporarbeiten mußte; Du bist die Tochter einer der ältesten Familien Englands."

„Wenn also ein Unterschied besteht, Papa, dann sollte er auch beobachtet werden. Sich dagegen auflehnen, wäre ein vergebliches Unterfangen, ebenso gut könnte man einen Neger weiß waschen wollen."

Lord Carre machte eine unbehagliche Bewegung; er blickte in das reine, schöne Antlitz seiner Tochter mit seiner vor­nehmen Ruhe.

„Weißt Du, Janthe," sagte er, „ich wünschte, Du würdest den Unterschied der Kaste etwas weniger streng markieren. Dein Benehmen wird dadurch manchmal unfreundlich."

„Meine Ansichten sind ganz die richtigen, Papa," ent­gegnete sie, „und ich werde daran festhalten, so lange ich lebe,"

Lord Carre seufzte. Sie war sehr stolz und unzugänglich, seine schöne Tochter; und er mußte sich sagen, wenn er an Hermann Culroß' Stelle gewesen wäre, würde er sich durch ihre Höflichkeit nicht erbaut fühlen.

Am Abend kehrte Herr Grantley nach London zurück; er nahm einen großen Bündel Papiere und mehrere engge- schrieben« Seiten Notizen mit sich, bemerkte aber traurig, er

ist." Der Kampf, der in der Nacht wieder ausgenommen wurde, hält infolgedessen an. Die Ausständischen konzentrieren daS Feuer aus den Nationalpalast, die Bundestruppen erwidern mit scharfem Gewehrseuer. Bürger benutzen die Nacht, um zu entfliehen. Die innere Stadt ist säst geräumt. Eine Hunger-not droht auszubrechen, da eS an Zusuhren mangelt. Ein Deutscher namenS Brauer verbot Madero, aus dem Dache seine- HauseS Geschütze auszustellen unter dem Hinweis auf die deutsche Flagge, die aus dem Gebäude weht.

Mexiko, 16. Februar. AlS die Senatoren gestern im Senat erschienen, um Madero zur Abdankung aufzufordern war dieser nicht anwesend, sondern befand sich in der Feuer- linie. Wie erklärt wird, ist Madero absichtlich der SenatS- sitzung ferngeblieben. Er erklärte dem spanischen Gesandten, er wolle lieber sterben, als abdonken. Ein Senator hielt eine Ansprache an daS Volk, in der er erklärte, Madero sei ge­schlagen und eine Einmischung der Vereinigten Staaten zum Schutze der Fremden stehe bevor. Eine Abordnung deS SenatS begab sich zu Diaz und suchte ihn zu einem Waffen­stillstand zu bestimmen. Diaz wiederholte seine Forderung, daß Madero zuvor obdankel» solle. Der Senat ist nunmehr dabei, einen Ausruf an das Volk zu erlaffin, der Inhalt-, daß eine Intervention durch die Vereinigten Staaten drohe, wenn nicht die Ordnung schnellstens wiederhergestellt werde.

Madero hat an Präsident Tast daS Ersuchen gerichtet, sich in die mexikanischen Verhältnisse nicht einzumischen, hi­er den Ausstand unterdrückt habe. Tast erwiderte mit einem Hinweis aus die Notwendigkeit, für die Sicherheit der Fremden zu sorgen, falls eine Intervention vermieden werden solle.

Uns 3*- und Ausland.

Berlin, 16. Februar 1913.

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Nachdem der Kaiser in Königsberg in .feierlicher Stunde auf die kommende Heeresvorlage hingewiesen hat, sind vom Reichskanzler beim Festmahl deS LandwirischastSratS todtere Mitteilungen über die große nationale Aufgabe diese- JahreS gemacht worden. Der Reichskanzler hob die Einmütigkeit der verantwortlichen Stellen in der Rüstungrfrage hervor und machte damit den Andeutungen und Vermutungen ein Ende, als gäbe es in dieser Angelegenheit Differenzen im Schoße der Regierung. Vermutungen, Die sich noch kürzlich zu der Behauptung verdichteten, der Kriegsminister habe bei den Neuforderungen vom Reichskanzler angetrieben werden müssen. Es ist dringend zu wünschen, daß derlei haltlose- Gerede nunmehr auS den Zeitungserörterungen verschwindet. DaS verlangt die Sache, und, wie wir meinen, auch die Nation, die ein notwendiges vaterländisches Werk, daS sie opferbereit aus sich nimmt, nicht durch Kleinlichkeit und Ge­hässigkeit entstellt sehen will.

Von einer LandesverratSaffäre soll neuerdings wieder die Kaifirliche Werst in Danzig betroffen worden sein. Diese beschäftigte sät etwa Jahresfrist einen angeblichen Diplom- und Doktoringenieur Seegel, der nun seit vorgestern verschwunden ist. ES wird Tag und Nacht nach ihm ge­fahndet. Er steht in dem Verdacht, Pläne zu den neuesten Unterseebooten nach Frankreich und England angeboren zu haben. Seegel war im KonstruktionSbureau der Kaiserlichen Werft, Abteilung Unterseebote, beschäftigt und hatte die Be­arbeitung der neuesten Konstruktionen und Zeichnungen der Unterseeboote 27 und 30 unter sich. Von anderer Seite wird jedoch versichert, daß hier Landesverrat nicht in Frage komme. Der Flüchtling hat sich den Doktortitel widerrechtlich beigelegt und so durch falsches Zeugnis seine Stellung erschlichen; auch werden ihm andere Betrügereien zur Last gelegt. Jeden­falls hat die Untersuchung bisher keinen Anhalt für die Be­teiligung SeegelS an einer Spionageaffäre erbracht.

Die Zeitung „Adriatioa" kündigt an, daß der König von Italien sich am 25. Juli nach Berlin begeben wird, um an dem 25jShrigen RegierungSjubiläum Kaiser Wilhelm- II. teilzunehmen. Der deutsche Kaiser bürste wahrscheinlich den Besuch im Laufe deS Herbste- in Rom erwidern.

Ueber einen neuerlichen Wechsel auf dem B o tich asterp o sten in Rom wird gemeldet: Wie halbamtlich mitgeteilt wird, wird der bisherige preußische Ge­sandte am Darmstädter Hose Freiherr von Jenisch, der bereits für den Posten deS Kaiserlichen Botschafter- in Rom bestimmt war, diesen nicht antreten. Bei Freiherrn von Jenisch hat sich Ende vorigen Monat- ein Herzleiden eingestellt. Die- hat ihn nunmehr veranlaßt, seinen Abschied auS dem ReichS- und Staatsdienst zu nehmen. An seiner Stelle ist der biS-

sähe für seinen verehrten Patron keinen Ausweg auS diesem Labyrinth. Dem scharssichtigm alten Anwalt schien Lord CarreS Angelegenheit eine hoffnungslose — der Lord konnte die 100 000 Pfund nicht bezahlen, deshalb mußte er seine uralte herrliche Besitzung verlieren; er konnte die Fünftausend nicht wieder ersetzen, mußte also darauf gesaßt sein, von Wyndham verklagt zu werden; und waS daS geliehene Kapital anbelangte, daS er in der Miene angelegt hatte, so konnte er davon nicht einen Shilling zurückerhalten; er mußte also aus eine große Anzahl von Jahren aus sein ganze- Einkommen Beschlag legen lassen. ES war eine entsetzliche Lage. Lord Carre brächte seine meiste Zeit mit seinen Papieren in der Bibliothek zu. Seine Tochter sah ihn, zu ihrer unaussprech­lichen Betrübnis, von Tag zu Tag bleicher und eingefallener werden.

„ES wird mich töten, Janthe," sagte er mit schwacher Stimme aus ihre Vorstellungen hin, sich doch zu schonen, „kein Carre kann Schande überleben."

Inzwischen verliebte sich Hermann Culroß mit jedem Tag mehr in seine schöne, junge Wirtin, die ihrerseits mehr denn je entschlossen war, die Entfernung zwischen Parvenü und Aristokratin jeden Tag bemerkbar zu machen, waS ihr mit wunderbarem Takt gelang.

An einem schönen, herrlichen Morgen machte ihr Vater den Vorschlag, mit Herrn Culroß einen Spazierritt zu unternehmen; die Luft sei so rein und klar, eS würde ihr gut tun. Hermann erwartete voll brennender Ungeduld ihre Ant­wort, die ruhig, aber mit aller Bestimmtheit gegeben wurde. Sie gab zu, daß das Wetter herrlich sei, und war auch über­zeugt, daß für Herrn Culroß ein Spazierritt sehr angenehm sei; aber sie selbst war der Morgens zu sehr in Anspruch genommen, waS bei der Herrin des HauseS Carre doch leicht zu begreifen wäre.

„Aber für kurze Zeit könntest Du Dich doch frei machen," meinte ihr Vater; doch sie bedauerte mit der größten Ge­lassenheit, daß die- unmöglich sei.

(Fortsetzung folgt.)