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Herrselder Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-klnschlutz Nr. 8
Nr. 21.
Dienstag, den 18. Februar
1913.
Amtlicher teil.
Polizei-Verordnung.
Aus Grund der §§ 5, 6 und 7 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizciverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen wird mit Zustimmung der Gemeinde- Versammlung für den Gemeindebezirk Rotterterode folgende Polizeiverordnung erlassen.
§ 1»
DaS Hemmen ohne Hemmschraube an Fuhrwerken ist auf sämtlichen Fahrwegen einschließlich der Wendewege (jedoch ausschließlich der ganz steilen Wendewege) in der hiesigen Gemarkung verboten.
§ 2.
DaS Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschasten ist verboten.
§ 3.
DaS Verunreinigen der Gräben und das Befahren derselben an den Wegen außerhalb der vorgesehenen Uebersahrten ist verboten.
8 4.
DaS Befahren der Wirtschaft-wege in hiesiger Gemarkung mit Lastfuhrwerken, sowie zum Zwecke der Bewirtschaftung von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist nur denjenigen gestattet, die zur Benutzung der Wirtschaft-wege berechtigt sind.
8 6.
Diejenigen Wege, die in dem Rezesse über daS Zusammen« legungSverfahren der hiesigen Gemarkung nicht ausdrücklich als Holzabfuhrwege bestimmt sind, dürfen alS solche nicht benutzt werden.
8 6.
DaS Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.
8 7.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe von 1 bis 9 Mark oder ent- fprechender Haft bestraft.
Rotterterode, am 29. Januar 1913.
Die SrtspolizeibehSrde:
Ruhn.
Bekanntmachung.
Ginftdlung von Drei- und Vierjährig-freiwilligen für die pMtrofenartillerie-Hbteilung Kiauttchou (Küstenartillerie) in Cstngtau (China),
Einstellung: Oktober 1913, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1914 bezw. 1915, Heimreise: Frühjahr 1916 bezw. 1917.
Bedingungen : Mindesten- 1,64 m groß, kräftig, gesunde Zähne,
Auf gefährlicher Bahn.
Erzählung nach dem Englischen von S.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Lady Janthe- stolze Augen warfen einen gleichgültigen Blick auf ihn, der ihm daS heiße Blut in die Wangen trieb. Ein Beben durchlief feine ganze Gestalt, der starke, ernste Mann war kaum Herr seiner selbst. Der stolze, ruhige Blick hatte fein Herz von neuem in Flammen gesetzt.
Wie er sie liebte, diese schöne, königliche Jungfrau, welche ihn so kühl, alS nicht zu ihrer Welt gehörig, mit so knapper Höflichkeit behandelte! Wie oft hatte er sich dirseS erste Zusammentreffen mit ihr auSgemalt! Er hatte die Absicht gehabt, ihr mit vornehmer Miene seine Entschuldigung wegen seiner knabenhaften Impertinenz vorzubringen; aber alS er sie jetzt anblickte, wagte er eS nicht; auS diesen edlen, stolzen Zügen sprach auch kein Schimmer von Wiedererkennen.
Auch sein Mann-stolz empörte sich dagegen; er wollte sich nicht entschuldigen, er wollte seine ernste knabenhaste Liebe nicht eine Impertinenz nennen.
Bald daraus trat der Lord ein und schüttelte beiden Herren herzlich die Hände. Ein leise- Beben klang auS seiner Stimme, alS er mit Hermann Culroß sprach: ein Schatten von Furcht, war seine Tochter mit Ueberrafchung bemerkte. Dann wurde da- Diner angemeldet, und die Gesellschaft begab sich in den Speisesaal.
Lady Janthe hielt sich genau an ihr gegebene- Wort. Sie war „höflich" gegen Herrn Culroß, nicht mehr. Wenn ihr Vater sich auS irgend einem Grunde genötigt gesehen hätte, einen der benachbarten Krämer einzuladen, so wäre sie genau ebenso höflich gegen diesen gewesen. Mit einem höflichen Lächeln nahm sie die Bemerkungen aus, die Hermann Culroß an sie richtete; doch gerade diese- Lächeln schien die Entfremdung zwischen ihnen zu vergrößern. Sie redete ihn uiemal- an, ausgenommen, wenn ihre Pflicht als Wirtin dies erforderte. Sie versäumte nicht den unbedeutendsten Akt der
vor dem 1. Oktober 1894 geboren (jüngere Leute nur bei besonder- guter körperlicher Entwicklung).
Bevorzugt werden: Techniker, Elektrotechniker, Monteure, Mechaniker, Chauffeure, Schuhmacher und Schneider.
In den Standorten in Ostasien wird außer Löhnung und Verpflegung eine Ortszulage vom täglich 0,50 Mark gewährt; die Vierjährig-Freiwilligen erhalten im vierten Dienstjahre eine Ortszulage von täglich 1,50 Mark.
Meldungen mit genauer Adresse find unter Beifügung e neS vom Zivilvorsitzenden der Erjatzkommisiion ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt aus drei bezw. vier Zähre zu richten an:
Kommando der Stammabteilung der Matrosenartillerie. Kiautschou, Cuxhaven.
nichtamtlicher Ceil.
Reichstag.
Im Reichstag brächte am Sonnabend bei der Beratung der Postetat- der Pole Dunoj-ki die bekannten polnischen Klagen über chikanöfe Behandlung der polnisch adressierten Postsendungen vor und bekämpfte scharf die Ostmarkenzulage. Daraus erwiderte später der nationalliberale Abgeordnete Qaaick (Koburg), der unter lebhaftem Beifall der Mehrheit auSführte, daß in ganz Deutschland immer mehr Dankbarkeit dasür Platz greise, daß Preußen durch seine Ostmarkenpolitik dem Vordringen deS Polentums energisch entgegentritt. Der Sozialdemokrat Wendel übte außerordentlich scharfe Kritik an der Postverwaltung und erging sich dabei in witzelnden Angriffen gegen den Staatssekretär Kraetke und den Abgeordneten Dr. Oertcl. Der Vizepräsident Dr. Paosche erteilte ihm einen Ordnungsruf für die Bemerkung, daß Herr Oertcl zum Ber- fassungSbruch, also zu einem Verbrechen aufgereizt habe. Der Staatssekretär Dr. Kraetke erklärte, daß er aus eine in solchem Tone vorgebrachte Kritik nicht eingehe. Er protestiere dagegen und wolle nur darüber quittieren, daß der Abgeordnete Wendel die Beamten alS Sklaven und Leibrigene bezeichnet habe. Im übrigen wurden erneut die Wünsche der Beamten besprochen. Staatssekretär Kraetke erklärte, daß die Regierung hoffe, hinsichtlich der Verbesserung der BeförderungSverhältnisse bald Vorschläge machen zu können.
Abgeordnetenhaus.
DaS Abgeordnetenhaus begann am Sonnabend die Beratung des JustizetatS. Die Erörterung bewegte sich im allgemeinen in ruhigen Bahnen. Der Justizminister griff wiederholt in die Verhandlung ein, einmal, um die übertriebenen Forderungen deS Abg. Dr. Liebknecht in bezug aus die Behandlung der Gefangenen auf daS richtige Maß zurückzuführen, dann, um seine Verfügung gegen zu weitgehende Beurlaubungen
Höflichkeit, und doch, alS sie sich vom Diner erhoben, hatte Hermann daS Gefühl, alS ob ein gefrorener Ozean zwischen ihnen läge. Aber er wollte ihn Überdrücken, sagte er sich, möchte er auch noch so ties und hart gefroren sein.
Nach dem Diner setzten sich der Lord und sein Anwalt zu einem Spielchen Fhombre zusammen. Lord Carre wollte an diesem Abend die Geschäfte noch unberührt lassen. Er hatte Herrn Culroß gefragt, ob er Schach spiele, mit dem Beisügen, in Lady Janthe würde er eine geschickte Partnerin finden. Nur zu erfreut zog Hermann daS elegante Schach- tischchen in die Nähe der Feuers und rückte einen Sessel nebst Fußschemel für Lady Janthe herbei. Sie dankte ihm mit höflichem Ernst, und sie saßen nieder.
AlS sie etwa eine Stunde gespielt hatten, sagte sich Hermann, er müsse jetzt wissen, ob sie seiner knabenhaften Liebe noch gedenke. Er blickte sie an; daS schöne, vornehme Gesicht war über daS Schachbrett geneigt, die weißen Hände berührten leicht die Figuren, er fand nicht daS leiseste Anzeichen, daß sie seiner Gegenwart bewußt sei. Plötzlich faßte er Mut.
„Lady Janthe," sagte er, „ich hoffe, daß Sie meine knabenhafte Indiskretion jetzt vergeben haben."
Die klaren, stolzen Augen schauten gleichgültig zu ihm hinüber.
„ES wäre nicht großmütig, lie Fehler deS Knaben den Mann entgelten zu lassen," sagte sie ruhig. „Ich habe sie vergeben."
Bor dieser Erwiderung v rstummte Hermann für eine Zeitlang. Also hatte sie seine Liebe für einen Fehler angesehen, einen Fehler, diese unpassende, glühende Verehrung, die er an sie verschwendet hatte. ES war hart. Nach einer Weile faßte er sich.
„Sie müssen mich für sehr anmaßend gehalten haben," begann er wieder.
„Bitte sehr, er ist mein Zug, nicht der Ihrige. Anmaßend ? Nein, ich dachte gar nicht an Sie."
Wieder schwieg Hermann. Sie halte eS nicht einmal der Mühe wert gefunden, böse zu sein. Sie hatte ihn einfach ignoriert. Aber er wollte sich nicht zurückschrecken lassen.
„Es war ein schrecklicher Schlag für meine Eitelkeit," fuhr
zu rechtfertigen. DeS weiteren gab er Auskunft über den Fall Eulenburg, nach dem der Abg. Dr. Zimmer (Zentr.) gefragt hatte. Er rief den bekannten Gang deS VeifuhrenS inS Gedächtnis zurück, daS sHließlich wegen VerhandlungS- Unfähigkeit deS Angeklagten abermals vertagt werden mußte. Seitdem finden alljährlich mehrere Untersuchungen statt. DaS letzte und daher jetzt maßgebende Gutachten geht dahin, daß sich der Zustand deS Angeklagten nicht gebessert hat. Der Justizminister teilte den Wortlaut der ärztlichen Entscheidung mit. Im übrigen waren die meisten Redner voll deS Lobe- für den Richterstand. Weiter war von der Ausbildung der jungen Juristen die Rede; hiermit beschäftigte sich namentlich Viereck (sreikons.), während Mayer (Tilsit) alS Referent für die Beibehaltung der Amtsgerichte in den kleinen Städten eintrat, fein Bedauern über die immer mehr zunehmenden LandeS- verrat-prozeffe auSsprach und dem Justizminister empfahl, sich über die Erfahrungen, die man im freien England mit der dort gegen Zuhälter eingeführten Prügelstrafe mache, aufmerksam zu verfolgen. Auch die Recht-anwälte standen wiederholt zur Debatte; der Abg. Bratz (natl.) tadelte eS, daß manche Anwälte daS Interesse für den Angeklagten über die Wahrheit stellen.
Der Balkankrieg.
Die allgemeine Lage.
Berlin, 16. Februar. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundschau: Auf dem Kriegsschauplatz in Thrazien" yat die abgelaufene Woche keine Entscheidung gebracht, und auch auS neuerlichen Mitteilungen türkischer Würdenträger war für die Mächte keine Handhabe zu entnehmen, die eS ermöglicht hätte, mit AuSstcht auf Erfolg bei den kriegführenden Regierungen die Niederlegung der Waffen zu bkfürworten. Die Mächte bleiben aber bereit, jeden geeigneten Anlaß zu vermittelnden Schritten zu ergreifen. Auch in den Schwierigkeiten, die wegen der Wünsche Rumänien- an Bulgarien noch bestehen, haben die Mächte in freundschaftlichen Ratschlägen ihr Interesse an einem günstigen Au-gang der in Sofia neu begonnenen Unterhandlungen bereit- kundgegeben und setzen ernstliche Bemühungen fort, um einem ergebnislosen Abbruch dieser Besprechungen vor» zubeugen.
Die Bedenklichkeit der mit der Abgrenzung Albanien- verknüpften Fragen scheint in einem Teil der europäischen Presse überschätzt zu werden. Gewiß ist über manche Punkte die erforderliche Einigung Europas noch nicht herbeigeführt; eS wird aber nicht ohne AuSficht aus Gelingen an einem AuSgleich der Interessen gearbeitet. Wir gedenken in diesem Zusammenhang der Entsendung deS Prinzen Hohenlohe nach St. Petersburg. Der geflissentlich verbreiteten Ansicht, daß diese Entsendung ihren Zweck verfehlt habe, können wir nicht
er hastig fort. „Ich hielt meine armseligen Verse für sehr schön."
„So? Ihre Königin ist in Gefahr, Herr Culroß." Ihr, stolze Ruh: machte sie ganz unnahbar.
„Wenn ich klug wäre," dachte Hermann, „würde ich jetzt schweigen; aber ich bin nicht klug und werde mich noch einer Unvorsichtigkeit schuldig machen. Wenn sie mich nur an blicken wollte, wenn auch erzürnt!"
Aber plötzlich fand er sich schachmatt. Und da- Spiel war zu Ende. Lady Janthe erhob sich und verließ mit einem fröhlichen „Guten Abend" daS Gemach, sehr zufrieden mit sich und ihren Bemühungen. Sie war fehr höflich gegen ihre- Vater- Gast gewesen.
4. Kapitel.
Am Morgen nach der Ankunft der beiden Herren stand Lady Janthe an ihrem Fenster und blickte hinaus. Die schweren Wolken hatten sich während der Nacht geteilt und ein dichter Schnee war gefallen; wie ein weißer, weicher Mantel bedeckte er die Erde. Ein tiefblauer Himmel wölbte sich darüber, und die winterlichen Strahlen der Sonne schienen wie mattes Gold. Weit und breit sah man nichtS alS Schnee. Die Felder waren damit bedeckt, die Hecken und die kohlen Beste der Bäume. Die scharlachroten Beeren der Stechpalme blitzten wie feurige Punkte zwischen dem weißen Schnee hervor; ein zierliches Rotkehlchen hüpfte von Zweig zu Zweig. Es war eine winterliche Szene so voll von Poesie, daß Lady Janthe sich kaum davon abwenden konnte; aber plötzlich zog sie sich, wie in schmerzlichem Erschrecken vom Fenster zurück. Nicht mehr lange würde sie ja diese großen, Jahrhunderte alten Bäume beobachten können; nicht mehr lange würde dieses herrliche alte Heim das ihrige sein. Wo die CarreS gelebt hatten und gestorben waren, würde nun bal plebejische Geschlecht der Culroß seinen Wohnsitz aufschlagen. In leidenschaftlichem Kummer rang Janthe die Hände, alS sie daran dachte.
Sie würde ihr Leben gegeben haben, um ihr Heim vor dieser Entweihung zu retten. Sie würden sicher dir alten Eichen um hauen, neue Vergoldung im Salon anbringen und