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Glückwünsche darzubringen. Prinz Ernst August hat die Order erhalten, daß er beim Ziethenhusarenregiment eingestellt ist. Der Prinz reichte jedem der Offiziere die Hand. Hierauf nahm der Kaiser mit dem Brautpaare vor Portal 4 deS Schlosses Ausstellung. Die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Max von Baden und die Prinzen-Söhne traten seitlich neben den Kaiser. ES erfolgte ein Vorbeimarsch deS Ziethenhusaren» regimentS in Zügen. ' Hierauf gingen die Herrschaften in daS Schloß und wurden im Pfeilersaale von den Obersten-, Ober- und Vizeoberhoschargen empfangen, deren Glückwünsche daS Brautpaar daraus entgegennahm.

Jas loiMrWIidjt Problem in PrMkliaussttMW.

DaS landwirtschaftliche Problem der ProduktionSsteigerung in Bezug aus die Erzeugung von mehr Getreide und mehr Schlachtvieh hat für Deutschland die größte wirtschaftliche und auch handelspolitische Bedeutung, ja, man kann sogar sagen, daß dieses Problem auch eine nationale Lebensfrage enthält, da man eS nicht ohne Grund mit der Frage der Volks­vermehrung in Deutschland in Beziehung bringen kann. Dieses große Problem hat nun durch die hochbedeutsame Rede, welche soeben Kaiser Wilhelm in einer Versammlung deS Deutschen LandwirtschaftSrateS in Berlin über die Erfolge der aus einem Gute deS Kaisers in Westpreußen vorgenommenen Meliorationen gehalten hat,' eine aktuelle Bedeutung für die deutsche Land- und Volkswirtschaft erhalten. Jedenfalls ist durch die Rede deS Kaisers und durch die darin gegebenen statistischen Beweise dargelegt worden, daß die deutsche Land­wirtschaft in Bezug auf Getreidebau, Futterbau, Erzeugung von Schlachtvieh und Milchprodukten viel leistungsfähiger gemacht werden kann, als sie bisher war.

ES muß aber nun auch mit der Erfüllung der Hoffnung gerechnet werden, daß die nötigen Meliorationen überall in der deutschen Landwirtschaft eingeführt werden, und zu diesem Zwecke sollte die Rede deS Kaisers, die er soeben im Deutschen LandwirtschaftSrate über daS.sür die Landwirtschaft zu lösende Problem gehalten hat, von jedem deutschen Landwirt in ihrer Nutzanwendung beachtet werden. Diese bedeutsame kaiserliche Rede könnte sogar die Grundlage sür eine Reformbewegung in der ganzen deutschen Landwirtschaft werden, denn daS, was der Kaiser über die Meliorationen auSsührte, bezicht sich nicht nur aus die schon erwähnten Produktionssteigerungen, sondern enthält auch einen mächtigen Anstoß für den Anbau neuer ertragSreicherer Arten deS Roggen, deS Hafers und der Kartoffeln. Die von Kaiser Wilhelm erwähnte Tatsache, daß der auf seinem Gute in Westpreußen eingesührte sehr ertrogS- reiche Petkufer Roggen in dieser Gegend Westpreußenk gänzlich unbekannt gewesen ist, und daß die Landwirte aus der Land­straße staunend stehen geblieben sind, um die hohen Roggen- selder zu bewundern, weist auch daraus hin, daß inbezug aus die Steigerung der Ernte durch die Einführung neuer Getreide- arten wohl von den meisten deutschen Landwirten noch viel zu wenig getan wird. Hand in Hand mit der Einführung der entsprechenden Reformen in der Landwirtschaft, die zumal überall eine Verbesserung minderwertiger Aecker und Wiesen verlangt, müßte aber wohl auch der Ausbau der noch immer nicht genügend durchgeführten inneren Kolonisation gehen.

Der Balkankrieg.

Der Widerspruch zwischen den Mkifchm und bulgarischen Berichten über den Verlaus der militärischen Operationen dauert an', Die Türken „vernichten" ihre Gegner, schlagen sie in die Flucht, bringen ihnen „große Verluste" bei, während die Bulgaren den Feind immer „in voller Deroute" oder „panik­artig" daS Schlachtfeld räumen lassen und seine Toten gleich nach Tausenden beziffern. Ein Eingeständnis der Schwäche ist indessen aus türkischer Seite in dem fortgesetzten Bestreben zu erblicken, die Mächte sür eine neue VermittlungSaktion zu gewinnen. Wir verzeichnen nachstehend die eingelaufenen türkischen Siegesmeldungen.

K o n st a n t i n o p e l, 13. Februar. Wie Alemdar meldet, haben die türkischen Streitkräste in Janina den Paß Zavroko angegriffen und nach 3V2stündigem Kampfe die Griechen vernichtet. Von einem Regiment hätten sich nur 8 Mann, von denen noch 6 verwundet seien, gerettet. Den Türken seien dreizehn Kanonen und eine Menge Munition in die Hände gefallen. — Nach Meldungen, die gestern abend hier angelangt sind, wagen die Montenegriner keinen Angriff mehr. Die Serben sollen ihnen die Unterstützung verweigert haben. — Die Türken haben die Bulgaren bei Eilivri in die Flucht geschlagen und ihnen große Verluste beigebracht. Sie selbst hatten nur geringe Berlustr. — Nach Privatmeldungen auS Adrianopel wurde von einem bulgarischen Aeroplan in einen Garten Adrianopels eine Bombe geschleudert, doch wurde niemand verletzt. — Vorgestern nachts und gestern früh kam es zu ernsten Kämpfen zwischen den Türken und Bulgaren vor Bulair. DaS Ergebnis der Kämpfe ist noch unbekannt. — ES geht hier daS Gerücht, daß die Türken Eenekli besetzt haben.

Sofia, 13. Februar. Am 10. und 11. Februar haben die Türken neuerdings Ausfälle auS Adrianopel versucht, sie wurden jedoch beide Male zurückgeworfen. Bei Gallipoli und Tschataldscha soll Ruhe herrschen. Ueber die Aussichten der rumänisch-bulgarischen Verhandlungen vermeidet man eS, sich zu äußern. Der allgemeine Eindruck geht dahin, daß große Schwierigkeiten zu bewältigen sein werden. Rumänien beansprucht die Abtretung mehrerer Städte, waS die bulgarische Regierung nicht wagen dürft, Wenn die Rumänen ihre letzigen Forderungen aufrechterhalten, muß mit dem sicheren Scheitern der Verhandlungen gerechnet werden. Man erwartet, daß sich die Sache in wenigen Tagen entscheidet.

Mt > end Ausland.

_ Berlin, 13. Februar 1913.

^M100,^ fand ein Festessen des deutschen Landwirt- schaftSratS im Hotel Adlon statt, an dem etwa 150 Personen teunapmen, u. a. der Reichskanzler, mehrere Staatssekretäre und Minister. Als erster Redner sprach der Präsident der Deutschen LandwirtschaftSratS Graf v. Schwerin-Löwitz, der einen Rück- und Ausblick über die wirtschaftliche und namentlich ftnanzwirtschastliche Entwicklung deS verfloffenen JahreS gab und, mit einem dreifachen Hurra aus den Kaiser, die deutschen Fürsten und o,e freien Städte schloß. Der zweite Vorsitzende deS Deutschen LandwirtschastSrateS toastete auf die erschienenen Gäste. Sodann ergriff Reichskanzler von Beth- mann Hollweg das Wort und führte u. a. folgender aur: Ihrer liebenswürdigen Einladung zu Ihrem heutigen

Festmahl bin ich mit Freuden gefolgt. Freilich hat daS letzte Jahr uns neben der guten Ernte auch einige Meinungsver­schiedenheiten gebracht. Ich weiß die Herren Landwirte billigen nicht alles, waS ich in letzt« Zeit auf volkswirtschaftlichem Gebiete veranlaßt habe. Trotzdem komme ich gern zu Ihnen und fühle mich bei Ihnen wohl. (Beifall) Ich sehe in Ihrer Einladung ein Zeichen, daß eS nur Ueberzeugung ist, waS uns in Fällen trennt, wo wir verschiedene Wege gehen müssen. Die Ernte deS letzten JahreS haben wir in Frieden bergen können. DaS FriedenSbedürfniS, daS, wie ich glaube, alle Großmächte beseelt und daS unS hoffentlich über die Balkan- krisis hinweghelfen wird, hat seine Grundlage in dem Be- dürsniS, die Kräfte der Nationen in immer fortschreitender Arbeit zu entwickeln. Die letzten Jahre und besonders unsere heutigen Verhandlungen haben gezeigt, daß die deutsche Land­wirtschaft daraus angewiesen ist, immer mehr zu schaffen und zu produzieren. In dieser Richtung, hoffe ich, werden wir in der Frage der inneren Kolonisation im Deutschen Land- wirtschaftSrat immer einen starken und treuen Bundesgenossen haben. In die Feste und Feiern dieses JahreS werden immer die Hundertjahreserinnerungen hineinklingen. Lassen Sie unS als bestes davon den Opfermut festhalten, der 1813 unsere Väter erfüllte. Wir werden in diesem Jahre unsere Rüstungen zu Lande verstärken müssen. (Lebh. Beifall). Alle verant­wortlichen Stellen im Reiche und Staat sind darin einig, daß wir mit den äußersten Mitteln gegen Krieg und Kriegs­gefahr uns sichern und verteidigen müssen. (Lebh. Beifall.) Insbesondere wird auch die Nation einig bleiben, wenn wir im Reichstag um Ostern herum die Vorlage behandeln. (Beifall). ES wird der Stolz der Nation fein, große Opfer willig zu bringen. Auf dem Boden der Heimat sprießt für die Land­wirte nicht nur das Korn, sondern aus ihm sollen sich immer aufs neue der Fleiß und die Zähigkeit, die Genügsamkeit und die Zuversicht verjüngen, die im Lause der Jahrhunderte unsere Väter im Saatkorn in ihn eingesät haben. Halten Sie diese Güter auch fernerhin in fürsorglicher Obhut, dann wird der Boden, aus dem wir stehen, niemals wanken. Die deutsche Landwirtschaft lebe hoch! (Lebhafter Beifall).

Die Unterofsizierzahl hat sich gehoben, so daß nach der Vermehrung der FliedenSpräscnzstärke unseres HeereS auf Grund der bevorstehenden Militärvorlage daS erforderliche AuSbildungspersonal vorhanden ist. DaS ist eine sehr wichtige Tatsache, die alS eine erfreuliche Folge der jüngsten BesoldungSerhöhung, der Prämienzahlung, der Verbesserten Bejör- derungSverhältnisse und überhaupt der Hebung des Unteroffizier- standes zu begrüßen ist. Im ganzen beläuft sich der Ueber- schuß an Unteroffizieren laut Kreuzztg. auf 5100 Mann, von denen infolge der neuen Etatsvermehrung 30-0 in Abzug zu bringen sind. In vielen Zahlen sind die SanitätSunter- offiziere, Unterzahlmeister usw. nicht mit eingerechnet. Der Hauptüberschuß der nach Abgabe an die Neuformationen Ende 1912 vorhandenen Unteroffiziere fällt auf die Kavallerie, während die Infanterie und die Pionierwaffe keine überzähligen Unteroffiziere mehr ausweisen. Abgesehen hiervon ist es wertvoll, daß zur Zeit rund 3400 Kapitulanten vorhanden sind, so daß der nötige Zuwachs an Unteroffizieren für die neuen Truppenteile gesichert ist.

Wie die „Neue Fr. Presse" erfährt, ist ein Besuch Kaiser Wilhelms bei Kaiser Franz Josef in Echönbrunn für dieser Frühjahr ganz bestimmt in Aussicht genommen. Der Besuch deS Kaiser Wilhelms sollte ur- sprünglich aus der Hinreise deS Kaisers nach Korfu erfolgen; nach den neuesten Dispositionen wird er aber erst anläßlich die Rückreise deS deutschen Kaisers stattfinden.

Im Rittersaale deS iMMichcn Schlosses fand gestern mittag die feierliche Vereidigung deS Erzbischofs von Cöln, Dr. v. Hartmann statt. Der Erzbffchof leistete den Eid, nachdem er in einer längeren Ansprache gelobt hatte, die Gefühle der Anhänglichkeit und Treue gegen die Dynastie in den Herzep der ihm anvertrauten Gläubigen zu schützen und zu Pflegen. Der Kaiser erwiderte: Ich habe mich bewogen gesunden, das heilige Gelöbnis der Treue, welches Sie, ehrwürdiger Herr, soeben oblegten, selbst entgegenzunehmen. Die Pflichten und Mühen deS bischöflichen AmteS, aber auch sein reicher Gegen sind Ihnen nicht fremd. Als Bischof von Münster haben Sie schon die Ausgabe erkannt und erfüllt, die Ihrer oberhirtlichen Führung anvertrauten Seelen in allen christlichen Tugenden zu unterweisen, sowie die Einträchtigkeit unter allen Bewohnern deS Landes zu erhalten und zu pflegen. Ich habe daher zu Ihrer Erwählung zum Erzbischos, deS ältesten BrschosSstuhlS meiner Monarchie, gern meine Ge­nehmigung ausgesprochen und erteile diese meine landes­herrliche Anerkennung. Sie haben an jenen historischen Vor­gang erinnert, alS Karl der Große von dem Papste Leo 3., Ihrem ersten Vorgänger auf dem bischöflichen Stuhle von Münster, auS schwerer Gesahr und Bedrängnis um Hilfe an- gerusen, den Papst begrüßte, ihm seinen majestätischen Schutz gewährte und dann Hand in Hand mit ihm in den neu er­bauten Paderborner Dom einzog, um gemeinsam Gott den Höchsten zu preisen. DaS Ereignis ist ein beherzigenswertes Beispiel für den Legen eines vertrauensvollen Verhältnisses der Kirche zum höchsten Träger der Staatsgewalt und eS ent­hält gleichzeitig eine ernste Mahnung. Ihre bischöfliche AmtS- führung gibt mir die Zuversicht, daß Sie dieser Mahnung eingedenk, auch in Ihrem neuen Wirkungskreis Ihre Geistlichen und Gemeinden lehren, und anhalten, mit der Anhänglichkeit zu Ihrer Kirche zu verbinden: treue Ergebenheit gegen mich und mein HauS, warme Liebe zum deutschen Vaterland und Gehorsam gegen die von Gott verordnete Obrigkeit. Der Kaiser wünschte am Schlüsse seiner Rede GotteS Segen für den Erzbischof.

Ueber einen Zusammenstoß deS ZentrumSmit Admiral Tirpitz wird gemeldet: Bei Beratung des MarineetatS in der Budgetkommission deS Reichstages lag eine Resolution deS ZentrumS vor, die die zweijährige Marineinfanterie und Matrosenartillerie gesetzlich festgelegt wissen will. Staatssekretär von Tirpitz äußerte seine schwersten Bedenken gegen die Annahme der Resolution im Interesse der Marine und der Landesverteidigung überhaupt. Die Resolution wurde jedoch mit den Stimmen deS ZentrumS und der Sozialdemokratin angenommen. DeS weiteren lag eine Re­solution deS ZentrumS vor, wonach die VerpflegungSzulagen, Tafel- und Messegelder usw. nur sür die Tage der dauernden Dienstzeit für die Abwesenheit bei Fahrten auf hoher See (also nicht beim Dienst im Hasen) bezahlt werden solle. Staats­sekretär von Tirpitz erklärte, daß er an dem Tage, an dem dieser Antrag Gesetz wird, aushören würde, Staatssekretär deS RcichSmarineamteS zu sein. Die Abstimmung über diese Resolution wird auf die nächste Sitzung verschoben.

Im englischen Unterlaufe richtete der Nationalist Middlemore an den Ersten Lord der Admiralität Churchill die Anfrage, wie stark nach dem gegenwärtigen Bauplan der vollständige Besitzstand der deutschen Flotte an Großkampfschiffen im Lprtl 1916 sein werde und eine wie große Zahl britischer Schiffe erforderlich sein werde, um den

UeberlegenheitSstandard Englands, wie er am 18. März 1912 festgelegt worden fei, aufrechtzuerhalten. Cchurchill erwiderte, daß die Zahl der deutschen Großkampsschiffe einschließlich der Schlachtkreuzer zur genannten Zeit auf 26 berechnet werde. Die gesamte britische Flotte werde dann einschließlich der Schiffe Neuseelands, Australiens und der beiden Lord Nelsons, aber ausschließlich der von den Malayischen Staaten und der von Canada in AuSsicht genommenen, 43 besitzen. So werde der UeberlegenheitSstandard gewahrt sein, wenn die dem Parlament im vorigen Jahre angekündigten Baupläne durch, geführt fein würden.

Die Straßenkämpfe in Mexiko haben aus- neue begonnen. Die aufständischen Soldaten unter Felix Diaz marschierten vom Arsenal auS gegen die in den benach­barten Straßen angesammelten loyalen Truppen. Artillerie wurde aufgesahren und die Infanterie gab Salve auf Salve ab. Fußgänger, Automobile und andere Wagen flohen hinter schützende Mauern. Viele Gebäude wurden von Geschossen getroffen, und der Schaden ist bedeutend. Der Kamps dauerte bis in den späten Nachmittag. Die loyalen Truppen sollen nicht an Boden gewonnen haben. Nach einem späteren Telegramm beschossen die BundcStruppen vier Stunden lang die Stellungen der Ausständischen. Diese erwiderten daS Feuer lebhaft. Die Ausständffchen hoben ihre Stellungen durch Aus­pflanzen weiterer Feldgeschütze befestigt und etwa 3- bis 5000, Gefangene aus den Gefängnissen befreit und sie bewaffnet. Die Aufständischen haben zeitweise ihre Geschütze gegen das Gebäude der englischen Gesandtschaft gerichtet und daS Feuer der dort zum Schutze ausgestellten Geschütze erwidert, Die Pläne, eine Zusammenkunft der Vertreter der beiden Parteien zu ermöglichen, sind gescheitert. — Nach einer Meldung deS deutschen Gesandten in Mexiko sind bei dem Kamps in der Hauptstadt keine Verluste an deutschen Leben zu beklagen.

Am Provinz n. Nackbargediet.

* Fensterbriefumschläge sind im Postverkehr nur für gewöhnliche Briessendungen zugelassen; zur Versendung von Einschreibbriefen dürfen sie daher nicht benutzt werden.

q. Hersfeld, 11. Febr. (Milde Winter.) Der diesjährige milde Winter ist von Förstern, Landleuten und ähnlichen Wetterkundigen, die mit der Natur in engerem Ver- kehr stehen, aus verschiedenen Anzeichen vorhergesagt worden, wie beispielsweise aus dem dünnen Pelze und der dünnen Fettschicht von Freund Dachs, und weil in den Ameisenhaufen diesmal so lange Zeit noch Leben und Treiben herrschte, außerdem aber, weil man sagt: „Trägt der Baum das Laub gar lang, wird's vor dem Winter mir nicht bang!" Jeden- falls ist aber der Winter noch nicht vorüber, und eS ist daher besser, erst nachträglich sich zu freuen, als bereits im voraus, und einstweilen lieber an dem schönen, trostreichen Rückblick sich zu laben auf milde Winter, die an Gelindigkeit einst nichts zu wünschen übrig ließen. So soll das Jahr 1787 eins der mildesten gewesen sein, welches Europa jemals zu verzeichnen hatte. Schon im Monat Februar standen Kirschbäume in vollster Blüte, brüteten die Hänflinge; im März wurde in Mecklenburg GraS von 18 Zoll Länge geschnitten, im April gab es in Schottland schon neue Kartoffeln l Aehnlich scheint es im Jahre 1652 und 1653 gewesen zu sein, ohne daß diese Ausnahme sich durch Mißernte und Mangel rächten. Auch daS 16. Jahrhundert hat veischiedene ganz besonders milde Winter zu verzeichnen, z. B. 1568, als bei Danzig im Oktober noch die Rosen blühten, oder gar 1552, alS der Winter gänzlich auSblieb und man im Januar daS Land umpflügen konnte, während 1507 kein ES weder auf dem Haff noch auf der Weichsel zu erblicken, weil überhaupt in diesem Jahre keinS zu sehen war; 1427 aber sollen im Dezember die Bäume auSgeschlagen und geblüht haben, statt EiS und Schnee zu tragen. So gut haben wir eS freilich heutzutage nicht mehr; denn selbst im allerbesten Falle können wir jetzt nicht mehr rechnen auf so milde Winter.

):( Hersfeld, 14. Februar. Um den Bewohnern deS Landeckcr Amts und deS Werragebiets den Befuch deS am nächst'N Sonntag in der hiesigen Stadtkirche durch den Chorverein zur Aufführungen gelangenden Oratoriums „EliaS" zu ermöglichen, hat der Vorsitzende des KreisauSschusseS, Herr Landrat von Grunelius, in dankenswerter Weise die

Einlegung von Sonderzügen auf der HerSselder

Kreisbahn angeordnet.

Dieselben werden wie folgt Ver-

kehren:

Sonderzug I.

Sonderzug III.

Heimboldshausen

ab

30°

SchenklengSfeld

al

) 820

RanSbach

II

318

Schenkjolz

If

828

Wehrshaufen

If

318

MalkomeS

II

833

SchenklengSfeld

an

325

Sorga

844

SchenklengSfeld

ab

320

HerSfeld

an 855

Schenkjolz MalkomeS Sorga HerSfeld

W

w

W an

335

340

351

401

Sonderzug

HerSfeld Sorga MalkomeS

IV. ab

w

11

940

951

1002

Sonderzug

II.

Schenksolz

»

1008

HerSfeld

ab

410

SchenklengSfeld

an

1017

Sorga

If

421

SchenklengSfeld

ab

1025

MalkomeS

If

432

Wehrshaufen

If

1043

Schenksolz

II

436

RanSbach

M

1049

SchenklengSfeld

an

443

HeimboldShausen

an

1103

SchenklengSfeld WehrShaufen RanSbach HeimboldShausen

ab

II

II an

444

452

458

510

Sonderzug HeimboldShausen RanSbach Wehrshausen

V. ab

II

II

1110

1123

1130

SchenklengSfeld

an

1138

§ Hersfeld, 14. Februar. (E l i a s - A u f jüh r un g.) Wir möchten auch an dieser Stelle auf die nächsten Sonntag nachmittag? Vs6 Uhr in der hiesigen Stadtkirche stattfindende Aufführung des O r a t o r i u m S „E l i a S" von Mendelsohn Hinweisen. Der unter Leitung von Gymnasialmusiklehrer Fischer stehende Chorverein ist schon wiederholt mit großen Werken ^erfolgreich an die Oeffentlichkeit getreten und wir dürsen auch dieses Mal einen seltenen musikalischen Genuß erwarten. Für die Solopartien sind namhafte auswärtige Solisten gewonnen worden, die Orchesterbegleitung wird von der Kapelle deS 167. Jnf.-RegtS. auS Caffel auSgeführt. ES dürfte sich ewpschlen, sich bald einen guten Platz zu sichern, denn der Andrang ist erfahrungsgemäß zu diesen Konzerten immer ein sehr starker.

):( Hersfeld, 13. Februar. (Schöffengericht.) Ein hiesiger Schlossergescllc erhielt wegen fortgesetzter Ver­säumnis der gewerblichen Fortbildungsschule 10 Mark Geld­strafe evtl. 2 Tage Hast. — Wegen Körperverletzung wurde ein Einwohner von HceneS mit 30 Mk. evtl. 6 Tagen Ge­fängnis bestraft. — Ein Arbeiter auS Friedlos wurde wegen Sachbeschädigung zu 3 Mk. Geldstrafe evtl. einem Tag Ge­fängnis und wegen Betretens eines fremden Grundstücks zu einer Mark Geldstrafe evtl. einem Tag Haft verurteilt. —