Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 20. Sonnabend, den 15. Februar 1913.
Erstes Blatt.
flmlicb« Cill
HerSseld, den 8. Februar 1913.
Der Inspektor Karl Dutschke zu Meisebach ist alS stellvertretender Gut-vorsteher deS GutSbezirkS Meisebach wider» ruflich bestellt und alS solcher am 9. d. MtS. eidlich verpflichtet worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes
I . A. 655. von GruneliuS.
^»lrzerversrdnung betreffend
die Entnahme von Waffer aus dem Wafferwerk in der Gemeinde Reckerode.
Auf Grund der §§ 6 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (Gesetzsammlung Seite 1629) wird nach Beratung mit dem Gemeindevorstande für den Umfang deS Ge- meindebezirkS Reckerode folgende Polizeiverordnung «lasten.
8 1.
Jeder Hauseigentümer ist verpflichtet, seine Hau-leitung in einem solchen Zustande zu erhalten, daß niemals Master unbenutzt verloren gehen kann.
§ 2.
Unbefugten ist eS verboten, an Abstellhähnen, Schiebern oder Hydranten der Gemeindewaffnlettung zu stellen ober sich Schlüstel dazu anfertigen zu lasten.
8 3.
Bet AuSbruch von Feuer ist eS nicht gestattet, Master zu gewerblichen oder LuxuSzwecken der Leitung zu entnehmen, so lange bei Brand dauert. Bei Großseuer muß nach entsprechender Bekanntmachung jegliche Wasserentnahme unterbleiben.
8 4.
Jede Vergeudung von Wasser ist untersagt. JnSbi sondere ist eS verboten, bei Frost daS Master foitgrsetzt lausen zu lasten, um daS Einfrieren der Zapfstelle zu verhindern.
8 5.
ES ist untersagt, Master auS der Leitung zu andern als den angemeldeten Zwecken zu verwenden, vor allem zum Berieseln oder Besprengen von Gärten, Höfen usw., wenn nicht hierzu besondere Erlaubnis erteilt ist. Beziehen mit Handgießkannen ist jedoch gestattet.
§ 6.
Wenn bei Wassermangel die Wafferentnahme zu bestimmten Zwecken und gewissen Zeiten seitens deS EürgermeisterS untersagt wird, so ist diesem Verbot unbedingt zu gehorchen.
§ 7.
Wer in einer Entfernung von 1 Meter und weniger von den Wasserleitung-röhren Erdarbriten, bauliche Veränderungen usw. vornimmt, ist verpflichtet, vor Beginn derselben dem Bürgermeister schriftlich oder zu Protokoll Anzeige zu machen.
§ 8.
ES ist nicht gestattet, an Jemanden, dem der Anschluß entzogen ist, oder der überhaupt keinen Anschluß hat, Waffer auS der Leitung abzugeben, einerlei, ob dies unentgeltlich, oder gegen eine Vergütung geschieht. Die Absallwäster dürfen nicht auf Wege, öffentliche Plätze usw. geleitet werden.
§ 9.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Anordnungen werden mit Geldstrafe von 3 bis 9 Mark oder im Un- vermögenSsalle mit verhältnißmäßiger Haft bestraft.
§ 10.
Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage der Bnöffevt- lichung im Kreirblatt in Kraft.
Reckerode, den 31. Januar 1913.
Die Polizeiverwaltung
K l o tz b a ch.
Bekanntmachung.
binkleUung von Drei- und Vierjährig-freiwilligen für das III. Seebataillon in Cfingtau und das Ostasiatifche Marine-Detacbement in Peking u. Cientfien (China).
Einstellung: Oktober 1913, Ausreise nach Tsingtau ; Januar oder Frühjahr 1914, Heimreise: Frühjahr 1916 bezw. 1917. Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, kräftig, gesunde Zähne, vor dem 1. Oktober 1894 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung).
DaS III. Seebataillon besteht aus; 5 Kompagnien Marine- Infanterie (davon ist die 5. Kompagnie beritten), 2 Maschinen- gewehrzügen, 1 Marine-Feldbatterie (reitende Batterie), 1 Marine-Pionierkompagnie.
Die Vierjährig-Freiwilligen find in erst« Linie sür die S. berittene Kompagnie bestimmt.
In den Standorten in Ostasien wird außer Löhnung und
Verpflegung eine Ortszulage von täglich 0,50 Mark gewährt; die Vierjährig-Freiwilligen erhalten im vierten Dienstjahre eine Ortszulage von täglich 1,50 Mark.
Meldungen mit genauer Adreffe sind unter Beifügung eines vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommiffion ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei bezw. vier Jahre zu richten an:
Kommando deS III. Stammseebataillons in WilhelmShaven, vom 1. Februar 1913 ab in Cuxhaven.
Bon dem in der Gemeinde Ransbach Kartenblatt Nr. 19
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Parzelle gelegenen
öffentlichen Weg
soll ein Teil in Größe von 41 qm eingezogen
werden.
Einsprüche dagegen find gemäß § 57 deS Zuständigkeit-- gesetzeS vom 1. August 1883 innerhalb 4 Wochen vom Tage der Veröffentlichung an gerechnet, bei dem Unterzeichneten anzubringen.
Ransbach, den 13. Februar 1913.
Die Wegepollzelbehörde scheer.
McdttmllMr teil.
Politischer Wochenbericht.
Am Großherzoglich Badischen Hose in KarlSruhe hat die Verlobung der einzigen Tochter unsere- KaiseipaareS, der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, stattgefunden. An diese- Ereignis knüpfen sich hochbedeutsame und hochersreuliche inneipolitifche Folgen. Die Schlichtung deS alten Zwiespaltes zwischen dem Hohenzollernhause und dem Herzog von Cumberland, dem Vertreter deS WelfenhauseS, die schon »mehrmals alS nahe bevorstehend gemeldet wurde, ist damit in der Tat über Nacht Wirklichkeit geworden. Die leidige Welsenfrage, die geradezu als Pfahl in unserem deutschen RrichSkörper empfunden werden muß, geht ihrer endgültigen Lösung entgegen, und die welfische Partei hat für die Zukunft keine Daseinsberechtigung mehr. Prinz Ernst August tritt zunächst als preußischer Offizier in daS Ziethen- Husaren-Regiment ein, um dann später zweifelsohne die Re- gierung deS Herzogtums Braunschweig zu übernehmen. Alle vaterländisch gesinnten Kreise begleiten die Verlobung deS hohen Paare- mit ihren innigsten Segen-wünschen und hoffen zuversichtlich, daß den beiden edlen Fürstenhäusern sowie dem deutschen Reiche und dem deutschen Volke Segen und Heil au- diesem Herzensbunde erblühen werden.
AuS der Reihe der patriotischen Festlichkeiten zur Er- innrrung an die nationale Erhebung unseres Volke- vor 100 Jahren, die gegenwärtig allenthalben in deutschen Landen ver- anstaltet oder vorbereitet werden, verdient die jüngst stattge- habte Erinnerung-feier der Berliner Universität, der größten deutschen Hochschule, hnvorgrhoben zu werden. Sie erhielt ihren besonderen Glanz durch die Anwesenheit deS KaiserpaareS und die herrliche Ansprache, die unser Kaiser bei dieser Gelegenheit an die versammelten Studierenden hielt. Der Monarch betonte, daß die eigentliche Siegerrolle in unserem Befreiungskampf« gegen Napoleon d.n aus dem Grunde der Religion ruhenden sittlichen Kräften zuzuschreiben sei, die sich damals in der preußischen Volksseele so wunderbar lebendig und wirksam gezeigt hätten. Ein Gottesgericht war unser Niedergang und eine Gotte-tat war unsere sittlich-religiöse Wiedergeburt, auS der dann folge- richtig unsere äußere nationale Befreiung hervorging. ES ist eine tiefe und wahre GefchichtSauffaffung, die in den Worten unsere- Kaisers zum Ausdruck« kam, und sie berührt sich aufS engste mit der Auffaffung, die einer unserer größten GefchichtS» schreiber, Heinrich von Treitschke, vertrat, der einmal gesagt hat, daß nur ein fromme- Volk zugleich auch ein tapfere- Volk sein könne. Wir wollen die Mahnung de- Kaiser- beherzigen und für alle Zeit fromm und tapfer zugleich fein.
Der Krieg aus dem Balkan nimmt seinen Fortgang. Die Berichte aber, die über Siege und Niederlagen von dort eintreffen, find so widerspruchsvoll, daß man sich ein einigermaßen zuverlässiges Bild daraus kaum machen kann. Viele- deutet indessen darauf hin, daß die Türkei zur Zeit eine größere Widerstandskraft entfaltet, als sich nach dem bisherigen Verlaufe deS KriegeS noch erwarten ließ. Trotzdem vermögen wir an eine längere Daun deS KriegeS nicht recht zu glauben, da sich, wenn nicht alle Zeichen trügen, auf beiden Seiten bereits eine starke Krieg-müdigkeit geltend macht, dk ihren
Grund vor allem in der steigenden Erschöpfung der Finanzen hüben wie drüben haben dürfte.
Im britischen Unterhaus« hat die Erklärung unseres Staatssekretärs deS ReichSmarineamtS von T i r p i tz in der Budgetkommission deS Reichstage-, daß ein Verhältnis von 10 zu 16 in den Flottenstärken Deutschlands und Englands durchaus annehmbar fei, verschiedene Parlamentsmitglieder zu Anfragen an die Regierung veranlaßt. In Beantwortung dieser Fragen gab der Vertreter der englischen A _ ralität der Genugtuung Ausdruck über den sreunds^^ lichen Ton, der die jüngsten deutschen Kundgebungen in der Maeinefrage gekennzeichnet habe. Man wird in dieser Erklärung aus deutscher Seite ein neue- Zeichen dafür erblicken dürfen, daß die Beziehungen zwischen unserem Baterlande und England zurzeit durchaus vertrauensvolle und freundliche find, waS gerade in der gegenwärtigen hochgespannten internationalen Lage Anlaß zu besonderer Befriedigung geben muß.
In Mexiko ist eine neue Revolution im Gange. Bekanntlich verdankt der gegenwärtige Präsident M a d e r o seine Würde einer revolutionären Erhebung, durch die seinerzeit der damalige hochverdiente greife Präsident Porfirio Diaz gestürzt wurde. Nun hat ein anderer Diaz, der Neffe Porfirio-, die Fahne der Empörung gegen Madero erhoben. ES zeigt sich hier wieder, daß Zustände, die von der Revolution geschaffen sind, den Keim deS Tode- und der Zersetzung in sich tragen oder mit anderen Worten, daß die Revolution immer erneute Revolutionen auS sich heraus erzeugt.
Auch in Japan endlich macht sich eine revolutionäre Gärung bemerkbar, die zum Sturze deS Ministerium- Rat» sura gesührt hat. Die Bewegung richtet sich gegen den Einfluß deS RatS der Alten, deS sogenannten Genro, und will dem Parlament die Leitung der Geschicke Japan- übertragen. DaS japau^c A dürfte sich damit auf eine gefahrvolle Bahn begebrn. Denn eine allzu demokratische Ausgestaltung der StaatSform und StaatSversassung, durch die der mäßigende Einfluß einer politischen Körperschaft, in der höhere- Alter, höhere Bildung und größerer Besitz zur Geltung kommen, beseitigt oder ungebührlich beschränkt wird, hat einem Volke auf die Dauer noch niemals zum Segen gereicht.
Einzug des prinzlichen Brautpaares in Berlin.
Die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Prinz und Prinzessin Max von Baden sind gestern vormittag Va9 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof eingetroffen. Zum Empfang waren erschienen der Kaiser, die Prinzen deS königlichen Hauses, soweit sie in Berlin und PotSdam anwesend sind, der Kabinett-chef, da- kaiserliche Hauptquartier, der Gouverneur und der Kommandant von Berlin, der Präsident deS Staat-ministerium- und die Mitglieder desselben. Der Oberbürgermeister von Berlin Wermuth, Bürgermeister Reicke und der Etadtver» ordneten vor steh« hatten sich eingesunden. Sxz. Wermuth hielt unter Ueberreichung eine« Orchideenstrauße- solgende Ansprache an daS Brautpaar:
„Die Landes- und Reichshauptstadt, in die Ew. königlichen Hoheiten, strahlend von Liebe und Glück, Ihren Einzug halten, öffnet weit ihr Tor und Herz in inniger Mitfreude. Sie bringt in Ehrerbietung ihr Willkommen dar dem erlauchten Brautpaare, daS in dem eigenen Glück unS zugleich ein herrliches Pfand für Deutschlands Einheit und Größe beschert."
Auf dem Bahnsteige war eine Ehrenkompagnie bei zweiten Saiberegiment« mit Fahne und Musik ausgestellt mit den direkten Borgt setzten bis zum kommandierenden General de- Gardekorp-. Vor dem Bahnhos war eine Eskadron de- HusarenregimentS v. Ziethen, BrandenburgijcheS Nr. 3, aus. geritten. Die Herrschaften fuhren in vierspännigen, offenen Wagen durch daS Brandenburger Tor zum königlichen Schloß. Eine halbe Eskadron ritt vor den Wagen, eine halbe nach den Wagen als Eskorte.
Trotz deS trüben regnerischen Wettert hatte eine vieltausendköpfige Menschenmenge die Straßen besetzt, welche die Herrschasten aus ihrem Einzug« passierten. Alle öffentlichen und zahlreiche private Gebäude hatten geflaggt. Brausende- Hurra und Tücherschwenken geleitete den Zug, der sich vom Potsdamer Bahnhos durch die Königgrätzerstraße, die LiegeS- allee, da- Brandenburger Tor und die Linden in flottem Trabe nach dem königlichen Schlosse bewegte. Im Fond deS Wagen- saßen die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise, auf dem Rücksitz hatten der Kaiser und Prinz Ernst August Platz genommen. Prinz und Prinzessin Max von Baden folgten in einem besonderen Wagen. Die Herrschasten erwiderten freundlich die Grüße deS Publikums.
Im Lustgarten hatte die zweite bis fünfte Schwadron deS Ziethen-HusarenregimentS Ausstellung genommen. Buch der Verein ehemaliger Ziethen-Hufaren mit der Fahne hatte sich eingefunden. Nach dem Absahren der Front entstiegen die Herrschaften den Wagen. Inzwischen war daS OffizierSkorp« bet Zicthenhusaren abgeseffen und meldete sich in corpore beim Raffer, um sodann dem Bräutigam und der Braut seine