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scheiterte der Wunsch deS braunschweigischen RegentschastSratS, den Prinzen Ernst August von Cumberland aus den braun- schweigischen Thron zu berufen, daran, daß zwar der Prinz, nicht aber auch sein Vater, der Herzog von Cumberland, für sich und seine Nachkommen aus Hannover ausdrücklich ver­zichten wollte. Der Grund, warum sich der Herzog nicht zu einem formellen Verzicht verstehen konnte, war nicht sowohl starres Festhalten an legitimem Recht mit der Hoffnung, doch noch einmal die Ereigniffe von 1866 ungeschehen zu machen, alS vielmehr die Rücksicht aus die weffischen Kreise in Hannover, die dem letzten König von Hannover Treue bewahrt hatten. Mehr menschliche als politische Motive.

Die eben vollzogene Verlobung bedeutet die Aussöhnung der Häuser Hohenzollern und Cumberland. Diese neue Tat­sache wird ohne Zweifel mit der Zeit dahin führen, daß die auch von preußischer Seite immer offen gehaltene braun- schwedische Thronsrage definitiv erledigt wird. Der Verlobte der Kaisertochter wird wahrscheinlich inS preußische Heer ein­treten und als Offizier dem Siönig von Preußen den Fahneneid leisten- Damit scheidet jeder Gedanke auS, daß daS neue HauS Braunschweig zum Herde welfischer Umtriebe gegen Preußen werden könnte.

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O?. KarlSruhe, 11. Februar. Der Kaiser unter- nahm heute in aller Frühe feinen üblichen Spaziergong und kehrte dann in daS Großherzogliche Residenzschloß zurück, wo um V2IO Uhr der Gesangverein „Liedeihalle" dem Kaiserpaar und dem Brautpaar ein Gesangsständchen darbrachte. Zum Vortrag kamen die Lieder „Die Weihe deS LiedeS" von Hegar, „Der Trompeter von Schottlar" von Baumann und „Wohin mit der Freud" von Silcher. Nach dem Ständchen brächte die „Liederhalle" ein SangeShoch auf daS Kaijerpaar und daS Brautpaar auS, worauf sich die Majestäten -für die Ovationen bedankten und verschiedene Herren deS Vorstandes inS Ge­spräch zogen. Um V2IO Uhr erschien da- Militärlustschiff „Ersatz „L. Z. 1" von Baben-O- kommend über dem Groß­herzoglichen Residenzschlosse. Zu gleicher Zeit fuhr ein Militäraviatiker über die Stadt und über daS Residenzschloß. Die beiden Fahrzeuge beschrieben mehrere Bogen über der Stadt und waren ungefähr IV2 Stunden sichtbar. Um V2I2 Uhr begab sich der Kaiser zur Parade auf den Schloßplatz. Die Absperrung war so streng durchgesührt, daß eS selbst den Pressevertretern nicht erlaubt war, den Platz zu betreten. Von dem Balkon deS Schlosses auS sahen die fürstlichen Damen dem militärischen Schauspiele zu. Nachdem der Kaiser die Fronten abgeschritten hatte, erfolgte der Vorbeimarsch, der 20 Minuten dauerte. Neben- dem Kaiser hatten rechts der Großherzog und links der kommandierende General deS 14. Armeekorps Platz genommen. Bei dem Vorbeimarsch schritt an der Spitze deS Dragonerregiments Prinz Max von Baden. Nach dem Vorbeimarsch der Truppen sammelten sich die Offiziere im KreiS um den Kaiser, der die Verlobung seiner Tochter bekannt gab, woraus er eine kurze Ansprache hielt. Im Laufe deS Nachmittags wird eine Abordnung der Residenz- stadt dem Kaiser, der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise nebst ihrem Bräutigam die Glückwünsche der badischen Residenz überbringen. Heute vormittag suhr Prinz Adalbert von Preußen, der auf der Reise nach dem Süden begriffen war, zu einem kurzen Aufenthalt nach KarlSruhe. Er wurde auf dem Bahnhof von der Kaiserin, der Prinzessin Viktoria Louije, dem Prinzen Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und dem Prinzen Max von Baden begrüßt. Der Pnnz be­grüßte feine Schwester und beglückwünschte daS Brautpaar zu der Verlobung. Prinz Adalbert sah sehr frisch auS. Die Rückreise der Kaisers erfolgte Dienstag abend 7,20 Uhr mittels SonderzugeS.

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Berlin, 10. Febr. Die große politische Bedeutung der brvor- stehenden Aussöhnung zwischen Preußen und dem Hause Braun- schweig-Lüneburg geht daraus hervor, daß der Vorsitzende der Welsenpartei Äbg. Frhr. von Scheele- Scheelenburg vor einigen Tagen dringend nach KarlSruhe berufen wurde, um die politischen Konsequenzen der geplanten Aussöhnung zu besprechen. Wie der welfifche Abgeordnete ColShorn mitteilt, begrüßen die Welsen die bevorstehende Verständigung mit Freude, aber unter der Voraussetzung, daß die hannoversche Frage ihre Beantwortung findet, und zwar sei anzunehmen, daß auch für diese Frage eine Regelung gesunden sei. Seit 1866 ist ein Friede zwischen Hannover und Preußen nicht geschlossen. Wilhelm I. wieS den Frieden-gesandten Georgs V. zurück und wählte die Form der Annexion. Dieser Friede könne, wie ColShorn meint, jetzt nachträglich geschlossen werden. DaS Schicksal der Welfenpartei hänge von den Modalitäten dieser Verständigung über die hannoversche Frage ab.

antworten, wenn er kommt und zu mir sagt: „„Wo ist mein Vermögen, daS ich Deinen Händen anvertraute?""

„Könnte ich nicht meine Juwelen verkaufen? Und die Gemälde — sie würden sicher mehr als zehntausend Pfund wert fein?"

„Der Verkauf der 'Juwelen würde noch nicht die Hälfte der Summe einbringen; und die Gemälde — begreifst Du nicht, Janthe? — DaS HauS, wie eS hier steht, gehört nicht länger mir. Wir sind vollständig verarmt. Kam je ein Schmerz dem meinigen gleich?"

„Und heute ist Weihnachten," sagte daS junge Mädchen w^r ^u' Hermann glücklich sein sollte. Papa waS sollen

„Ich kann eS nicht sagen. Ich darf nicht daran denken. Ich bin ein ruinierter Mann. Kannst Du Dir klar machen, was bieg für Dich bedeutet, Janthe — für Dich, die im Luxus erzogen, an Equipage und Dienerschaft gewöhnt ist, die sich kemen Wunsch zu versagen brauchte? WaS wird auS Dir werden mern Liebling? Wenn wir beide Hand in Hand diescr HauS verlassen, dann haben wir kein Heim, daS unS aufnimmt, keinen Zufluchtsort in der weiten Welt. Begreifst Du nun, was Ruin bedeutet?"

Sie wurde noch weißer und blickte ihn mit weit geöffneten Augen an. a "

-Steht er so schlimm, Papa?"

Er entzog ihr feine Hand und fiel mit einem leidenschaft­lichen Schrei vor ihr auf die Knie. '

„Kannst Du mir je vergeben, Janthe, daß ich Dein helle- lunger Leben ruiniert habe? Du wirst nun arbeiten wüsten für Dem täglicher Brot, kannst Du mir die- je vergeben?" Sie neigte sich mit unbeschreiblicher Zärtlichkeit über ihn. -P°pa. Ipnch nicht so zu mir. Du meintest eS gut. Aber selbst, wenn Du dar größte Unrecht getan hättest, würde lch Nicht- zu vergeben haben. Ich bin Dein Kind; an mir ist eS nicht, Dich zu richten. Laß mich Dir helfen, Dich trösten, aber erbitte nicht meine Verzeihung. Ich bin bereit mit Dir zu leiden."

„Gleichzeitig mit dem Brief der mir die niederschmetternde Nachricht brächte," sagte der alte Lord mit seiner bebenden

Wie der „L. A." erfährt, hat Prinz Ernst August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, der Verlobte der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, um seine Aufnahme in die preußische Armee gebeten. Der Kaiser will diesem Wunsche willfahrend, den Prinzen in daS Zieten-Husaren- Regiment einstellen, daS Regiment, daS fein Großvater und Urgroßvater zum Chef hatte.

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Braunschweig, 11. Februar. Die heute in den srühen Morgenstunden durch Extrablätter der Zeitungen ver­öffentlichte Bekanntmachung deS „ReichSanzeigerS," welche kie gestern umlaufenden Nachrichten über eine Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August be­stätigte, hat überall in der Bevölkerung ausrichtige Freude hervorgerufen. Viele Häuser zeigen bereits Flaggenjchmuck und überall wird daS freudige Ereignis, von dem man eine baldige und endgültige Lösung der braunschweigischen Frage erhofft, besprochen. Die Zeitungen begrüßen in ihren Leit­artikeln daS Ereignis der Karlsruher Zusammenkunft und drücken die herzlichsten Wünsche für daS junge Paar auS. Sie sind übereinstimmend der Ansicht, daß daS Herzogtum Braunschweig vor einer bedeutenden Wendung deS SchickialS steht und zollen dem Kaiser Dank für sein hochherziges Ent- gegenkommen.

Bit RMMchit Der neuen WehrmlM

Kriege bewirken die größten Veränderungen. Wie auch der Balkankrieg verlaufen wird, so viel steht schon heute fest, daß er in den europäischen Machtverhältnissen eine weitgreifende Verschiebung herbeiführen muß, von der auch daS Deutsche Reich berührt wird, und die eS rechtzeitig und tatkräftig zu beachten hat, wenn eS die Pflichten der Wachsamkeit und der unbedingten, jedem Wechsel gewachsenen Kriegsbereitschaft nicht vernachlässigen will. Die Türkei, darüber kann kein Zweifel mehr sein, scheidet auS der Reihe der europäischen Großmächte auS. Ihre frühere militärische Machtstellung fiel zugunsten der Politik deS HabSburgerreicheS und Deutschland inS Gewicht. WaS eS daran eingebüßt hat, um mindestens so viel sind die südslavischen Balkanstaaten gewachsen. DaS Mehr an militärischen Kräften, daS der Balkanbund bei großen kriegerischen Entscheidungen einzusitzen hat, kommt aller Wahr- scheinlichkeit nach den Gegnern deS Dreibundes zugute. Die wesentliche Machtminderung deS OSmanenreichS einerseits und die beträchtliche Machterhöhung der südslawischen Königreiche andererseits bedeuten politisch wie militärisch eine erhebliche Erschwerung der Lage Oesterreich-Ungarn-, ein Wachsen der Gefahren, die den Leben-interessen unseres Verbündeten drohen.

Die Berechnungen für den Fall eines allgemeinen KriegeS in Europa, die noch vor einem Jahre, zur Zeit unserer letzten Wehrvorlage, galten, stimmen jetzt nicht mehr. Wichtige Posten sehen darin heute ganz anders auS als damals. Die Türkei und Rumänien konnten bisher auf der Seite Oesterreich- UngarnS und deS Deutschen Reichs eingestellt werden. Man wird nunmehr gut tun, beide Mächte ganz aus der Rechnung wegzulasten. Rumänien, dessen militärische Mittel eine nicht zu unterschätzende, vielleicht sogar ausschlaggebende Bedeutung gewinnen können, ist früher alS der äußerste Vorposten deS Dreibundes auf der Balkanhalbinsel bewertet worden. In­zwischen hat der mit dem Balkankriege eingetretene Umschwung der Lage für Rumänien so gestaltet, daß eS in einem etwaigen großen europäischen Kriege seine Kräste zur eigenen Rücken­deckung verwenden wuß.

Ein Krieg gegen zwei Fronten, gegen Frankreich und Rußland, die womöglich noch durch England und kleinere Staaten verstärkt werden, würde der Voraussicht nach an unS ungleich höhere militärische Anforderungen stellen, als zur Zeit der vorjährigen Militärvorlage angenommen wurden. Bei der Schwächung der Türkei, bei der Stellung, die Rumänien einzuhalten gezwungen wird, bei der überraschenden Stärke, die der Balkanbund bekundet, würde daS unS verbündete Oesterreich-Ungarn einen weit geringeren Teil feiner Wehrmacht unmittelbar gegen Rußland einfetzen können, als vor einem Jahre vorausgesetzt wurde. Um so größere Heeresteile müßte daher Deutschland gegen Rußland zur Verwendung haben. Vor allem aber kommt in Betracht, daß wir vor unserem Hauptgegner, Frankreich, bei dem augenblicklichen Stande unserer Wehrmacht einen wesentlichen Vorsprung nicht mehr haben. Unermüdlich hat Frankreich daran gearbeitet, jede Lücke in seiner Rüstung auSzusüllen, jede Schwäche, die aus deutscher Seite unbedingte Ueberlegenheit begründete, mit dem Ausgebot der äußersten Kräste zu beseitigen. Frankreich nützt heute seine Wehrfähigkeit bis zum letzten waffentauglichen Mann auS. Geschähe in Deutschland dasselbe, so würde daS deutsche Heer

Stimme, „erhielt ich gestern auch ein Schreiben von John Culroß, d. h. von seinen Exekutoren — er selbst ist tot. Sie treiben seine au-stehenden Gelder ein und kündigten auch mir die zehntausend Pfund; wenn ich in drei Monaten nicht zahlen kann, werde ich Schloß Croombe verlieren, eS wird auS meinen Händen in die Ihrigen übergehen."

„Drei Monate," wiederholte Janthe, sie schienen ihr wie eine Gnadenfrist. „In drei Monaten läßt sich gewiß viel tun; könntest Du die Summe nicht von einem anderen borgen, Papa?"

„Wer würde einem ruinierten Manne zehntausend Pfund leihen? Natürlich werde ich nach meinem Anwalt senden und mein Möglichstes tun; aber ich weiß, eS wird nutzlos fein. Schloß Croombe, da- Heim der CarreS, wird daS Eigentum eines Fabrikanten werden. Die toten CarreS werden sich in ihren Gräbern umdrehen I"

Ihr schöne- Antlitz errötete heiß, die dunklen Augen sprühten Feuer.

„Papa," sagte sie, „etwa- muß sogleich getan werden: wir müssen Lord Ravencourt die Wahrheit sagen. Du glaubst er sei hier, weil er mich heiraten will; er muß wissen, daß ich keine reiche Erbin mehr bin. Wir werden sehen, ob dies einen Unterschied bei ihm macht.

„Dann müssen wir unter irgend einem Vorwand unsere Gäste zu entfernen suchen. Wie leid tut eS mir, daß wir an diesem törichten Ball so viel Geld verschwendeten!"

„Du warst glücklich, mein Liebling, so war eS auch keine Verschwendung," sagte der Lord. „Wie ist eS, Janthe, liebst Du Lord RavenScourt?"

„Nein, Papa; aber er gefällt mir, vielleicht würde ich ihn mit der Zeit lieben lernen."

„DaS Unglück würde mir nur halb so groß erscheinen, wenn ich Dich glücklich verheiratet sähe," bemerkte Lord mich Es' lb"u«^ ^ ^^^ ich die Veränderung, nicht für

„Wir müssen ihn morgen von Allem in Kenntnis setzen, Papa," sagte Lady Janthe. „Aber höre, e- schlägt schon zwei, und Du siehst so ermüdet auS. Du darfst nicht länger über die Dache sprechen: da- Schlimmst, weiß ich ja. Wir

dem französischen schon der Zahl nach so gewaltig überlegen sein, daß ein Ausgleichen oder gar Ueberbieten unmöglich wäre. Frankreich hat noch nicht 40, Deutschland 66 Millionen Einwohner. Es ist aber angesichts der seit der vorjährigen Wehrvorlage eingetretenen Machtverschiebung, die daS Gleich­gewicht zwischen dem Dreibünde und der gegnerischen Mächte­gruppe zu deren Gunsten aufzuheben droht, unbedingt geboten, daß Deutschland seine Wehrkraft verstärkt.

Zum Bereitsein gehört fortab, daß wir für den KriegSfall alle verfügbaren Wehrkräfte in bester Ausbildung und zu voller Ausnutzung aufbringen, um jeder Möglichkeit gewachsen zu sein. Unser Kaiser hat in dem Erlaß zum Dank für die ihm am Geburtstage erwiesenen Huldigungen den Wunsch ausgesprochen, daß die Erinnerung an die Vergangenheit dazu beilragen möge, unS stets gegenwärtig zu halten, waS wir dem Vaterlande schulden, und daß sie unS ansporne, „bei den unserer Generation von der Vorsehung gestellten Aufgaben die gleiche Treue, Opserfreudigkeit und Einmütigkeit zu betätigen, wie eS vor 100 Jahren von unseren Vätern ge­schehen ist. Und wenn sich jetzt" — sagte der Kaiser in Königsberg — „kine Verstärkung dieses Fundaments im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht als notwendig erweist, zweifle ich nicht, daß daS deutsche Volk zur Uebernahme weiterer persönlicher Opscr nach dem rühmlichen Vorbilde unserer Väter freudig bereit sein wird." Die Erfüllung diese- Wunsches durch Annahme der neuen Wehrvorlage würde die schönste Gabe sein, die unserem Kaiser zum 25jährigen Re­gierung-jubiläum dargebracht werden könnte.

Der Balkankrieg.

Türkische Siegesmeldungen.

Während die bulgarische Heeresleitung über den Verlaus der Operationen an der Tschataldschalinie und aus Gallipoli sich Schweigen auserlegt, beginnen von türkischer Seite mehr oder weniger ausführliche GesechtSberichte einzulaufen, denen zufolge die türkischen Waffen unter schweren Kämpfen und teilweise wechselnden Ergebnissen im ganzen doch siegreich geblieben sind. Zu beachten ist jedoch, daß die Autorität der Regierung für diese Meldungen nicht in Anspruch genommen wird; sie führen vielmehr auf nichtamtliche Quellen zurück, deren Zuverlässigkeit zunächst zweiselhaft bleiben muß. Im einzelnen wird berichtet:

K 0 n st a n ti n 0 p el, 11. Februar. Wenn auch über die Ereignisse bei Rodosto noch nichts amtlich veröffentlicht worden ist, so sind doch offizielle Nachrichten vorhanden, welche die glückliche Landung von bedeutenden Steitkräften bestätigen, die mit den Bulgaren, die sich zurückzogen, den Kamps begannen. Die Pforte wartet auf daS definitive Resultat, um die Nachrichten zu veröffentlichen; aber eS hecht, daß die türkischen Truppen an Boden gewonnen und auch schon einige bulgarische Gefangene gemacht haben. — Die Kämpfe aus der Halbinsel Gallipoli dauern an; die türkischen Truppen griffen die Höh n bei Examilo an, vertrieben die Bulgaren und eroberten 2 von den 4 dort ausgestellten Kanonen. — Islam meldet, daß vorgestern abend eine Abteilung türkischer Freiwilliger einen heftigen Angriff aus die bulgarischen Stellungen bei Tschataldscha mochte, durch die Drahtgitter brach und in die Verschanzungen einrückte. Sie fügte den Bulgaren durch Bomben schweren Schaden zu ; der Feind welcher Verstärkungen erhalten hatte, versuchte die Frei- willigen-Abteilung, die nicht mehr als hundert Mann zählte, einzuschließen. Es gelang den Freiwilligen, durchzubrechen, und ihre Toten und Verwundeten mitzunehmen. Der Feind verlor tausend Mann an Toten und Verwundeten. AlS dann die Freiwilligen Verstärkung erhielten, gaben die Bulgaren ihre Stellungen auf und ließen Kanonen und zweihundert Gefangene zurück, von denen 38 hierher gebracht worden sind. — Die Blätter berichten von einem großen türkischen Erfolge bei Janina. Essad-Pascha soll dort einen Schein- rückzug gemacht haben; die Griechen hätten daraus die türkischen Flügel angegriffen, welche den Griechen eine furchtbare Niederlage beigebracht hätten. Beim Rückzug sollen 1800 Griechen unter dem Feuer der Forts von Bisani getötet worden sein.

Konstantinopel, 11. Februar. Ueber die Kämpfe zwischen Bulair und Examilo gibt eine wohlinformierte türkische Quelle folgende Einzelheiten: Die Bulgaren hatten aus einer ungefähr tausend Meter hohen Anhöhe in der Nähe von Examilo eine starke Stellung eingenommen; am 8. Februar begannen die tückischen Streitkräfte bei Tagesanbruch die feindlichen Stellungen anzugreijen, woraus der Feind zurück­

werden eS gemeinschaftlich tragen und uns nie von einander trennen; und ich bin so jung, so stark, so mutig, ich kann Dir eine große Stütze sein. Versprich mir, daß Du jetzt ein wenig zu schlafen versuchen willst."

Er blickte sie dankbar an.

„Noch etwas mußt Du ersahren, Janthe. Der Bries, der mir die Hypothek kündigte, kam von dem Sohn, Hermann Culroß, und er spricht davon, selbst hierherzukommen, um die Sache mit mir zu besprechen. Du wirst um meinetwillen höflich gegen ihn sein, wenn er kommt, nicht wahr, mein Kind?"

„Höflich? Gewiß, Papa. Ich machte mich nie einer Unhöflichkeit schuldig gegen Geringere. Ich halte dies für einen Beweis von schlechter Erziehung, wenn man gegen die Leute nicht höflich ist."

„Gegen Geringere, Janthe. Hermann Culroß ist der Erbe eines Millionärs."

„Und wenn er den ganzen Reichtum der Welt besäße, Papa," sagte sie stolz, „so würde er dennoch selbst einem verarmten Carre nicht gleichstehen."

Fast bewundernd blickte der alte Lord auf seine Tochter, die hochaufgerichtet, den ganzen Stolz der CarreS in den ausdrucksvollen Zügen, vor ihm stand.

„Um Deinetwillen, Papa, werde ich höflich gegen ihn sein; aber ich darf nicht vergessen, daß er, dieser Fabrikanten­sohn, einst anmaßend war. Ich fürchte, ich werde in der Armut noch stolzer sein alS im Glück."

Aller Hochmut schwand aber auS ihren Zügen, alS sie sich jetzt herabneigte und ihn küßte; dann verließ sie das Zimmer, ihn allein zurücklassend.

(Fortsetzung folgt.)

— K r e u z n a ch, 11. Febr. Auf dem Bahnhof Münster am Stein wurde der Zahntechniker Bechtold veehastet. Er steht im Verdacht, seit Jahren junge Deutsche für die Fremden­legion angeworben und nach Frankreich verschleppt zu haben. ES werden ihm einige 50 Fälle dieser Art zur Last gelegt.