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Eine auS sechs Bataillonen bestehende Kolonne marschierte, unterstützt von der Artillerie deS Fort- Giaur-Bajir und den Kanonen zweier Kreuzer und zweier Torpedoboote, welche vor Bujuk-Tschekmedsche verankert lagen, um 9 Uhr früh gegen die bulgarischen Truppen, welche die Positionen bei Amautköj besetzt hielten. Diese Waisen den Feind durch einen ener­gischen Angriff gegen die Brücke von Bujuk-Tschekmedsche zurück. Eine zweite, auS zwei Bataillonen bestehende Kolonne rückte vorgestern von Baktscheiköj vor, zog sich aber vor dem Infanterie- und Artilleriefeuer der Bulgaren über den Karasu zurück, ohne den Gegenstoß abzuwarten, zu dem die Bulgaren sich anschickten. Endlich setzte sich ein türkischer Regiment mit einer Mitrailleusenabteilung und einer GebirgSbatterie von d m Dorse Guktscheli her in Bewegung, wurde aber von den bulgarischen Truppen mit dem Bajonett angegriffen und zu einem Rückzug in größter Unordnung gezwungen, wob i eS seine Toten und Verwundeten auf dem Schlachtselde zurückließ. Außerdem sind alle Versuche der Türken, aus der Linie Jenidjekö:—Lasarköi in der Gegend von DerkoS zur Offensive Überzugehen, gescheitert; der Feind ging überall in seine ur­sprünglichen Stellungen zurück. Während deS ganzen TageS machten bulgarische Flugzeuge ErkundungSflüge über der Tschataldschalinie.

Der Großwesir besichtigte gestern abend den Flugplatz bei St. Stephans; eS heißt, daß drei Aeroplane vorbereitet werden, um an den Operationen bei Gallipoli teilzunehmen. Die Truppentransporte nach Gallipoli und nach Rodosto sind gestern fortgesetzt worden;. ein Teil deS vorgestrigen Truphen- tranSporteS war nach Midia am Schwarzen Meere bestimmt, wo kurdische Irreguläre eine Landung mit Unterstützung einiger Kriegsschiffe versuchen sollten, um dann Banden zu bilden, welche die bulgarischen Truppen behelligen sollen; über den Erfolg deS LandungSversucheS liegt noch keine Meldung vor. Die KriegSverwaltung hat einen großen Teil der Dampfer requiriert, welche den Verkehr nach den BoSporuSvororten versehen; dieser wird dadurch stark behindert. Der Kurdenches Murad Beder Khan veröffentlicht einen Ausruf an die Kurden, für daS Vaterland zu kämpfen und zu sterben.

Der Brand in Tophane ist heute morgen um 2 Uhr gelöscht worden; die Zahl der niedergebrannten Häuser über­schreitet nicht 150; sie waren alle von Mohammedanern be­wohnt. Die Matrosen der österreichisch-ungarischen StationS- jacht TauruS und die Besatzungen der fremdem Kriegsschiffe beteiligten sich an den RettungSarbeiten. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Regierung hat noch keine Ent­scheidung über den Erlaß eine- Moratoriums getroffen.

Aus Jn* und Ausland.

Berlin, 9. Februar 1913.

Der K a i f e r unternahm gestern nachmittag einen Spazier­ritt im Tiergarten, den ersten in diesem Jahre.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Die „Krcuz- zritung veröffentlicht in ihrer Nummer 64 vom 7. d. M. an leitender Stelle einen Artikel, in dem über die mangelnde Vertretung der Landwirtschaft innerhalb derReichSverwaltung, insbesondere in dem Beamten­körper deS ReichSamtS deS Innern geklagt wird. Im Zu­sammenhangs damit wird behauptet, daß im Herbst vorigen JahreS bei den Beratungen über die Maßnahmen zur Be­kämpfung der Fleifchteucrung daS ReichSamt deS Innern ent- fchloff.n gewesen sei, den § 12 deS Fleischbejchaugesctze- fallen zu lassen, nur weil das Gcsundhiü-amt ihn für ent­behrlich hielt. Inwieweit der allgemeine Vorwurs mangelhafter Vertretung landwirtschaftlicher Interessen innerhalb der ReichS- Verwaltung berechtigt ist, oder nicht, wollen wir heute nicht erörtern. Dagegen möchten wir alsbald feststellen, daß weder daS Gesundheitsamt den § 12 beS FleischbeschaugesetzeS jemals für entbehrlich erklärt, noch daS ReichSamt deS Innern die Absicht gehabt hat, diese gesetzliche Bestimmung fallen zu lassen.

Infolge der erhöhten Bedeutung, die der Feldhaubitze im Feldkriege zuerkannt wird, soll, wie die „Allg. Armee-Cmr." mitteilt, in Zukunft jede der beiden Feldartilleriebrigaden eines Armeekorps mit einer Haubitzabteilung zu 3 Batterien zu 6 Geschütz en auSgestattet werden, so daß also daS Korps über 36 leichte Feldhaubitzen vom 10,5 Zentimeter Kal. verfügen wird. Diese Vermehrung der Haubitzen bildet aber nicht etwa eine Erhöhung der Gesamtgeschützzahl, sondern geschieht aus Kosten der entsprechenden Zahl Kanonenbatterien, die in Haubitzbatterien umgewandelt werden. Am 1. Oktober v. I. hatten von den 23 Armeekorps deS deutschen HeereS alle mit Ausnahme deS Gardekorps eine Haubitzabteilung, so daß also insgesamt 22 solcher Abteilungen mit 66 Batterien vorhanden waren. Zu diesem Bestände sind seitdem je 2 Haubitzabteilungen sür die beiden neuformierten KorpS Nr. 20 und 21 und eine Abteilung für daS GardekorpS hinzu - gekommen, so daß zurzeit 27 Haubitzabteilungen gebildet sind. Die Aufstellung der übrigen zweiten Haubitzabteilungen bei den einzelnen Armeekorps wird sich allmählich vollziehen, je nach Bereitstellung deS erforderlichen Materials. Zunächst sollen daS 1., 2., 9., 15. und 17. Armeekorps an die Reihe kommen. Ihnen werden nach zuverlässigen Nachrichten daS GardekorpS, daS 3., 4., 6., 7. und 16. KorpS folgen, die sämtlich reitende Abteilungen als zweite Abteilungen haben, und in Zukunft sollen alle zweiten Abteilungen der Artillerie- regimenter Haubitzabteilungen sein. Eine weitere Neuerung von Wichtigkeit innerhalb unserer Artillerie, die ebenfalls bevor- steht, ist die Umwandlung von 11 reitenden Abteilungen zu 2 Batterien zu 6 Geschützen in Abteilungen von 3 Batterien zu 4 Geschützen. Von der Umwandlung werden betroffen von preußischen KorpS daS GardekorpS, daS 1., 3., 5„ 10., 11., 20., 21. sowie daS 12. und daS 2. bayerische KorpS. ES würde ein Irrtum sein, wollte man auS dieser Neuglieder­ung der 33 reitenden Batterien zu je 4 Geschützen den Schluß ziehen, sie sei der Vorläufer der 4-geschützigen Batterie sür die gesamte Feldartillerie, wie sie in Frankreich bekanntlich besteht und auch bei unS von vielen Stellen aus als die zweckmäßigste Organisation empfohlen wird. Jene 33 Batterien sind aber der Voraussicht nach für die im Kriegsfalle zu formierenden Kavalleriedivisionen bestimmt und für sie hat man nach den Frieden-erfahrungen die reitende Batterie zu 4 Geschützen, als die geeignetste und schmiegsamste Form herausgefunden, in der die Artillerie den schnellen Bewegungen der Kavallerie­divisionen überallhin folgen kann.

Aus Provinz u. Nachbargebiel.

§ Hersfeld, 10. Februar. DaS 2, Kurhessische Infanterie-Regiment Nr. 82 begeht am 5. und 6. August 1913 die Feier der hundertjährigen Wiederkehr deS Stiftung-tage- deS Regiments. Alle ehemaligen aktiven und Reserve-Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten, ebenso die ehemaligen Unteroffiziere und Mannschaften deS Regiment- und des früheren kurheffischen 2. Infanterie-Regiment- Land­

graf Wilhelm von Hessen, die an der Feier teilnehmen wollen, werden gebeten, ihre genaue Adrrffe, Unteroffiziere und Mann­schaften unter Angabe der Dienstzeit und Kompagnie, baldigst an daS RegimentSgeschästSzimmer zu senden; Angehörige der Vereine ehemaliger 82er wollen diese Mitteilung an ihren Vorstand richten, der die Meldungen gesammelt dem Regiment zukommen läßt. Alle- weitere geht später den Teilnehmern zu, den genannten Verein-mitgliedern durch ihren Vorstand.

):( Hersfeld, 10. Februar. Heute morgen 4,59 Uhr durchsuhren Se. Majestät der K a i s e r und Ihre Majestät die Kaiserin mittelst SonderzugeS auf der Fahrt von Berlin nach Karl-ruhe die hiesige Station.

):( Hersfeld, 10. Februar. In der Nacht vom Sonn­abend zum Sonntag wurde aus einem Bassin aus der benachbarten Domäne B i n g a r t e S ein ca. 8 Pfund schwerer Hecht gestohlen. Durch den Polizeihund deS Herrn Wachtmeister- Schreiber von hier wurde eine auf dem Gute beschäftigte Person gestellt. Nähere Ermittelungen sind im Gange.

Cafsel, 10. Februar. Ein entsetzlicher Unglück-fall er- eignete sich heute vormittag im dritten Stock de- Hause- Entengasie Nr. 19. Die beiden Kinder deS Lokomotivheizer- v. Diffen, ein 6jähriger Junge und ein 3jährigcS Mädchen, hatten sich in einem unbewachten Augenblick vor dem Küchen­herd ein Feuerchen auS Papierjchnitzeln angezündet. Dabei geriet daS Kleidchen deS Mädels in Brand, fodaß daS Kind im Nu einer Feuersäule glich. Auf daS jämmerliche Geschrei deS Kindes eilte sofort der aus demselben Gange wohnende Schreiner GleiSner herbei, der daS Kind in eine Bettdecke wickelte und so die Flammen erstickte. DaS bedauernswerte Kind, dem die Kleider fast völlig vom Leibe gebrannt waren, hatte jedoch sehr schwere Brandwunden am ganzen Körper erlitten.

Cafsel, 7. Februar. Die verwegene Tat zweier Ein­brecher, die vor einiger Zeit die Wohnung eine- höheren Offiziers in der Herkulesstraße in Cafsel auSplünderten und sich dann dort häuslich einrichteten, enthüllte eine Verhandlung vor der heutigen Caffeler Strafkammer. Die Angeklagten Detlef auS Berlin und Zettl aus Hamburg bettelten die Straße ab und gelangten dabei auch an die Wohnung beS Offiziers. Als auf ihr Klingeln niemand erschien, verließen sie baS HauS, kehrten aber gegen Abend zurück und versuchten von neuem, ob jemand aus ihr Klingelzeichen öffne. Da in der Wohnung alles still blieb, sprengten sie die Tür aus, drangen in die Wohnung ein und plünderte dies« regelrecht auS. Dann taten sie sich an den vorhandenen Vorräten gütlich. Schließlich holten sie eine große Kiste auS dem Keller, packten die erbeuteten Sachen ein und machten die Kiste tranSportfertig. Darauf stärkten sie sich abermals und legten sich wohlgemut zu Bett. Am nächsten Morgen ver. ließen sie unbehelligt mit der schweren Kiste die Wohnung, schafften sie zum Oberstadtbahnhos und ließen sie nach Ersurt expedieren. Sie reisten selbst dorthin ab, um die gestohlenen Sachen, die einen Wert von über 3000 Mark hatten, zu Gelde zu machen. Dabei wurden sie festgenommen. Die Straskammer verurteilte die beiden Einbrecher zu 5 resp. 3 Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen.

Cafsel, 9. Februar. Von einem harten Schicksalsschlage ist der Gastwirt G. in der unteren Querallee hierselbst betroffen worden. Er hatte sich am rechten Beine eine unbedeutende Verletzung zugezogen, der er keine Beachtung schenkte. Nach einiger Zeit trat jedoch plötzlich eine bösartige Entzündung und auffallende Verschlimmerung der Verletzung ein; die Aerzte stellten eine Blutvergiftung fest. Jetzt mußte dem Aermsten daS ganze Bein bis zum Becken abgenommen werden.

Gr Nenndorf, 6. Februar. In der DienStag-Nacht gegen 1 Uhr ertönte schon wieder Feuerlärm. ES brannte in dem Ge stfeldtschen Hause an der Hauptstraße. Leider ist auch der Händler Geistfeld in den Flammen umgekommen. Eine halbe Stunde später stand auch baS Wohnhaus deS Schlächtermeister- Planert in Flammen und auch die angrenzende Scheune beS Kaufmanns Apolant wurde von dem verheerenden Element ergriffen. Man vermutet auch hier wiederum Brandstiftung. — Der „Echaumb. Ztg." wird noch mitgeteilt, daß Geistfeld allem Anscheine nach aus gewaltsame Weise den Tod gefunden hat, und daß daS Feuer viclleich absichtlich angelegt wurde, um die Spuren einer furchtbaren Tat zu verdecken. Ueber die Persönlichkeit, die als Mö.der in Betracht kommen könnte, ist Bestimmtes noch nicht festgestellt worden.

Hanau, 8. Februar. Die TyphuSepidemie beim hiesigen Eisenbahnregiment hat j^t baS neunzehnte Opfer gesordert. Heute ist der Pionier Dellwo auS Neunkirchen gestorben. Im Lazarett befinden sich noch 63 Kranke, darunter drei Schwerkranke.

Frankfurt a. M., 6. Februar. Am Aschermittwoch abend schoß sich die 18jährige Elisabeth Weißer auS der Berger- straße eine Kugel in die Brust. Schwer verletzt wurde sie inS MainkaikrankenhauS gebracht. Ein anderes 18jährige- Mädchen versuchte sich in der elterlichen Wohnung am Baumweg mit Leuchtgas zu vergiften. Sie wurde inS Hopital geschafft. Am Mittwoch morgen erschoß sich ein 38jähriger Versicherungs­agent in seiner Wohnung an der Friedberger Landstraße. Der 51jährige Eisenbahnarbeiter Dein ließ sich am Abend desselben Tage- von einem Zuge überfahren, wobei er sofort getötet wurde.

DT. Frankfurt a. M, 7. Februar. Die Militär­flieger, die heute einen Flug von Metz nach Frankfurt a. M. auSführten, sind gegen 5,30 Nachmittag- glücklich am Be­stimmungsort gelandet; nachdem sie in Spryer eine glatte Zwischenlandung vorgenommen hatten. Fliegerleutnant Schneider mit Leutnant Kricke al- Passagier landete aus dem Eulerflugplatze bei GrieSheim o. M., während Leutnant Schultz mit Leutnant Kolb als Passagier bei der Zeppelin- Halle am Rebstock niebetfam. Außerdem traf von Darmstadt kommend Leutnant Sommer und Oberleutnant Blumenbach an Bord seiner Flugmaschine, auf dem hiesigen Landungs­plätze ein. Die Flieger erreichten Höhen von 1100 bis 1500 Meter Höhe. Für den Flug Darmstadt — Frankfurt wurden 15 Minuten gebraucht.

Schmölln (S.-A.), 8. Februar. Der Gastwirt Kneusel von hier, Besitzer deS Restaurant- „Zum Grüntal", hat sich gestern am Bahnübergang unweit der Schneckenmühle bei Eisenberg vom Zuge überfahren lassen, wobei ihm der Kops vom Rumpf getrennt wurde. Kneusel war erst früh mit dem Zuge dorthin gefahren. Am 30. Januar war in seinem hiesigen Besitztum ein Brand auSgekommen, bei welchem mehrere Feuerherde entdeckt wurden, die auf Brandstiftung schließen ließen. In einem bei dem Toten Vorgefundenen Briefe be­teuert dieser seine Unschuld.

Göttiugeu, 7. Februar. In dem im Abteufen be­griffenen Schachte „Napoleon" deS Kaliwerkes Germania in BeyerShausen wurde gestern abend mit Dynamit gesprengt, geschossen, wie der Bergmann sagt. Kurze Zeit darauf fuhren die Bergleute wieder ein. AlS sie aus der Sohle bei Schachle-

ankamen, waren im Schachte noch Verbrennung-gas«, wodurch sieben Bergleute vergiftet und betäubt wurden. Alle sieben Mann wurden im Auto de- Direktor- nach der Göttinger Klinik gebracht, wo sie mit dem Tode ringen.

Born Eichsselde, 6. Februar. In Zella entstand gestern auf dem Gehöst beS Landwirt- N. Wand ein größere- Schadeuseuer, dem die mit Erntevorräten gefüllt« Scheune und Stallunge» zum Opfer fielen. Die Entstehung-ursache ist auf die Explosion einer Petroleumlaterne zurückzuführen.

Eisenach, 6. Februar. Kleidungsstücke und Abschiedr- briefe, die in der Silvesternacht am Ufer der Hörsel bei Eisenach gefunden wurden, deuten mit Sicherheit darauf hin, daß der 18jählige Telegraphenarbeiter Hermann M. und die 17jährige Fabrikarbeiterin Frieda O., beide von hier, gemeinsam in den Tod gegangen waren. Gestern wurden bei dem Dorfe Stadt- feld die Leichen deS Liebespaares in der Hölfel liegend ent­deckt und anS Land gebracht. Die Leichen waren mit den Bändern der Schürze beS Mädchen- zujammmg«bunden.

Vermischtes.

— (Die Tragödie im Pfarrhaus zn Werne.) Nach dem Befund der Leichen beS Pfarrers Martin Luther in Werne und seines Freundes Groffe-Brauckmann hat dieser zuerst den Psarrer durch einen Schuß in die linke Schläfe und dann sich selbst erschossen. Groffe-Brauckmann und Psarrer Luther, die beide in 40er Jahren standen, waren von Jugend aus befreundet. Erster war früher Besitzer eines in der Gegend von ArnSberg gelegenen Gute-, da- sich seit Jahrhunderten in seiner Familie vererbt hatte, geriet aber in bedrängte Lage und verlor sein Hab und Gut in Konkurs. Er ernährte sich dann durch Vermittelung von Güterverkäufen und besonderS von Spekulationen. Hauptsächlich machte Groffe-Brauckmann seine Geschäste in Berlin und in den östlichen Provinzen. Er wußte seinen Freund Luther zu Spekulationen zu bewegen und erhielt von diesem mehrfach Barmittel vorgestreckt. Augenscheinlich hat eS sich bei bet letzten Unterredung um eine derartige Angelegenheit gehandelt, worauf Grosse-.rauck- mann in der Verzweiflung die schreckliche Tat verübte. Der Revolver, mit dem die Tat verübt wurde, war Eigentum Groffe-Brauckmann-, und auch sonst deuten Spuren daraus hin, daß Pfarrer Luther ohne fein Einverständnis erschossen worden ist.

— (Drei Obdachlose in einem Schuppen verbrannt.) Eine auS sechs Personen bestehende obdach­lose Landarbeiterfamilie hatte in einem Strohschuppen bei JllierS Unterkunst gesunden. In der vergangenen Nacht geriet der Schuppen in Brand. Die Frau und zwci Kinder wurden alS Leichen hervorgezogen, die übrigen Personen erlitten lebenS- gesährliche Brandwunden.

— (In der Volksversammlung.) In Hamburg gerät bei einer Volksversammlung ein Redner auS dem Kon­zept. Verzweiselt müht er sich ab, den verlorenen Faden wieder zu fassen, er stottert sich in immer größere Verlegenheit hinein. Da hört man auS der Mitte der Versammlung eine Stimme rufen: „Maat bi man Tied, Hein, wie hebbt ja ok Tied I"________________________________________________________

Letzte Nachrichten.

Cetinje, 9. Februar. Der rechte Flügel der Kolonne beS Generals Martinowitsch besetzte daS Dorf Dion- Sist unterhalb der Befestigungen des Tarabosch. Der linke Flügel, welcher am User deS SkutariseeS vorrückte, gelangte fast bis Siroka. Die Truppen deS Zentrum- rückten bis auf 200 Meter gegen die Verschanzungen am Tarabosch vor, nachdem die AusklärungSabteilungen die Stacheldrahtzäune an zwölf Stellen zerstölt hatten. Der Tarabosch wurde unausgesetzt bombardiert. Eine serbische Truppenabteilung unter dem Kommando deS Obersten Popowitsch und drei montenegrinische Bataillone mit Maschinengewehren und Kanoneu rückten gegen Brdica vor und griffen den Feind heftig an. Nach den von der Armee deS Kronprinzen eingetroffenen Nachrichten sind die Türken aus der ganzen Linie geschlagen worden. Die montenegrinischen Truppen seien vorgerückt und hätten den Kleinen Bardanjolt zerniert. Der große Bardanjolt sei bereit- besetzt. Gestern gefangen genommene Türken bestätigten baS Gerücht, daß Hassan Riza gefallen sri und daß in Skutari Mangel an Leben-mitteln fühlbar werde, sie erklärten jedoch, daß Munition im Ueberfluß vorhanden fei.

Cetinje, 9. Februar. Der Kleine Bardanjolt, eine wichtige und stark befestigte türkische Position, von wo der Feind seit zwei Tagen Widerstand leistete, wurde von den Montenegrinern brsetzt. Der Feind zog sich in gänzlicher Unordnung gegen die Stadt zurück. Die Montenegriner schafften schwere Geschütze aus die eroberte Position, von wo sie einen Sturm gegen Skutari unterstützen können.

Konst antinopel, 9. Februar. Die vorrückenden Truppen stellten fest, wo die Bulgaren VerteidigungSarbeitrn errichtet halten. Ein Teil deS DorseS Jenitsch ist nieberge- brannt. Die Meldung, daß der Ort Tschataldscha auch niedergebrannt sei, wird nicht bestätigt.

Sosia, 9. Februar. Nach nicht offiziellen Meldungen unternahm ein türkische- Regiment heute einen AuSfall an der Ostfront von Adrianopel, wurde jedoch zurückgeschlagen. An der Küste deS MarmarameereS führten die Türken heute keine Aktion durch. Dir- wird dahin auSgelegt, daß sie in­folge beS gestrigen Mißerfolge- die Absicht, eine Landung durchzuführen, aufgegeben haben.

Konstantinopel, 9. Februar. Nach Meldungen türkischer Blätter haben die Bulgaren gestern abend die Be­schießung AdrianopelS eingestellt. — Der frühere Großwesir Hekki hatte gestern und heute aus der Pforte Unterredungen mit dem Großwesir. Wie verlautet, werde er mit einer Mission sür offiziöse FriedenSpourparlerS mit bulgarischen Delegierten betraut werden. Er werde mit ihnen in Bukarest zusammentreffen.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Wetterdienststelle Frankfurt a. M.

Wetteraussichten für Dienstag den 11. Februar.

Trocken, zeitweilig heiter, «twaS kälter, stellenweise Nachtfrost, ruhig.