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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 15. Dienstag, den 4. Februar • 1918.
Amtlicher teil.
Her-feld, den 25. Januar 1913.
Der von der Gemeinde ObergriS beschaffte Zuchtbulle, Simmentaler Raffe, 13 Monate alt, gelb, weißer Kops, ist von der Körung-kommission besichtigt und zu Zuchtzwrcke für brauchbar befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 497. von GruneliuS.
Hesi.'Nasf. landw. Berufs» genossenschaft
Sektton Hersseld.
I. 8. Nr. 125.
Her-feld, den 29. Januar 1913.
In einer der nächsten Nummern deS Regierung-amtsblatt- gelangt die neue Satzung der Hefi.-Naff. landwirtschaftlichen BerusSgenoffenschast zur Veröffentlichung.
Die Herren Bürgermeister deS Kreises ersuche ich, sich mit den Bestimmungen derselben vertraut zu machen, damit sie auf etwaige- Befragen der Betrieb-unternehmer genaue AuS- kunst geben können.
von GruneliuS.
nichtamtlicher CelL
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag hielt Abg. v. Kardorff (frtonf.) scharfe Abrechnung mit der Sozialdemokratie, wandle sich gegen die Haltung deS Zentrums in der Polensrage und gegen die nach feiner Meinung viel zu schwache Haltung der Reich-- regierung gegenüber sozialdemokratischen and sreigewerkschaft- lichen Tendenzen. Er ging von dem Mißtrauensvotum auS, welches daS Zentrum im Reichstage dem Reichskanzler mit allen ReichSseinden zusammen erteilt hat, und er fand scharfe Worte dagegen, daß der Reich-tag sich überhaupt mit der preußischen Polenpolitik beschäftigt hat. Abg. Dr. Friedberg (natl.) sprach über die Notwendigkeit der Wahlrechtsreform und über die welfischen Bestrebungen. Minister deS Innern v. Dallwitz verkannte die Gesahr de- WelfentumS in der Provinz Hannover nicht, meinte aber, daß gerade die preußischen Beamten wiederholt den welfischen Bestrebungen entgegengetreten sind. Die Nachrichten über Differenzen zwischen ihm und dem Staatssekretär Delbrück verwies er in daS Reich der Fabel.
Reichstag.
Am Freitag beschwerte sich Abg. Freiherr v. Gamp (Rp.),
Auf ' Boden.
Eine sriedliche Geschichte au- dem KriegSjahr von 1871. Von R. Lange.
(Fortsetzung.)
4.
Wir müssen eS endlich gestehen: Roser sah schon längst daS Mädchen nicht mehr mit gleichgültigen Augen an. Ohne daß er eS ahnte, war sie eS besonder-, die ihn hinzog zur Familie Dormont. Erst als er sie am Bette ihres Vetters knieen sah, wurden ihm die Gefühle klar, über die er geflissentlich bisher nicht nachgedacht hatte. Ein ungeheurer Schmerz ergriff sein Herz. Mit einem Schlage erkannte er, wie vieles ihn von dem Mädchen trennte, zu dem ihn ein mächtiges Gefühl hinzog; eine vornehme, reiche französische Dame, eine eifrige Katholikin — er ein unbemittelter, deutscher Lehrer, ein Protestant .... Und glaubte er nicht, im Glänze ihre- großen braunen Auge- etwa- zu erkennen, daS ihn mit Eifersucht aus den kranken Vetter Gustav erfüllte?
Und doch gewährten ihm die folgenden Tage manche qualvollsüße Stunde. Wenn Herr von Saint-Loup ein wenig ausgestanden war, in seinem Lehnstuhl saß und seine Cousine neben ihm, laS ihnen Roser oft vor, meistens Schriften eines Waadtländer Erzähler-, Urban OlivierS, beffen einsache gemütliche Dorfgeschten aus die sranzösischen Zuhörer einen eigentümlich tiefen Eindruck machten. Wenn dann einmal der Genesende einschlief, so zogen sich die beiden andern in ein Nebenzimmer zurück und verbrachten manchmal ein Stündchen meist in ernstem Gespräch.
Louise war in einem Kloster erzogen worden, und biS dahin hatte sie sich meisten- in allem mit Aeußerlichkeiten begnügt. In Roser trat ein Mann an sie heran, der, wenn er auch in den äußerlichen gesellschaftlichen Formen sich nicht mit den jungen Leuten messen konnte, die ihr bisher begegnet waren, doch an Bissen, an wahrem inneren Wert unendlich üb« denselben stand. So kam es, daß Louis« von Ansang
daß der Berichterstatter Dr. Wendorff (forisch. Bp.) auS einer Denkschrift der Regierung, die der Kommigion zugegangen ist, dem Plenum keine näheren Mitteilungen gemacht habe. Die Reich-Partei ist bekanntlich selbst nicht mehr in den Kommissionen vertreten, da sie nicht die vorgeschriebene Fraktion-stärke besaß. Aus die reich-parteiliche Beschwerde entgegnete der Berichterstatter Dr. Wendoiff in scharfer Weise. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wurde schließlich der Gesetzentwurf über Zollerleichterungen für die Fleischeinsuhr unter Ablehnung sämtlicher weitergehenden Anträge in zweiter Lesung angenommen.
Die Fremdenlegion.
Eine Frage im Reichstage über die französische Fremdenlegion konnte von der Regierung insofern befriedigend beantwortet werden, als sich in letzter Zeit weder eine erhöhte Tätigkeit der Fremdenlegion in Deutschland hat feststellen lassen, noch eine Anwerbung auf deutschem Boden nach- gewiesen werden konnte. Nach wie vor aber bleibt die Regierung bedacht, dem Unwesen der Fremdenlegion mit größtem Nachdruck zu steuern. Mit den zuständigen Behörden werden die Zeitungen und die sonst zur allgemeinen Aufklärung berufenen Stellen noch immer zusammenwirken müssen, daß endlich in Deutschland in allen Kreisen über die Fremdenlegion die richtige Auffassung Platz greift. Herrscht diese nur einmal vor, so muß nach und nach daS Elend aufhören, daß Deutsche in einer französischen Truppe ihr Lebcn opfern, die den Namen der Hölle auf Erden zu beanspruchen hat. ES gibt keinen einzigen Grund, der einen Deutschen bestimmen sollte, in der Fremdenlegion Zufluchl zu suchen. Der Dienst in der Fremdenlegion hat sich fast immer als eine weit furchtbarere Strafe erwiesen, als eS die für Vergehen oder Verbrechen sein könnte, welche Deutsche zur Flucht inS AuSland und zum Eintritt in diese französische Truppe bewegen. WaS auch j mand in seiner Heimat gesündigt haben mag, er tut in jedem Falle bester, im Vaterlande die Schuld zu büßen, alS sich dem Verhängnis preiSzugeben, daS ihm in der Fremdenlegion droht. Kein Leichtsinn kann so srevelhast sein, daß er mit der Gefangenschaft in der Fremdenlegion gesühnt werden müßte. Wer aber seine Abenteuerlust dort zu bc» sriedigen trachtet, dem ist sie noch immer mit unsäglichem Leid und bitterster Reue gestillt worden.
Adolf Kußmaul, der ausgezeichnete Arzt, erzählt in seinen Jugenderinnerungen, daß 1841 fein jüngerer Bruder auS der Heidelberger Schule nach Straßburg entfloh, um sich dort für die Fremdenlegion anwerben zu lassen. Kußmaul bemerkt zur Kennzeichnung seines Bruders, daß er bester für eine Kriegsschule als für eine andere Schule getaugt habe, daß sein verwegenes Herz nicht Furcht noch Gefahr kannte und nach Abenteuern dürstete. Der flüchtige Bruder hatte bereits den Marsch nach Toulon angetreten, dem Sammelorte der Legionäre, von wo sie nach Algier geschifft wurden. Mein
an mit Achtung ihm entgegentrat, und später, alS sie ihn ein wenig näher kannte, ihn gern um irgend eine Auskunft befragte. Bei den längeren Unterhaltungen, die am Krankenbette deS Herrn von Saint-Loup stattsanden, konnte sie auch immer mehr daS warme Herz, die edle Gesinnung deS Lehrer- schätzen lernen. Später sprachen sie oft über Religion-sachen, und da sich Louise durch ihn sogar übeneden ließ, einmal einem evangelischen Gottesdienst beizuwohnen, was sie nachher noch öfter tat, so kam sie nach und nach zu der Ueberzeugung, daß auch die Protestanten Christen feien und sogar recht gute Christen sein konnten.
Oft konnte Louise sich auch mit der kleinen Martha unterhalten, mit der sie selbst wieder ein wahres Kind wurde. Kein Wunder, daß diese mit großer Anhänglichkeit sich an sie anschmiegte uub jedesmal weinte, wenn sie wegging.
ES ist kaum nötig zu sagen, daß Roser im Gespräch mit Louise alles vermied, was die Gefühle seines Herzen- hätte erkennen lassen; nie sagte er dem Mädchen eine Schmeichelei, irgend ein Kompliment. Wer kann aber missen, ob nicht seine Blicke desto beredter waren? ob nicht daS Mädchen Heller gesehen, alS er vermutete? — Dies Betragen machte vielleicht einen tieferen Eindruck auf ihr Herz, alS wenn e» sich ihr mit jener Galanterie genähert hätte, welche die jungen Leute, mit denen sie bis dahin in Gesellschaft zu- sammengekommen, ihr gewöhnlich entgegentrugen.
Aber die Tage verflossen. Anfang März erschienen wärmere Tage, und der Arzt gab endlich die Erlaubnis, Herrn von Saint-Loup nach Montcherand zu bringen.
Auch Herr Dormont befand sich besser, und die beiden jungen Offiziere konnten meistens den ganzen Tag aus den Terrassen deS Schlöffe- zubringen und der herrlichen Fernsicht und der lauen Frühling-lust genießen.
Der Lehrer hatte den Schulunterricht wieder begonnen; eS blieb ihm daher weniger freie Zeit, doch wußte er fast jeden Tag so einzurichten, daß er mit feinem Töchterchen einen Keinen Besuch bei seinen Freunden in Montcherand machen konnte. Seine Wohnung schien ihm gar zu leer, unb wenn er sich auch jeden Abend vornahm, am folgenden Tage
Vater, so heißt eS in den Jugenderinnerungen, erschrak in den Tod, in Algier mußte sein Sohn an Leib und Seele verderben. ES gelang schließlich durch einflußreiche Vermittlung, den Besehl deS französischen Kriegsminister- zu erwirken, daß der flüchtige Legionär wieder aus dem Heeresdienste Frankreichs entlasten wurde. Gerade noch rechtzeitig am Abend vor der Einschiffung in Toulon nach Algier war der Besehl eingetroffen.
Der Fall, wie der erzählte, hat sich viele tausendmal wiederholt, nur mit dem Unterschiede, daß die Rettung im letzten Augenblick zu den allerseltensten Ausnahmen gehört. Wie heute noch galt schon vor 70 Jahren die Fremdenlegion, 10 Jahre nach ihrer Begründung, alS die Einrichtung, die dem jugendlichen Leichtsinn und dem Hang zu verwegenen Abenteuern ein geeignetes Unterkommen oder Missetätern jeglicher Art einen Unterschlupf gewährt. Doch auch damal- schon war die Einsicht vorhanden, daß sich jeder in der Fremdenlegion der fast sicheren Gesahr preiSgibt, an Leib und Seele zu verderben. Diese Einsicht hat sich aber im Laufe von mehr alS 70 Jahren noch lange nicht in dem Maße in Deutschland verbreiten können, daß eS heute keiner Belehrung über die Fremdenlegion, keiner Warnung vor ihr mehr bedürse. Jahr auS Jahr ein Verfallen Deutsche in ungezählten Mengen der französischen Söldnertrupve und enden dort weit elender, alS eS im Zuchthause der Fall sein könnte. Der AuSgang ist fast stet- derselbe: entweder unheilbare Krankheit oder qual- und grauenvoller Tod oder die Tat der Verzweiflung, der Selbstmord. E- muß endlich dahin gebracht werden, daß keinen Deutschen, mag er für Verführung sonst auch noch so empfänglich sein, der Klang der Werbetrommel für die Fremdenlegion anzulocken vermag.
Mehr alS genug hat Deutschland für diese Söldnertruppe geblutet, die 1870 an der Loire gegen unS gejährt worden ist und jetzt helsen soll, Marokko unter französische Herrschaft zu bringen. Man könnte brinahe versucht sein, die Legion eine deutsche Truppe zu nennen: denn die meisten Fremden- legionäre find von jeher Deutsche gewesen. Die Behauptung, daß daS deutsche Volk 1870 durch die Fremdenlegion, bat Kanonensutter für die sranzösischen Kolonien, mehr Deutsch« verloren hat alS im damaligen Kriege, erscheint kaum zu kühn, wenn man bedenkt, wie unheimlich, wie unverhältnismäßig groß die Verluste in diesen LandSknechtSregimentern sind. Nach zuverlässiger französischer Berechnung gab eS zum Beispiel in den Jahren 1896/97 in der Legion neben nur 1805 Franzosen nicht weniger alS 5146 Deutsche; außerdem 1712 Belgier, 975 Schweizer, 353 Oesterreich», 81 Spanier, 56 Engländer und 46 Türken. Die reichliche Hälfte der Deutschen stammte auS Elsaß-Lothringen. Drei Viertel davon gehen auf dem Schlachtjelde und an Krankheiten, unter denen die GeisteSgestörtheit eine der ersten Stellen einnimmt, zu Grunde. Um die Fortdauer einer solchen Truppe zu ermöglichen, unterhält Frankreich 1500 Werber, die daS elende Handwerk Menschenware so billig wie möglich anzulocken, in schmäh-
nicht in daS benachbarte Dörfchen zu gehen, so schlug er doch immer wieder den altgewohnten Weg ein.
Gewöhnlich macht« er auch in Bertha- Hause einen kleinen Besuch. Gar still und traurig sah eS dort auf; drei geliebte Wesen — denn Martha hatte sozusagen zur Familie gehört — warrn auf einmal geschieden, und B«rtha und Emma verbrachten manche lange Stunde unter bitterm Tränen.
Zwischen den drei jungen Männern hatt« sich ein wahrer, inniger FreundschaftSbund gebildet.
„Die Preußen haben zwar mein Landhaus niedergebrannt," sagte einst Gustav zu Roser, „aber Sie, der Sie auch ein Preuße.... ach, Verzeihung, ein Deutscher sind, haben mir daS Leben gerettet durch ihre treue Pflege. Und ein Leben ohne Landhau- ist doch noch mehr wert all ein Landhaus ohne daS Leben, und niemals werde ich vergessen, waS ich Ihnen schulde I"
Gustav war auch aus viele von seinen Land-leuten rucht gut zu sprechen. Er hatte in der letzten Zeit zu viel Gelegenheit gehabt, die Schattenseiten deS französischen Charakters und manchen im Volke tief eingewurzelten Fehler kennen zu lernen, und besonders während deS Rückzüge- einige persönliche Erfahrungen gemacht, die ihm große Bitterkeit einflößten. AlS sein Pserd umfant und er bewußtlos an der Straße im Schnee lag, ließ man ihn Stunden lang liegen, ohne ihm eine rettende Hand zu bieten. Endlich ließen sich einige Soldaten, die sich einen Wagen verschafft hatten, durch einen ihrer Kameraden bewegen, ihm ein Plätzchen zu gewähren, aber all sein Gepäck war verschwunden. An der Schweizer- grenze angekommen, gab ihm ein GlaS Wein und ein Stück Brot die Kraft, sich bi- nach Orbe zu schleppen, wo er ohn» mächtig zusammenbrach. —
Zum großen Leidwesen der Franzosen kamen dann im März die traurigen, düsteren Nachrichten von der Pariser Kommune. AlS die Regierung endlich kräftig vorschr«iten wollt« und eine Armee bildete, die gegen die Aufrührer int Felde rücken sollte, da hielt eS Herr von Saint-Loup alS tapferer Offizier nicht länger in Montcherand auf, obgleich er noch bet Ruhe bedurft hätte. Er eilte nach 8erfaiCei