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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 14.

Sonnabend, den 1. Februar

1913.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Polizei-Verordnung.

Aus Grund Der §§ 5, 6 und 7 der Verordnung vom 20. September 1867 übet die Polizeiverwaltung in den neu» erworbenen LandeSteilen wird mit Zustimmung der Gemeinde- Vertretung für den Gemeindebezirk Untergeis folgende Polizeiverordnung erlassen:

8 1.

DaS Hemmen ohne Hemmschraube an Fuhrwerken ist auf sämtlichen Fahrwegen einschließlich der Wendewege (jedoch ausschließlich der ganz steilen Wendewege) in der hiesigen Gemarkung verboten.

8 2.

DaS Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschaften ist verboten.

8 3.

DaS Verunreinigen der Gräben und daS Besahren der­selben an den Wegen außerhalb der vorgesehenen Ucberfahrten ist verboten.

§ 4.

DaS Befahren der Wirtschaft-wege in hiesiger Gemarkung mit Lastfuhrwerken, sowie zum Zwecke der Bewirtfchajtung von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist nur den­jenigen gestattet, die zur Benutzung der WirtschastSwege be­rechtigt sind.

8 5.

Diejenigen Wege, die in dem Rezesse über daS Zusammen- legungSverfahren der hiesigen Gemarkung nicht ausdrücklich als Holzabfuhrwege bestimmt find, dürfen als solche nicht be­nutzt werden.

§ 6.

DaS Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.

§ 7.

Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe von 1 bis 9 Mark oder ent­sprechender Haft bestraft.

Untergeis, den 22. Januar 1913.

Sie ortspolizeibehörde:

Croll.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In die BerichtSwoche fiel der G e b u r t S t a g unseres ge­liebten Kaisers. Hell loderten, wie alljährlich so auch in diesem Jahr, die Flammen patriotischer Begeisterung zum Throne empor. Da daS im Sommer bevorstehende fünfundzwanzig« jährige RegierungSjubiläum Kaiser Wilhelms bereits seine Schatten vorauSwarf, so gestaltete sich die KaisergeburtStagS- feier diesmal noch großartiger, noch machtvoller, noch Herz- erhebender als zuvor. Inniger Dank, sür da-, war unser Kaiser in dem hinter unS liegenden fünfundzwanzig Jahren seinem Vaterlande geleistet hat und waS er seinem Volke gewesen ist, bildete den Grundton der millionenfachen Reden und Feiern. In allen diesen Kundgebungen aber macht sich neben den Gefühlen persönlicher Liebe und Anhänglichkeit zugleich auch die Erkenntnis geltend, daß Deutschlands Zukunft nur in der Monarchie fest und sicher verankert ist, und darin liegt der tiefere politische Sinn der KaisergeburtStagSfeier, den wir allen antimonarchischen Elementen gegenüber mit Nachdruck betonen und mit Energie festhalten wollen.

In einer halbamtlichen Erklärung ist nunmehr von der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" angekündigt worden, daß wir eine neue Militärvorlage noch in dieser Tagung d.S Reichstages bestimmt zu erwarten haben. DaS Regierungs­blatt sieht zwar von genauen Angaben ab, da etc Vorarbeiten noch nicht abgeschlossen seien, deutet aber in ihrer ganzen Fassung darauf hin, daß die angekündigte Borlage einen größeren Umfang haben wird und daß durchgreifende Maß­nahmen zur Befriedigung der in unserem Heerwesen zutage getretenen Mehrbedürfnifse geplant find. Diese Tatsache ist naturgemäß von allen patriotischen VolkSkreisen, die davon überzeugt find, daß gerade mit Rücksicht auf den Ernst der gegenwärtigen Lage aller getan werden muß. um unser Heer aus der Höbe der ihm möglicherweise erwachsenden Aufgaben zu halten, mit freudiger Genugtuung ausgenommen worden.

In Frankreich ist, wir vorauSzusehen war, die Wahl PoincarsS zum Präsidenten mit einem Kabinett-wechsel verknüpft gewesen. Die Bildung deS neuen Kabinett- wurde von dem bisherigen Justiz minister im Ministerium PoincarS, Aristid < Briand, vollzogen. Briand übernimmt damit

zum dritten Mal in seiner polnischen Laufbahn daS Amt deS Ministerpräsidenten. Schon die Berufung BriandS an die Spitze deS neuen Kabinetts deutet darauf hin, daß wir mit einer Fortsetzung der Poincaisjchen Politik zu rechnen haben. Der neue Ministerpräsident verfolgt daS Ziel einer nationalen SammlungSpolitik und hat sich die Versöhnung und den AuSgleich der Gegensätze innerhalb der republikanischen Parteien, wie solche insbesondere bei der Präsidentenwahl zutage getreten sind, zur Ausgabe gemacht. DaS Ministerium Briand hat auch bereits in der Kammer ein Vertrauensvotum erhalten. Gegner waren nur die Sozialisten und die Anhänger von CombeS.

Die Thronrede, mit welcher der schwedische Reichstag eröffnet wurde, kündigt eine Reihe wichtiger gesetzgeberischer Maßnahmen an, so unter anderem die Ein- führung einer allgemeinen staatlichen Altersversicherung. Man ersieht auch hieraus wieder, wie die deutsche Sozial­versicherung Schule macht und allmählich alle Länder zur Nachfolge nötigt.

Irr N-it rief, Bai alle, alt lernen.

Zur Erinnerung an den Völkerfrühling 1813.

Der Brand von Moskau 1812 sollte die Morgenröte für die Freiheit deS preußischen und deutschen Volke- werden. Bis hierher und nicht weiter!" hatte Gott dem gefürchteten Eroberer Napoleon I. zugerufen, als fein stolzes Heer in den Schneefeldern Rußlands den Untergang fand. Die Völker aber hatten diese Sprache Gölte- verstanden und sich ermannt, daS Joch Napoleon- abzuschütteln. Dem preußischen Volke, dem hart gedrückten und schwer geprüsKn, gebührt die Ehre, allen mit opferwilliger Gesinnung und mit mutigem Selbstvertrauen in dem heiligen Befreiungskämpfe vorangegangen zu sein, Wenn nun die nächsten Tage die Erinnerung an jene große Zeit vor nunmehr hundert Jahren in unS wachrufen, so mögen die nachfolgenden Zeilen dazu beitragen, unser He»z zu erheben, an dem herrlichen Beispiel, daS unS unsere Väter in jenen Früh­lingstagen deS JahreS 1813 gegeben haben, und jung und alt begeistern, wenn eS not ist, so wie jene Gut und Blut für daS Vaterland zu opfern.

Bei dem HilfSheer, daß der König Friedrich Wilhelm III. von Preußen dem französischen Kaiser gegen die Russen stellen mußte, stand auch der General von Jorck, ein Waffengesährte BlücherS auS dem Jahre 1807. Dieser sührte zuerst nur einen Teil der preußischen HilsStruppen, erhielt dann ober den Über- besehl über daS ganze HilfSkorpS, daS einen Teil deS franzö­sischen Heere- unter Macdonald bildete. Dieses drang aus Napoleons Befehl in die russischen Ostseeprovinzen ein, mußte aber, alS die Kunde von dem Rückzüge und dem schrecklichen Untergänge der französischen Hauptarmee ankam, sich nach der preußischen Grenze zurückziehen. Nur mit Widerstreben und innerer Erbitterung waien die Preußen dem Kaiser der Fran­zosen gefolgt. Am liebsten hätten sie aus Seiten der Russen gestanden und ihre Waffen gegen die verhaßten Franzosen gekehrt. Auch ihr Feldherr, der General von Jorck, teilte diese Stimmung, und als der rusische General von Diebitsch ihm dringende Anerbietungen eines Bündnisses machte, faßte er den großen Entschluß und trat von dem Kriege gegen die Russen zurück. Er schloß mit dirsen am 30. Dezember 1812 in der Poscheruner Mühle bei Tauroggen eine Konveption, durch welche er sich verpflichtete, mit seinen Preußen die Feindselig­keiten gegen die Russen einzustellen und den Franzosen seine Unterstützung zu entziehen. Dadurch aber wurde eS den Russen nun leicht möglich, in Ostpreußen einzudringen, daS die Fran­zosen infolge von JorckS Abfall räumen mußten. Jorck hatte durch den Abschluß jener Konvention eine schwere Verantwor­tung auf sich genommen, da er diesen Schritt, ohne die Zu­stimmung seines KönigS abzuwarten, getan hatte. In einem ehrfurchtsvollen Schreiben an den König fuchte er sich wegen seiner eigenmächtigen Handeln- zu entschuldigen. Die Schluß­worte desselben lauten:Ew. Majestät lege ich willig meinen Kopf zu Füßen, wenn ich gefehlt haben sollte; ich würde mit der freudigen Beruhigung sterben, wenigsten- nicht al- treuer Untertan und wahrer Preuße gefehlt zu haben. Jetzt oder nie ist der Zeitpunkt, wo Ew. Majestät sich von den übermütigen Forderungen eines Verbündeten loSsagen können, dessen Pläne mit Preußen in ein mit Recht besorgniserregendes Dunkel gehüllt waren, wenn daS Glück ihm treu geblieben wäre. Diese Ansicht hat mich geleitet; gebe der Himmel, daß sie zum Heile deS Vaterlands führt."

Der König Friedrich Wilhelm III., welcher in Berlin noch von Feinden umgeben war, mußte die Handlung Jorck- miß­billigen und, um Napoleon zu flieden zu stellen, JorckS Ab­setzung auSsprechen. Allein die Ruffen ließen den Offizier, der Jorck die Königliche Order überbringen sollte, nicht durch, und so blieb Jorck aus seinem Posten.

Die Russen rückten nun in der Provinz Preußen ein und wurden von den Bewohnern derselben überall mit Jubel em­pfangen. Alle wünschten, daß eS jetzt gegen die Franzosen ginge. Die Stände der Provinz Preußen traten zusammen, um über die Krieg-rüstung derselben zu beraten, und sie beschlossen, alle Kräfte deS Lande- zum Kampfe bereit zu machen und da- ganze Volk zu den Waffen zu rufen. Neben einer Landwehr

von 20 000 Mann sollte ein Kavallerieregiment von 700 Frei­willigen gebildet werden, die sich selbst auSzurüsten hatten. Alle Streitmittel aber wurden in die Hände deS GemralS von Jorck gelegt, der als Gouverneur der Provinz die höchste militärische Macht in derselben besaß. Bald sollte da- ganze Land durch deS KönigS eigenen Entichluß Gelegenheit erhalten, gleiche Opferfreudigkeit zu beweisen.

Am 22. Januar 1813 war der König Friedrich Wil­helm III. von PotSdam abgereist und hatte BreSlau zu seiner Residenz gewählt. Dem Volke war ein Stein von dem Herzen, alS eS die Abreise deS KönigS und seine glückliche Ankunst in BreSlau erfuhr. Dieser aber, der hier durch keine fran- zösische Besatzung in seinen Handlungen mehr beschränkt war, erließ am 3. Februar einenAufruf an daS Volk," in welchem er aufforderte, sich freiwillig zum Schutze deS Vaterlandes zu bewaffnen. Zwar war battn nicht ausgesprochen, gegen wen die Verteidigung gerichtet sei, aber jedes preußische Herz fühlte eS, daß «S der Befreiung von dem verhaßten französischen Joche gelte. Und wenn der König bei den vielen bitteren Erfahrungen seine- Leben- kaum zu hoffen gewagt hatte, daß der Aufruf eine tiefe Wirkung hervorbringen würde, so sollten seine Erwartungen weit übertroffen werden. Von allen Seiten strömten Jünglinge und Männer herbei und stellten sich mit Flinte und Tornister in die Reihen der Freiwilligen, und in Berlin allein ließen sich 9000 junge Leute in die Liste ein­tragen.

Unterdessen waren auch mit dem russischen Hofe Unter­handlungen angeknüpft worden, und am 28. Februar war zu Kalstch ein Bündnis zwischen Preußen und Rußland zustande gekommen, welche- die Befreiung Deutschland- und Europa- von der Fremdherrschaft zum Zwecke hatte. So war denn bet Äriefl beschlossen, ber 16 ^rg abc- war bet denkwürdige Tag, an welchem die Krieg-erklärung Preußen- an Frankreich er­folgte, ein wichtiger Schritt, der dem Vaterlande Freiheit und Ehre wiederbringen sollte. Am Tage darauf, am 17. März, erließ der König denAufruf an mein Volk," in welchem er alle seine treuen Untertanen aufforderte, ihre Kräfte dem heiligen Kampfe für deS Vaterlandes Freiheit und Ehre zu weihen.Große Opfer werden von allen Ständen gefordert werden," heißt eS in denselben,denn unser Beginnen ist groß und nicht gering die Zahl und die Mittel unserer Feinde. Aber welche Opfer auch von einzelnen gefordert werden mögen, sie wiegen die heiligen Güter nicht aus, für die wir sie hin­geben, sür die wir streiten und siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu sein. ES ist der letzte entscheidende Kampf, den wir bestehen für unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unsern Wohlstand. Keinen andern Ausweg gibt eS, als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang, weil ehrlos der Preuße und der Deutsche nicht zu leben vermag. Allein wir hülfen mit Zu­versicht vertrauen: Gott und unser fester Wille werden unserer gerechten Sache den Sieg verleihen, mit ihm einen sicheren, glorreichen Frieden und die Wiederkehr einer glücklichen Zeit I" Zugleich wurde eine Verordnung im ganzen Reiche erlassen wegen Errichtung einer Landwehr, deren Wahlspruch sein l sollte:Mit Gott für König und Vaterland I" Mit dem­selben Wahlspruch hatte der König einige Tage vorher, am Geburt-tage der edlen Königin Luise (10. März), den Orden deS eisernen KreuzeS gestiftet als Auszeichnung für die Helden deS Befreiungskrieges, um der patriotischen Begeisterung durch das Andenken der teueren Verklärten eine höhere Weihe zu verleihen.

DeS KönigS Ausruf sollte seine Wirkung nicht verfehlen und entflammte in allen die gewaltigste Begeisterung.Der König rief, und alle, alle kamen", daS ist daS erhebende Ge- denkwort jener großen Zeit. WaS nur die Waffen tragen konnte, stellte sich zu dem heiligen FreiheitSkampse: Jünglinge, die kaum dem Knabenalter entwachsen waren, und Männer, deren Haar bereits ergraut war. Der Landmann verließ den Pflug, der Handwerker seine Werkstatt, der Kausmann sein Geschäst. Die Hochschulen lösten sich auf, weil Studierende und Professoren zusammen die Feder mit dem Schwerte ver­tauschten. Der Familienvater verließ Weib und Kind, Vater und Mutter sahen mit Stolz ihre Söhne begeistert zu den Fahnen eilen, und die Braut entließ, wenn auch schweren Herzens, doch gern den Bräutigam in den heiligen Krieg. Alle Unterschiede von arm und reich, vornehm und gering waren vergessen und aufgehoben; die Menschen fühlten eS, sie waren gleich geworden durch das lange Unglück, sie wollten auch gleich sein im Dienst und Gehorsam. Und die, welche nicht die Waffen ergreifen und sich in die Reihen der Kämpfer stellen konnten, wollten auch nicht zurückbleiben und sandten Gaben und opferten Geld und Gut für da- Werk der Be« sreiung. Freudig brächte die Hau-frau ihren Schmuck oder ihr Silbergerät, daS sie durch Zinn oder Eifen erfetzte; Ehe» leute sandten ihre goldenen Trauringe, für welche sie eiserne erhielten mit der Inschrift:Gold gab ich für (&fen 1813", die Kinder brachten ihren Sparpfennig und die Dienstmagd die Ringe auS ihren Ohren, und edle Jungfrauen gab eS, bi; weil sie nicht- andere- halten, wie jene- 16jährige Mädchen namenS Ferdinanbe von Schmettau, ihr lange-, schöne- Haar abschnitten, und den ErlöS dem Bat^rlande darbrachten.

Unvergeßlich wird in der Geschichte unsere- Vaterlandes daS Frühjahr und der Sommer 1813 sein I Wäre auch