85g. Bassermann: Sind dem Herrn Reichskanzler Mitte«, lungen darüber geworden, baß zwischen England, Frankreich und Rußland bestimmte Vereinbarungen über eine Abgrenzung der gegenseitigen Interessensphären in den armenischen, syrischen und "arabischen Gebiet-teilen der Türkei getroffen worden sind, und welche Stellung gedenkt der Herr Reich-kanzler gegenüber solchen Vereinbarungen einzunehmen?
Geheimrat Lebmann: Dem Reichskanzler sind die Gerüchte bekannt, wonach sich mehrere Mächte über die Abgrenzung von Interessensphären in der asiatischen Türkei geeinigt haben sollen. Amtliche Mitteilungen, die die Richtigkeit dieser Ge. rüchte bestätigen, liegen nicht vor. Umgekehrt lassen unzwei- deutige und vertrauenswürdige Erklärungen, die gelegentlich der Meinungsaustausche- zwischen den Großmächten au- Anlaß der BalkankriegeS abgegeben worden sind, daS Vor- handenfein derartiger Vereinbarungen als ausgeschlossen erscheinen.
Abg. Dr. Gradnauer (Soz.) ersucht sodann um Auskunft, ob und inwieweit die angeblich auf amtlichen Jnsormationen beruhenden Zeitung-meldungen der Wahrheit entsprechen, daß die verbündeten Regierungen neue umfassende Militärforderungen auch abgesehen von dem Ausbau der Luftflotte, durchzusühren beabsichtigen? Entspricht eS im besonderen der Wahrheit, daß die Absicht besteht: 1. die MannschaftSstärke der Kompagnien zu erhöhen; 2. dritte Bataillone, soweit sie noch nicht vorhanden find, auszustellen; 3. die Erjatzreserve zur AuS- bildung mit der Waffe einzuberusen; 4. Kavalleriedivisionen schon in der FriedenSzeit auszustellen; 5. selbständige Radsahrer- kompagnien zu bilden; 6. die Artillerie zu vermehren?
Major Hoffmann: Die verantwortlichen Stellen der ReichSregierung sind fich darüber einig, daß unsere Rüstung zu Lande einer Verstärkung bedarf. Doch können über den Umfang der Verstärkung keine Mitteilungen gemacht werden, da der BundeSrat darüber noch nicht Beschluß gefaßt hat.
Danach wurde die zweite Beratung deS Etat- für da- ReichSamt deS Innern fortgesetzt.
Immer noch zum Frieden.
Die Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Frieden-verhandlungen zieht sich hin. DaS ist gut; denn damit verbessern sich die FriedenSauSfichten. Da- neue türkische Ministerium Mahmud Schesket sucht noch einen Minister deS Auswärtigen und wird die Kollektivnote der Mächte erst beantworten, wenn eS einen gefunden hat. Einstweilen haben die neuen Männer erklärt, daß sie zwar Adrianopel nicht obtreten würden, aber weiter über den Frieden verhandeln möchten. Daraus hätten die Delegierten deS BalkanbundeS auf der Londoner Friedenskonferenz schon Anlaß nehmen können, den Abbruch der Verhandlungen zu erklären und den Waffenstillstand zu kündigen. Sie hatten eS vor dem Sturze KiamilS so eilig, der Sache ein Ende zu machen. Jetzt läßt sich schwer ein neuer Bluff ersinnen. Alle Welt sieht, daß auch bei den Siegern Krieg-müdigkeit eingetreten ist, am meisten bei denen, die ein eigener Interesse daran haben, daß Adrianopel bulgarisch wird. Aber auch für die Bulgaren ist der Entschluß, den Knoten mit dem Schwert zu durchhauen, erschwert: Rumänien will nicht länger aus eine Regelung seiner Entschädigungsansprüche warten. Unter diesen Umständen ist wohl die Hoffnung, daß der Tag der Kapitulation von Adrianopel nahe sei, diesmal ehrlich gemeint. In der fidT gaffzürde die durch Hunger der Belagerten, gebotene frei- nicht zu Übergabe der FWngWt h(rj<i^f|/$$^ verletzen. cnSverhandlungen am ehesten wieder in Gang fetzen. — feh-.uer auch wenn sich diese Hoffnung nicht erfüllt, bleibt doch die erfreuliche Tatsache bestehen, daß die Einigkeit der Großmächte gegenüber dem gelungenen jungtürkischen Putsch in Konstantinopel Stich gehalten hat. Zwar senden einige Mächte, England und Italien, Schiffe nach der Befikabai, aber ausdrücklich soll damit kein Druck aus die Entschließungen der Psorte auSgeübt, sondern nur eine Vorsichtsmaßregel für den Fall getroffen werden, daß neue die Fremden gefährdende Unruhen am goldenen Horn entstehen sollten. Ebenso droht der Einigkeit keine Gesahr durch ein angebliches Sonder- abkommen zwischen den Westmächten und Rußland über den asiatischen Besitz der Türkei, von dem in der Presse und in einer Anfrage im Deutschen Reichstage die Rede war. Wie Deutschland mit Ersolg der Flottendemonstration widersprochen hat, so würde eS erst recht irgend welche Pläne zur Austeilung der asiatischen Türkei nicht zulassen können. DaS ist der englischen Regierung bekannt, die ihrerseits gleichfalls den Grundsatz vertritt, daß der Türkei bei der Konsolidierung ihrer asiatischen Herrschaft nicht neuer Schaden zugefügt, sondern geholfen werden soll. Wirkliche Differenzen können und werden
College in Orbe, einem freundlich gelegenen Städtchen am Fuße deS JuragekirgeS, und verheiratete sich dort. Seine von ihm innig geliebte Frau starb aber bald nach der Geburt eines TöchterchenS. Frau Berta war auch zu gleicher Zeit Mutter geworden, hatte aber ihr Kind schon nach wenigen Tagen wieder verloren, und da sie eine ziemlich nahe Verwandte von RoserS Frau war, ließ sie sich leicht bewegen, an deren Kind Mutterstelle zu vertreten.
Schon bald drei Jahre hatte fie die kleine Martha bei sich, die in der frischen Landluft kräftig gedieh. Da ihr bis dahin daS Glück, aufs neue Mutter zu werden, versagt schien, hatte sie ihre ganze Liebe der kleinen Waise zugewandt. Der Vater machte gewöhnlich jeden Tag dem Kinde einen Besuch; von Orbe nach Montcherand sind eS nur zwanzig Minuten. Die Zeit, die Herr Roser bei feinem Töchterchen verbrachte, gab ihm wieder Trost und Kraft zum Leben. Wenn eS dar Wetter erlaubte, so führte er seinen kleinen Liebling hinaus in Feld und Wald, und öfters nahmen auch Frau Berta und Emma an diesen Spaziergänger, teil.
_ ,^i einem solchen Spaziergange hatte daS oben mitgeteilte Gespräch stattgefunden.
In den Dörfern und kleineren Städten gibt eS eine ver- hältmSmäßig große Anzahl von Plaudertaschen, — wobei zedoch nicht gesagt sein soll, daß diese in größeren Städten nicht vorhanden find, nur daß fie hier weniger in den Vordergrund treten. ES konnte daher nicht fehlen, daß über diese Spaziergänge mancherlei gesprochen wurde.
Man wollte bemerken, daß der Lehrer nicht nur seines Kindes wegen so regelmäßig nach Montcherand ging, sondern auch deS hübschen Paare- blauer Augen wegen, wie auch, daß die hübschen Augen mit einem gewissen eigentümlichen «uSdruck oft nach Herrn Roser sahen. Natürlich war eS besonders daS schwächere Geschlecht, daS aller die- bemerkt hatte, und mehr als eine von denen, die so sprachen, wäre gern an Emma- Stelle mit der kleinen Gesellschaft spazieren gegangen; denn Roser hatte wirklich alle-, um den Frauen zu gefallen.
Doch ehe wir weiter erzählen, müssen wir noch einiger andern Personen erwähnen.
sich unter den Mächten noch über die Grenzen deS autonomen Albanien- ergeben, insbesondere über da- Schicksal von Skutari, da- nach österreichisch-ungarischem Wunsch albanisch bleiben, nach russischem Wunsch montenegrinisch werden soll. In den eroberten Gebieten da unten gibt eS aber Au-gleich-möglich- feiten genug, und da- europäische FriedenSbedürfniS hat schon größere Schwierigkeiten überwunden.
Doch noch eine friedliche Einigung?
London, 28. Januar. Heute erhielt sich an der hiesigen Börse mit Bestimmtheit da- Gerücht, daß eine friedliche Einigung zwischen der Türkei und den Balkanverbündeten doch noch zu erwarten sei. Adrianopel soll sich noch wochenlang halt n können. Da Bulgarien aber nicht die Belagerung in daS Frühjahr hinein auSdehnen möchte, insbesondere, da die Männer dann in der Heimat zum Bestellen der Felder gebraucht werden, will eS auf alle Fälle nochmals eine friedliche Einigung versuchen, um den erneuten AuSbruch deS Kriege- zu vermeiden.
Pari-, 28. Januar. Die „Liberte" wirft heute Deutschland ein Doppelspiel in seiner Balkanpolitik vor, indem sie anläßlich der KonzessionSerteilung für die Konstantinopler Untergrundbahn an ein deutsche- Konsortium schreibt: „Der deutsche Botschafter in Konstantinopel begünstigt offenbar die Jungtürken. keine Haltung steht im Wiederspruch mit den in Berlin veröffentlichten offiziösen Nachrichten, die von der Aufrechterhaltung deS AccordeS der Großmächte sprechen. Die deutsche Regierung scheint ein Doppelspiel zu treiben: in Berlin predigt sie die Einigkeit der Großmächte, um Rußland an einer Sonderaktion gegen die Türkei zu hindern, und in Konstantinopel begünstigt sie, wenigsten- moralisch, die Revolution Enver BeiS."
Von der serbischen Grenze.
E e m l i n, 28. Jan. Einige Tage hindurch unternahmen die österreichischen Militärluftschiffe Probeausstiege, wobei fie auch serbische- Gebiet übei flogen. Heute erließ der serbische Kriegsminister eine Verordnung, wonach Luftschiffe, fall- fie serbische- Gebiet berühren, ohne Aufforderung zum Landen angeschossen werden sollen. Läng- deS SaveuserS, wo infolge von Vorstellungen deS österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad, von Ügron, beim Ministerpräsidenten Paschitsch die Minen entfernt worden sind, wurden heute neuerdings in größerer Anzahl Minen gelegt. Der serbische Verein „Narodna obrana“ — Volksverteidigung — dem gegenwärtig nahezu 8000 halbwüchsige Jungen angehören, ist, nach Ableistung deS Fahneneide- nach Adrianopel zur „Verstärkung" der dort liegenden serbischen TrupptN abgegangen.
Entlassung österreichischer Reservisten.
Der LandeSverteidigungSminister Georgi erklärte auf die Anfrage eine- Abgeordneten, daß eS den Regimentskommandeuren freigestellt fei, fünf Prozent der vor Weihnachten ein- berufenen Reservisten vorläufig zu entlassen.
Ami 3n- und Ausland.
Berlin, 29. Januar 1913.
Die Feier deS 54. Geburt-tage- Kaiser Wilhelm- am Berliner Hose wurde am Montag früh durch große- militärische- Wecken im Hose deS ResidenzschlossiS eingeleitet. Dann nahm der Kaiser zunächst die Glückwünsche der kaiserlichen Familie, weiter jene deS engeren Hose-, deS LLMqusrtierS und der Prinzen und Prinzessinnen deS König-hause- entgegen. Deutsche BundeSfürsten und sonstige fürstliche Gäste waren diesmal nicht zum GeburtStagSbesuche beim Kaiser erschienen, hiermit einem von ihm anläßlich der Erkrankung deS Prinzen Adalbert geäußerten Wunsche Rechnung tragend. 3n der elften Vormittagsstunde war Fest- gotteSdienst in der Schloßkapelle, ihm folgte im Weißen Saale deS RefidenzfchlosseS große GratulationSdefiliercour vor dem Kaiser nach, wobei der Reichskanzler v. Bethmann Holl- weg den Anfang machte. Nach der Cour nahm der Kaiser noch die Glückwünsche deS StaatSministeriumS entgegen. Um 12V2 Uhr mittag- wohnte der Monarch, begleitet vom Kronprinzen und von den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und OSkar, der Paroleausgabe im Lichthofe deS Zeughauses bei; die Parole lautete wie immer am 27. Januar: „ES lebe 6. M. der Kaiser und König!" Später fand im Refi- denzschlosie kaiserliche FamilienfrühstückStasel und für daS Gc- solge Marschall-tafel statt. Abends war im königlichen Opernhause Festvorstellung in Anwesenheit der Kaiser- und allen Prinzen und Prinzessinnen. Im Reiche ist die Feier von Kaiser- Geburt-tag auch diesmal in zahlreichen Orten in der üblichen Weise begangen worden, ebenso vielfach von
AlS die deutschen Heere in Frankreich weiter vordrangen, verließen viele französische Familien die vom Feinde besetzten oder bedrohten Gegenden. Hunderte von solchen Familien hatten ihre Zuflucht in der Schweiz gesucht. Eine derselben, eine Familie Dormout oder Dormont von Saint-Loup, wie sich dieselbe nach ihrem bei Nancy gelegenen Landgute nannte, wohnte im Schlosse zu Montcherand. Jener Landgut war daS Erbteil der Frau Dormont, die auS einer altadligen Familie stammte. Frau Dormont war zuerst mit ihrer Tochter gekommen, einem neunzehn- oder zwanzigjährigen Mädchen; später war auch ihr Sohn erschienen, der einige Jahre älter war. Dieser hatte al- Reiteroffizier an der Schlacht bei Wörth teilgenommen, war dort schwer verwundet aus dem Schlachtselde liegen geblieben, bis er von Deutschen ausge» hoben und verbunden wurde. Hieraus wurde er nach Karlsruhe transportiert und dort so gut verpflegt, daß er, obschon ihm der rechte Fuß abgenommerr werden mußte, doch mit dem Leben davonkam. AIS man erfuhr, daß feine Mutter ihren Aufenthalt in der Schweiz genommen hatte, durfte er, sobald sein Gesundheitszustand die Reise erlaubte, sich zu ihr begeben.
Noch zwei ältere Ehepaare, die aber mehr oder minder kränklich waren und bald für die oben genannte alte Wahrsagerin eine einträgliche Kundschaft wurden, hatten sich nach Montcherand geflüchtet.
AlS Landsleute hatten sich die verschiedenen französischen Familien ausgesucht, aber au- verschiedenen Ursachen hatte sich kein intimer Verkehr zwischen ihnen gebildet. So sühlte sich Herr Dormont oft ein wenig einsam und war recht froh, alS einst Herr Emil Reymond, der Besitzer deS Schlosse-, ihm mitteilte, daß Herr Roser, den er im Vorbeigehen schon oft bemerkt hatte, ein guter Musiker und besonder- ein tüchtiger Klavierspieler fei. Da Karl Dormont ein leidenschaftlicher Violinspieler war, so wurde alSbald bei dem Lehrer angesragt, ob er nicht hier und da mit Herrn Dormont musizieren wolle. Bon der Nationalität der Herrn Roser war dabei nicht die Rede; wenn die Familie Dormont gewußt hätte, daß er ein Deutscher war, würde er höchstwahrscheinlich nicht eingeladen worden sein.
den Deutschen im AuSlande. Von den ungemein zahlreichen Auszeichnungen, Beförderungen usw., welche der Kaiser anläßlich seines Geburtstage- verfügte, ist die Ernennung der Kronprinzen Wilhelm zum Obersten hervorzuheben.
j Wie verlautet, ist da- preußische KriegSministerium mit Vorschlägen, die ein neue- System von Luftschiff- Hallen betreffen, beschäftigt. ES handelt sich um sogenannte Rundhallen, die in der Erde liegen. Diese bieten den jetzigen Hallen gegenüber den bemerkenswerten Vorteil, daß sie vom Feinde ungleich schwerer erkannt werden alS die Hochbauhallen. Sodann sind sie auch erheblich billiger und endlich vollzieht sich die Ein- und Ausfahrt bei jeder Windstärke und in jeder beliebigen Richtung durch einsacheS Heben und Senken deS Luftschiffes, und zwar in viel gefahrloserer Weise als bei den jetzigen Hochbauhallen. Eine Entscheidung über die Errichtung derartiger Hallen ist jedoch noch nicht getroffen worden.
Die Budgetkommission deS Reichstages hat in ihrer gestrigen Vormittagssitzung gegen 12 Stimmen die Ostmarkenzulage für die ReichSpost- und Telegraphen. Verwaltung gestrichen. Ein Antrag deS Reserenten, die Titel Unterstützungen für höhere und mittlere Beamte und außerordentliche Unterstützungen für Kanzlei- und Unterbeamte entsprechend zu erhöhen, wurde mit der gleichen Mehrheit abgelehnt. Ein Antrag deS Zentrums, Unterbeamten mit weniger alS 1500 Mk. Gehalt für daS dritte und jedes folgende eheliche Kind unter 18 Jahren eine Zulage von je 100 1 k. zu gewähren, wurde zurückgezogen und dafür eine Refolution angenommen, in der der Reichskanzler ersucht wird, Kinder- zulagen für Reichsbeamte einzusühren. Eine weitere national- l'berale Resolution, nach der den unteren und mittleren Beamten, die mit höheren Steuern belastet sind alS in Preußen, ein AuSgleichsumme gewährt werden soll, wurde abgelehnt.
AuS PariS, 28. Januar, wird gemeldet: General L i a u t e y hatte durch Brulard eine starke, auS fünf Bataillonen bestehende, reichlich mit Artillerie auSgestattete Kolonne bilden lassen, um die AnfluS zu züchtigen, die sich bei den Angriffen auf die Kolonne Massoutier hervorgetan hatten, die seinerzeit rine Woche lang in Dar ei Kaid belagert worden war. Nach sechslägigen, anstrengenden und von Kämpsen ausgefüllten Mäischen gelangte die Kolonne nach der KaSbah der AnfluS. Am 25. Januar morgen- fand der Sturm statt, der, wie bereits gemeldet, mit der gänzlichen Niederlage und Flucht deS Gegners endete. Die Franzosen verloren drei Tote, darunter einen noch nicht mit Namen genannten Major, und 15 Verwundete. Die Marokkaner sollen angeblich süns- hundert Mann an Toten auf dem Platze gelassen haben. Während deS Marsches hatten die Franzosen bereits sechs weitere Tote und einige dreißig Verwundete verloren. Große Vorräte an Getreide, Waffen und Munition fielen in die Hände der Sieger, die die ganze stark befestigte KaSbah dann mit Dynamit in die Luft sprengten. ES waren zu dem Zwecke nicht weniger alS vierhundert Kilo Dynamit mitgenommen worden. Die Leichen der gefallenen Franzosen und eingeborenen Schützen wurden nach Mogador zurückgebracht und dort mit militärischen Ehren bestattet.
DaS Blatt Sera meldet auS TripoliS: Räuberische Araber übe,fielen die Oase Gerid und raubten Vieh. Eine Schwadron Kavallerie deS Regiments Lucca verfolgte sie, tötete drei Araber und nahm ihnen daS geraubte Vieh wieder ab. Während der Rückkehr wurden die Soldaten nochmals mit einer starken Araberbande in ein Gesicht verwickelt, wobei sieben Araber fielen. Die Italiener hatten nur einen Leichtverwundeten. Aus ihrer Seite sümpften außer dem Sohn deS KaidS von Zuara mehrere arabische Notobeln.
H«t Provinz x. Nackdargediel.
* (Zur Ersatzpflicht der ReichSpost.) Eine wichtige Entscheidung betreffend die Ersotzpflicht der ReichSpost ist seitens deS ReichrpostamtS gesällt worden. Durch die Schuld der Post war ein PostanweisungSbetrag mit einer größeren Verzögerung auSgezahlt worden. Dem Absender war durch diese Verzögerung ein unmittelbarer Schaden entstanden. Obwohl erwiesen war, daß die Verzögerung durch die Post verursacht war, hat die ReichSpostverwaltung die Erstattung deS SchedenS abgelehnt mit der Begründung, daß die Bestellung eines Geldbetrages an eine bestimmte Frist nicht gebunden sei.
):( Hersfeld, 29. Januar. Den ländlichen Gemeinde- kassen in Kurhessen flossen im Jahre 1912 insgesamt 271 943,54 Mk. gegen 269 160,37 Mk. im Jahre 1911 auS dem Verkaus deS Gemeindeobstes zu. Von den Gemeinden des Kreises HerSseld wurden insgesamt 5080,80 Mk. gegen 3394,88 Mk, im Vorjahre vereinnahmt.
Der Lehrer sagte gern zu, und von da ab wurde jede Woche zwei- oder dreimal im Schlosse musiziert. Anfangs waren die beiden Herren allein, später kamen oft auch die Damen Dormont und hörten zu.
Nach kurzer Zeit hatte sich ein ziemlich enger Verkehr zwischen den verschiedenen Personen gebildet. Herr Roser brächte dem armen Invaliden Bücher mit, die dieser, der biS dahin ein Leben geführt, wie eS die meisten jungen Offiziere führen, und der sich gar wenig um die Literatur bekümmert hatte, mit umso größerem Interesse laS, als ihm alles fast ganz neu war. Diese Bücher wurden dann zwischen den beiden jungen Männern der Gegenstand einer recht lebhaften Gedankenaustausche-.
Herr Roser wurde einmal eingeladen, zum Tee zu bleiben. Obgleich er im G, spräche mit feinem Gefühle alles vermied, waS feinen französischen Gastfreunden hätte wehtun können, so kam doch eine Gelegenheit, bei der er nicht umhinkonnte auSzusprechen, daß er ein Deutscher sei.
Stumm und bleich sahen die Damen einander an, finstere Falten bildeten sich aus der Stirn deS ehemaligen französischen Offizier-. Nach einem Augenblicke aber verschwanden die Falten wieder, und Herr Dormont reichte dem Deutschen die Hand.
„Den Einzelnen kann ich nicht hassen," sagte er, „wenn sich auch unsere Völker alS Todfeinde gegenüber fitzen . . . . Und außerdem," fügte er hinzu, indem er sich an feine Mutter wandte, „sind die Deutschen nicht so schlimm. Habe ich hnen auch mein Bein lassen müssen, so verdanke ich doch ihrer Pflege die Erhaltung meine- Leben-." (Forts, folgt.)
— (Sehn Sie, da- ist ein Geschäft!) Der Berliner Schauspieler Alfred Abel ist soeben von einer Filmgesellschaft gegen eine JahreSgage von 50000 Mk. und 10 Proz. vom Umsatz verpflichtet worden. Allerdings erscheint diese Summe noch „ärmlich" gegen daS Jahreseinkommen der Pariser KinoschauspielerS Max Linder, da- aus über eine halbe Million beziffert wird.