lassen muß. Am weitesten in der Begünstigung Griechenlands scheint Frankreich neben Rußland zu gehen, daS unter dem nunmehr zum Präsidenten der Republik gewählten Minister- Präsidenten und Minister deS Auswärtigen Poincms eine ziemlich schroffe Abkehr von seiner früheren Türkenfreundschast vollzogen hat. Um so bedenklicher ist man, waS der Ueber- gang aller von Hellenen bewohnten Inseln deS Aegäischen MeereS an Griechenland betrifft, in Italien. Wir glauben trotzdem, daß sich ein Ausgleich finden wird und die Einigkeit der Großmächte erhalten bleibt. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit der deutschen und der englischen Politik hat sich bisher so gut bewährt, daß man annehmen darf, ein Zersall Europa- in zwei große Gruppen werde auch in Zukunft vermieden werden trotz aller Schwierigkeiten, deren die Liquidierung deS Völkerstreits im Südosten unseres Erdteils voll ist.
Die Antwort der Pforte
auf die ihr am Freitag überreichte Ermahnung-note der Großmächte ist zwar noch nicht übergeben worden, doch wird nach den gestrigen Beschlüssen deS türkischen MinisterrateS bekannt, daß im Kardinalpunkt, der Abtretung von Adrianopel, der Bescheid negativ lauten wird.
K o n st a n t i n o p e l, 18. Januar. Die Antwort auf die Note der Großmächte wurde heute im Ministerium deS Aeußern fertiggestellt und dem Ministerrat unterbreitet. Sie lautet folgendermaßen: „Von ethnographischem Standpunkte auS sind die Bulgaren im Wilajet Adrianopel in Minderheit, nicht nur zu den Mohammedanern, sondern auch zu den übrigen Christen. Adrianopel hat sich bisher gehalten und wird sich weiter halten. Seine Aufgabe würde daS Kalifat schwer schädigen, weil sich dort heilige Gräber befinden. Ferner ist eS der Schlüssel zur Hauptstadt. Seine Aufgabe gesährdet die Existenz de- ganzen Reiche-. AuS diesen Gründen kann Adrianopel nicht abgetreten werden. Die Pforte bittet die Großmächte eine ähnliche Demarche, wie bei ihr, bei den Balkanstaaten zu unternehmen, um, ohne die Existenz de- Reiche- zu gefährden, eine Basis für eine Verständigung zu finden, da die Pforte eine Einigung ehrlich wünscht. Sie ist selbst zu neuen Opfern bereit, um zu diesem Ziele zu gelangen. Bezüglich der Inseln können diejenigen an der asiatischen Küste keinesfalls abgetreten werden, dagegen ist man bereit, über die anderen zu verhandeln." An Stelle Adrianopel- wird vielleicht Zumuldschina zur Abtretung von den Türken vorgeschlagen werden. Ueber die Note wird heute verhandelt. Sie wird keine-sallS vor Dienstag überreicht werden, da man von den Botschaftern, die angewiesen wurden, die Mächte zu sondieren, Nachricht erwartet.
Eine griechisch-türkische Seeschlacht.
Athen, 19. Januar. Von griechischer Seite wird amtlich mitgeteilt, daß die türkische Flotte die Dardanellen verlassen hat und von der griechischen Flotte zum Kamps gezwungen worden ist, wobei die türkische Flotte fast vernichtet sein soll.
In der Wiener türkischen Botschaft wird die Wahrheit dieser Meldung bestritten, man sagt, daß die griechische Flotte nur über ein einzige? größere- Panzerschiff verfüge, den „GeorgioS Averoff" und, daß daS türkische Geschützmaterial überlegen sei. In österreichischen Marinekreisen hält man eS dagegen sür möglich, daß die mit großer Bestimmtheit abgegebene griechische Erklärung zutrifft. Da die türkische Flotte ohne den Panzerkreuzer „Medjidie", der von seiner Beschießung von Syra noch nicht zurückgekehrt ist, g<schwächt ist, und die AuSsahrt au- den Dardanellen vielleicht schon deshalb gemacht worden ist, um den vermißten Kreuzer zu suchen, ist die Niederlage sehr wohl möglich. Die Schlacht soll in der Nähe von TenedoS und LemnoS stattgefunden haben.
Die griechischen Nachrichten über den Sieg haben ganz Athen in Jubel versetzt. AlS gestern Morgen die ersten Nachrichten vom Beginne der Seeschlacht eintrafen, versammelten sich alle Minister im Marineministerium, um dort weitere Meldungen abzuwarten. Eine stündlich wachsende Menschenmenge harrte vor dem Gebände und bejubelte jede eintreffende SiegeSnachricht. Am Nachmittag konnte Marineminister StrateS bekannt geben, daß die türkische Flotte sich fluchtartig in die Dardanellen zurückgezogen habe. Der Jubel war unbeschreiblich; daS Volk veranstaltete Festzüge und brach immer wieder in Hochrufe auf den König und auf die Flotte aus. Nach dem drahtlosen Bericht hat sich die Seeschlacht folgendermaßen abgespielt:
„Im Lause der Nacht hatte der türkische Kreuzer „Hamidie" in Begleitung eines Torpedobootszerstörers eine Erkundung?» fahrt bi? TenedoS gemacht. Da er unbehelligt geblieben war, nahm die türkische Flotte wahrscheinlich an, daß die griechische Flotte hinter dem Kreuzer „Medjidie" her sei, der seit einigen Tagen die von den Griechen des tzten Inseln be»
Den ganzen Tag hatte er geplant und überlegt, aber nur wenig gesprochen.
Er schien, als ob er gar nicht bemerke, wer in seinem Schlasgemach auS- und eingehe.
Auf dem Tischchen an seiner Seite lagen Bücher und Zeitungen aufgehäuft, doch seit Stunden hatte seine Hand dieselben nicht berührt. Dem Schwerkranken sind die Tagesereignisse, die politischen Vorgänge ziemlich ferngerückt, für ihn ist die Welt in seinen vier Mauern eingeschlosien. Aus Sir ElliotS Wunsch brannte ein behagliches Feuer im Kamine, obschon die Abende noch ziemlich warm waren. Der Schein der Flamme huschte über die gemalte Decke und den kostbaren Smyrnateppich, der den Boden bedeckte.
„Jfa!" rief der Kranke.
Offenbar war sie nicht im Zimmer anwesend, denn sonst hätte Großvater- Stimme, so schwach sie auch klang, ihr Ohr erreichen müssen. Der alte Herr berührte die Klingel auf sernem Trschchen. Augenblicklich öffnete sich die Tür am entferntesten Ende deS langen Gemach-, und mit den raschen, ^räuschlosen Schritten eine- wohlgeschulten Diener- eilte Robert? herbei.
„Sagen Sie Fräulein Jsa und auch Herrn Lionel, daß ich mit ihnen zu sprechen wünsche."
„Sogleich, Sir Elliot."
Geräuschlos wie er gekommen, entfernte sich der Mann und der Kranke lehnte sich schwer in seine Kissen zurück.
„Ja, ich bin froh, daß ich meinen Entschluß gefaßt habe, murmelte er halblaut vor sich hin. „Wenn alle- geordnet ist, werde ich ruhiger sein.
„Du verlangtest nach mir, lieber Großvater," sagte Jsa, die leffe rmgrtreten war, und fast im gleichen Momente erschien auch Lionel aus der anderen Seite der Kranken. Sie warfen einander einen flüchtigen Blick zu über den Kops der alten Manne- hinweg, der jetzt da- einzige Band zwischen ihnen bildete — ein Band der Liebe und Dankbarkeit sür beide, obschon die eine seine nächste Verwandte, der andere nur ein Fremder war, der sich wie ein Dieb in der Nacht über seine Schwelle geschlichen.
unruhigte. Am Morgen lies daher die gesamte türkische Flotte nach TimbroS aus. Sie bestand au- den Panzerkreuzern „Heireddin Barbarossa," „Torghut Reis," „Medsudie," „Haflan Towfik" und dem Kreuzer „Hamidie," sowie au- 16 Torpedobooten. 20 Meilen nordwestlich von TenedoS stellte sich die griechische Flotte unter Admiral UndoriotiS dieser türkischen Seemacht unerwartet entgegen. Die griechische Flotte bestand auS drei Kreuzern und acht Torpedobootszerstörern. In kurzer Zeit entwickelte sich nun eine regelrechte Seeschlacht, die von 11 Uhr vormittags bis drei Uhr nachmittags dauerte. Dann ergriff die türkische Flotte die Flucht; „Heireddin Barbarossa" und „Torghut ReiS, die dem Feuer besonders auSgefetzt waren, schöpften aus der Rückfahrt Wasser auf Steuerbord. „Medsudie" und „Hamidie" waren schon gleich zu Anfang der Schlacht kampfunfähig geworden. Die griechische Flotte verfolgte den Feind bis an den Eingang der Dardanellen, suhr jedoch nicht in diese hinein, da die DardanellensortS ein heftiges Feuer gegen sie eröffneten."
AuS dem PiräuS wird ferner gemeldet, daß dort Vorkehrungen getroffen sind, um einen etwaigen Ueber fad durch den umherstreifenden Kreuzer „Hamidie" zu begegnen.
Sollte sich diese griechische Siegesmeldung in vollem Umfange bestätigen, so würbe die Pforte dadurch gezwungen werden, die Forderungen der Verbündeten zu ersüllen, besonders aber auch Adrianopel abzutreten. Immerhin bleibt jedoch eine genaue Bestätigung diese- Siege- abzuwarten, man wird auch die türkischen Berichte hören müssen, um sich ein genaues Urteil bilden zu können.
Abgeordnetenhaus.
Der NachtragSetat gab am Sonnabend dem Abg. Ströbel (Sozd.) noch einmal Veranlassung, an der allgemeinen Finanzpolitik der Regierung Kritik zu üben. Der AuSgleichSfondS hat eS ihm angetan, auS dem jetzt 60 Millionen zum Ausbau deS Eisenbahnnetzes in den verkehrSüberlasteten Gebieten entnommen werden sollen. Auf Antrag deS Fortschritt!«- Dr. Pachnicke wird der ganze NachtragSetat ohne weitere Debatte in zweiter und dritter Lesung angenommen. Außer den Forderungen sür Eisenbahnen ist damit noch eine Reihe von Unterstützungen an Unterbeamte bewilligt. Nun geht eS an die Fortsetzung der zweiten Lesung deS MoorschutzgesetzeS. Sie geht, nachdem man sich über bie wichtigsten Fragen schon gestern ausgesprochen hatte, auch rasch von statten. Trotz deS „Unannehmbar" deS LandwirtschaftSministerS werden die Moorflächen bis zu 5 Hektar angenommen. Auf Antrag Waldstein (Fortschr. VolkSpartei) wird die UebergangSfrist von drei auf sechs Monaten erhöht, ebenso setzt Waldstein die Ausdehnung deS Geltungsbereiches auf die ganze Monarchie durch. Am 1. April diese- JahreS soll daS Gesetz in Kraft treten, wenn eS noch die Klippen der dritten Lesung passiert haben wird. Schließlich kommt daS Hau- noch zur Besprechung der Petition Fritsch und Genossen und zum Anträge Dr. ArendS, der sich bereits mit der Kreditnot beschäftigt. Dr. Grüger (Fortschr. VolkSp.) behandelt die Materie sehr eingehend, wobei er sich besonders der städtischen Verhältnisse annahm. DaS WertzuwachSsteuergesetz, meinte er, sei ein Schlag inS Wasser gewesen. DaS vielumstrittene HauSbe- sitzerprivileg in den Stadtparlamenten gab er als wertloS für die Hausbesitzer preis. Der Sozialdemokrat Borchardt geißelte die Tariflpekulation und verlangte die Enteigung von Grund und Boden, waS den Grasen Spee zu der Bemerkung veranlaßte, die Bodenreform« feien im Grunde doch Sozialisten, wenn sie eS auch nicht zugeben wollten. Mit der Annahme deS Antrages Arend spricht sich daS HauS für Untersuchungen über die Realkredite auS und erledigt dann in raschem Fluge eine Reihe von Petitionen, darunter eine um Entlastung der Gemeinden von den VolkSschullasten, die dem KommissionS- antrage entsprechend angenommen wurden.
Hhi 3h- und Hutland.
Berlin, den 19. Januar 1913.
Im Rittersaal deS Königlichen Schlosses vollzog am Sonnabend der K a i s e r in Anwesenheit der Fürstlichkeiten und kopitelsähigen Ritter deS Schwarzen AdlerordenS und zahlreicher geladener Gäste die feierliche Aufnahme der neu- ernannten Ritter deS Schwarzen AdlerodenS. Der Kaiser richtete an die Ritter die Frage, ob sie geloben wollten, die Ritterpflichten zu erfüllen, worauf jeder an den Thron herantretend, mit der bloßen Rechten auf dem Statutenbuch erwiderte: Ja, ich gelobe eS! Die Ritter wurden alsdann mit dem Orden-mantel bekleidet. Der Kaiser als OrdenS- großmeister hing den vor dem Thron Knienden die Orden-kette
Warum hatte Sir Elliot sie beide gleichzeitig rufen lassen ? WaS würde sie hören müssen? Eine unbestimmte Angst beklemmte JsaS Herz; Lionel war durch ihre bloße Anwesenheit zu sehr verwirrt, um momentan an etwas anderes zu denken.
„Ihr wundert Euch ohne Zweifel, warum ich Euch zusammen hierher berief," begann Sir Elliot. „Ich wollte eine Bitte an Euch richten, deren Erfüllung, wie ich hoffe, Euch ebenso beglücken wird wie mich selbst. Ich bin ein alter Mann und meine Kraft ist gebrochen — jede Stunde kann meine letzte sein."
„O, Großvater, sprich nicht so!" bat Jsa schmerzbewegt.
„Mein Kind, in GotteS Willen müssen wir unS fügen," fuhr der Kranke fort. „Ich bin ganz vorbereitet auf mein nahe- Ende. Nur eines möchte ich vorher noch sehen — Euere Vermählung. Ich bestürmte den Himmel, daß er mir meinen Enkel sende —" er legte seine Hand zärtlich auf LionelS Arm, und der junge Mann schlug ties beschämt bie Augen nieder, — „und mein Gebet wurde erhört."
„Ich habe", fuhr Sir Elliot nach kurzer Pause fort, „noch den einen Wunsch, Euch, meine lieben Kinder, unverzüglich durch daS Band der Ehe vereinigt zu sehen. Dann kann ich ruhig meine Augen schließen. Jsa, könntest Du bis morgen bereit sein?"
Ein Ausschrei unsäglichen Schreckens entfuhr den bleichen Lippen deS jungen Mädchen?. Lionel schwieg; er hatte schon nach Sir ElliotS ersten Worten erraten, war kommm würde, und sich dagegen zu stählen gesucht.
„Morgen I O, Großvater — daS — ist — unmöglich I"
Sie bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen. WaS sollte sie sagen — waS tun? Wie war der Großvater nur auf diese unglückselige Idee gekommen? Noch wenige Tage und er wäre stark genug gewesen, die Wahrheit zu hören; nun machte dieser unerwartete Vorschlag all ihre Pläne zu nichte.
„Warum unmöglich?" rief der Kranke erregt. „ES be- barf keiner umständlichen Vorbereitungen. Hier im Hause, im großen Salon kann die Trauung stattfinden, ich werde mich hinüber tragen lassen. Jsa, liebe? Kind, Du wirst mir diese Bitte nicht abschlagen?"
Seine zitternde Hand tastete nach der ihrigen und streichelt«
um und erteilte die Accolade. Hierauf begaben sich sämtliche Ritter in feierlichem Zuge, voran die soeben aufgenommenen Ritter, zuletzt der Kaiser, nach dem Kapitelsaal, wo nunmehr der Kaiser alS Großmeister in Gegenwart der 49 Ritter ein Kapitel deS Ordens abhielt. Nach Schluß deS Kapitels be- gab sich der Kaiser an der Spitze deS wiedergebildeten seier- lichen Zuges nach der Schwarzen Adler-Kammer, wo die OrdenSmäntel abgelegt wurden.
Die englische Zeitung „Opinion" schreibt: „Kaiser Wilhelm II. hat beschlossen, im Laufe der Februar eine zweite Fahrt nach Palestina und einen zweiten Pilgerzug nach Jerusalem zu unternehmen. Man kennt noch den tiefen Eindruck, den sein damaliger Ausenthalt im heiligen Lande Hervorries und den seiner Rede auf dem Oelberg. Angesichts der Verhandlungen über Frankreich- Jnterressen im Libanongebiet und in Syrien ist der Reise Wilhelm- II. besondere Bedeutung beizumcsien."
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: DaS Austreten deS Reichstag-abgeordneten Wetterle bei feiner französischen VortragSreise hat in Deutschland überall starke Entrüstung hervorgerufen. Mit Recht wird in der Presse feine verhetzende Tätigkeit alS srevleS Spiel mit dem Frieden zweier Mächte bezeichnet, deren Legierungen um die Erhaltung deS europäischen Friedens bemüht sind und deren überwiegende Mehrheit, wie wir annehmen, auf beiden Seiten von der Ausstachelung chauvinistischer Leidenschaften nicht? wissen will. Der Abgeordnete Wetterle hat in mehr oder weniger faßbaren Aeußerungen getan, al? wartete eine unterdrückte Bevö.kerung auf die Befreiung. Daß da? so verstanden worden ist, und zwar nicht gegen seine Absicht, ergibt sich klar auS den Berichten sranzösischer Zkitungen. Demgegenüber werde e? unerheblich sein, wenn Herr Wetterle nachträglich einen harmloseren Wortlaut seines VortrageS produzierte. Völlig zutreffend hat der Staatssekretär Frhr. Zorn v. Bulach im elsaß-lothringischen Landtag darauf hingewikfen, daß eS nicht auf einen ausgeklügelten Wortlaut, sondern auf den Eindruck und daS gesamte Milieu ankommt. Im deutschen Reichstage ist dem Abgeordneten Wetterle zu verstehen gegeben worden, daß fein Treiben in Frankreich gegen die Ehre, Mitglied deS Reichstag- zu sein, gröblich verstößt. — Strcißburg, 18. Jan. In politischen Kreisen wird mitgeteilt, daß Wetterle beabsichtige, unter gewissen Voraussetzungen sein ReichStagSmandat niederzulegen. Die allgemeine Verurteilung, die sein Verhalten in den Reichslanden und sogar in seinem Wahlkreis RappoldS- weiler gefunden hat, habe ihn zu diesem Schritt veranlaßt.
Die deutsche Regierung hat durch ihren Botschafter V. Schön gestern der französischen Regierung ihre Z u - stimmungzu dem Marokkovertrag vom 30. März 1912 erteilt, der Frankreich daS Protektorat über Marokko zuspricht. Die Zustimmung ist unter gewißen Vorbehalten erfolgt. „Diese Zustimmung", so schreibt der „Exelfior", ist ein Beweis für die entgegenkommende Haltung der deutschen Regierung in der Marokkofrage. Nachdem Deutschland dem Vertrag brigestimmt hat, steht nur noch seine Zustimmung zum französisch-spanischen Marokkovertrag vom November 1912 auS. Die Veröffentlichung dieser Vertrages veranlaßte die deutsche Regierung zu einigen Einwendungen. Man darf hoffen, daß die Erörterung und Annahme deS Vertrages die deutschen Bedenken zerstreut haben wird und daß bald der Uebernahme daS Protektorats keine Bedenken mehr entgegen- stehen werden.
Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundschau: Die Wahl deS bisherigen französischen Ministerpräsidenten und Minister- de? Aeußern Raymond Poincars zum Präsidenten der Republik ist auch in Deutschland mit den achtungsvollen Empfindungen ausgenommen worden, auf die der Vertrauensmann deS französischen Volke- Anspruch hat. Herr Poinca,6 ist in der seit dem Beginn seine- Ministerium- verflossenen Zeit alS ein Staatsmann hervorgetreten, mit dessen Namen sich in Europa und darüber hinaus die Vorstellung eisriger patriotischer Wirksamkeit für die innere wie die äußere Politik Frankreichs verbindet. Zugleich hat er seine Befähigung auch in den Dienst der europäischen FriedenSarbeit zur Entwirrung der Orientfragen gestellt, und die Sympathien, die er sich hierbei zu erwerben wußte, begleiten ihn in die hohe Stellung, die er durch da- Vrrtrauen seiner Mitbürger alS Staatsoberhaupt der französischen Republik erlangt hat.
Die „BreSlauer Zeitung" meldet: Nachdem wiederholt russische Aeroplane nachtS die österreichische Grenze überflogen und sowohl bei Krakau alS bei Prerau mit einem Scheinwerfer daS dortige militärisch stark besetzte und strategisch wichtige Gelände auSzukundschaften versuchten, ordnete bie österreichische Regierung genaue Maß
sie zärtlich. Jsa erhob den Kopf und warf einen flehenden Blick aus Lionel, der so bleich und still neben dem Kamin- simS stand. ES war daS erstemal, daß sie sich gestattete, an feinen Beistand zu appellieren. Ihre Augen sprachen so deutlich, alS ihre Zunge hätte sprechen können: „WaS soll ich tun? Habe Erbarmen mit dem alten Mann, der Dich liebt, und mit mir!"
ES wäre grausam von Lionel gewesen, dieser stummen Bitte wiederstehen zu wollen. War nicht Jsa durch seine Schuld in diese peinliche Lage gekommen? Er hatte ja keinen andern Gedanken, keinen andern Wunsch, alS ihr zu helfen; sein Herz quoll über von Mitleid und Reue.
„Meinen Sie nicht — Großvater, daß dieser Vorschlag etwas plötzlich kommt?" sagte er sonst. „Jsa —" er sprach ihren Namen, besonders in ihrer Gegenwart nur in zögerndem, halb entschuldigendem Tone — „ist natürlich sehr überrascht und aufgeregt darüber. Gewiß ist eine solche Eile nicht notwendig. So Gott will, werden Sie nochlange bei und bleiben. Wollen wir ihr nicht einige Wochen Gnadensrist geben ?"
„Auch Du, Lionel!" rief Sir Elliot auf? höchste gereizt, „Und ich rechnete aus Dich, alS auf einen Verbündeten! Ja, ich glaubte, Deinen Wünschen zuvorzukommen l"
Eine warme Röte färbte LionelS Wangen. Offenbar schwebte ihm ein untzprsichtigeS Wort auf der Zunge, aber er wußte sich zu behenschen. Ruhig und gelassen, um den Kranken nicht noch mehr zu erregen, entgegnete er:
„Wie sehr ich Jfa liebe, brauche ich wohl nicht mehr zu versichern, aber gerade deshalb möchte ich jede Rücksicht auf sie nehmen. Aus alle Fälle müssen wir ihr ein wenig Zeit zur Ueberlegung lassen. ES ist unmöglich, daß heute abend noch etwas geschehe — morgen können wir wieder davon sprechen."
(Fortsetzung folgt.)
— Bern, 19. Januar. Nach einer Meldung deS „Berner Tageblatt" feiert in CognoSco ein Erdarbeiter namenS MaSciorini in voller Rüstigkeit feinen 106. Geburtstag. Seine 6 Kinder find alle noch am Leben. Der älteste Sohn zählt 88 Jahre, der jüngste 80 Jahre. MaSciorini wird wohl der toteste Bewohner der Schweiz fein.