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HinmU war die Feier zu Ende. Bald darauf stattete Konsul tz^ocha-ka dem serbischen Militärkommandanten einen Besuch ab.

Die rumänisch-bulgarischen Verhandlungen.

Viel Wichtigkeit wird hier einer Meldung von Lloy)S Agenten in Sulina in Rumänien beigemessen, der gestern telegraphierte: „Hier wurden heute Anweisungen an die Garnison erlassen, sich aus die Mobilisierung gefaßt zu machen. Trotz aller gegenteiligen Gerüchte haben die Verhandlungen zwischen Rumänien und Bulgarien keine Fortschritte gemacht." AuS Bukarest kommen indessen beruhigende Nachrichten, nach denen eine Mobilisierung nicht geplant sei, da die Verhand­lungen zwischen Rumänien und Bulgarien einen günstigen Verlauf nähmen.

Eine Warnung an den Balkanbund.

Die „Kölnische Zeitung" bringt einen Leitartikel unter der Uebelschrist „Frieden oder Krieg" und erklärt, die Regierungen der Balkanhalbinsel scheinen sich noch nicht genug mit den internationalen Gepflogenheiten vertraut gemacht zu haben. ES liegt aber für die öffentliche Meinung in Europa gar keinen Grund vor, einen Bruch mit dem Herkommen vorzu- nehmen, weil eS den Siegern in dem bisherigen Verlauf bei KriegeS so paßt. Die Verbündeten werden sich mittlerweile wohl überzeugt haben, daß die Mächte zu große eigene und allgemeine Interessen zu wahren haben, alS daß sie sich ein­fach bei der Neuregelung der schwierigen Fragen, die der Entscheidung harren, beiseite schieben ließen. Die Verbündeten können ohne Mitarbeit der Mächte nicht zu dem Ergebnis ge­langen, daS sie wünschen, und tun gut, keine Sympathien zu verscherzen. Jetzt, wo die Mächte wieder in den Vorder­grund getreten sind, braucht man die Hoffnung nicht aufzu- geben, daß die Feindseligkeiten trotz aller bestehenden Hinder- niffe nicht wieder begonnen werden.

Erfolgreicher Handstreich eines türkischen Kreuzers.

A th en, 16. Januar. Dem türkischen Kreuzer „Medschidije" gelang ei in der Nacht, im Nebel unbemerkt die Linie der vor den Dardanellen kreuzenden griechischen Torpedoboots­zerstörer zu durchbrechen. Gestern erschien der Kreuzer vor der Insel Syra und beschoß ohne Resultat daS Pulvermagazin und die Kohlenlager sowie daS ElektrizitätSwerk, daS beschädigt wurde. Der Hasen und die Stadt konnten infolgedessen am Abend nicht beleuchtet werden. Auf den griechischen Hilfs­kreuzer „Makedonia," der sich seit etwa acht Tagen im Hafen befindet, um Reparaturen an seinem Steuerruder vornehmen zu lassen, wurden von dem „Medschidije" fünfzehn Schüsse abgegeben. Da der Kommandant der „Makedonia" befürchtete, daß die Beschießung großen Schaden anrichten würde, ver­senkte er provisorisch daS Schiff im Hafen von Lyra, wo ei am Kai vertäut lag. Die Mannschaft war vorher auSgebootet worden. Sie besetzte die Kai-, um die Ordnung aufrecht» zuerhalten, und verstärkte die Wachmannschaft bei den Ge­fangenen. Der Kreuzer „Medschidije" verließ hieraus Syra und dampfte in der Richtung nach Kleinasien ab. Bei der Beschießung der Kohlenlager wurden ein Mann und eine Frau, die dort arbeiteten, getötet.

Aus In- und Ausland.

Berlin, den 16. Januar 1913.

Der Kaiser hörte heute vormittag im hiesigen Königlichen Schlosse die Vorträge bei Chefs bei Generalstabes der Armee Generals der Infanterie von Moltke und des Chefs bei MilitärkabinettS Generals der Infanterie Freiherrn von Lyncker. Die Kaiserin empfing im hiesigen Königl. Schloß die aus Belgrad zurückgekehrte HilfScxpedition vom Roten Kreuz und ferner drei Aerzte, die vom Roten Kreuz zur Bekämpfung der Infektionskrankheiten nach Belgrad au-reisten.

Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, ist der Gesandte in Darmstadt Freiherr v. Jenisch alS Nachsolger bei Staatssekretärs v. Jagow für den Bot- schasterposten inRom in Aussicht genommen. Frei­herr von Jenisch wurde 1861 in Hamburg geboren. Nach Absolvierung seiner Studien aus verschiedenen Universitäten war er mehrere Jahre in der politischen Abteilung des Aus­wärtigen AmteS in Berlin tätig. Im Jahre 1902 kam er auf die deutsche Gesandtschaft nach Kairo, von wo er nach vierjähriger Tätigkeit alS Gesandter nach Darmstadt berufen wurde. Jenisch gilt als gewandter Diplomat, und ist ein häufiger Reisebegleiter bei Kaiser- gewesen. Er ist verheiratet mit einer Gräfin von Grote.

AuS G r a u d e n z wird gemeldet: Im Danziger Gericht-« gesängniS befindet sich seit Anfang November v. I. der Kontorist Neumann und im Graudenzer MilitärgesSngniS der Jäger Heine vom 4. Jägerregiment zu Pferde, beide unter dem schweren Verdacht der Lande - verrat -. Die Bor- Untersuchung wird von einem Danziger AmtSgerichtSrat im Auftrage des ReichSanwaltS gejährt. Soweit bisher bekannt geworden ist, find die beiden Verhafteten Jugendfreunde. Heine hatte wenig Lust Soldat zu fein und beklagte sich in «riefen an Verwandte über die schlechte Behandlung seitens seiner Vorgesetzten. Die Berliner Kriminalpolizei stellte nun fest, daß Neumann mit dem französischen Botschaster in Berlin in regem Briefverkehr stand. Weiter wurde festgestellt, daß Neumann seine Briese nicht nach seiner Danziger Wohnung in der Frauengasse, sondern postlagernd gehen ließ. Bei Ab- Holung von Briesen aus der genannten Quelle wurde er dann Anfang November verhastet. ES stellte sich nun heraus, daß der Soldat Heine da» Schloß eine- Karabiner- gestohlen hotte, das sein Freund Neumann an Frankreich verlausen wollte.

Verhandlungen waren aber noch nicht zum Abschluß gelangt, alS dre Beschlagnahmung bei Briefwechsel- erfolgte. Die Voruntersuchung gegen die Verhafteten dürfte bald be- endet fein.

3n bet Budgetkommission bei Reich-tage- erklärte bei Beratung über die Ausführung bei Kaliaeiedes Unter. Jantifelretär Richter, daß die Entwickelung bei KaliabsotzeS durchaus befriedigend fei, daß aber auch die Zahl der Werke unablässig steige. Da- Kali-Naturmonopol und die Werke für das Reich zu erwerben, würde nur mit einem Kostenaus. wände von IV2—2 Milliarden Mk. geschehen können. Die« W könnte nur weiter Verfolgt werden, wenn Sicherheit dafür bestehe, daß nicht im AuSlande Kali gefunden werde. Bei der Anordnung über die Verwendung der Propaganda- Ä h°k>-,der BundeSrat feine Befugnisse keineswegs über- schritten. Eine Denkschrift über die Quotenverteilung und die Mängel, die dar Gesetz aufweise, sei in Vorbereitung. Viel- kFcht sei eS auch möglich, noch in dieser Session einen Entwurf über Abänderung bei KaligesetzeS dem Reichstage vorzulegen. Die Kommission wird Vorsorge treffen, daß auf Grund dieser Mitteilung nicht neue Werke gegründet werden und auch die bisherigen Werke sich keine Vorteile daraus machen.

UrberauS scharf griff den britischen Marineminister

Churchill gestern in einer Rede zu PortSmouth Admiral Lord Charles BereSsord an. Er sagte der Erste Lord der Admiralität bedeute eine Gesahr für daS britische Reich. Er sei der Schrecken der Marine, und seine Verwaltung spreche allen britischen Traditionen Hohn. DaS Parlament sei mit Bezug aus ihn in zwei Lager geteilt. Auf der einen Seite hasse man ihn, aus der andern mißtraue man ihm. AlS er fein Amt alS Marineminister angetreten habe, sei man ihm von allen Seiten entgegengekommen, aber in kurzer Zeit habe er eS erreicht, daß alle- sich gegen ihn gewendet habe. Die Offiziere wüßten, daß seiner Willkür und seinem krassen EgoiSmuS nicht zu trauen sei.

Aus Provinz n. nacbbargebiet.

§ Hersfeld, 17. Januar. (Original-Leipziger Quartett- und Konzert-Sänger.) Der humo­ristische Abend, der am Sonntag den 19. d. M. in der Turnhalle stattfinden soll, verspricht bei dem ausgezeichneten Rus der auftretenden Gesellschast daS Beste. Schon der Name Belzer als würdiger Repräsentant der Sängergesellschaft wirkt überall Wunder. Auch unsere Bewohnerschaft ist ja von jeher empfänglich für gute musikalische Unterhaltung nach der gemütlich ungebundenen Art, wie sie von den Leipzigern geboten wird. Im vorigen Jahre war daS Publikum durch die guten Leistungen förmlich überrascht; aber auch diesmal dürfte ein Quodlibet durchweg guter Stimmen, ein Sammelsurium an zündendem Witz und drastischer DarstellungSkunst sür eine gehobene Stimmung sorgen. Man sichere sich daher bei Zeiten einen Platz!

}:(Hersfeld, 16. Jan. Schöffengericht. Ein Einwohner erhielt wegen unbefugten AufstellenS eine- unbeleuchteten Fuhrwerks am Linggplotz 1.50 Mk. Geldstrafe evtl. einen Tag Haft. — Wegen Entwendung von Briketts am Bahnhof wurde einem hiesigen Schüler ein Verweis erteilt. — Ein Fabrikarbeiter aus Rotenfee erhielt wegen unbefugten Schießen- auf öffent- sicher Straße 10 Mk. Geldstrafe evtl. 2 Tage Hast. Auch wurde aus Einziehung der Waffe erkannt. — Ein Handels- wann von hier wurde wegen Werfen- von Scherben an einem Polterabend mit 2 Mk. evtl. einem Tage Haft bestraft. — Wegen Beleidigung wurde ein hiesiger Einwohner zu 5 Mk. Geldstrafe evtl. einem Tag Gefängnis verurteilt.

Allendorf (Kreis Hersfeld), 14. Jan. Der Einwohner I. stach sich beim Schweineschlachten mit einer Gabel durch die Hand, ES entstand Blutvergiftung, sodaß dem Unglück­lichen der Arm abgenommen werden mußte.

DT. Casfel, 15. Januar. In der Caffeler Gesellschaft erregt eS beträchtliches Aussehen, daß über daS Vermögen der Gräfin Elfe von Görtz gen. v. Schlitz, geb. v. Rudolf, daS Konkursverfahren eröffnet worden ist. Die Gräfin, die Witwe bei vor 2 Jahren infolge eine- Unglücksfalles verstorbenen HauptmannS v. Görtz gen. v. Schlitz der in der Gefellfchaft eine große Rolle spielte und mit seiner Gattin bereit- Gast bei Kaisers auf Wilhelm-höhe war, gilt alS sehr reich.

Marburg, 15. Januar. Wie gemeldet, wurde gestern in dem nahen Dorfe Goßselden ein Mann verhaftet, der dringend verdächtigt erschien, der wegen bei Mordes bei Kämmerzell schon lange gesuchte Zigeuner Wilhelm Ebender zu sein. Der Betreffende hatte vor einigen Wochen beim Landwirt Jsenberg in Goßselden gearbeitet und sich dann entfernt. Um dieselbe Zeit tauchte daS Gerücht auf, daß sich Ebender in den Lahnbergen umhertreibe. Der Beschreibung nach mußte der Verdächtige mit dem Knecht, der sich Peter Wintrich nannte, identisch sein. AlS der letztere gestern wieder bei Jsen» berg vorsprach, lud ihn dieser zu Tische ein und benachrichtigte den Gendarmerie-Wachtmeister Reddighausen auS Cölbe, der dann auch bald in Zivilkleidung erschien und sich mit Jsen- berg über allerhand geschästliche Sachen unterhielt. Bei der Gelegenheit wurde der verdächtigte Mann plötzlich über- wältigt und dann gefesselt nach Marburg in- Landgericht?» gefängniS gebracht. Wie man hört, soll man ihm auch Waffen abgenommen haben. Wenn auch die Aehnlichkeit mit Ebender, Größe, Statur und verkrüppelte Hand dafür sprach, so hatte man doch, wie sich heute mittag herauSstellte, wieder nicht den richtigen Lbender gefaßt. ES handelt sich vielmehr um einen zigeunerhaft auSschenden Mann, der vor einigen Wochen schon einmal von der Marburg« Polizei vorgesührt wurde. Er trieb sich in hiesiger Gegend bettelnd umher und bot auch eine angeblich von ihm gemachte Erfindung, die ihm patentiert sei, zum Verkäufe an. Ob Wintrich sein richtiger Name ist, wird bezweifelt. Er wurde heute einstweilen, jeden­falls wegen seines ziellosen UmhertreibenS in Haft behalten.

Hanau, 14. Januar. In Rappach bei Mömbris im Talgrund hantierte am Sonntag vormittag der 18jährige Gastwirtssohn Dahlheim« mit einem geladenen Gewehr und kam dabei dem Abzug zu nahe. Da- Gewehr entlud sich, die Ladung ging dem jungen Mann in die Stirn und tötete ihn.

Frankfurt 14. Januar. Hier ist der alte Graf Zeppelin eingetroffen, um die Erfindung zu begutachten, die ein ge- bü'tiger Züricher, Heinrich Ferdinand BoSzhardt, in 18jähriger Arbeit geschaffen hat, und die an Folgenschwere — wenn sie sich bewahrheitet — der Erfindung bei Perpetuum mobile gleichkommt. Bodzhard will die Spannungen, die zwischen den elektrischen Strömungen in der Erde und der Elektrizität in der Lust bestehen, auSnützen. Soweit bis jetzt Einzelheiten bekannt geworden sind, will er die Luftelektrizität durch Aus­sangestangen — ähnlich den Blitzableitern — auffangen. Die Maschine selber, die vermutlich stark die bekannten Influenz- und JnduktionSerscheinungen verwendet, setzt die Spannungen dann in Kraft und Rotation um. — Ueber die Einzelheiten kann nicht- näheres angegeben werden, da die Erfindung bereits von einer amerikanischen Gesellschaft angekauft worden ist, und sich der Erfinder lediglich daS VerwendungSrecht für Deutschland vorbehalten hat. Ein frühere- Angebot bei Erfinder- war von der deutschen Regierung abgelehnt worden. Jetzt hat man für die Sache Interesse gewonnen und Gras Zeppelin und mehrere Herren vom Patentamt in Berlin sind hierher gekommen, um die Erfindung einer Prüfung zu unter­ziehen. Am Donner-tag fanden bereits eingehende Beratunqen statt. BoSzhardt erläuterte an Hand von Plänen seine Er­findung und daS Funktionieren seines neuen MotorS. Dann begab sich die Kommiflion in Begleitung bei Erfinders und seiner Patentanwaltes nach Ried, wo BoSzhard. seine ersten Motore ausstellen und laufen lassen will. Die Vorrichtungen, die da getroffen, sind sehr einsach. Eine Erdleitung für dir Stromentziehung auS der Erde, und eine Leitung für die Stromentziehung auS der Luft bilden die ^"^dlnlage, in bet die beiden Motore eingebaut werden. Em klemer, stationärer achtpferdiger Motor setzt sich von selbst m Bewegung, wenn der Motor 2 Stunden an die Leitung anatf^loffen ist. Ein größerer beweglicher Motor, zu besten 3nbetrtebfe|ung etma 3 Pferdekräfte notwendig sind, soll sich selbst auS der Lust speisen und ununterbrochen laufen können

Wie der Erfinder glaubt, wird der Motor eine vollständige Umwälzung aus dem Gebiete der ElektrizitätSwerke hervorrufen. Große Feuerung-- und Ätffelanlagen seien vollständig über­flüssig. Die Kohlenpreise würden infolgedessen ganz bedeutend zurückgehen und auch die ElektrizitätSwerke würden ihren Wert verlieren. (!) Von unschätzbarem Wert sei der Motor für Autor, Straßenbahnen, Schiffe, Eisenbahnen, Luftschiffe und Flugmaschinen. Wenn sich die Hoffnungen bei Erfinder- alle so erfüllen, kann natürlich seine Erfindung eine Umwälzung hervorrusen, denn ei würde von ungeheurem Vorteil sein, wenn die Schiffe z. B. die großen Maschi-neuräume und Lagerräume für die Betriebsstoffe sparen könnten. Den größten Vorteil von der Erfindung hätten natürlich die Lustschiffe und Flug­maschinen, die dann von dem Betriebsstoff nicht mehr abhängig wären und beliebig lange in der Luft bleiben könnten.

LiPPoldsberg an der Weser, 15. Januar. Der Bäcker­meister Otto Müller von hier ließ sich in der Göttinger Klinik einige Zähne ziehen. Obgleich er eindringlich ermähnt wurde, weder zu rauchen noch Alkohol zu trinken, rauchte er kurz nach der Operation eine Zigarre. Noch am selben Abend stellten sich furchtbare Schmerzen und Blutungen ein. Schließlich schaffte man Müller wieder in die Götringer Klinik. Jetzt kam aber die ärzliche Kunst zu spät, am nächsten Tage ist Müller unter furchtbaren Schmerzen an Blutvergis- tung gestorben.

Carlshafen, 15. Jan. Ein für Gastwirte wichtige- Urteil fällte gestern bai hiesige Schöffengericht. Die Gastwirte E. und Th. von hier hatten in der Silvesternacht über die Polizeistunde hinaus Gäste bewirtet. Gegen 3A1 Uhr wurden dieselben von dem hiesigen Polizeisergeanten aufgefordert, Feierabend zu machen, was sie ober in dem guten Glauben, Silvester mache eine Ausnahme, nicht taten. Die Polizei hat dann festgestellt, daß morgen- um Vs4 Uhr in beiden Lokalen noch Verkehr herrschte. Beide Wirte wurden deshalb mit einer Polizerstrase von 10 Mk. bedacht, wogegen sie richter­liche Entscheidung beantragt hatten. DaS Gericht konnte die EntschuldigungSgründe, daß die beiden Wirte in dem guten Glauben gehandelt hätten, Silvesternacht mache eine Ausnahme, nicht anerfennen, selbst dann nicht, wenn auch Essen und Trinken nicht bezahlt worden wären. Es sei festgestellt worden, daß beide gegen die Polizeiverordnung verstoßen hätten. DaS Urteil lautete gegen Gastwirt E., welcher wegen desselben Vergehens bereits zweimal vorbestraft ist, auf 5 Mk. Geld­strafe eventl. 2 Tage Haft und Tragung der Kosten. Gast­wirt Th., welcher aus gleichem Grunde nur einmal vorbestraft ist, kam mit 3 Mk. Geldstrafe, eventl. 1 Tag Hast und Tragung der Kosten davon.

Mainz, 15. Januar. Zu den Erkrankungen bei dem 87. Infanterieregiment melden die Mainzer Zeitungen, daß am 30. Dezember ein Mann dieses Regiments eine Sendung Eßwaren von Hause erhielt, von denen er an 2 andere Kameraden abgab. Einer von diesen ist am gleichen Tage nach Hanau abgereist, dort erkrankt und gestorben. Bei der Sektion stellte ei sich heraus, daß ParatyphuS die TodeSursuche war. Die anderen zwei Erkrankten kamen in bai Militär- lazarett, wo sie sich noch heute befinden. Sie sind außer Gefahr und werden in einigen Tagen bai Lazarett verlassen können.

DT. Offenbach a. M., 16. Jan. Einer plötzlichen Tode- ist hier bai einjährige Kind bei Franz Majchwann gestorben. Bei Untersuchung der Todesursache stellte der,Arzt zahlreiche blutunterlaufene Stellen und Verletzungen" am ganzen Körper fest, sodaß man vermutet, daS Kind sei nicht eines natürlichen Tode- gestorben, sondern infolge schwerer Mißhandlungen zu Grunde gegangen.

Minden i. W., 16. Januar. Zwei Mädchen im Alter von 11 und 13 Jahren, Töchter bei ZiegelmeisterS Krüger sind aus dem EiS der Ziegeleigrube in Niedermehnen (KreiS Lübbecke) eingebrochen und ertrunken. Die Leichen konnten nur mit Mühe geborgen werden.

Erfurt, 16. Januar. Bei der katholischen Spar- und DarlehnSkasse ist jetzt eine Unterbilanz von 1850 000 Mk. sestgestellt worden. Die Deckung ist nur möglich durch Hin­gabe bei gesamten Vermögens sämtlicher Mitglieder.

Zur Sternilkel-AWre.

Ortwig, 15. Januar. Die Rätsel, welche die Ver- brechernatur StcrnickelS den Psychologen zu raten ausgibt, werden desto unentwirrbarer, je weiter die Untersuchung fort- schreitet. AlS Kriminalkommissär Nasse im Lause bei Ge­sprächs über die bereits vor Jahren einmal erfolgte Festnahme SternickelS durch einen Gendarmen auch daraus zu sprechen kam, daß dieser durch die Flucht bei Missetäters sofort aui seinem Amte entlassen worden war, sah Sternickel vor sich hin und sagte schließlich: „Herr Kommissar, wenn ich, bevor ich daS Schafott besteige, noch einmal einen Willen aussprechen büffle, so möchte ich Sie ersuchen, dafür zu sorgen, daß der Mann wieder eingestellt wird." AlS Sternickel in den ersten Tagen nach seiner Verhaftung wegen der Ortwiger Mord- geschichte eine- Abends durch die dunklen Straßen in Wriezen nach dem Bahnhof transportiert werden sollte, hatten sich eine Menge Menschen angesammelt und drängten an den Trans­port heran, ohne daß die beiden Gendarmen ei verhindern konnten. Sternickel erhielt in dem allgemeinen Aufruhr von den empörten Wriezenern eine gehörige Tracht Prügel, so daß er schließlich zu Boden fiel und aui einer klaffenden Kopf, wunde blutete. Wenn die Gendarmen die erregte Menschen­menge nicht schließlich mit ihren Karabinern zurückgetrieben hätten, wäre er ohne Zweisel einer furchtbaren Lynchjustiz zum Opfer gefallen. Trotzdem verzog er keine Miene und zuckte auch nicht zusammen, ali der Beamte ihm mit einem Tuch die ziemlich breite Wunde auSwusch. In Oltwig, wo sich die Zahl der Bauern, die jetzt in dem berüchtigten Mord­brenner ihren ehemaligen Knecht wiedererkennen, von Tag zu Tag vergrößert, herrscht in vielen Familien noch ein großer Schrecken. Der Landwirt Drüse in Neu-Lewin hat mit seinem ehemaligen Knecht Sternickel, der sich bei ihm „Philipp" nannte, in einer Kammer geschlafen und oft bei Abends in seiner Gegenwart seine Uhr und fein Portemonnaie unter bai Kopfkiffen gelegt. Er ist jetzt in solche Aufregung geraten, daß er überall Sternickel zu sehen vermeint und krank zu Bett liegt. — DaS KalieSsche UnglückSgehöft soll übrigens verkauft werden, von der zahlreichen Verwandtschaft will niemand die traurige Erbschaft antreten. Auch die Bauern der Umgegend find trotz bei verhältnismäßig billigen Kaufpreises nicht zu bewegen, bai Gehöft, bai allgemein ali Musterbetrieb gelobt wird, weiter zu bewirtschaften.

Ueber die weiteren Vernehmungen SternikelS und seiner Komplizen im Frankfurter GerichtSgesängniS wird solgendeS gemeldet:

Frankfurt 0. O., 15. Januar. Bis zum späten Abend war Kriminalkommissär Nasse und der ihm beigegebene Kriminalwochtmeister Bork am heutigen Mittwoch mit dem Eichten der eingelnufentn Anzeigen, sowie mit der Vernehmung