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Regierung-jubiläum deS Kaiser- hergestellt werden, wahr­scheinlich gleichfalls in der Form des Dreimarkstücke-.

):( Hersfeld, 7. Januar. Gestern nachmittag 4 Uhr wurde die diesjährige erste Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung im 'Rathaussaale abgehalten. Elschienen waren 16 Stadtverordnete. Vom Magistrat waren anwesend die Herren: Bürgermeister Strauß und Beige­ordneter A u e l. Um 4 Uhr eröffnete Herr Stadtverordneten- vorsteber Becker die Sitzung, begrüßte die Erschienenen und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Tätigkeit der Stadt­verordneten auch im neuen Jahre zum Wohl der Stadt und der Bürgerschaft gereichen möge. Herr Bürgermeister Strauß stellte alsdann den neu angenommenen MagistratS-Assessor Herrn Dr. Ernst S ch e s s e r der Versammlung vor. Nun­mehr traten die Stadtverordneten in die Erledigung der Tagesordnung ein. Die JahreSrechnung der städtischen Forstkasse sür die Zeit vom 1. Oktober 1910 bis Ende September 1911 ist geprüft und für richtig besunden worden. Unter den AuSgabe-TitelnWerbungS- und Kultulkosten" undReisekosten" haben Ucberschreitungen gegen den Vor­anschlag stattgesunden, die durch die notwendige Abholzung der an die Eisenbahn HerSfeld-HeimboldShausen abgetretenen Waldfläche am OberSberg und durch Wahrnehmung städtischer Interessen bei der Zusammenlegung der Feldfluren benachbarter Ortschaften veranlaßt worden waren. Diese Ucberschreitungen wurden nachbewilligt, die Rechnung in Einnahme und Aus­gabe auf 39904,68 Mk. scstgestellt und dem RechnungSführer Entlastung erteilt. Die JahreSrechnung der HolzmagazinS- kaffe sür die Zeit vom 1. April 1911 bis Ende März 1912 ist ebenfalls geprüft und für richtig befunden worden. Sie wurde in Einnahme und Ausgabe aus 10770,55 sestgestellt und dem RechnungSführer Entlastung erteilt. Von einigen Stadtverordneten wurde wiederum der Wunsch ausgesprochen, daS Holzmagazin möge an einen anderen Platz verlegt werden, auch kam die Ansicht zum Ausdruck, daß das Holzmagazin ganz eingehen könne. Man einigte sich schließlich dahin, den Magistrat zu ersuchen, bei Königlicher Regierung anzusragen, ob und unter welchen Bedingungen der Staat bereit sei, die dem Holzmagazin auS Staatsmitteln gewährte JahreSrente von 507 Mk. abzulösen. Die JahreSrechnung der städtischen Sparkasse sür die Zeit vom 1. Januar bis Ende Dezember 1911 hat dem Königlichen LandratSamt zur Ober-Revision vorgelegen und ist ohne besondere Bemerkungen zurückgelangt. Sie schließt ab in Einnahme mit 4 774 431,48 Mk.. in Aus­gabe mit 4 652 719,32 Mk. im Kaffenbtstand mit 121 712,16 Mark. Der Reingewinn im Jahre 1911 betrug 55 025,56 Mark, Davon wurden 38 783,33 Mk. an die Stadtkasse und 16 242,23 Mk. an den Reservesond abgeliefert. Der Reservesond hat am Schluß deS Jahres 1911 eine Höhe von 405 905,57 Mk. erreicht. Die JahreSrechnung wurde scstge- stellt und dem Rechnung-stelle: Entlastung erteilt. AuS Anlaß eines Gesuchs der Dachpappensabrik Firma Georg B ö r n e r dahier um Genehmigung zur Ausführung von Neubauten aus ihrem Grundstück an der Dreienbergstraße ist die Festlegung der Fluchtlinien sür den städtischen Weg an der KlauSkirche notwendig geworden. Der Magistrat hat diese Fluchtlinien unter Zugrundelegung einer Wegebreile von 10 m beschlossen, und den deShalbigen Plan mit dem Er­suchen um Zustimmung vorgelegt. Dem Antrag wurde entsprochen. Für die Schlippentalstraße unterhalb deS neuen FriedhofS sind durch den Fluchtlinienplan nach der Talseite hin Vorgärten in einer Breite von 3 m vorgeschrieben. Da daS Gelände an dieser Stelle steil absällt, würde die Einhaltung dieser Vorgärten daS Bauen sehr erheblich erschweren und verteuern. Aus Antrag einer Anliegers hat deshalb der Magistrat beschlossen, die Vorgärten in Weg­fall kommen zu lassen und daS Errichten von Gebäuden direkt an der Straßenfluchtlinie zu gestatten. Da eine Straßenbreite von 8 Meter vorgesehen ist, und die Schlippen- talstroße niemals eine VerkehrSstraße geben wird, kommen verkehrSpolizeiliche Interessen nicht in Frage. Die Stadt- verordneten-Versammlung genehmigte diesen Beschluß. Für die Nordseite der Breitenstraße ist eine Fluchtlinie vorge­schrieben, die weit in den Straßenzug hineinragt und sich im großen und ganzen mit der äußeren Kante der vorhandenen Trottoiranlage deckt. Im Falle eines Neubaues würde des­halb der Bauherr genötigt sein, einen Geländestreisen von mindestens 5 Meter Tiese und entsprechender Breite von der Stadt käuflich zu erwerben und mit seinem Neubau in die Straße vorzurücken. Um dieses zu vermeiden und der Straßen­seite ihr altertümliches Gepräge mit den vorhandenen charakteristischen Vorsprüngen zu erhalten, hat der Magistrat eine neue Fluchtlinie für die Strecke von der Badestube bis an die Kaiserstraße beschlossen, die sich im allgemeinen dem jetzigen Bestand anschmiegt. Die Stadtverordnetenversamm­lung erklärte sich mit dieser Abänderung einverstanden. Der Herr Stadtverordnetenvorsteher berichtete, daß die Amts- Periode deS EchiedSmanneS und seines Stellvertreters im Monat Juni d. J. zu Ende gehe und daß die Beteiligten erklärt haben, sie seien nicht gewillt, eine etwaige Wiederwahl anzunehmen. Demgemäß ersuchte der Herr Stadtverordneten- Borsteher, die Wahl ihrer Nachfolger schon jetzt vorzunehmen, damit dieselben bis zum Ablauf der gegenwärtigen Amts­zeit bestätigt und verpflichtet sein können. Er verlas die. in Betracht kommenden Bestimmungen der Schieds- mannS-Ordnung. Aus Vorschlag auS der Versamm­lung wurde gewählt: zum Schiedsmann Herr Bürgermeister a. D. HieronymuS Bätz und zu dessen Stellvertreter Herr Tuchfabrikant Otto Braun. Weiter beantragte der Herr Stadtverordnetenvorsteher die Wahl eines AuSschusseS zur Vorprüfung der Voranschläge der städtischen Kassen für das EtatSjahr 1913. Es wurden in diesen Ausschuß gewählt die Herren, Apotheker Ludwig Becker (Vorsitzender), Buch­druckereibesitzer Wilhelm B ä ch st S d t, Kaufmann Lorenz Mohr, Kaufmann Emil H i r s ch b e r g e r und Metzger­meister Ernst Her da. Die GaSwerksverwaltung hat be­richtet, daß der Verlag zur Beschaffung und Einrichtung von GaSautomaten ausgebracht sei, und daß eine größere Anzahl von neuen Anmeldungen nicht berücksichtigt werden könne. Daraushin hat der Magistrat beschlossen, dieimBau- und Erneue- rungSsond des Gaswerks zur Verfügung stehende Summe von 2078 Mk. sür Anschaffung neuer Gasmesser, welche nicht gebraucht wird, zur Beschaffung neuer Gasautomaten zu verwenden. Diesem Beschlusse erteilte die Stadtverordneten-Versammlung ihre Zustimmung. Herr Färbmeister Adolf W i n d i s ch dahier hat um käufliche Ueberlassung deS seinem Grundstück im Hasenwinkel vorgelagerten städtischen Geländes nachgesucht, um auf seinem Grundstück einen Neubau errichten zu können. Dieses Gesuch ist vom Magistrat abgelehnt worden, weil daS vorgelagerte städtische Gelände eine sehr steile, mit Bäumen und Dorngestrüpp bewachsene städtische Wegeböschung von beträchtlicher Höhe darstellt, die wohl notdürftig erstiegen, aber niemals befahren werden kann. Herr Windisch hat sich nun an die Stadtverordnetenversammlung gewandt und diese um Vermittelung gebeten. Nach längerer Debatte beschloß

die Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, nochmals in eine Prüfung der Angelegenheit einzutreten, falls ein neues Baugesuch eingehe, und zu erwägen, ob nicht doch noch in irgend einer Art und Weise .dem Ansuchen deS Herrn Windisch entsprochen werden könne. Damit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erledigt und die Ver­sammlung trat in eine vertrauliche Beratung und Beschluß- fassung ein, in der es sich hauptsächlich um An- und Verkauf von Grundflächen handelte.

§ Hersfeld, 8. Jan. DaS Infanterie-Regiment von Wittich (3. KurhessischeS) Nr. 83 wird am 16. und 17. Augustd.JS.in Caffelsein hundertjähriges Bestehen festlich begehen. Alle ehemaligen aktiven und Reserve-Offiziere, Sanität?-Offiziere und Beamten, sowie sonstige Reserve- und Landwehroffiziere, die im Regiment Feldzüge mitgemacht oder Beziehungen zum Regiment haben, und alle ehemaligen Unteroffiziere und Mannschaften, die an der Feier teilnehmen wollen, werden gebeten, ihre genaue Adresse, Unteroffiziere und Mannschaften auch Dienstgrad, Kompagnie und Dienstzeit bis 1. April d. JS. dem Geschäfts­zimmer deS Regiments in Caffel anzugeben. Mitglieder aller Vereine und Vereinigungen ehem. 83er, sowie sonstiger Militär-Vereine wollen diese Angaben ihren Vorsitzenden machen. Die Vorstände dieser Vereine werden gebeten, dem Regiment entsprechende Listen einzureichen. Nähere Mitteilungen über den Verlauf deS Festes werden den Angemeldeten s. zt. zugehen.

Hauau, 7. Januar. Die Typhusepidemie im Eisenbahn- regiment Nr. 3 hat abermals ein Opfer geiordert. Der Pionier Schellhaas auS Burgsolm im Kreise Wetzlar ist heute gestorben. ES liegen noch 177 Mann krank.

Hanau, 6. Januar. DaS Reichsgericht verwarf die Revision deS Arbeiters Josef Koch in Bergen gegen daS über ihm vom Hanauer Schwurgericht wegen Ermordung seiner 14jährigen Tochter verhängte Todesurteil.

Hanau, 4. Januar. Gestern abend sprang daS drei­jährige Mädchen deS TaglöhnerS Joses Winter in der Nord- straße vor einen Straßenbahnwagen und kam unter die Räder. Erst, nachdem man den unteren Holzrahmen deS Wagens ab­geschlagen, konnte man daS eingeklemmte Kind besreien. ES war skalpiert und auch sonst noch so schwer verletzt, daß eS kaum mit dem Leben davonkommen wird. Drei junge Burschen namenS Beck, Pfarr und Kühn erbrachen den Laden der Firma Sichel am Paradeplatz, stahlen 600 Mk. und machten mit dem Geld eine Reise nach Köln. Nachdem daS Geld verausgabt war, kehrten sie zurück und wurden jetzt ver­haftet. Gestern traf der wegen großer Wechselsälschungen aus Amerika ausgelieferte Bauunternehmer Jakob Hack mit dem GefangenentranSportwagen von Bremerhaven aus dem hiesigen Ostbahnhos ein. Er soll geständig sein, doch nicht in vollem Umfang.

Nordhansen, 5. Januar. Ein Brautpaar in Ellrich beabsichtigte, in den Stand der Ehe zu treten. Alle mötigen Vorbereitungen waren auch getroffen worden. AlS der Bräutigam auf dem Standesamt aber daS entscheidendeJa" sagen sollte, verlor er allen Mut, und zum Entsetzen aller Anwesenden antwortete er mit einemNein." AlleS gütige Zureden hals nichts der HeiratSkandidat blieb sest, und unverrichteter Sache mußten alle wieder nach Hause fahren.

Marburg» 7. Januar. Nachdem man längere Zeit von den wegen deS bekannten MordS bei Fulda verfolgten Zigeunern Wilhelm und Hermann Ebender (der dritte in Betracht kommende Bruder ist bekanntlich schon abgeurteilt) in hiesiger Gegend, in der sie ja recht gut bekannt sind, nichts gehört hatte, verbreitete sich gestern die Nachricht, daß zwei verdächtige Männer, aus welche die Beschreibung paßte, sich in den Lahnbergen aushielten. Im Walde waren sie Spazier­gängern begegnet, und außerdem hatte man sie in verschiedenen Dörfern, z. B. in Wolfshausen, Schröck und Bürzeln, gesehen, sie waren also anscheinend von Süden nach Norden, immer den Weg durch Waldungen nehmend, gezogen. Die sofort durch Gendarmen ausgenommene Verfolgung der Verdächtigen hatte keinen Erfolg.

Göttingen, 6. Januar. Rentier Aug. Fiege im be­nachbarten RoSdorf wollte am Freiiag zum Regiments- Jubiläum des 79. RegimentS nach HildeSheim fahren, verfehlte eine Stufe auf der Treppe und stürzte so unglücklich, daß er eine schwere Rückgrats- und Kopfverletzung erlitt, an deren Folgen er am 4. Januar verstorben ist.

Aus dem Kreise Münden, 6. Januar. In BurS- selbe brannte heute früh 6 Uhr eine Strohdieme von 90 Morgen Frucht (noch ungedroschener Roggen) vollständig nieder. ZweiselloS liegt hier Brandstiftung vor und zwar kommt wieder ein Zigeunertrupp in Frage, der gestern durch den zuständigen Gendarm von Münden per Schub über die Grenze gebracht war und in vergangener Nacht in der Strohdieme genächtigt haben soll. Der Schaden trifft den KlostergutS- pächter Herrn Artmann.

vermischter.

(D e r z e r st r e u t e G e n e r a l.) Der General v. Benkendorf nahm eS an Zerstreutheit mit jedem Witzblatt- Professor aus. In militärischen Kreisen erzählt man sich von ihm einige interessante Anekdoten, die hier wiedergegeben seien. Er war eines AbenbS bei einem Botschafter zu Gast geladen. Alle Gäste hatten um die späte MitternachtSstunde das HauS deS Botschafters bereits verlassen, nur der General war noch zurückgeblieben. Der Botschafter war zu höflich, um seinen Gast auf die späte Nachtstunde aufmerksam zu machen und blieb mit ihm im Zimmer allein zurück. AlS die Nacht immer weiter vorrückte, und der General keine Anstalten machte, nach Hause zu gehen, fragte ihn der Botschafter:Vielleicht ist Ihre Equipage noch nicht angekommen, Exzellenz? Dars ich Ihnen vielleicht meine anbieten, um nach Hause zu sahren?" WaS heißt daS, ich soll nach Hause fahren?" fragte der General.Ich wollte Ihnen gerade meine Equipage anbieten, um nach Hause zu sahren." Unter großer Heiterkeit gestand jetzt der General dem Botschafter, daß er in seiner eigenen Wohnung zu sein glaubte und sich fortwährend im Stillen überlegte, warum der Botschafter wohl nicht nach Hause gehe. Eine ähnliche Geschichte passierte dem General v. Benkendorf während eines Soupers beim Fürsten ObolenSki. Die Gäste bekamen eine Hühnersuppe vorgesetzt, die nicht gerade über­mäßig gelungen war. Plötzlich erhob sich der General v. Benkendorf und sagte:Entschuldigen Sie, meine Herrschaften, daß die Suppe so schlecht ist, aber meine Köchin ist mir ge­rade heut krank geworden." Weder der Fürst ObolenSki noch feine Gäste konnten an diesem Tage viel essen, da sie zwei Stunden hintereinander lachten. General v. Benkendorf ent­schuldigte sich nachher vielmals bei dem Fürsten, der aber im Gegenteil erklärte, ihm zu Dank verpflichtet zu sein, da die Suppe tatsächlich so schlecht war und durch den General der Gegenstand zur größten Heiterkeit wurde. Endlich sei noch ein Manövererlebnis bei Generals erzählt. In einer

kleinen Stadt wollte er postlagernde Briefschaften abholen. Der Postbeamte fragte ihn nach seinem Namen.Mein Name ?" fragte der zerstreute Herr. Er konnte ihn nicht nennen, er hatte ihn vergessen. Er stürzte also ohne ein Wort zu sagen auS dem Postgebäude und traf dort einen befreundeten Offizier, der zur Post wollte. Der Offizier fragte ihn:Wohin so eilig, Benkendorf?"Richtig! Benkendorf I" rief der General und schlug sich vor die Stirn, rannte ohne ein Wort zu sagen, wieder in- Postgebäude zurück und konnte nun seine Postsachen in Empfang nehmen.

(Wieder d a S G esp e n st e r l u f t s ch i f f.) Der fliegende Holländer" ist wieder einmal in England und zwar, dieses Mal über Dover, erschienen: Am Sonnabend in aller Frühe hat man ein gewaltiges Lustschiff über die Hasenstadt dahinfliegen sehen. Ein städtischer Beamter namenS John HobbS ist einer der vielen Zeugen, die daS geheimnisvolle Schiff gegen fünf Uhr über die Stadt weg fliegen sahen. Er erklärte gestern, daß seine Aufmerksamkeit zuerst durch den Lärm des oder der Motoren himmelwärts gelenkt worden sei. DaS Luftschiff fuhr mit riesiger Geschwindigkeit. ES kam von der See her. Langley, ein Ladenbesitzer, und Pierre, ein Konstabler, sind andere Augenzeugen. Sie geben indessen zu, daß eS zu dunkel war, um daS Lustschiff selbst wahrzunehmen. Sie sahen ein mit großer Schnelligkeit dahinfahrendeS Licht und hörten die Motoren. Sachverständige wollen wissen, daß nur ein mit sehr starken Motoren ausgerüsteter Flugzeug den zurzeit herrschenden Wind bekämpfen konnte, und solche Motoren konnte keine Flugmaschine, sondern nur ein Luft­schiff führen.

(Eine ungarische MinisterStochter verunglückt.) Durch einen unheilvollen Zufall wurde die Tochter bei ungarischen HandelSministerS bei einem Besuche ihrer Verwandten in Großwardein durch einen Revolver- schuß getötet. Die Tochter der ungarischen HandelSministerS LadiSlauS BeSty v. Bestenyö, Malvin, die feit einige Tagen mit ihrer Mutter zum Besuche ihrer Verwandten hier weilte, wurde gestern bei einer Familienzusammenkunst bei ihrer Großmutter daS Opfer eines tragischen Unfalls. Nach dem Abendessen bcgab sich Malvin Beöthy mit den Worten:Ich werde Papa einen Brief schreiben I" inS Schreibzimmer. AlS sie den Schreibtisch öffnete, fand sie dort einen Revolver vor. Offen­bar wollte sie ihn entfernen, aber der Hahn deS Revolver- schlug an den Schreibtisch und entlud sich. Die Kugel traf daS Mädchen unter dem Herzen. Die herbeistürzenden Verwandten sahen nur noch, wie Malvin rücklings niedersauk. Die herbcigeruscncn Aerzte konnten nur mehr den Tod konstatieren. HandelSminister Beöthy wurde telephonisch verständigt und begab sich sofort nach Großwardein.

Letzte Nachrichten.

K o nst a n tin o'p el, 7. Jan. Der Ministerrat beriet über die durch die Unterbrechung der FriedenSverhandlungen ge­schaffene Lage. Um 7 Uhr abend- dauerte der Ministcrrat noch fort. Der Kriegsminister und der Minister bei Aeußern begaben sich heute in da- Hauptquartier nach Hademköj. Ueber den Zweck der Reise, die amtlich verheimlicht wird, ist bisher nicht- sicheres bekannt.

Berlin, 8. Jan. Der Pastagierdampfer Mecklenburg, der zu den Dampfern gehört, die den täglichen Pastagier­verkehr zwischen England-Holland versehen, ist, wie dem Berl. Tagebl. von einem Mitfahrenden berichtet wird, gestern früh infolge plötzlich ausgetretenen Nebel- dicht vor der Hafen­einfahrt von Vlissingen an dem Damm ausgelaufen, der den Hasen vom Meer abgrenzt. Die Passagiere wurden auS- geschifft. Die Lage bei DampserS soll sehr gefährdet sein.

DT. London, 7. Jan. Ein Telegramm auS Rom meldet, daß der Papst ein Schreiben an den deutschen Ge­sandten in London gerichtet hat mit der Bitte, dasselbe bei der Botschafterkonferenz zur Verlesung zu bringen. In der Note bittet der Papst, daß bei irgend welchen Beschlüssen in der orientalischen Frage Palästina entweder von der türkischen Oberhoheit befreit werde ober die Mächte für die dauernde Heilighaltung der geweihten Plätze und die Sicherheit der christlichen Pilger Garantien schaffen.

Saarbrücken, 8. Januar. Infolge Versagen- der Bremsen stießen zwei Straßenbahnwagen mit je 2 Anhängern zusammen. 15 Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt in- Krankenhaus geschafft.

Berlin, 8. Januar. Der Kultusminister hat die Nach­geordneten Stellen ausgefordert, bei sich bietender Gelegenheit geeignete Lehrer zur Meldung für den Dienst an deutschen AuSlandschulen anzuregen.

B e r l i n, 8. Januar. In den nächsten Tagen treffen gegen 3000 gefrorene australische Hammel in Berlin ein.

Berlin, 8. Januar. Der dem Abgeordnetenhause vor- liegende NachtragSctat für 1912 enthält außer den 60 Mil­lionen für besondere Ausstattung der Bahnhöfe deS westlichen VerkehrSgebieteS mit Rangier-, AuSlade- und UcberholungS- gleisen, 3 Millionen für Beihilft an Beamte wegen der hohen LebenSmittelpreise. Außerdem sollen auS einem Fonds von 700 000 Mark für Bewältigung deS großen Verkehr» der letzten Monate dem stark angestrengten Personal Remunerationen gegeben werden.

DT. Newyork, 8. Januar. Der amerikanische Dampfer Osecrans" ist mit einer Ladung Oel an Bord im Sturm bei Cap Peacock auf Felsen gelaufen. DaS Schiff barst und sank, 33 Mann der Besatzung ertranken. Nur drei Matrosen gelang eS, sich an die Mäste anzuklammern. Die von dort auS gegebenen Hilsezeichen konnten aber bisher nicht beant­wortet werden, da eS unmöglich ist, durch die Brandung nach der Landung-stelle zu gelangen.

Oeffentlicher Wetterdienst. Wetterdienststelle Frankfurt a. M. Wetterausfichten für Donnerstag den S. Januar. Meist trocken, zeitweilige- Aufklären, stellenweise neblich, kalt, westliche Winde.