die Stammrollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig ausgcsülit werden, insbesondere ist anzuzeigen, ob die Eltern des Milnä - Pflichtigen noch leben oder nicht. Auch muß der Stand M Letzteren, sowie derjenige seines Vaters bezeichnet werden. (Sie mit diesseitiger Verfügung vom 29. Januar 1902 J. II. Nr. 247, im KreiSblatt Nr. 13 veröffentlichte Anweisung ist genau zu beachten.) Bei Militärpflichtigen, welche nicht im Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort auch der Kreis, zu welchem dieser gehört, anzugeben. Etwaige Bestrafungen sind unter Bemerkungen einzutragen. Zweifelhafte Eintragungen dürfen nicht gemacht werden. Die betreffende Spalte ist vielmehr dann überhaupt nicht auS- zufüllen. „
Ferner haben die Herren Ort-vorstände pp. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährigfreiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in daS militärpflichtige Alter eintreten, bezw. eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, daraus aufmersam zu machen, daß sie in Gemäßheit deS § 93 Pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatzkommission ihre- Ge- stellungSorteS schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigung-scheine- ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
Der givilvorsitzende der Ersatzkommisfion.
3. M. 91r. 3. von GruneliuS, Landrat.
cr».
Das Wirtschaftsjahr 1912.
Der Jahresbericht der Berliner Handelskammer gibt, ebenso wie die Berichte der Handelskammern zu Hamburg, Essen, Kiel u. o., über daS Wirtschaftsjahr 1912 im allgemeinen ein recht erfreuliches Bild, denn eS hat, wie der Bericht betont, die drei vorangehenden Jahre, die bereits einen stetigen Fort- schritt aufgewiesen hatten, auf den meisten Gebieten überholt. Sieht man vom Baugewerbe und den mit ihm in näherer Verbindung stehenden Branchen ab, so darf man sagen, daß die AuswärtSbewegung, die sich im Jahre 1912 vollzog, eine allgemeine war, und daß, wenn trotzdem einige Betriebe von dem Aulschwung unberührt blieben, dies auf besondere Umstände zurückzusühren ist, die für daS Gesamturteil nicht in Betracht kommen. Die Bedeutung der hier festgestellten Tatsache tritt eber erst inS rechte Licht, wenn man bedenkt, daß im letzten Teile deS Jahre- 1912 die wirtschaftliche Entwicklung eine Reihe von starken Hemmnissen zu überwinden hatte.
Der Ausschwung kommt am deutlichsten in der Steigerung deS Warenverkehrs zum Ausdruck. Die Mehrheit der industriellen und kausmännischen Betriebe sieht aus eine Periode vergrößerten Warenumsatzes zurück. Schon in den Vorjahren, besonder- im Jahre 1911, war festzustellen, daß dem wachsenden Bedarf durch eine gleichmäßig steigende Gütererzeugung begegnet wurde. Diese Entwickelung fetzte sich im Juhre 1912 fort und zwar während deS Hauptabschnittes deS Jahres in einem stärkeren Grade denn zuvor. Einen Beleg für diese Tatsachen bringen die Nachweise über den Güterverkehr der deutschen Eisenbahnen. Obgleich im Jahre 1911 ein erheblicher Teil deS Schiffsverkehrs wegen deS niedrigen WafferstandeS der Flüffe notgedrungen dem Schienenwege zugcfallen war, so daß der Bahnverkehr anormal hoch erschien, gingen die Verkehrsverhältnisse beträchtlich über den Stand jene- JahreS hinaus. In den ersten 10 Monaten des JahreS 1912 stieg der Güterverkehr der deutschen Eisenbahnen um 8 Prozent über den Verkehr deS Vorjahres. Rechnet man zu dem gesteigerten Quantum, welche- die Bahn bewältigte, die Menge von Gütern, die zu gleicher Zrit den Wasserweg benutzte — die Schiffahrt war diesmal voll leistungsfähig — so ergibt sich der Schluß, daß die Gesamt- warenbewegung im Jahre 1912 einen Umfang erreichte, die alS außergewöhnlich zu bezeichnen ist.
Für die Beantwortung der Frage, ob diese Steigerung deS Warenumsatzes mit Hilfe einer Steigerung der einheimischen Produktion oder auf dem Wege der Zusuhr auS dem AuSlande erzielt worden fei, liegt zuverlässige- Material vor. Die Menge der Waren, die Deutschland im Jahre 1912 einsührte, überstieg nur um 4 biS 5 Prozent die Menge deS Vorjahres. In diesem Mehr stecken vornehmlich Posten von Rohstoffen, deren die deutschen FabrikationSbetriebe bedurften. In der gleichen Zeit nahm die deutsche AuSfuhr um 11 Prozent zu. Obgleich also der dentsche Markt seinen Bezug an ausländischer
Der nächste Zeuge war der Hausmeister von Wandower, der mit schwerem Herzen seine Aussage machte:
„Ich besand mich zufällig in der Halle um halb sieben Uhr an jdem Abend, der der Mordnacht vorauSging, und sah Herrn Mervyn und Fräulein Barker zusammen sprechen. Herr Mervyn hatte seinen Ueberrock an und den Hut in der Hand, und ich hörte, daß er den nächsten Zug nach London benutzen wolle und nicht zum Diner bleiben könne. Die junge Dame wollte ihn nicht gern gehen lassen, aber er sagte ihr er müsse fein."
„Und schien eS Ihnen nicht, alS ob sein ganze- Be- nehmen eine ungewöhnliche Erregung auSdrücke für einen Herrn, der nur auf ein paar Stunden von seiner Braut sich verabschiedete?"
^Ja," mußte der alte Herr widerstrebend zugestehen.
Der Verteidiger hatte an diesen Zeugen keine Fragen" zu richten, und der Portier deS Frivolity-Theater-, sowie ein paar vertraute Freundinnen Miß Boleros wurden nun einem Verhör unterzogen. Dann kam die Hauswirtin von Balham, welche mit der ihrer Klasse eigenen Umständlichkeit ihre Ge- schichte wiederholte. Sie war eine sehr gewöhnliche Person von beschränktem Aussehen, aber ihre Aussage fiel für den Angeklagten schwer inS Gewicht. Sie erzählte, daß an jenem Abend ein Mann gekommen sei und nach ihrer Mieterin ae= fragt habe. Sein Gesicht habe sie nicht deutlich sehen können, aber er sei groß und breitschulterig und offenbar ein Gentle- mann gewesen.
„Glich er dem Angeklagten?" fragte der Vorsitzende.
„Ja, er glich ihm."
„Können Sie beschwören, daß der Angeklagte der Mann ist, der in der Mordnacht nach Miß Bolero bei Ihnen ftagte
„Nein; beschwören kann ich eS nicht, dasür sah ich ihn nicht deutlich genug."
„Aber Sie glauben, daß er eS ist?"
„Ja, ich glaube eS."
Lionel lächelte bitter. Er war in der fraglichen Nacht nicht einmal in der Nähe von Balham gewesen. Die Ein- bildungen deS geschwätzigen Weibe-, die ohne Zweifel noch durch den Klatsch von einem Dutzend Nachbarinnen verstärkt
Mure nur um ein geringe- erhöhte, war er imstande, ein gesteigertes Quantum von Waren an daS AuSland abzugeben. Die Belebtheit deS deutschen Warenmarktes hatte danach in der Belebtheit der einheimischen Produktion ihren Ursprung.
Jeglicher Zweifel an. der Tatsache einer überaus regen Beschäftigung der Industrie wird durch die starke Erhöhung der einheimischen Verbrauch- an Kohle beseitigt. Während da- Jahr 1911 gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme deS Konsum- um 4 bis 5 Prozent gezeigt hatte, war im Jahre 1912 ein Wachstum von 9 bis 10 Prozent sestzustellen. In noch stärkerem Maße als der Kohlenverbrauch stieg Deutsch. landS Roheisenkonsum. Er übertraf den Verbrauch deS Vor. jahreS um 12 bis 13 Prozent, eine Steigerung, für die kaum ein Beispiel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu finden sein wird. Die Erzeugung von Roheisen war so groß, daß sie neben der Versorgung deS inländischen BedarsS noch eine AuSfuhr betreiben konnte, die im gleichen Maße wie der Verkauf an daS Inland zunahm. Charakteristisch ist ferner, daß der Abfluß der gestiegenen Produktionsmenge sich flott vollzog, daß in vielen Fällen seitens der Eisenwerke die Lieser. fristen nicht eingehalten werden konnten, und der Preis für Roheisen sich erhöhte.
Erfreulich ist auch, daß unsere Landwirtschaft trotz der nassen Witterung aus ein befriedigendes Jahr zurückblicken kann. Vielfach wird berichtet, daß der Warenverkehr zwischen Landwirtschaft und Industrie ziemlich rege war, ein Zustand, den wir im Interesse der Erstarkung deS heimischen MarkteS nur mit Freuden begrüßen können.
Sonach ist und bleibt, wie der Bericht der Berliner Handelskammer hervorhebt, die Grundlage unserer WirtschaftS- entwicklung gesund. Der große Auftragsbestand der Industrie allein an der Jahreswende verbürgt noch für längere Zeit die Fortdauer deS guten Geschäftsganges, und eS ist zu hoffen, daß bei Wegsall der politischen Beunruhigungen auch mancher Bedarf, dessen Befriedigung bisher ausgeschoben wurde, neu hervortreten wird. Unsere heimischen Erwerb-stände haben in zuversichtlicher Schaffenskraft schon kritischere Zeiten über- wunden und werden auch jetzt der Zukunft vertrauensvoll entgegensehen können.
Die griMtrHIiiiiQtn.
Die vom Reuterschen Bureau verbreitete Meldung, daß die FriedenSverhandlungen in London vor ihrem Abbruch ständen, hat sich nicht bestätigt. Die Friedenskonferenz ist vielmehr auf Montag vertagt worden, ein zweifellos günstiger Zeichen, zumal die Botschafter-Reunion sich bereits in frieden- förderndem Sinne betätigt hat.
London, 3. Januar. Die hochgespannten Erwartungen, mit denen man nach den gestrigen Erklärungen Reschid- Paschas dem heutigen Nachmittag entgegensah, haben sich nicht ersüllt. Die aus vier Uhr anberaumte Sitzung, in der daS entscheidende Wort von türkischer Seite sollen sollte, konnte nicht statlfinden, weil die Türken im letzten Augenblick Auf. chub erbaten. Erst kurz vor der für den SitzungSbeginn estgesktzten Stunde richtete Reschid-Pascha an den stimmsührenden «bischen Delegierten Novakowitsch, der heute daS Präsidium ühren sollte, daS Ersuchen, den Zusammentritt biS Montag nachmittag um vier Uhr zu verschieben. Diesem Ersuchen wurde natürlich stattgegeben, obwohl eS erst «folgte, als ein Teil der Delegierten mit feinen Sekretären sich bereits im St.-JameS-Palast zur Sitzung eingefunden hatte, die alsbald abgesagt wurd5. AlS Grund für ihren BertagungSwunsch geben die Türken an, sie wollten im Einklang damit, daß die Alliierten gestern erst am Montag wieder zu konserieren beabsichtigten, ihnen bis dahin Bedenkzeit lassen. Aus der Seite der Liga begegnet die Begründung großer Skepsis. Da jedoch die gestern von den Türken beobachtete Haltung für heute die Sprengung der Konferenz erwarten ließ, so über- wiegt die Neigung, daS neueste türkische Divertissement eher alS ein günstiges, denn als ein ungünstiges Zeichen zu betrachten, und diese Neigung trifft entschieden daS Richtige. Denn bestem Vernehmen nach ist den Türken ihr heutiger Schritt, der die VerhandlungStür offenhält, von den Groß. Mächten, die auf der Botschafter-Reunion vertreten sind, nahe- gelegt worden. Diese trat zu ihrer heutigen Sitzung unter Sir Edward GreyS Vorsitz anstatt wie sonst nachmittag- schon am Vormittag zusammen und dauerte von V2I2 Uhr biS nach 1 Uhr. Gleich daraus sprach der zweite der türkischen Delegierten OSman-Pascha zu einer längeren Unterredung auf dem Foreign Office vor und bald nachdem er inS Carlton- Hotel zurückgekehlt war, ersuchte Reschid-Pascha den für heute designierten Konserenzpräfidenten, die Sitzung auSsallen zu lassen. Nachdem somit die europäischen Großmächte sich zur
wurden, konnten dazu helfen, ihn an den Galgen zu bringen.
Der Gerichtshof zog sich jetzt zurück, da die Stunde der AabelflühstückS gekommen war. Sir Elliot geleitete Jja hinaus, und die DavenportS gesellten sich ihnen augenblicklich u. Die beiden Mädchen umarmten sich weinend.
„O Mary. sie werden ihn verurteilen," schluchzte Jsa, „ich fühle eS! ES wird mich töten."
WaS sollte Mary ihr zum Troste sagen! Jedermann fühlte daS gleiche, und eS wäre zwecklos, fast grausam, sie mit falschen Hoffnungen aufheitern zu wollen.
Trotz deS liebevollen Dränge- der Freundin war eS Jsa unmöglich, auch nur einen Bissen zu genießen, ja der bloße Anblick der Speise widerte sie an. Schweigend saß sie au dem Hoteltisch, die Hände im Schoß verschlungen, die Augen starr und glanzlos — so bleich, so stille, alS ob da- Leben auS ihr entflohen wäre.
AIS die kurze Frist vorüber war, kehrten alle wieder in den GerichtSsaal zurück. ES waren noch mehrere Zeugen zu vernehmen, deren Aussagen Lionel immer schwerer belasteten.
AlS endlich die Geschworenen sich zur Beratung zurück- zogen, bestand nur wenig Zweifel zwischen den Freunden und Feinden deS Angeklagten, wie da- Verdikt lauten würde. Sir Elliot saß ganz gebrochen an seinem Platze. Die Augen deS Mannes auf der Anklagebank suchten ihn, und eine sichtliche Bewegung drückte sich in seinen Zügen auS.
„Der arme, alte Mann!" dachte er bedauernd; „ich habe ihm den schlimmsten Tag seine- Leben- bereitet, und er ist so gut gegen mich gewesen! Wenn da- Urteil verkündet ist, werde auch ich sprechen. Jsa wird auf alle Fälle sür mich Prioren sein, so will ich seinen Namen wenigsten- von der Schande rein waschen, daß ich sie die ganze Zeit über getäuscht habe, aber für später ist eS bester so — viel bester!"
^"ßte jetzt, daß ein offene- Bekenntnis die einzige Sühne sei, die er ihnen für sein Vergehen bieten konnte. Sie waren dann vor Schmach gerettet, die ihn brandmarkte, sie konnten sich gänzlich loSsagen von dem Verbrecher, der für ein Verbrechen litt, da- er nicht begangen hatte. Er war eine schwere Aufgabe, die er sich vorgesetzt, aber er rechnete sich die» nicht zur Ehre an. Gegen sich selbst war er stet
friedlichen Lösung der Balkansrage in- Mittel gelegt haben, kann man die intransigenten Erklärungen, die sowohl von türkischer Seite als auch von feiten ihrer Gegner auch heute abend wieder in die hiesige Presse lanciert werden, aus sich beruhen lassen und getrost behaupten, daß die AuSsicht auf Friedensschluß heute, wo er am schwersten gefährdet schien, besser gegründet ist, als je seit dem Beginn der Konserenz.
Konstantinopel, 5. Januar. Die Pforte hat ihre Botschafter beauftragt, den Mächten in einem Rundschreiben zu erklären, daß die Tüikei, um ihren Wunsch darzutun, den Frieden zum Abschluß zu bringen, alle möglichen Opfer bringen und auf alles Gebiet westlich von dem Wilajet Adrianopel verzichten wolle; aber sie sei gezwungen, aus dem Besitz von Adrianopcl zu bestehen, daS für die Verteidigung der Hauptstadt nötig sei. Die Psorte könne die Inseln deS Archipels niemals ausgeben, um aber ihre Friedensliebe zu beweisen, habe sie auf ihre Rechte aus Kreta verzichtet. Die Psorte hofft, daß die Mächte die Logik ihrer Beweisgründe ancrkennen werden.
K 0 n st a n t i n 0 p e l, 5. Januar. In insormierten Kreisen der Pforte wird erklärt, daß die Psorte auf dem Besitz Adrianopels bestehen werde und sich vielleicht einverstanden «klären könnte, Griechenland einige Inseln deS Archipels abzutreten. Die gesamte türkische Presse betont, daß eS unmöglich sei, die Bedingungen der Verbündeten anzunehmen. Die Annahme hieße: Zukunft und Ehre der Türkei opfern. Wenn eS nötig werden sollte, würden die Ottomanen nicht zögern, den Krieg neuerlich aufzunehmen.
Wien, 5. Januar. DaS Fremdenblatt spricht die Hoffnung auf baldige Wiederherstellung deS Frieden- auS, an der ganz Europa lebhaft interessiert ist, wie dieS nicht nur wiederholt «klärt, sondern auch durch die friedensördernde Tätigkeit der Mächte werktätig bewiesen wurde. Insbesondere lassen die politischen und wirtschaftlichen Interessen Oesterreich- UngarnS eS ihm ganz, abgesehen von seiner allgemeinen Friedenspolitik, alS dringend geboten erscheinen, daß auf der benachbarten Balkanhalbinsel in möglichst naher Zeit friedliche Verhältnisse wieder eintreten. Oesterreich-Ungarn ist deshalb auch mit besonderem Nachdruck dafür eingetreten, daß dem Blutvergießen aus dem Balkan ein Ziel gesetzt werde. ES wird die Bemühungen zur Herstellung deS Friedens auch weiterhin energisch sortsetzen, weil eS damit nicht nur den allgemeinen europäischen, sondern auch seinen eignen berechtigten Interessen am besten dient.
AM 3ii- und Ausland
Der Kaiser speiste am Sonnabend abend bei dem Minister v. Dallwitz. Zu dem Diner waren auch der Reichskanzler und die Oberpräsidenten geladen.
Wie verlautet, ist der Botschafter in Rom, vonJagow, zum Staatssekretär des Auswärtigen AmteS in AuSsicht genommen.
Generalfeldmarschall Graf v. Schliessen ist am Sonnabend nachmittag gegen 2 Uhr in seiner Berliner Wohnung verschieden. Graf v. Schlieffen hat seine Lausbahn zwischen dem Frontdienst und der verantwortungsvollen Arbeit im preußischen Generalstab geteilt. Im Kriege hat er Gelegenheit gehabt, seine Fähigkeiten glänzend zu betätigen, vor dem Feinde erwarb er sich daS Eiserne Kreuz erster Klasse.
Die Finanzminister der deutschen BundeSstaaten, die im Berlin zusammengetreten waren, um die Frage der Besitz- steuer zu erörtern, haben diese Beratungen beendet. Entgegen anderweitigen Mitteilungen erfährt der „L. A.", daß eS zu irgendwelchen Beschlüssen nicht gekommen ist. ES hatte sich lediglich um eine Vorbesprechung der Materie gehandelt. Alle-, waS darüber hinaus berichtet wird, ist in daS Gebiet der Kombinationen zu verweisen. Die Stellung SachsenS zur Erbansallsteuer ist bekannt, da man in diesem Bundesstaat auS seinen Sympathien für diese Form der Besitzsteuer kein Hehl gemacht hat.
Die Einnahme a u S der B ö r j e n st e u e r hat in der ersten Hälfte deS laufenden Rechnungsjahres sich auf 47,4 Millionen Mark gestellt. Hiervon kamen auf die Stempel- abgabe von Wertpapieren 29,8 Millionen Mark, auf die Talonsteuer 3,8 Millionen Mark und auf den Stempel für Kauf- und sonstige AnschaffungSgeschäste 13,8 Millionen Mark. In den Etat sind Wertpapierstempel und Talonsteuer mit zusammen 62,9 Millionen Mark eingesetzt. Auf ein halbe- Jahr würden rund 31,5 Millionen Mark kommen. Da Wert- Popierstempel und Talonsteuer 33,6 Millionen Mark cin- gebracht haben, haben sie den Etatanschlag mit 2,1 Millionen Mark überschritten. Der Stempel von Kauf-, und sonstigen
ausrichtig gewesen, und auch jetzt gestand er sich unumwunden zu, daß er, wenn gegen Erwarten sein Urteil günstig lauten sollte, noch immer Schweigen bewahren werde. Sicher hatte er für seine Sünde genug gelitten — all die Qual, die Angst der Ungewißheit, all da- Grausen, wegen eines Kapitalverbrechen- vor Gericht zu stehen. Entkam er glücklich den Gesetzen, so war daS wankelmütige Glück, da- ihm so plötzlich den Rücken gekehrt, ihm eine Belohnung schuldig. Er konnte nicht freiwillig aus Jsa verzichten, kein GewiffenSjkrupel konnte sie ihm rauben.
Sein Blick wanderte von Sir Elliot zu dem jungen Mädchen, während diese Gedanken seinen Sinn durchflogen. Wie bleich sie war! Wie erstarrt vor Kummer saß sie da, im vorrauS gelähmt von dem Schlag, der so sicher fallen mußte. Wenn er nur zu ihr hinüber eilen und sie in seine Arme schließen könnte!
Er sah sie bis auf die Lippen erblassen, alS ein Scharren von Füßen die Rückkehr der Jury verkündigte. DaS ent- scheidende Wort, daS schon so oft in diesem altehrwürdigen Saale mit bleichen, angstvollen Mienen erwartet wurde, schwebte dem Richter bereit- auf den Lippen, alS ein Polizeiinspcktor ihm ein Schreiben überbrachte. Hatte eS etwas mit diesem Fall zu tun. Ein leise- Murmeln ging durch daS Hau-, dem daS Schweigen gespannter Erwartung folgte. Lionel selbst hatte von dem Zwischenfall kaum Notiz genommen. Er schaute unverwandt aus Jsa, deren Blicke ihn zu verzehren schienen.
Der Richter unterdrückte einen AvSrus. Mit dem Papier in der Hand erhob er sich, und augenbicklich wandten sich ihm alle Augen, auch die LionelS, in hoher Erregung zu.
(Fortsetzung folgt.)
— (Ein verfehlte- Leben.) In einer Herberge in Leipzig hat sich in der letzten Nacht der 34jährige Chemiker und Reserveleutnant Schmidt mit Zyankali vergiftet. In einem hinterlassenen Briese gab er alS Grund zu dem Selbstmord ein verfehltes Leben an. Früher befaß Schmidt ein große- Laboratorium in Leipzig, später war er Angestellter einer chemischen Fabrik und zuletzt stellungSloS.