mit gut entwickeltem Fernsprechverkehr, schon weit überholt. Zieht man noch daS dritte wichtigste und dabei älteste Nach- richtenbeförderungSmittel, den Briefdienst, in Betracht, so er- gibt sich, daß in den Vereinigten Staaten jährlich 12,6 Milliarden Gespräche, 0,098 Milliarden Telegramme und 8,8 Milliarden Briefsendungen verarbeitet werden, während in Europa noch die Briespost (15,4 Milliarden Sendungen) überwiegt und daneben 4,9 Milliarden Gespräche und 0.345 Milliarden Telegramme verarbeitet werden. Für Deutschland stellt sich daS Verhältnis der durch Briefpost, Telegramme und Fernsprecher bcsöedeiten Mitteilungen wie 73,7 : 09 : 25,4, sür Europa wie 74,4 : 1,7 : 23,9 und für die Vereinigten Staaten wie 40,9 : 0.4 : 58,7.
Hui Provinz u. Nachbargebiet.
):( Hersfeld, 31. Dezbr. Unser W a n d k a l e n d e r sür daS Jahr 1913 liegt der heutigen Gesamtauflage bei. Möge er unsern Lesern nur frohe Tage verzeichnen.
):( Hersfeld, 31. Dezember. Vom Kalender der Ew'g- keit ist ein weiteres Blatt abgefallen und davongeflatteck. An der Stelle, wo eS noch gestern hing, leuchtet uns, frisch und unberührt, daS Jahr 1913 herunter. Und die Merfchenjecle steht, wie heute vor 366 Tagen erneut vor einer verschlossenen Tür der ihr winkenden Zukunst. Bald soll sich der Schleier lüften, der noch über den kommenden Zeitereignissen liegt. Unmerklich, mit jedem neuen, jungen Morgen, deckt daS neue Jahr einen weiteren Z'pfel seines Werdens und Vergehens von unseren Augen auf, bis wir nach Jahresfrist erkennen müssen, daß auch 1913 nicht besser und nicht schlechter war, alS seine Vorgänger. — Mit fröhlichem Gläserklange, munteren Scherzreden und gegenseitigen Glückwünschen begrüßen wir in der heutigen Nacht sein Erscheinen. Hoffen wi', daß daS neue Jahr allen unseren Leserinnen und Lesern neuen Gewinn bringen möge. Dann dürfte unser Wunsch in Ersüllung gehen, den wir hiermit allen unseren Abonnenten und sonstigen Geschäftsfreunden entgegenbringen, und den wir in die Worte soffen möchten: Ein recht frohes, gesundes, glückliches Neujahr!
Caffel, 30. Dezbr. Einen seltsamen Tod fand gestern abend ein bei einer vornehmen Herrschaft bedienstcteS Mädchen. In Abwesenheit der Herrschaft nahm eS tin Bad. Da eS mit dem Mechanismus der Badeeinrichtung nicht vertraut war, so gelang eS ihm nicht, den Warmwasserzufluß abzustellcn. In seiner Aufregung und auS Furcht vor Strafe hat eS wahr- fcheinlich einen Herzfchlag erlitten, war bewußtlos geworden und schließlich ertrunken. AlS die Herrschaft zurückkehrte, fand sie eine große Ueberschwemmung und das Mädchen in der Badewanne tot vor.
Fladungen (Rhön), 28. Dezbr. AlS in dem benachbarten Dorfe Heusurt der Gemeindediener und Bullenhalter Josef Faulstich den Bullen vom Stall in den Hof führte, wurde daS Tier wütend, der Mann kam zu Fall, der Bulle bearbeitete ihn mit den Hörnern und Vorderfüßen und wars ihn auch einigemal in die Höhe. Einige mit starken Knüppeln bewaffnete Männer befreiten den wehrlos Daliegenden auS seiner äußerst gefährlichen Lage. Faulstich hat schreckliche Verletzungen davongetragen; die Kinnlade wurde ihm von dem Ochsen zerschlagen, ferner daS Schienbein gebrochen, der ganze Kops war mit tiefen Wunden bedeckt; für das rechte Auge besteht große Gefahr.
Hanau, 30. Dezember. Der Rückgang in der Zahl der Typhuserkrankungen beim ersten Bataillon deS hiesigen Eisen- bahnregiments dauert an. Heute sind 202 Soldaten krank, davon 10 schwer. 31 Soldaten befinden sich als Genesende im HilsSlozarett, gestorben sind bisher im ganzen sieben Mann.
Born Eichsfelde, 29. Dez. Ein gewaltiger Großfeuer äscherte gestern in später Nachmittagsstunde in dem Dorfe Mingerode bei Duderstadt sämtliche Wirtschaftsgebäude deS Landwirts Uhl und eine angrenzende Nachbarscheune bis aus die Umfassungsmauern vollständig ein. Sämtliche Erntevorräte, die recht beträchtlich waren, landwirtschaftliche Maschinen, Kleinvieh und zehn fette Mastschweine wurden ein Raub der Flammen. Der entstandene Schaden ist groß. Die Ent- stehungSursache deS Feuers ist noch nicht ermittelt.
Corbach, 29. Dez. Ein bei dem Mühlenbesitzer S. im nahen GoddelSheim bedienstcteS Mädchen geriet der Tr ebwelle einer Dreschmaschine zu nahe, wurde an den Kleidern gefaßt und zu Boden geschleudert. DaS Mädchen erlitt so starke Verletzungen am Kopf, daß eS sofort in- hiesige Krankenhaus gebracht werden mußte.
Schlüchtern, 30. Dez. In dem benachbarten Dorfe Herolz liegt der Gefreite Fuchs schwer krank an Typhus darnieder; F. hatte bei dem Eisenbahnregiment in Hanau eine vierwöchentliche Uebung zurückgelegt; er lag schon dort zwei Tage lang krank und wurde bald nach seiner Rückkehr in die Heimat vom TyphuS befallen.
Wolfhagen, 28. Dezember. Zu dem heute nachmittag im Sitzungssaale deS hiesigen Rathauses anberaumten Termin zur Wiederverpachtung der Jagdgerechtsame der hiesigen Stadt, hatte sich eine größere Anzahl Reflektanten auS Caffel, Düsseldors, Essen, Hagen, Werk und anderen Orten eingefunden. Die beiden Höchstgebote wurden von den Herren Post-Hagen mit 5170 Mk. und Dr. Kattenberg-Casiel abgegeben. Der bisherige PachtpreiS betrug 2100 Mk. jährlich, also noch nicht die Hälfte deS neu erzielten PachtpreiseS. DaS Jagdareal beträgt 3500 Hektar und ist eines der größten im Regierungsbezirk Caffel.
Giehen, 30. Dez. Gestern vormittag wurde auf dem hiesigen Rangierbahnhof der 32 Jahre alte Rangierer Weber auS Leihgestern überfahren und sofort getötet.
Das Rachbarrecht im Garten?)
Von Amtsgerichtsrat Schwiele in Ahaus.
Der Eigentümer einer Sache kann mit ihr nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung auf die Sache ausschließen. Das Gesetz und die Rechte Dritter schränken nur diese Befugnisse ein.
Das Recht des Eigentümers eines Grundstücks erstreckt sich auf den Raum über der Oberfläche und auf den Erdkörper unter der Oberfläche.
Von dieser Regel gibt es aber eine Ausnahme. Der Eigentümer kann nämlich Einwirkungen nicht verbieten, die in solcher Höhe oder Tiefe vorgenommen werden, daß er an der Ausschließung kein Interesse hat. Dieses ist Recht; denn wo blieb Zeppelin, und wo käm der Bergbau hin, wenn jeder auf seinem Grundstück eine
Aus der volkstümlichen Wochenschrift „Deutsches Recht", herausgegeben von Amtsgerichtsrat Carl Kade, Berlin-Waid- mannSlust (Verlag von Rauert und PitttuS, Sorau N.-L.). Zu beziehen in Monatsheften durch jede Buchhandlung und durch die Post in HalbmonatSheften zum VierteljahrSpreise von 50 Pfg., frei ins HauS durch die Post 56 Pfg.
200 Meter lange Warnungstafel hätte mit der Aufschrift: Hier oben darf nicht geflogen und hier unten nicht gebuddelt oder gegraben werden. Der Eigentümer.
Wendet man diese Grundsätze auf das Nachbarrecht von zwei aneinanderstoßenden Gärten an, so brauchte kein Nachbar auf die Bäume und Sträucher des andern Rücksicht zu nehmen.
Das Bürgerliche Gesetzbuch hat hier aber unter Aufrechterhaltung der landesgesetzlichen Bestimmungen folgende Beschränkungen bei Benutzung der benachbarten Grundstücke aufgestellt.
Die Wurzeln eines Baumes oder eines Strauches, welche vom Nachbargrundstücke eingedrungen sind und die Benutzung des andern Grundstücks beeinträchtigen, darf der Eigentümer des Nachbargrundstücks abschneiden und für sich behalten. Beeinträchtigen die eingedrungenen Strauch- oder Baumwurzeln das Nachbargrundstück nicht, so hat auch der Nachbar dieses Abschneide- und Behaltungsrecht nicht.
Sind Zweige eines Baumes oder Strauches für die Benutzung des Nachbargrundstücks dadurch nachteilig, daß sie hinüberhängen, so darf der belästigte Nachbar die Zweige nicht einfach abschneiden und für sich behalten. Er muß vielmehr erst dem Eigentümer des Baumes eine angemessene Frist zur Beseitigung der herüberragenden Zweige setzen, und, wenn der Nachbar bann fliese Frist vorübergehen läßt, ohne die Zweige zu beseitigen, so kann der belästigte Nachbar dies aus eigenem Recht ausführen.
Die mit dem Grund und Boden fest verbundenen Sachen, sowie die Erzeugnisse des Grundstücks sind, so lange sie mit dem Boden zusammenhängen, wesentliche Bestandteile des Grundstücks, also Eigentum des Grundstückseigentümers. Wird eine bewegliche Sache — also ein Baum oder ein Strauch — mit einem Grundstücke dergestalt verbunden, daß sie wesentlicher Bestandteil des Grundstücks wird, so erstreckt sich das Eigentum an dem Grundstück auch auf diese Sache, den Baum oder den Strauch.
Fallen aber Früchte von einem Baum oder einem Strauche ab und auf ein Nachbargrundstück hinüber, so gelten sie als Früchte dieses, d. h. des Nachbar- grundstücks. Das Fallobst also, welches von meinem Baume auf das Grundstück des Nachbars fällt, gilt als Frucht des Nachbargrundstücks, es gehört meinem Nachbar, nicht dem Baumeigentümer. So lange aber das Obst an meinem Baume hängt, gehört es mir. Dieses sagt zwar das Bürgerliche Gesetzbuch nicht ausdrücklich, doch darf man es daraus schließen, daß das Bürgerliche Gesetzbuch nur das hinübersallende Obst Eigentum des Nachbarn werden läßt und zwar nur, wenn das Nachbargrundstück kein öffentliches ist. Fallen also meine Aepfel von meinem Garten auf den Marktplatz von Ahaus, so wird die Stadtgemeinde Ahaus nicht Eigentümer meines Fallobstes, weil ich mir dieses dort frei selbst holen kann. Hat aber die Stadtgemeinde Ahaus einen Apfelbaum auf ihrem Marktplatze und fallen diese Aepfel auf mein Grundstück, also auf ein Nachbargrundstück, was nicht dem öffentlichen Gebrauche dient, so tritt die Regel wieder ein, ich als Nachbar der Stadt werde Eigentümer ihres herüberfallenden Obstes.
Uermischüs.
— Halberstadt, 30. Dezember. Gestern fand man in der Nähe der Köhlerhütte die Leichen eines hiesigen Kürassiers und einer hiesigen Schneiderin. Der Kürassier hatte erst daS Mädchen durch einen Schuß in die Schläfe und dann sich durch einen Schuß in den Mund getötet. Hindernisse, die sich ihrem weiteren LirbeSvcrkrhr in den Weg stellten, werden als Grund der Tat angegeben.
— (Ein dreistes V e r b r e ch e r st ü es.) Dieser Tage erschienen in dem Dorse Hörlitz (Reg.-Bez. Frankfurt o. O.) bei einem Landwirt zwei anständig gekleidete Leute, von denen sich der eine alS Steuerbeamter, der andere als Kriminolbeamter vorstellte. Man zeigte dem Landwirt ein Schriftstück, das die Unterschrift deS LandratS von Kaulau trug und in dem mitgeteilt wurde, daß in dem Hause deS Landwirt- eine Durchsuchung vorgenommen werden solle, da er in dem Verdacht der Steuerhinterziehung stünde. Der Landwirt war auch so verdutzt, daß er die beiden in ein besonders Zimmer sührte, wo dann der VermögenS- stand ausgenommen wurde. Alle- ging gut, bis die beiden dem Landwirt zu verstehen gaben, man wolle die ganze Sache niederschlagen, wenn er ein Schweigegeld von 10,000 Mk. zahle. DaS erschien dem angeblichen Steuer- hinterziehe! verdächtig, und er erklärte, er wolle erst mit dem Gemeindevorstand sprechen. Darauf fielen die Schwindler über ihn her, würgten ihn und versuchten ihn zu fesseln. Durch daS Geräusch wurde aber ein Knecht herbrigerusen, und die beiden Verbrecher ergriffen die Flucht. Jetzt gelang eS den Anstifter deS Planes, den Arbeiter Konstantin RofolSki auS DreSden zu verhaften.
— (Am Puppenherd tödlich verunglückt.) DaS vierjährige Töchterchen des Hotelbesitzer- Puff in Gera spielte mit einer ihm von den Eltern zu Weihnachten geschenkten Kücheneinrichtung, deren Maschine mit Spiritus geheizt wurde. Dabei wurde daS Kleid deS Kindes von den Flammen erfaßt, und die Kleine erlitt so schwere Brandwunden, daß eS trotz sofortiger Hilfe einige Stunden später starb.
— (V i e r K i n d e r v e r g i f t e t.) In Napa sind vier Kinder, die versehentlich ein Liter Essigessenz getrunken hatten, unter gräßlichen Schmerzen gestorben.
— (M e r k w ü r d i g e D e n k m ä l e r.) In Serbien besteht eine eigentümliche Sitte, die im Kriege gefallenen Soldaten zu ehren. Eine Unzahl fast lebensgroßer Denkmale aus Holz finden sich jetzt über daS gante Land zerstreut. In Basrelief stellt jedes dieser schlichten Monumente daS Bild deS Soldaten dar, an dessen Heldentod eS erinnern soll. Im Allgemeinen finden sie sich dort, wo der Soldat beheimatet war, oder auch an der Stelle, wo er fiel, wenn eS serbisches Territorium war. Kaum ein Haus, und kaum ein Hof im ganzen Königreiche. in dessen nächster Nähe sich nicht eine dieser schlichten Holzskulpturen findet. Gewöhnlich sind sie mit lebhaft roten oder blassen Farben übermalt. Ueber dem Haupte der Holzfigur steht der Name deS Soldaten und einige Notizen über Zeit, Ort und Umstände seines TodeS._________________
Letzte Nachrichten.
DT. London, 31. Dezember. Die Botschafterkonferenz wird voraussichtlich am kommenden Donner-tag ihre Beratungen wieder ausnehmen. „ _
DT. 8 o n b o n, 31. Dezember. „Pall Mall Gazette" bemerkt zum Tode KiderlenS, daß eine der stärksten Persön
lichkeiten Deutschlands dem Vaterland« verloren gegangen sei. — »Star" widmet dem „Manne von Sgadir, dem neuen BiSmmck" Worte der Anerkennung. — „Westminster Gazette" nennt ihn einen begabten Minister, dessen glänzende Laufbahn dem Vaterlande viel Nutzen gebracht habe. — „Evening Standard" meint, er sei mehr geachtet, alS beliebt gewesen.
DT. Bukarest, 31. Dezember. König Karl empfing gestern eine Deputation deS SenatS, wobei er folgende Ansprache hielt: Wir geben noch immer nicht die Hoffnung aus, daß die gegenwärtige schwierige Lage in sreundfchastlicher Weife und durch einen, Allen erwünschten Frieden sich ebnet. Di« patriotischen Gesühle der rumänischen Nation sind eine Bürgschaft dafür, daß Sie die aus Stärkung der nationalen Verteidigung bezüglichen Gesitze einer gufmerksamen Prüfung unterziehen werden. Immer, wenn ein großes nationale- Interesse in Frage stand, hat sich Rumänien zu dessen Verteidigung zufammengeschlossen. Ich hege die Ueberzeugung, daß Sie sich diesen Traditionen würdig erweisen.
Berlin, 31. Dezember. Der Berliner Vertreter bei „Matin", Mr. Caro hatte eine viertelstündige Unterredung mit dem russischen Kriegsminister General Suchomlinow. Der Vertreter deS großen Pariser BlatteS fand bei dem russischen General eine sehr liebenswürdige Ausnahme. „ES war ein einfaches Dejeuner" — meinte General Suchomlinow — »zu dem ich heute beim Kaiser geladen war. Mit mir waien mein Adjutant und der russische Botschafter in Berlin gekommen. Neben der üblichen Hofgefellschaft nahmen der preußische Kriegsminister Herr von Heeringen und der Chef bei GeneralstabeS Graf von Moltke Und einige andere höhere Offiziere an dem Ftühstück teil. ES wurde kein Wort von Politik gesprochen. Der Kaiser war sehr liebenswürdig, wie gewöhnlich. Doch ich bin hier alS Soldat, und nicht als Diplomat. Folglich habe ich nicht über Fragen zu sprechen, die nur für Diplomaten Interesse haben. Ich reife von hier nach Nizza, wo ich mit meiner Frau zusammentreffe, dir dort Erholung sucht, und gedenke dort 14 Tage zu bleiben." — Mr. Caro meint: Ich habe den festen Eindruck, daß die augenblickliche Situation keine direkte Spannung enthält. Denn sonst würde schwerlich der russische Kriegsminister 14 Tage fernbleiben können. ES scheint mir, alS ob diese Auffassung auch in den maßgebenden russischen Kreisen allgemein geteilt wird und daß die ehrliche Absicht aus Frieden die Oberhand gewonnen hat.
München, 31. Dezember. Bei MooSburg in Oberbayern hat sich ein schwerer Eisenbahnunsall errignet. Der Personenzog 1016, der um 6 Uhr 17 von LandShut nach München abgeht, wurde in der Station Bruckberg zurück« gehalten, um den Beiliner Schnellzug, der auf seiner Fahrt nach München LandShut um 6 Uhr 25 verläßt, passieren zu lassen. Mehrere Passagiere deS PersonenzugeS stiegen vorzeitig auS und wurden von dem gerade passierenden Schnellzüge ersaßt. 3 Personen wurden getötet und eine schwer verletzt. Unter den Toten soll sich eine Restaurateur-gattin und ihr« zwölsjährige Tochter Bruckberg befinden. Ueber die Personalien der beiden andern Verunglückten ist noch nicht- Sichere- bekannt.
Sofia, 31. Dezember. DaS Regierungsblatt „MIR" meldet, daß die tückische BesatzungSarmee von Adrianopel täglich Desertionen zu verzeichnen habe. Gestern desertierten 30 Soldaten und 2 Offiziere, die zu den Bulgaren überliefen. Sie schilderten die Zustände alS sehr schlecht.
N e w - N o r k, 31. Dezember. In Fernie in Britisch- Columbia verschüttete eine Erd- und Schneelawine 15 Zimmer- leute, die in der Werkstätte der CrowS Netz Coal Paß Companie arbeiteten. Bisher wurden drei Leichen geborgen.
Wien, 31, Dezember. Die Lage in Konstantinopel wird von unterrichteter (nicht österreichischer) Seite alS außerordentlich ernst grschildert. ES gibt keine RegierungSautorität mehr, um der umsichgreisenden Anarchie in Konstantinopel zu steuern. Die Regierung steht der FriedenSfrage daher gleichgiltig gegenüber und hat kein Interesse daran, eine Klärung hcrbeizuführen. Willigt daS Kabinett Kiamil in die Abtretung Adrianopels, so wird eS sofort von den Jungtürken gestürzt, die den FriedenSvertrag nicht bestätigen werden. Entschließt sich die Regierung zur Wsiterführung der Feind- seligkeiten, so muß sie sofort einer Militärdiktatur weichen. Wie auch b e Entscheidung fallen mag, ist daS Ende bei Kabinetts Kiamil nahe. DaS ist der Grund, weshalb die Regierung die Entscheidung in der FriedenSfrage verschleppt, wodurch natürlich ihre Autorität erst recht schwindet.
DT. Jena, 31. Dezember. Auf dem Nordfiiedhof spielte sich ein ausregender Vorsall ab. Während einer Trauerseier krachte auS dem Urnenhain ein Schuß. Man sank vor der Urne feinet VaterS schwerverlrtzt den Rittergutsbesitzer Oberleutnant der Reserve Winkelmann auS UlrichS- halben, der sich eine Kugel durch den Kops geschossen hatte. Er liegt in hoffnungslosem Zustande im Krankenhause.
(Zwei Bergleute Überfällen und er- st o ch e n.) In der Gemeinde Horst bei Essen (Ruhr) wurden vier auf dem Heimwege befindliche Bergaibeitcr von jungen Burschen, denen sie Vorhaltungen wegen SingenS polnischer Lieder gemacht hatten, überfallen und mit Messern so surcht- bar*zugerichtet, daß zwei von ihnen tot nieberfanlen. Auch die anderen beiden erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Dir Täter sind entkommen.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfurt a. M» Wetteransfichten für Mittwoch den 1. Januar.
Trocken, zeitweilich aufklärend, stellenweise neblich, etwa- kälter, südwestliche Winde.