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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. VerSezugspreis beträgt fürhersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Na
Der Rnzeigenprr > beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Seile iOPfg., im amtlichen Teile 20Pfg. Reklamen die Me 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entspree »ender Rabatt gewährt.«^«»«
Herrselder Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,
Zernsprech-^tnschlutz Nr. 8
Nr. 1.
Mittwoch, den 1. Januar
1918,
Zu dem am 1. Januar 1913 neu beginnenden Vierteljahr ladet das
Ijtrsftldtr Kreisblatt
zu recht zahlreichen Bestellungen ein.
Von dem reichhaltigen Inhalte des Hersfelder Kreisblattes sei folgendes hervorgehoben'
Der amtliche Teil
enthält die Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes sowie zahlreicher anderer Zivil- und Militärbehörden. Für alle Handels- und Gewerbetreibende sind die amtlichen Bekanntmachungen von besonderer Wichtigkeit.
Der politische Teil
enthält allgemein verständlich geschriebene Leitartikel sowie das interessanteste auf dem Gebiete der Politik des In- und Auslandes.
Die Nachrichten aus Provinz
und Nachbargebiet enthalten alle rvichtigen Ereignisse aus der Stadt und dem Kreis Hers- feld, sowie diejenigen aus den benachbarten Bezirken.
Der vermischte Teil
bringt Nachrichten aus allen Gegenden der Welt.
Die Letzte« Nachrichten
bringen die neusten Ereignisse politischen und nichtpolitischen Inhalts.
Die Nomane,
Novellen, Humoresken etc. erscheinen in jeder Nummer fortsetzungsweise.
Die Gratisbeilage«
bestehen in einem 8tägigen Illultr. Sonntags- blatt und einer 14tägigen Illultr. Landwirtschaftlichen Beilage, außerdem am 1. Mai und 1. Oktober in einem Auszug aus dem Gifens bahnfahrplan der in Betracht komnrenden Strecken, sowie am 1. Januar in einem Manä- kalender und einem JWärkteverzeichnis,
Der Hbonnementepreis beträgt vierteljährlich 1,40 Mark.
Der Erbe des Millionärs.
Roman von Clara Rh-inau.
(Nachdruck verboten.)
(Zoitschunq.)
Der Anwalt hatte das junge Mädchen während des Sprechens scharf beobachtet, und auch Sir Elliot heftete besorgte Blicke auf die Enkelin, die sich müde in einen Sessel sinken ließ. Dunkle Schatten lagen unter ihren Augen, und noch vor kaum einer Woche war sie so heiter und lebensfroh gewesen!
„Jsa," begann er etwas zögernd, „wie wäre es, wenn du einige Zeit zur Erholung ein Seebad auf- suchtest? Du grämst Dich zu sehr um Lionel. Eine kleine Veränderung würde dir geistig und körperlich wohl tun."
Sie erhob ihre dunklen Augen und starrte ihn einen Augenblick an, als ob er eine Tour nach dem Monde vorgeschlagen hätte. „O Großvater, davon kann nicht die Rede sein! Um keinen Preis würde ich mich jetzt von Lionel trennen," erklärte sie fest.
„Aber ich wünsche es zu sehr, Jsa," beharrte der alte Herr. „Lionel wird Dich gern einige Tage entbehren, wenn es sich um Deine Gesundheit handelt. Das ist eben keine zuträgliche Atmosphäre für ein junges Mädchen, dieses beständige Reden über Gesetz unb Verbrechen greift Deine Nerven an und macht Dich krank."
„Und wir werden Herrn Mervyn ebenso fleißig besuchen als wenn Sie hier wären," fügte der Anwalt bei. „Ich verspreche Ihnen, daß er nicht vernachlässigt werden soll. Ich glaube, Sir Elliot hat recht, wenn ich so sagen darf, Fräulein Barker."
Jsa warf den beiden Herren einen Blick zu, der deutlich sagte, „also habt ihr ein Komplott gegen mich," dann schlug sie die Augen nieder.
„Ich bin ganz wohl, danke," erwiderte sie sanft;
Zum Jahreswechsel.
DaS alte Jahr ist still gegangen;
Nun kündet'- Heller Glockenklang: „DaS neue Jahr ist eingezogen, Bereitet festlich den Empfang!"
Und Jubelrus tönt ihm entgegen, AIS wär'- der gold'nen Zeit Beginn, Und tausend Hoffnung-palmen grüßen Der Erde junge Königin.
Und all' die Wünsche, die im Herzen Ein jeder hegt, bringt man ihr dar; „WaS Deine Schwester uns versagte, Wirst Du eS geben neue- Jahr?"
Die Menschheit drängt zu ihrem Throne, Wo Alt und Jung vor ihr sich neigt; Sie hört der heißen Wünsche Flehen, Sie lächelt jedem, doch sie schweigt.
Und über all' dem frohen Trubel Blickt, himmelhoch ut.b weltenweit, Mit Millionen Stemenaugen DaS Angesicht der Ewigkeit.
Herbert Berthold.
Zum Sylvester 1912.
Meine Zeit in Unruhe — meine Ruhe in Gott. @8 braucht nicht nur dir $$«& >'?,»nv.b«rru 8-ben? <v sei«, eS ist vielmehr eine allgemeine, in jedem Leben zu machende Erfahrung, daß daS Leben voller Unruhe ist. Da jagt eine Stunde die andere in hastiger Arbeit; ein Tag ist vergangen, eine Woche verflossen, ein Monat dahin, man weis gar nicht wie! Bald ist wieder ein Jahr inS Meer der Vergangenheit getaucht, bald klingen wieder die Sylvesterglocken, wieder dämmert ein neues Jahr heraus I Wo bleibt nur die Zeit? Unruhe überall! Man braucht nicht weit gewandert zu fein aus dem Leben-weg, um eS zu verstehen: Meine Zeit in Unruhe. Und wenn wir ein Jahr nach dem andern in unruhiger Arbeit und Tätigkeit verbracht haben, wenn die Hände ruhig werden müssen, daS Herz wird nicht Ruhe finden können, eS sorgt weiter, eS ist noch so viel unerledigt. So rinnen die Jahre in Unruhe dahin! Darum in diese Unruhe hinein den kräftigen Neujahr-wunsch: Suche Ruhe in Gott. Wir brauchen Ruhe im eigenen Leben, eS darf unS im Hasten täglicher Arbeit nicht die stille Sammlung verloren gehen, die unserem Inneren Schwungkraft gibt. Ueber all unserer ArbeitSunruhe im hastenden Jahre flehe die Ruhe beim ewigen Gott, er sei unserer Seele Ruhehasen. — Wir brauchen Ruhe im HauS und in der Familie. Wer kann Kinder recht erziehen, wenn er nicht selbst die innere Sammlung besitzt und
„Sie brauchen sich meinetwegen nicht zu beunruhigen. Ich kann nicht daran denken, eben jetzt von hier weg- zugehen."
Der Anwalt blickte auf Sir Elliot und gab ihm ein Zeichen, fortzufahren.
„Jsa, wenn es aber mein dringender Wunsch ist — wenn ich es gleichsam als eine Gunst von Dir erbitte, Kind?"
„Es tut mir sehr leid. Deinen Wunsch nicht erfüllen zu können, Großvater," entgegnete das junge Mädchen fest, „aber es ist unmöglich. Alles andere würde ich gerne für Dich tun, nur dies nicht."
Sie tat einen tiefen Atemzug, ihr Kops sank auf ihre gekreuzten Arme nieder, und sie brach in einen Strom von Tränen aus. „O mein Gott, quäle mich nicht," schluchzte sie, „ich bin unglücklich genug."
Rymer erhob sich etwas geräuschvoll und trat an das Fenster. Als er sich wieder umdrehte, machte Sir Elliot eine verzweiflungsvolle Gebärde, allein er antwortete nur mit einem Achselzucken. „Wenn sie noch allein wäre, würde sie gehen," sagte er sich, „so aber wird sie wohl bleiben — zu ihrem eigenen Schaden, fürchte ich."
Er hatte recht — Jsa blieb. Aber obschon Sir Elliot nachgegeben hatte, weil er sich nicht entschließen konnte, sie gegen ihren Willen fortzuschicken, schien doch von diesem Augenblick an sich eine Schranke zwischen Großvater und Enkelin zu erheben. Einem fremden Auge wäre sie wohl kaum bemerkbar gewesen, aber sie bestand, das ließ sich nicht leugnen. Jsa zog sich mehr in.sich selbst zurück, sie konnte nicht mehr frei und offen über Lionel, über ihre Hoffnungen und Befürchtungen mit dem Großvater sprechen. Natürlich wurde sein Name häufig zwischen ihnen genannt, aber es lag eine Zurückhaltung in ihrem Wesen, die ihr = früher ganz fremd gewesen. Nach jenem Tränenausbruch hatte sie sich gewaltsam aufgerafft, allein ihre natürliche Ruhe und Faffung war fast schmerzlicher anzusehen, als ihre frühere Erregung.
nicht selbst Ruhe und Kraft zu dieser ernsten Ausgabe schöpft aus dem ewigen Urquell. Heftigkeit und Rauheit verderben so viel in der Erziehung und machen die Unruhe im Hause noch größer. Lernen wir auch dasür im neuen Jahr«: Meine Ruhe in Gott! Wir brauchen Ruhe für unser Volksleben! ES ist geradezu ein Unglück, daß so viele Unberufen« mit unheiligen Händen ringreifen in die Entwickelung unsere! Volkslebens, mit aushetzenden, verständnislosen Worten hinein« rufen in den Kamps deS TageS und die Leidenschaften der Menschen auspeitschen. Besonnenheit, Mäßigung, Sammlung tut unS in dieser ernsten Zeit doppelt not. Jene ruhige, reife, abgeklärte Sammlung, ein verständige- Urteil gewinnen wir aber nur, wenn wir unS als Christen auf die höchste Warte stellen, unbeirrt von den Schlagwörtern selbstsüchtiger Schreier. Darum setzen wir über die Pforte de- neuen JahreS: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft! ach.
Der Fortgang der ftMitWm
Wie zu erwarten, haben die Türken angesichts der bulgarischen Drohung, die Verhandlungen abzubrechen, einige kleine Zugeständnisse zu machen versprochen, so daß die Ber- Handlungen einstweilen weitergehen können. Freilich find diese Zugeständnisse recht bescheidener Natur. AuS Konstantinopel wird über deren Inhalt vom Montag berichtet:
Nach langen Beratungen hat der Ministerrat beschlossen, noch nacht- den türkischen Bevollmächtigten in London neue Instruktionen telegraphisch zugehen zu lassen. In amtlichen Kreisen wird über diese Instruktionen daS strengste Stillschweigen gewahrt. beS dann erlegt. werde, der Besitz deS Vilaiets Avrianopel sei für die Verterorgung Konstantinopels unumgänglich notwendig. Die Pforte sei verpflichtet, auf diesem Punkte zu bestehen und, wenn Bulgarien darin nachgäbe, sei die Pforte bereit, ihm Kompensationen in dem westlich deS VilajetS Adrianopel gelegenen Gebiet zu bewilligen. WaS die Inseln anlange, so lasse die Pforte keine Diskussion betreffend die Inseln zu, die den Eingang der Dardanellen beherrschen. Betreffs der anderen Inseln sei die Pforte zu einer Verständigung bereit auf der Grundlage der Regierung-form von SamoS. Die Frage der von Italien besetzten Inseln sei lediglich zwischen der Pforte und Italien zu verhandeln. Kreta bilde nicht den Gegenstand deS gegenwärtigen KriegeS; die kretische Frage werde zwischen der Pforte und den Schutzmächten behandelt werden.
London, 30. Dezember. Die Friedenskonferenz ist heute nachmittag 4 Uhr zusammengetreten. Um 5 Uhr bereit- wurde sie auf Mittwoch nachmittags 3 Uhr vertagt. In der Sitzung, in der Danew den Vorsitz führte, erklärten die Türken, daß ihre Instruktionen unvollständig seien und daß sie nach Konstantinopel berichten müßten. Sie seien geneigt, über die FriedenSbedingungen stückweise zu beraten. Die Verbündeten wollten jedoch daraus nicht eingehen.
Sir Elliot beobachtete sie oft mit tiefem Weh, aber er wollte nicht die Worten aussprechen, daß er die eingetretene Entfremdung fühle und deren Ursache ahne. Bei den Mahlzeiten pflegten sie sich, wie gewöhnlich an der langen Tafel gegenüber zu sitzen — in drückenden: Schweigen, oder gleichgültige Reden wechselnd — und erleichtert aufzuatmen, wenn die Marter vorüber war und sie ihre eigenen Zimmer wieder aufsuchen konnten. Sie, die früher ein Herz und eine Seele gewesen, mieden einander wie in gegenseitigem Einverständnis, es war beiden eine Qual, bei einander zu sein.
Das Schweigen des Todes hing über Wandover in jenen Tagen. Seitdem der Erbe weggegangen, schien selbst die Sonne verdüstert durch den Schatten des Verbrechens, der über dem alten Herrenhause sich aus- breitete. Sir Elliots Interesse an seinem neuen Besitz war allmählich erloschen, und Jsas Gedanken beschäftigten sich ausschließlich mit dem Gefangenen, bessert Geschick sich in Bälde entscheiden würde.
Einundzwanzigstes Kapitel.
Inzwischen hätte auch Lionels Stimmung einen Umschwung erlitten. Die Zeit verging, der Tag der Gerichtsverhandlung nahte heran, und noch immer waren Rymers Nachforschungen erfolglos geblieben. Um nichts unversucht zu lassen, hatte er zuletzt mit großen Kosten eine Anzahl Agenten engagiert, die sämtliche Heiratsregister Chicagos, kirchliche sowie zivile, gründlich durchsuchen sollten. Und diesmal wurde eine Entdeckung gemacht: Eine kleine Kirche in einem ärmlichen Viertel der großen Stadt war kürzlich mit ihrem ganzen Inventar, die Kirchenbücher mit inbegriffen, ein Raub der flammen geworden. Lag hierin die Erklärung des Geheimnisses? War es nicht viel wahrscheinlicher, daß Walford falsch berichtet gewesen, und daß die Trauung an einem anderen Ort stattgefunden hatte? Wie dem auch sein mochte, dies war das einzige erreichbare Resultat, und Rymer gab die Suche auf und über# brächte feinem Klienten die schlimme Nachricht.