Etwas von der GeÄngehncht im Sommer.
Bon Heino Spieß, Delmenhorst.
Anfang Juli ist die Brutzeit beendet und der große Eiersegen wird kleiner und kleiner. Ja, an außerordentlich heißen Tagen setzen viele Hennen vollständig mit dem Legen aus. Einige Tiere beginnen auch wohl schon mit einer frühzeitigen Mauser. Beides kann man noch für längere Zeit verhüten, wenn der Appetit durch richtige Futterauswahl rege erhalten wird; besonders durch Erünfutter kann man die Freßlust und damit die Eierproduktion lange Zeit wachhalten. Das Grünfutter muß aber den Tieren in praktischen Raufen, die das Abbeißen ganz kurzer Stückchen der Pflanzen gestatten, vorgesetzt, oder es muß wie Häcksel geschnitten werden. Dabei kommt es auch noch darauf an, saftiges, schmackhaftes Grün auszuwählen. Die spröden Grasstengel, die alten Kleeblätter und die blühenden Unkräuter werden von den Hühnern nicht mehr angerührt. Salatabfälle, Kohlblätter, überzählige Suppenkraut- pflanzen oder auch feingeschnittene Zwiebeln sind am Platze. Das Laub und die Knollen von Zwiebelgewächsen werden von allem Geflügel gern genommen und schaden auch nicht — mit einer Ausnahme — die Enten vertragen sie nicht. Diese Tiere magern bei reichlicher Zwiebelfütterung schnell ab, sie zeigen eine abnorm vergrößerte Leber und gehen bei fortgesetztem Zwiebelgenuß bald ein. Puten dagegen können die Zwiebel literweise verschlingen, ohne jede Beeinträch
tigung ihrer Gesundheit.
An den heißen Tagen hat das Geflügel beständig Durst, weshalb mehrmals am Tage für frisches Wasser gesorgt werden muß, wenn fließendes Wasser nicht zur Verfügung steht. Am längsten kühl erhält sich das Getränk in irdenen Gefäßen. Praktische, automatische Tontränken sind heute überall zu kaufen. Man kann sich aber auch einen sehr guten, das Wasser frisch haltenden Tränkautomaten mit ganz geringen Kosten selbst herstellen. Dazu benötigt man einen glasierten Ein- machtopf und einen etwas größeren Blumenuntersatz. Mit der Feile macht man leicht einen etwa % Ztm. tiefen Einschnitt am oberen Rande des Topfes. Run wird der Topf mit Wasser gefüllt, der Untersatz auf den Topf gestülpt und beide Teile durch eine Schwenkung so herumgedreht, daß der Untersatz auf den Boden zu stehen kommt. Es läuft nun der Teller voll Wasser, aber nicht über; nur soviel Wasser, wie die Tiere saufen, fließt aus dem Einmachtopf wieder nach.
Trotz aller Vorsicht kann aber an sehr heißen Tagen das Trinkwasser ungenießbar werden und der Genuß des nicht einwandfreien Masters zu ernstlichen Erkrankungen, namentlich zum Ausbruch von Durchfall und Cholera führen. Ein gutes Vorbeugemittel^ haben wir im Eisenvitriol, von dem wir etwa 20 Tropfen auf 1 Liter Wasser geben; denselben Zweck erreichen wir dadurch, daß ständig einige flache Eisenstucke, möglichst rostige, in dem Trinkgefäße liegen. Gewarnt sei vor der Verwendung von Nägeln für diesen Zweck, denn as Geflügel verschluckt mit Vorliebe Nagel selbst solche von einer Länge von 2—3 Zoll, wodurch häufig eine Durchbohrung der Magenwand herbeigefuhrt wird, die den Tod des Tieres bedingt.
Daß die Trinkgefäße an den schattigsten Stellen auf. gestellt sein müssen, ist selbstverständlich. Die brennenden Sonnenstrahlen sind dem Geflügel überhaupt sehr schädlich, namentlich verderben sie die Gefiederfarbe des Schaugeflügels, besonders der harzen weißen und roten Schläge. Die übermäßige Warme beeinträchtigt 8 aber auch die Legetätigkeit und den Fleischansatz der
alten, sowie das Wachstum der jungen Hühner. Es heißt deshalb für genügenden Schatten im Auslauf zu sorgen, wo dieser nicht durch natürliche Hecken und alte Baumanpflanzungen vorhanden ist. Im Auslauf verteilte alte Kisten und Tonnen erfüllen diesen Zweck; besser sind Schuppen und Hütten. Am besten und der Natur der Hühner am meisten entsprechend ist aber ein Dach, das man in nur 30 Ztm. Höhe vom Erdboden aus getrockneten, ausgedienten Erbsensträuchern, Boh- nenschächten oder Latten errichtet. Solch ein Platz ist halbdunkel, kühl und leidlich trocken, so daß er auch bei schlechtem Wetter den Hühnern das Einmullen gestattet. Ueber Nacht suchen allerhand Insekten diese geschützten Stellen auf, die am Tage den Hühnern zur Beute fallen. Einen guten schattigen Platz bietet auch eine Anpflanzung von Helianthiknollen, deren breite Blätter den Tieren eine angenehme Erholungsstelle verschaffen. Allerdings alle für die Hühner erreichbaren Blätter fallen dem Grünzeughunger zum Opfer.
Die Hitze richtet im Stalle selbst aber noch größeren Schaden an durch die unheimliche Vermehrung des Ungeziefers. Der Stall, besonders die Nester, sind mindestens zweimal wöchentlich sorgfältig zu desinfizieren, ebenso oft ist auch der Kot zu entfernen. Zur Vernichtung des Ungeziefers bedient man sich in neuerer Zeit mit gutem Erfolge des Ausschwofelns, wodurch auch die Nager, Mäuse und Ratten, getötet, mindestens
falsch
aber auf Nimmerwiedersehen vertrieben werden. Es sind seit kurzer Zeit eigenartig gearbeitete, zum Ver- brennen von Stangenschwefel eingerichtete Apparate im Handel, die die Schwefeldämpfe erst mit Gewalt zu Boden drücken, von dem sie nach und nach an den Wänden zur Decke hoch steigen. Was von lebenden Wesen mit den Dämpfen in Berührung kommt, ist sicher dem Tode verfallen.
Das bei großer Hitze in den Nestern massenhaft auf- tretende Ungeziefer läßt die Tiere während des Legens nicht zur Ruhe kommen und die heiße, stickige Stallluft trägt dazu bei, daß sich die Tiere außerhalb des Stalles einen angenehmeren Ort zur Eiablage suchen. Insekten und Hitze sind fast immer der Grund des Ver- legens der Eier, vorausgesetzt, daß nicht das Nest selbst im vollen Lichte steht. Die Nesteinlage ist regelmäßig wöchentlich zu erneuern und dem frischen Stroh ein wenig Insektenpulver einzustreuen. Noch besser ist es, in der heißen Zeit überhaupt kein Stroh zu nehmen, sondern in den Nestkasten frisch gestochene Erasplatten muldenartig unterzubringen. In diesem Material fin- det sich so leicht kein Ungeziefer ein.
Einfriedigung von Biehkoppel«.
(Abbildung nebenstehend.)
Wenn auch der ausführlichen Stallfütterung immer mehr das Wort geredet wird, so bringen die meisten Landwirte ihr Vieh doch für einige Monate auf die Weide. Bei dem Jungvieh ist diese mehr natürliche Aufzucht auch von größtem Vorteil, denn schon die Bewegung, die den Tieren dann möglich ist, trägt viel zum Wachstum, zur gleichmäßigen Entwickelung der Glieder und Organe und zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Wo viel Jungviehzucht betrieben wird, stellt man gern sogenannte „Koppeln" her, das sind Grasplätze, die mit festen und dauerhaften Zäunen umgeben sind und dadurch den Hirten unnötig machen. Das letztere ist in Anbetracht der hohen Löhne gewiß von großem Wert.
Diese Zäune werden in der Regel von Holzpfählen und Draht bezw. Stacheldraht hergestellt. Zu den Pfählen eignen sich die ausrangierten Eisenbahnschwellen sehr gut, und man sollte dieselben kaufen, wo sich nur Gelegenheit dazu bietet. Leider wird der Draht an den Pfählen noch vielfach in falscher Weise angebracht, und wir wollen an der Hand der Abbildungen die Fehler beleuchten. Bei der einen Abbildung sehen wir den Stacheldraht an der Innenseite der Pfähle angebracht. Das ist gang verkehrt, denn es kommen dann zu viel Verwundungen vor. Die lebhaften Tiere laufen beim Wettrennen gar oft an die Drähte, da sie dieselben nicht so deutlich erkennen und ritzen sich die Haut gefährlich auf. Auch das Verlangen, sich an den Pfählen zu scheuern, können die Tiere nicht befriedigen, weil auch an den Pfählen die spitzen Dornen des Stacheldrahtes haften. Es ist übrigens ganz unnötig, fünf Reihen Stacheldraht zu ziehen. Letzterer soll die Tiere ja nur davon abhalten, sich an den Draht anzulehnen und ihn dadurch zu lockern, oder gar zu zerreißen. Diesen Zweck erfüllt ein einzelner oben angebrachter Draht ebensogut. Unten verrichtet der gewöhnliche Draht denselben Zweck, außerdem ist er doch viel billiger.
Wird der Draht an der Außenseite der Pfähle angebracht, dann sind die Verletzungen selten, und an die Pfähle laufen die Tiere nicht so leicht an. . An diesen freien Innenflächen der Pfähle können die Tiere aber ihre Haut nach Herzenslust und Bedürfnis reiben, ohne daß dabei gleich Blut fließt.
Die Fliegenplage in den Viehställen.
Von Preuß.
In den Sommermonaten wird das Vieh in den Stallungen durch die Fliegen arg gepeinigt, und man kann die Fliegenplage gewiß als die größte Plage der Haustiere ansehen. Verschiedene Gegenmittel hat man schon angewendet, um ihrer Herr zu werden, aber eine völlige Abhilfe ist wohl in keinem Falle zu erzielen. Manchmal wird sogar ganz widersinnig gehandelt. Ge- wiß soll Reinlichkeit geübt werden, und man schätzt den Charakter eines Tierhalters nach der Beschaffenheit der Aufenthaltsräume ein. Auf keinen Fall soll man aber im Sommer die an den Balken und Pfeilern angebrachten Spinngewebe entfernen, denn in diesen fangen sich die lästigen Fliegen zu Dutzenden.
Zugluft ist den Fliegen unangenehm, und sie meiden Räume, in denen sie fortwährend solchen Luftströmungen ausgesetzt sind. Diese Abneigung der Fliegen gegen Zugluft müssen wir uns zunutze machen, indem wir unmittelbar unterhalb der Stalldecke Luftlöcher anbringen, sodaß die Luft ein- und abziehen kann und unter der Decke, dem Hauptsitz der Fliegen, entlang streicht.