Obst- u. Gartenbau
An Spalier. und Formobstbäumen werden jetzt schon die zu dicht sitzenden Früchte vorsichtig ausgebrochen und jedem Däumchen nur die Anzahl belassen, die es seiner Größe entsprechend auch ernähren und zur vollen Ausbildung bringen kann, ohne im eigenen Wachstum Schaden zu nehmen. Neugepflanzte Obstbäume soll man überhaupt nicht tragen lassen; denn das ist zu teures Obst, welches man auf Kosten eines jungen Däumchens erzielt, das im ersten und zweiten Jahre nach der Pflanzung noch dringend aller ihm zu Gebote stehenden Nährstoffe zu einer eigenen Ausbildung bedarf. An den voll behangenen Stachelbeersträuchern pflegt man aus ähnlichen Gründen etwa ein Drittel der Früchte von Anfang bis Mitte Juni auszupflücken, die zu Kompott sehr gesucht sind. Die verbleibenden gewinnen danach ein viel höheres Maß von Süßigkeit und Wohlgeschmack, so daß diese Arbeit doppelt sich bezahlt macht.
Die Rotpustelkrankheit kennzeichnet sich dadurch, daß sich an den befallenen Bäumen vereinzelte oder auch mehrere Zweige und Aeste sehr verschiedener Größe finden, die entweder völlig dürr geworden sind oder nur noch schwach leben. Zu gewissen Jahreszeiten bedeckt sich die Rinde der Zweige mit zahllosen, lebhaft gefärbten Wärzchen, die von wachsartig weicher Beschaffenheit sind und bei feuchtem Wetter zinnoberrot, bei trockener Luft blaßrötlich oder gelblich erscheinen. Manchmal sieht man außerdem etwas kleinere Wärzchen, die sich durch ihre dunkelblutrote Farbe und ihr gekörneltes Aussehen von jenen unterscheiden. Ost findet man Wärzchen, die in ihrem unteren Teil der zuletzt genannten, in ihrem oberen Teil dagegen der zuerst beschriebenen Form gleichen. Diese Wärzchen sind nicht etwa krankhafte Auswüchse der Rinde der betreffenden Aeste und Zweige, sondern sie sind die Fruchtkörper eines Pilzes, der den Namen Nectria cinnabarina Tode führt. Die Sporen, die sich hierin entwickeln, entsprechen den Samen der höheren Pflanzen; sobald sie reif sind, werden sie durch den Wind verbreitet und dienen, wenn sie günstige Bedingungen finden, der weiteren Fortpflanzung des Pilzes. Es ist hierzu erforderlich, daß die Sporen auf einen abgestorbenen Zweig, auf einem Abstumpf oder auf eine Wunde eines Baumes gelangen; mitunter benutzt die Nectria als Eingangspforte auch die Verletzungen und Wunden, die beim Verpflanzen und Beschneiden an den Wurzeln entstehen.
Die günstigste Zeit zur Ernte der Erdbeerfrüchte ist morgens, nachdem die Pflanzen abgetaut sind, eventl. die kühleren Abendstunden. Während der heißen Mittagsstunden sollten keine Erdbeeren geerntet werden, weil dieselben — sobald sie in erwärmtem Zustande in die Pflückgefüße kommen — dem Verderben in hohem Maße ausgesetzt sind.
Ersparnisse im Garten.
Ein Garten soll immer das Muster eines guten Haushaltes sein, sowohl im Ausgoben wie im Einnehmen. Man spare nicht am unrechten Orte und gebe nichts da aus, wo es nicht durchaus nötig oder wenigstens nicht gut angewendet ist. Wie man in einem Haushalt oft viel Geld für Sachen ausgibt, welche wenig oder gar keinen Nährwert haben, während man doch für wenig Geld sehr wertvolle und kräftige Nahrungsmittel kaufen kann, wie Brot und Mehl, Milch und Legumi- nosen, Erbsen, Bohnen usw., so ganz ähnlich geht es im Garten. Während z. B. das Stroh im Mist »iel zu teuer ist, das heißt kaum einen nennenswerten Erfolg als Dünger hat und doch sehr gut bezahlt werden muß, ist z. B. der reine Mist von der Straße viel besser und viel billiger. Ebenso ist die Abtrittgülle für die Pflanzen so viel wert, wie die Milch für den Menschen. Tierische Abfälle, wollene Lumpen usw. haben für die Pflanzen einen ebenso hohen Wert wie die Leguminosen, Erbsen, Bohnen usw. für den Menschen — kurz — gerade das Beste läßt sich meistens sehr billig beschaffen, wird aber oft weggeworfen oder nicht beachtet.
Die Pastinakwurzel,
auch Hammelsmöhre oder Hirschmöhre genannt ver langt tief bearbeiteten und stark, jedoch nicht falsch gedüngten Boden. Der Samen, der bald seine Kelmfahrg- keit verliert, wird im April in 25 Ztm. entfernte Reihen twas dick gesäet, um ein gleichmäßigesAufgehenzu er- -elen; die Pflanzen sind später am 15 Ztm. Achtund i den Reihen zu verziehen. Im Herbst nimmt man ur so viel Wurzeln aus der Erde, wie man für den
Winterbedarf notwendig hat; die übrigen laßt man um -rnde, da sie vom Froste nicht leiden. Eme zweite, lussaat kann im Oktober gemacht werden die Wurzeln nid dann im Juni gebrauchsfähig Anbauwurdige Sorten sind: große lange weiße und dicke runde weiße.
Der Fingorhut und die Glockenblume
sind ja bekannte Pflanzen, und wurden schon in uralten Zeiten als Zierstauden in den Gärten gezogen. Ihre Verwendung kann auf vielseitige Art geschehen, als Einzelpflanzung auf Randbeeten oder im Rasen, oder in ganzen Gruppen, oder vor oder zwischen Gehölzen. Die Blütezeit dieser beiden Stauden ist im Monat Juni und Juli. Ueber ihre Kultur will ich nur kurz erwähnen, daß der Fingerhut ausdauernd und winter- hart ist. Die Anzucht erfolgt durch Aussaat im Frühjahr. Der Same keimt leicht und wachsen die Pflanzen im Laufe des Jahres zu kräftigen Büschen heran, welche im nächsten Sommer zur Blüte gelangen. Der Fingerhut kommt in verschiedenen Arten und Farben vor, in weißrosa, purpurrot, hellgelb u. a. Die großen, glockenförmigen Blüten sind außerdem im Innern verschieden gesprenkelt. Schön ist eine monströse Abart, bei welcher die oberste Blüte schalenförmig erweitert und sehr groß ist. Die genannte Glockenblume ist nur zweijährig. Die Pflanzen sterben nach der Samenreife vollständig ab. Die Glockenblume muß daher wie Lack, Nelken, Stiefmütterchen alle Jahre frisch durch Aussaat herangezogen werden. Auch die Glockenblume kommt in verschiedenen Farben vor, besonders schön sind die weißen, rosa und zartblauen Sorten. Eine Abart verdient besonders hervorgehoben zu werden, es ist die Form caly- santhema, bei welcher sich die Kelche schalenförmig erweitern und die Farbe der Blüten angenommen haben.
Für die Genügsamkeit des Epheus
in bezug auf die Erde spricht die Tatsache, daß man sehr oft recht üppige, gesunde Pflanzen jahrelang in denselben Töpfen stehen hat, ohne sie auch nur ein einziges Mal zu versetzen, höchstens, daß dann und wann die obere Erde weggenommen und durch etwas frische ersetzt wird.
Trinkwasser für das Geflügel
Bei besonders großer Hitze haben die Hühner viel Durst und wenn sie zu viel Wasser trinken, bekommen sie leicht Durchfall. Unter solchen Verhältnissen empfiehlt es sich, ein Stück altes Eisen in das Trinkwasser zu legen und dasselbe mit einem glühenden Eisen zu brennen.
Man verwende zu Brutzwecken
so weit als möglich nur die größten und schwersten Eier von den größten uni> schwersten weiblichen Tieren, da aus solchen in der Regel die größten und schwersten Tiere sich entwickeln. Ferner verwende man, wenn möglich, nur ganz frische Eier zum Brüten, da aus älteren Eiern schwächlichere Tiere hervorgehen wie aus frischen.
Bruteier sind vor jeder auch noch so geringen Erschütterung zu bewahren.
Das Eidotter nämlich wird durch zwei nach den Polen des Eies sich hinziehende dicke Eiweißpfäden (Hagelschnüre, Ehalazeen) schwebend erhalten. Sobald es durch irgend welchen Umstand, Stoß, Schlag oder dergl aus seiner Lage kommt, ist es ihm nicht möglich, sich bei dem beginnenden Brutprozeß genügend zu heben und die an ihm sitzende Keimscheibe der ausstrahlenden Wärmequelle möglichst nahe zu bringen. Ein solches Ei kann unter Umständen trotz seiner Befruchtung sich bei der Brut als klar erweisen, es kann sich aber der Embryo auch zunächst schwach entwickeln, um nach längerer oder kürzerer Zeit abzusterben. '^edes Brüter, welches unbestuchtet ist, wird auch nach Beendigung der Brut Dotter und Eiweiß in wenig veränderter Gestalt reigen. Dagegen sind nach der Brut sich als faul erweisende Eier meistens das sichere Zeichen, daß ^der Embryo zum Leben erwachte, aber nach kürzerer ^cit abgestorben ist, indem er allmählich durch die anhaltende Brutwärme in Fäulnis überging.
Zunge Tauben,
die noch nicht ausgeflogen waren, gewöhnen sich leicht in ihrem neuen Schlag ein, bei älteren Halt dies meist schwerer. Ein probates Mittel ist das Bestreichen ern- -einer Stellen oder das Aufhängen eines mit Amsol getränkten Lappens, oder auch das Mischen des Futters mit Aniskörner. Die Tauben haben eine große Vorliebe für Anis und kehren gerne wieder in den Schlag zurück.
Kennzeichen der Singdrossel.
Die Singdrossel (Turdus musicus) sieht folgendermaßen aus: Oberseits olivengrünlichgrau; Wangen dunkelbraun, grünlichgrau und rotgelb gefleckt; Flügel- und Schwanzfedern mehr braungrau, Heller gesäumt; große Flügeldecken mit düster rostgelben Flecken, wodurch auf dem Flügel zwei Querbinden; Flügelunter, feite Hellrostgelb; Schwanz ober- und unterseits bräun- lichgrau: Unterkörper gelblichweiß, mit dreieckigen und
ovalen rostbraunen Flecken; Kehle gelblichweiß, von dunkelbraunen Streifen begrenzt; Oberbrust rötlichgelb; Oberschnabel dunkelhorngrau, Unterschnabel Heller, Rachen gelb; Augen groß, dunkelbraun; Füße fleischrot; Länge 22 Zentimeter, Flügelbreite 35 Zentimeter, Schwanz 8 Zentimeter. Beim Weibchen Brustflecke größer, aber blasser gelb; Unterflügel Heller; Spitze des Oberschnabels nicht wie beim Männchen ein wenig hakenförmig herabgebogen; Größe etwas bedeutender. Jugendkleid unterseits düsterer, mehr rostgelb überlaufen, oberseits fahler, mit rostgelben ruriden Punkten und großen, dunkelrostgelben Fleckenreihen an den Flügeln; Männchen schon im Nest oberseits mehr orange. gelb angehaucht; allerdings nur für den Blick des Kenners zu unterscheiden.
Was nutzt der Krebs in der Natur und dem Menschen?
Die Krebse stellen im großen Naturhaushalte die Sanitätspolizei vor, die alles Schädliche, Ludernde, Aas und Fäulnis in gesundes, wohlschmeckendes Fleisch umwandeln, die Wässer reinigen und in solchen Gewässern, in denen Fische nicht mehr gedeihen, noch immer gute Ernten geben und ihre Ernährung nahezu gar nichts kostet. Die schlechtesten Wasser, Lachen, Tümpeln, Weiher, «Sümpfe, Moore mit Krebsen, Muscheln und Aalen, allenfalls Schleien und Karauschen besetzt, geben mühelos alljährlich gesicherte Ernten an Menschen-, Fisch- und Krebsnahrung und verwandeln solche Fieberluft erzeugende, der Land- und Forstwirtschaft im Wege stehende Gewässer, die oft Nasen und Augen beleidigen, bei Erzeugung willkommener Nahrung, in glänzende herzerfreuende Spiegeln der Landschaft.
Aale
fressen Würmer, Wasserinsekten, kleine Schnecken, Fischbrut, Froschlaich und kleine Fischchen usw. Will man füttern und kann von genannter lebender Nahrung nicht genug beschaffen, so kann man sich mit der Madener- zeugung helfen. Die einfachste Methode besteht in der Anbringung von Weidenkörben über Wasser auf Pfäh- len, dahinein man die madenbildenden Stoffe, als Fleischabfälle, wertlose Fische, Kadaver aller Art gibt.
Zn Fischbrutvorrichtungen
soll ein Wasser sein, das sehr reich an Sauerstoff ist. Daher verwende man hierfür Wasser aus Brunnen oder Leitungsröhren. Dasselbe wird am geeignetsten zunächst in ein Faß gelassen und kommt erst von da aus in die Brutvorrichtung. Für Winter-Laichen ist eine Wasserwärme von 5—8 Grad, für Frühjahrslaichen von 10—13 Grad nötig. Das Wasser darf aber keine starke Strömung besitzen, sondern soll nur schwach, aber gleich, mäßig fließen.
Seidene Spitzen zu waschen.
Man nimmt 2 Liter Spiritus, 125 Gramm Honig sowie 125 Gramm schwarze Seife und läßt diese Mischung in der Wärme unter fortwährendem Umrühren zergehen. Sobald die Flüssigkeit kalt geworden ist, taucht man ein sauberes Tuch in dieselbe und reibt die Blonden, die man zuvor glatt auf einem Tische ausgebreitet hat, genau nach dem Striche damit, spült schnell ab und streift und bügelt sie dann. Beim Bügeln bedecke man sie mit einem feinen Tuche, damit sie durch das Eisen nicht leiden
Das Blutharnen der landw. Haustiere.
Als Blutharnen, Blutnetzen (Buschkrankheit) bezeichnet man die Entleerung von Blut oder Blutgerinnsel mit dem Urin. Bald liegt dem Uebel eine eigentliche Blutung aus den größeren Blutgefäßen der Nieren, der Harnleiter, der Harnblase oder der Harnröhre zugrunde, bald handelt es sich um eine Beimengung von Blut zum Harn auf dem Wege einer ganz allmählichen Aus- sickerung.
Bei den eigentlichen Blutungen enthält der Urin in der Regel reincs Blut in größerer Menge; dasselbe kann flüssig oder geronnen erscheinen. Diese Blutungen, die bei allen Haustieren vorkommen können, bilden ver- hältnismäßig seltene Vorkommnisse. Beim eigentlichen Blutharnen findet man den Harn gleichmäßig rötlich bis braunrot oder selbst schwarzrot gefärbt, weil Das Blut dem Urin in Gestalt kleiner Gerinnsel innig bei- cemischt ist. Bei längerem Stehen des Urins scheidet sich wegen Senkung der spez. schweren roten Blutzellen ein rotbrauner oder schwarzbrauner Bodensatz ab. In vielen Fällen enthält solcher Urin kein eigentliches Blut, sondern nur Blutfarbstoff; es bildet sich unter diesen Verhältnissen kein Bodensatz. Das wirkliche Blutharne wird vorzugsweise bei den Wiederkäuern und namen