der zweiten und dritten Nachfrucht sich noch wirksam erzeugen kann. In größeren Wirtschaften sollte deshalb der Anbau von Eründüngungspflanzen in einem den Verhältnissen entsprechenden Umfange systematisch betrieben werden.
Kalisalze in den Dünger.
In Wirtschaften mit leichterem, trockenerem und kalibedürftigem Boden sind Kalisalze (Kainit oder Earnallit) in den Dünger einzustreuen. Dieselben sind nicht im Stalle zu verwenden, sondern allwöchentlich ein- oder zweimal über die Düngerstätte zu streuen. Man benötigt pro Haupt Rindvieh und Tag 1%—2 Pfund dieser Salze.
Ueber den Flachsbau gehen die Meinungen stark auseinander; die Ansichten neigen aber überwiegend dahin, daß Flachs am besten nach Raps, Hafer, Bohnen und Klee gedeiht. Eine gute Vorfrucht für Fla^ bildet Hafer, welcher in fein aufgebrochenes Kleefew gesät wird; auf schweren Böden verwendet man Weizen als Vorfrucht.
Wann sollen die Fenster in Getreidespeichern geöffnet werden?
Im Frühling und Herbst müssen die Fenster nachts geöffnet und tagsüber geschlossen werden, weil sonst feuchte warme Luft in den Speicher dringt, wodurch sich nur zu leicht Tau auf dem Getreide niederschlägt. Wenn kühle Luft durch die geöffneten Fenster in die warmen Räume der Speicher dringt, so wird sie erwärmt, kann infolgedessen mehr Wasserdampf aufnehmen, wodurch die Luft im Speicher trockener wird.
Torf- und Moorboden
werden gekennzeichnet durch das Vorkommen der Torfoder Wollblume mit ihren weithin sichtbaren und schneeweiß schimmernden wolligen oder seidenhaarigen Büscheln, welche nach der Blüte erscheinen, der gelben Toll- blume, der Riedgräser usw.
Wann soll gemäht werden?
Sobald die vorherrschend guten Wiesenkräuter in die Blüte treten, soll gemäht werden, wohlbemerkt, wenn das Wetter zum Heuen ermutigt. Ist dies nicht der Fall, nun dann warte man lieber auf Kosten der Verdaulichkeit des Futters besseres Wetter ab, denn beregnetes ist auch in seinem Wert bedeutend vermindertes Futter. Man wird einwenden, daß die Samen unserer Wiesenpflanzen zur Erhaltung des Pflanzenbestandes auf der Wiese reif werden und ausfallen müssen, damit nicht die ein- und zweijährigen Pflanzen verschwinden. Dies regelt sich aber in der Natur meist selbst, denn die Witterungsverhältnisse sind oft derartig, daß Samen genug ausfallen, bis die Heuernte eingebracht ist. Die richtige Zeit des Heuwerbens muß ja so häufig bis zum Eintritt besseren Wetters verschoben werden. Unterdessen sind die Samen der Wiesenpflanzen reif geworden. Die guten Wiesenpflanzen vermehren sich übrigens auch durch unterirdische Entwicklung, durch Wurzolaus- läufer usw.
Wirkung des Haferstrohes auf die MilchergiebigkSit.
Die Wickensamen und alle anderen Bestandteile der Wickenpflanzen bewirken, in größeren Gaben verfüttert, eine Depression der Milchsekretion. Ein Gleiches ist von der Verfütterung von Haferstroh behauptet worden. Nach der Verfütterung guten, unverdorbenen Haferstrohes ist dies jedoch durchaus nicht der Fall. Auch die gelegentlich ausgesprochene Behauptung, größere Haferstrohgaben verursachten durch einen in diesem Stroh vorkommenden bitteren Extraktivstoff einen üblen Milch- und Buttergeschmack, erzeugten besonders bei Butter und Rahm einen bitteren Nachgeschmack, ist nicht gerechtfertigt. Erzielt man doch in Schleswig-Holstein gerade nach Verfütterung großer Haferstrohgaben (bis zu 4 Kg. pro 500 Kg. Lebendgewicht und Tag) eine Butter von vorzüglicher Qualität. Man kann von gutem Haferstroh an alle Wiederkäuer, auch an Milchkühe, vorausgesetzt, daß die mitverabreichten Futterstoffe von entsprechender Qualität sind, ohne Bedenken so viel verfüttern, als zur Herbeiführung eines wünschenswerten Volumens und eines angemessenen Nährstoffverhältnisses der Eesamtfuttermischung erforderlich ist. Nur wenn das Haferstroh anhaltend beregnet, feucht eingemietet oder angebanst wurde und infolge davon sich stark erhitzte oder sogar dumpfig geworden ist, kann es einen bitteren Milchgeschmack verursachen. Auch ist es wohl nur solches verdorbenes Haferstroh, welches bei Fohlen leicht Laxieren erzeugt. Man will beobachtet haben, daß die Halmknoten leicht infolge von Selbsterhitzung des Strohes einen bitteren („scharfen") Geschmack annehmen und den Milchgeschmack nachteilig Verändern. Man schreibt ferner auch, aber gleichfalls
mit Unrecht, speziell Sem Haferstroh zu, daß es die Butter „talgig" mache. Talgige Butter erhält man jedoch ausnahmslos nach reichlicher Verfütterung von Eetreidestroh, wenn nicht Substanzen mitverfüttert werden, die eine buttererweichende, also eine ausgleichende Wirkung aus die Butterbeschaffenheit ausüben. Solche das Butterfett erweichende Futtermittel sind z. B. die Rapskuchen, Haferschrot, Weizenkleie, Reisfuttermehl usw. Endlich wird die Gedeihlichkeit des Haferstrohs zweifelsohne oft beeinträchtigt durch Rost- und Brandpilze. Stark von solchen Pilzen befallenes Haferstroh muß gehäckselt und gedämpft werden, kann aber ohne Bedenken zur Fütterung des Milchviehs Verwendung finden.
Die Hufeisen.
Ein Fehler, den sich viele Pferdebesitzer zu schulden kommen lassen, ist das zu lange Liegenlassen der Eisen. Dieselben sollen spätestens alle vier Wochen frisch gesetzt und überflüssiges Horn entfernt werden.
Die Entfernung von WarM an Tieren geschieht einfach dadurch, daß man dieselben mit einem starken Faden sogen. Sattlerseide unterbindet; nach einigen Tagen fällt sie dann ab. Auf die entstandene Wunde schmiert man etwas Karbolsalbe. Kleinere Warzen schneidet man mit einem scharfen Messer ab und bestreicht dann die entstandene Wunde mit Höllenstein.
Das Schweinebad, die Sparbüchse des Mehhalters.
Caesar Rhan, Steglitz, Lehrer für naturgemäße Tierheilkunde.
Zur naturgemäßen Tierpflege gehött es, daß wir unsere Tiere recht oft baden. Ein Schwein, das täglich hinauskommt, gebadet und abgegoffen wird, wird niemals erkranken. Ich weiß es aus Erfahrung, und wer es nicht glaubt, versuche es. Ich zeige, wie man hier auf einfache Weise den Schweinen ein Bad herichtet, das Bild ist meinem Werke „Das goldene Buch des Landwirts" entnommen, und wie sie sich selbst massieren
können, eine zweite große Wohltat für das Tier. Im Winter verwendet man das Waffer des Kartoffeldämpfers, um ein warmes Bad zu machen und leitet die Heizröhren im Stall herum, damit man nicht so viel Schweine zusammenpferchen muß, um den Stall zu erwärmen. Auf dem Gebiete der Tierpflege sind die Menschen noch furchtbar rückständig, denn wir stopfen doch auch nicht so viel Menschen in ein Zimmer, damit es erwärmt wird
Neue Behandlung der Rinder-Tuberkulose.
Auf Veranlassung des Ministeriums des Innern sind seit einiger Zeit Versuche mit einem neuen Verfahren zur Behandlung tuberkulöser Rinder ausgestellt worden. Das von Dr. Burow, Privatdozent an der tierärztlichen Hochschule in Dresden, angegebene Verfahren besteht in der Verimpfung eines Bakterien-Prä- parates „Tuberculosan Burow", dem die Wirkung zugeschrieben wird, tuberkulosekranke Rinder, welche dem Besitzer nur noch geringen oder keinen Nutzen mehr ab- werfen, in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder wirtschaftlich nutzbar zu machen. Zur Behandlung mit dem Mittel eignen sich namentlich Tiere, die an Lungentuberkulose leiden. In leichteren Erkrankungsfällen scheint nicht nur wesentliche Besserung, sondern unter Umständen sogar Heilung erzielt zu werden. Aber auch bereits abgemagerte Tiere, die sich im vorgeschrittenen Stadium der Krankheit befinden und bei denen deshalb eine Heilung ausgeschlossen ist, scheinen nicht selten mittels des Verfahrens in ihrem Allgemeinbefinden soweit gebessert werden zu können, daß sie an Körpergewicht und in der Milchleistung zunehmen und weiterhin in der Wirtschaft mit Nutzen verwendet oder als nahezu vollwertige Schlachttiere verkauft werden können.
Nach dem Ergebnis der bis jetzt in Baden in geeigneten Fällen angestellten Versuche ist es bei 69,5
Prozent der behandelten Tiere gelungen, den infolge der tuberkulösen Erkrankung erngetretenen Rückgang ini Ernährungszustand und in der Milchnutzung nicht nur zum Stillstand zu bringen, sondern vielmehr eine erhebliche Besserung zu erzielen. In Einzelfällen ist so. gar völliges Verschwinden der Krankheitserscheinungen beobachtet worden. Nach den gemachten Erfahrungen ist die Aussicht auf Erreichung einer Befferung um so größer, je früher das Verfahren eingeleitet wird. Zuweilen empfiehlt sich die ein- oder mehrmalige Wiederholung der Impfung. Wenn auch hochgradige Er- krankungsfälle sich zur Behandlung wohl nicht mehr eignen werden und die Erwartungen nicht allzu hoch gespannt werden dürfen, so scheint das Verfahren bei der Bekämpfung den Tuberkulose der Rinder, nament. lich zur Milderung der durch die Einbuße an Fleisch, Milch und Arbeit entstehenden erheblichen Verluste doch wertvolle Dienste leisten zu können. Jedenfalls erheischt das Ergebnis der bisherigen Versuche die Aufmerksamkeit der Viehbesitzer. Die Kosten des Impfstoffes sind als mäßig zu bezeichnen. Das Ministerium wird die Bezirkstterärzte zur Fortsetzung der Versuche und zum Bericht über das weitere Ergebnis veranlassen.
Blaue Milch
entsteht noch häufiger als rote, und ist hier stets ein kleiner Pilz, der blaue Milchbazillus, der Täter. Zunächst bilden sich auf der Oberfläche der Milch kleine blaue Fleckchen, die schnell größer werden, die ganze Oberfläche bedecken, zugleich aber auch in die Tiefen des Milchhafens hinabsteigen und die ganze Milch blau färben. Dieser blaue Milchbazillus treibt nicht nur in der süßen Milch, sondern auch im Rahm und in der Magermilch sein Wesen, in der süßen Milch beginnt er sich mit der beginnenden Säurebildung bemerkbar zu machen.
Gerinnen der Milch.
Abgesehen von dem Gerinnen der Milch schon im Euter, was von einem entzündlichen Zustand des Euters herkommt, kommt es in den Sommermonaten, bei großer Hitze, bei Gewitterluft, besonders noch in heißen, dun-/ stigen Stallungen oder nach körperlicher Erhitzung bei dem Weidegang vor, daß die Milch vorzeitig gerinnt. Sie rahmt dabei nicht gehörig aus und läßt sich schwer verbuttern. Gegen dieses Uebel wendet man außer eifriger Stallüftung innerlich Säuren, z. B. Essig (250 Gramm) oder Salzsäure, Schwefelsäure (15—25 Gramm) morgens und abends mit Wasser vermischt an; auch 2 bis 4 Gramm Natronsalpeter kann man dem Trink- wasser beifügen. Ebenso empfiehlt sich die Abkühlung der gemolkenen Milch in Kühlapparaten, ferner die Bindung der Säure durch doppeltkohlensaures Natron (4 Gramm auf 6 Liter). Daß die Milchgefäße und Seihtücher durchaus rein sein müssen, versteht sich von selbst.
Halte die Schweine in reinen,
trockenen, Hellen, luftigen, mäßig warmen und ruhigen Ställen. Dieselben dürfen im Sommer nicht der Ein-i Wirkung der Mittagssonne ausgesetzt sein. Liegen aber einmal die Ställe an der Südseite (bezw. Südost- und Südwestseite) eines Gebäudes, so müssen Schattenbäume angepflanzt werden. Im Notfall kann man die Wirkung der Sonnenstrahlen durch Uebertünchen oder Verhängen der Fenster zu mildern suchen. Je weniger ein Steigen der Temperatur über eine normale Höhe hinaus im Stalle zu vermeiden ist, desto mehr muß für frische Luft in demselben gesorgt werden.
Bei Erstlingssauen
kommt es oft vor, daß sie während den Geburtswehen aufspringen, wodurch sie den Lauf der Geburt hindern resp, verzögern. Bei Verabreichung ihres Lieblingsfutters und auf wiederholtes Kraulen pflegen sich solche Tiere gewöhnlich zu beruhigen.
Mangel an Geschlüchtstrieb.
Das Uebel tritt meist bei sehr fetten oder aber auch bei sehr herabgekommenen Tieren auf, welche meist einen derartig schwachen Geschlechtstrieb zeigen, daß derselbe von feiten der Züchter übersehen wird; geschieht letzteres öfter, so ist die Folge davon, daß die betreffenden Tiere meist garnicht mehr brünstig werden. Die Abhilfe in diesem Falle besteht in dem Zusammenbringen der weiblichen Tiere mit den männlichen, in einer schlechteren Ernährung der zu fetten und einer kräftigeren Fütterung der herabgekommenen Tiere. Nützt dies nichts, so mag man einen Tierarzt zu Rate ziehen; selbst hilfreich einzugreifen oder sogenannte „Sttermittel" anzuwenden, ist nicht anzuempfehlen. Häufig liegt die Ursache dieses Zustandes auch in einer unvollkommenen Entwicklung der Eierstöcke, was meist bei Zwillingen der Fall ist. Man tut daher gut, Zwillingskälber nicht aufzuziehen, denn eine Abhilfe gibt es in diesem Falle nicht.